Beruf mit Zukunft ?

Informationen zur Einstellung und Ausbildung der Landespolizei!

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Quarzkopf
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Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon Quarzkopf » So 18. Feb 2018, 21:29

Grüßt euch derzeitige oder vielleicht angehende Gesetzeshüter.

Mein Name ist Andreas und ich überlege mir ernsthaft mit meinen 29 Jahren noch eine Karriere bei der Polizei zu beginnen. Aus meinem Bekanntenkreis höre ich diesbezüglich ausschließlich äußerst starke negative Kommentare. Wie zum Beispiel “willst du dich anspucken und anpöbeln lassen″ “da kannst du dir gleich noch einen Nebenjob suchen″ “willst du dich den ganzen Tag mit dem Pack kloppen″ solche bunten Zitate zum Teil.

Darum würde ich über diesen Weg gerne mal die Meinung erfahrener Polizeikräfte hören ob der Alltag eines Polizisten wirklich mit so wenig Ansehen gepflastert ist? Oder ob es auch noch die Momente gibt in denen man als Vertrauensperson und Ansprechpartner angesehen wird und nicht wie oft von der Allgemeinheit dargestellt den Knöllchen verteilenden Wegelagerer.

Ich für meinen Teil sehe einen Polizisten/in eher als Respektsperson und habe mir schon oft vorgestellt wie es wäre mit einer Uniform und so einem schicken Streifenwagen zu fahren und anderen zu helfen. Daher auch meine Überlegung meinen derzeitigen Job/ Karriere zu beenden und mich dem Polizeidienst zu widmen.

Diesen Schritt muss ich aber sehr genau ab wegen und gut durch denken da ich in einem etwas sehr speziellen technischen Beruf arbeite und in meinem derzeitigen Job weit mehr als das doppelte an Entgelt habe was ein “fertiger″ Polizist mit schon höherer Lohngruppe hat, dazu noch theoretisch unkündbar bin und mit Überstunden nichts zu tun habe. Klingt für Außenstehende zwar bestimmt jetzt super schön und toll aber glaubt mir es ist mehr wert mit einem Lächeln auf Arbeit zu gehen als mit einer vollen Brieftasche.

Natürlich bin ich mir auch im Klaren darüber das ein Tag als Polizist auch seine negativen Seiten haben kann. Sprich Überstunden, mauliger Chef und liebenswerten Menschen die während man seinen Dienst macht ihre Launen an einem auslassen. Das gehört in jedem Job dazu.

Darum hoffe ich auch das eure Meinungen und Kommentare ein wenig Klarheit in meine Gedankenwelt bringen, um dass mir die Entscheidung egal ob pro oder contra leichter fällt. Denn immerhin ist es ein tiefer Einschnitt und eine große Herausforderung für mich nicht nur hinsichtlich des Neuerwerbs von Wissen und Leistungsdruck, sondern auch finanzieller Natur für die ich dann reichliche Vorbereitungen treffen müsste, um weich zu landen. Den mit 800 Euro in den 3 Jahren Ausbildung da fährt mein Auto gerade mal den halben Monat wobei der Kühlschrank dabei leer bleibt.

Warum habt ihr euch für den Polizeidienst entschieden was gefällt euch daran und motiviert euch?

Gibt es hier, welche die den Polizeidienst lieber verlassen würden um in der privaten Wirtschaft für mehr Verdienst und weniger Überstunden zu arbeiten?

Hat man als Polizist wie im Film immer einen festen Partner auf dem Auto oder immer mal jemanden anders ausgenommen Krankheitsfälle etc. ?

Ist es in der Anfangszeit wirklich so ausufernd mit den Überstunden oder ist das nur wieder dummes Gerede?

LG der Andreas

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Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon DerLima » So 18. Feb 2018, 21:34

Hallo Andreas,

willkommen im Forum. Bevor hier ein langer, langer Faden entsteht, bitte ich dich, mal im Forum zu stöbern und insbesondere die Suchfunktion zu quälen.
Die meisten deiner Fragen werden beantwortet, da gibt es seitenweise Threads zu.

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Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon SchoenerThunfisch » So 18. Feb 2018, 21:40

Was Lima sagte.
Aber zum Thema anspucken: ich wurde noch nie angespuckt. Sowas passiert eher selten. Widerstände gibt es aber schon hin und wieder mal.
Im Normalfall braucht man auch keinen Nebenjob und kann gut von dem Gehalt leben.

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Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mo 19. Feb 2018, 02:53

Was glauben deine Freunde denn, was ein Polizist verdient?
Angespuckt wird nur, wer sich anspucken lässt.
:lah:

spaedix

Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon spaedix » Mo 19. Feb 2018, 11:05

Ich verstehe dich!
Bei mir genauso. Beginne jetzt mit 30 im Oktober mit dem Studium. Trau dich, der Gedanke tut gut :zustimm:

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Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon 1957 » Mo 19. Feb 2018, 11:40

Zweifelsohne ist das ein Beruf mit Zukunft,denn Polizisten werden immer gebraucht.
Aber niemand, niemand wird dir sagen können, wie die Eindrücke und Umstände des Berufes auf dich wirken. Wir alle sprechen aus unseren eigenen Erfahrungen.
Die meisten hier haben eine sehr positive Einstellung. Deshalb schreiben wir auch hier. Es gibt aber auch andere, deren Traumberufsvorstellungen sich nicht realisierten. Die, die nicht mit einem Lächeln zum Dienst kommen, aber meist ihre Arbeit trotzdem machen.

Übrigens seid ihr lange nicht die ersten, die mit 29, 30 Jahren und älter anfangen. Das ist nichts besonderes.
Eure Entscheidung.

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Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon very » Mo 19. Feb 2018, 11:47

Es liest sich, als wärst Du vor allem gerne Polizist wegen der Uniform, des Reklamewagens und des "Ansehens". Dann lass es bleibe!

Je nachdem, wo Du bei der Polizei landest, bist Du nicht mal Freund und Helfer, sondern hast entweder wenig Kundenkontakt oder bist Verwalter des Wahnsinns.

Nach dem, was Du über Deine Motivation, Polizist werden zu wollen geschrieben hast, würde ich Dir abraten!
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Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon 1957 » Mo 19. Feb 2018, 12:07

Zwar sind wir nach alter Väter Sitte auch "Freund und Helfer", aber nicht vergessen: Die Polizei setzt den Staatswillen durch. Da hat man nicht nur Freunde.

@very :zustimm:

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Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon very » Mo 19. Feb 2018, 12:51

Da ich kaum was schlimmer finde als die Vorstellung, sich im fortgeschrittenen Alter fragen zu müssen: "Was wäre gewesen, wenn...?" ändere ich meinen Rat in: "Schreib ne Bewerbung und durchlaufe das Auswahlverfahren (wenn Du zugelassen wirst)."

Möglicherweise platzt der Traum vom Job dann aufgrund äußerer Umstände (ggf. auch beim Arzt), dann hast Du es wenigstens versucht. Falls es tatsächlich klappen sollte mit der Zusage, solltest Du aber vorab noch mal viel Zeit investieren um zu überprüfen, ob Deine Vorstellungen vom Job mit der Realität kompatibel sind. Dafür würde ich Dir einen Termin bei einem Einstellungsberater empfehlen.
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Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon vladdi » Mo 19. Feb 2018, 13:24

]

- Beruf mit Zukunft: ja
- Karriere ist relativ, jedoch eher nein. Klassische Karriere, mit viel Geld, vielen Beförderungen und stetig nach oben macht man eher wo anders, auch wenn ein Streifencop es bis zum Behördenleiter schaffen kann.
- 29 macht gar nichts. Lebens und Berufserfahrung in den Beruf mit zu bringen ist genauso gut, wie mit 17 direkt zur Polizei zu kommen.
- Nebenjob bzw Armut der Polizei. Reich sind Polizisten nicht. Aber das Auskommen ist durchaus ok. Nur im Ballungsraum, in guter Gegend, reicht es weder für Miete noch zum Kauf.
- Streifenwagen sind ok, aber - außer in Hamburg - nicht schick. Oft zu eng, zu lahm, Sitze zu unbequem, zu wenig Platz.
- Überstunden macht man als Polizist. Für viel Geld in der freien Wirtschaft macht man aber auch Überstunden.
- maulige Chefs gibt es überall. Ohne statische Erhebung gemacht zu haben, denke ich dass es die draußen viel mehr gibt. Polizisten haben wenig Grund maulig zu sein, auch nicht als Chef.
- unfreundliche Bürger: es liegt an einem selber wie man mit sich umgehen lässt. Echte Probleme bereiten diese Bürger jedoch wenig. Ich selber lasse sie stehen oder finde deutliche Worte, somit alles ok.
- Anspucken. Tatsächlich bin ich noch nicht angespuckt worden. Dafür mit Flaschen, Steinen und Böllern beworfen worden.
- 800 Euro Anwärterbezüge. Für junge Menschen viel Taschengeld, für Erwachsene verdammt wenig. Da muss der Gürtel enggeschnallt werden. Wenn das jedoch nur ein halber Monat tanken für dich ist, dann musst du ein neues Auto kaufen oder doch einen anderen Beruf in Auswahl stellen.


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Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon Cactus » Mo 19. Feb 2018, 13:38

So nun habe ich mich auch bei diesem Forum angemeldet, war ich doch seit längerer Zeit ein stiller Mitleser.

Mir geht es so ähnlich wie dir Quarzkopf. Mit einem Abschluss in Ingenieurwesen hat man in der freien Wirtschaft doch allerlei Freiheiten, die schwer aufzugeben sind. Das erste Interesse für den Polizeiberuf hatte ich schon zu Beginn meines Studiums, war auch dann sofort beim EB. Habe mir auch lange Gedanken gemacht über meine Berufswahl, werde mich aber vorraussichtlich dieses Jahr bewerben, da ich mir wie "very" sagte nicht später Vorwürfe machen möchte mit "was wäre wenn...." .Vorallem weiß man auch nur ungefähr was einen erwartet. Ich weiß auch nicht wie die Suppe meines Nachbars schmeckt, wenn Ich sie nicht probiere.

Realistisch betrachtet gebe ich viele Vorteile auf wie mein "hohes" Gehalt, Vertrauensarbeitszeit, Führungsaufgaben.
Aber zur Polizei sollte man nicht gehen wenns einem NUR um "Karriere machen" und Geld geht

@very Zum Thema "Verwalter des Wahnsinns" (Ich glaube du meinst damit fade Büroarbeit, bitte korrigieren falls ich falsch liege). Ich glaube keiner geht mit dem Ziel zur Polizei um in einem Großraumbüro zu enden, abgesehen von der üblichen anfallenden Schreibarbeit.

Mich würde eigentlich noch interessieren ob es eigentlich spezielle Verwendungsbereich gibt für Polizisten die technisch sehr affin sind? Habe dazu leider nichts im Forum und im Internet gefunden. Antworten auch gerne per PN

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Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon very » Mo 19. Feb 2018, 14:03

@cactus:

Für techisch Affine gibts die Technischen Einsatzeinheiten.

Und mit Verwaltung des Wahnsinns meinte ich nicht unbedingt fade Büroarbeit. Die hat vermutlich jeder PVB zur Genüge, und dann sind da ja noch die Dienststellen, die sich mit Massendelikten befassen müssen, bei denen es mangels Ermittlungsansatzes dann doch allzuoft beim Verwalten des Vorganges bleibt.

Mit "Verwaltung des Wahnsinns" meinte ich z.B. die Arbeit in den Gebieten, in denen die Subkultur blüht. Oft sind das die Bahnhofsgebiete. Prostitution, Drogenhandel und -konsum, da machste viel, erreichst aber nix.
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fmullins
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Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon fmullins » Mo 19. Feb 2018, 18:00

Ein paar Anregungen:

1. Mach einen Termin beim Einstellungsberater und mache dir ein möglichst genaues Berufbild. Bewerte dann, ob das wirklich dein Beruf ist.

2. Das Gehalt ist ok, kann ja jeder online nachschauen.
Ich habe schon in unterschiedlichen Berufen gearbeitet: Im Vergleich zum Handwerker, der unter 2000,-€ netto für schwere, körperliche Arbeit bekommt ist es viel.
Im Vergleich zu deinem aktuellen Job ist es vielleicht nicht viel. Entscheide ob dir das Gehalt genügt, mit Karriere kann man nicht planen.

3. Ohne Idealismus ist der Job nicht gut machbar. Man wird Polizist, weil man genau diesen Beruf gern ausüben will. Da gibt es aber genügend andere Berufe in denen man ohne Idealismus ebenfalls nicht glücklich wird. Es ist dein Leben, wähle was dich zufrieden macht.

4. Kannst du problemlos in deinen alten Job zurück? Im worst case könntest du wieder zurückwechseln. Versuch bitte im Vorfeld etwaige Zweifel durch gute Informationen auszuschließen. Informiere dich sehr genau und wenn du dann immer noch Polizist sein willst, dann zieh das durch.

scw
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Re: Beruf mit Zukunft ?

Beitragvon scw » Mo 19. Feb 2018, 18:46

Mach den Job nur, wenn du wirklich überzeugt davon bist, dass das auch dein Ding ist.
Wenn du wegen dem Geld das machen willst, vergiss es. Du verdienst nicht schlecht - man kann sich keinesfalls (in keinem Bundesland) darüber beklagen.
Wenn du den Job machst wegen Prestige und Ansehen. Vergiss es. Du wirst oftmals Sachverhalte haben in denen du dir selber an den Kopf fasst. Manchmal auch Sachen durchsetzen müssen, die du moralisch vielleicht selbst anzweifelst - aber wie schon erwähnt, du bist Staatsdiener und auch du hast somit Rechte und Pflichten denen du nachkommen musst.

Ich kann dir sonst aber sagen, dass der Job das hält was er verspricht: Vielfalt.

Aber ja, du wirst vllt mal bespuckt werden oder gar verletzt werden im Dienst. Aber das ist sicherlich kein Alltag und sehr abhängig von deinem Standort am Ende.

Ich finde dennoch, der Job bietet mehr schöne Seiten als negative Seiten.

Würde mich dem auch anschließen, wenn du das machen willst - bewirb dich. Später wirst du dir vllt in den A**** beißen, dass du es nicht gemacht hast und dann wird es immer eine konstante Unbekannte bleiben in deinem Leben. So hast du es versucht. Aber tu dir und deinen "zukünftigen" Kollegen den Gefallen und wähle den Job nicht um einfach nur sicheres Geld zu haben. Mach es, weil du helfen willst und wenigstens einen kleinen Teil dazu beitragen möchtest, dass es draußen sicherer ist. Die Welt verändern wirst du nicht, aber du kannst dazu beitragen, dass sich die Zustände draußen nicht verschlimmern und es vielleicht sogar besser wird durch deine Anwesenheit.

Liebe Grüße und viel Erfolg!


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