Kapituliert die Polizei...??!!!

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Kapituliert die Polizei...??!!!

Beitragvon joey_nrw » Mo 5. Feb 2007, 15:49

http://www.spiegel.de/schulspiegel/0,15 ... 85,00.html

Auf der Straße erzogen

Von Anna Reimann

Auf Berlins Straßen eskaliert die Gewalt. Abziehen, prügeln, drohen, beleidigen gehört unter Jugendlichen in manchen Stadtteilen zum Alltag. Kapituliert die Polizei im Problemkiez? (...)

Ein Vorfall, der typisch ist für das rohe Klima, das in einigen Berliner Bezirken wie Kreuzberg, Neukölln, Schöneberg und Wedding inzwischen herrscht: Wird einer aus der Gruppe jugendlicher Migranten beleidigt oder angegriffen, schlägt der ganze Pulk zurück. Meldungen bestätigen dieses Muster: Im November drang eine Gruppe teilmaskierter Jugendlicher in das Klassenzimmer einer Kreuzberger Schule ein und verletzte gezielt einen Jungen mit dem Messer. (...)


Hallo allerseits,

hier mal ein kurzer Auszug aus Spiegel online, der ganze Artikel ist unter obigem Link abrufbar (05.02.2007, 15:50h)

Und jetzt würde ich doch mal gerne, auch im Hinblick auf ähnliche Themen der letzten Tage, die Diskussion anstoßen.

Kapituliert der Staat, die Polizei??

Nach meiner Meinung ein zweischneidiges Thema. Die Polizei würde ja einschreiten, wenn sie könnte... Wenn genügend Personal und Ausstattung da wäre. Also kapituliert der Staat..???

Oder andersherum...???

Ich bin gespannt....

MfG

joey
Zuletzt geändert von joey_nrw am Mo 5. Feb 2007, 16:01, insgesamt 1-mal geändert.
MfG
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Re: Kapituliert die Polizei...??!!!

Beitragvon Schugger-gelöscht » Mo 5. Feb 2007, 15:56

[quote=""joey_nrw""] Die Polizei würde ja, wenn sie könnte... [/quote]

Was glaubst Du denn, was sie würde, wenn sie könnte?

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Kapituliert die Polizei...??!!!

Beitragvon Mundus » Mo 5. Feb 2007, 16:00

Erstmal bin ich begeistert, dass noch andere Menschen Spiegel Online lesen. :lol:

Meine Meinung zu dem Thema ist vielleicht etwas komplexer, aber ich glaube dennoch, dass zu viel Verantwortung vom Staat übernommen werden soll.

Um ein paar Stammtischparolen in die Runde zu werfen:
-Kinder kriegen kann jeder...

Wie in dem Artikel auch formuliert ist

"Der Sozialarbeiter glaubt, dass die Familien der Jugendlichen das A und O beim Kampf gegen die Gewalt sind. Was sei schon ein Jugendclub gegen einen Vater, der sagt: "Komm, mein Junge, wir gehen ins Kino"? Viele Jugendliche "werden statt durch ihre Eltern durch die Straße erzogen", sagt Gürsen Gürbey. Ohne Werte, nur mit dem vermeintlichen Halt der Gruppe."

Quelle ebenda

Hier sehe ich das Hauptproblem. Ethnische Gruppen finden sich immer zusammen, aber leider wird vergessen Werte und Normen zu vermitteln. Diese Probleme wird man erst beheben können, wenn man für jedes Problemkind eine Polizisten einstellt. Das würde im Umkehrschluss zu Verhältnissen ähnlich der Stasi oder der Zeit vor 1945 führen.

In Meinen Augen müssen sicherlich einige Maßnahmen getroffen werden, hier sind vielleicht auch Maßnahmen für Eltern, wie erziehe ich mein Kind , mit gemeint.

Aber mehr kann der Staat nicht tuen. Und bei Übergriffen muss natürlich mit der vollen Härte des Gesetz agiert werden. Denn wenn drei oder viermal resozialisiert wird, führt das zu nichts. Also vielleicht eine zweite Chance und dann Strafe. Bei den meisten hilft halt nur Zuckerrrohr und Peitsche (Da war sie wieder die Stammtischparole).

So das wars.

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Beitragvon joey_nrw » Mo 5. Feb 2007, 16:00

Einschreiten Schugger, also zumindest nach meiner Erfahrung :wink:

Was macht sie denn in Basel :?: ;-D

MfG
joey
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Beitragvon Schugger-gelöscht » Mo 5. Feb 2007, 16:06

[quote=""joey_nrw""]Einschreiten Schugger, also zumindest nach meiner Erfahrung :wink:

Was macht sie denn in Basel :?: ;-D

MfG
joey[/quote]

Natürlich würde sie einschreiten. Ich gehe mal davon aus, dass sie auch jetzt bereits einschreitet, wenn sie Kenntnis von ner Schlägerei hat!

Aber damit ist es doch nicht getan! Hinterher die Sauerei aufzuputzen ist relativ einfach. Ungleich schweiriger ist es jedoch, solche Eskalationen zu vermeiden. Die Polizei kann nur durch vermehrte Präsenz präventiv wirken. Aber überall kann sie - und soll sie - nicht sein.

Nein, es ist m. E. nicht Aufgabe der Polizei, solche Probleme zu lösen. Die Probleme liegen viel zu tief. Da sind andere Massnahmen gefragt.

(Aber selbstverständlich ist es sehr einfach - wieder einmal mehr! - die Schuld ausschliesslich bei der Polizei zu suchen)

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Beitragvon Schugger-gelöscht » Mo 5. Feb 2007, 16:10

[quote=""joey_nrw""]
Was macht sie denn in Basel :?: ;-D

[/quote]

Immer, wenn in Basel irgendein Brennpunkt entsteht, machen wir - gemäss Medienberichten unseres Mediensprechers! - vermehrt Kontrollen. Im Jahr kommen so auf rund 500 Polizisten ca. 1'500 Kontrollen an 987 verschiedenen Orten...

(Mein Mediensprecher möge mir den Zynismus verzeihen...)

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Beitragvon joey_nrw » Mo 5. Feb 2007, 16:12

@ Schugger

Nur mal zur Klarstellung :!:

Hier soll bei niemandem die Schuld gesucht werden, ich stelle ein Diskussionsthema in den Raum.

Und was die Schuldfrage angeht, die Lösung derselben zu kennen nehme ich nicht für mich in Anspruch - aber die Einschätzung der geschilderten Situation seitens Kollegen und Nicht - Kollegen würde mich in sachlicher Hinsicht sehr interessieren.

Und zur weiteren Erklärung, der Titel des Threads entspricht dem Titel in Spiegel online.
Mit Dir konform gehe ich insoweit, als das die Ursachen sicher tiefer liegen und vielschichtig sind. Wird in dem Artikel auch angesprochen.

Aber wie sieht es der User hier :?:

MfG
joey
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Beitragvon Schugger-gelöscht » Mo 5. Feb 2007, 16:15

[quote=""joey_nrw""]@ Schugger

Nur mal zur Klarstellung :!:

Hier soll bei niemandem die Schuld gesucht werden, ich stelle ein Diskussionsthema in den Raum.

Und was die Schuldfrage angeht, die Lösung derselben zu kennen nehme ich nicht für mich in Anspruch - aber die Einschätzung der geschilderten Situation seitens Kollegen und Nicht - Kollegen würde mich in sachlicher Hinsicht sehr interessieren.

Und zur weiteren Erklärung, der Titel des Threads entspricht dem Titel in Spiegel online.
Mit Dir konform gehe ich insoweit, als das die Ursachen sicher tiefer liegen und vielschichtig sind. Wird in dem Artikel auch angesprochen.

Aber wie sieht es der User hier :?:

MfG
joey[/quote]

Hab' fast gedacht, dass Du das in den falschen Hals bekommst...

Ich habe nicht Dich gemeint!!!

Sorry, wenn Du das auf Dich bezogen hast, war echt nicht so gemeint! Ich meinte eher die Medien, Politiker...
Zuletzt geändert von Schugger-gelöscht am Mo 5. Feb 2007, 16:16, insgesamt 1-mal geändert.

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Beitragvon Aguirre-gelöscht » Mo 5. Feb 2007, 16:16

@ joey_nrw

Sieh´s mal so - wenn die Polizei anrückt, ist das Kind bereits in den Brunnen gefallen.

Jetzt hast Du zwei Möglichkeiten - entweder stellst Du an jeden Brunnen einen Polizisten oder Du überlegst Dir, wieso Kinder dazu neigen, gerne in einen Brunnen zu fallen bzw. wie man das ändern kann.

Grüßle
Frank

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Beitragvon Mainzelmann2001 » Mo 5. Feb 2007, 16:16

Gehts nicht einfach mal ohne ethnische Gruppen oder sonstigen Ausländer Quatsch.

Man wir haben uns früher auch auf die Fresse gehauen. Wir hatten in Mainz Plätze. Frauenlobplatz, Sömmeringplatz, Goetheplatz ( meiner )..
und die entsprechenden deutschen Jungs dazu. In meiner Schulklasse war ein Ausländeer.

Und wir hatten unsere Gangs und wir haben uns geprügelt und und.. auch gerippt. Kein Handy aber Zigaretten oder ne Flasche Kola.
Und wenn wir erwischt wurden gabs Senge von zu Hause.
Und wir wurden groß und es war vorbei.

Da kam keine Polizei. Da gabs keine Anzeige. Da gabs ne tracht Prügel zu Hause. Fertig.
Heute wird doch jeder Schulbub mit 12 schon kriminalisiert wenn er nur Depp zu einem anderen Schulbub sagt.
Was juckt es die stolze Eiche, wenn sich die Wildsau an ihr reibt.

Das frühe Vögeln entspannt den Wurm.

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Beitragvon joey_nrw » Mo 5. Feb 2007, 16:20

@ Schugger

:) keinProblem, wollte es nur klarstellen und dir keinen Vorwurf machen.

Jeder Post birgt das Risiko des Mißverstehens, das passt schon.

:D :D
MfG
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Beitragvon shredder-gelöscht » Mo 5. Feb 2007, 16:23

Die Polizei? Stellt sich mir erst mal die Frage, wer ist den DIE Polizei?

Die Beamten, die tagtäglich in diesen Frontbezirken arbeiten kapitulieren m.E. nicht. Sie verfolgen, nehmen fest, bearbeiten und bringen es auf den Weg.
Wieviel kann man eigentlich bearbeiten, wenn je nach Tageszeit zwischen 2 und 5 Funkwagen einen ganzen Abschnittsbereich beackern müssen?

Es müßte deutlich mehr gemacht werden, aber da kommen wir zu dem nächsten Teil der Polizei.
Führung!

Ganz klar ist es m.E. nicht gewünscht rigoros dagegen vorzugehen. Man will sich nicht den Vorwürfen aussetzen, die von allenthalben kommen. Polizei ist für Aufgaben eingesetzt, die nichts mit Polizei zu tun haben. Verweise mal auf allen möglichen Präventionsbeauftragten, die mehr Sozialarbeit leisten.
Da bekommen, wie nach den Krawallen im Wrangelkiez (auch Thema hier) die "Verantwortichen" Runde Tische und "Bürgersprechstunden"

Zu guter Letzt ist es auch nicht von der Politik gewünscht...kostet ja vielleicht Wählerstimmen????? Sich dem Vorwurf der "Multikultirosafarbendsehenden" auszusetzen gegen "Ausländer" vorzugehen. was hat sich nach Rütli den wirklich getan? Was hat sich nach all den anderen Vorfällen den getan?

Komm ich nochmal zu der 1. Gruppe der Polizei...die machen ihre Arbeit und anschließend wird die große Masse der Verfahren von der Justiz eingestellt oder aber die Täter mit geringen Strafen nach Hause geschickt.
Ausnutzung des vollen Strafrahmens wäre m.E. ein sinnvoller Anfang! Kostet Geld und Manpower...also Personal!!!

Polizei kapituliert nicht....es wird ihr nur fast unmöglich gemacht!!

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Beitragvon stickman » Mo 5. Feb 2007, 16:36

Dazu habe ich doch auch noch etwas... Quelle Tagesspiegel....
„Zivilisatorische Standards gelten nicht mehr“

Hass und Angst gehören in manchen Bezirken zum Alltag. Vor einer neuen Dimension der Jugendgewalt warnen die Richter Kirsten Heisig und Günter Räcke.

Es geschieht selten, dass sich Richter an die Öffentlichkeit wenden. Also, weshalb sitzen wir heute hier?

RÄCKE: Weil wir täglich erleben, dass vieles richtig schlimm schief läuft, insbesondere in Teilen von Neukölln, Tiergarten, Schöneberg und Wedding. In diesen Bezirken steigt die Zahl der Gewaltverfahren, die Taten werden immer schwerwiegender und die Täter immer jünger. Man merkt, dass gewisse zivilisatorische Standards nicht mehr existieren oder nicht mehr gelten.

HEISIG: Es sind vor allem die türkisch- und arabischstämmigen Jugendlichen, die vermehrt Gewaltdelikte begehen. Diese Straftäter vergiften die Atmosphäre in ihrem Kiez, auch zum Nachteil der der angepasst lebenden ausländischen Familien. Die jugendlichen Opfer, überwiegend Deutsche, haben inzwischen schon so eine Art Resignation entwickelt und sagen: „Dagegen können wir nichts machen. Die Gewalt gehört zu unserem Alltag dazu.“ Das ist eine Dimension, die wir bislang nicht hatten. Und in den letzten zwei Jahren hat sich die Situation weiter verschärft.

Sie beide sind seit vielen Jahren als Jugendrichter tätig. Was berichten die Opfer in Ihrem Gerichtssaal?

RÄCKE: Dass man auf der Straße sehr wachsam sein muss. Die Jugendlichen achten darauf, dass sie nicht in die Nähe bestimmter Gruppen kommen. Sie haben Angst, im falschen Moment den Blick zu heben, weil daran jemand Anstoß nehmen könnte. Man bekommt das Gefühl, dass manche Bezirke mächtig ins Rutschen kommen.

Weil die Mehrheit von einigen wenigen terrorisiert wird?

RÄCKE: In Teilen von Neukölln sind die türkisch- und arabischstämmigen Jugendlichen ja eben eher die Mehrheit.

HEISIG: Richtig ist aber, dass die Intensivtäter, über die wir hier hauptsächlich reden, natürlich eine kleine Minderheit darstellen.

Sehen Sie noch andere neue Tendenzen?

HEISIG: Wir stellen bei den Gewalttätern seit einiger Zeit eine unverblümte Deutschenfeindlichkeit fest. Da werden Mädchen beleidigt, angefasst, getreten und in den Akten liest man dann auch immer: „Deutsche Schlampe!“ So etwas ist mir früher überhaupt nicht untergekommen, außer im Zusammenhang mit deutschen Tätern und Ausländerhass.

RÄCKE: Scheiß-Christ, Schweinefleisch- Fresser – das sind Begriffe, die richtig in Mode sind. Neulich ist uns von einer Schule berichtet worden, wo ein Eingang von den Schülern inoffiziell nur für Türken und Araber reserviert wurde. Da durften deutsche Schüler nicht durch. Als ein Kind gegen eine der Regeln verstieß, wurde das Mädchen mit Kopulationsbewegungen an die Wand gedrückt und es wurde ihm gedroht: „Du darfst deinen Blick nicht heben. Eine deutsche Schlampe darf mich nicht angucken.“

HEISIG: Aber das sind Einzelfälle.

RÄCKE: Sicher, aber noch vor einigen wenigen Jahren hätte man sich solche Szenen nicht träumen lassen. Man muss dem ins Auge blicken, dass es diese Dinge jetzt gibt. Und man muss das auch aussprechen dürfen.

Im Sicherheitsbericht der Bundesregierung heißt es: Insgesamt nimmt die Jugendkriminalität ab. Außerdem gebe es Hinweise darauf, dass Jugendliche Gewalt als Konfliktlösung zunehmend ablehnen.

(Beide lachen auf, schütteln die Köpfe)

RÄCKE: In den von mir erwähnten Bezirken hilft es niemandem, wenn die gesamtdeutsche Statistik erfreulich aussieht. Es heißt ja auch, dass die Zahlen der Gewaltdelikte nur gestiegen seien, weil es eine größere Anzeigebereitschaft als früher gebe. Bei meinen Nachfragen ergibt sich häufig ein gegenteiliges Bild. Viele Raubdelikte kommen gar nicht erst zur Anzeige, weil die Täter drohen: „Wenn das rauskommt, stech’ ich dich ab!“ Da wird der Schülerausweis mitgenommen, um dem Opfer Angst zu machen und zu demonstrieren, dass man seine Adresse kennt. Das ist praktisch Usus.

Was raten Sie denn den Opfern?

HEISIG: Ich kann die Betroffenen nur auffordern, jedes Delikt anzuzeigen.

Sie sagen, dass es immer schlimmer wird. Warum?

RÄCKE: Das liegt zum einen daran, dass wir erst zuständig werden, wenn die Täter 14 Jahre alt, also strafmündig sind. Wir haben es aber häufig mit Tätern zu tun, die in diesem Alter schon vollständig dissozialisiert sind.

HEISIG: Diese Jungen beginnen mit ihren Straftaten zum Teil im achten, neunten Lebensjahr.

RÄCKE: Ich habe in polizeilichen Vernehmungen gelesen, dass solche Kinder frank und frei davon berichten, dass sie schon 40 Raubtaten begangen haben.

Plädieren Sie dafür, das Alter für Strafmündigkeit zu senken?

RÄCKE: Ich bezweifle, dass das viel bringen würde.

HEISIG: Es müsste grundsätzlich viel früher, also bereits in der Schule eingegriffen werden. Man sieht einfach, dass zu wenig kontrolliert wird, ob die Kinder in die Schule gehen. Das einfach hinzunehmen, setzt einen Teufelskreis in Gang: Die Kinder lernen nicht richtig Deutsch, sie haben keinen Abschluss, bekommen keine Ausbildung…

Eine Schulpflicht gibt es doch.

HEISIG: Die wird aber nicht konsequent durchgesetzt.

RÄCKE: Oder nicht mehr ernst genommen. Das Schulschwänzen ist in erschreckendem Ausmaß üblich geworden in unserer Klientel. Neulich hatte ich eine Jugendliche da, die hat mir erzählt, dass sie schon in der Vorschule geschwänzt hatte. Sie ist seit der fünften Klasse dann gar nicht mehr im Unterricht gewesen. Es gibt viele, die werden zwar auf Listen noch als Schüler geführt, tauchen aber in Wahrheit schon seit Jahren nicht mehr auf. Das kümmert keinen so richtig.

Vielleicht sind die Lehrer dankbar, wenn die schwierigen Kandidaten ausbleiben.

HEISIG: Man hat diesen Eindruck und das wäre menschlich verständlich – nur leider nicht hilfreich.

RÄCKE: Wir haben ja auch viel mit Angeklagten zu tun, die auch in ihrer Schulkarriere massiv Probleme bereitet haben. Ich lese dann immer wieder von den Instrumentarien, die die Schulen in solchen Fällen anwenden und das bringt mich schier zum Lachen – oder auch zum Weinen. Die Strafe lautet dann nämlich: der Ausschluss vom Unterricht! Und irgendwann kommt dann der Ausschluss von der Schule. Als Richter kann ich wenigstens mit Haft drohen, wenn meine Auflage, regelmäßig die Schule zu besuchen, nicht beachtet wird.

Wie erleben Sie denn diese Familien im Gerichtssaal?

HEISIG: Ich sehe die türkischen oder arabischen Väter fast nie bei der Verhandlung. Die Mütter kommen öfter, tragen nicht selten Kopftuch und scheinen wirklich sehr besorgt. Aber sie wirken völlig überfordert und oft ist ihnen die Entwicklung längst aus den Händen geglitten.

RÄCKE: Ich sehe ab und zu auch Väter. Aber in den allermeisten Fällen ist die Kommunikation mit den Eltern unmöglich. Will man sie einbeziehen, muss der Angeklagte, also der Sohn, übersetzen.

HEISIG: Wenn dann das Jugendamt involviert ist und versucht, an die Familie heranzutreten, dann zeigt sich: Es ist sehr, sehr schwierig in eine arabische, kurdische oder türkische Familie Einlass zu finden. Es wäre sicherlich richtig, wenn man für solche Fälle jemand aus dem entsprechenden Kulturkreis hätte. Aber ich finde nicht, dass per se dieser Anspruch erhoben werden darf.

Sie sehen eher die Zuwanderer als die hiesige Gesellschaft in der Pflicht?

HEISIG: Das macht es so schwierig, dass wir nicht feststellen können, ob in diesen Familien tatsächlich ein Konsens mit unserer Gesellschaft vorhanden ist. Es muss klar sein, dass es hierzulande Autoritäten und Regeln gibt, die für alle verbindlich sind. Aber inzwischen hat sich eine Anspruchshaltung durchgesetzt, nach der die Deutschen erstmal immer in Vorlage gehen müssen und die kulturellen Gegebenheiten dieser Familien kennenlernen und akzeptieren sollen – da wird das Pferd von hinten aufgezäumt. Das kann nicht funktionieren.

Ex-Senatorin Karin Schubert hatte die Idee, solchen Familien mit dem Entzug des Sorgerechts zu drohen. Was halten Sie davon, die kriminellen Kinder von ihrem Umfeld zu trennen?

RÄCKE: Das wäre einen Versuch wert, weil wir nicht an die Grenze von 14 Jahren gebunden sind. Wir wären dann vielleicht imstande, manchen Dingen zu wehren. Ich habe bloß meine Zweifel, ob dafür der Wille und das Potenzial vorhanden sind, um das auch durchzuziehen. Außerdem stellt sich noch eine andere Frage: Was macht man mit einem zehnjährigen Kriminellen, der seinen gewohnten Beschäftigungen nachgehen will?

Berlin hat keine geschlossenen Heime.

RÄCKE: Eben. Also geht der Junge wieder nach Neukölln. Die Lektion, dass sie im Grunde unbehelligt bleiben, lernen die Kinder schnell. Frei nach dem Motto: Mir kann keener! Ich halte das erzieherisch für fatal. Um geschlossene Kinderheime kommt man deshalb nicht umhin.

HEISIG: Jedenfalls ist Erziehung der Punkt, nicht Bestrafung. Geschlossene Heime sind nicht das Mittel der Wahl – aber es sollte sie geben. Sonst müssen wir in Bayern gucken, ob wir da einen untergebracht bekommen. Es klingt immer schrecklich: Kinder wegnehmen und ins Heim stecken. Aber es kann die letzte Alternative sein. Das aus politischen Gründen abzulehnen und lieber gar nichts zu tun – das heißt: weggucken.

RÄCKE: Das Problem, was sich da aufbaut, hat etwas von einer Lawine.

Was haben denn diese Kinder und Jugendlichen für Werte?

HEISIG: Auffällig ist, dass der Glauben bei dieser Problematik offenbar keine Rolle spielt. Vielmehr ist es so: Weil diesen Jugendlichen der Zugang zum Handy und zum MP-3-Player verwehrt ist, verschaffen sie sich das mit Gewalt.

Also handeln die Jugendlichen rein konsumorientiert?

RÄCKE: Nein, nicht nur. Mit solchen Taten kann man in diesen Kreisen auch eine sehr krude Form von Sozialprestige erreichen. Ein Teil des Problems ist aber auch die Ausländerpolitik. Wir haben enorme Schwierigkeiten, Menschen auszuweisen, die ihre Identität verschleiern und durch die Begehung von Straftaten Einwanderer insgesamt in Misskredit bringen. Auf der anderen Seite benötigen wir mehr Zuwanderer, die diesem Gemeinwesen wirklich nützen könnten, die als Vorbilder agieren könnten.

Sie machen die Aufräumarbeiten für eine Politik, die nicht mehr funktioniert?

RÄCKE: Aufräumarbeiten? Das ist schon hoch gegriffen.

Manche Lösungsansätze haben Sie schon erwähnt: Dass die Schulpflicht wieder durchgesetzt werden muss zum Beispiel.

RÄCKE: Wenn aber an Schulen Worte wie Arschloch noch zu den freundlichen gehören, läuft da grundsätzlich was schief. Dann können wir uns solche Einrichtungen sparen.

Muss das Jugendrecht verschärft werden?

RÄCKE: Wir haben die rechtlichen Mittel, die wir brauchen. Aber organisatorisch könnte man etwas tun: Die Staatsanwaltschaft müsste sich endlich regional aufstellen. Dann gäbe es Staatsanwälte, die für bestimmte Kieze zuständig sind, wo sie früher erkennen könnten, wer zum Problem wird. Dann könnten die Staatsanwälte auch früher einschreiten.

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Beitragvon NeoX » Mo 5. Feb 2007, 18:22

sehr guter artikel stickman, das sollten sich mal ein paar Politiker aneignen.

Aber warum reden wir uns hier den Mund fusslig, es passiert erst was wenn es zu spät ist....

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Beitragvon stickman » Mo 5. Feb 2007, 18:37

und warum ist das so? Weil sich unsere Politiker entweder bestimmte Wählergruppen sichern wollen oder aber Angst vor Diskriminierungsrufen haben.....und natürlich auch, weil sie selbst mit so etwas nicht in Berührung kommen..man wohnt schön abgeschirmt in den bevorzugten Vierteln mit hoher Polizeipräsenz

das ist genauso wie bei dem Spruch vom Dicken....das deutsche Volk muss den Gürtel halt enger schnallen.. :mrgreen: :lol:


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