Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

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Kulinka
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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Kulinka » Mi 23. Okt 2019, 18:00

Hallo zusammen,

zumindest mir drängt sich doch mittlerweile der Eindruck auf, dass es sich hier um eine bewusst provokante Art der Betrachtung handelt, die der User BB 44 trotz Belehrung nicht müde wird anzustellen. Oder anders gesagt:

https://www.youtube.com/watch?v=gwH8v02H2ZY

:polizei2:

Viele Grüße
Kulinka

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slugbuster
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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon slugbuster » Mi 23. Okt 2019, 18:01

bb44 hat geschrieben:
Dass dann die Arbeit der Polizei bei diesem Fall hier im Forum überwiegend gelobt wird, dürfte für die Masse der Unbedarften (nicht-Polizei) schwer nachvollziehbar sein.
Aber vielleicht findet man das auch richtig so.
Ist doch ganz normal, das in diesem Forum viele Polizisten und Polizistinnen (wirklich?) sind. Das die das mit ihren Augen sehen war zu erwarten.
Die Gründe sind a) besseres Wissen b) natürlich auch eine gewisse Voreingenommenheit. c) manche mögen vielleicht auch einfach keine Kritik, dürfte aber die Ausnahme sein.

Wäre in einem Ärzteforum wohl eine ähnliche Situation, wenn mal die Pest ausbricht.

mistam
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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon mistam » Mi 23. Okt 2019, 18:10


bb44 hat geschrieben:Klar, der unbedarfte Bürger hat keine Ahnung, ...
Exakt so ist es, wie man an Dir deutlich erkennt.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon vladdi » Mi 23. Okt 2019, 18:35

Nicht zu wissen ist ja nicht schlimm. Jedoch nicht zu zuhören!

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Fritz4081 » Mi 23. Okt 2019, 21:31

Moin Vladdi,

das : "Ja. Zum Glück waren seine Waffen schlecht. Unsere strenges Waffenrecht ist da bestimmt auch hilfreich gewesen." ist ziemlicher Unfug.

Nach aktuellem Kenntnisstand war es allein die Unfähigkeit und der Unwille des Täters die ihm bekannten , selbst verursachten, Defizite seiner Tatmittel zu korrigieren.
Das gilt sowohl für die SW wie auch für die USBV.
Bei beiden Sorten Tatmittel waren Komponenten sehr sorgfältig ausgeführt und an sich brauchbar, nur der eigene Entschluss, und wohl eine latente Unfähigkeit, des Täters, keine Norm und niemand sonst, hat hier eine Schutzwirkung entfaltet.
Weil das Filmchen so schön ist nochmals:

https://www.youtube.com/watch?v=Dv33pCUkLRM

Zu slam fire darf sich jeder selber schlau machen. Da war es schon schlau sich nicht unnötig anzunähern!

Auch die USBV haben nur aufgrund selbst verschuldeter Mängel nicht umgesetzt.

Hier war fast nur Glück und bemerkenswertes Zusammenwirken entscheiden.

"Schutzwirkung der Norm", das ist so belastbar, wie wenn mir einer sagt: ".. nimm das Ding mit, es wird sich schon nicht umsetzten...". Klar, kann man für wahr halten, muss man aber nicht. Rat mal wie ich mich immer entscheide?

Gruß Fritz

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon mistam » Mi 23. Okt 2019, 22:19

Es dürfte wohl außer Frage stehen, dass eine Waffe "von der Stange" zumindest deutlich weniger Fehlerpotenzial gehabt hätte, sei es bei der Fertigung oder der Nutzung. Auch ein offenkundig geistig eher limitierter Täter hätte damit wohl sehr viel mehr Schaden anrichten können.
Insofern hat das Waffenrecht schon positiv gewirkt. Dass es nicht jede Tat verhindern kann, steht ja außer Frage. Hat auch keiner behauptet.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon vladdi » Mi 23. Okt 2019, 22:27

Fritz, natürlich hat unser Waffenrecht geholfen. Denn dadurch hatte er schlechte Waffen.

Interessant, wie du seine Entschlusskraft beurteilst.

Ich sage, mit anderen Waffen hätte es, wenn alle anderen Komponenten gleich blieben, mehr Tote gegeben.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Fritz4081 » Mi 23. Okt 2019, 22:32

Vladdi,
das ist eine nicht statthafte Behauptung die nur zu vollkommen falschem Sicherheitsgefühl verleitet.
Die Funktionsmängel waren selbst verschuldet, ihm bekannt und wurden nicht abgestellt, ihr könnt das gerne anders einschätzen.
Aber über solche schmalen Brücken geht eben nicht jeder.

Gruß Fritz

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon mistam » Mi 23. Okt 2019, 22:38

Ja, und eine gekaufte Serienwaffe hätte diese Mängel nicht gehabt, so dass damit mit höchster Wahrscheinlichkeit mehr Schaden angerichtet worden wäre.
Das ist keine schmale Brücke, das ist schlichte Logik.


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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon mistam » Mi 23. Okt 2019, 22:44

Die Argumentation, dass ein Gesetz nicht positiv wirkt, nur weil es nicht sämtliche Taten verhindert, finde ich schwierig.
Das tut auch das gesamte Strafrecht nicht. Mord ist verboten, es gibt trotzdem Morde. Dennoch gehen wir wohl alle davon aus, dass die Strafbarkeit die Fallzahlen zumindest reduziert.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Fritz4081 » Do 24. Okt 2019, 06:10

Moin Mistam,

auch eine nach den Vorgaben hergestellte Luty hat die vom Täter verursachten Mängel nicht...

Was die Schutzwirkung der Norm angeht ist es einfach, genau gegen solche Tatmittel hat die Norm keine Präventionswirkung.

Solche als gegeben vorauszusetzen halte ich für schlicht lebensgefährlich, das ist bei den USBV nicht anders. Es geht nicht um möglicherweise reduzierte Fallzahlen, sondern um die methodisch fragwürdige Bewertung.

Gruß

Fritz

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon vladdi » Do 24. Okt 2019, 08:02

Fritz, du sprichst hier ständig von Mängeln des Täters, ohne Butter bei de Fische. Ok.
Dann brauchen wir uns jedoch auch nicht weiter darüber unterhalten was mit anderen Waffen wäre.

Ich bin der Meinung, dass unsere Waffenrecht schlimmeres verhindert hat, weil er nicht frei schoppen konnte.
Man könnte jetzt eine andere Sichtweise haben, das ist ok. Oder diesen Standpunkt teilen.

Was nicht mehr ok ist - bzw unverschämt von dir ist, meine Meinung als „Unfug“ zu betiteln. So diskutiert und unterhält man sich nicht!

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon mistam » Do 24. Okt 2019, 08:51


Fritz4081 hat geschrieben:Moin Mistam,

auch eine nach den Vorgaben hergestellte Luty hat die vom Täter verursachten Mängel nicht...

Was die Schutzwirkung der Norm angeht ist es einfach, genau gegen solche Tatmittel hat die Norm keine Präventionswirkung.
Ja Fritz, ich wiederhole mich ja gern. Eine Serienwaffe hätte die Mängel nicht gehabt und hätte allein deshalb mehr Schaden ermöglicht.
Dass die Mängel vom Täter verursacht waren ist doch dabei völlig unerheblich.
Die Waffengesetzgebung macht es eben erforderlich, derartige Tatmittel selbst zu produzieren - glücklicherweise mit hohem Fehlerpotenzial und zumindest einem Mindestmaß an Anforderungen an die handwerklichen Fähigkeiten.
Der Gang in ein Waffengeschäft zum Kauf einer garantiert funktionierenden Waffe braucht keine derartigen Fahigkeiten. Damit würde auch noch der potenzielle Täterkreis auf die noch blöderen und unfähigeren Leute erweitert.

Die Restriktionen des Waffengesetzes sind der berühmte Schritt in die richtige Richtung.

An keiner Stelle hat hier jemand behauptet, dass es derartige Anschläge verhindern würde. Dichte daher doch bitte nicht diese Aussage in die Beiträge hinein.

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Fritz4081 » Do 24. Okt 2019, 09:42

Moin Vladdi,

Unfug habe ich geschrieben, weil es aus technischer Sicht eine Fehleinschätzung darstellt. Der Täter hat sich alle erforderlichen Komponenten für Schusswaffen, Munition und USBV unbehindert beschafft. Daher ist die Schutzwirkung der Norm m. E. nicht vorhanden, das kann jeder der Lesen kann hier, Heute und in Zukunft wieder tun.

Allein die vier Geschädigten, davon zwei mit Todesfolge, kamen zustande weil jemand zwei Wasserrohre ineinander stecken konnte.
An den MPs hat der Täter den Ejektor weg gelassen, bei der Luty mit Plastikgriffstück ist wohl auch der Verschlussabstand etwas zu groß. Diese Mängel, sowie deren Ursache und Beseitigung waren ihm nach derzeitigen Kenntnisstand bekannt.

Bei den USBV genau das gleiche Bild.Wobei da der ganze Aufwand noch weniger nachvollziehbar ist, da leider Blitz-Knallsätze wirklich zentnerweise allgemein verfügbar sind.

Gruß

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Re: Halle - Einsatzkräfte zu langsam?

Beitragvon Fritz4081 » Do 24. Okt 2019, 09:51

Moin Mistam,

die Deliktverwirklichung geschah mit zwei ineinander gesteckten Wasserrohren. Gegen solche slam fire Systeme ist das WaffG schlicht wertlos.
Tatsächlich lassen sich sehr viele KW- und einige LW-Munitionsarten mit ganz beachtlicher Schussfolge damit verschießen. Für deliktrelevante Distanzen ist das mehr als ausreichend.

Die MPs funktionierten aufgrund dem Täter bekannter Mängel durch dessen eigene Unterlassung so schlecht wie die USBV.

Das konventionelle Schusswaffen "keine Fähigkeiten" benötigen, bestreite ich durchaus. Und das diese keine Fehlerquellen hätten trifft ebenso wenig zu.

Nochmal: Die Schutzwirkung der Norm wird hemmungslos überschätzt, ganz wirklungslos ist die zwar nicht, aber es ist unrealistisch erstmal einen Effekt anzunehmen. Insbesondere wenn man einem entsprechenden Täter gegenüber steht.

Gruß


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