Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

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Steffen767
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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Steffen767 » Fr 18. Okt 2019, 19:18

Nur mal zum Nachdenken.

Was den Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Halle veranlasst hat Lügen zu verbreiten, vermag ich beim besten Willen nicht nachzuvollziehen.

"Zur Entspannung der in den letzten Tagen aufgeheizten Lage hatte Max Privorozki, Vorsitzender der Jüdischen Gemeinde Halle, beigetragen. Er nahm während des Gesprächs seine Äußerung zurück, er habe für den 9. Oktober vergeblich Polizeischutz angefordert. Das sei nicht der Fall gewesen. Nach seiner Anforderungs-Aussage hatte sich ein bundesweiter Proteststurm gegen Stahlknecht erhoben.

Quelle: Volksstimme"
Zuletzt geändert von Steffen767 am Fr 18. Okt 2019, 20:13, insgesamt 1-mal geändert.
Wir haben so viel mit so wenig schon so lange vollbracht, dass wir qualifiziert sind, alles mit nichts zu erreichen.

Die oben angegebene Meinung ist die Meinung bzw. Ansicht des Verfassers und spiegelt nicht die Meinung anderer oder der Polizei wieder

Aldous
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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Aldous » Fr 18. Okt 2019, 20:02

bb44 hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 18:33
Bei Gruppen, die von Angriffen besonders gefährdet sind, ist es schon sinnvoll, für solche Fälle organisatorisch etwas mehr vorzudenken. IMHO
Bist du Polizist?
Die Polizei hält für verschiedenartige Lagen entsprechende Eskalationsstufen und Abläufe vor, um den speziellen Anforderungen dieser Lagen Geltung zu tragen.
Steffen767 hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 19:18
"Er nahm während des Gesprächs seine Äußerung zurück, er habe für den 9. Oktober vergeblich Polizeischutz angefordert. Das sei nicht der Fall gewesen.
Quelle: Volksstimme"
Ist bekannt, ob es sich dabei um die falsche Wiedergabe seiner ursprünglichen Äußerung, ein kommunikatives Missverständnis oder um eine bewusst unwahre Aussage handelt?

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon 1957 » Fr 18. Okt 2019, 20:23

Nun, womöglich lässt sich dass alles unter "erster Aufregung" subsumieren.
Jedenfalls wurden eine Menge Aussagen bereits relativiert.



"Vielleicht können wir es so sagen:
Bei 90 Minuten ist schon noch Optimierungspotential.
Vor allem, wenn mal jemand mit einer funktionierenden Waffe und einem Rucksack voll Munition kommt."

Und wo kommen jetzt die 90 Minuten her?



b44, in Anbetracht deiner bisherigen Aussagen kann ich dich nicht wirklich ernst nehmen.

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bb44
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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon bb44 » Sa 19. Okt 2019, 01:03

1957 hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 20:23
Und wo kommen jetzt die 90 Minuten her?
b44, in Anbetracht deiner bisherigen Aussagen kann ich dich nicht wirklich ernst nehmen.
vladdi schrieb um 19:08:
"Der Täter ist 1,5 Stunden nach dem Anschlag festgenommen worden."
Ernst nehmen ist nicht so wichtig, solange du auf die Beiträge eingehst (am Ende gar wegen des Inhalts).

@Aldous, ich bin kein Polizist.
Mag sein, dass der Vorsitzende der Gemeinde in Halle keinen Polizeischutz anforderte, für die Zukunft wird man sich aber für solche Kunden wohl etwas überlegen, das die Reaktions- und Einwirkzeit verkürzt.
- Freilaufender Bürger -

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon 1957 » Sa 19. Okt 2019, 08:37

Der Vorwurf einer zu langsam eintreffenden Polizei bezog sich nicht auf den Zeitpunkt derd Festnahme des Täters, sondern auf das als „spät“ empfundende Eintreffen der Polizeikräfte vor Ort.
Dazu wurde bereits einiges ausgeführt.

die Realität ist nun wirklich anders als als „Kino „.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon vladdi » Sa 19. Okt 2019, 09:03

Hallo

Zwei Dinge.

Die Festnahme nach 1,5 Std ist hier jetzt aus dem Zusammenhang gerissen.
In dem Beitrag Fr 18. Okt 2019, 15:08 passt das ins Thema und in die Vorwürfe

Der dann angesprochene Optimierungsbedarf steht meiner Aussage im Beitrag Fr 18. Okt 2019, 15:08 entgegen. Dies wurde von mir nur nicht weiter kommentiert.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Knaecke77 » Sa 19. Okt 2019, 09:36

bb44 hat geschrieben:
Sa 19. Okt 2019, 01:03

@Aldous, ich bin kein Polizist.
Mag sein, dass der Vorsitzende der Gemeinde in Halle keinen Polizeischutz anforderte, für die Zukunft wird man sich aber für solche Kunden wohl etwas überlegen, das die Reaktions- und Einwirkzeit verkürzt.
Welche Lösungen siehst du da, um dies praktisch zu bewerkstelligen?

Wieder einmal soll das Waffengesetz geändert werden, als wenn dies das Hauptproblem wäre......
Abfragen beim Verfassungsschutz, schnellere Strafverfahren, ein nationales Waffenregister: Die Innenminister von Bund und Ländern haben sich auf Maßnahmen verständigt, um gegen extremistische Gewalttäter vorzugehen. Sie bekundeten unter dem Eindruck des Anschlags von Halle nach einer Sonderkonferenz in Berlin ihre Unterstützung für entsprechende Pläne der Bundesregierung. Diese könnten schon kommende Woche im Kabinett verabschiedet werden.
https://www.spiegel.de/politik/deutschl ... 92275.html

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Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon slugbuster » Sa 19. Okt 2019, 09:52

Da kann man nur hoffen, dass sich Straftäter zukünftig an Gesetze halten und ihre Waffen auch korrekt registrieren oder registrierte Waffen nutzen. Und die Einkommenssteuererklärung nach dem Raub nicht zu vergessen.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon vladdi » Sa 19. Okt 2019, 09:58

Zumindest hatte der Täter in Halle keine voll funktionierenden Waffen.
Er konnte so schon zwei Menschen ermorden. Nicht auszumalen wieviele Menschen er ermordet hätte, wenn unser Waffenrecht ähnlich wie in den USA wäre.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon schutzmann_schneidig » Sa 19. Okt 2019, 10:59

Oder er wäre auf eine wehrhafte Gemeinde und erbitterten Widerstand getroffen, so dass die Tat bereits im Ansatz beendet worden wäre.
Die USA sind hier nicht Thema und eine Liberalisierung des Waffenrechts steht in Deutschland in nächster Zeit ganz sicher nicht an. Insofern sind solche "was wäre wenn Gedanken" sind müßig.
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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon JKM » Sa 19. Okt 2019, 13:56

bb44 hat geschrieben:
Fr 18. Okt 2019, 18:22
Der Anrufer muss aber sprechen können ;-)
Das ist bei alten Leuten nicht immer der Fall, und vielleicht auch mal bei einem Amoklauf schwierig.

Die Johanniter rufen dann den Nachtdienst im Heim an, der schaut ins Zimmer und entscheidet dann weiter.
Ich habe es (in Berlin) auch schon erlebt, dass bei 110 keiner dran ging, d.h. es klingelte so oft, dass die Leitung getrennt wurde. Erst beim Dritten Versuch kam ich durch; zum Glück war da nicht Gefahr im Verzug.

Angesichts des Holocaust können die (wenigen) Juden, die wieder in Deutschland leben, es schon erwarten, als VIPs behandelt zu werden. Klingt vielleicht komisch, ist aber IMHO so.
Also zuerst war ein kürzerer Draht (den es eben nicht gibt) wichtig, jetzt ist das große Notruf-Problem, dass ein Anrufer vielleicht nicht sprechen kann und zu guter letzt muss die Polizei also eine bestimmte Bevölkerungsgruppe besser behandeln als andere? Ich habe den Eindruck, dass du dich zu sehr auf vermeintliche Fehler im System fokussierst, die Du glaubst, entdeckt zu haben.

Wenn in Berlin entweder ungewöhnlich viele Notrufe gleichzeitig eingehen oder ein Personalengpass auf der Leitstelle herrscht, gibt es trotzdem keine andere Stelle, die schneller reagieren kann. Und die von dir geschilderte Problematik aus Berlin ist im vorliegenden Fall in Halle kein Problem gewesen - außer, du weißt da mehr....

Ob die Gefährdungseinschätzung und eventuelle Schutzmaßnahmen richtig waren, wird sicher überprüft werden. Aber auch das kann man nicht mit "Es ist was passiert, also hat die Polizei zu wenig gemacht." beenden. Fraglich ist, was es an Erkenntnissen im Vorfeld gab, an welchen Objekten welche Gefährdung vorlag und welche Maßnahmen dann entschieden wurden.

Wenn jetzt, wie hier im Thread beschrieben, in manchem Bereich alle Objekte mit jüdischem Hintergrund ständig bewacht werden müssen, wird das personell Konsequenzen für andere polizeiliche Aufgaben haben.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Brot » Sa 19. Okt 2019, 16:07

vladdi hat geschrieben:
Sa 19. Okt 2019, 09:58
Zumindest hatte der Täter in Halle keine voll funktionierenden Waffen.
Also ich finde es schon eindrucksvoll, welche funktionsfähigen Waffen benutzt wurden.

https://www.youtube.com/watch?v=PCwZZNQ8W20 (ab Minute 7:20)

Der Schusswechsel mit der Polizei ist in dem Video ab Minute 13:51 Uhr zu sehen.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Fritz4081 » Sa 19. Okt 2019, 17:13

Moin Brot,

da wird gerne vergessen das die "Luty" seit ca. 2012 weltweit eine gewisse Beliebtheit hat, weil sie einfach im Aufbau ist und relativ zuverlässig funktioniert. Tatsächlich gibt es genug, auch amtliche, Demofilmchen wie das Teil wirkt.

Aufschießend und mit glattem Rohr kein Präzisionswunder, dafür steht das Konzept auch nicht. Dafür ist es relativ tolerant gegen Munition mit improvisierten Treibmittel wie es hier wohl für alle Tatmittel der Fall war.

Und letztlich wurden mit der sehr primitiven "Flinte" was nichts weiter als eine "slam fire" aus zwei Rohrteilen ist, ja vier Personen beschossen und getroffen, davon zwei vermutlich tödlich. Vorbehaltlich keiner einzelnen Schussabgaben durch andere Mittel.
Das ist ballistisch mehr oder weniger eine normale Flinte 12/76, sieht halt nicht für Jeden so aus, funktioniert aber und man trifft auch im Hüftanschlag eine Mannscheibe bis über 30 m zuverlässig mit Posten. Es ist durchaus möglich, damit > 20 gezielte Schüsse in der Minute abzugeben.

Selbst improvisierte Schusswaffen die sich in Täterhand zerlegen sind für den einen dabei abgegebene Schuss nicht wirklich als "Harmlos" anzusprechen. Eien vollständig gebaute Luty ist fern davon:

https://www.youtube.com/watch?v=Dv33pCUkLRM

Gruß Fritz

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon bb44 » Sa 19. Okt 2019, 18:43

Nochmal kurz zusammenfassend meine Haltung, als einfacher Bürger:
A)
Dass nach 10 Minuten die Polizei vor Ort ist, erscheint mir angemessen.
Dass es dann noch 80 Minuten dauert, bis man den Täter festnimmt - nicht.

Dass es da nicht viel mehr Opfer gab, war pures Glück (Waffenversagen etc.).
Allein die Szene, dass der Mann gestellt, von der Polizei beschossen und getroffen wird - dann aber ins Auto steigen und unbehelligt in die andere Richtung davonfahren kann. Skurill.

B)
Jüdische Einrichtungen sollten einen Alarmknopf bekommen, wie Banken.
- Freilaufender Bürger -

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon vladdi » Sa 19. Okt 2019, 19:01

Allein die Szene, dass der Mann gestellt, von der Polizei beschossen und getroffen wird - dann aber ins Auto steigen und unbehelligt in die andere Richtung davonfahren kann. Skurill.
Das ist nicht skurril, sondern die Folge dessen, dass die Polizei von ihrem „Arbeitgeber“, obwohl solche Szenarien denkbar waren, keine vernünftige Bewaffnung auf jedem Streifenwagen haben.


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