Terror in Europa

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Knaecke77
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Re: Terror in Europa

Beitragvon Knaecke77 » Di 26. Jul 2016, 12:24

26.07.2016 - 12:15 Uhr

Saint-Etienne-du-Rouvray (Frankreich) –Zwei bewaffnete Männer haben in einer Kirche in der Normandie während einer Messe mehrere Geiseln genommen.

Offenbar waren die Täter mit Messern bewaffnet und hielten laut Polizei vier bis sechs Menschen in einer Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray in ihrer Gewalt. Die Zeitung „Le Point“ schreibt, die Angreifer sollen „Daesh“ (ein Synonym für ISIS) beim Betreten der Kirche geschrien haben. Mindestens ein Täter soll bärtig gewesen sein und eine Wollmütze getragen haben, berichtet „Le Figaro“. Es sollen bei der Geiselnahme auch Schüsse gefallen sein. Die Polizei hatte das Gebäude umstellt.

Gegen 11:00 Uhr meldete die französische Polizei, die beiden Geiselnehmer seien erschossen worden.

Mindestens eine Geisel kam ums Leben. Eine zweite Geisel soll laut Innenministerium „sehr schwer verletzt“ sein.

Bei dem Toten soll es sich um den Pfarrer handeln. Offenbar haben die Täter dem Mann die Kehle aufgeschlitzt.

► Lokale Medien berichten sogar, der Pfarrer sei geköpft worden.

Die Zeitung „Le Figaro“ hatte zuvor unter Berufung auf Polizeikreise berichtet, dass die Geiselnehmer fünf Menschen in ihrer Gewalt hätten: einen Pfarrer, zwei Ordensschwestern und zwei Gläubige. Eine Schwester konnte offenbar fliehen und löste Alarm aus.

http://m.bild.de/news/2016/news/news-ei ... obile.html
Aus einem Ort des Friedens wurde ein Schlachthaus.
;-(

Harkov

Re: Terror in Europa

Beitragvon Harkov » Di 26. Jul 2016, 22:38

Es gab aber den ein oder anderen Mahner. Doch diese Leute wurden ja bekanntlich mit allerlei Adjektiven bedacht, von seiten der Medien und Politik.

Jetzt hat man einem Ü80 Mann den Kopf abgeschnitten, während man in geneigten Kreisen über die Einführung einer Art Nationalgarde nachdenkt. Für mich ein Widerspruch. Mir scheint, einigen Entscheidern dämmert es wohl.....

man diskutiert in den Medien derweil ganz offen, dass es ja in jedem BL eine Feldjägerkompanie gibt die man....

ob das nötig gewesen wäre, wenn man 2015 etwas besonnener reagiert hätte ?

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Re: Terror in Europa

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Di 26. Jul 2016, 22:45

a) hat man dem armen Menschen die Kehle durchtrennt, nicht den Kopf abgeschnitten (sofern mein Kenntnisstand aktuell ist, geschweige denn eine Rolle spielt)
b) flüchten wesentlich mehr Menschen vor diesen Verhältnissen, als dass Menschen solche Anschläge begehen (ohne Wertung, wann die Relation zu kippen droht)
c) Inwiefern hat Frankreich 2015 unbesonnen agiert?
:lah:

Harkov

Re: Terror in Europa

Beitragvon Harkov » Di 26. Jul 2016, 22:51

a) Geringfügiges grausige Detail.
b) unbestritten, aber halt unkontrolliert (Das Gros der Syrer floh vor Assad)
c) Ich bezog mich auf Deutschland, hätte als Beispiel auch den Selbstmordanschlag in Ansbach nehmen können.

Man schaue sich mal das Statement von Wagenknecht an......es dämmert Vielen.

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squad
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Re: Terror in Europa

Beitragvon squad » Mi 27. Jul 2016, 00:04

Harkov hat geschrieben:c) Ich bezog mich auf Deutschland, hätte als Beispiel auch den Selbstmordanschlag in Ansbach nehmen können.
Joa... Und was ist mit Brüssel und Paris? Alles belgische und französische Staatsangehörige, dort geboren und aufgewachsen, allerdings in perspektivlosen Stadteilen und dementsprechend gesellschaftlich schlecht integriert.
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Re: Terror in Europa

Beitragvon norcop » Mi 27. Jul 2016, 03:36

Harkov hat geschrieben:...man diskutiert in den Medien derweil ganz offen, dass es ja in jedem BL eine Feldjägerkompanie gibt die man....
und was soll das bringen?
Abgesehen davon, dass das wohl grundgesetzwidrig wäre, haben die Fjg. mit ihren Auslandseinsätzen mehr als genug eigene Baustellen.

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:...
b) flüchten wesentlich mehr Menschen vor diesen Verhältnissen, als dass Menschen solche Anschläge begehen (ohne Wertung, wann die Relation zu kippen droht)
c) Inwiefern hat Frankreich 2015 unbesonnen agiert?
naja...

zu b) ...ich benutz nun auch mal die von dir so geliebte Floskel:

es hat doch hier im Forum zu keiner Zeit irgendjemand behauptet...dass
die Flüchtlinge, die solche Anschläge begehen, zahlenmäßig wesentlich mehr wären als Menschen, die vor diesen Verhältnissen flüchten...
Und nun?

Bei der nächsten Flüchtlingswelle wieder genauso agieren wie 2015?
(Ob irgendwer in Berlin z.B. Pläne für den Fall macht, dass der verschnupfte Sultan die Grenzen öffnet, oder ist das dann wieder gaaaanz unvorhersehbar gewesen? :polizei10: )


zu c) Frankreich hat überhaupt nicht unbesonnen agiert.
Ich wage zu behaupten, dass die um einiges besser aufgestellt sind als wir und nebenbei die Menschen (einschließlich Politiker) dort weniger rosarote Brillen tragen als in Deutschland.



squad hat geschrieben: Joa... Und was ist mit Brüssel und Paris? Alles belgische und französische Staatsangehörige, dort geboren und aufgewachsen, allerdings in perspektivlosen Stadteilen und dementsprechend gesellschaftlich schlecht integriert.
Die sind auch in Frankreich nicht alle perspektivlos gewesen. Die Sozialpädagogiknummer greift viel zu kurz und das müsste spätestens seit Würzburg eigentlich jedem klar sein.

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Re: Terror in Europa

Beitragvon Knaecke77 » Mi 27. Jul 2016, 05:46

squad hat geschrieben:
Harkov hat geschrieben:c) Ich bezog mich auf Deutschland, hätte als Beispiel auch den Selbstmordanschlag in Ansbach nehmen können.
Joa... Und was ist mit Brüssel und Paris? Alles belgische und französische Staatsangehörige, dort geboren und aufgewachsen, allerdings in perspektivlosen Stadteilen und dementsprechend gesellschaftlich schlecht integriert.

Das gibt's in Europa ziemlich oft, z.B. Roma-Siedlungen in Rumänien etc.
Sprengen die sich regelmäßig in die Luft oder greifen wehrlose an? Nein.
Ein Faktor ist allen (religiös motivierten) Attentätern gleich. Den will man in Deutschland allerdings nicht zur Kenntnis nehmen und verweist deshalb gerne auf Krankheiten der Psyche und / oder mangelnde Integration mit einhergehender Perspektivlosigkeit.

Harkov

Re: Terror in Europa

Beitragvon Harkov » Mi 27. Jul 2016, 10:23

z.B. in Bonn gar nicht weit weg von mir, so ne Kofferbombe wäre ne fiese Sache....

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Re: Terror in Europa

Beitragvon squad » Mi 27. Jul 2016, 10:23

norcop hat geschrieben:
squad hat geschrieben: Joa... Und was ist mit Brüssel und Paris? Alles belgische und französische Staatsangehörige, dort geboren und aufgewachsen, allerdings in perspektivlosen Stadteilen und dementsprechend gesellschaftlich schlecht integriert.
Die sind auch in Frankreich nicht alle perspektivlos gewesen.
Nö. Sind nur zweitklassige Bürger die vom Anfang an, schon in der Mittelstufe, den kürzeren ziehen.

Als Flüchtlingskind habe ich einige Zeit in Frankreich verbracht. Später in der BRD. Der Unterschied ist riesig.
Das gibt's in Europa ziemlich oft, z.B. Roma-Siedlungen in Rumänien etc.
Sprengen die sich regelmäßig in die Luft oder greifen wehrlose an? Nein.
Ein Faktor ist allen (religiös motivierten) Attentätern gleich. Den will man in Deutschland allerdings nicht zur Kenntnis nehmen und verweist deshalb gerne auf Krankheiten der Psyche und / oder mangelnde Integration mit einhergehender Perspektivlosigkeit.
Von Regelmäßigkeit kannst du nirgendwo sprechen. Wir liegen bei ca. 10 Anschlägen in Europa in 10 Jahren. Madrid, London, Brüssel, 3x Deutschland, 4x Frankreich.

Ziel und Grund sind nicht das selbe. Ob die Tatmotive wirklich gleich waren, darüber lässt sich wohl eine Doktorarbeit schreiben.

Klar, Radikalisierung und IS sollen mitgewirkt haben und sind der gemeinsame Nenner. Das bestreitet auch keiner. Aber wenn man präventiv handeln möchte, muss man auch verstehen, wieso sich junge Leute die mit der Religion nichts am Hut hatten, sich so leicht manipulieren lassen. Wie wird aus einem Drogendealer der auch Zuhälter war, von heute auf morgen ein Bombenbauer? Religion spielt da nur eine kleine Rolle.

Die Sprache, das Zugehörigkeitsgefühl zu einer anderen Kultur die man kaum kennt bzw. das NICHT-Zugehörigkeitsgefühl zum Land in dem man geboren und aufgewachsen ist, könnte erklären, wieso die Zielpersonen der Anwerber scheinbar so rezeptiv sind.

Und im Umkehrschluss: wären diese Leute ein Teil der Belgischen und Französischen Gesellschaft, würde ihnen kaum die Idee kommen, ihre Mitbürger umzubringen. Weil sie auch keinen Rachegrund und Frust hätten (soziale und sexuelle Ausgrenzung).

War Columbine viel anders als Bataclan? Manche meinen nein. Die Täter haben sich ausgegrenzt gefühlt, bis das Fremdbild und der Hass sich so gesteigert haben, dass es zum Blutbad kam.

Der IS nutzt nur die Schwächen aus, die schon vorhanden sind. Und einen (ca.) 17 jähringen Afghanen, der nur Armut, Krieg, und Verwirrung gekannt hat das Gehirn zu waschen (indem man alles auf die westliche Welt schiebt) ist nun echt mal keine Leistung. Vor allem wenn man seine Sprache beherrscht.
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Re: Terror in Europa

Beitragvon Trooper » Mi 27. Jul 2016, 10:28

In diesem Zusammenhang ganz spannend...

http://www.nzz.ch/articleeo5x7-1.76650
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Harkov

Re: Terror in Europa

Beitragvon Harkov » Mi 27. Jul 2016, 10:33

Squad: ich gebe dir Recht, nicht überall ist der Islamistische Extremismuß eine "Herzensangelegenheit" von radikalen Gewaltverbrechern, sondern auch oft nur eine Art Ventil, ein Audruck der eigenen Weltsicht. Es handelt sich also um eine ethnologische Betrachtungsweise.

Aberder sunnitische Islam ist eine gefestigte Ideologie die ihre Radikalismen ja vor allem in der arabischen Welt verbreitet. Die religiösen Bezüge spielen m.M.n. völlig zu Unrecht eine untergeordnete Rolle im westlichen Extremismus-Diskurs.
Wie radikal und tiefgehend dieser Einfluss der sunnitischen Schule ist, lässt sich z.B. an den Protesten bei der Veröffentlichung der Mohammed-Karrikaturen ablesen.

In unseren Breiten, spielt Religion als Triebfeder - egal für welche Art Handlung - kaum eine Rolle. Daher ging man - westlich arrogant - auch davon aus, dass er anderen als Beweggrund fern sei. Dazu die paternalistischen Strukturen, ehemals säkular eingestellter Türken, für die diese Religion immer mehr an Reis gewinnt.

Das sind die Probleme die ich sehe.

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Re: Terror in Europa

Beitragvon DeBurschi » Mi 27. Jul 2016, 10:47

Könnten wir nicht langsam mal die Gleichsetzung von "extrem" und "radikal" unterlassen? Der radikale Islam ist zwar immer extremistisch, das gilt aber nicht für den radikalen Umweltschützer oder den radikalen Bierliebhaber. Ich erinnere in diesem Zusammenhang auch an Hannah Arendt und daran, dass der politische Radikalismus, teilweise auch Extremismus, immer Garant des "Fortschritts", insbesondere der Liberalisierung war.
Die Erfindung "Islamismus" ist übrigens nichts anderes als ein Synonym für den radikalen Islam, aber "radikaler Islam", das klingt politsch nicht schön Korrekt und musste in "Neusprech" übersetzt werden, für die "Gutdenker".
Während man über "radikal" und "extrem" sicher lange streiten kann, empfehle ich die Definition des Bundesamts für Verfassungsschutz als Referenz für dieses Forum:
"Was ist der Unterschied zwischen radikal und extremistisch?

Als extremistisch werden die Bestrebungen bezeichnet, die gegen den Kernbestand unserer Verfassung - die freiheitliche demokratische Grundordnung - gerichtet sind. Über den Begriff des Extremismus besteht oft Unklarheit. Zu Unrecht wird er häufig mit Radikalismus gleichgesetzt. So sind z. B. Kapitalismuskritiker, die grundsätzliche Zweifel an der Struktur unserer Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung äußern und sie von Grund auf verändern wollen, noch keine Extremisten. Radikale politische Auffassungen haben in unserer pluralistischen Gesellschaftsordnung ihren legitimen Platz. Auch wer seine radikalen Zielvorstellungen realisieren will, muss nicht befürchten, dass er vom Verfassungsschutz beobachtet wird; jedenfalls nicht, solange er die Grundprinzipien unserer Verfassungsordnung anerkennt."

Außerdem müsste man, sofern man ein demokratischer Staat wäre und eine Angst vor dem eigenen Volk demgemäß ausgeschlossen wäre, dringend das Volk bewaffnen, da der Staat weder das Gewaltmonopol aufrechterhalten, noch in der Lage oder Willens ist das Volk zu beschützen. Der Gesellschaftsvertrag diesbezüglich ist eigentlich hinfällig und der demokratische Staat würde eine Bewaffnung des Volkes, womöglich sogar aktiv Unterstützen. Ich erinnere an die historischen Bürgerwehren (nicht zu verwechseln mit der Landwehr).
Man stelle sich vor bei dem Anschlag in München oder in Paris hätte auch nur 1/3 der Anwesenden Schusswaffen gehabt, der Amoklauf, insbesondere in Paris, hätte wohl ein jähes Ende gefunden!

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Re: Terror in Europa

Beitragvon cancer91 » Mi 27. Jul 2016, 10:50

Trooper hat geschrieben:In diesem Zusammenhang ganz spannend...

http://www.nzz.ch/articleeo5x7-1.76650
Das würde auch in den Flüchtlingsthread passen bezüglich der Diskrepanz zwischen männlichen und weiblichen Flüchtlingen
Die lieben Leut

------> Ratio statt Emotio <------

Harkov

Re: Terror in Europa

Beitragvon Harkov » Mi 27. Jul 2016, 11:37

DeBurschi:

Nicht jeder teilt diese Defintion des Verfassungsschutzes.

DeBurschi
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Re: Terror in Europa

Beitragvon DeBurschi » Mi 27. Jul 2016, 11:53

Harkov hat geschrieben:DeBurschi:

Nicht jeder teilt diese Defintion des Verfassungsschutzes.
Das ist mir doch klar, ich schrieb es ja selber, wenn man sich aber nicht auf eine Definition einigen kann, redet man zwangsläufig aneinander vorbei. Daher schlug ich, gerade weil es sich um ein Polizeiforum handelt, die Definition des Bundesamts für Verfassungsschutz vor.


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