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Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Do 30. Mai 2019, 13:47
von Buford T. Justice
Loewe hat geschrieben:
Do 30. Mai 2019, 12:36
Mit der Einstellung von 24 Tarifbeschäftigten geht NRW einen guten Weg. Es gesteht aber auch ein, dass ganz offensichtlich ein eklatanter Mangel an solchem Personal herrscht, oder ?
Diese Auslegung geht ein Stück zu weit, weil man jede Veränderung zum Positiven als entsprechendes Eingeständnis interpretieren kann.

Vielmehr hat die Einstellung einer solchen Zahl zusätzlicher Kräfte etwas von „ich schaffe sofort 8000 zusätzliche Stellen für Pflegekräfte in Deutschland“. Wenn man bedenkt, dass - wenn nicht zur Ausführung, dann zumindest zur Planung - fast jedweder Tat Computer als Tatmittel infrage kommen und folglich eigentlich jeder gefundene Datenträger sicherzustellen und auszuwerten wäre, bräuchte es ganz locker zehn oder mehr reine Auswerter pro Kreispolizeibehörde + LKA, d. h. mindestens 500 zusätzliche Stellen. Das Innenministerium weiß auch um diesen Umstand; trotzdem schreibt der letzte und damit gültige schriftliche Erlass zu diesem Thema die vollumfängliche Auswertung vor, d. h. Bit für Bit und Pixel für Pixel.

Eine Behörde, die das nicht leisten kann, wird alleine gelassen. Wehe, wenn da retrograd festgestellt wird, dass etwas übersehen wurde. Dann ergießt sich nicht nur der Zorn der Presse über den Verantwortlichen, sondern auch die geballte kriminalfachliche Expertise der Wünsch-Truppe.

Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Sa 8. Jun 2019, 08:00
von wolfi71
Das Problem ist nur, dass man kaum qualifizierte Leute im IT-Bereich findet, die auch als Polizist arbeiten können. Solche Leute sind nicht zu dem Gehalt eines Polizisten im gD zu bekommen. Sieh dir doch mal die Strukturen in den Bastelbuden der LKA an, alles hD, wenn Beamte, aber kaum ein Polizist, weil ein Polizist im hD muss ja durch Münster gelaufen sein, aber nicht durch ein Masterstudium einer Mint-Fakultät an einer anderen Hochschule, was mehr Fachwissen über das Tätigkeitsgebiet bringt. Leute, die beides haben, kannst an den Fingern einer Hand abzählen und halte die mal im öD. Das hängt mit der überkommenen Ansicht zusammen, dass ein guter Polizist freizügig überall eingesetzt werden kann.

Als Angestellte kann man die Leute flexibler einstellen und ist nicht an die dienstrechtliche Altersgrenze aus dem Beamtenrecht gebunden. der Präsident des PTLS BWL sagte mal, dass er es nur schafft, Leute zu kriegen, die nachdem die Kinder aus dem Haus und das selbige abgezahlt sind, noch einige Jahre etwas streßfreier bei zur Rente arbeiten wollen. Da werden sich die Strukturen im Personalbereich noch gewaltig ändern (müssen). Nach außen, zum Bürger hin werden sich sicherlich Polizisten befinden, aber die inneren Arbeiten wird verstärkt auf Fachleute übergehen, die zwar eine riudimentäre Ahnung von der normalen Polizeiarbeit haben, aber in ihrem Fachgebiet Spezialisten sind, im Gegensatz zu Polizisten herkömmlicher Art. Und das sind keine Mitarbeiter zweiter Klasse, weil es keine Beamten sind, also nicht wie früher die Hilfskräfte an das DaSta, im Schreibdienst, etc. Das muss man klar sehen. Klar könnte man Polizisten auch so ausbilden, kommt dann aber in die Gefahr, dass die einfach abgeworben werden und ins das Schema nicht mehr passen.

Ich meine einfach, dass ein Bewuisstseinswandel her muss.

Und Lügde deckt einfach die Mängel einer jahrelang vernachlässigten Polizei und deren Strukturen auf. Das hätte in fast jedem Bundesland passieren können, weil überall hirn- und sinnlos gespart wurde.

Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Mi 19. Jun 2019, 22:29
von e42b
Ja Wolfi, Du hast so etwas von recht.

In Anbetracht des Umfangs der notwendigen Ermittlungen könnte man sogar daran denken, auch Freiberufler zu beauftragen. Davon gibt es jede Menge mit zumindest Fähigkeiten für Ebene 1 (Sichten, was da ist), Ebene 2 (Gelöschte vollständige Dateien wiederholen und sichten) und Ebene 3 (Gelöschte unvollständige Dateien wiederholen und per Software auf das Vorhandensein von Gesichtern sichten lassen).
Klar, das ist Ermittlungsgeschäft, also hoheitlich, aber was will man machen, wenn die Polizei viel zu wenige qualifizierte Mitarbeiter hat. Wenn das so weitergeht, verschwinden viele Tatbestände per Verjährung in der Versenkung.
Da wäre es doch opportun, zunächst schnell gezielt nach anklagefähigen Straftaten und Beweisen dafür zu suchen, statt Bit für Bit den Müll durchzugehen.

In Amiland gibt es die Möglichkeit, irgendwen als Deputy zu vereidigen. Hier muss der Ermittler immer mit einem Stapel von Papier ankommen, um im System mit für die Arbeit nicht angemessenem Salär eine Chance auf Einstellung zu bekommen. Da sollte sich was ändern, finde ich.

Abendgrüße

Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Do 5. Sep 2019, 22:57
von Controller

Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Fr 6. Sep 2019, 22:41
von wolfi71
Zum Glück waren die Taten, die beweisbar waren, so schwer und zahlreich, dass es nur wegen der Geständnisse unter der Höchststrafe blieb. So wirkten sich die Pannen nicht aus. Lass das mal in eine engere Kiste laufen, da sieht es da nn haarig aus.

Ich fürchte nur, dass es aufgrund des Urteils keine Konsequenzen hat, weil ja alles gut ging.

Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Sa 7. Sep 2019, 03:06
von Yen
keine Konsequenzen sieht aber ganz anders aus... oder was soll jetzt noch passieren?

Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Mo 9. Sep 2019, 11:41
von Loewe
Ich fürchte nur, dass es aufgrund des Urteils keine Konsequenzen hat, weil ja alles gut ging.
Das Innenministerium hat 24 Auswerterplätze und einen Seelsorger ausgeschrieben. Damit ist in punkto Konsequenzen der Anfang gemacht. Im Innenministerium selbst wird, sicherlich nicht sehr laut, schon deutlich ausgewertet, was hier schief gelaufen ist vor allem von Seiten des IM aus ( Stichwort: wann wird eine Soko installiert und wie personell untersetzt - in Hinblick auf den größten Fall von Kipo in NRW ein durchaus diskutables Thema )
Der vermisste Koffer wird, sofern er nicht wieder aufgetaucht ist, ein strafrechtliches Verfahren nach sich gezogen haben.
Den vermeintlich nicht nachgegangenen Hinweisen wird strafrechtlich auf Grund der Zeitspanne kaum beizukommen sein, es dürfte aber Auswirkung auf gewisse Kontrollmechanismen haben.

Und wie bei allen Sachen gilt zunächst: erst prüfen was tatsächlich an den Vorwürfen dran ist, bevor man sich von einer Medienmeute vor sich hertreiben und zu vermeintlich entschlossenem Handeln ( Aktionismus ) hinreissen lässt.

Loewe

Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Mo 9. Sep 2019, 15:20
von 1957
Der Minister hatte kürzlich in einem Gespräch darauf hingewiesen, dass die Altersstruktur in der zuständigen Behörde mit ein Faktor war, der zu Schlendrian geführt haben soll.Mit ein Grund, die Kripo zu verjüngen.
KOntrollmechanismus ist schon lange gültiger Erlass zum Umgang mit Asservaten jeder Art.
Wenn diese Vorschriften eingehalten werden, kann kaum etwas passieren - außer, es steckt kriminelle Energie dahinter.

Was Hinweise betrifft, so ist das ein Faktor der Aktenführung. Da habe ich zwar keine Ahnung, könnte mir aber vorstellen, das eine edv gesteuerte Aktenführung hilft, übersehene Hinweise zu vermeiden.

Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Mo 9. Sep 2019, 20:53
von Buford T. Justice
Die elektronische Verfahrensakte hilft meines Erachtens nur wenig, weil selten Hinweise oder Spuren übersehen werden, die ihren Weg bereits in die Akte gefunden haben; egal, ob diese elektronisch oder auf Papier geführt wird.

Der Ansatz ist aber absolut richtig. Es gibt in NRW bereits eine festgelegte Verfahrensweise für den Anschlagsfall, wie Hinweise elektronisch zu erfassen sind, bei der sichergestellt ist, dass nichts untergehen kann. Man hatte sich an dem Entführungsfall Schleyer orientiert, bei dem es frühzeitig Hinweise auf die Wohnung, in der er festgehalten wurde, gab, welche jedoch nicht priorisiert bearbeitet wurden.

Dieses System lässt sich sofort und ohne Anpassung auch auf jeden anderen Fall anwenden. Diverse MK- und EK-Leiter tun das auch, während sich der Großteil der Sachbearbeiter aber spätestens an dieser Stelle die Ohren zuhält und wegläuft.

Es fehlt an einem Erlass, der verbindlich festlegt, wann das wie zu benutzen ist. - Natürlich; denn gerade erst (2018) wurde die aufwendige Fortbildung dafür gänzlich gestrichen und auf das geheiligte Multiplikatorensystem umgestellt. D. h. ein bis zwei „freiwillige“ aus der Behörde kriegen die Beschulung und dürfen fortan alle Kollegen der Behörde selbst beschulen - egal wie gut sie das selbst begriffen haben. Und damit das nicht soviel kostbare Sachbearbeitungszeit in Anspruch nimmt, wird an der Zielgruppe als Stellschraube gedreht.

Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Di 10. Sep 2019, 08:13
von 1957
Yo, so meinte ich das mi der Sammlung von hinweisen.

Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Di 10. Sep 2019, 11:47
von Fritz4081
Moin Buford,

ja das stimmt, was nicht unmittelbar eingepflegt wird , geht schon mal unter, es muss noch nicht mal verloren gehen, bleibt aber unsichtbar. Selbstmultiplizieren allein ist keine so zweckmäßige Idee. Es müssen einfach alle SB durch einige Standardfälle durch um damit frei spielen zu können, jeder lernt anders und es kann richtig kreativ werden. Aber auch klar: Zeit dafür ist kaum vorhanden.

Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Di 10. Sep 2019, 21:40
von Loewe
Der Minister hatte kürzlich in einem Gespräch darauf hingewiesen, dass die Altersstruktur in der zuständigen Behörde mit ein Faktor war, der zu Schlendrian geführt haben soll.Mit ein Grund, die Kripo zu verjüngen
Aua ! Aber naja, der Innenminister hatte in letzter Zeit eh kein glückliches Händchen bei seinen Äußerungen in Sachen Polizei. Stellt sich nur die Frage, worauf die Altersstuktur von Dienststellen zurückzuführen ist ?

Gruß
Loewe

Re: Lügde:Beweismaterial verschwunden

Verfasst: Mi 11. Sep 2019, 06:53
von 1957
Ja, mitunter hat er kein glückliches Händchen. Er ist kein aalglatter Politprofi. Er ist aber so ziemlich der beste Innenminister, den ich in den vergangenen 46 Jahren hatte.

Zumindest ist die ALtersstruktur bei K nicht auf ihn persönlich zurückzuführen. Er ist erst seit 2012 im größeren Politgeschäft.