Wechsel zur Polizei

Informationen zur Einstellung und Ausbildung der Landespolizei!

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Thaarek
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Wechsel zur Polizei

Beitragvon Thaarek » Do 6. Jun 2019, 19:43

Hallo zusammen, ich hoffe ich finde hier ein wenig Hilfe.
Ich bin 24 und befinde mich im 1. Semester des Masters in Maschinenbau. Ich arbeite derzeit zum zweiten Mal als Werkstudent in einem mittelgroßen Dienstleister für die Automobilindustrie. Während mir große Teile meine Bachelorstudiums Spaß gemacht haben, so merke ich langsam durch praktische Erfahrungen, dass der Beruf doch nicht ganz das ist, was ich mir vorgestellt habe. Vor allem auf der Arbeit besteht der Alltag aus 90% Büro (Emails schreiben, Meetings festlegen, Telefonieren etc.) und nicht aus den Sachen die ich zuvor gelernt habe. Das hört sich vielleicht persönlich an, ist es jedoch absolut nicht. Irgendwie habe ich mir die Arbeit als Ingenieur spannender und abwechslungsreicher vorgestellt, jedoch war dies bei keinem meiner beiden bisheriger Arbeitgeber der Fall.

Seit fast 1,5 Jahren nun (also auch noch während meiner Bachelorzeit) spiele ich mit dem Gedanken einer beruflichen "Neuorientierung" (wenn
man das überhaupt jetzt schon so nennen kann). Während meines Abiturs wollte ich unbedingt zur Polizei, habe jedoch aus persönlichen Gründen nicht am Einstellungstest teilgenomen und aufgrund meiner wissenschaftlichen Affinität mich kurzfristig für Maschinenbau entschieden (natürlich auch mit dem Blick auf ein gutes Gehalt).
Derzeit steigt in mir der Gedanke auf, meinen Master sausen zu lassen und die Ausbildung bei der Polizei in den gehobenen Dienst anzufangen. Ich kann mir einfach nicht vorstellen, 40 Jahre lang das zu tun was ich bisher von mir und meinen Bekanntenkreis aus dem Ingenieurberuf mitbekommen habe. Ich will nicht nur im Büro sitzen und lediglich soziale Interaktion haben, wenn bei den wöchentlichen Meetings viel heiße Luft um nichts gemacht wird. Ich hätte gerne mehr Abwechslung und etwas spannendere Arbeit. Auch fehlt mir eine gute Zusammenarbeit im Team. Auf meiner Arbeit arbeitet, obwohl es gemeinsame Projekte gibt, doch eher jeder für sich.
Allerdings schaffe ich es nicht mich durchzuringen, die letzten 4,5 Jahre aufzugeben (da vor allem auch meine Gehaltsaussichten nicht schlecht sind, wäre es auch ein finanzieller Rückschritt). Ich selber weiß auch, dass der Polizeiberuf nicht so ist, wie er im Fernsehen geschildert wird (abgesehen davon, dass ich eh kein Fernseh gucke), trotzdem habe ich nach wie vor Interesse am Polizeiberuf. Ich hab mich schon teilweise durch den Eintrag "der tägliche Dienst" gelesen, jedoch kam es mir so vor als wären dies eher lustige Sonderfälle im Streifendienst.

Was denkt ihr zu meiner Situation?
Ist es dumm das alles aufzugeben und mit 25 (also Einstellungsjahr 2020) bei der Polizei anzufangen? Ist das zu spät?

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon Thor87 » Do 6. Jun 2019, 23:35

Hallo Thaarek,
auch ich stand Mitte 2018 vor der Entscheidung.
Ich bin bzw. war bis vor kurzem Konstrukteur und wie du, konnte ich mir auch nicht mehr vorstellen diese Tätigkeit bis zum Rentenalter auszuüben.

Ich bin 32 Jahre, habe eine abgeschlossene Ausbildung und anschließend berufsbegleitend meinen Maschinenbautechniker gemacht.

Ich habe mich intensiv mit der Frage auseinander setzten müssen, alles hinzuschmeißen, die Mühe und den Fleiß den man investiert hat für einen Neustart einfach hinter sich zu lassen.

Mich hat’s einfach belastet, jeden Tag das gleiche, man sitzt im Büro und konstruiert, telefoniert oder schlägt sich mit Reklamationen durch...ich wollte und wusste, dass ich nicht bis zum Rentenalter diese Tätigkeit ausüben werde.

Ich bewarb mich und schaffte den Einstellungsverfahren in NRW, bin froh diese Entscheidung getroffen zu haben!!!

Wenn Du jetzt schon an deiner Tätigkeit zweifelst dann, wird sich dies höchstwahrscheinlich auch nicht mehr ändern!

Und umsonst war dein Studium auch nicht, du musst das so sehen, du bist reifer geworden und hast viele neue Dinge kennengelernt, hast gelernt wie es in der freien Wirtschaft ist und weißt später dann einen direkten Vergleich!!!

Viele haben diesen Vorteil nicht...;)
ROW: 100.3xx :ja:

VB: 7.11.18 :zustimm:
EZ: 29.11.18 :zustimm:
DAB: 30.07.19 Wunschort :flehan:

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon vladdi » Fr 7. Jun 2019, 04:17

25 ist dicke ok

gD Polizei ist ein toller Job

Es gibt auch andere tolle Jobs

Man sollte seinem Herzen folgen ohne den Verstand zu ignorieren, denn das Herz ist lediglich ein Muskel der Blut durch den Körper pumpt.


In 60 Jahren sitzt du auf dem Schaukelstuhl und blickst zurück - jetzt stellst du die Weiche.

Master ist solide. Da kann man bestimmt was mit anfangen. Gutes Geld verdienen, ins Ausland gehen, Karriere machen, die Welt bereisen...
... man kann es auch verhunzen und in Wanne-Eikel Bier trinken und fast nix verdienen.

Polizei macht Spaß. Schichtdienst, keine Karriere, wenig Geld (oder viel, kommt drauf an was man sonst für Möglichkeiten hätte und wo man wohnt).

Kann dir keiner sagen, was DU machen sollst und was für DICH der richtige Weg ist.
Jedoch wärst du bei der Polizei nicht der einzige, der sein Studium schmeißt, um Polizist zu werden. Und mit 25 bist du lange nicht der Älteste und auch nicht der Jüngste.

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon Proud » Fr 7. Jun 2019, 08:27

Moin Moin,

25 ist in dieser Hinsicht noch völlig okay.
Bin selbst 24 und im 2. Semester gD. Habe Leute in meiner Klasse die sind 31.

Kann dir nur nahe legen dass man lieber das machen sollte was einem Spaß macht. Bevor man mit 45 im Büro hängt und sich lediglich am Ende des Monats über die Gehaltsabrechnung freut.

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon vladdi » Fr 7. Jun 2019, 08:49

Bei der Polizei kann man auch im Büro landen ;)

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon Proud » Fr 7. Jun 2019, 10:18

sicherlich.
Wenn man sich dann aber nur auf den Gehaltszettel freut, läuft auch dort etwas falsch.

Und reine Büroarbeit ist nach etlichen Dienstjahren auf der Straße vielleicht auch nicht verkehrt.

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon Thaarek » Fr 7. Jun 2019, 19:41

Schon mal vielen Dank für die ganzen Antworten. Komme aus NRW und denke das ist ein Land, wo das Gehalt für den polizeilichen Maßstab gut ist oder?

Wie sieht es denn mit den Aufstiegsmöglichkeiten? Ist doch eher selten oder?

Bin derselben Meinung wie Proud, denke dass so ein Bürojob nach etlichen Jahren Streife doch dann auch interessant ist. Nur kann ich mir jetzt nicht vorstellen, dauerhaft im Büro zu sitzen.

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon Ale » Fr 7. Jun 2019, 22:26

Ich habe mit 33, auch in NRW, auch meinen alten Beruf aufgegeben und bin zur Polizei gegangen. Das ist in vielfacher Hinsicht eine Umstellung:

- du bekommst deutlich weniger Geld in den 3 Jahren des Studiums
- Studieren fällt uns nicht mehr ganz so leicht, bzw. das Lernen, wie einem 20-Jährigen. Zumindest ist das bei mir so.
- Man hat i.d.R. nebenher auch eine etwas größere Last in der Alltagsbewältigung und Lebensstandart-Erhaltung zu tragen
- du bist umgeben von Menschen die aus einer ganz anderen Generation stammen, teilweise sogar deine Kinder sein können - das kann anstrengend und bereichernd zugleich sein
- Polizei ist irgendwo auch ein bisschen Risikoverein. Es kann dir durchaus was passieren, was dich auf verschiedenen Ebenen nachhaltig trifft oder beeinträchtigt.

Jetzt bist du bei Antritt erst 25 - das trifft dich zuteils sicherlich genau so, aber an mancher Stelle vielleicht nicht so "hart" wie hier dargestellt.

Du bekommst aber:
- einen tollen Beruf mit vielen Möglichkeiten! (Aber auch hier musst du viel schreiben ;))
- ein Gehalt, was natürlich immer etwas mehr sein darf - aber ich denke, man kann sich absolut nicht beschweren: Beamtenstatus, Freie Heilfürsorge, eine gute Pension etc etc etc. Ich behaupte, als Polizist gehört man nicht zu den armen Schluckern. UNd gerade im Ländervergleich darf man sich erst recht nicht beschweren.
- im Zweifelsfall das Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Und am Ende das Resümee, es nicht zu bereuen, dass du es nicht gewagt hast.

Summa summarum: Dein Alter sollte kein Kriterium darstellen, du bist noch jung. Auch für diesen Beruf. Geld ist da, aber sicherlich nicht so viel wie in deinem jetzigen Bereich, das ist klar. Und: Des Geldes wegen zur Polizei gehen ist unpassend. Du brauchst dafür mehr als die Motivation des schnöden Mammons, sonst machste nur Kacke in dem Job. ;)
Stell dir einfach die Frage, ob du es irgendwann bereuen würdest, wenn du das jetzt nicht machst. So habe ich es gemacht und es bisher nicht bereut. Ich war nach 10 Jahren in meinem alten Beruf in einer ähnlichen Situation wie du und habe mich gefragt ob ich dass was ich gerade mache noch 30 Jahre durchziehen will und bin dann in einem mittelfristigen Erkenntnisprozess zu der Antwort gekommen die zu meinem Wechsel geführt hat. Und: Selbst wenn es nicht hinhaut haben wir die Möglichkeit, auf unseren alten Beruf zurückzugreifen. Wir stehen dann nicht auf der Straße und haben keine Perspektive mehr.
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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon scw » Sa 8. Jun 2019, 23:44

Dein Alter ist völlig i.O.
Problematisch wird lediglich die Tatsache mit dem Geld aus meiner Sicht. Wenn du Summe X bereits verdienst und bei der Polizei aber nur Summe Y musst du deinen Lebenstandard umstellen. Das ist schwierig. Das Problem haben viele, viele packen das auch. Andere wollen nicht drauf verzichten.

Wenn das wirklich dein Wunsch ist, geh zur Polizei. Der Job ist geil. Du hast Abwechslung und bzgl. der Pension usw. die bereits genannten Vorteile.
Sicherlich auch Nachteile. Schichtdienst, Berufsrisiko im Bezug auf Verletzungen. Du kannst in der freien Wirtschaft immer mehr verdienen, aber auch weniger. Kein Polizist nagt am Hungertod, wenn doch, kann er mit seinem Geld nicht haushalten. Ganz einfach. Mehr geht immer, das tut aber nichts zur Sache.

Wer auch immer dir sagt, das Polizeiarbeit Büroarbeit ist erzählt Schwachsinn. Außer, du suchst dir eine Bürotätigkeit bei der Behörde. Die gibt es, sofern du sie willst, natürlich auch.

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon Cactus » Mi 12. Jun 2019, 23:32

Hallo Thaarek,

Ich habe einen ähnlichen Lebenslauf wie du.
Auch ich habe Ingenieurwesen studiert. War sowohl als Werkstudent und als Praktikant bei zwei verschiedenen Automobilzulieferern. Nun, relativ gutes Gehalt, Vertrauensarbeitszeit, eigenes Fitnessstudio und natürlich in der Kantine die Wahl zwischen 4 Hauptgerichten und 3 Desserts zu haben hört sich doch wie ein Traum an!

Naja, ich konnte mich damit auch nicht wirklich identifizieren. Man sitzt mit ca 60 Leuten (zumindest bei mir) in einem Großraumbüro. Kann die Welt nur aus dem Fenster beobachten. Frische Luft gibts auch nur beim "Verdauungsspaziergang".
Und ja, groß spannend ist so eine Arbeitswoche nun wirklich nicht.

Ich habe mich jetzt auch bei der Polizei beworben, da ich diesen Beruf schon quasi seit Studiumsbeginn im Auge hatte.
Ich denke man gibt natürlich viele Vorteile auf, aber ich hab lieber einen Beruf in dem ich auch mal draußen sein darf, viele verschiedene Dinge sehen kann und ab und an Leuten auch tatsächlich helfen kann. Auch wenn hier ein wenig Berufsromantik mitschwingt ;D

Und sollte man irgendwann keine Lust mehr haben sich auf der Straße "herumzutreiben" wird sich bestimmt wieder ein Weg ins Büro finden. Vielleicht schätzt die Behörde ja deine oder meine technischen Fähigkeiten um sie später mal für sich zu nutzen. Irgendjemand muss ja später auch eine Anforderungsliste für einen neuen Streifenwagen schreiben :lupe:

PS: Ich bin übrigens auch genau so wie du Mitte 20! Und falls du dir noch schwer tust dich zu entscheiden, mach doch einfach das EAV mit und schau ob du überhaupt genommen wirst. Wenn ja, kannst du dir immer noch Gedanken machen ob du nun Polizist wirst oder nicht. Falls du nicht genommen wirst, hat sich die Entscheidung ja alleine aufgeschoben.

Grüße
Cactus

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon Thaarek » Do 13. Jun 2019, 06:57

Ich danke euch allen für die ganzen Antworten.
Ich habe mich dazu entschieden es einfach mal zu versuchen und bereite gerade meine Bewerbungsunterlagen vor. Da ich jetzt seit einigen Jahren schon mit dem Polizeiberuf liebäugel, denke ich dass es für mich die richtige Entscheidung ist. Finde Cactus Beitrag sehr zutreffen, ich kann mich mit meiner derzeitigen Position und den Kollegen einfach niciht richtig "identifizieren".
Dann hoffe ich jetzt mal, dass das Auswahlverfahren gut klappt. :polizei2:

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon Polizeianwärter_2019 » Do 8. Aug 2019, 10:41

Hallo Thaarek und allen anderen hier im Beitrag, :hallo:

auch ich bin mittlerweile 30 Jahre jung und kämpfe schon Jahre mit dem Gedanken zur Polizei zu gehen. :gaga:

Kurz zu meinem Lebenslauf:

Nach meinem eher schlechten Fachabitur (damals hatte man eine andere Sicht auf das Leben als Heute :zunge: ) habe ich mich dazu entschlossen, eine Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker zu machen. Eine Bewerbung bei der Polizei war damals ohne ,,richtiges'' Fachabitur nicht möglich. Ich hatte immer schon Interesse an Autos oder Allgemein an Technik. Durch die Möglichkeit die Ausbildung zu Verkürzen (statt 3 1/2 Jahre habe ich die Ausbildung auf 2 Jahre verkürzt) bekam ich einen ersten Eindruck in das Berufsleben. Das Interesse an dem Beruf hat sich und wird sich auch nie ändern. :zustimm:

Im Folgenden wollte ich es dann nochmal versuchen, die Bewerbung bei der Polizei NRW. Das Auswahlverfahren hat soweit so gut geklappt... bis es zum Leistungs-EKG kam. Das soll nun keine Ausrede sein, aber wenn man über 1,90cm groß ist, relativ gut gebaut da steht, dann sind die zu leistenden 350 Watt schon eine Hausnummer... Leider war das der Ausscheidungsgrund. Der Traum Polizist zu werden war weg.

Falls es mit der Zusage bei der Polizei nicht klappen würde wollte ich ein Studium als Ingenieur beginnen. Nach erfolgreichen 7 Semestern (inkl. Praxissemester) Bachelorstudium kam die nächste Überlegung... soll ich es doch nochmal bei der Polizei versuchen? Langes hin und her Überlegen führten zu der Entscheidung: Jetzt habe ich das Studium so gut gemeistert und bin Ingenieur, wieso soll ich das alles weg werfen? :stupid:
Also dachte ich mir ich haue noch kurz den Master hinterher :zustimm:

Das Bachelorstudium beendete ich vor 2 Jahren, in dieser Zwischenzeit habe ich bei 2 Firmen neben dem Studium als Ingenieur gearbeitet, schreibe zur Zeit meine Masterarbeit und habe bereits eine Zusage bei einem großen Automobilzulieferer mit mehr als ordentlichen Gehaltsaussichten in der Tasche. :lupe:

Nur wieso bekomme ich den Gedanken Polizist zu werden nicht aus meinem Kopf?
Der Beruf Ingenieur klingt auf den ersten Blick super. Gutes Gehalt (nach oben hin natürlich grenzenlos Offen), relativ normale Arbeitszeiten, oft viel Verantwortung und meistens auch Teamarbeit. Doch ist das im Alltag wirklich so?

Als Ingenieur sitzt du einfach zu 95% im Büro auf den 4 Buchstaben, kümmerst dich meistens um das gleiche, relativ wenig mit Menschen zu tun (ich sage deshalb relativ wenig, weil die Menschen ,mit denen man zu tun hat, möchte man nichts zu tun haben (Kunden etc.) :motz: ), die Arbeit ist eintönig und vom Gefühl her nicht das was ich mir den Rest meines Lebens vorstellen kann. Klar, das Gehalt ist 1A, nur was bringt mir das ganze Geld wenn ich mich jeden Morgen auf die Arbeit quäle? Und das, obwohl meine Arbeitskollegen das beste an dem Job sind.

Von daher habe ich mich dieses Jahr, also zur Einstellung 2019, nochmal bei der Polizei NRW beworben. Dieses Mal hat es geklappt. Mein Erstwunschwort wurde auch genehmigt.

Noch habe ich Zeit mich zu Entscheiden ob ich diesen großen und neuen Weg gehen soll. Ich denke es werden einige in meinem Alter und ähnlichen Lebenslauf vor Ort sein. Das das Gehalt die ersten Jahre kein Vergleich zu meiner jetzigen Situation ist ist mir eigentlich egal. Ich habe auch vorher schon mit wenig Geld gelebt.

Vielleicht gibt es ja den ein oder anderen hier der mir den letzten Mut gibt :flehan:

Ich hoffe auf jeden Fall das ihr alle noch glücklich in eurem Leben und Beruf werdet. Vielleicht sieht man sich ja doch noch irgendwann im Streifenwagen :zustimm:

PS: Habe den Text gerade über das Handy verfasst. Natürlich als Beifahrer :polizei2: wer Rechtschreibfehler findet darf sie behalten :polizei7:

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon zulu » Do 8. Aug 2019, 13:47

Mit 30 Jahren, kurz vor dem Master als Kfz Ingenieur, würde ich nicht mehr zur Polizei. Du fängst bei 0 an, verzichtest auf einen Haufen Gehalt. Tauschst die familienfreundlichen Arbeitszeiten gegen eine oft unplanbare, hohe Belastung ein. Es geht ja langsam auch darum, sesshaft zu werden, eine Familie zu gründen. Sich finanziell gut aufzustellen. Das alles ist Geschichte, sobald du als Anfänger bei der Polizei startest.

Ja, der Beruf ist spannend. Du redest mit Leuten, die meistens nicht mit dir reden wollen. Als Bonus kämpfst du auch öfter mit ihnen und lässt dich besprucken, beleidigen oder erniedrigen. Nur um am Ende festzustellen, dass das alles keine Sanktionen nach sich zieht.

Ohne Witz, mach es nicht. Ingenieure braucht es überall, mit verschiedensten Aufgaben. Da lässt sich mit Sicherheit eine Firma finden, bei der es Spaß macht, morgens aufzustehen.

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon Cactus » Do 8. Aug 2019, 16:19

@zulu
Der Beruf “Ingenieur“ ist längst nicht mehr dass, was er mal war oder sich viele darunter vorstellen.

Zwischen den Excel Tabellen ausfüllen und dem Kaffee um 8 und um 11, passiert da nicht viel spannendes. Mein Highlight im Alltag ist, wenn die Kollegen mal Kuchen in die Abteilung bringen.

Zum Thema “familienfreundliche Arbeitszeiten“. 60 Wochenstunden sind zum Teil nicht unüblich. Aber das natürlich ohne Entgelt oder Überstunden aufzubauen -> Vertrauensarbeitszeit sei Dank!

“Aber bei Vertauensarbeitszeit kann man ka kommen und gehen wann man will!“ - Natürlich! Wenn man von den Kollegen komisch angeschaut werden will und auch keine Karriere machen will.

Und dass man angerufen wird um “kurzfristig“ mal wieder nach China oder Indien fliegen zu müssen für 2 Wochen um die still stehenden Produktionsbänder zum laufen zu bringen - Klar doch Chef! Wird dein neuer Porsche denn schwarz oder blau?

Ich würde familienfreundliche Arbeitszeiten in Klammer setzen.

Gehalt und Ingenieurmangel -> Da sieht die Realität leider anders aus. Es herrscht kein Mangel an Ingenieuren, lediglich an Ingenieuren & Informatikern die für 9,50€ die Stunde arbeiten wollen. Davon gibt es zu wenig.

Dass man als Polizist bespuckt, angegriffen und beleidigt wird, ist denke ich ziemlich vielen Bewerben bekannt. Die Polizei ist natürlich nicht immer der beliebteste Gast auf den Partys.

Aber hier Vorteile und Nachteile von beiden Berufen zu vergleichen ist nicht zielführend. Wenn man unzufrieden ist, da hilft auch kein 5000€ Brutto Gehalt & ein Klimatisiertes Büro.

Man sollte sich überlegen, mit welcher Arbeit man sich besser identifizieren kann. Welche Bereiche einen interessieren und was man noch erreichen will.

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Re: Wechsel zur Polizei

Beitragvon zulu » Do 8. Aug 2019, 17:20

Da hast du Recht, unglücklich sein bringt nichts. Es kommt aber vor, dass Neueinsteiger binnen kürzester Zeit nichts von dem wiederfinden, was sie sich unter "Polizei" vorgestellt haben und dann gefrustet sind. Dein Vorteil dabei ist, dass du "die andere Welt" schon sehr gut kennst und vergleichen kannst. Das sind eben auch sehr persönliche Erwartungen, Ansprüche und Vorlieben. Deshalb ist die Entscheidung auch sehr individuell. Wenn du alles abgewägt hast, wage den Wechsel...


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