SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

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DocSnuggles
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SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon DocSnuggles » Do 30. Jun 2016, 12:30

Kieler Nachrichten hat geschrieben: Die Zeremonie soll im Kieler Schloss stattfinden und ist normalerweise der feierliche Abschluss der dreijährigen Ausbildung. Diesmal liegt über der Zeremonie jedoch ein Schatten. Einer nicht genauer bezifferten Anzahl der jungen Polizeibeamten in spe werden Mobbing, Rassismus und sexuelle Übergriffe vorgeworfen.

Am 26. Mai hatte Innenminister Stefan Studt (SPD) persönlich ein Konvolut mit verschiedenen Schriftstücken und Screenshots von WhatsApp-Nachrichten zugestellt bekommen. Der Absender: anonym. Im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags gab der Chef der Piratenfraktion, Patrick Breyer, am Mittwoch indirekt zu, Urheber dieser Sendung gewesen zu sein. Studt hatte die Papiere mit den Vorwürfen junger Absolventinnen gesichtet und seiner Staatssekretärin übergeben. „Rassistische, sexistische und fremdenfeindliche Einstellungen sind mit dem Beruf des Polizisten unvereinbar“, stellte er im Ausschuss fest. Und: „Mir war und ist wichtig, dass wir rechtsstaatlich vorgehen und Persönlichkeitsrechte wahren müssen.“

Unserer Redaktion liegen die Unterlagen vor. In einem Vermerk vom Dezember 2014 bezeichnen drei Polizeischülerinnen die Vorfälle als Martyrium, das Auswirkung auf Leistung und körperliches Wohlbefinden gehabt habe. Im Schwimmunterricht seien immer wieder abfällige und obszöne Bemerkungen gefallen, und ein Mitschüler habe einer jungen Frau auf den Hintern geschlagen. Kommentare wie „Frauen haben bei der Polizei nichts zu suchen“ seien an der Tagesordnung gewesen. „Das bleibt bei uns nicht ohne Folgen“, stellten die Schülerinnen fest. Eine junge Frau sei im Unterricht fotografiert worden, dieses Bild hätten Mitschüler dann als Zielscheibe in einem „Handy-Ballerspiel“ verwendet. Darauf angesprochen, habe einer frech entgegnet: „Auf manche Personen muss man einfach schießen.“ In der gemeinsamen WhatsApp-Gruppe der Ausbildungsklasse seien regelmäßig Pornos verschickt worden, überhaupt waren dort immer wieder sexuelle Äußerungen zu lesen, und schließlich sei dort auch über einen Mitschüler mit Migrationshintergrund das Zitat gefallen: „Ich will nicht mit so einem Kanaken in einer Dienststelle sein.“

Die Vorfälle waren im Dezember schon einmal Gegenstand eines Vorermittlungsverfahrens gewesen, das dann aber „mangels Erheblichkeit“ eingestellt wurde. Diesmal kam eine neu eingesetzte Mitarbeiterin der Landespolizei zu anderen Ergebnissen: Es bestünden zureichende Anhaltspunkte für Dienstvergehen, deshalb sei ein Disziplinarverfahren einzuleiten. Können die Beschuldigten die Zweifel an ihrer charakterlichen Eignung ausräumen, werden sie zum Beamten auf Probe ernannt. In diesem Fall läuft das Verfahren gegen sie weiter. Sollten sie dagegen nicht geeignet sein, endet ihr Beamtenverhältnis auf Widerruf zum 31. Juli automatisch. Söller-Winkler: „Gegen Privatpersonen wird nicht disziplinarrechtlich vorgegangen.“

Pirat Breyer bezeichnete die Nachricht als erfreulich. „Das ist ein guter Tag für die Landespolizei und ihr öffentliches Ansehen.“ Vertreter der anderen Fraktionen warfen ihm vor, sich auf Kosten junger Leute zu profilieren. Grünen-Fraktionschefin Eka von Kalben bezeichnete gleichwohl die Entscheidung als richtig und forderte in Eutin pädagogische Begleitmaßnahmen. Dem stimmte Minister Studt zu. Man werde noch einmal intensiv prüfen müssen, welche Unterrichtsinhalte zusätzlich gebraucht werden - „und wo Begleiter außerhalb der Unterrichtszeiten nötig sind“.
Quelle: Kieler Nachrichten vom 29.06.2016

Dass es immer wieder passiert, dass solche Vollpfosten durch das Auswahlverfahren kommen. Aber zum Gluck bekommen sie erstmal die Urkunde nicht. Ich hoffe, dass das Diszi die entsprechende Wirkung entfaltet. Die Idi...n sind ja zum Gluck noch Beamte auf Widerruf; da ist nach dem Disziplinargesetz der Rausschmiss die einzige Lösung...

Abgesehen davon empfinde ich ein so großes Fremdschämen.... :sauer:

Und die Kirsche auf dem Kuchen ist, dass Dr. Breyer von der Piratenpartei das Ganze genüsslich ausschlachtet.
Zuletzt geändert von DocSnuggles am Do 30. Jun 2016, 12:33, insgesamt 2-mal geändert.
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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Do 30. Jun 2016, 12:31

Und mal wieder ein gutes Beispiel gegen wa Gruppen...
:lah:

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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon Fusle » Do 30. Jun 2016, 12:44

Da würde ich am liebsten verbal entgleisen, aber das lass ich lieber.

Zum Glück kam das raus.
Ich hoffe solche Leute nicht in meiner Klasse antreffen zu müssen...


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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon SchoenerThunfisch » Do 30. Jun 2016, 12:51

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:Und mal wieder ein gutes Beispiel gegen wa Gruppen...
Stimm ich dir zu, aber es gibt eben auch viele Gründe für Whatsapp-Gruppen. Austausch über Unterrichtsinhalte, schicken von Unterlagen, falls einer was nicht hat, Informationsweitergabe an Kameraden, die an dem Tag krank waren uvm.

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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Do 30. Jun 2016, 12:53

Hat vor wa auch geklappt.
:lah:

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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon fretb » Do 30. Jun 2016, 12:54

Briefe konnte man auch mal mit einer Schreibmaschine tippen...
Grüße,

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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon Fusle » Do 30. Jun 2016, 12:58

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:Hat vor wa auch geklappt.
Das kannst du von Leuten nicht erwarten die, die "Prä Smartphone Zeiten" nicht kennen.


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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Do 30. Jun 2016, 13:01

Darum geht es doch nicht.

Es geht darum, dass man bei wa ganz schnell Gefahr läuft, mit drin zu hängen, wenn da solch eine Gruppe als spam und bashing Runde instrumentalisiert wird. Und wenn du dann denkst 'was für honks' und nix mehr liest, du dann aber dennoch gefragt wirst, warum du nichts gegen solche Inhalte unternommen hast und dein Berufswunsch gefährdet ist, ist das auf einmal nicht mehr so spaßig. Und das passiert mit anderen Kommunikationsmitteln, die nach der Schreibmaschine erfunden wurden, nun mal nicht so schnell.

Aber es ist charakteristisch für dieses Forum, dass Anwärter erstmal alle Weltmeister sind und auf Erfahrungen alt gedienter Kollegen pfeifen. Da fällt man lieber selbst noch mal auf die Schnauze. Ähnlicher Fall vor knapp zwei Jahren in NW. Dennoch werden hier weiter eifrig wa Gruppen gegründet.

Muss nicht sein - aber wer es braucht.

Fusle, ich habe noch ganz andere Erwartungen. Die werden aber regelmäßig enttäuscht.
:lah:

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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon fretb » Do 30. Jun 2016, 13:11

Ich sehe da auch eine Gefahr für diese Personen. Leider gibt es viele Menschen, die sich im Internet sicher fühlen, die keine rechtlichen Konsequenzen fürchten. Kurz: sie glauben, es handele sich um einen rechtsfreien Raum. Das das nicht so ist, stellen sie erst fest, wenn es zu spät ist. Whatsapp ist nicht das einzige Medium, wo sowas passiert.

Ich finde es schon ein starkes Stück, pauschal zu behaupten, dass Anwärter von erfahrenen Kollegen keine Hilfen annehmen. Aber es ist nun mal so, dass verschiedene Menschen verschiedene Ansichten haben können. Da kann man über die Ansichten diskutieren.
Grüße,

fretb

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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon fretb » Do 30. Jun 2016, 13:24

Übrigens bin ich auch keine 20 mehr. Ich kenne durchaus Zeiten ohne Internet. Neue Technik hat durchaus Vorteile. Nachteile zeigen sich oft erst nach einiger Zeit. Das war nicht nur beim Internet so. Wenn die Nachteile die Vorteile überwiegen, sollte man sich überlegen, ob man diese Technik nutzen will. So habe ich dich jetzt auch verstanden.
Grüße,

fretb

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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon Fusle » Do 30. Jun 2016, 13:26

Genau das mein ich, wächst man mit solchen Medien auf, fehlt oft das kritische hinterfragen selbiger.
Das ist noch halbwegs nachvollziehbar.

Wenn man die Leute dann aber auf die gefahren hinweist, dann wird das oft trotzdem ignoriert.

Konnte selbst ich in meiner doch kurzen Zeit bei cz oft genug mitlesen.

Immer die gleiche leier:

1."gibt's ne fb/wa Gruppe?"
2.Dann gefühlt 100x "lass mal lieber weil...."
3."Egal ich machs trotzdem"


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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon Lone Soldier » Do 30. Jun 2016, 13:29

Viele gehen halt sehr naiv mit den technischen Sachen um. Geht schon damit los, dass jeder Abend, wo es ein oder zwei Bier mehr sind, in jedem Detail filmisch festgehalten wird. Mal ne kurze Frage an die Schleswig-Holsteiner: Wird man bei euch nach der Ausbildung versetzt oder von der Ausbildungssdienststelle entlassen und nach einer Sekunde neu wieder eingestellt, wie es ja in einigen BL läuft?

Im letzteren Fall braucht man ja noch nicht mal ein Disziplinarverfahren, sondern stellt die Leute wegen charakterlicher Ungeeignetheit einfach nicht wieder ein.

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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon Holger73 » Do 30. Jun 2016, 14:12

Hmm, auch wenn das Ganze so inakzeptabel ist, so bin ich doch immer erstmal skeptisch wenn einem Politiker Unterlagen "zugespielt" und welche dann medial ausgeschlachtet werden.

Zum Thema Whatsapp:
Kann Spass machen, kann dir aber eben auch verdammt schnell ans Bein pissen. Drum prüfe mit wem du dich in einer Gruppe "bindest".

Grüße
"Das Problem, ob Denken ohne Sprache möglich sei, ist immer noch umstritten. Dagegen wird die Tatsache, daß Sprache ohne Denken durchaus möglich ist, täglich tausendfach bewiesen."

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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon Controller » Do 30. Jun 2016, 15:24

Wie ist denn das zu verstehen?
Söller-Winkler: „Gegen Privatpersonen wird nicht disziplinarrechtlich vorgegangen.“
@ K_C, wir erzählten unser "Schweinereien" früher noch beim Zusammentreffen, persönlich - da bekam es nur der mit, der es auch wissen sollte.

Wenn man Lust hat, kann man zur Zeit ja mal verfolgen, wie "Politik" gemacht wird.

Gina-Lisa Lohfink und Nein heisst Nein
die Istanbul-Konvention
und die unsägliche Sexualstrafrechtsreform

Ich sage:

Wir machen Rückschritte :polizei4:
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)

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Re: SH: Disziplinarverfahren gegen Polizeianwärter

Beitragvon MiningMove » Do 30. Jun 2016, 15:39

Es ist so.
In meiner Klasse, eine 6. Klasse eines Gymnasiums, kriegen wir es auch nicht hin, eine, gemeinsame, Klassengruppe zu gründen.
Wenn man merkt, das es nicht funktioniert verlässt man die Gruppe.

Ich wurde auch schon in Gruppen eingeladen, wo ich direkt wusste, das wird nichts, rausgehen, nicht wieder reingehen - Damit erspart man sich eine Menge Ärger!

Das ganze passiert nicht nur auf WhatsApp, im Internet, vor allem in Spielen, laufen Probleme mittlerweile soweit hinaus, das auf's übelste beleidigt wird und es auch zu DDoS-Angriffen gekommen ist.

Grüße
MiningMove :hallo:
Kleiner, 12-jähriger Junge, der Interesse an der Polizei und der JVA hat.


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