Belästigung von Flüchtlingen

Polizeibezogenes, was in keine andere Sektion hineinpasst

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Knaecke77
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Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon Knaecke77 » Mi 23. Mär 2022, 08:28

Lt. Medienberichten werden ukrainische Frauen von Menschenhändlern und anderen Kriminellen an Bahnhöfen und anderen Orten gezielt belästigt.
Die GdP fordert die Einrichtung von Schutzzonen an Bahnhöfen.
Kriminelle lauern an Bahnhöfen
GdP fordert Schutzzonen für Geflüchtete

Die Vorwürfe, dass Männer ukrainischen Frauen bei ihrer Ankunft in Deutschland dubiose Wohnangebote machen, mehren sich. Die Gewerkschaft der Polizei fordert deshalb, Schutzzonen in Bahnhöfen einzurichten, um Geflüchtete effektiv vor Menschenhändlern und Sexualstraftätern zu schützen.

Um ukrainische Flüchtlinge vor Menschenhändlern und Sexualstraftätern zu schützen, fordert die Gewerkschaft der Polizei (GdP) die Einrichtung von Schutzzonen in den Bahnhöfen. Der für die Bundespolizei zuständige GdP-Vorsitzende Andreas Roßkopf sagte der "Rheinischen Post": "Wir und die anderen Behörden müssen die ersten sein, die eine Registrierung und eine Abklärung vornehmen."

Die Bundespolizei habe inzwischen festgestellt, dass Kriminelle sehr gezielt auf junge Frauen und Kinder zugingen, bevor die Beamten überhaupt in Kontakt mit den Flüchtlingen kämen, sagte Roßkopf. "Wir brauchen deshalb dringend Schutzzonen in den Bahnhöfen", forderte er. "Danach kann man die Menschen auch gezielt Freunden oder Bekannten zuführen."

Menschenhändler tarnen sich als "Freiwillige"
Die Bundespolizei sei mit der derzeitigen Situation ausgelastet, sagte der GdP-Chef. Derzeit seien an den Bahnhöfen, an denen die Flüchtlinge ankämen, 650 Beamte mehr als üblich im Einsatz. Bundesinnenministerin Nancy Faeser hatte am Wochenende eine hohe Polizeipräsenz auf Bahnhöfen angekündigt, um Ukrainerinnen vor Übergriffen von Menschenhändlern und Sexualstraftätern zu schützen.

https://www.n-tv.de/politik/GdP-fordert ... 13766.html


Mögliche Diskussionsansätze:
- Wurde die Belästigung von weiblichen Flüchtenden durch Kriminelle durch hier mitlesende PVB bereits beobachtet?
- Kann man strafrechtlich gegen solche Leute vorgehen?
- Wie wird von den Fachleuten hier die Idee einer Schutzzone an Bahnhöfen bewertet?

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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon Ghostrider1 » Mi 23. Mär 2022, 11:40

1. Mir ist noch kein Fall bekannt.
2. u.U. ja. Wenn das Wohnungsangebot im Zusammenhang mit der späteren sexuellen Ausbeutung steht, dann auf jeden Fall. Erstmal eine Wohnung anbieten ist nicht strafbar. Sexualstraftäter, i.S.v. Anfassen usw. erklärt sich von allein, dass es strafbar ist. Aber vlt. hat die OBin von Köln wieder einen schlauen Ratschlag parat. :polizei10:
3. keine Ahnung, wer die Schutzzonen sichern soll. Wer darf in diese Schutzzone und wie erkennt man, ob einer Person ein Menschenfänger ist, oder wirklich nur hilfsbereit? Die in dem Bereich agierenden Täter werden bestimmt nicht die stadtbekannten Schmutzfüße zum Bahnhof schicken. Meine Meinung: gut gemeint, aber nicht umsetzbar.

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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon slugbuster » Mi 23. Mär 2022, 22:23

Ätzend, das sowas gegen Frauen passiert die schon genug durchgemacht haben. Da haben (kleine) Teile unserer Gesellschaft echt einen gewaltigen Schaden. Schutz ist in der Praxis schwierig, kaum umsetzbar. Da kann nur jeder, der damit zu tun hat versuchen genau hinzuschauen.


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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon Vollzugsbub » Do 24. Mär 2022, 01:42

.......ohne Worte.....
es gibt viele fettnäpfchen, so viele das sie für alle reichen............

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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon Kulinka » Do 24. Mär 2022, 02:18

Hallo Knaecke,

laut Genfer Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge muss der aufnehmende Staat die Sicherheit der aufgenommenen Schutzberechtigten garantieren können. Das ist wie schon 2015 im Moment besonders im Hinblick auf Frauen und Kinder zum Teil offenbar überhaupt nicht gegeben.

Es sind gewiss nicht polizeiliche Strukturen, die hier (erneut) versagen und viel zu spät reagieren. Die Polizei wird diese unhaltbaren Zustände aber kurz- bis mittelfristig wohl (ebenfalls erneut) in den Griff kriegen und weitgehend unterbinden.

Wirklich schade, dass es immer erst soweit kommen muss. Man könnte doch eigentlich meinen, es müsse möglich sein, aus vergangenen Fehlern zu lernen. Es sei denn, man legt darauf bewusst keinen Wert.

Viele Grüße
Kulinka

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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon Kulinka » Do 24. Mär 2022, 02:29

Hallo slugbuster,
slugbuster hat geschrieben:
Mi 23. Mär 2022, 22:23
Schutz ist in der Praxis schwierig, kaum umsetzbar.
nein, ist im Prinzip sehr einfach. Konsequente Einreisekontrolle. Zusätzliche Erfassung nach drei Merkmalen: Reisend im Familienverbund. Allein reisend weiblich. Allein reisend männlich. Getrennte Weiterführung, getrennte Unterbringung der drei Gruppen. Schutz für die zweite (Sozialarbeiter). Ist kein Hexenwerk. Muss man nur wollen und machen. Aber man will ja eigentlich nichts machen. Man will ja nur "solidarisch" sein.

Viele Grüße
Kulinka

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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon slugbuster » Do 24. Mär 2022, 04:21

Hallo Kulinka, der Schutz basiert aber im Wesentlichen auf der Einreisekontrolle. Das müsste eigentlich an den EU Aussengrenzen passieren. Das möchte man sich bei vorrückenden feindlichen militärischen Verbänden und in Panik Fliehenden nicht vorstellen.
In der Nähe von Lemberg könnte so etwas bevorstehen.
Ansonsten könnte man vielleicht so eine Art Schleierfahndung an den EU-Aussengrenzen oder in Deutschland organisieren.

Grüße Slugbuster


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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon An_dy » Do 24. Mär 2022, 11:17

Ist leider kein Novum.
Hilfsorganisationen registrieren ihre freiwilligen Helfer und bringen Helfer und Geflüchtete vor Ort zusammen. So unbürokratisch wie möglich. Diese Information muss jedoch erstmal zu den Flüchtenden dringen.

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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon Brot » Do 24. Mär 2022, 18:08

Kulinka hat geschrieben:
Do 24. Mär 2022, 02:29
nein, ist im Prinzip sehr einfach. Konsequente Einreisekontrolle.
Konsequente Einreisekontrollen werden die weiblichen Flüchtlinge allerdings nicht vor inländischen Menschenhändlern und Sexualstraftätern schützen.

Hier ein trauriges Beispiel:
https://www.rtl.de/cms/sex-angebote-fue ... 35745.html

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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon Kulinka » Do 24. Mär 2022, 23:45

Hallo Brot,

das stimmt schon, aber konsequente nationale Registrierung bei der Einreise ist der erste Schritt zur weiteren konsequenten Begleitung. Die Menschen kommen aus einem Kriegsgebiet. Sind verängstigt und haben ihre Welt zusammenbrechen sehen. Ideale "Opfer". Gerade Frauen und Kinder brauchen also intensive Betreuung und Begleitung.

Es ist halt nach wie vor eine ziemlich naive Vorstellung, es reiche, vor dem Krieg fliehende Menschen reinzulassen und irgendwie/irgendwo unterzubringen. Das ging schon 2015 nicht gut, als man ganze Gruppen schwer traumatisierter und gewalterfahrener junger Männer leichtfertig und weitgehend unbetreut mit den Herausforderungen und Möglichkeiten einer offenen Gesellschaft alleine ließ. Mir sträuben sich noch heute die Haare, wenn ich zum Beispiel an die Zustände in manchen Erstaufnahmeeinrichtungen denke.

Geflüchtete aufnehmen bedeutet für den aufnehmenden Staat immer eine große Herausforderung und eine noch größere Verantwortung. In Staaten, die damit traditionell Erfahrung haben, schütteln die Menschen oft ungläubig den Kopf, wenn sie hören, wie naiv wir dieses Thema angehen. Und wie wenig Vorkehrungen wir zum effektiven Schutz dieser Menschen und zum Schutz unserer eigenen Zivilgesellschaft treffen.

Viele Grüße
Kulinka

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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon An_dy » Fr 25. Mär 2022, 06:28

Nur leider kann man die Kapazitäten und Fachkräfte nicht aus der Luft zaubern. Die Masse macht schnelle und reibungslose Abläufe unmöglich und übersteigt unsere aktuellen Kapazitäten. Die Geflüchteten sind müde, erschöpft, verzweifelt und freuen sich über sofortige Angebote einer Unterkunft. Sie müssen über die Risiken, die sie mit nicht registrierten Helfern eingehen, informiert werden. Daher der sinnige Vorschlag, die Ankunft mehr zu kanalisieren.

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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon Kulinka » Fr 25. Mär 2022, 15:56

Hallo An_dy,

aus dem Hut zaubern? Ich höre seit etwa sieben Jahren in fast jeder Sonntagsrede unserer Politiker von der kommunalen bis zur höchsten Bundesregierungsebene, dass weltweit 50 Millionen Menschen auf der Flucht sind und Deutschland sich als wohlhabende Nation darauf vorbereiten müsse. Auch der Ukraine-Konflikt ist keineswegs vom Himmel gefallen.

Ich sehe ein, dass nicht immer alles wie im Bilderbuch laufen kann. Aber etwas mehr Umsicht erwarte ich dann doch von einem so hochentwickelten Staatswesen wie unserem.

Viele Grüße
Kulinka

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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon 1957 » Fr 25. Mär 2022, 16:29

Außerdem ist die Anzahl von rund 200 000 registrierten Flüchtlingen deutlich geringer als die Anzahl der Menschen, die 2015 kamen. Damals wurde das alles fast über Nacht aus dem Boden gestampft ( war dabei). Die entsprechende Infrastruktur wurde nach und Nach geschaffen. Insbesondere die Kommunen dürften das auch heute noch können. Die Regsitrierung war auch damals ein Problem - insbesondere die Erfassung von Fingerabdrücken und digitaler Technik. Auch dass wurde in der Zwischenzeit weitgehend gelöst. Eigentlich müssten wir das recht gut können.
Ja Kulinka, bei den Männern hast du sicher recht, aber jetzt sind es in der deutlichen Mehrzahl, Frauen, Kinder und ältere Leute. Es kommen andere Menschen als damals, es sind Menschen aus unserem Kultukreis, Menschen mit guten Ausbildungen etc. und überwiegend solche, welche die feste Absicht haben, wieder in die Ukraine zurückzukehren. Ich möchte damit nicht eine grundsätzliche Diskussion lostreten. Menschen sind Menschen und Rechte sind Rechte (also gesetzliche Rechte meine ich). Ich denke, wir haben es zumindest jetzt noch einfacher als damals.

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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon Kulinka » Fr 25. Mär 2022, 16:46

Hallo 1957,

genau das meine ich ja auch. Wir haben es jetzt einfacher. Aber gerade deshalb sollte es uns jetzt möglich sein, effizienten Schutz für die Ankommenden zu organisieren. Für Geflüchtete da zu sein heißt auch, sie vor absehbaren Gefahren wie sexueller Ausbeutung wirksam zu schützen. Und vorher auf dem Schirm zu haben, dass es zu solchen Dingen kommen kann. Mehr wollte ich eigentlich gar nicht sagen.

Viele Grüße
Kulinka

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Re: Belästigung von Flüchtlingen

Beitragvon 1957 » Fr 25. Mär 2022, 16:56

:zustimm:


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