Abschied von staatlicher Romantik

Polizeibezogenes, was in keine andere Sektion hineinpasst

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e42b
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Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon e42b » So 18. Nov 2018, 21:29

Hi,

unlängst stolperte ich über folgenden Artikel im Spiegel: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/k ... 37348.html

Dieses Land ändert sich. So weit, so platt. Das kommt wie immer zuerst bei denen an, die auf der Straße arbeiten, bei Polizisten, Rettungskräften und ähnlichen Professionen. Mit Vorurteilen und Rassismus können wir dem nicht begegnen wohl aber mit einer Stärkung der Ordnungs- und Sicherheitskräfte.

Ich wünsche mir eine Gesetzgebung, die die realen Gegebenheiten erkennt und schneller reagiert als ich bislang zu beobachten das zweifelhafte Vergnügen hatte.

(Ich weiß, dass die Thematik hier und da in unterschiedlichen Threads schon diskutiert wird, erhoffe mir aber durch diesen Artikel aus immerhin dem Spiegel eine Bündelung. Wenn nicht gewollt, bitte löschen.)

Bleibt am Leben und gesund. Wir brauchen Euch mehr denn je.
E.

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Re: Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon Old Bill » So 18. Nov 2018, 21:41

Interessante Berichterstattung welche, bis auf die Erfahrungen des Herrn Kriminaldirektor, auch meine Erfahrungen auf der Straße widerspiegeln.
Gruß :polizei4:
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Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon Officer André » So 18. Nov 2018, 22:02

Meine dienstliche Erfahrung spiegelt dies ebenfalls wieder.

Wobei es in meinem Bereich relativ wenig Brennpunkte gibt. Früher war dieses Klientel recht übersichtlich vertreten. Mittlerweile gibt es Unterkünfte in Gegenden, die als ruhige und heile Welt gelten.
Nun bewegt sich dort eben auch Klientel, dass es dort früher nicht gab. Das macht eine bisher eher verschlafene Gegend unsicherer. Die Sorgen der Anwohner werden nicht ernst genommen. Ich persönlich habe großes Verständnis für die Bedenken und Verärgerung der Anwohner.
Natürlich herrscht dort nicht plötzlich Ausnahmezustand - möcht ja wohl auch sein - aber das ist auch nicht der Maßstab, den die Anwohner absetzen.


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Re: Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon Kaeptn_Chaos » So 18. Nov 2018, 22:04

Endlich mal wieder ein Flüchtlingsfred.
Dann wird wohl bald auch noch mal eine Tattoodiskussion kommen.
:lah:

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Beitragvon Officer André » So 18. Nov 2018, 22:08

Es geht um Veränderungen. Das bewegt das Land nunmal.

Es geht nicht ausschließlich um Flüchtlinge.
Das Thema ist nicht neu. Es kam nur erst seit 2015 so richtig auf den Tisch, was seit Jahrzehnten brodelt.

Edit: mir persönlich ist völlig wumpe, welchen Status, Herkunft, Haar- und Hautfarbe mein Gegenüber hat.
Probleme gehören angegangen.

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Re: Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon e42b » So 18. Nov 2018, 22:27

@KC: Es geht mir gerade nicht um Vorurteile oder Flüchtlingsbashing. Es geht mir darum, dass sich dieses Land ändert und ich möchte es weiter als das Land erleben, das ich liebe.

@OA: Danke. Organisierte Kriminalität (als Clans organisiert) ist genauso real wie fehlender Respekt gegenüber PVB oder Rettungsdienstmitarbeitern.

Nicht nur ich sehe da einen Trend. Wenn wir weiter einigermaßen friedlich miteinander leben wollen, muss der Respekt vor Ordnungs- und Sicherheitskräften dort hergestellt werden, wo er verletzt wird, denke ich.

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Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon Officer André » So 18. Nov 2018, 22:30

Der Respekt vor dem Rechtsstaat!
Da liegt der Hund begraben.


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Re: Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon Aldous » So 18. Nov 2018, 22:34

Ein Glück entblödet Herr Behr sich abermal nicht, seine Meinung zu äußern. :tot:

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Re: Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon Controller » So 18. Nov 2018, 23:29

Andre, meiner Meinung nach brauche ich, wenn ich den Rechststaat respektieren soll, auch Vertrauen in ihn.
Wir alle können dazu beitragen, dieses Vertauen aufzubauen.
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)

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Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon Officer André » So 18. Nov 2018, 23:54

Und genau dieses Vertrauen geht zunehmend in die Binsen.

Kopfschütteln sehe ich auch in unseren Reihen zur Genüge.

Natürlich geht morgen nicht alles den Bach runter. Deswegen lege ich noch lange nicht die Hände in den Schoß.

Natürlich müssen wir auch weitere gesellschaftliche Veränderungen betrachten.
Egoistisch, rücksichtslos, undiszipliniert und unhöflich sind der neue Trend. Hauptsache ICH. Keiner macht mir Vorschriften oder steht über meinen Bedürfnissen.
Die Ketten der Konformität, Pflicht und gesellschaftlichen Erwartungshaltungen werden an den Nagel gehängt. Das ist Basis für wachsende Respekt- und Rücksichtslosigkeit!
Je nach sozialem Umfeld und Charakter, wird Gewalt als Meinungsverstärker eingesetzt.

Wenn es beim sog. „braven Bürger“ schon einreißt, brauchen wir uns über entsprechende Potenzierung nicht zu wundern.


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Re: Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon e42b » Mo 19. Nov 2018, 00:33

Danke Controller, darum geht es. Danke auch an OA.
Das ist der Moment, wo sich der Hund in den Schwanz beißt.

Augenblicklich scheint es dem Staat zu reichen, dass die Kräfte an der Front das, was abgeht, irgendwie in Papier (digital gespeicherte Information, allgemein Handlebares) zu verwandeln.
Wenn die Substanz abbröckelt, interessiert das offenbar kaum jemanden, dessen Geschäft die Politik ist. Naja, wird schon gehen.
Klar, am Ende kommt ein Urteil raus. Der Clan kauft sich teure Rechtsanwälte, die gegen überlastete Staatsanwälte antreten und zu allem Übel kann dann vielleicht der einzige polizeiliche Zeuge nicht auftauchen, weil er gerade anderweitig Dienst tut. Der kriegt dann ein Ordnungsgeld und am Ende steht dann ein Urteil, das die Tat nur bedingt oder gar nicht ahndet. Die Welt kann Papier bedrucken, alles gut.
So regelt man eine komplexe Gesellschaft auf Dauer nicht.

Es hilft auch nicht, wenn reflexmäßig draufgeschlagen wird. Dazu ist unser Land mithin zu kompliziert geworden. Der Rechtsstaat muss jeden Übergriff verfolgen. Da gibt es keinen Unterschied zwischen einer OWi und gewerbsmäßig ausgeführter Kriminalität. OWis zu verfolgen ist einfacher.
Solange der Staat nicht von oben nach unten agiert, das heißt z.B. Steuerhinterziehung in größerem Umfang (ab z.B. 1.000.000 / Jahr) wie ein Kapitaldelikt behandelt, werden sich die Bürger vom Staat entfernen, weil sie sehen, dass der, der Ellbogen hat, an der Spitze der Nahrungskette steht.
Auf der Straße ist das nicht anders, denke ich.

Möchte ich das? Nein. Wollt Ihr als Polizisten das?
Ich glaube nicht.
Ihr seid die Schnittstelle zur Wirklichkeit und auf Eurem Rücken wird die Denkfaulheit (Phantasielosigkeit) der Politik ausgetragen. Wenn nichts geschieht, wird das Euren Job nicht leichter machen. Auch im Rahmen des Beamtenrechts geht was, und ohne Euch geht mal gar nichts.

Ich denke, dass es an der Zeit ist, auch mal Eure Erfahrungen öffentlich dort vorzutragen, wo das Geld verteilt wird.

Nachtgrüße und bleibt gesund
E.

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Re: Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon Old Bill » Mo 19. Nov 2018, 06:26

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:
So 18. Nov 2018, 22:04
Endlich mal wieder ein Flüchtlingsfred.
Dann wird wohl bald auch noch mal eine Tattoodiskussion kommen.
Du musst dich ja nicht daran beteiligen.
Gruß :polizei4:
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Re: Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon Knaecke77 » Mo 19. Nov 2018, 07:49

Ei der Daus! Herr Professor Behr forscht (lt . Spiegel) unter anderem zu Alltagserfahrungen und Männlichkeitsritualen von Polizisten.

Beachtlich. :pfeif:

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Re: Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mo 19. Nov 2018, 07:56

Ich will dir deinen Job nicht erklären, aber früher war hier mal Linie, geschlossene Freds nicht wieder durch die Hintertür zu eröffnen, bzw. dort weiterzuführen, wo sie beendet wurden.
Da hier der einzige, der über valide Zahlen verfügt, auch mal eben als der Herr Krimikaldirektor gewürdigt wird, lohnt eine Beteiligung auch nicht.
Ansonsten kann ja jetzt wieder jeder erzählen, wie schlimm alles ist - und die, die das nicht so empfinden, sind eh alles doofe Sozen, blauäugig oder haben nicht den notwendigen Erfahrungshorizont. Oder alles zusammen. Also wohl an.
Der Respekt sinkt. Ja. Aber das ist kein Alleinstellungsmerkmal seit 2015. Ich erlebe das länger. Auch nicht nur bei Männern. Und das kann jeder erleben. Alleine, wer im Straßenverkehr teilnimmt, muss registrieren, dass die Ellbogengesellschaft wacker voran schreitet.
Dass die Justiz mehr mitziehen muss, sage ich hier seit Beginn meiner Userschaft. Lange vor 2015.
Wer letzte Woche Monitor gesehen hat, zum Thema Polizeigewalt, weiß, woran es u. a. krankt.
:lah:

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Re: Abschied von staatlicher Romantik

Beitragvon MICHI » Mo 19. Nov 2018, 08:15

Wurde nicht das, was hier angeführt und diskutiert wird, nicht in diversen und z. T. geschlossenen Threads bereits ausgiebig durchgekaut?


Clans, mangelnder Respekt, Angriffe auf Polizei und Rettungskräfte, Flüchtlinge usw. usw.


Deshalb halte ich diesen Thread für überflüssig.

Auch wenn sich der TE beim Erstellen des Betreffs viel Mühe gemacht hat.
Gruß
MICHI


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