Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Polizeibezogenes, was in keine andere Sektion hineinpasst

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Challenger
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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Challenger » Di 22. Sep 2015, 22:23

Was du beschreibst, würde ich unter "Zivilcourage" subsumieren. In dem Bereich sollte vielleicht wirklich mehr gemacht werden, um die Bürger mit ins Boot zu holen. Alles darüber hinaus ist dann überflüssig und kann vielleicht sogar gefährlich werden (in den unterschiedlichsten Formen).
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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Kulinka » Di 22. Sep 2015, 22:40

Da hast du sicherlich recht, das kann gefährlich werden. Ich behaupte jedoch: Isoliertes, zivilcouragiertes Vorgehen kann noch gefährlicher werden. Wenn ich weiß, welche drei Leute aus der näheren Nachbarschaft ich alarmieren kann, bevor ich mich einer potentiell konfrontativen Begegnung stelle, gibt mir das zumindest ein psychologisches Mehr an Sicherheit.

Vielleicht ist die Polizei hier auch der falsche Ansprechpartner, koordiniert werden könnten solche Bestrebungen auch über die OÄ. Für "meinen" Bereich stehe ich bereits im Austausch mit dem OA, und das klappt ganz gut. Jedenfalls so gut, dass man meine Handynr. sowohl bei der Polizei als auch beim OA unter dem Stichwort "meldet, wenn er sich denn mal meldet, keinen Bullshit" gespeichert hat.

Es ist halt eben so: Auch wir Bürger merken, dass die Sicherheitslage im Moment angespannt ist. Und natürlich wollen wir dabei helfen, sie zu entspannen. Wenn das richtig koordniert wird, kann ich in diesem Bestreben nur Vorteile erkennen.

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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Riker69 » Mi 23. Sep 2015, 01:06

Kulinka hat geschrieben: Woran ich eher gedacht habe, sind die sog. Sicherheitspartnerschaften wie z.B. in Frankfurt/Oder.

http://www.moz.de/artikel-ansicht/dg/0/1/1253654
Zu ihren Aufgaben gehören neben der Absicherung von Veranstaltungen wie dem Stadtfest Bunter Hering unter anderem auch die Schulwegsicherung
Sie seien ein Bindeglied zwischen Polizei und Bürgern und leisteten durch bürgerschaftliches Engagement für Sicherheit und Ordnung "unabhängig von Erfolgsstatistiken" einen wichtigen Beitrag im Rahmen der gesamtgesellschaftlichen Präventionsverantwortung.
Genau zu diesen Punkten kann man "Freiwillige Helfer" einsetzen. Aber es gibt ein Land, Namens Sachsen- Anhalt, dass sich trotz der akuten Personalmisere Regionalbereichsbeamte (RBB) leistet welche genau die oben genannten Tätigkeiten ausführen. Und das sind so viele, dass man ohne Probleme drei mittelgroße Städte mit einem kompletten ESD versehen könnte.
Man bekommt das Grausen wenn man sieht wie diese RBB`s an einer Grundschule Radrennen im Rahmen der Verkehrserziehung veranstalten, während die drei Hanseln vom ESD von einem Einsatz zum anderen hecheln :gruebel:
Ich glaube mit einer sinnvollen Personalverteilung kann man viele Löcher stopfen und somit würden etliche Diskussionen über "Hilfspolizeien" würden garnicht erst entstehen.
„Wer den Sumpf austrocknen will, darf nicht die Frösche fragen.“
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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Lone Soldier » Mi 23. Sep 2015, 05:59

Wenn du das Faß aufmachst, gibt es doch noch ganz andere heilige Kühe zu schlachten, als die KOB (so heißen die bei uns).

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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon mistam » Mi 23. Sep 2015, 08:14

Kulinka hat geschrieben:... Mir wäre es nur eben lieber, wenn solche Bürger sich dann mit der Polizei absprechen und im Zweifelsfall auch von dieser für ihr (Ehren-)Amt ausgesucht würden.
Die Polizei bildet bereits ihre Objektschützer, die nur wenige Rechte hat und deren Aufgabenspektrum einigermaßen überschaubar ist, vier Monate lang aus.
Und wie sollte eine Auswahl aussehen? Persönliches Gespräch und Leumundsprüfung, also die zeitaufwändigsten Verfahrensschritte eines "ordentlichen" Auswahlverfahrens?

Wenn die Leute tatsächlich nur Angelegenheiten feststellen und melden würden, für die originär die Ordnungsämter zuständig sind, wäre das wohl hinnehmbar. Das ist hier aber eher nicht das Thema.

Ansonsten kann ich nur Controller und Challenger zustimmen und verstehe absolut nicht, wie ausgewachsene PVB es gutheißen können, dass schnellbesohlte Hilfskräfte mit vergleichbaren Rechten wie sie selbst ausgestattet und auf den Bürger losgelassen werden.
In Berlin gab es mal die "FPR" = "Freiwillige Polizeireserve", die glücklicherweise zwischenzeitlich abgeschafft wurde, zu ihrer Zeit aber auch keine Eingriffsrechte hatte und nur gezielt und für einfachste Aufgaben eingesetzt wurde.
Zuletzt geändert von mistam am Mi 23. Sep 2015, 08:17, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Old Bill » Mi 23. Sep 2015, 08:16

Der freiwillige Polizeidienst wurde zuletzt und wird immer noch im Bereich Verkehrsüberwachung/-lenkung und Objektschutz eingesetzt, so das gewährleistet ist das z.B. beim Weihnachtsmarkt an den Fußgängerüberwegen laut dem Eisatzkonzept ein Uniformierter steht oder bei bestimmten Objekten bei Erscheinen eines Funkwagens sich die Schranke hebt und senkt...da muss keiner in A9 sitzen und die Tarifbeschäftigten bekommt man bei den Wahnsinnsgehältern, welche das Land zählt, des Nächtens nicht an die Schranke.
Wenn der gesunde Menschenverstand un unserer Republik mal wieder Einzug halten würde und man einem verdächtigen Klirren aus dem nachbarlichen Anwesen mehr Aufmersamkeit schenken würde als der hin und wieder erklingenden überlauten Musik, dann wäre man schon einen Schritt weiter.
In Krisenzeiten suchen Intelligente nach Lösungen, Idioten suchen nach Schuldigen.
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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon mistam » Mi 23. Sep 2015, 08:25

Old Bill hat geschrieben:Der freiwillige Polizeidienst wurde zuletzt und wird immer noch im Bereich Verkehrsüberwachung/-lenkung und Objektschutz eingesetzt, so das gewährleistet ist das z.B. beim Weihnachtsmarkt an den Fußgängerüberwegen laut dem Eisatzkonzept ein Uniformierter steht oder bei bestimmten Objekten bei Erscheinen eines Funkwagens sich die Schranke hebt und senkt...da muss keiner in A9 sitzen und die Tarifbeschäftigten bekommt man bei den Wahnsinnsgehältern, welche das Land zählt, des Nächtens nicht an die Schranke.
Wenn der gesunde Menschenverstand un unserer Republik mal wieder Einzug halten würde und man einem verdächtigen Klirren aus dem nachbarlichen Anwesen mehr Aufmersamkeit schenken würde als der hin und wieder erklingenden überlauten Musik, dann wäre man schon einen Schritt weiter.
Das sind nun zwei unterschiedliche Themenbereiche.

Dass es hilfreich ist, dass sich Nachbarn um Nachbarn kümmern ist sicher richtig - aber bitt nicht im Wege von "Streifendiensten".

Inwieweit und an welchen Stellen "gesunder Menschenverstand" in "unserer Republik" fehlt, müsstest Du evtl. etwas ausführen. Ich finde, dass man nach wie vor ganz gut und objektiv betrachtet auch recht sicher hier leben kann.

Wenn man unbedingt Uniformierte an Fußgängerüberwegen haben will, dann sollte man sich meiner Meinung nach dafür auch "richtige" Polizisten leisten. Ansonsten kann man zweifellos dem Veranstalter aufgeben, im Nahbereich seiner Veranstaltung Ordner auch an Verkehrsüberwegen einzusetzen.
Da wo Funkwagen ein- und ausfahren, es also um reine Pförtnerdienste geht, werden in Berlin schon seit vielen Jahren private Sicherheitsunternehmen beschäftigt.

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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Kulinka » Mi 23. Sep 2015, 12:39

Ich gebe dir weitgehend recht, Mistam. Ich schrieb ja auch schon, dass ich es für Unfug halte, Grundrechtseingriffe an Fachfremde zu delegieren, insofern rennst du da bei mir offene Türen ein.

Wenn der FPD es nicht ist, kann es aber aus meiner Sicht nicht schaden, sich verstärkt Gedanken darüber zu machen, wie man die Bürger intelligent in (auch polizeiliche) Sicherheitskonzepte einbindet.

Zum Thema gehört das Ganze mE schon. Diese Bürgerwehren sind entstanden, weil es einen Mehrbedarf an Sicherheit tatsächlich gibt. Der Staat, wie ich ihn verstehe, muss darauf mit Ansätzen reagieren, wie diese Aktivitäten nutzenstiftend kanalisiert und geleitet werden können.

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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Lone Soldier » Mi 23. Sep 2015, 12:53

Die Bürgerwehren sind nicht dadurch entstanden, dass es ein mehr an Sicherheitsbedarf gibt, sondern, dass Polizei mancherorts einfach nicht mehr in der Lage ist, diese zu gewährleisten.

@mistam: Grundsätzlich stimme ich dir zu. Aber gerade in ostdeutschen Grenzregionen hast du Leute die in Sachen "ich wurde Geschädigter eines Einbruchdiebstahls" schon das zehnmalige Jubiläum feiern können, in deren Dorf sich alle Jubeljahre mal ein Streifenwagen verirrt. Wo die Reaktionszeit bei einem 110-Anruf bei 30 Minuten aufwärts liegt. Wohlgemerkt gelten die 30 Minuten nur, wenn der zuständige Wagen auch frei ist. Und die sehen das wohl etwas anders.

In einer perfekten Welt würde das diese Leute dazu bringen sich politisch zu engagieren, in Parteien einzutreten...um ihren Unmut darüber Kund zu tun. In dieser Welt leben wir aber nicht. Ich finde diese Streifen ja auch nicht gut, aber die kriegst du ja auch nur durch eine gewisse Polizeipräsenz wieder in den Griff.

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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Harkov » Mi 23. Sep 2015, 13:06

wäre es insgesamt nicht sinnvoller die Selbstverteidungsfähigkeit des Individuums zu erhöhen ? Sprich SV Kurse, Sensibilierung für das Thema Überfall etc ?

Da könnte Polizei mitmischen ohne gleichzeitig Konkurrenzgruppen wie Bürgerwehren zu unterstützen was m.M.n. schon raus Gründen der Staatsräson nicht geht.

Dass das bei den Haushaltslagen utopisch ist Ausbilder an Schulen, Gemeindezentren o.ä. zu schicken ist mir klar, macht die Idee aber realisierbar bei sich ändernden politischen Vorzeichen.
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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Lone Soldier » Mi 23. Sep 2015, 13:15

Harkov, Angebote in SV gibt es doch zu Hauf. Und da sind inzwischen auch echt gute Sachen für einen humanen Preis dabei. Einzige Vorraussetzung ist die Bereitschaft seinen Hintern regelmäßig zum Training zu bewegen und zu akzeptieren, dass realistisches SV-Training auch mal weh tut.

Diese Bereitschaft fehlt vielen. Die gehen dann zu den Kursen, wo es körperlich nicht anstrengend ist, man keine Sparringskämpfe macht...und wundern sich dann, dass sie auf der Straße die Hucke voll bekommen.

Wenn jemand ein Jahr SV "trainiert" hat ohne auch mal ein blaues Auge oder eine Schramme davon zu tragen, kann ich dir sofort sagen, wie viel ihm dieses Training im Ernstfall bringen wird. Ist so zielführend, wie jemanden auf dem Verkehrsübungsplatz seinen Führerschein machen zu lassen und ihn dann von null auf Hundert in den Berufsverkehr einer Großstadt zu schicken.

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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Harkov » Mi 23. Sep 2015, 13:56

mir geht es da weniger um die (zum Teil recht guten) SV Programme aus privater Hand. Mir geht es darum, dass der Staat sich da mehr einbringt und damit dem ganzen auch eine gewisse Seriösität und Wichtigkeit gibt.
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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Lone Soldier » Mi 23. Sep 2015, 14:21

harkov, dass haut in der Praxis nicht hin. Diejenigen, die echtes SV-Training mit allen Konsequenzen wollen, siehst bei solchen "staatlichen" Veranstaltungen nicht. Da schickt die Waldorfmutti ihren Sprößling hin, der von Haus aus in Watte gepackt wird. Und wenn der mal mit einem blauen Auge oder einer blutenden Nase nach Hause kommt, was meinst du was dann los ist. Dem Beschwerdehagel setzt sich keine Behörde aus. Muss sie ja auch nicht.

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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 23. Sep 2015, 14:34

Zumal es diverse Behörden gibt, die Selbsthauptungskurse anbieten, Seniorenhilfe, etc...und den PSV mit SV Abteilung gibt es auch noch.
:lah:

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Re: Bürgerwehr - Schutz oder Selbstjustiz?

Beitragvon Harkov » Mi 23. Sep 2015, 14:45

Ich kann leider nicht mehr sagen wann dass in NRW so wahr. Dort kamen Polizisten in die Schulen referierten über solche Themen (u.a.) und gaben auch Kurse.

Dadurch erreichte man deutlich mehr, als nur jene bei denem SV eh aufm Plan stand.

@LoneSoldier: in einer Gesellschaft von Schafen wohl schwierig, ja!
Umparken im Kopf wünschenswert.
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