Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon Controller » Do 3. Aug 2017, 01:24

Buford, 1957 :zustimm:
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)

RafaelGomez
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Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon RafaelGomez » Do 3. Aug 2017, 04:57

Buford T. Justice hat geschrieben:
RafaelGomez hat geschrieben:Es handelt sich um ein Pilotprojekt mit mehreren Beteiligten, Behörden und Private (DB-AG). Dazu soll ein eigenes, restriktives Datenschutzkonzept erstellt sein.
Als RGL wäre für die BPOL § 27 BPolG einschlägig, dort findest Du auch die Löschfristen.
Denkbar wäre auch, dass die Formulierungen aus § 27b II und IV inhaltliche Übernahme finden, da geht es um automatisierten Abgleich mit Fahndungssystemen.
Für die DB käme die Neufassung des § 6b BDSG zum Tragen, dort I Satz 2 Nr. 2.
Vielen Dank für die Zusammenstellung der Rechtsgrundlagen! Diese sind für mich größtenteils nachvollziehbar.
Sollten diese inhaltlich als Vorlage dienen, dürften zum Abgleich im Prinzip alle Dateien verwendet werden, die der Bundespolizei zur Verfügung stehen, inkl. Fahndungsdatenbestand (gem. § 34 BPolG). Faktisch dann all jene, die Lichtbilder beinhalten.
NUR der Fahndungsbestand, § 27b II BPolG, der sich auf § 34 I S. 2 bezieht.
Fraglich wäre dann meiner Meinung nach, an welchem Merkmal innerhalb der jeweiligen Datenbank bzw. der verarbeitenden Software der gern plakatierte Gefährder festgemacht wird. Sprich: Wo findet sich eigentlich eine zuverlässige Liste aller Gefährder?
Ich denke, dass eine neue Unterart der Ausschreibung dem INPOL zugefügt wird. Gibt ja nicht nur die Ausschreibung zur Festnahme. Da wird dann der Gefährder reingepackt, mit LiBi.
Es müsste also, will man tatsächlich nur die Gefährder angezeigt wissen, eine nicht ganz unkomplizierte Behelfslösung gefunden werden.
S. o. So kompliziert finde ich das jetzt nicht, bedarf natürlich klarer Kriterien zur Einstufung. Das gehört aber auch erst zu einem der nächsten Schritte.
- Grundvoraussetzung ist eine bereits erfolgte ED-Behandlung, also gem. StPO, PolG ...

...Bezüglich der dritten o. g. Möglichkeit: Nicht jeder Gefährder ist Ausländer.
Bei 600 oder mehr Gefährdern im Bundesgebiet dürfte es mehr Sorten geben als "Strafverfahren eingeleitet/beendet" und "im Ausland".
Richtig. Und wenn ich den deutschen Konvertiten ohne ED-Behandlung als Gef. einstufe, sollte es für diesen Einzelfall eine Möglichkeit geben, ein LiBi aus anderen Dateien zu verwenden.
...Sie haben aber gemein, dass der Kreis der betroffenen Personen in in jedem Fall etwas größer ist als die Menge der Gefährder. Verschnitt? Bisschen Schwund ist immer?
Genau das darf nicht sein. Klare Kriterien zur Einstufung.
...Und wenn die Maschine einmal läuft, wird es auch irgendwann nicht mehr hinnehmbar sein, dass schwerste Straftaten nicht aufgeklärt werden können, obwohl die Einwohnermeldeämter doch eigentlich Lichtbilder der bislang unverdächtig Gebliebenen vorhalten. Aluhut? Pfffffft.
Naja, nur weil in öffentlichem Einzelfall der Stammtisch mal wieder Unsinn erzählt oder fordert, wird es ja noch lange nicht durchgeführt, siehe die jüngste Diskussion um Mautdaten. Ich denke, da kann man ganz gelassen bleiben.

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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon Controller » Do 3. Aug 2017, 14:40

Das ist ein Zitat aus dem Eröffnungsbeitrag:
Von dem Pilotprojekt versprechen sich die Sicherheitsbehörden neue Erkenntnisse zur Abwehr möglicher Terrorakte.
Mit der Technik soll es demnach möglich werden, Straftaten und Gefahren im Vorfeld zu verhindern.
und ich denke, dass dies da sehr gut dazu passt:
...Und wenn die Maschine einmal läuft, wird es auch irgendwann nicht mehr hinnehmbar sein, dass schwerste Straftaten nicht aufgeklärt werden können, obwohl die Einwohnermeldeämter doch eigentlich Lichtbilder der bislang unverdächtig Gebliebenen vorhalten. Aluhut? Pfffffft.
Denn selbst bei den besagten 600, was bringt diese Erkennung, wenn da nun einer durchmarschiert ?
Löst das Maßnahmen aus?
Wenn ja, warum gerade jetzt ? :polizei10:
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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon RafaelGomez » Do 3. Aug 2017, 14:59

C., die besagten 600 sind sicher nochmal individuell eingestuft. Wenn jetzt einer von 'könnte uU irgendwann mal n Anschlag planen' zu 'ist gewillt und vorbereitet zeitnah ein schädigendes Ereignis auszulösen' aufrückt, und der in z. B. einen hochfrequentierten Personenbahnhof spaziert, löst das sicher Maßnahmen aus. Hoffe ich zumindest...;-)
Nachrangig ist die Quelle, die mir diese Erkenntnis liefert.
Nochmal, es handelt sich um eine technische Erprobung. Nichts weiter. Du hast doch selber in anderem Fred die Geschichte der Mauterfassung in Verbindung mit Fahndung skizziert, und gut beschrieben, warum es so ist, wie es ist. Ich hatte den Eindruck, dass Du gut mit der Lösung leben kannst. Warum sollte es beim Face-Scan anders sein? Da ist es mE wenig hilfreich, fundamental abzulehnen, weil ja unter gewissen Umständen anderes damit getan werden könnte. Natürlich bedarf es sehr enger Grenzen, dafür ist dann in einem der nächsten Schritte der Gesetzgeber da, mit seinen Zuarbeitern wie Datenschützern. Vorher sollte man diese Möglichkeit aber weder bejubeln, noch verdammen.

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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon Controller » Do 3. Aug 2017, 15:37

Rafael, mich stört massiv dieses Sand in die Augen streuen !

Da wird eine, imho völlig unsinnige Technik groß angekündigt und breit getreten um die Bevölkerung zu beruhigen, während keiner den Arsch hochbekommt --überparteilich-- um diese 600 da, die Zeitbomben sind, aus dem Verkehr zu ziehen !

Lieber lässt man sich für solchen Schnorres feiern und versucht Punkte vor der Wahl zu machen.

Das ist charakterlich mehr als nur erbärmlich, es widert mich an,
solche Verachtung und Ekel empfinde ich selten für Straftäter der untersten Kategorie.
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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon Knaecke77 » Do 3. Aug 2017, 17:11

Vielleicht sollten wir Unterstellungen doch einfach mal lassen. :nein:

Es gibt zahlreiche Berichte darüber, dass sich Terroristen mit Burqas getarnt haben:

Ein mutmaßlicher Terrorist aus Somalia ist den britischen Behörden entwischt, indem er sich unter einer Burka versteckte. Der 27-jährige Mohammed Ahmed Mohamed hatte zuvor in Straßenklamotten eine Moschee in Acton - einem Distrikt von London - besucht. Die Polizei geht davon aus, dass sich Mohamed dort umgezogen hatte und anschließend in eine Burka gehüllt flüchtete.
http://m.huffpost.com/de/entry/4211784
oder

Männer unter Burkas, Waffen unter Gewändern

http://m.faz.net/aktuell/politik/auslan ... 88058.html

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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon Fritz4081 » Do 3. Aug 2017, 17:57

Moin C.,

:zustimm:

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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon Controller » Do 3. Aug 2017, 18:08

Weiß jemand, wer die Technik liefert/gebaut hat, Patente besitzt ?
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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon CI-tech » Do 3. Aug 2017, 20:09

@Controller

Auf Nachfrage gab es folgende Aussagen dazu:

Aussage des Pressesprechers der Bundespolizei:

Nein, nein. Ich denke auch nicht, dass der Minister die drei Firmen nennen wird. Das hat einfach Gründe, die deutlich für sich sprechen. Es gibt einen Markt, der ist voll von diesen Anbietern. Wenn wir die jetzt hier nennen würden, dann würden sie für eine spätere Ausschreibung komplett ausgeschlossen werden müssen.
[…] Wir werden diese Namen nicht publizieren. Sie können die Frage ja [an den Minister] stellen.

Aussage des Innenministeriums:
Die Anbieter lauten „DELL GmbH, ELBEX (Deutschland) GmbH und L-1 Identity Solutions AG (Teil von OT Morpho)“ handelt.
Quelle: Netzpolitik.org



L1 Solutions hat im Rahmen des Personenüberwachungsprogramms APFel, eingesetzt am Frankfurter Flughafen, eine videobasierte Trackingsoftware entwickelt. Laut einem Artikel hat sich der Bundesinnenminister auch für eine kombinierte Lösung, der Bildabgleichssoftware Examiner von Cognitec, sowie der Trackingsoftware von L-1S ausgesprochen.
Quelle:Heise.de

L- Solutions gilt derzeit als "heißester" Kanidat, da es als einziges Unternehmen auch am Florida Projekt (Auswertung von Videomassendaten) beteiligt ist. Sowohl APFel als auch Florida werden mit Budgets von 2, bzw. 2,58 Mio. € durch das Bundesministerium für Forschung und Bildung gefördert. L-1S gehört jetzt zur Safran Morpho Gruppe und hat ebenfalls einen Lizenzaustausch mit BEA, welcher z.B. die Lieferung von Kameras für APFel zur Folge hatte.

Es stehen derzeit folgende Softwareprodukte zur Debatte:

Morpho Video Investigator - L1S
Examiner - Cognitec

Das deutsche-österreichische Kooperationsprojekt Florida läuft noch bis November 2018 und soll hier ev. noch Einfluss haben.
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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon Controller » Do 3. Aug 2017, 21:22

danke sehr :polizei1:
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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon 1-14-20-9 » Do 3. Aug 2017, 21:46

RafaelGomez hat geschrieben:
1-14-20-9 hat geschrieben:
Erhelle mich -gerne auch rechtlich fundiert-, wo der GG-Verstoß zu finden ist. Ich leite es dann weiter, und das böse Tun wird sofort eingestellt.
Rechtlich fundierte Erhellung erhältst Du beim Anwalt Deines Vertrauens!

Der Staat darf unberechtigt ohne mein Einverständnis keine Filmaufnahmen von mir machen, reicht Dir das? Der Staat soll einfach seine eigenen Gesetze anwenden und nicht die eigene Bevölkerung mit seiner eigenen Paranoia terrorisieren.

Du bist nicht mal sonderlich witzig, überlege aber einfach mal:

Erst werden hunderttausende von Leuten ins Land geholt, die sich nicht ausweisen können und dann wird die eigene Bevölkerung mit Gesichtserkennungssystemen überwacht. Dabei waren die Attentäter oder Gefährder alle einschlägig bekannt. Die Behörden sollten die Ihnen zu Verfügung stehenden Gesetze anwenden und nicht Fristen verpennen und Gesetze einfach mal ausser kraft setzen.

Und nein, du musst meine Meinung nicht teilen, was hier in den letzten Jahren abgeht ist nicht mehr normal.

Der Steinmetz

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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon RafaelGomez » Do 3. Aug 2017, 21:50

Gut. Du hast also keine Ahnung, und willst das auch gar nicht. Danke, reicht als Antwort.

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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon CI-tech » Do 3. Aug 2017, 22:10

@Controller
Kein Problem.

Zu der rechtlichen Frage kann ich leider nur darauf verweisen, dass für die vorrausgehende Planung künftiger Videoüberwachungs bzw. Auswertungssysteme folgende Aussage getätigt wurde :
Die ethischen und rechtlichen Untersuchungen befassen sich mit der rechtskonformen, beweissicheren und ethisch vertretbaren
Erhebung, Verarbeitung und Analyse der Bild- und Videomassendaten.

Quelle: Aussage BMBF


An der Diskussion sind folgende Stellen beteiligt:

Bundeskriminalamt, Wiesbaden
Polizei Baden-Württemberg, Karlsruhe
Landeskriminalamt Baden-Württemberg, Stuttgart
Bundespolizei, Direktion Bundesbereitschaftspolizei, Fuldatal
Ich bin kein PVB

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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon Controller » Do 3. Aug 2017, 22:13

@CI-tech

ich vermisse da zwar eine ganze Latte sonstiger Beteiligter, aber

ich danke dir
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Re: Gesichtserkennung am Berliner Bahnhof Südkreuz

Beitragvon CI-tech » Do 3. Aug 2017, 22:17

Sonstiger Beteiligter? Also laut den Unterlagen ist sonst keine weitere Stelle an diesem speziellen Punkt angesetzt. Oder an wen denkst du da jetzt genau?
Ich bin kein PVB


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