Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Informationen zur Einstellung und Ausbildung der Landespolizei!

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passion84
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Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon passion84 » So 14. Sep 2014, 17:43

Hallo,

mich würde mal interessieren, ob es hier Leute gibt, die nach ihrer Promotion (sprich als Dr. xyz) noch zur Polizei gegangen sind? Gibt es Vorurteile gegen solche Bewerber? Wird man evtl. gar nicht erst eingeladen, da man vermeintlich als "überqualifiziert" gilt o.Ä. :polizei13:


Viele Grüße

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d02
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Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon d02 » So 14. Sep 2014, 18:09

Warum sollte man als Dr. der Literaturwissenschaften (Beispiel) als überqualifiziert bei der Polizei gelten?

Eingeladen wird jeder, der die formalen Voraussetzungen erfüllt.

Gast

Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon Gast » So 14. Sep 2014, 19:07

Probleme mit "Überqualifikation" gibt es im öffentlichen Dienst eigentlich nicht. Die Anforderungen an Eignung, Leistung und Befähigung sind in aller Regel Mindestanforderungen. Ich würde im Rahmen eines Auswahlverfahrens von einem Dr.-Ing. oder Dr. phil. aber schon sehr genau wissen wollen, warum er oder sie nach aufwändiger, jahrelanger und nervenzehrender Spezialisierung in einem dem Polizeidienst völlig verschiedenen Bereich, damit nun völlig abschließen und in einem ganz anderen Bereich arbeiten will. Dabei sollte klar werden, dass dem Bewerber bekannt ist, worauf er sich einlässt und dass die Bewerbung nicht nur eine Notlösung ist. Das gilt natürlich nur, wenn es um eine Bewerbung für den Vollzugsdienst geht. Wenn eine Stelle in der DNA-Analytik oder als Schriftanalytiker ausgeschrieben ist, ist eine Promotion oftmals sogar ausdrücklich erwünscht.

passion84
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Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon passion84 » So 14. Sep 2014, 19:31

Hallo,

ich habe schon mal gehört, dass jemand als überqualifiziert abgelehnt wurde. Das aber nur von Bekannten eines Bekannten eines... Ihr wisst schon. Deswegen dachte ich, dass ich hier mal nachfrage. Ich sehe das genauso, dass man ja als Dr. nicht überqualifiziert sein kann. Man würde genauso bei null anfangen wie jeder andere PKA auch (wenn man das EAV besteht). Ok, ausgenommen es wäre ein Doktor in Jura..
Kennt denn jemand von euch so einen Fall?


VG

Gast

Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon Gast » So 14. Sep 2014, 20:09

Ich kenne einen Fall Dr. jur., Quereinstieg höherer Dienst, Kündigung nach 1,5 Jahren weil der Job angesichs der Qualifikation zu unattraktiv war. Und ich kenne einen Fall Kriminalkommissar, nebenberuflich Promotion in Wirtschaftswissenschaften, Kündigung noch vor Abschluss der Promotion. Der Kündigungsgrund war eine als benachteiligend empfundene Personalpolitik. Ansonsten beträgt der Anteil der promovierten Vollzugsbeamten in meiner Behörde 0,01%. Das liegt aber weniger daran, dass man keine Doktoren will, sondern entweder, a) weil jemand mit Doktorgrad außerhalb der Polizei ganz andere Perspektiven hat (vor allem beim Gehalt) oder b) weil jemand, der die letzten 10 Jahre sumerische Inschriften übersetzt hat, überhaupt keinen Bezug dazu hat, plötzlich bei Polizeieinsätzen in der ersten Reihe zu stehen und sich deshalb gar nicht erst bewirbt.

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Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon Diag » Mo 15. Sep 2014, 07:57

Wenn man sich überlegt, welcher Typ Mensch promoviert, dann passt das in der Regel nicht so ganz zur "Arbeit auf der Straße". Aber ich kenne auch einen Herrn Doktor, der bei uns Praktikant war und dem Klischee so gar nicht entsprach. Wenn jemand das EAV entsprechend besteht, ist er dabei. Selbst das BKA hat ja seine merkwürdige "Vorstudienregelung' angeschafft und der Zoll ist auch wach geworden.

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Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon RobbeL » Mo 15. Sep 2014, 15:03

Also ich will meine Situation jetzt nicht direkt mit deiner vergleichen, da ich "nur" einen Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen/ Maschinenbau habe und keinen Doktortitel.

Ich war vor ein paar Wochen beim Vorstellungsgespräch für den gD der Berliner Schutzpolizei und nach meiner kurzen Selbstvorstellung (da habe ich das Studium natürlich erwähnt) kam wie aus der Kanone geschossen die Frage:

"Warum wollen Sie überhaupt zur Polizei? Wie kommen Sie überhaupt auf uns?"

Ich war auf die Frage vorbereitet und habe sie dementsprechend beantwortet. Daraufhin meinte der selbe Polizeibeamte aber:

"Sie finden den Polizeiberuf ehrenhaft? Sie finden es also ehrenhaft, wenn man Sie de facto täglich beschimpft, anspuckt, womöglich sogar verletzt und dergleichen? So was finden Sie also ehrenhaft?!"

Das gute war, die selben Fragen kamen die letzten Wochen/ Monate davor auch von Freunden, Bekannten und Verwandten. Von daher habe ich mich halt nicht aus der Fassung bringen lassen.

Du musst eines für dich entscheiden: Willst du wirklich Polizist werden?

Mir kam der Gedanke während des Pflichtpraktikums in meinem Studium. Erst dachte ich, dass es nur eine Laune sei, mir mein Praktikumsbetrieb einfach nicht gefällt und ich einfach mehr Adrenalin im Alltag brauche. Mir wurde aber sehr schnell klar, dass es nicht so ist und ich habe gut ein halbes Jahr hin und her überlegt und der Wille Polizist zu werden wurde dadurch nur größer.

Ich habe einen Freund, der im gD der Berliner Polizei arbeitet und der meinte ich soll es lieber lassen. Schichtarbeit, jeden Tag irgendwelche Verrückte, Betrunkene, Junkies, Nazis, Linksextreme u.s.w. die einem ans Leder wollen. Dazu kommt die, wie er findet, viel zu geringe Bezahlung.

Aber auch das hat mich nicht abgeschreckt, im Gegenteil.

Zusammenfassend geht es nicht um deine Promotion, sondern um deine Intention. Alles andere, so denke ich, ist nebensächlich.

Gast

Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon Gast » Mo 15. Sep 2014, 18:12

RobbeL hat geschrieben:Also ich will meine Situation jetzt nicht direkt mit deiner vergleichen, da ich "nur" einen Bachelor in Wirtschaftsingenieurwesen/ Maschinenbau habe und keinen Doktortitel.
Das kann man auch überhaupt nicht vergleichen. Zwischen einem Bachelor und einem Doktor(grad/nicht: -titel) liegen mehr als zehntausend Stunden intensiver Beschäftigung mit einem Spezialgebiet. Das macht niemand, der sich nicht auch sehr für das Thema interessiert. Dazu kommt, dass man sich zu einem Spezialisten entwickelt, sowohl, was das spezielle Thema angeht, aber vor allem, was das intensive Durchdenken von Pro und Contra angeht. Wer das hinter sich hat, wird sich wahrscheinlich wesentlich schwerer damit tun, schnell Entscheidungen zu treffen, wie sie im Polizeivollzugsdienst notwendig sind. Wenn dann noch ein Vorgesetzter hinzukommt, der es nicht so gerne hat, dass seine Entscheidungen hinterfragt und Alternativen durchdacht werden, wird der junge Doktor nicht nicht lange Freude an seiner Berufswahl haben.

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Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mo 15. Sep 2014, 18:51

Soso.

Oder aber, der Betreffende verfügt über Gelassenheit, kann sich selbständig in neue Bereiche einarbeiten, muss nicht jeden Pups nachfragen und kann so als Perle von seinem Vorgesetzten wahrgenommen und gefördert werden.

Die einzige Antwort auf die einzig gestellte Frage lautet: Bei der Polizei ist man im gD nicht überqualifiziert. (Ich meine bei Zolls war oder ist das mal anders gewesen, da durften sich Abiturienten nicht für den mD bewerben -> vgl. SuFu)

Dass man gefragt wird, warum man sich nun beruflich verändern möchte, versteht sich von selbst. Darauf kann man aber smarte Antworten parat haben.
:lah:

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Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon Buford T. Justice » Mo 15. Sep 2014, 19:21

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:Darauf kann man aber smarte Antworten parat haben.
Oder sogar ehrliche ;D
:applaus:

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Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mo 15. Sep 2014, 19:28

Das eine schließt das andere ja nicht zwangsläufig aus... ;D
:lah:

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Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon Koeeke » Mo 15. Sep 2014, 19:50

Also ich möchte meinen Senf auch mal dazu beitragen:
Ich habe für das Polizeistudium eine Promotion ausgeschlagen. Ich würde in dem Job einfach nicht glücklich werden, das weiß ich. Und - obwohl das Polizeistudium erst in zwei Wochen beginnt - bin ich mir sicher, dass ich die Entscheidung nicht bereuen werde.
Ich muss allerdings auch noch einmal komplett von Vorne beginnen (ein BWL Studium ist ja absolut was komplett anderes).
Auf die Frage, warum ich nicht einfach den kürzeren Weg gegangen bin und direkt nach dem Abi bei der Polizei angefangen habe kann ich nur antworten, dass ich zu dem damaligen Zeitpunkt nie genommen worden wäre. Ich habe erst in den letzten Jahren etwas vom Leben kennen gelernt und damals war ich leicht naiv...

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Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon Controller » Mo 15. Sep 2014, 20:43

ich denke mal, dein erworbenes Fachwissen war ne gute Investition in die polizeiliche Zukunft :polizei1:
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)

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Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon Jaguar2801 » Mo 15. Sep 2014, 22:32

Um das hier mal zu vereinfachen und die Frage des TE klar zu beantworten.

Bei der hessischen Polizei gibts zur Zeit mindestens einen PK-A mit einem Doktortitel...

Also abgelehnt wird man zumindest nicht grundsätzlich.
Per aspera ad astra

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Re: Quereinstieg nach Studium und Promotion?

Beitragvon passion84 » Di 16. Sep 2014, 09:20

Guten Morgen!

Vielen Dank erstmal für die zahlreichen Antworten! Da bin ich ja schon mal beruhig, dass man auf jeden Fall eingeladen wird. In der SuFu hatte ich bisher auch nur was zum mD und Abitur gefunden, aber leider nichts zur Promotion.

Das mit dem Gehalt ist mir bewusst. Da würde man in der Industrie natürlich mehr verdienen. Davon abgesehen, dass die Polizeibeamten eh chronisch unterbezahlt sind (meiner Meinung nach)...

Direkt nach dem Abi wäre ich sicherlich nicht genommen worden, da ich viel zu schüchtern und naiv war. Um ehrlich zu sein hatte ich mir damals auch noch gar keine Gedanken über meine berufliche Zukunft gemacht. Dann hieß es, ich soll was machen und da wir eine Ingenieursfamilie sind und ich ganz gut in Mathe war, hab ich mich dann halt eingeschrieben. Nach ein paar Semestern ist dann das Interesse für die Polizei immer mehr gekommen. Aber da es noch Diplom-Studiengang war, hätte ich nach 6 Semestern halt gar nichts in der Hand gehabt. Der einzige Vorteil der neuen Bachelor- und Masterstudiengänge :polizei10: Ich hab es dann halt durchgezogen. Anschließend hab ich die Stelle angeboten bekommen und mir gedacht, arbeite wenigstens mal etwas in dem Beruf und guck, ob es dir doch gefällt. Aber die Zweifel sind bis dato geblieben und wachsen eher noch weiter... :/
Wenn ich danach gefragt werden würde, dann würde ich natürlich auch ehrlich drauf antworten.

Zu dem Thema der Klischees kann ich nur sagen, dass sie teilweise zutreffen. Aber es gibt auch Leute, bei denen man niemals glauben würden, dass die gerade promovieren. Die sind dann z.B. sehr sportlich, trinken gerne ein Feierabend Bier und haben viele soziale Beziehungen außerhalb irgendwelcher Netzwerke ;D Aber auch hier trifft man unfassbar unmotivierte Gammler, die spät kommen und dafür früh gehen und die irgendwann man als Vorgesetzte arbeiten werden. Also nicht jeder, der mit Dr. Titel rumläuft, hat zwingend auch richtig was auf'm Kasten.

@ Koeeke
Herzlichen Glückwunsch! Du kannst ja mal berichten wie es dir so gefällt!? Wo darfst du denn anfangen?

@Jaguar2801
Das ist ja interessant. :zustimm: Ich würde mich auch in Hessen bewerben. Ich hoffe, er hat seine Entscheidung bisher nicht bereut?


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