Überstunden NRW

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1957
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Überstunden NRW

Beitragvon 1957 » Di 25. Feb 2020, 11:41

Zur Diskussion:

https://www.welt.de/politik/deutschland ... erden.html


IM Reul ist m.E. für NRW ein richtig guter Minister. Habe in den vergangenen 45 Jahren keinen besseren erlebt.
Überstunden sind in NRW seit nahezu 20 Jahren ein ziemlich wichtiges Thema.
Öffentlichkeit für interne Probleme ist ohne wichtigen Grund außerhalb gewerkschaftlicher Arbeit illoyal
Das Thema passt auch ganz gut zu dem Thread "Was kostet soviel bei Polizeieinsätzen?"

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon Yen » Di 25. Feb 2020, 12:17

Als Berufsanfänger wirkt das auf mich erstmal so, dass ich Überstunden vermeiden sollte. Ich könnte irgendwann darauf sitzen bleiben.

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon 1957 » Di 25. Feb 2020, 12:22

Überstunden sind so ziemlich unvermeidlich. Es gibt Korridore, in welchen man sich sicher bewegen kann.
Und in den allermeisten Dienststellen gibt es auch Zeiten, in welchen Überstunden auch wieder abgefeiert werden können, oder eben zur Auszahlung gebracht werden können.
Diese hier in Rede stehende Aktion wird sicher für viele Nachteile in Form restriktiver Regelungen haben.

Ich frage mich allerdings, wie eine Kollegin, die ja schon ca. seit 1 Jahr Überstunden abfeiert und jetzt immer noch 1200 Stunden hat, diese in einem recht überschaubaren Zeitraum aufbauen konnte.

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon Criss_mitchel » Di 25. Feb 2020, 12:43

Das Frage ich mich auch.
Trotz mehrtägiger und auswärtiger Einsätze komme ich in 3 Jahren Ehu vll auf knapp die Hälfte.

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon Buford T. Justice » Di 25. Feb 2020, 12:53

Eine Entscheidung, die Überstunden ausnahmsweise ganz auszuzahlen, wäre jedenfalls ein Signal an Basis und Führung, sich nicht großartig um rechtzeitigen Abbau kümmern zu müssen.

Ich bin der Ansicht, dass ein regelmäßiger zeitnaher Abbau der Gesundheit wesentlich förderlicher ist als das Hinauszögern bis zum Sanktnimmerleinstag - mögen die Beweggründe auch noch so redlich sein. Es ist an der jeweiligen Führungskraft, den betreffenden Mitarbeiter niemals derart unabkömmlich werden zu lassen.
:applaus:

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon 1957 » Di 25. Feb 2020, 13:07

:zustimm: ( Falls die Stunden dienstlich erforderlich waren)

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon Sunwalk » Di 25. Feb 2020, 13:18

Buford T. Justice hat geschrieben:
Di 25. Feb 2020, 12:53
Eine Entscheidung, die Überstunden ausnahmsweise ganz auszuzahlen, wäre jedenfalls ein Signal an Basis und Führung, sich nicht großartig um rechtzeitigen Abbau kümmern zu müssen.
EDIT: hier stand Mist. @1957 danke, genauer lesen hilft. Kann ich so nur zustimmen. :zustimm:
Zuletzt geändert von Sunwalk am Di 25. Feb 2020, 13:35, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon 1957 » Di 25. Feb 2020, 13:24

Bitte genau lesen, sunwalk. ( hatte ich zuerst auch gedacht)

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon SirJames » Di 25. Feb 2020, 14:48

Moin,

grds. gehe ich davon aus, dass die Kollegin nicht aus Jux über 1000h angehäuft hat, schon gar nicht als 13er'in mit vermutlich Führungsverantwortung. Vermute eher, dass sie zur Kategorie Workaholic zählt und alles dem Dienst untergeordnet hat bis zur Pension. Dafür spricht ja auch ihre Bitte um Verlängerung des Dienstverhältnisses.

Egal wie - ich pers. finde es eine Schande, dass man da keine Lösung gefunden hat. Die Behörden funktionieren i.d.R. nur, weil es diese Art von Kollegen gibt, die nie nein sagen und immer da sind.

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon zulu » Di 25. Feb 2020, 16:23

SirJames hat geschrieben:
Di 25. Feb 2020, 14:48
Moin,

grds. gehe ich davon aus, dass die Kollegin nicht aus Jux über 1000h angehäuft hat, schon gar nicht als 13er'in mit vermutlich Führungsverantwortung.
Aus Jux vermutlich nicht, aber ich finde es äußerst seltsam, wie man von 2015 bis 2018 1700 Stunden aufbaut. Das sind 41 Wochen zusätzliche Arbeit in dem Zeitraum. War das eine Teilzeitstelle und dann wurde voll durchgezogen? Was rechnerisch aber auch schwer wird.

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon SirJames » Di 25. Feb 2020, 16:38

zulu hat geschrieben:
SirJames hat geschrieben:
Di 25. Feb 2020, 14:48
Moin,

grds. gehe ich davon aus, dass die Kollegin nicht aus Jux über 1000h angehäuft hat, schon gar nicht als 13er'in mit vermutlich Führungsverantwortung.
Aus Jux vermutlich nicht, aber ich finde es äußerst seltsam, wie man von 2015 bis 2018 1700 Stunden aufbaut. Das sind 41 Wochen zusätzliche Arbeit in dem Zeitraum. War das eine Teilzeitstelle und dann wurde voll durchgezogen? Was rechnerisch aber auch schwer wird.
Moin,

na ich gehe entgegen des Artikels erstmals nicht davon aus, dass sie bei 0 Stunden gestartet ist. Das wäre recht unwahrscheinlich. Die Teilzeitvariante halte ich grds. auch für wenig plausibel. Zumindest in meinem BL. würde man dann nach einer gewissen Zeit schon Fragen stellen. Die Zahl ist schon außergewöhnlich, wenngleich ich auf meiner Dienststelle zumindest auch zwei Dienstgruppenleiter kenne, die 4-stellig Stunden haben. Gehören auch zur von mir angesprochenen Kategorie.

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon Tinker » Di 25. Feb 2020, 21:55

ich frag mich auch, wie man das schafft schon ein Jahr Überstunden abzufeiern und dann noch soviel über hat. So wichtig kann sie ja nicht gewesen sein, wenn ein Jahr abfeiern dann doch auf einmal geht. In der Ehu waren es nach irgendwelchen Castor oder G-Einsätzen schon so viele, dass man sich danach recht lange nur noch zu Wochenendeinsätzen und manche unter der Woche zum auf- und abrödeln gesehen haben. Da dachten die Nachbarn schon, ich wäre arbeitslos oder würde auf einer Bohrinsel schaffen. Man sollte sich schon selbst darum kümmern nicht zuviel aufzubauen bzw. abzubauen. Bei den Bedarfsplänen muss man ja auch selber gucken, dass man nicht zu übel ins Minus rutscht.

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon al-lex » Di 25. Feb 2020, 22:23


Öffentlichkeit für interne Probleme ist ohne wichtigen Grund außerhalb gewerkschaftlicher Arbeit illoyal
Das Thema passt auch ganz gut zu dem Thread "Was kostet soviel bei Polizeieinsätzen?"
Man hat es ja zunächst intern versucht. Da gab es keine Lösung. Deswegen ist der BDK an die Öffentlichkeit gegangen. Exakt das ist die Aufgabe einer Gewerkschaft. Reul hat eben zugesagt, dass keine Überstunden verfallen.

IM Reul ist m.E. für NRW ein richtig guter Minister. Habe in den vergangenen 45 Jahren keinen besseren erlebt.
Deine Beurteilung finde ich dann doch etwas unfair gegenüber andere Innenminister: Beispielsweise waren Wolff und Jäger Innenminister in einer Weltwirtschaftskrise. Natürlich mussten sie da deutlich strenger sein und öfters nein sagen. Reul dagegen hat so astronomische Steuereinnahmen wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Er kann das Geld richtig verpassen und muss niemandem nein sagen und verärgern.
Wenn 3 Polizisten mit 100 Hooligans fertig werden müssen, ist das deutlich schwerer als wenn 100 Polizisten mit 3 Hooligans fertig werden müssen und es ist auch eine größere Leistung.
Wolff hatte Jahre da fehlte im Landeshaushalt 3,4,5 Mrd am Ende des Jahres. Bei Reul sind am Ende des Jahres noch über 1 Mrd über.
Dennoch müssen Polizisten in NRW weiterhin 41 arbeiten, die ganzen Zulagen würden nicht (spürbar) erhöht, es gibt kein Weihnachts-/Urlaubsgeld, die Besoldungsrunde war im Vergleich zu anderen Bundesländern eher schlecht (da gab mehr als 1:1).
Wäre Reul wirklich ein guter Innenminister, hätte er Polizisten an den Rekordsteuereinnahmen teilhaben lassen. Schließlich mussten Polizisten ja auch bei Rekordsteuermindereinnahmen länger arbeiten und bekamen bei Besoldung und Zulagen Nullrunden. Wenn man nicht heute bei Rekordeinnahmen die Zulagen um 50-100 % erhöht (das ist ein angemessener Wert da es quasi seit 20 Jahren keine Anpassung kam), wann dann?

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon Buford T. Justice » Di 25. Feb 2020, 22:55

SirJames hat geschrieben:
Di 25. Feb 2020, 14:48
grds. gehe ich davon aus, dass die Kollegin nicht aus Jux über 1000h angehäuft hat, schon gar nicht als 13er'in mit vermutlich Führungsverantwortung. Vermute eher, dass sie zur Kategorie Workaholic zählt und alles dem Dienst untergeordnet hat bis zur Pension. Dafür spricht ja auch ihre Bitte um Verlängerung des Dienstverhältnisses.

Egal wie - ich pers. finde es eine Schande, dass man da keine Lösung gefunden hat. Die Behörden funktionieren i.d.R. nur, weil es diese Art von Kollegen gibt, die nie nein sagen und immer da sind.
Mir war der konkrete Fall zwar bereits bekannt, aber natürlich weiß ich nicht, welche konkrete Teilaufgabe der Kollegin diese massive Mehrarbeit abverlangt hat. Sie hatte ganz bestimmt beste Absichten. - Aber ich möchte hier ja nicht auf diesen Einzelfall hinaus, sondern auf das allgemeine Problem.

Ob es die Führungsaufgabe oder eine fachlich komplexe Aufgabe war, spielt letztlich gar keine Rolle. Denn in jedem Fall geschah es unter den Augen ihrer Vorgesetzten, welche dies in diesem Ausmaß schon aus Fürsorgegründen nicht hätten zulassen dürfen.

Ursächlich für diesen Missstand ist das in NRW noch immer vielfach propagierte und insbesondere im höheren Dienst gelebte "Allround-jeder-kann-alles-und-muss-sich-deshalb-maximal-verwendungsbreit-zeigen"-Prinzip. Es sorgt für kurze Mindestverwendungszeiten in den Funktionen als Inspektionsleiter, wobei diese in bestimmten Funktionen sogar regelmäßig noch unterschritten werden. (Wenn die Kollegin seit 2015 beim Staatsschutz ist, dürfte sie mindestens zwei Kriminalinspektionsleiter erlebt haben.) Führungskräfte in kurzen Verwendungen fühlen sich selten nachhaltig verantwortlich, schon gar nicht für unangenehme interne Entscheidungen und erst recht nicht dann, wenn doch unter Beibehaltung des jeweiligen Zustands alles gut läuft.

James,

ob Behörden auch ohne dieses Verhalten funktionieren würden, werden wir vielleicht nie erfahren. Wir müssen aber alles daran setzen, sie gemeinsam funktionsfähig zu halten, ohne die Last auf dieser Art von Kollegen, die nie nein sagen und immer da sind, abzuladen - bloß weil es für alle Beteiligten Gewohnheit ist.
:applaus:

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Re: Überstunden NRW

Beitragvon Proud » Di 25. Feb 2020, 23:01

@al-lex

kurze Off-Topic Frage.
Wurde Eure jährliche Sonderzahlung, wie du sie auch immer nennen willst, nicht in die monatlichen Besoldungen integriert?
Und wenn ja, wurde da von der Behörde „getrickst“ oder war es einfach nicht spürbar?

lg


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