Der tägliche Dienst

Erfahrungsberichte, Probleme und Verbesserungsvorschläge...

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Beitragvon MICHI » Di 1. Nov 2005, 01:07

Nachdem das Umfrageergebnis hinsichtlich eines solchen Threads eindeutig ausgefallen ist, können ab sofort hier entsprechende Beiträge eingebracht werden.

Zum einen

Darlegung, welche Einsätze, ggf. mit kurzem Ablauf/Erläuterungen in einem Dienst zu bewältigen waren.
gerade einmal in Hinblick auf die Unterschiedliche Arbeitsbelastung in den verschiedenen Regionen, bzw. auf die besonderer Gegebenheiten, die sich durch die unterschiedliche Lage der Dienststellen ergeben.

und

Kuriose oder außergewöhnliche Sachverhalte.


Bei allen Beiträgen sind die Datenschutzrechtlichen Bestimmungen zu beachten, und man sollte m. E. auch auf Örtlichkeiten, woraus Außenstehende Rückschlüsse ziehen könnten, weglassen.
Das taktische Belange außen vor bleiben, sollte selbstverständlich sein.


>>>>BITTE KEINE DISUSSIONEN ODER BEMERKUNGEN POSTEN<<<<
Zuletzt geändert von MICHI am Di 1. Nov 2005, 04:35, insgesamt 1-mal geändert.
Gruß
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Beitragvon MICHI » Di 1. Nov 2005, 03:38

Ein kurzweiliger, sonniger Sonntag-Tagesdienst, an einem sog. Brennpunktrevier (ca. 170.000 Einwohner auf 45 qkm) in einer Norddeutschen Großstadt.

-06:20--Fundsache
-08:20--verdächtiger Rauch aus einer Wohnung

der angetrunkene Bewohner wollte sich etwas zu essen braten und war eingeschlafen.

-08:30--Unterstützung für eine andere Streifenbesatzung.

nach einem Beziehungsstreit widersetzte sich der Probant den polizeilichen Maßnahmen und leistete heftigsten Widerstand.
Pfeffersprayeinsatz-Festnahme-Blutprobenentnahme.

-10.10--vers. Einbruch in einem Firmengebäude gewesen
-11:10--Täter nach Raub wiedererkannt

das Opfer einer Raubstraftat glaubte, einen der Täter wiedererkannt zu haben und konnte uns die Wohnung nennen, in die dieser geflüchtet war.

-11:40--Familienstreit
-11:50--Ruhestörung

"Hobbyrennfahrer" ließen ihre RC-Fahrzeuge auf einem Parkplatz herumfahren und störten dadurch die Sonntagsruhe der Anwohner

-12:06--Unterstützung für andere Streifenwagenbesatzungen

nach einer Helloweenparty, die bereits die ganze Nacht andauerte, kam es zu Handgreiflichkeiten und Übergriffe gegen, wegen einer Ruhestörung eingesetzte, Polizeikräfte.
mehrere Ingewahrsamnahmen

-13:20--Verkehrsunfall mit Flucht
-14:05--Verkehrsunfall
-14:30--Verkehrsbehinderung
-14:53--tätlicher Familienstreit
-15:20--Alarmauslösung

Fehlalarm

-17:05--angeblich Familienstreit
Gruß
MICHI


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Beitragvon Friese » Do 3. Nov 2005, 21:54

:meeting:

Also, da ist heue ein EMU entlaufen. Richtig :!: So ein großer Vogel. Und weil der auf die Straße rennen musste, eine mit hohen Geschwindigkeiten, musste der da weg. Der wollte aber nicht weg.

Da hat sich der Kollege, ganz im Sinne des Zwangs gegen Sachen, dazu entschieden, den mal totzufahren.

Streifenwagen, Vollgas, platt..... :respekt:

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Beitragvon Challenger » Fr 4. Nov 2005, 09:08

Ein werktäglicher Nachtdienst in einer hessischen Großstadt:

18.45 Uhr, Antonstraße: Bürger beschweren sich telefonisch bei der Dienststelle über Lärmbelästigung durch einen tieffliegenden Hubschrauber.

Rettungshubschrauber, keine polizeilichen Maßnahmen erforderlich.

19.10 Uhr, Berta Weg: Bürger meldet Verkehrsbehinderung durch Falschparker.

Keine Verkehrsbehinderung feststellbar.

19.30 – 20.20 Uhr, Cäsarweg/Einkaufspassage: Geschädigter erkennt Tatverdächtige von vor einigen Tagen begangenem Körperverletzungsdelikt wieder.

Tatverdächtige zur Dienststelle sistiert, Identitätsfeststellung, Bericht für Sachbearbeiter gefertigt.

21.24 – 21.47 Uhr, Dorastraße: Verkehrsordnungswidrigkeit-Ermittlung.

Fahrzeugführerin ermittelt.

22.05 – 22.32 Uhr, Am Emilsgarten: Verkehrsbehinderung durch Parken in zweiter Reihe.

Barverwarnung.

22.42 – 23.00 Uhr, Xantippenweg : Einbrecher am Werk, Unterstützung Nachbarrevier.

Negativ.

23.00 – 00.50 Uhr, Dienststelle: Schriftliche Arbeiten/Bereitschaft

00.50 – 01.05 Uhr, Friedrichsring: Ermittlungen zu Schrottfahrzeug im öffentlichen Verkehrsraum.

Schriftliche Mitteilung an das Ordnungsamt.

01.12, Gustavallee: Fahrzeugüberprüfung.

Negativ.

01.17 – 01.55 Uhr, Heinrichstraße: Optischer Melder an Wohnhaus gelaufen.

Von außen keine Einbruchspuren erkennbar; eine Begehung des Objektes, mittels beim Nachbar aufbewahrten Hausschlüssel, verlief negativ. Fehlalarm.

02.54 Uhr, Ida Weg: Fahrzeugüberprüfung (defekte Bremsleuchte).

Mängelkarte gefertigt.

03.10 Uhr, Gustavallee: Personenkontrolle.

Negativ.

03.25 Uhr, Juliusstraße: Eine Bürgerin meldet über Notruf ein Fahrzeug mit zwei verdächtigen Personen, Auftrag an Streife.

Fahrzeug-/Insassenkontrolle verlief negativ; Fahrgemeinschaft wartete auf dort wohnhaften Arbeitskollegen.

04.00 – 05.00 Uhr, Dienststelle: Bereitschaft.

05.00 - 06.00 Uhr, Revierbereich: Streife.

Keine besonderen Vorkommnisse.

06.00 – 06.30 Uhr, Am Ypsilongraben: Sachbeschädigung an Pkw (zerstochene Autoreifen).

Strafanzeigenaufnahme.
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Als Hospitant bei einer anderen Dienststelle.

Beitragvon Kaeptn_Chaos » So 13. Nov 2005, 05:04

Heute: Diensthundestaffel

Dienstbeginn: 21.00 h
Fz-Übernahme, Info, Hundepflege, Auslauf

22.00 h
Raub, Täter flüchtig. In der Fahndung Personenkontrolle, 1 Bericht

22.30 h
Ruhestörung...nachdem die angeforderte FuStKw Besatzung nach Meinung des Mitteilers zu lange brauchte, wollte dieser selbst für Ruhe sorgen. Nun schlägt man sich angeblich auf der Straße. Als Unterstützung mitgefahren, bez. der Schlägerei jedoch keine Feststellungen

23.00 h
ED in Firmenkomplex, durch Nachbarbehörde (80 km hin, 80 km zurück) angefordert. Da die Durchsuchung negativ verlief, darf der Hospitant zur Bestätigung des eifrig suchenden DH 'Täter' spielen... :cry: :D

01.30 h
Kleines Käffchen auf der eigentlichen Kuschelwache des Hospitanten

01.45 h
Handy beim Fahren plus abgefahrene (nicht geile, sondern blanke) Reifen. 1 Owi Anzeige

02.00 h
Schlägerei. Das Öffnen der Heckklappe beruhigt die Gemüter, was zwei FuStKw Besatzungen leider nicht gelang.

02.30 h
verdächtiger Pkw. An einem Brennpunkt versuchen Personen aus dem PKW heraus, andere einzuschüchtern. Fahndung positiv, Personalienfeststellung, 1 Bericht

02.45 h
Beim Bestreifen (Zivilwagen) der zweispurigen Bundesstraße liefern sich zwei Vollpfosten ein Rennen. 1 Owi-Anzeige.

03.15 h
Mama fährt ihre Kinder ungesichert durch die Gegend. Bei der Kontrolle - zufällig vor der Wohnanschrift - kommt Papa hinzu und versucht mentalitätsbedingt zu feilschen. Sinnlos. Erscheint ihm jedoch paradox, dass PVB in Uniform aber Zivilwagen arbeiten. Merkt das an und ihm wird der Sinn erläutert. Nach der Kontrolle informiert er via 110 die Leitstelle über dieses skandalöse Vorgehen. Missbrauch von Notrufen wird seitens der Elst. leider negiert, so dass es bei der Owi Anzeige gegen Mama bleibt.

03.30 h - 04.00 h
schriftliche Arbeiten, Hundepflege, Feierabend.

(Mir zu langweilig, will wieder Streife fahren!
:mrgreen: )
:lah:

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Beitragvon Trooper » Mo 19. Dez 2005, 13:30

Okay, hier ist meine letzte Nachtschicht...

Im Gegenverkehr kommt uns ein UFO entgegen... bzw. ein Renault Twingo, dessen Besitzer es enorm schick fand, blaue Neonröhren unter seine Karre zu montieren. Kontrolliert, Fahrer belehrt, abbauen lassen und OWi-Anzeige wegen Erlöschen der Betriebserlaubnis geschrieben

Ein Unfall führt uns ans andere Ende des Landkreises: ein Verkehrsteilnehmer hat auf glatter Straße seinen Anhänger gegen den Stromkasten schlittern lassen, selbigen komplett umgemäht und einen ganzen Block in Finsternis versinken lassen. Unfall aufgenommen und Unfallstelle abgesichert, bis der nette Herr von der EWE alle Leitungen abgeklemmt hat (was dann das ganze Viertel ausgeknipst hat :))

In der kleineren der beiden Dorfdiscos soll sich eine Schlägerei entwickeln; bei Eintreffen erklärt uns der Securitymann, die Kontrahenten seien schon weg und wollten keine Anzeige erstatten. Dafür dürfen wir uns gleich um eine junge Dame kümmern, die mit massiver Überzuckerung und zuviel Bier umgekippt ist. Da kein RTW verfügbar ist, fahren wir sie selber ins Krankenhaus und schaffen es gerade noch rechtzeitig, bevor sie sich erbricht.

Inzwischen hat sich bei der Disco die nächste Keilerei entwickelt; ein leicht gefrusteter deutschrussischer Mitbürger verpaßt auf seinem Nachhauseweg ein, zwei Passanten den einen oder anderen Kinnhaken und Kopfstoß. Eine Nase muß dran glauben; wir finden den Verdächtigen nach einer Nahbereichsfahndung und entlassen ihn nach Personalienfeststellung wieder.

Dafür dürfen wir gleich zum nächsten Tanztempel eilen, wo ein Mitbürger aus dem Morgenland eifrig dabei ist, den Busfahrer der "Nachteule" mit wilden Flüchen zu überreden, noch zwei Minuten auf seinen Kumpel zu warten. Nach einer kleinen Unterredung mit uns entschließt er sich, doch lieber schweigend und friedlich mitzufahren als uns weiter Gesellschaft zu leisten.

Kaum sind wir wieder im Auto und fahren über den Parkplatz, als wir schon eine Menschenmenge erblicken, in deren Mitte ein junger Mann gerade fleißig bemüht ist, den unter ihm Liegenden die Luft abzudrücken. Wir springen raus, ich greife mir den Herrn und lasse ihn mal kurz präventiv gegen das Auto laufen. Als ich ihn gerade weiter verarzten will, hat mein Kollege schon rausgekriegt, daß die beiden die besten Kumpels sind und nur Spaß gemacht haben. Beide kriegen einen Anschiß und zeigen sich erwartungsgemäß unbeeindruckt, dafür aber um so fröhlicher.

Diverse Alkoholkontrollen später ist es dann endlich Zeit, reinzufahren und den Schreibkram zu bewältigen.


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Eher unspektakulärer Nachtdienst

Beitragvon Kaeptn_Chaos » So 15. Jan 2006, 05:30

20.00 h (war auch Dienstbeginn, aber Kaffee kann man ja auch später noch trinken :cry: ):

Ermittlungsersuchen einer anderen Behörde nach einer Unfallflucht.

Verursacher angetroffen, diesen kurz befragt, Fotos, 1 Ermittlungsbericht.

21.00 h:

im Rahmen der Streife merkwürdige Roller-Fahrer angehalten. Natürlich hat die Fahrerin keine Fleppe und der Halter saß dahinter - 2 Anzeigen.

21.30 h:

Schlägerei zwischen Nachbarn, auf der Anfahrt Zusatz: mit Messer.

Im Treppenhaus des 8 Parteienhaus kämpft Jugoslawien gegen Deutschland, bei unserem Eintreffen steht es 2:0. Vorsorglich werden Menschen gegen die Wand gestellt und gefesselt, soweit es zwei Paar Handschellen und 6 Kabelbinder zulassen. Die jetzt erhitzten Nachbargemüter werden durch schnell nachrückende Einsatzkräfte gebändigt - Luxus der Stadtbehörde.

Die nachfolgenden Sofortmaßnahmen (2 Blutproben, Ingewahrsamnahmen, Befragung, Zuordnung und Sicherstellung der Messer) binden die heldenhafte und zT blutbefleckte Streifenwagenbesatzung zunächst.

Ab 23.00 h
diverse Ruhestörungen und Familienstreitigkeiten.

Im weiteren Verlauf brennen dann noch Müllcontainer, man hält ein paar Leute an und erkundigt sich, ob sie Alkohol getrunken haben, bringt den im Bademantel spazierenden Opa nach Hause, isst ein lecker Baguette, beschimpft einen Kollegen am Telefon (nur aus Spaß) und freut sich, dass man den geilsten Job der Welt hat.
:lah:

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Beitragvon Trooper » So 15. Jan 2006, 08:34

Oh, aber ich durfte heute nacht auch witzige Sachen machen... nichts ist nämlich lustiger, als jemandem vorsätzlich die Luxuskarre zu demolieren, sie dann anschließend abzuschleppen, und alles, ohne daß der Typ von seinem Glück weiß :)

Da rief bei uns nämlich eine junge alloholisierte Dame an und berichtete, ihr Freund habe sie in seinem korregdem 5ern BMW eingeschlossen. Wir also hin, und nach zwei Minuten Ausprobieren war klar, daß die Dame die Karre auch von innen nicht öffnen kann. Auf den Anruf unserer Wache reagierte der besagte Freund aber nur mit der lakonischen Ansage, er werde nicht erscheinen, und im übrigen sei es ihm auch egal, was mit seiner Freundin passiere.

In Anbetracht der schweinekalten Temperaturen mußte dann also die Seitenscheibe dran glauben, damit Frollein aussteigen konnte. In diesem Zusammenhang lernte ich auch die bittere Lektion, daß sich Maglites denkbar schlecht zum Fenstereinschlagen eignen. Funktionieren tuts zwar, dafür kann man die Lampe hinterher nicht mehr wirklich gut in die Hand nehmen... von oben bis unten voller scharfer Macken. Tut euch einen Gefallen und nehmt lieber einen Nothammer.

Tja, und natürlich will man so eine Staatskarosse auch nicht offen stehen lassen, auch nicht in unserem friedlichen Städtchen... also her mit dem Abschlepper, und sichergestellt das Ding. Der Eigentümer dürfte sich etwas gefreut haben, als er bei seiner Rückkehr anstatt seines Autos und seiner zeternden Dame nur ein Häufchen Scherben im Rinnstein antraf... :D

Ansonsten gab die Nacht noch etliche Vollmondeinsätze her... einen Anhalter, der seinen Mitfahrwünschen mittels geworfener Ziegelsteine Ausdrück verlieh, ein Alki, der mit einem Kollegen Schulterwürfe üben wollte, und eine Schnarchnase, die in ihrem Auto vor der Ampel in friedlichem Schlummer versank :)

Alles in allem wieder recht unterhaltsam.


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Beitragvon springer » So 15. Jan 2006, 16:56

Frühling 2003 in einer hessischen Stadt (ich war noch in Ausbildung)

Es ging los mit dem Anruf der Geschäftsführerin eines Lokals, dass sich dort ein Gast befinde der nicht zahlen wolle / könne. Wir sind also zu dem Lokal und zu der Geschäftsführerin, mit der wir zu dem Gast sind. Einen Ausweis hatte er nicht dabei, also hab ich mir seine Daten aufgeschrieben und wollte sie abgleichen. Das Abfragesystem war natürlich ausgefallen, so dass wir die Angaben nicht bestätigen konnten.
Die Geschäftsführerin wollte keine Anzeige erstatten, sie wollte aber die Adresse des Gastes um ihre Forderung eintreiben zu können. Wir haben den Typ also eingepackt und sind mit ihm aufs Revier.
Beim einsteigen fragte er „Krieg ich jetzt eine Anzeige wegen 5000 Jahren Buddha?“
Ich sah ihn an und machte nur „Häh?“
„Ja, und three ninty five.“
Die Kollegin und ich haben uns angeschaut und beide die Gesichter verzogen.
Diese Sätze hat er von da an bis zu seiner Entlassung in einem fort aufgesagt (ging etwas über ½ Stunde) und uns damit fast in den Wahnsinn getrieben.
Wir haben dann das für den Wohnort des Mannes zuständige Revier rausgesucht und dort angerufen. Bei der Nennung des Namens des Mannes sagte der Kollege nur trocken „Der hat einen an der Waffel – und zwar ganz gewaltig“ – soweit waren wir inzwischen auch. Über das Revier haben wir dann die Personalien bestätigt bekommen und ihn anschließend entlassen.


Die folgende Geschichte ereignete sich im Frühling 05, als ich in den Einzeldienst abgeordnet war. Die EZ rief uns über Funk, ich meldete mich…
„x/x“
„x/x, hier ist der Notruf, fahren Sie in die XXX-Str. 8, dort sind 3 Enten.“
Der Kollege und ich schauten uns etwas verdutzt an.
„Ja, und?“
„x/x, fahren Sie in die XXX 8 zu den Enten.“
„Weswegen?“
„Da sind 3 Enten.“
„Das haben wir mit, aber was sollen wir dort?“
„Eine besorgte Bürgerin hat die 3 Enten in Ihrem Vorgarten bemerkt, sie macht sich Sorgen um die Tiere und hat deswegen den Notruf gewählt.“
„Das ist jetzt ein Scherz?!“
„Negativ. Überprüfen Sie den Sachverhalt.“
Während des Gesprächs war über Funk aus der EZ „dezentes“ Gelächter zu hören. Wir sind also in die XXX-Str. 8, und dort waren tatsächlich 3 Enten. Durch ein kurzes Erschrecken der Enten haben wir deren Flugfähigkeit festgestellt, sie wollten aber offensichtlich nicht fort. Wir sind dann wieder gefahren, nicht ohne uns von der Bürgerin sagen zu lassen, dass wir eigentlich etwas für die Enten hätten tun müssen; die Dame war über unsere Reaktion zu diesem ernsten Problem ziemlich verärgert.

Irgendwann 2005
Wir sind das Btm-Programm gefahren, wobei unser Trupp als Bereich die XX Landstrasse zugeteilt bekam. Keiner von uns war dort bisher beim Btm-Programm gewesen und wir kannten uns dementsprechend dort auch nicht aus. Um die Gegend zunächst ein wenig kennen zu lernen haben wir das Fahrzeug abgestellt und sind zu Fuß los. Nach einiger Zeit kam uns ein Typ entgegen, der deutlich nach einem Kunden aussah – er wurde kontrolliert. Er war bekannt und hatte etliche Verstöße BtmG, also haben wir ihn durchsucht.
In einer seiner Hosentaschen fand der Kollege dann ein Papierbriefchen. Auf die Frage, was in dem Briefchen sei, antwortete er „Fußnägel.“ Wir schauten uns etwas doof an, irgendjemand meinte noch das sei die blödeste Ausrede, die er je gehört habe.
Na ja, es kam wie es kommen musste: ich habe das Briefchen aufgemacht, und es waren tatsächlich abgeschnittene Fußnägel drin. Wir haben alle etwas dämlich geschaut und dann nach dem tieferen Sinn gefragt. Die Antwort war, dass er die Fußnägel in einem Park gefunden habe; er sei der Ansicht, dass sie eine religiöse Reliquie für jemand sein könnten, also habe er sie eingesammelt und mitgenommen. Er hat sie auch wieder an sich genommen und wollte sie zum Fundbüro bringen.

Gruß,
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Beitragvon Trooper » Mi 18. Jan 2006, 16:19

Nja, die Sache ist nur, daß eben nicht jede Schicht so unterhaltsam ist... das sollte hier nicht außer Acht gelassen werden. Es gibt auch eine Menge Tage, wo ziemlich wenig los ist, gerade auf kleinen Landdienststellen.

Vorgestern (Sonntag-) Nacht war z.B. komplett tote Hose... kein einziges Auto im ganzen Landkreis auf der Straße, das man kontrollieren könnte, ein einziger Einsatz wegen Familienstreitigkeiten, und der wurde auch prompt wieder abgeblasen, bevor die Anfahrt noch überhaupt begonnen hatte.


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Beitragvon dundee » So 29. Jan 2006, 17:44

Hallo zusammen!

Ein wirklich guter Themenbereich!

Möchte mich sogleich anschließen und auch einen meiner Nachtdienste aus dem Jahr 2005 schildern...


19.05h - Dienstbeginn
Schwerer Verkehrsunfall: 1 Person klemmt, 1 x RTHUB umsonst, 1x Bestatter.

21.30h - Todesbenachrichtigung der Angehörigen zum o.g. VU.

22.45h - Schlägerei wird gemeldet: Türkei gegen Russland ( 0:0 ).
1x Widerstand,3 Festnahmen, Blutproben etc. Platzverweise.
Fahrt zum Krankenhaus mit Kollegin ( Platzwunde Stirn ).

01.00h - Ruhestörung Nr. 1
Ruhe hergestellt, KWM.

01.15h - Ruhestörung Nr. 2
1xWiderstand, mit einem Wohnungseigentümer ins Krankenhaus ( Verdacht auf Hodenprellung...)
1x Anzeige Beleidigung von PVB's ( "Du alte Fickpisse!, Wichser etc." )
1x Gewahrsam.

03.20h - Albanischer Mitbürger spuckt mir nach Schlägerei in Kneipe bei Anzeigenaufnahme volle Ladung Blut ins Gesicht.
1x Fahrt ins Krankenhaus ( Verdacht auf Kieferbruch eines albanischen Mitbürgers ) 1x Gewahrsam, Anzeigen etc.

03.45h - Nachfrage bei Familie des albanischen Mitbürgers, ob ansteckende Krankheiten bekannt sind. - NEGATIV

04.05h - Verdächtige Person schleicht um geparkte Fahrzeuge.
Nach Sachverhaltsklärung: Person ( Familienvater ) sucht des Nachts
rote Fahrzeuge, um seine Genetik auf Motorhauben zu hinterlassen...
Platzverweis, Mitteilung an Kripo. Händewaschen.

05.20h- Ehestreit: Mann verprügelt Frau.
1x Wegweisung des Mannes, 1x KV, 1xNotarzt, 1x Beleidigung ( "Bullenschwein und die hässliche Bullette!" )

Bis 07.00h - Bürokratie ( Papierkram )

07.05 - Bett.


Also: Passt auf Euch auf und verliert nie den Spass an der Sache! 8)

Gruß vom dundee

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Beitragvon springer » Mo 13. Feb 2006, 22:38

Also, auf Wunsch ein Demoeinsatz:

Es war ein Auslandseinsatz (d. h. außerhalb von Hessen); es ging um eine Rechtendemo und etliche Gegendemos.

Unser Zug ist am Tag vorher angereist und abends ins Hotel eingecheckt (das ist nicht immer so luxuriös, wir haben auch schon in ausgemusterten Bw-Kasernen geschlafen). Es gab ein leckeres Buffet zum Abendessen – die beste Einsatzverpflegung, die ich je erhalten habe. Am Abend gab’s noch zwei Besprechungen (ich war Truppführer), und wir mussten noch die Fahrzeugwache stellen (mein Trupp glücklicherweise nur eine Stunde und nicht allzu spät).

Am nächsten Morgen ging’s um 06:00 Uhr los, wir sind in die Stadt und dort in unserem Bereich truppweise Streife gefahren. Um die Uhrzeit war natürlich noch nichts los (so früh sind die Linken noch nicht aktiv) und wir haben uns mit der Örtlichkeit vertraut gemacht.

Gegen 07:00 sind dann die ersten Linken aufgeteilt, und wir haben mehrere Personenkontrollen / Durchsuchungen durchgeführt, zT auch mit mehreren Trupps größere Gruppen kontrolliert und dabei das übliche gefunden (Schals, Halstücher, Erste-Hilfe-Material usw. - und jede Menge Großmäuligkeit – „Da ist der EA am Telefon, der will mit euch sprechen“).

Nach einiger Zeit haben wir uns gesammelt und unseren Scout bekommen; es gab noch eine letzte Besprechung, eine Pipi-Streife und dann haben wir aufgerödelt. Anschließend sind wir wieder in die Streife; jetzt war natürlich mehr los (es war ein Samstag) – jede Menge Demonstranten und Passanten. Wir haben abgesessen dann noch verschiedene Kontrollen durchgeführt, d. h. zT kleinere Strassen / Wege gesperrt und dort alle Demoteilnehmer durchsucht, die der autonomen Szene zuzuordnen waren.

Als die eigentliche Demo losging sind wir auf unsere Fahrzeuge und in Bereitschaft gegangen, und dort saßen wir dann einige Zeit. Dann hieß es wieder Streife mit Fahrzeug (es gab zwar kaum noch durchkommen, aber was solls) und anschließend wieder Bereitschaft. Irgendwann kam dann der Auftrag, mit dem Zug abgesessen zur rechten Demo zu verlegen und uns zwischen die Linken und Rechten zu stellen bzw. dort in Bereitschaft zu gehen. Es ist nichts weiter passiert (außer dem üblichen Geschrei / Sprechchören – wie hab ich sie vermisst :D ) und wir sind dann wieder zu den Fahrzeugen zurück in Bereitschaft.

Einige Zeit später kam plötzlich ein neuer Auftrag, wir haben mit Signal verlegt und sollten einen Teil der rechten Aufzugstrecke sichern. Als wir ankamen wars komplett ruhig, wir haben Ketten gestellt und selber im Nahbereich aufgeklärt. Die Ergebnisse von der externen Aufklärung waren recht chaotisch, so dass wir öfters von einer Strasse zur nächsten gerannt sind. Unsere eigene Aufklärung hat dann so langsam linkes Klientel ausgemacht, die haben sich allerdings nicht an uns rangetraut. Zwischenzeitlich kamen Infos, dass die Linken direkt an der Demo brennende Barrikaden aufgebaut hatten und mit Steinen schmeißen – bei uns bliebs allerdings ruhig. Wir haben mit denen dann noch eine bisschen Katz-und-Maus gespielt, mit jeder Menge Gerenne – die sind aber nicht an uns rangekommen.

Dann wurde die rechte Demo von dem Veranstalter abgebrochen; wir haben den Auftrag noch ein Weilchen durchgeführt (die Linken waren ja noch da) und sind dann wieder in Bereitschaft.

Der nächste Auftrag ließ eine zeitlang auf sich warten – und es war wieder das Bestreifen eines Bereichs, diesmal allerdings eines neuen. Zusätzlich kam noch die Meldung, dass wir einen Platz aufklären sollten, auf dem eine größere Anzahl Störer gesichtet worden war.
Wir sind dann zu dem Platz hin und haben versucht verdeckt aufzuklären. Das Ergebnis: auf dem Platz standen zwei Züge niedersächsische BePo in Bereitschaft, aber keine Störer. Für uns hieß das weiter den umliegenden Bereich bestreifen.

Schließlich haben wir uns wieder an diesem Platz gesammelt, abgerödelt und wurden entlassen (gegen 21:00 Uhr). Es ging zur allgemeinen Freude ab nach hause.

Gruß,
Springer

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Beitragvon badboy90 » Do 16. Feb 2006, 23:07

Irgendwann und irgendwo, aber tatsächlich so passiert.


FuStKw-Besatzung hält amtsbekannten Fahrraddieb an.
Fahrraddieb spricht ächt krass, weisstdu?

Polizist: Hastdu Fahrrad gekläut oder gekäuft?

FD: SchworichbeiGott, Habischnischtgekläut. Habischgekäuft.

Polizist: Dannmusstduschworen. HabischhierTatbestandskatalog. Mehr als Bibel und Koran zusammen. WeisstDu? SchworaufTatbestandskatalog, dassDunischtgekläut, sondern gekäuft.

FD: Ey! Mehr als Bibel und Koran zusammen? OhScheise. ---Kurze Gedankenpause--- Habischgekläut.


Der andere Kollege konnte nichts dazu sagen, da er sich auf die Zunge beißen musste und vor lauter Tränen in den Augen kurzzeitig die Orientierung verloren hatte.

Das Fahrrad wurde sichergestellt. Der FD wurde noch vor Ort entlassen, da seine Personalien bereits feststanden.

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Beitragvon Woodster » Mo 27. Feb 2006, 14:40

Samstag spaetdienst 1700 - 0300 uhr 25.2.06

1700 dienst anfang, tee trinken und schauen auf computer was hat in der letzte 24 stunden passiert ist.

1730 stellt ein leer polizeifahrzeug direkt vor eingangs tur ein verdachtig drogen dealer

1745 alkolhol von jugendlich beschlagnahmt. £80 bussgeld an ein 18 jahriger .

1800 Unfall, 17 jahriger auf scooter hat ein dorfstrasse verlassen, leicht verletzung, muss in KKH gehen.

1900 unversichert auto angehalten und abgeschleppt. fahrer kriegt 6 punkten und £200 bussgeld.

2000 Polizeiwagen abgeholt und wo anders gestellt

2015 ein opa von kneipe rausgeschmissen weil er zu viel getrunken hat

2030 In der wache fur tee trinken

2100 Tursteher x6 ausweis uberprufen

2130 Verkerskontrolle, einer wegen haftbefehl festgenommen... In der wache gebracht, finger abrucken, lichtbild und DNA genommen.

2230 betrunken jugendlich zu haus gebracht

2300 schlagerei in der strasse schwischen gebrudern. beide zu haus geschickt. einer kriegt £80 bussgeld weil er in offentlich gepinkelt hatt.

2330 schlagerei schischen 10 leute. Notruf von polizist allein auf fuss streife, schlagstock 2mal benutz, 4 festgennomen.

bis 2uhr in der wache mit papierarbeit usw
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Langweilige Dienste, die die Welt nicht braucht

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Fr 3. Mär 2006, 06:22

Sollte man auch nicht vergessen: Die Welt ist nicht immer eitel Sonnenschein.

Heute: Wachhabender. :heul:


20.30 h:

Übergabe / Ablösung

bis ca. 21.15 h:

Kaffee für die Brut kochen, PC hochfahren, Mails / Infos sichten, entsprechend steuern.

bis ca. 22 h:

Vorgangssichtung / Kontrolle der Spätdienst - Vorgänge

Bis ca. 22.15 h:

Bestandskontrolle (natürlich mit Zählung der reichlich vorhandenen Munkeln :lach: )

bis ca. 22.30 h:

Arbeitszeiten des Vortages (DSM) eintragen, Urlaubswünsche / Sonderwünsche der lieben Kollegen erfüllen. (Ich bin Gott, yeah!)

bis 04.00 h:

abgesehen von der Sichtung der eher spärlich eingehenden Vorgänge und anschließendem Klugscheißen Besuch auf der Leitstelle und K-Wache, drei Anzeigenaufnahmen (und ich bleibe dabei: die erste 'Geschädigte' WAR irre!) und Kollegen bespaßt

bis 05.00 h:

laaaaangsam die Wache aufgeräumt, Funkerin bei einer Lage unterstützt, beim Chef geschleimt, mein Dasein in der Schichtdiensthölle verflucht, diskutiert, ob Frauen in die Polizei gehören (gegen drei Kolleginnen und mal spaßeshalber die Contra-Position behauptet :grins: ) und, thank god:

05.30 h frühzeitig abgelöst und Wochenende!

:D

und es bleibt der geilste Job der Welt!
:lah:


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