Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon RafaelGomez » Mo 10. Jul 2017, 14:29

vladdi hat geschrieben:Was in der Schanze los war, rechtfertigt vielleicht tatsächlich das Vorgehen der BW im Inneren.
Verbrecher, die von Dächern mit Steinen und Zwillen Polizisten angreifen.

Kann die BW eine komplette Straße mit Tränengas einnebeln?
Also komplett! Vom Asphalt bis zum Dach!
Dann wären vielleicht viele Polizisten nicht verletzt worden.
Wieder mal Blödsinn, wie so oft. Diese Szenarien gab es zu Zeiten der Hafenstraße schon. Störerkreis kleiner, Ergebnis allerdings identisch. Und damals sind wir schon gut damit klargekommen. Ohne Bw. Seltsam, Wa?
Anfang der 90'er waren die Einsätze in B übrigens ähnlich. Kannst ja mal 'Mainzer Str.' googlen. Oder besser noch Goldstern fragen, der kennt das ne Ecke besser.

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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon MICHI » Mo 10. Jul 2017, 14:58

vladdi hat geschrieben:Was in der Schanze los war, rechtfertigt vielleicht tatsächlich das Vorgehen der BW im Inneren.
Verbrecher, die von Dächern mit Steinen und Zwillen Polizisten angreifen.

Kann die BW eine komplette Straße mit Tränengas einnebeln?
Also komplett! Vom Asphalt bis zum Dach!
Dann wären vielleicht viele Polizisten nicht verletzt worden.
Schwachfug.

Es wurde, so lange wie Beschuss und Bewurf von den Dächern stattfand und Unklarheit über mögliche Fällen bestand, nur TE Gerät eingefahren. Nachdem die Dächer sauber waren und ein Vorrücken möglich war, Einsatzkräfte, welche die Lage, die wir in der Schanze gewohnt sind, in kurzer Zeit bereinigt haben.

Hier aber dann bitte nicht durch die Hintertür das G20 Thema weiter führen.
Gruß
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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon vladdi » Mo 10. Jul 2017, 19:54

Warst du in der Schanze?

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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon The-Funky-Beast » Mo 10. Jul 2017, 20:26

Die Frage ist ja:
Was hätte die BW da deiner Meinung nach machen sollen?

Das flächendeckend mit Reizgas ausräuchern keine Lösung sein kann, ist dir hoffentlich selbst bewusst.
Als genügend Kräfte zusammengezogen waren, wurde die Situation ja recht schnell bereinigt. Daraus schließe ich, die Polizei war auch ohne BW in der Lage die Situation in den Griff zu kriegen.
Im Laufe des Abends sind aus anderen Bundesländern ja zusätzliche Kräfte angefordert wurden, mit deren Eintreffen die Situation auch immer mehr wieder unter Kontrolle geriet. Der "Fehler" scheint hier also nur gewesen zu sein, dass diese Kräfte nicht von Anfang an angefordert und vor Ort waren.

Die vorhandenen FEM waren auch definitiv zur Bereinigung der Lage geeignet.
Der einzige Vorteil den ein Einsatz der BW gebracht hätte, wäre mehr Manpower gewesen. Aber auch die BW bringt nicht einfach mal aus dem nichts eine große Menge Personal auf die Straße, hätte also ebenso vorher angefordert und eingeplant werden müssen. Das wäre aber, wie schon erwähnt, auch genauso bei zusätzlichen Polizeikräften nötig und möglich gewesen.

Also erschließt sich mir jetzt nicht was die BW da anders gemacht hätte, außer mit ihren Einsatzuniformen noch ein bisschen martialischer auszusehen. :gruebel:

Auch schien mir der Bestand des Stadtstaates Hamburg innerhalb der Bundesrepublik zu keinem Zeitpunkt gefährdet. :gruebel:
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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon MICHI » Mo 10. Jul 2017, 20:48

vladdi hat geschrieben:Warst du in der Schanze?
Ja, und nicht nur dort.

Trotzdem wird hier eine G20 Diskussion nicht geduldet werden.

Was das G20 Thema betrifft, wurde sich bereits geäußert.
Gruß
MICHI


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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon Harkov » Di 11. Jul 2017, 08:54

Dag Baehr dazu:
Viele Terroristen seien militärisch gut ausgebildet und ausgerüstet und würden mit "Verfahren der unkonventionellen Kriegführung" agieren. Baehr bezweifelte, dass die Polizei zur Bekämpfung solcher Terrorgruppen geeignet sei.
Er nennt explizit das Wort Eignung. Gehe ich recht in der Annahme, dass der Generel um die Fähigkeiten der SEK und der GSG9 weiß, seine Worte also richtig sind. Oder handelt es sich um Geklapper für die eigene Organisation?.

Wenn man sich das Material, was bei den Spezieleinheiten bei der BW und der Polizei öffentlich verfügbar ist, anschaut, so hat das KSK sich vor allem darauf spezialisiert, in militärischem Umfeld - sprich feindlichem Gebiet ohne autarke Versorgung zu operieren.

Davon ist aber doch selbst bei einem größeren Anschlag in Deutschland nicht auszugehen - denke ich als Laie. Wenn diese Annahme richtig ist, müsste doch auch die Polizei prinzipiell zu sowas in der Lage sein ?

Artikel:
http://www.focus.de/politik/deutschland ... 41119.html
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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon The-Funky-Beast » Di 11. Jul 2017, 10:36

Harkov hat geschrieben:Oder handelt es sich um Geklapper für die eigene Organisation?
Wohl eher für die eigene Organisation, ja.
Ich kenne jetzt zugegeben die Einsatzhäufigkeit unseres KSK nicht und will mir auch gar kein Urteil über die Leistungsfähigkeit im Kriegsgebiet erlauben... aber ich würde mal spekulieren, dass der Einsatzwert im urbanen Raum einer deutschen Stadt/Großstadt sogar deutlich unter dem eines SEK/MEK oder der GSG9 liegt. Zum einen weil der Schwerpunkt der polizeilichen Einheiten während des Trainings eindeutig da liegt, zum anderen weil ich davon ausgehe, dass die polizeilichen Spezialkräfte aufs Jahr gesehen wesentlich häufiger zu solchen reellen Situationen ausrücken, als das KSK aktuell im Ausland.
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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon Harkov » Di 11. Jul 2017, 10:47

aber haben die kriegseinsätze des KSK in Afghanistan oder sonstwo, nicht doch eher mit Terrorbekämpfung zu tun, als es die Polizei bisher in Deutschland hatte :gruebel:

also gerade bezogen auf Gruppe, die hier ein hypothetisches unkonventionelles Kriegsführungsszenario durchziehen wollten ?
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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Di 11. Jul 2017, 11:05

Gibt es die?

Ist das ein Szenario, das in Westeuropa Zielrichtung ist, um die Bevölkerung zu verunsichern?


Wenn morgen ein Zug Taliban mit dem Fallschirm über Köln abspringt und sich in den dortigen Häuserzeilen ein Feuergefecht liefern will....dann wird die Polizei nicht reichen. Da sehe ich aber auch einen anderen Oberbegriff - und einen klaren Auftrag der Bw.

Wenn eine Gruppe oder Einzelperson im Marriot Geiseln hält, wird die Polizei das durchaus schaffen. Das KSK sicherlich auch, die Polizei aber ohne rechtliche Krückerei.
:lah:

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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon The-Funky-Beast » Di 11. Jul 2017, 11:41

Harkov hat geschrieben:aber haben die kriegseinsätze des KSK in Afghanistan oder sonstwo, nicht doch eher mit Terrorbekämpfung zu tun, als es die Polizei bisher in Deutschland hatte :gruebel:
Wenn lediglich das betrachtet, dann wahrscheinlich ja.
In Betrachtung müssen aber auch noch andere Dinge Einfluss finden.

Z.B. dürfte es einen erheblichen Unterschied machen, ob man die Lage auf "eigenem Boden" vorfindet oder ob der Einsatz in Ausland stattfindet. Der örtliche SPD-Ortsverein wird sich wohl mit geringerer Wahrscheinlichkeit spontan mit potenziellen Terroristen solidarisieren, als das beispielsweise in einem anderen Land bei einer (auch hier wieder, nur EIN Beispiel) Glaubensgemeinschaft mit teils sehr instabilen religiösen und machtpolitischen Verhältnissen der Fall ist.
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine mehr oder minder überschaubare und in gewissen Rahmen stationäre Lage plötzlich in eine vollkommen unübersichtliche und mobile Lage verwandelt, ist also ungleich geringer.
Und selbst wenn die zum Beispiel herangezogenen Genossen plötzlich doch so handeln sollten, kann man hier in Deutschland recht sicher sein, dass sie maximal ihr Parteibuch und Kugelschreiber schmeißen können, während in anderen Ländern, je nachdem in welchem man sich befindet, schon mal Blei aus einem Rohr kommen kann.

Letztlich alles Dinge die einen gewaltigen Unterschied machen. Auch das was KC gesagt hat ist so vollkommen richtig und hängt auch mit dem von mir geschriebenen zusammen. Bei potenziellen Vorkommnissen, ist eher von einer kleinen Gruppe Täter auszugehen.

Dazu noch wie gesagt der "Trainingsstand" für gewisse Lagen. Ein SEK bereitet sich halt den ganzen Zeitraum seines Bestehens entweder auf überwiegend stationäre Lagen vor oder ist in solchen im Einsatz. 5 Tage überleben ohne Ausrüstung steht da eher weniger auf dem Übungsplan.
Das sich mit Terroristen plötzlich eine ausschweifende Verfolgungsjagd durch Stadt und über die Autobahn entwickelt, halte ich dann doch eher für unwahrscheinlich.
Und selbst wenn, würde das wahrscheinlich auch ein KSK erstmal vor rein logistische Probleme stellen.

Stichwort Logistik:
Soweit ich informiert bin, hat das KSK seinen Sitz ja irgendwo in BW. Wenn jetzt mal in Hamburg, Berlin oder Rostock der Busch brennt, wird sicherlich eine SEK/MEK schneller vor Ort sein, als dass sich ein Trupp KSK durch die ganze Republik verlegt hat.
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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon HessieJames » Mi 12. Jul 2017, 01:26

The-Funky-Beast hat geschrieben: Z.B. dürfte es einen erheblichen Unterschied machen, ob man die Lage auf "eigenem Boden" vorfindet oder ob der Einsatz in Ausland stattfindet. Der örtliche SPD-Ortsverein wird sich wohl mit geringerer Wahrscheinlichkeit spontan mit potenziellen Terroristen solidarisieren, als das beispielsweise in einem anderen Land bei einer (auch hier wieder, nur EIN Beispiel) Glaubensgemeinschaft mit teils sehr instabilen religiösen und machtpolitischen Verhältnissen der Fall ist.
Die Wahrscheinlichkeit, dass sich eine mehr oder minder überschaubare und in gewissen Rahmen stationäre Lage plötzlich in eine vollkommen unübersichtliche und mobile Lage verwandelt, ist also ungleich geringer.
Winnenden, München, Charlie Hebdo oder Paris waren aber genau solche Lagen mit mobilen und unübersichtlichen Abschnitten. Bei dem letztgenannten Beispiel muss man sogar in begrenztem Maße von einer Unterstützer-Szene in dem durch Abdeslam genutzten Rückzugsraum ausgehen.
Sicher, das Ausmaß war unterschiedlich, aber den "Luxus", sich auf eine stationäre Lage konzentrieren zu können, hatten die Kollegen in keinem der Fälle.
Und selbst wenn die zum Beispiel herangezogenen Genossen plötzlich doch so handeln sollten, kann man hier in Deutschland recht sicher sein, dass sie maximal ihr Parteibuch und Kugelschreiber schmeißen können, während in anderen Ländern, je nachdem in welchem man sich befindet, schon mal Blei aus einem Rohr kommen kann.
Auch mit solchen Aussagen wäre ich sehr vorsichtig. Natürlich wird man hier nicht von heute auf morgen mit Dutzenden, bis an die Zähne bewaffneten Bürgerkriegsveteranen konfrontiert. Aber komm mal weg von den Genossen und ihren Kugelschreibern und schau mal auf das, was Kollegen in Duisburg so erleben können, wenn sie einen Parksünder kontrollieren. Wenn sich nun ein flüchtender Terrorist in solch ein Milieu zurückzieht, würde man auf Seiten der verfolgenden Polizeikräfte sicher kein freundliches Willkommen erwarten dürfen.
Letztlich alles Dinge die einen gewaltigen Unterschied machen. Auch das was KC gesagt hat ist so vollkommen richtig und hängt auch mit dem von mir geschriebenen zusammen. Bei potenziellen Vorkommnissen, ist eher von einer kleinen Gruppe Täter auszugehen.

Dazu noch wie gesagt der "Trainingsstand" für gewisse Lagen. Ein SEK bereitet sich halt den ganzen Zeitraum seines Bestehens entweder auf überwiegend stationäre Lagen vor oder ist in solchen im Einsatz. 5 Tage überleben ohne Ausrüstung steht da eher weniger auf dem Übungsplan.
Das sich mit Terroristen plötzlich eine ausschweifende Verfolgungsjagd durch Stadt und über die Autobahn entwickelt, halte ich dann doch eher für unwahrscheinlich.
Und selbst wenn, würde das wahrscheinlich auch ein KSK erstmal vor rein logistische Probleme stellen.

Stichwort Logistik:
Soweit ich informiert bin, hat das KSK seinen Sitz ja irgendwo in BW. Wenn jetzt mal in Hamburg, Berlin oder Rostock der Busch brennt, wird sicherlich eine SEK/MEK schneller vor Ort sein, als dass sich ein Trupp KSK durch die ganze Republik verlegt hat.
Das, was du als stationäre Lage bezeichnest und was zur Einsatzroutine von SEKs gehört, hat nur teilweise etwas mit dem zu tun, was Dag Baehr meint. Er meint das Vorgehen in bebautem Gelände gegen einen oder mehrere Täter mit militärischer Bewaffnung/ Ausbildung. Dazu je nach Ausgangslage nicht mehr einzelne Gebäude sondern ganze Straßenzüge mit unbekannten Gefahrenbereichen - Taktiken, die unter solchen Bedingungen Anwendung finden, sind nicht mehr polizeilichen sondern militärischen Ursprungs. Und das ist Neuland, auch für SE'n.
Um ein solches Szenario heraufzubeschwören, braucht es keinen Zug Taliban, da kann schon ein Einzelner reichen, um reguläre Polizeikräfte zunächst mal an ihre Grenzen zu bringen.

Was im übrigen kein Plädoyer für den Einsatz der BW sein soll. Die wird - da gebe ich dir recht - einfach nicht schnell genug vor Ort sein, und damit erübrigt sich alles Weitere schon. Somit bleibt den Polizeibehörden eigentlich nichts anderes übrig als eine Teilmilitarisierung ihrer Ausbildung und Ausrüstung.

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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 12. Jul 2017, 01:32

HessieJames hat geschrieben:Er meint das Vorgehen in bebautem Gelände gegen einen oder mehrere Täter mit militärischer Bewaffnung/ Ausbildung. Dazu je nach Ausgangslage nicht mehr einzelne Gebäude sondern ganze Straßenzüge mit unbekannten Gefahrenbereichen - Taktiken, die unter solchen Bedingungen Anwendung finden, sind nicht mehr polizeilichen sondern militärischen Ursprungs. Und das ist Neuland, auch für SE'n.
Nein.
:lah:

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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon Controller » Mi 12. Jul 2017, 01:52

"Verfahren der unkonventionellen Kriegführung"
also ich verstehe unter Kriegführung was gänzlich anderes, als den der Polizei gesetzlich zugewiesenen Auftrag.
Will sagen, wenn die BW -egal welche Einheit- da einschreitet, ist sie nicht im Krieg ........
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)

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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon HessieJames » Mi 12. Jul 2017, 02:31

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:
HessieJames hat geschrieben:Er meint das Vorgehen in bebautem Gelände gegen einen oder mehrere Täter mit militärischer Bewaffnung/ Ausbildung. Dazu je nach Ausgangslage nicht mehr einzelne Gebäude sondern ganze Straßenzüge mit unbekannten Gefahrenbereichen - Taktiken, die unter solchen Bedingungen Anwendung finden, sind nicht mehr polizeilichen sondern militärischen Ursprungs. Und das ist Neuland, auch für SE'n.
Nein.
Falls es dir um das Wort "Neuland" in Bezug auf SE'n geht, die Formulierung ist zugegebenermaßen schlecht gewählt. War eigentlich vor allem auf die bisherigen Einsatzschwerpunkte gemünzt. Dass die A&F von SE'n, bzw. SEKs nicht erst seit 2015 solche Taktiken kennt, ist mir bewusst.

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Re: Bundeswehr soll im Inneren eingesetzt werden

Beitragvon The-Funky-Beast » Mi 12. Jul 2017, 03:22

HessieJames hat geschrieben:Was im übrigen kein Plädoyer für den Einsatz der BW sein soll. Die wird - da gebe ich dir recht - einfach nicht schnell genug vor Ort sein, und damit erübrigt sich alles Weitere schon. Somit bleibt den Polizeibehörden eigentlich nichts anderes übrig als eine Teilmilitarisierung ihrer Ausbildung und Ausrüstung.
Was das angeht, stimme ich soweit zu. Allerdings würde ich es nicht als Teilmilitarisierung bezeichnen. Viel eher ist es jetzt daran, bei den Polizeien wieder einen ausreichenden (was nicht heißt übermäßig aufgeblähten) Personalkörper zu schaffen, der es halt auch erlaubt für gewisse Situationen Kräfte auszubilden und vorzuhalten.
Einige Polizeien sind ja auch schon auf einen guten Weg dahin. Zwar nicht auf einem perfekten, aber es hat Jahrzehnte gebraucht um unsere Sicherheitsarchitektur auf den aktuellen Stand kaputt zu sparen, da dauert es halt auch einige Jahre das ganze wieder umzudrehen.

Bei dem Rest muss ich sagen:
Ist sicherlich alles nicht falsch, allerdings bin ich in einigen Punkten dann doch anderer Meinung.

Die von dir angeführten Beispiele beziehen sich ja auf eine kleine Anzahl an Tätern. Natürlich ist es so, dass die Lage potenziell zunehmend mobiler wird, je weniger Täter auf den Plan treten.
Das sind allerdings Umstände, die erstmal keinerlei Bezug zu der Frage haben, ob Militär oder Polizei dort tätig werden. Schließlich sind "hüben wir drüben" nicht 24/7 Sicherheitskräfte an jedem Ort präsent.
Alles was sich danach abgespielt hat, fand nichtsdestotrotz in urbanen Gelände statt und, nachdem in die Struktur durchgedrungen ist mit welcher Täterzahl zu rechnen ist, die Mobilität der Lagen wurde zunehmend eingegrenzt. In Paris hat das zugegebenermaßen dann zwei Tage gedauert, was aber eher mit andauernder Fahndung zutun hatte (und worin die Polizei hoffentlich besser bewandert ist als die BW^^), statt mit einem andauernden Feuergefecht, welches nicht in den Griff zu bekommen war.

Das Beispiel mit Duisburg und ähnlichen Fällen ist zwar, wie schon erwähnt, auch nicht wirklich falsch, ist aber auch nicht als Vergleich heran zu ziehen.
In deinem Beispiel ist es sozusagen die "böse" Staatsmacht, welche einen aus ihren Reihen, ihrer Meinung nach sicher ungerechtfertigt, eins drüber geben will. Dort ist eine Solidarisierung natürlich möglich und nicht unwahrscheinlich.
Andere Situation bei einem eventuellen Anschlag. Wenn jetzt der Terrorist aus Land/von Organisation XY einen Anschlag verübt, tut er das dann in einem Einkaufszentrum, Stadtzentrum, Weihnachtsmarkt (der Fall dient hier ganz gut als Beispiel), wo sich eine relativ vielfältige, homogene Gruppe aufhält... oder tut er das in einer Wohngegend innerhalb eines Kreises, wo die betroffenen kulturellen Herkünfte seiner eigenen zumindest nahe stehen?
Bin da natürlich kein ausgewiesener Experte, aber mit Blick auf die Geschichte und vom rationalen Denken her, würde ich eher nicht auf letzteres Tippen.
Sollte dies doch geschehen, so bin ich der Meinung, dass sich in diesem Falle selbst die Unterstützung der vor Ort ansässigen Bevölkerung stark in Grenzen halten würde, weil es ja auch hier wieder Menschen aus ihrer Mitte getroffen hätte (ähnlich dem Adressaten gewisser Ordnungsgelder).
Er meint das Vorgehen in bebautem Gelände gegen einen oder mehrere Täter mit militärischer Bewaffnung/ Ausbildung.
Auch speziell hierauf möchte ich nochmal eingehen.
Zum einen ist es in Deutschland eine Sache an Handfeuerwaffen oder Sport-Langwaffen zu gelangen, unbehelligt mit Kriegswaffen entspannt mit den Öffis zum nächsten Hauptbahnhof oder sonstigem zentralen Platz anzureisen eine ganz andere. Zum anderen ist, auch wenn die Ausbildung auf einem anderen Stand ist als bei der "gewöhnlichen" Kriminalität, diese vergleichsweise militärische Ausbildung auch recht wahrscheinlich (auch wenn es sicher vorkommen kann) nicht auf dem Niveau, was in westlichen Streitkräften als militärische Ausbildung gewertet wird.
Eine Spezialeinheit, sei es nun SEK, MEK, GSG9, ZUZ (um auch mal die Kollegen vom Zoll zu erwähnen :polizei1: ) und was es nicht noch für tolle Buchstabenkombinationen gibt, sollte mehr als gut genug ausgerüstet und ausgebildet sein, um einer solchen Situation Herr zu werden... selbst wenn der IS auf einmal wider erwarten mit AK 47 auf dem Alexanderplatz ein Rodeo veranstaltet.

Jetzt weiß ich nicht wie es in anderen Bundesländern aussieht, kann da nur von meinem sprechen, allerdings trainieren, grade nach den von dir angesprochenen Vorfällen, die Jungs und Mädchen unserer BFE zunehmend Situationen mit dem Hintergrund möglicher terroristischer Handlungen. Ich würde also fast so weit gehen und sagen, dass im Zweifelsfalle aufgrund der Mannstärke auch eine BFE mittelfristig in der Lage sein sollte so eine Situation im Notfall zu entschärfen. Natürlich nur unter der Bedingung, dass diesen die entsprechenden FEM an die Hand gegeben werden und dies bloß unter dem Aspekt nötig wird, dass es nicht möglich ist zeitnah Spezialeinheiten heranzuführen (welche natürlich für sowas zuständig sind).

Das der Einzeldienst oder zur Unterstützung herangezogene EHus mit solchen Lagen überfordert sind ist vollkommen klar. Allerdings haben diese auch nicht die Aufgabe die Übeltäter salopp gesagt zur Strecke zu bringen oder die Lage zu bereinigen, sondern in solchen Fällen Bereiche zu sperren und Bewegungsspielraum für herangeführte Spezialeinheiten zu schaffen und frei zu halten.


War jetzt recht viel Text, aber um es nochmal zu sagen:
An sich sehe ich das was du gesagt hast nicht als falsch an, es ist für die Komplexität solcher Lagen stellenweise (meiner Meinung nach) einfach nur etwas zu stark runter gebrochen.
Wenn man alles weit runter bricht, kommt man irgendwann an den Punkt, an dem man sagt "Stellen wir halt an jede Straßenecke zwei Jungs in Uniform, egal ob grün, blau oder tarnfarben, und drücken ihnen jeweils eine dicke Plempe in die Hand".
Würde die Situation zwar sicher auch lösen, ist realistisch betrachtet aber trotzdem unsinnig. ;D
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