Urteil im Fall "Jalloh"

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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Beobachter » Mi 13. Nov 2013, 18:08

Welche andere Möglichkeit hätten Menschen, denen nach den Tatsachenfeststellungen des Gerichts Zweifel geblieben sind?

Wir kennen auch das erste Gutachten nicht.
Nach allen mir bekannt gewordenen Medienberichten konnte eben nicht völlig plausibel dargestellt werden, was da eigentlich passiert ist.

Das jetzt vorgelegte Gutachten wird hoffentlich Anlass sein, das Ganze nochmals durch einen unabhängigen Sachverständigen prüfen zu lassen.
Die Berufung läuft wohl noch...hatte ich vorhin übersehen.
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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Mainzelmann2001 » Mi 13. Nov 2013, 18:17

Beobachter hat geschrieben: Ich halte es auch für unwahrscheinlich dass irgendein Akademiker seine Profession und seinen Ruf für ein Gefälligkeitsgutachten aufs Spiel setzt, dass so krass vom offiziellen Ermittlungsergebnis abweicht.
Na, jetzt haben wir sie ja gefunden, die besseren Menschen, die Akademiker. Polizisten kann man solche Greueltaten durchaus zutrauen. Akademiker........Gott beware, nicht mal ein Gutachten was einfach falsch ist.

Aber davon ab, hoffe ich, dass dieses Gutachten dazu dient gewisse Betrachtungsweisen neu zu bewerten, zu untersuchen und endlich und abschließend zu einem sachgerechten Urteil zu kommen. Egal wie es ausgeht, aber es reicht jetzt.
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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Beobachter » Mi 13. Nov 2013, 18:48

Naja, Mainzel...so ganz vergleichbar ist das ja wohl nicht.

Ich finde es eben menschlich eher nachvollziehbar, dass da anfangs was "verrutscht" ist, die handelnden Beamten dann versucht haben,das irgendwie "unsichtbar" zu machen und der dabei angerichtete Schaden so groß wurde, dass diese Variante schlicht unglaublich wirkt.

Aber dass ein Privatgutachter ohne Not in dieser medienbelasteten Geschichte seinen Namen ins Feld wirft, dabei kompletten Unsinn abliefert und sich zum öffentlichen Deppen im Dienste politisch interessierter Gruppen macht? :gruebel:

Beides ist möglich aber unwahrscheinlich.
Wir werden sehen.
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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Mainzelmann2001 » Mi 13. Nov 2013, 19:04

Beobachter hat geschrieben:Naja, Mainzel...so ganz vergleichbar ist das ja wohl nicht.

Ich finde es eben menschlich eher nachvollziehbar, dass da anfangs was "verrutscht" ist, die handelnden Beamten dann versucht haben,das irgendwie "unsichtbar" zu machen und der dabei angerichtete Schaden so groß wurde, dass diese Variante schlicht unglaublich wirkt.

Aber dass ein Privatgutachter ohne Not in dieser medienbelasteten Geschichte seinen Namen ins Feld wirft, dabei kompletten Unsinn abliefert und sich zum öffentlichen Deppen im Dienste politisch interessierter Gruppen macht? :gruebel:

Beides ist möglich aber unwahrscheinlich.
Wir werden sehen.
Ich persönlich kann es auch schwer nachvollziehen, wie dieser Mensch sich so selbst entzündet haben soll, dennoch halte ich einen Schwelbrand für wahrscheinlicher als fünf Liter Brandbeschleuniger. Nicht nur, dass du das am Brandbild siehst, du riechst das, du kannst das an der Leiche nachweisen. Der Leichnam kam in die Rechtsmedizin. Dort arbeiten auch Akademiker und Professoren. Er wurde von Spezialisten des LKA begutachtet und natürlich auch der Brandherd. Auch dort arbeiten Akademiker. Warum sollen die mit dem oder den möglichen Tätern unter einer Decke stecken? Dieses eine Gutachten Jahre nach der Tat soll tatsächlich die Klärung bringen? Und zwar in Bezug auf einen Mord an diesem Menschen unter Tatbeteiligung vieler PVB. Das glaub ich nicht. Wir werden es sehen. Hoffentlich wird es jetzt völlig ausermittelt, zumindest die Mär vom Brandbeschleuniger.
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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Beobachter » Mi 13. Nov 2013, 19:38

Ich weiß auch nicht, wieso das vorher kein Thema gewesen sein soll.
Ich weiß natürlich auch nicht, welche Vorinformationen dieser Gutachter hatte und ob er sich mit allen Aspekten der Akte auseinandersetzen konnte.
Ich habe nur die Informationen aus der Presse.

Aber ich kann mir den Druck vorstellen, unter dem die Ermittlungsbehörden stehen, wenn da ein Afrikaner ums Leben kommt...und dass man ein Ergebnis, wonach das womöglich keine "eigene Dummheit" gewesen ist, unausgesprochen aber übereinstimmend nach Möglichkeit vermeidet.
Was dazu führen kann, dass man Umstände anders gewichtet...dass lieber einer dem anderen recht gibt, als seine Zweifel anzubringen....
Ein gemeinsames Bemühen um Schadensbegrenzung würd ich das nennen und könnte es nachvollziehen.
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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon JedemDasSeine » Mi 13. Nov 2013, 19:44

Ist dieser "Experte" überhaupt qualifiziert? In dem Artikel steht nichts über seine Ausbildung. Und als Gutachter vor Gericht war er auch noch nie tätig.
Brände kann ich auch untersuchen. Ob dabei aber ein wissenschaftlich belegtes und gerichtsfestes Ergebnis herauskommt ist fraglich.

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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon 1957 » Mi 13. Nov 2013, 20:04

im moment spielt das wohl eine eher untergeordnete rolle. die sau ist losgelassen.

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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Do 14. Nov 2013, 11:10

Brandermittler gucken natürlich nie nach typischen Ursachen wie Brandbeschleuniger u. ä. Schon gar nicht die Deppen vom LKA...die kennen sich schon mal gar nicht aus.

Und natürlich gehen alle Kriminalisten voreingenommen an einen Fall ran und stellen sich lediglich die Frage, wie es höchstwahrscheinlich gewesen sein könnte. Andere Ursachen blenden sie dann komplett aus, um so wenig ergebnisoffen wie möglich ermitteln zu können. Alles andere kostet nur Zeit und Nerven.

So kriegt man das auch im Studium bei gebracht...und darum wurde Chaos zum Beispiel im Staatsexamen in der Kriminalistikprüfung nicht böse dafür abgewatscht, dass er den Fall, der zufällig eine Woche vorher im Unterricht besprochen wurde, als von vornherein glasklar darstellte. So will man junge Kriminalisten ausbilden. Darum ist unsere Kripo ja auch so schlecht und genießt weltweit so einen miserablen Ruf.

Von der Krähe, die der anderen kein Auge aushackt und dem Korpsgeist will ich jetzt gar nicht erst wieder anfangen.

Wer Ironie findet, darf sie behalten.

Vote for close, bis neue Erkenntnisse vorliegen.

Dass nach wie vor kein Mensch im polizeilichen Gewahrsam sterben sollte, bleibt davon unberührt.
:lah:

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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Kulinka » Do 14. Nov 2013, 12:23

Beobachter hat geschrieben:Aber dass ein Privatgutachter ohne Not in dieser medienbelasteten Geschichte seinen Namen ins Feld wirft, dabei kompletten Unsinn abliefert ...
Das ist doch Alltag, ich bitte Dich. Du findest Wissenschaftler/Gutachter haufenweise, die Dir jeden Scheiß erzählen/testieren, vor lauter Not in die Presse zu kommen. Es findet sich auch jederzeit ein anderer Akademiker, zum Beispiel ein Jurist, um in irgendeiner Nachmittagsshow oder einem "Wissensmagazin" vor dem Hintergrund populärwissenschaftlichen Blödsinns den scheinbar kompetenten Stichwortgeber zu machen.

Ich finde die Verzweiflung der Hinterbliebenen verständlich. Das Interesse der Staatsanwaltschaft richtig und offenbar begründet.
Der Dessauer Oberstaatsanwalt Folker Bittmann sprach von sehr ernsten, überraschenden und zum Teil erschreckenden Informationen. Voraussichtlich müsse jetzt ein neues Gutachten durch die Ermittlungsbehörden gestellt werden.
http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitges ... oh-polizei

Das kann man alles nicht so mir nichts, dir nichts vom Tisch wischen.

Auch kann man sich zum Gutachter nicht von vornherein abfällig äußern, nicht dass ich missverstanden werde. Einen freien Brandermittler aus UK allerdings zum Gutachter der Art hochzustilisieren, der öffentlich niemals etwas sagen würde, was seine Karriere im Olymp des Nobelpreis-Kommittees gefährden könnte, muss ja auch nicht sein :polizei1:

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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Fritz4081 » Do 14. Nov 2013, 13:39

Moin zusammen,

also nach Querlesen des neuen Gutachtens bin ich von den Schlussfolgerungen so erstmal nicht ganz überzeugt.

Das betrifft einmal Details zu Art und Charakter des Rußantrages an den betroffenen Obrflächen und dann die Analogie zu den "2 Litern Brandbeschleuniger". Letztere ist als vergleichendes Wirkungsbild sicher erwähnenswert, nur nicht in der Form das es dazu keine natürlichen Alternativen gäbe.

Es sei denn auch an die Fälle partieller bis völliger Selbstverbrennung erinnert, welche immer mal wieder angetroffen werden.

Auch darf noch die Kausalitätskette zur Blutkonzentration des Zyanids geschlossen werden, das muss nämlichnicht aus den Umsetzungsprodukten einer Verbrennung stammen.

Hab aber noch keine Zeit das ganz gründlich zu lesen, schreibe dann aber nochmal dazu.

Gruß

Fritz

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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Mainzelmann2001 » Do 14. Nov 2013, 15:09

Hier das Video zum Gutachten mit Originalvideos des LKA. Nix für schwache Nerven. Is schon seltsam. Hoffentlich wird jetzt mit Nachdruck daran gearbeitet das restlos aufzuklären.

http://www.publikative.org/2013/11/14/v ... ry-jalloh/
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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Habakuk » Do 14. Nov 2013, 15:33

Wäre schön, das Anfangsintro hätte man sich aber sparen können...

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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Fritz4081 » Fr 15. Nov 2013, 10:17

So um es zum Abschluss zu bringen.

Das neue "Gutachten" ist nach Form, Struktur und Inhalt nur als unbrauchbar zu bezeichnen.

Nicht allein weil man bei Untersuchung zur Todesursachenfeststellung vollständige Sätze erwarten kann, es darf auch übersichtlich gehalten sein und mögliche Kausalitäten sind schlüssig in überprüfbarer Form darlegen.

In der vorliegenden Form kann durchaus von ergebnisorientierter Messwerterfassung, also unverwertbarem Inhalt, gesprochen werden.

Nicht das LKA-Gutachter immer über alle Zweifel erhaben wären, auch da wird gelegentlich fragwürdiges vorgetragen; aber mit diesem "Gegengutachten" ist so nichts anzufangen.

Gruß Fritz

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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Challenger » Fr 15. Nov 2013, 11:22

Wäre mir auch neu, daß dieses "Klientel" mittlerweile wissenschaftlich arbeitet.
Challenger


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Re: Urteil im Fall "Jalloh"

Beitragvon Fritz4081 » Fr 15. Nov 2013, 12:23

Moin,

na ja, hier wärs der Sache durchaus angemessen gewesen.

Gruß Fritz


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