Der tägliche Dienst

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MICHI
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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon MICHI » Mo 11. Jul 2011, 05:00

Ein ganz normaler Dienst; endlich mal ohne Großlage ;)

18:05--verdächtige Personen

18:25--Person auf Gleisen der Fernbahn

18:43--zündelnde Kinder

18:55--Sachbeschädigung gewesen

19:30--unverschlossener PKW

21:30--Schlägerei

21:54--Exhibitionist

23:15--Schlägerei, 10 Personen

23:58--verdächtiger Rauch

02:25--Einbrecher am Werk

04:16--Feuerschein in Wohnung vermutet

04:36--Diebstahl aus Kfz. gewesen
Gruß
MICHI


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Polimannzei
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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon Polimannzei » Do 20. Okt 2011, 23:25

Samstag:

18:00 h:

Dienstbeginn. Eigentlich steht ab 20:00 Uhr ein Sondereinsatz auf der tollen Kirmes im Nachbarwachbereich an. Aber da Spätdienstkollege krank wurde werden erstmal 4 Stunden regulärer Spätdienst gemacht. Juhu (Ich liebe VU-Fluchten)...

21:00 h meldet sich eine Nachtdienstkollegin krank. Toll. WDF entscheidet, dass ich nicht zum Sondereinsatz fahre, sondern den regulären Nachtdienst mache. Nochmal Juhu.

Einsatzleiter Sondereinsatz widerspricht dem jedoch, da doch schon etwas mehr auf der tollen Kirmes los ist. Also um 22:00 h zusammen mit zweitem Kollegen den Fustkw geschnappt und rübergefahren (rückwirkend betrachtet hätte ich besser den regulären Nachtdienst machen sollen, aber dazu später ;-( ).

22:15 h:

Ankunft. Juhu,alle Kräfte schon im Einsatzraum. Also zusammen mit dem Kollegen auf der tollen Kirmes die Kollegen gesucht. Klappt trotz Funk einigermaßen. In Halbgruppe Runde über den Platz gedreht. Alles voll mit Asis. Wiedermal Juhu.

23:20 h:

Hunger! Wache aufgesucht, Pizza gefuttert.

Dann wieder ab in den Einsatzraum. Noch mehr Leute drängeln sich vorm Autoscooter und den diversen Zelten. Juhu hoch drei!

Der erste Ärger bahnt sich an. Besoffski pöbelt/grabscht Bedienung vom Bierwagen an und vergeht sich dann auch noch an einem Sicherungskasten.

Gleichzeitig kommt der Hilferuf einer Rtw-Besatzung rein. Patient schlägt im RTW hinterm Zelt um sich. Also ab dahin. Zwei Kollegen kümmern sich weiter um den Sicherungskastenschänder.

Zu viert vor Ort angekommen, kümmern sich zwei um den Vogel im RTW. Sein Kontrahent läuft mit blutiger Schnute vor mir her und scheint voll des guten Weins zu sein. Wird durch Sani behandelt. Fragen stellen bringt gar nichts, er kann vor lauter Bier kaum atmen.

Dann kommt noch ein Sani an und gibt an, dass das Fahrzeug und die anderen Sanis mit Flaschen beschmissen werden. Auf dem Platz neben dem Rtw angekommen, steht schon ein Zeuge und deutet auf eine Personengruppe 25m entfernt. In dem Moment schlägt auch schon die nächste Flasche ein...

Dann löst sich aus der Menschengruppe ein Asi und kommt mit der Flasche in der Hand auf mich zugestürmt. Der Zeuge kann noch "Das ist der Flaschenwerfer!" rufen, dann...



bin ich mir nicht mehr sicher was passiert ist :gruebel:



Die Zeugen sagten nachher, der Asi hätte mir mit der Flasche (guter Faber Sekt) auf die Schulter gehauen. Ich weiß es nicht mehr. Was ich noch weiß ist, dass ich auf dem Boden lag. Der Asi dummerweise über mir. Meine Schulter schien explodiert zu sein. So fühlte es sich zumindest an. Das reichte dem Herrn Asi anscheinend noch nicht, nein er musste mir noch munter weiter ins Gesicht schlagen. Hilferufe meinerseits hinderten ihn daran auch nicht. Erst die Finger der Kollegin in seinem Gesicht ließen ihn von seinem weiteren Vorhaben abbringen. Der tunkte er auch noch ein paar, ehe er fixiert werden konnte. Ich ließ es mir zu dem Zeitpunkt nicht nehmen, auf dem Boden herumzukrabbeln, mein Funkgerät zu suchen und dabei das ganze Kirmesgelände wegen nicht nur unerheblicher Schmerzen zusammenzuschreien.

Zum Glück war fix Unterstützung sowie ein Notarzt vor Ort. Ich stand zu dem Zeitpunkt vmtl. schon unter Schock. Tja, der Rtw war noch mit dem Randalierer belegt, deswegen musste ich erstmal warten. Fragen nach meinem Zustand quittierte ich mit Flüchen, für die sich mein Vater wahrscheinlich geschämt hätte. Als der Doc dann das Wort "Oberarmfraktur" in den Mund nahm, war meine Laune vollends im Eimer :tot:

Irgendwann kam dann auch endlich der RTW, in den ich mehr schlecht als recht gehievt werden konnte, da jede Bewegung meines Armes mit Beinaheohnmachtsanfällen (+ wüsten Verwünschungen) einher ging.

Im RTW hat mit der Notarzt dann noch ein ganz tolles Mittel verabreicht ("Ähnlich wie LSD").

Tja, ich hab dann natürlich einen ganz tollen Trip geschoben, mit Lava, Blut und Totenkopfreitern (also dem vollen Programm, weil die Fraktur allein ja noch nicht reicht). Ketanest hieß das Zeug, falls es jemanden interessiert... Bäh!

Nach vier Tagen stationärem Aufenthalt mit Röntgen, Ultraschall, MRT und schlechtem Essen (danke an dieser Stelle an die Kollegen, die mich erstklassig verpflegt haben :kuss: ) wurde ich mit der Diagnose "Schulterdachbruch" und einer Packung Schmerzmittel entlassen. Immerhin kein Gips, und schreiben geht auch noch. Den Arm vernünftig bewegen, joggen gehen (Hobby Nummer 1) oder eine Schrotflinte halten (Hobby Nummer 2) geht leider gar nicht, von daher nochmals vielen Dank an den Asi. Juhu...

Hätte ich mal den regulären Nachtdienst gemacht :pfeif:

Immerhin,

die Folgetage auf der tollen Kirmes waren ruhig. Es ging das Gerücht um, ich sei abgestochen worden und die Kollegen deswegen nicht so gut drauf. Da hat sich dann keiner was getraut :polizei3:

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon fateasy » Fr 21. Okt 2011, 04:59

So, denn mal Erlebnisse aus dem schönsten "Castor" aller Zeiten, nämlich 2010:

Mit der Einsatzhundertschaft aus dem südlichen Niedersachsen in grün-weißer-blau-silberner Kolonne gemächlich in's landschaftlich idyllische Wendtland. Vier Mann im Bulli, dazu jede Menge Taschen und Ausrüstung. Etwas überfüllt, aber zum Glück ein Fahrzeug mit Radio und Klima...wobei: Außentemperaturen nicht über 5 Grad Celsius! Aber egal, Standheizung funktionstüchtig! Laune gut.
Kollge im Bulli hat Laptop mitgenommen und einige Folgen von "eine schrecklich nette Familie" drauf. Laune noch besser.

Ankunft in ehemaliger BW-Kaserne. Vor uns mindestens drei mehr oder weniger langweilige Tage, wobei höchstens am letzten Tag etwa "Äktschn" zu erwarten sein dürfte, wie man in den Vorjahren gelernt hatte.
Auftrag für die ersten beiden Tage: Streckenschutz! Tagsüber! 12 Stunden! Aber eben nicht Schiene direkt, da dort BuPo rumscharwenzelt. Auch gut.
Also in Bulli-Stärke einen ca. 5 x 5 km großen Sektor nördlich der Schiene bestreifen und auf verdächtige Kundschaft achten. Den sehr ländlich geprägten Sektor mit nur einem Dorf (naja, eigentlich noch nicht einmal das) schnell in- und auswendig kennen-, aber nicht unbedingt lieben gelernt. Die Ureinwohner dieser abgeschiedenen Region sind nicht unbedingt alle über so viel Aufmerksamkeit und Schutz der eher verhassten Staatsmacht erfreut. Ausnahmen bestätigen allerdings auch diese Regel.

Nach den ersten drei Stunden Sektoren-Streife kennen wir jede Kuh mit Vor- und Geburtsnamen, also bestreifen wir frecherweise einfach mal die nachbarschaftlichen Sektoren, die aber insgesamt auch nicht viel mehr hermachen.
Schließlich suchen und finden wir einen herrlichen Feldherren-Hügel, von dem aus wir fast zwei Drittel unseres zugewiesenen Sektors, unter Einsatz eines (natürlich privaten) Feldstechers im Auge behalten können. Mangels Kundschaft verlegt man sich auf's Observieren der im "Tale" an der Schiene ihr Dasein fristenden BuPo-Truppe. Da auch dort die Kundschaft offenbar fehlt, hat man sich dort augenscheinlich auf's Zählen der Schwellen verlegt.

Große Funkübung, als sich plötzlich ein ganzer Bus voll mit angeblicher Kundschaft der Kattegorie "Rot" in den Nachbarsektor verirrt hat. Nachdem ihm annähernd zwei Hundertschaften auf den Hals gehetzt worden waren, stellt sich schließlich heraus, dass tatsächlich ganze drei Klienten der Kattegorie "hell-gelb" darin "untergetaucht" waren.
Dann wieder große Stille auf dem Äther.
So geht das auch den ganzen nächsten Tag, volle 12 Stunden lang.
Inzwischen sind wir mit unseren Kühen per "Du".

Dann der dritte Tag!
Schon früh morgens etwas Hektik, weil wir noch früher raus müssen als geplant. Schon am Vortag war letztlich klar geworden, dass ein Stellungswechsel stattfinden würde, und zwar näher ran an den Verladebahnhof und wahrscheinlich sogar rauf auf die Schiene, das "Schottern" verhindern.
Die Einheit, die wir vor Ort rauslösen, erzählt uns, dass sie ganze 24 Stunden dort ausharren mußten, statt der geplanten 12 Stunden-Schicht! Das läßt Böses ahnen!
Tatsächlich verlegen wir auch direkt an und sogar auf die Schiene, in voller Kampfausrüstung. Einnehmen eines ca. 1 Km langen Streckenabschnittes. Letztlich alle fünf bis zehn Meter ein Kollege. Wir starren den Bahndamm entlang und Böschungen hinauf oder hinunter in finstere Schwärze. Die Maglites sparsam einsetzen, weil man ja nicht weiß, wie lange sie heute halten müssen. Zwischendurch immer wieder mal runter von der Schiene, weil Kontrollzüge durchrollen. Im früh-morgendlichen Dunst in der nur langsam weichenden Schwärze der Nacht ein durchaus gespentisch anmutendes Szenario.
Kundschaft kann nicht gesichtet werden, soll sich aber laut Aufklärung in nicht unerheblicher Anzahl in einem Waldstück nördlich von uns aufhalten.
Die Anspannung steigt.
Bei Tagesanbruch plötzlich etwa 300 m links von uns ein "Angriff" der Kundschaft auf die dortigen Schienen. Kurze Hektik im Funkverkehr, dann heißt es für uns nur noch: "Abstände vergrößern! Nach links aufschließen!"
Nun stehen wir in einem Hügel-Durchstich, vor und hinter uns recht steile, aufwärts weisende Böschungen, bis zu 10m Höhenunterschied. Nicht der ideale Angriffspunkt für Schotterer. Denkt man sich wohl auch auf der Gegenseite und läßt unseren Abschnitt in Ruhe. Obwohl wir letztlich, unten auf der Schiene jeglicher Aussicht beraubt, teilweise die Böschungen erklimmen, bekommen wir auch oben auf den angrenzenden Feldern höchstens mal ein paar "Störer" oder "feindliche Aufklärer" von ferne zu sehen. Was uns letztlich auch nicht besonders verärgert, da unsere Einheit teils schon das Durchschnittsalter einer "Volkssturm-Truppe" erreicht hat.

Nach einzelnen kurzen "Verlege-Übungen" aus unserem Abschnitt in Nachbarsektoren, in denen teilweise die Schotterer ihr Glück dann doch versuchen, erreicht uns dann nach geschätzten 20 Stunden "Schienen bewachen" die Meldung, dass die Bahnstrecke in einem Waldstück kurz vor dem End- bzw. Verladebahnhof Dannenberg von über 1000 Störern gestürmt worden und nun besetzt und blockiert sei.
Wir empfangen also an unserem alten Einsatzort nochmal auf die Schnelle eine warme Suppe. Die erste wirkliche warme Mahlzeit in diesen 20 Stunden, wenn man die gefühlten 5 Liter Kaffee, die man sich zwischendurch einverleibt hat, mal nicht mitzählt. Zumindest die Kaffeeversorgung hatte bisher funktioniert.
Während wir noch auf den Bullis hocken und Suppe löffeln, schwebt über uns mit einem Höllenlärm eine Armada von beachtlichen Truppen-Transport-Hubis ein, die mit Suchscheinwerfern irgendetwas auf dem Boden zu suchen scheinen, letztlich aber dann doch wieder abdrehen. Irgendwo muß die Hütte ganz gewaltig brennen.
Über Funk aber bekommt der "Kleine Beamte" vom "Großen Ganzen" mal wieder gar nichts mit.
Während in den letzten Jahren noch stündlich das "Castor-Einsatz-Radio" Info's funkte, stirbt man dieses Jahr eben unwissend.
Irgendwann sickert dann durch, dass wir jetzt zur Groß-Blockade auf den Schienen kurz vor dem Verladebahnhof verlegen würden.
Das "Gegenüber" hat sich die Stelle verdammt schlau ausgesucht, denn sie liegt fernab von Wegen und Straßen im Wald. Zudem hat der gemeine "Störer" zuvor neuralgische Straßenkreuzungen blockiert oder unpassierbar gemacht. Keine ganz neue Taktik, wandte er sie doch schon die Jahre zuvor an. Nur dass es diesmal offenbar "ganz überraschend" und "unvorhersehbar" passierte. Naja....
Wir fahren also über große Umwege in die "Nähe" der Blockadestelle, soll heißen, so nah, wie wir eben mit unseren Fahrzeugen rankommen: Auf 2 Km Entfernung heißt es dann absitzen. Nach 500m Fußmarsch erreichen wir den Bahndamm. Mittlerweile ist es wieder finstere Nacht und die Temperatur ist etwa auf den Gefrierpunkt gefallen. Nun nur noch 1,5 Km auf der Schiene bis zur Blockadestelle marschieren. Was wir dann dort sollen steht noch in den nicht sichtbaren Sternen.
Auf unserem Weg dorthin passieren wir alle 10 bis 20 Meter kleine Grüppchen von Einsatzbeamten, sehr jungen Bereitschaftspolizei-Kollegen, die wer-weiß-schon-wie-lange hier herum gestanden haben müssen, denn ein Großteil sitzt entweder völlig erschöpft auf dem eiskalten Boden bzw. Schienen, oder liegt sogar dazwischen, hier und da notdürftig mit einer Kälteschutzdecke zugedeckt. Alles in allem stellenweise beängstigende Bilder in einer nur durch Maglites flackernd beleuchteten Szenerie.
Während unter unseren Truppen trotz der bereits hinter uns liegenden 24 Stunden hier und da immer noch Späße getrieben werden, ist denen dort das Lachen offensichtlich schon seit Stunden vergangen. Hier sollte mal für ein Nachwuchs-Video gedreht werden denke ich und stolpere weiter über mehr schlecht als recht ausgeleuchtete Schotterhaufen und Bahnschwellen.

Schließlich erreichen wir nach 2 Km Fußmarsch, der uns auch an einer dem Bahndamm zu Füßen liegenden, noch völlig leeren Gefangenensammelstelle vorbeiführte, unser Ziel. Erstaunlicherweise war die Gefangenensammelstelle, mitten auf einer Waldlichtung errichtet, erstklassig ausgestattet und sogar Musik erklang aus Lausprechern, um offenbar die zu erwartende Kundschaft zu belustigen. Wie man das alles dann doch trotz angeblich unpassierbarer Kreuzungen hierher gebracht hatte, wundert sich der ein oder andere Kollege durchaus. Ketzerisches Gedankengut, wie ich zugebe.

Auch an unserem hiesigen Einsatzort erhalten wir wieder den bereits einstudierten Auftrag, die Schienen zu bewachen. Für die Räumung der Blockade werden augenscheinlich jüngere Einheiten herangezogen, was uns nur recht sein soll.
Es sammeln sich dann im Verlauf der folgenden Stunde mind. geschätzte 10 Hundertschaften direkt neben uns auf den Schienen, wodurch wir uns irgendwann nicht nur "über" fühlen, sondern uns auch mehr oder weniger freiwillig von dieser Übermacht vom Bahndamm herunter drängen lassen.
So werden wir für einige Stunden zu Zuschauern der Blockaderäumung.
Dort habe sich mittlerweile nach offiziellen Verlautbarungen an die 2000 Demonstranten niedergelassen. Es werden wohl auch nach der Auflösungsankündigung nicht viel mehr als max. 500 freiwillig den Bahndamm verlassen haben. Der Rest wird also von den jungen Kollegen Mann für Mann und Frau für Frau einzeln nicht nur vom Bahndamm runter, sondern gleich bis zur Gefangenensammelstelle getragen. Während das am Anfang noch ca. 300m Wegstrecke sind, dürften es zuletzt wohl an die 1000m gewesen sein. Natürlich unter zumindest anfangs großem Medieninteresse und Kameraaufkommen, die sehnsüchtig auf fallen gelassene Demonstranten und auf Entgleisungen der Kollegen beim Räumen generell hoffen. Erstaunlicherweise aber vergeblich. Trotz inzw. fast 30 Stunden Nonstop-Dienst, 30 Stunden in Schutzausstattungen, 30 Stunden in Kälte, mit nur wenig warmer Nahrung und letztlich wegbrechendem Kaffee-Nachschub, da angeblich wegen der blockierten Kreuzungen nichts mehr durchkäme. Seltsam nur, dass die Versorgung der Gefangenensammelstelle augenscheinlich sehr gut zu funktionieren scheint. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt...

Nach vollendeter Räumung muß natürlich der Gleiskörper weiterhin bewacht werden. Das beherrschen wir ja inzw. ja nun im wahrsten Sinne des Wortes "im Schlaf"!
Also nochmal gut 2 Stunden auf Schotter, Schwelle und Schiene ausharren. Die Füße spürt man inzw. ja eh kaum noch, die Schutzausstattung wiegt inzw. gefühlte 30 Kilo, hält aber zumindest einigermaßen die Kälte ab. Und noch ein Gutes hat sie: Wenn man sich damit auf den Gleiskörper setzt, kann man für den Fall, dass man ungewollt einschläft, nicht nach vorne umkippen. Das funktioniert recht gut.
Etwa 1 Stunde bevor dann endlich der Zug mit den Castor-Behältern durchrollen soll, können wir dann abwechselnd doch mal für eine Pause zurück zu den Fahrzeugen. Die natürlich immer noch 2 Km entfernt stehen. Die Msietn von uns nehmen das aber in Kauf. Zum einen, weil die Bewegung etwas Wärme in den steif gefrorenen Körper bringt, und zum anderen, weil man sich dort ein Heißgetränk - von Kaffee ganz zu schweigen - erhofft. Nach etwa 15 Minuten Rückmarsch zu den Bullis - unser steht natürlich am weitesten weg - erfahren wir dort, dass zwar Kaffee da gewesen wäre, der aber jetzt auf dem Weg nach "Vorne" sei. Nun, da kamen wir ja gerade her, also knapp verpaßt. Dennoch gönnen wir uns eine weitere Viertelstunde Aufwärmen in den Bullis, in denen mit durchlaufender Standheizung inzw. gefühlte Saunatemperaturen erreicht werden. Das ist allerdings keine schlaue Entscheidung, denn das Wieder-Aussteigen wird zur Qual. Weitere 15 Minuten vergehen auf dem Marsch zurück an die "Front".

Nach einer weiteren gefühlten Ewigkeit schließlich heißt es für unsere gesamte Einheit Rückzug zu den Fahrzeugen und Aufsitzen.
Da wir mittlerweile etwa 33 Stunden Nonstop-Dienst auf dem Buckel haben, macht sich eine schwache Hoffnung auf eine Rauslösung breit.
Wir fahren dann auch tatsächlich in schönster Marschformation aus dem Wald auf die Straße, als es plötzlich heißt, wir müßten nun auch noch die Durchfahrt des Zuges bewachen. Nicht dass dort oben am Bahndamm sich nach wie vor die Hundertschaften die Füße breit treten würden....
Aber nichts für ungut, aus der Froschperspektive des Kleinen Beamten heraus....naja.

Also verlegen wir nochmals, einen großen Kreis fahrend, zurück an den Bahndamm, wobei wir uns diesmal von der anderen Seite nähern. Bei Annäherung an das Gleis müssen wir feststellen, dass vor lauter Polizeifahrzeugen für uns hier fast kein Platz mehr zum Parken ist. Unsere Einheit muß sich letztlich zergliedern und hier und dort notdürftige Lücken für ihre Fahrzeuge suchen. Dies führt schlußendlich dazu, dass, als der erneute Befehl zum Absitzen und an die Gleise treten kommt, die eine oder andere Bulli-Besatzung diesen letzten Tagesbefehl nicht "mitbekommt" und auf den Fahrzeugen verbleibt. Was den Einsatzablauf aber nicht wirklich beeinflussen sollte.

Kaum zu glauben, aber wahr:
Nach Durchfahrt des Castor-Zuges kommt dann tatsächlich und nicht mehr für möglich gehalten - nach 34 Stunden Nonstop-Einsatz - der Befehl zur Rück-Verlegung in die Unterkunft!!!

Zum Glück fuhr man in Kolonne zurück, zum Glück hatte das Führungsfahrzeug ein Navi an Bord. Es soll nämlich die Mehrzahl der Kollegen nicht mehr gewußt haben, wo sich überhaupt die Unterkunft befunden hatte.

Die "Nachbesprechung" auf den Stuben fiel dann auch erwartungsgemäß eher kurz aus.


Der Folge- und zugleich letzte Einsatztag sollte dann eher wieder in ruhigen und geordneten Bahnen verlaufen, wenn uns auch dort am Endlager noch der eine der andere wenig sinnvolle Auftrag erwarten sollte.



Wer würde sich also nicht auf den diesjährigen Castor-Transport freuen????

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon Foucault » Mi 30. Nov 2011, 14:36

Na dann mal was frisch vom Castor 2011.

Wir verlegten erst Freitag den 25.11.2011 in das Wendland, da zuvor noch ein Fußballspiel bei uns abgesichert werden sollte.
Somit kamen wir auch als vermutlich letzte Kräfte am Samstag um 05:00 Uhr in der Früh im Wendland an.
Dort bezogen wir zunächst unsere Unterkunft im Center Parc-Bispinger Heide und legten uns schlafen, ohne zu wissen wann für uns endlich Start zum vorerst letzten Castor-Einsatz sein sollte.

Nach dem Mittag am Samstag, bei dem wir so gut gespeist haben wie bei keinen Einsatz zuvor ging es dann 14:00 Uhr endlich los.
Noch vor Abfahrt wurde vom Hundertschaftsführer Schlagschutzanziehen angeordnet.
Unser erster Einsatz sollte eine Sitzblockade auf dem Gleisbett, zum derzeitigen Zeitpunkt von ca. 400 Menschen sein.
So toll auch die Unterkunft und Verpflegung im Center Parc war, wurde uns während der Ahnfahrt zum Einsatzort bewusst wie weit vom "Schuss" sie doch ist, denn wir mussten eine Strecke von 80km zurücklegen, für die wir aufgrund verschiedenster Straßenblockaden geschlagene 3,5 Stunden benötigten.

Im Einsatzraum angekommen war die Menschenmenge von ca. 400 auf ca. 1800 angewachsen.
Unsere erste Aufgabe war zunächsten weiteren Zulauf zu verhindern und die vor uns liegende Freifläche mit Hilfe unserer Kfz auszuläuchten.
Der erste Teil unserer Aufgabe gestaltete sich aber aufgrund der zuströmenden Menschenmassen als sehr schwierig, denn unsere und eine weitere Hundertschaft genügten bei weitem nicht, um die gesamte Fläche abdecken zu können.
Die Abteilungen, die zur Unterstützung angefordert waren hatten mit den selben Schwierigkeiten bei der Anfahrt zu kämpfen wie wir.
So war also bei deren Eintreffen die Größe der Versammlung auf ca. 3000 Menschen angewachsen, diese hatten eine Strecke von über 50m geschottert und Klammern auf den Gleisen angebracht.
Als nächstes musste für diese Massen eine GeSa gebaut werden, wobei wir nicht eingebunden wurden.Als diese nach mehrstündigem Aufbau fertig war konnten wir uns endlich auf eine zeitnahe Räumung einstellen.Zu unserem Glück durften wir die Umstellung bilden, das wegtragen wurde anderen Kräften überlassen.
Einen Schreck bekamen wir als uns Kollegen anderer Einheiten erzählten, dass sie zu diesem Zeitpunkt bereits 23 Stunden im Dienst waren.
Nachdem der Letzte am Sonntagmorgen um ca. 06:00 Uhr von den Gleisen getragen wurde konnten wir endlich die Reise in unsere Unterkunft antreten, welche wir aufgrund kleinerer Blockaden um 08:30 Uhr erreichten. Somit war die erste Nacht geschafft, nach der wir alle in einen außerordentlich tiefen Schlaf fielen, denn es wusste mal wieder keiner wann es weiter gehen sollte.

Nach erholsamen Schlaf sollte es erst um 21:00 Uhr wieder direkt an die Strecke gehen.
Der Zug musste aufgrund erneuter Blockaden seine Fahrt wiederholt unterbrechen und stand auf einem Abschnitt, der ebenso weit entfernt war wie unser Einsatzort in der vorigen Nacht.
Während der Anfahrt wurden unsere Fahrzeuge von Personen aus dem Wald heraus mit Steinen beworfen. Uns wurde die Aufgabe des unmittelbaren Schutzes des Zuges zugewiesen.
Wir stellten uns also aufgrund der Vorkomnisse während der Anfahrt auf erheblichen Widerstand ein.
Bei Ankunft sahen wir, dass mit uns fünf weitere Hundertschaften zum Schutz des stehenden Zuges herangeholt wurden.
Wir wurden daruf hingewiesen, das auf dem Weg zum Zug und im Wald Fallen aufgestellt und Drähte auf Kopfhöhe gespannt wurden, die in der Dunkelheit nicht erkannt werden könnten.
Diese Umstände führten dazu, dass wir hoch sensibel auf jedes unbekannte Geräusch reagierten und Adrenalin en masse ausgeschüttet wurde.
Wir wurden direkt vor die weiß-grünen Castorbehälter gestellt, was bei einigen von uns ein zusätzliches Gefühl von Unbehagen auslöste und bereits zu Galgenhumor führte.
Um keine weiteren Störermengen aus dem Wald heraus anzulocken, sollten unsere Taschenlampen ausgestellt werden, dies trug nicht dazu bei unsere Aufregung zu senken.
Doch die Massen an Störern und Widerständlern auf die wir nun heiß und eingestellt waren, wollten aus unerklärlichen Gründen nicht kommen ( vielleicht war es auch einfach nur weil sie den genauen Standort des Zuges nicht kannten) und so wurde es schnell wieder sehr langweilig.
Nachdem der Zug sich nun endlich in Richtung Dannenberg in Bewegung gesetzt hatte, wurde uns als neue Aufgabe der Raumschutz zugewiesen, was uns natürlich enttäuschte, denn das hieß, dass wir zu 99,9% wieder keinen Störerkontakt haben sollten.
Natürlich kam es auch wie erwartet und so gingen wir um 06:00 Uhr am Montagmorgen total unzufrieden über unser Einsatzgeschehen ins Bett.

Wer dachte, tiefer können wir als Einsatzhundertschaft nicht sinken, sah sich getäuscht.
Denn am Montagabend, als die Lkw´s mit den Behältern rollten und es wieder erhebliche Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Störern gab, hatten wir die ehrenvolle Aufgabe irgendwo am Rand der Welt in Bereitschaft zu stehen.
Jeder von uns wollte nun endlich mit in das Geschehen eingreifen, aber leider wurde daraus mal wieder nichts, stattdessen durften wir um 01:00 Uhr den Einsatz beenden, mit dem Wissen, das Castorgegner bereits eine "Dritte Halbzeit" gegen die Polizei vorbereiteten und wir wieder nicht dabei sein würden.

Damit war der zwar nicht für uns, aber alle anderen, längste und intensivste Castor aller Zeiten beendet.
Am Dienstagnachmittag kamen wir Gesund und Wohlbehalten wieder zu Hause an, was leider nicht allen Kollegen zuteil wurde, somit muss man einfach sagen, dass wir zwar nicht überall dabei waren, aber dafür das wichtigste und zwar Gesund zurückzukommen erreicht haben.

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon Habakuk » Do 2. Feb 2012, 21:19

Praktikum letztes Jahr:
Nachdem alle Kräfte durch den Hundertschaftsführer über die kommende Schicht unterrichtet sind,
empfangen die fleißigen Praktikanten ihr Rüstzeug. Der Oberkörpervollschutz (OKV) scheint schon die Französische Revolution mitgemacht zu haben, aber neuartigste Ausrüstung ist man von der Hauptstadtpolizei ja bereits gewohnt. Flugs werden die Wagen ausgestattet: Funk,Ramme, Schilder und andere Spielzeuge wollen verstaut sein.

Dann gehts auch schon zum ersten Auftrag des Abends : ÖPNV-Streife ( Ubahnpräsenzstreife). In
4 Manngruppen sollen die Freunde und Helfer im Bereich U x und U y für Recht und Ordnung sorgen, nur im Bereich x-brücke darf sich nicht gezeigt werden, da will das LKA spielen.
Kurz vor dem Absitzen wird der stellv. Gruppenführer beim Planen der kulinarischen Abendgestaltung jäh unterbrochen : Zivilkräfte observieren eine Rockerparty und befürchten in Kürze eine Schlägerei unter den Motorliebhabern, also verlegt alles zurück in die fürstliche Unterkunft und harrt der Dinge, die da kommen. Lediglich der 1. Zug darf zu den Lederliebhabern und schonmal mit den Hufen scharren. Nachdem 2 Stunden ins Land gegangen sind, ausreichend verpflegt wurde, das Deutschlandspiel ertragen wurde ist
man sich im LKA dann doch sicher, dass die Rocker ruhig bleiben werden und lässt die
leicht ermüdeten Beponesen zur geliebten Brandstreife von der Leine.
Zunächst wird sich auf dem Gruppenwagen (Gru) über die Umbenennung der Abteilung BAO Feuerschein erlustigt- wo mit man sich nicht alles seine goldenen Sterne so
verdienen kann...Auch die äußerst präzise Täterbeschreibung der Profi(ler) vom BKA erhellt unsere Laune : 15-50 Jahre alt und männlich, kann aber auch weiblich sein, ahja, für diese heldenhafte Beschreibung verdienen die Zauberer auch A 15...

Kurz vor dem nächsten Dönerstand wird die tapfere Streife über Funk belästigt-Frau mit
Messerstichen blutend in Flur.. Sofort fliegen blau-weiße-Wagen über die großen Straßen des xy . Eigensicherung und Eile wird quitiert und der Praktikant freut sich wie ein Schneekönig. Mit buntem Kopfkino rast man durch die Nacht, als jede Hoffnung des PMA beim nun folgenden Einsatz hautnah dabei zu sein, durch ein gebieterisches " du machst den Funk" vernichtet werden. Mit Waffe und Tonfa wetzen 8 Schutzleute in die Hauseingangstür,während der Praktikant im Wagen zurückbleiben darf/muss. Seine Freude, als er dann doch mit hoch darf, verfliegt sehr schnell als klar wird, dass Madame sich selber verletzt hat. Sie tut ihr Elend zwar lautstark kund, verschmäht aber den bereits wartenden RTW und fragt uns noch was uns das alles anginge. Daher bespaßen sich die insgesamt 10 grünen und roten Damen und Herren gegenseitig und rauchen erstmal. Dann heisst es wieder "ohne weiter". Der hungernde stellv. Gruppenführer wird bei der Nahrungssuche aufs weitere enttäuscht, als er vor seiner Stammkneipe stehend erfahren muss, das dort das Fleisch bereits aufgebraucht ist. So wird weiter nach essbarem Drehfleisch aus dem Morgenland gesucht, 3 mal vergebens. Als man schon fast verzweifelt ( im Berlin keinen Döner??!), ist der rettende Stand im angrenzenden Ortsteil ausgemacht. Kurz vorm Aussteigen blökt eine Stimme aus dem Funk uns erneut vom Essen weg.
Im xy soll ein Mann seiner Verflossenen in besonderen Weise nachtrauern: Er schlägt erst
ihre Tür und dann sie, als er darauf nochmals zurückkehrt, sieht die FuBZ sich genötigt uns Verhungerten vom Essen abzuhalten. Nach einer Anfahrt mit Eile treffen wir auf eine Gruppe lautstark lamentierenden Weddinger Landadels,welche sich um einen mittelalten Punker gesellt, der einen stark angeschickerten Mitbürger mit
kleinasiatischem Migrationshintergrund im Ringergriff hält. beide lachen und irgendwie muss man an eine gelungene Integration denken,wobei man sich als nicht alkoholisierter Polizei
dann schon irgendwie als Ausländer fühlt. Der allmächtige Gruppenführer lässt die Worte " Du gehst mit " erklingen, jo ist denn heut scho Weihnachten? Dem Wunsch und Begehren des unfehlbaren Vorgesetzten wird umgehend entsprochen und so wetzt der fleissige Amtsanwärter mit seeligem Ausdruck aus der Wanne auf die lustige Abendgesellschaft zu. Zusammen mit dem GrFhr wird der pöse Schurke aus dem Punkergriff befreit und auf den Boden verbracht.. Seiner guten Laune scheint das keinen Abbruch zu tun, was daran liegen könnte, das er 1,6 Atü auf dem Kessel hat. Derweil lamentiert seine Herzdame gar fürchterlich, da auch die ordentlich betankt ist und die
Umstehenden dem nicht gerade damenhaften Benehmen folgen, muss ersteinmal Werbung für unsere Einzelzimmer mit Hofblick ohne Frühstück gemacht werden. Das ist eine wunderbare Idee,
sofort wirds leiser. Die Anzeigenaufnahme gestaltet sich schwierig- der Tunichtgut wollte sich doch nur seinen Ipod wiederholen, den er eigentlich von seinem Kumpel hatte und seinem Schwarm so vor 2 Jahren geliehen hatte..oder so ähnlich, die Schläge habe sie sich auf jeden Fall selber zu gefügt und überhaupt sei er das Opfer. Madame scheint auch einen Pfeil im Kopf zu haben, die Polizei solle endlich ihre Arbeit machen ( an dieser Stelle sieht der stellv. Gruppenführer dessen letzte Mahlzeit 14 Stunden her ist Kohorten von Döner (der Verfasser dachte hier lange über den korreten Plural von Döner nach ) an seinem geistigen Auge vorbeiziehen) und den Kerl wegsperren. Wenigstens verschwindet sie mit einem Kollegen in ihr fürstliches 1,5-Zimmer-Anwesen um das Betretungsverbotsschreiben zu holen. So werde ich noch etwas von dem alkoholisierten Paar bespaßt, welches zwar nur Knallzeuge ist, sich aber tierisch an der Polizeischau ergötzt. Das Kompliment" sie haben ja gar keine Pistole sind sie Nahkampfexperte?!", ist der Höhepunkt,endlich erkennt einer meine wahren Fähigkeiten. Mittlerweile sind zwei Streifen dazugestoßen die von dem Herren bereits vor 3 Stunden unterhalten wurden ( ich denke an die Worte meines Lehrers" 10 % aller Bürger beschäftigen 90 % aller Polizisten “). Dieser ist inzwischen in den Gru gesetzt worden und stinkt dort lustig vor sich hin, als er dann noch seine Socken auszieht-Schuhe hat er seit der Durchsuchung nicht mehr an-bin ich froh, mit meinem Praktikantenbonus nicht neben ihm sitzen zu müssen, sondern meinem Tatortvoyerismus fröhnen zu können. Unser Sonnenschein hat wegen seiner Beziehung schon zweistellige Anzeigen offen, ist ein launischer (Widerständler), kreativer (Btmkonsument) und gesellschaftlich engangierter ( x Fälle Poliks) Zeitgenosse. Da eigentlich für heute mal Ruhe angesagt wäre, versucht man die Bereitschaftsstaatsanwältin zu erreichen. Dies gelingt nach ca 10. Versuchen auch. Die Dame wirkt hellwach und praxisbezogen. Sie erhellt uns mit dem Hinweis, dass eine Freiheitsentziehung/Blutentnahme ein Grundrechtseingriff wäre und ja schwerwiegend sei.Ausserdem seien 1,6 Promille ja nicht viel unser Hinweis, wir erhofften uns durch die Blutentnahme auch eine Schonung der Frau, welche von ihm ja bearbeitet worden sei,überrascht sie sehr. So habe sie das natürlich noch nie betrachtet, da hätten wir ja vielleicht sogar recht, sie müsse aber erstmal in den Gesetzestext gucken, wir sollten den Richter anrufen. Dieser wird nach ca 15 Minuten erreicht, grübelt ebenfalls,überrascht uns nach 10 Minuten mit einer harten Entscheidung: Blutentnahme go.
Mittlerweile ist die Polizeischau eine prächtige Attraktion geworden, die leichtbekleideten Damen des horrizontalen Gewerbes sind ganz angetan von der bunten Polizeipracht und locken mit unmoralischen Angeboten.Ein Hinweis auf unsere asketische Besoldung wird mit "Freundschaftspreisen" erwidert. Nachdem unser Gast,grinst und seine Erfahrungen mit den Damen ungefragt und viel zu detailgetreu kund tut, kommen wir endgültig auf den Pfad der Tugend zurück,da der gleiche Herr bereits damit geprahlt hatte, sich 2 Wochen lang nicht gewaschen zu haben.Der Geruch lässt zwar ähnliches vermuten, ich bin aber über die jungen Kollegen
verwundert, welche sich ob der exquisiten Ausdünstungen fast übergeben müssen . Ich schwelge in Erinnerungen und versuche in Gedanken meine top 10 der besten Gerüche meines Zivildienstes
aufzustellen, werde jedoch durch den Abmarsch unterbrochen. Nachdem wir unseren Gast in die Gesa gebracht haben wird erstmal durchgelüftet, bevor wir nach 5 Stunden zum heißersehnten Döner kommen. Ich bleibe stark und esse nur Twix, der Döner riecht leider wunderbar und war wohl auch preiswert . Nach der Verpflegung wird wieder ein bisschen durch die üblichen Bezirke gefahren und geguckt das keiner guckt, leider guckt gar keiner, es ist überhaupt nichts los, ich bete schon das endlich wieder xy über den Funk zu irgendwelchen Heldentaten angefordert wird. Nach 1 Stunde werden meine Wünsche erhört. In einer Spelunke wird prächtig gefeiert, das finden die arbeitstätigen Weddinger( Widerspruch ?!) wohl weniger lustig und haben die Servicenummer ihres Vertrauens gewählt, die auch zu so gottlosen Stunde für jeden Spaß zu haben ist.Der Praktikant darf wieder mit und ist gleich voll dabei, Genosse Bürger ist zwar erst 15-19 hat wohl aber schon Kampferfahrung. Besonders brutal will wohl das Geburtstagskind, das heute 16 geworden ist,wirken .Sein Kusäing will es auch wissen und fordert den Gruppenführer und mich zum Boxkampf heraus( isch hab Ehre weissu) da auch der der Wiege grade entsprungen zu sein scheint und Kinder hauen doof ist wird der Nachwuchsklitschko verbal befriedet. Gucken. Dann zeigen wir der restlichen Partygemeinschaft gerne wo der Maurer das Loch gelassen hat, und verkünden den Zapfenstreich für die Schenke. Nach einer kurzen Nachaufsicht, ob die Herren doch noch gelochte Luft atmen möchten, wird mal wieder verpflegt.Schlägerei S-Bahnhof xy 10 Personen. Wieder nichts mit Essen, zu allem Überfluss erscheint Team grün in Hoffnung eines spannenden Einsatzes, welcher sich als harmloser Streit zwischen 5 Jugendlichen entpuppt,der von ängstlichen Mitbürgern zum 3. Weltkrieg gemacht worden ist. Überprüftwird trotzdem, man ist ja schonmal da...

Über Funk hört man vom ersten brennenden Wagen, da es leider nicht unser Abschnitt ist, fährt die andere Gruppe und fängt ziemlich schnell einen Brandstifter, der Herr ist auf Bewährung draußen, hat sowas schonmal gemacht, wird aber trotzdem laufen gelassen.... Wir wollen uns die Sache mal genauer angucken, unser Neid auf den Fang verfliegt, als wir erkennen, welche Troß sich der Festnahmestelle nähert, von Kripo bis Zaubereiministerium wollen alle dabei sein, schließlich wird bald gewählt..Der Gruppe wird vorsorglich mitgeteilt, das ihr Feierabend sicher nicht vor 09:30 stattfinden wird, tja was fangen die den auch, wird doch eh wieder freigelassen, denken wir und merken das wir schon wieder Hunger bekommen. Darauf verlegt der Wagen zu Mägges, wo wiederum gespeist wird. Wir treffen den unauffälligsten Zivilwagen der Polizeigeschichte- in einem grünen Vw-transporter mit verdunkelten Scheiben sitzen, 2 Schränke in 5.11 und Holzfällerhemden und essen ihr amerikanisches Frühstück.So wird die letzte halbe Stunde
verbracht, bevor in die Unterkunft verlegt wird. Den Wagen abrödeln und umziehen bevor um 0600 der Lausprecher die ersehnten Worte “Feierabend .” erklingen lässt und ich endlich ins Bett fallen kann.
Zuletzt geändert von Habakuk am Do 8. Mär 2012, 18:59, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon PKA_th » Mi 18. Apr 2012, 23:36

Mal wieder ein Nachtdienst vor nicht allzu langer Zeit:

Wie üblich ins Revier gefahren und umgezogen. Danach einen Kaffee vor Beginn des Nachtdienstes aus der Maschine gelassen. Angefangen, die dienstlichen und persönlichen e-Mails zu lesen. Danach Dienstpost verteilt, Bekanntgabe und FEMs einpacken.

Zuerst dem Geschädigten eines Unfalls vom Frühdienst angerufen und ihm die Personalien des Verursachers gegeben. Im Anschluß den Unfall vollends in ComVor eingetragen und noch einen anderen Vorgang zu Ende bearbeitet.

Dann mal nach dem Streifenpartner geschaut und beschlossen, demnächst mal Streife zu fahren. Eine Zigarette geraucht und zum Wachhabenden gegangen. Dort angefangen, ihn etwas zu ärgern. Leider nur kurz, über Funk wird ein VU mit schwer verletztem Motorradfahrer gemeldet.

Die Fahrt durch die Stadt ist zwar besser wie erwartet, aber es gibt immer ein paar Kandidaten /-innen, die durch Blaulicht und Tröte absolut überfordert sind. Kurz nach der ersten Streife treffen wir ein. Der Motorradfahrer liegt bewusstlos auf dem Boden und wird erstmal 20 Minuten im Krankenwagen durch den ebenfalls verständigten Notarzt bearbeitet. Währenddessen beginnen wir mit der Unfallaufnahme. Augenscheinlich hat ein PKW-Fahrer das Motorrad beim Einfahren von einem Feldweg übersehen. Durch die Bereitschaftsstaatsanwältin wird ein Gutachten angeordnet, zudem fordern wir die Feuerwehr zur Ausleuchtung der Unfallstelle an. Der Motorradfahrer kommt ins Krankenhaus, mit dem Ableben ist zu rechnen.
Nach zwei Stunden ist die ganze Sache soweit aufgenommen, die Unfallstelle geräumt und die Vollsperrung aufgehoben. Inzwischen hat sich der zweite schwere VU ereignet, Frontalzusammenstoß zwischen zwei PKWs auf einer anderen Straße. Auch dort ist eine Vollsperrung nötig, wir sind aber erstmal außen vor.

Leider nur kurz, wir fahren zur VU-Flucht. Ein Auto hat beim Rangieren nicht unerheblichen Sachschaden angerichtet und ging flüchtig. Ein Zeuge hat das Fahrzeug gesehen, leider konnte er das Kennzeichen nicht ablesen. Aber Lacksplitter und Teile des Rücklichts des Verursacherfahrzeugs helfen uns hoffentlich weiter.

Als nächstes fahren wir zu einer Ruhestörung. Bei unserem Eintreffen ist alles ruhig. Auf dem Weg zu einem amerikanischen Fast Food Restaurant schauen wir noch nach mehreren Jugendlichen, die grölend durch die Stadt ziehen sollen. Wir treffen jedoch niemanden an.

Schnell was gegessen und gleich wieder raus zu einer angeblichen Schlägerei. Diese soll lustigerweise auf dem Parkplatz des amerikanischen Schnellrestaurants sein, wo wir kurz zuvor noch unser Essen geholt haben. Aber dort ist alles in Ordnung.
Danach zu einer weiteren Ruhestörung geschickt worden. Fünf Heranwachsende räumen dann zuerst ihren Müll weg und dann das Feld.

Im Anschluss ins Krankenhaus gefahren und nach dem Motorradfahrer erkundigt. Dieser wird gerade in den Hubschrauber geladen und in eine andere Klinik geflogen. Sein Zustand hat sich glücklicherweise gebessert.

Auf dem Rückweg zum Revier erneut Ruhe in einer Wohnung hergestellt und dem betrunkenen Mitbürger erklärt, dass ein Fernseher auch leise betrieben werden kann. Auf dem Revier erstmal einige Sachen in ComVor eingetragen und die Lichtbilder auf den Computer geladen. Natürlich unter Zufuhr von Kaffee.

Nachdem dies erledigt ist, müssen noch die Vorgänge der Kollegen im Postausgang durchgeschaut werden. Nach circa zwei Stunden ist das auch erledigt und der Nachtdienst neigt sich dem Ende entgegen.




Grüße
th
<- three lions on a shirt....


Der Kluge lernt aus allem und von jedem, der Normale aus seinen Erfahrungen und der Dumme weiß alles besser.
Sokrates (470 - 399 v. Chr.),
griechischer Philosoph

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon Polimannzei » Mo 9. Jul 2012, 13:16

Polimannzei hat geschrieben:Samstag:

18:00 h:

Dienstbeginn. Eigentlich steht ab 20:00 Uhr ein Sondereinsatz auf der tollen Kirmes im Nachbarwachbereich an. Aber da Spätdienstkollege krank wurde werden erstmal 4 Stunden regulärer Spätdienst gemacht. Juhu (Ich liebe VU-Fluchten)...

21:00 h meldet sich eine Nachtdienstkollegin krank. Toll. WDF entscheidet, dass ich nicht zum Sondereinsatz fahre, sondern den regulären Nachtdienst mache. Nochmal Juhu.

Einsatzleiter Sondereinsatz widerspricht dem jedoch, da doch schon etwas mehr auf der tollen Kirmes los ist. Also um 22:00 h zusammen mit zweitem Kollegen den Fustkw geschnappt und rübergefahren (rückwirkend betrachtet hätte ich besser den regulären Nachtdienst machen sollen, aber dazu später ;-( ).

22:15 h:

Ankunft. Juhu,alle Kräfte schon im Einsatzraum. Also zusammen mit dem Kollegen auf der tollen Kirmes die Kollegen gesucht. Klappt trotz Funk einigermaßen. In Halbgruppe Runde über den Platz gedreht. Alles voll mit Asis. Wiedermal Juhu.

23:20 h:

Hunger! Wache aufgesucht, Pizza gefuttert.

Dann wieder ab in den Einsatzraum. Noch mehr Leute drängeln sich vorm Autoscooter und den diversen Zelten. Juhu hoch drei!

Der erste Ärger bahnt sich an. Besoffski pöbelt/grabscht Bedienung vom Bierwagen an und vergeht sich dann auch noch an einem Sicherungskasten.

Gleichzeitig kommt der Hilferuf einer Rtw-Besatzung rein. Patient schlägt im RTW hinterm Zelt um sich. Also ab dahin. Zwei Kollegen kümmern sich weiter um den Sicherungskastenschänder.

Zu viert vor Ort angekommen, kümmern sich zwei um den Vogel im RTW. Sein Kontrahent läuft mit blutiger Schnute vor mir her und scheint voll des guten Weins zu sein. Wird durch Sani behandelt. Fragen stellen bringt gar nichts, er kann vor lauter Bier kaum atmen.

Dann kommt noch ein Sani an und gibt an, dass das Fahrzeug und die anderen Sanis mit Flaschen beschmissen werden. Auf dem Platz neben dem Rtw angekommen, steht schon ein Zeuge und deutet auf eine Personengruppe 25m entfernt. In dem Moment schlägt auch schon die nächste Flasche ein...

Dann löst sich aus der Menschengruppe ein Asi und kommt mit der Flasche in der Hand auf mich zugestürmt. Der Zeuge kann noch "Das ist der Flaschenwerfer!" rufen, dann...



bin ich mir nicht mehr sicher was passiert ist :gruebel:



Die Zeugen sagten nachher, der Asi hätte mir mit der Flasche (guter Faber Sekt) auf die Schulter gehauen. Ich weiß es nicht mehr. Was ich noch weiß ist, dass ich auf dem Boden lag. Der Asi dummerweise über mir. Meine Schulter schien explodiert zu sein. So fühlte es sich zumindest an. Das reichte dem Herrn Asi anscheinend noch nicht, nein er musste mir noch munter weiter ins Gesicht schlagen. Hilferufe meinerseits hinderten ihn daran auch nicht. Erst die Finger der Kollegin in seinem Gesicht ließen ihn von seinem weiteren Vorhaben abbringen. Der tunkte er auch noch ein paar, ehe er fixiert werden konnte. Ich ließ es mir zu dem Zeitpunkt nicht nehmen, auf dem Boden herumzukrabbeln, mein Funkgerät zu suchen und dabei das ganze Kirmesgelände wegen nicht nur unerheblicher Schmerzen zusammenzuschreien.

Zum Glück war fix Unterstützung sowie ein Notarzt vor Ort. Ich stand zu dem Zeitpunkt vmtl. schon unter Schock. Tja, der Rtw war noch mit dem Randalierer belegt, deswegen musste ich erstmal warten. Fragen nach meinem Zustand quittierte ich mit Flüchen, für die sich mein Vater wahrscheinlich geschämt hätte. Als der Doc dann das Wort "Oberarmfraktur" in den Mund nahm, war meine Laune vollends im Eimer :tot:

Irgendwann kam dann auch endlich der RTW, in den ich mehr schlecht als recht gehievt werden konnte, da jede Bewegung meines Armes mit Beinaheohnmachtsanfällen (+ wüsten Verwünschungen) einher ging.

Im RTW hat mit der Notarzt dann noch ein ganz tolles Mittel verabreicht ("Ähnlich wie LSD").

Tja, ich hab dann natürlich einen ganz tollen Trip geschoben, mit Lava, Blut und Totenkopfreitern (also dem vollen Programm, weil die Fraktur allein ja noch nicht reicht). Ketanest hieß das Zeug, falls es jemanden interessiert... Bäh!

Nach vier Tagen stationärem Aufenthalt mit Röntgen, Ultraschall, MRT und schlechtem Essen (danke an dieser Stelle an die Kollegen, die mich erstklassig verpflegt haben :kuss: ) wurde ich mit der Diagnose "Schulterdachbruch" und einer Packung Schmerzmittel entlassen. Immerhin kein Gips, und schreiben geht auch noch. Den Arm vernünftig bewegen, joggen gehen (Hobby Nummer 1) oder eine Schrotflinte halten (Hobby Nummer 2) geht leider gar nicht, von daher nochmals vielen Dank an den Asi. Juhu...

Hätte ich mal den regulären Nachtdienst gemacht :pfeif:

Immerhin,

die Folgetage auf der tollen Kirmes waren ruhig. Es ging das Gerücht um, ich sei abgestochen worden und die Kollegen deswegen nicht so gut drauf. Da hat sich dann keiner was getraut :polizei3:
Vor einer knappen Woche:

Verhandlung vorm AG.

Ende vom Lied: StA fordert 8 Monate Haft für die KV und den Widerstand (+2 Monate wegen Hausfriedensbruch und Leistungserschleichung), also insgesamt 10 Monate. Bewährung wird verneint.

RA kann mit einer Haftstrafe leben, aber bitte mit Bewährung...

Dann verkündet meiner neuer Lieblingsrichter: 1 Jahr und 6 Monate Haft, ohne Bewährung :-)

Mal schauen ob er in Berufung geht...

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 22. Aug 2012, 23:08

Lauschige Sommernacht, 27 Grad, Ferien.

21.10 h Ablöse, Einweisung fällt aus. Am Kinovorplatz Schlägerei. Der Kinovorplatz liegt direkt an einer nicht wenig befahrenen Straße.

Bei Eintreffen umringen diverse Mitbürger einen weißen Lieferwagen, der über umgeknickte Poller von der Straße auf den Vorplatz gelangt ist. Faszinierend - fährste zu 'ner Schlägerei und kommst zu einem Unfall mit Personenschaden. Man lernt nie aus. Irgendwie hat der lustige Mensch, zu dem ich jetzt aus Gründen der pc nicht mehr erzähle, bei der genannten Temperatur es trotzdem geschafft, seinen heckgetriebenen Lieferwagen unkontrollierbar ausbrechen zu lassen. Dadurch musste eine 13-jährige zur Seite springen und ist gestürzt...worauf dann die Familienmitglieder des Mädchens - pc, was soll man sagen - mal kurz ausrasteten. Nun ja.

Entsprechend eingestimmt bestreift man die große Stadt. Volles Mett bei "rot" latschen drei Grazien über die Fußgängerampel. In einer Stadt, in der es per anno schon mehr Verkehrstote als im Vorjahr gesamt gab, nicht hinnehmbar. Nett, wie man ist, macht man es den Damen leicht und bietet eine günstige Variante an. Dennoch wird man von einer 19-jährigen Vorzeigeblondine angepöbelt, warum man sich nicht um die richtigen Verbrecher kümmert. Aufgeregt blickt man umher und fragt Madame, wo sie denn derzeit Handlungsbedarf sieht. Der Gag verpufft leider im Vakuum ihres durchaus ansehnlichen Köpfchens. Da die beiden anderen Damen scheinbar richtig erkennen, dass sie falsch gehandelt haben und Onkel Wachtmeister gleich die Nerven verliert, versuchen diese, ihre Begleitung runter zu reden. Diese fährt dennoch weiter auf. Während ich mir noch überlege, wie ich damit nun umgehen soll, atmet mein an sich grundgelassener und eigentlich introvertierter Spannmann einmal ein und hält eine durchaus hörenswerte Predigt. Respekt - so kenne ich ihn gar nicht. Irgendwie schafft man es dann doch, in einer win-win Situation auseinander zu gehen. Anstrengend.

Entsprechend eingestimmt ( :polizei3: ) fährt man weiter...Samstag Nacht...Großes ist zu erwarten...Wagen vier, fahrt ihr doch mal bitte in die X-Straße...da lärmt eine Katze. Häääh?

Vor Ort sagen Nachbarn, dass die Mieter gerne verbotene Substanzen naschen und seit Tagen nicht mehr gesehen wurden. Ob in Haft, tot oder im Urlaub interessiert die Nachbarn nicht. Schlimmer ist, dass die Katze - offensichtlich unterversorgt - seit Tagen lärmt. Ja...da hätte ich auch nicht gestern vormittag das Tierheim angerufen, sondern lieber bis zum Hauptkampftag der Polizei gewartet und die Nachtschicht alarmiert - die hat ja bestimmt sonst nix zu tun.

Wohnung durch Schlüsseldienst geöffnet...(wer das wohl zahlt? Bestimmt nicht die eigentlichen Mieter...die scheinen auch wacker ausgezogen zu sein.) Nun kommt die eigentliche Herausforderung: ausgehungerte, aggressive Psychokatze fangen. Mit dem Wissen, dass Katzenbiss mieser als Hundebiss ist, versucht sich die Funkwagenbesatzung im Vorfeld schon mal mit allen Mitteln: Locken, Schale Wasser, Hundefutter vom Nachbarn (hätte ja klappen können) und natürlich die stumpfe Jagd. Entsprechend hochgespielt verängstigt das nette Tier sogar den Profi vom Tierheim...nach dem drei ekelhaft vollgesiffte Schränke, auf denen Töpfe mit brauner Flüssigkeit standen, umgerückt wurden, kann das Tier eingefangen werden...und reist in eine hoffentlich bessere Welt. Die heldenhafte Funkwagenbesatzung steht mit Juckreiz am ganzen Körper erstmal vor dem Auto und ballert alle offenen Hautstellen mit Desinfektion zu - auch, wenn in der Bild stand, dass Desinfektion Muskelweichmacher enthält.

23.15 h...nun passiert aber bestimmt Großes. Entsprechend eingestimmt biegt man links ab...und kriegt den Einsatz: Wagen vier, Marktplatz liegt Herr F. (stadtbekannter Alki, gehbehindert und mit Defiziten in der körperlichen Pflege) und kommt nicht mehr voran. Voller Freude und der Sicherheit, dass man über keinerlei Desinfektionmittel mehr verfügt, reist man zum Einsatzort. Herr F. saß den ganzen Tag in der Sonne...alkoholische Flüssigkeit hat er zu und abgeführt...aber ohne sich groß von der Stelle zu bewegen - oder die Hose zu öffnen. Als erfahrener Hilo (hilflose Person) Einsammler hat man blaue Müllsäcke und auch eine Patientendecke mit. Also Herrn F. eingeladen, alle Scheiben runter und ab zur Notschlafstelle. Auf bequemen Kunstleder/Patientendeckenbezug nässt es sich am besten ein, also lässt es sich Herr F. nicht nehmen, nochmal ausgiebig unter sich zu lassen. Er kann ja nichts dafür. Im Geiste lasse ich das neue Motto meines Kumpels "Saufen ist wie Urlaub im Kopf" nochmal Revue passieren und entscheide mich dafür, in nächster Zeit mal wieder mehr für selbigen zu tun. Im Alkoholmissbrauch liegt scheinbar kein Segen.

Das Personal an der Notschlafstelle ist auch mäßig begeistert, dort hat sich ein Gast gerade die Pulsadern geöffnet. Wagen 2 ist auch schon da...und im RTW kann man auf dem Obergefreitendienstweg eine neue Patientendecke und Desinfektion empfangen.

Mittlerweile haben mein introvertierter Spannmann und ich schlechte Laune. Es sollte doch Großes passieren. Mein Spannmann tut seinen Unmut in gewohnt prosaischer Manier kund und sagt schlicht "Kagge". Inhaltlich habe ich dem nicht viel hinzu zu fügen, raffe mich aber dennoch zu einem 10 minütigen Monolog auf, in dem ich diese sinnlose Verschwendung von Schutzleuten, die auf Großes hoffen und dieses auch zu bewältigen imstande wären, anprangere. Da ihn das nicht erheitert, singe ich die nächsten 10 Minuten "i follow rivers"...aber nur die drei Textzeilen, die ich kenne...dass es die Triggerfingerversion ist und ich nicht wirklich pfeifen kann, macht es auch nicht besser.

Während ich dadurch wieder glänzende Laune bekomme, sagt mein Spannmann: Fahr mal auf die ****. (Garten/Landschaftsanlage im Beritt).

Entsprechend eingestimmt kommen wir dort an und überhören die immer gleichen Sprechchöre der erlebnisorientierten Jugendlichen, die mit Bierkästen die Botanik plattmachen. Im Jahre acht, nachdem in NRW auf grün silber und nun blau silber umgestellt wurde, macht grün weißer Partybus aber wirklich keinen Sinn mehr.
Irgendwie stoßen wir auf eine Riesenbühne mit lärmender Akustik. Hm...komisch...wir haben doch gar nichts mitbekommen, von genehmigter Festivität. Andererseits hatten wir ja auch keine Einweisung. Die Wache weiß von nix. Das OA ist natürlich nicht erreichbar...wir steigen mal vorsichtshalber aus und treffen auf einen Menschen, der eigentlich wie ein professioneller Veranstalter aussieht. Von Sondernutzung oder anderen Genehmigungen hat er aber nie was gehört. Irritierend. Naja...nachdem er sagt, dass um eins Schluss ist, treffen wir ein gentlemen agreement und vereinbaren, dass es der königlich-jägerlichen Polizei des Landes NRW egal ist - solange sich kein Anwohner beschwert.

Da bei unserer Verabschiedung ein Gitarrenmusiker "Ai Se Eu Te Pego" intoniert, singe ich das auf unserer Reise durch die Stadt - ohne Portugiesisch zu können...außer "duas cervejas, por favor" - aber ich trinke ja nicht mehr seit unserer Begegnung mit Herrn F. :polizei3:

Während wir vor unserer Wache einparken, rennen zwei andere Teams hektisch raus. Bevor wir fragen können, meldet sich die liebe Leitstelle und sagt: Wagen vier, V-Straße, Einbrecher, Täter vor Ort, Sonderrechte frei. Von der Wache kommen Wagen drei und Wagen fünf. (Sehe ich...aber woher willst du das wissen...deine Fenster gehen ja nach hinten raus... :polizei7: )

In wie immer eindrucksvoller Formation fliegen wir zum Einsatzort. Obwohl heute als Funkwagen eingeteilt, sagt mein Chef, dass ich das doch managen sollte. Hmmm...doof, wenn man auf dem Fahrersitz sitzt...Mein Spannmann hat aber schon das Klemmbrett auf dem Schoß und bastelt die erste Kräftelage. Irgendwie schafft er es auch trotz meines Fahrstils, Bedienen des Funks, Mitschreibens und meines Summens der A Team Melodie, noch einen Stadtplan zu entfalten, so dass wir eine Örtlichkeit vor Augen haben...

Zivile? Samstag Nacht? Nicht doch. Hunde? Kommen. Immerhin. Leitstelle teilt mit, dass die Nachbarn angerufen haben: Hausinhaber sind im Urlaub, man sieht aber Licht und hört Lärm. Nachdem eine taktische Höchstleistung die andere jagt, kommt es zum Showdown. Da wir aber an sich keine Einbruchsspuren feststellen, aus dem Gebäude höchstens die Psychokatze aus Einsatz 1 raus käme und wir ja die mangelnde Begabtheit mancher Mitteiler schon desöfteren attestiert haben, stürmen wir nicht und klingeln ganz lieb. Es öffnet der 15-jährige Sohnemann des Hausinhabers, der seinen ersten Urlaub alleine zu Hause verbringt. Ganz artig mit Chips, Cola und irgendeiner neuen Erfindung, die scheinbar die dvd abgelöst hat, während ich die Welt rette.

Leitstelle und Chef bedanken sich für die gelungene Übung...die Laune meines Spannmanns scheint sich gebessert zu haben. Siehste, so motiviert man Menschen: Selbstverwirklichung. Und auch, wenn er es abstreitet, schwöre ich drauf, dass er zwischenzeitlich die A Team Melodie mitsummte. Nun aber erstmal zur Wache und Kaffee trinken.

Da die anderen jede Menge zu schreiben haben, während wir bislang zwar nur banale Einsätze hatten, aber die wenigstens nicht zu Papier bringen müssen, fahren wir danach direkt wieder spielen. Diverse Verkehrskontrollen führen dann irgendwann zum Erfolg und ein BTM Autofahrer wird zur Blutprobe gebeten. Da dass das Element meines Spannmanns ist, ist der nun vollends happy. Er macht alles, ich vertrete den Funker, der in der Zeit diverse menschliche Bedürfnisse befriedigt (Hunger, Pipi, Durst und leider rauchen). Währenddessen schleppt Wagen zwei eine Dame an, die anders ist als andere. Da sie sich aber ziemlich sicher ist, heute Nacht von der Brücke springen zu wollen, wird es alsbald recht voll. Der Arzt kommt ja ohnehin schon für uns, nun kommen auch noch ein Rettungswagen und der B Dienst, der Feuerwehr. Während ich mit der Rettungswagenbesatzung "I follow rivers" singe, kreuzt mein Chef meinen Weg und stellt mal wieder fest, dass es sich irgendwann nicht mehr vermeiden lässt, dass ich auch mal die Ballerburg komme. Frechheit. :polizei3:

Nachdem wir fertig sind, schickt die Leitstelle einen Einsatz runter "Bahnhofvorplatz, sitzt Herr F. und kommt nicht weiter!" :stupid: Wie kommt er denn immer dahin?

Naja, da wir ja eh auf der Wache sind, nehmen wir ein geeigneteres Gerät als unseren Funkwagen. Der Bulli hat einen ganz bestimmten Namen - aber aus Gründen der pc nenne ich den hier mal lieber nicht.

Die Notschlafstelle ist begeistert. Eine Erklärung, wie der schon wieder ausbüxen konnte, haben sie aber auch nicht.

Während wir noch darüber sinnieren, ob wir Herrn F. heute noch wieder treffen, fliegen alle Funkwagen von uns und der Nachbar PI zu der von uns festgestellen Festivität. Nun hauen sich da diverse Menschen ins Gesicht. Hunde? Kommen auch. *freu* (Wir hätten die Psychokatze einpacken sollen - die hätte Eindruck gemacht)

Vier Haupttäter werden noch vor Ort angetroffen. Da wir ja direkt mit einem leeren Bulli anreisten, in dem nicht viel kaputt gehen kann, sind die auch entsprechend schnell PGtiert. Wagen eins schreibt den Grundsachverhalt, wir schreiben im PG die Gewahrsamsanzeigen und ordnen aufgrund der Alkoholisierung und des von uns kategorisierten Delikts gef. KV die Blutprobe an. Leider dauert das nun wieder Stunden. :polizei10:

Als wir vom PG Hof nach links abbiegen, kommt uns ein gar merkwürdiger Pkw entgegen. Pusten lassen, 1,9 Promille. Hut ab. Und das war dann auch unser letzter Einsatz.

Und ohne Mist, der erste Einsatz für den Frühwagen vom Frühdienst: ZOB, sitzt Herr F. und kommt nicht mehr weiter. Der hat ein Leben...nossa! ;D
:lah:

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon MICHI » Mi 29. Aug 2012, 23:21

Kurz nach 22:00 Uhr im Nachtdienst, Einsatz für drei Fahrzeuge von uns:

"XX-Straße, Schuss gefallen, Schreie in der Wohnung, jetzt alles ruhig!"

Am EO teilen Nachbarn mit, dass sie einen Knall aus einer Wohnung gehört hätte, danach einen Schrei.
Aus der Wohnung hören wir Gestöhne und treten die Tür ein.

In der Wohnung dann auf Fußboden und Wänden extrem viel Blut.
Diverse Einrichtungsgegenstände umgestoßen und z. T. kaputt.

In der Küche eine nackte, total mit Blut verschmierte Person in einer Blutlache.

RTW und NEF angefordert.

Nachdem klar ist, dass diese Person unbewaffnet ist, wird erste Hilfe geleistet.

Person wird durch Rettungskräfte stabilisiert.

Zum SV:

Person unterzuckert, zusammengbrochen und unglücklich in einen Blumentopf aus Porzelan gefallen (das Knallgeräusch).
Hierbei Hautschlagader aufgeschnitten.
In Panik und durch die Unterzuckerung durch die Wohnung gelaufen/getorkelt und in der Küche aufgrund des hohen Blutverlustes zusammengebrochen.

Wäre das Haus nicht so hellhörig gewesen, wäre die Person verblutet.
Gruß
MICHI


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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 14. Nov 2012, 16:13

Wochenfrühdienst?

Passiert doch eh nichts.

Während der Einweisung durch den Chef erstmal die Brötchenliste initiieren. Während wir den Kollegen, der Tartar statt Mett bestellt, wie immer erstmal ausgiebig auslachen und beschimpfen, brüllt der Funker hektisch: Raub, alle raus!

Tja...dann mal alle raus. Auch die Neuen haben sich langsam dran gewöhnt, dass es bei uns dann tatsächlich schnell und laufend raus geht. Teilweise war es ein Umdenken, in ihren Praktikumsbehörden scheint man das anders gehandhabt zu haben. Aber gut: Wenn ich im Landrat X eh 20 Minuten Anfahrt habe - dann spielt es auch keine Rolle, ob ich eine Minute später in der Karre sitze. :polizei10:

Wir fliegen los zu einem Supermarkt mit Bäckereifiliale. Dort wurde die Angestellte bedrängt, bedroht, beraubt und danach gefesselt in der Abstellkammer eingesperrt. Während wir direkt zum Tatort fahren - halt am schnellsten und erster alles - teilt Chef die anderen Funkwagen zur Fahndung ein. Auch, wenn die arme Geschädigte ein zitterndes Bündel ist, haben wir für Mitleid erstmal keine Zeit; eine erste Beschreibung, die schnell an die Kräfte geht, kann über den Erfolg entscheiden. Danach nehmen wir uns Zeit für Betreuung und Trost. Die K-Wache kommt raus und nimmt den Tatort auf. Vermerk von uns über Eintreffsituation, natürlich. Als wir den Wagen besetzen, ertönt die Stimme meines Kollegen aus dem Handfunkgerät, leicht aus der Puste: "Ich habe hier einen, der geht mir flitzen. Innenstadt Richtung Bahnhof."

Der Passat nimmt den Gasstoß dankbar entgegen und an den Berufstätigen, die sich fragen, warum die doofen Bullen mit Blaulicht vom Bäcker mit Lichtgeschwindigkeit grob in Richtung ihrer Wache fahren, eilen wir in die gedachte Linie von Verfolgten und unserem Standort. Wagen drei fährt außen rum, Cheffe steht auf der anderen Seite...fluppt.

Der Verfolgte rennt weiter. Ich weiß nicht, warum er denkt, dass wir nichts dagegen tun, aber wenn einer schnell an mir vorbei rennt, der augenscheinlich Täter sein könnte...och, da bin ich doch kreativ, den von den Beinen zu holen. Gefesselt und durchsucht. Ein erfahrener Raubtäter sieht anders aus und vermeidet die Fehler, die bei unserem Kunden nun zu einer vorläufigen Festnahme führen. In Absprache mit der K-Wache wird der lustige Onkel nun im PG zwischenverwahrt, bis das Fachkommissariat Zeit findet, sich um ihn zu kümmern. Wir fahren zu unserer Wache, um den jetzt umfangreichen Schriftkram zu fertigen. Chef hat sich geopfert und die Brötchen geholt, dann können wir ja zumindest erstmal frühstücken.

Irgendwann sind wir dann auch so weit und bringen unseren Papierkram direkt zur Kripo. Die sind schon dabei, den lustigen Onkel zu vernehmen. Da er wohl diverse Vorerkenntnisse hat, will die Kripo ihn dem Haftrichter vorführen. Hut ab. Das erlebt man auch selten. In der sicheren Gewissheit, nie wieder was davon zu hören, reisen wir ab. Wagen drei kriegt den Einsatz in die X-Straße 5. Dort nimmt eine Frau die Wohnung ihres Freundes auseinander, hat angeblich psychische Probleme. Letzteres gibt den Ausschlag, uns auch mal dafür anzumelden. Wagen drei ist so freundlich, uns zuerst eintreffen zu lassen.

Im fünften Stock hört man hysterisches Frauengeschrei. Er macht auf, offensichtlich überfordert. Die Bude sieht aus wie ein Schlachtfeld. Er kennt sie erst seit zwei Wochen, heute ist sie ohne erkennbaren Grund ausgerastet. Nun hat sie sich im Badezimmer verbarrikadiert. Von außen ist keine Peilung möglich. Es gibt ein Fenster und man ist wie gesagt ziemlich weit oben. Während wir beraten, wie wir nun am besten verfahren, hört man, wie sie das Fenster öffnet. Gut, dann beraten wir halt nicht weiter, sondern treten die Tür ein. Dass sie völlig nackt mit einem Fuß im Fensterbrett steht...vor 15 Jahren hätte ich sowas noch nicht geglaubt. Dass es mich nicht mehr wirklich schocken kann, beunruhigt mich ein wenig. Aber jetzt zerren wir sie erstmal weg, fixieren sie und setzen sie auf das Bett. Wagen drei trifft auch mal ein, wie nett. Anziehen will sie sich nichts. Freiwillig in eine Fachklinik auch nicht. Dann halt das große Programm zwecks Zwangseinweiung zur Wohnanschrift. Wagen drei will weiter vor Ort bleiben. Um so besser - das Geschrei und Madame in völliger Nacktheit (selbst umgelegte Decken schüttelt sie ab) reichen mir auch. Unten im Hausflur kommen uns die Rettungssanitäter entgegen. Auf die Frage, ob das Geschrei von "unserer" Kundin kommt, können wir nur lakonisch feststellen, dass ihnen die Ohren nachher am wenigsten weh tun werden.

Mittlerweile ist es elf Uhr. Wie die Zeit vergeht...

Die Leitstelle schallmeit uns an, unser Räuber ist im PG kollabiert und wird gerade dort von RTW und NAW behandelt. Wir sollen den Transport und die Behandlung im Krankenhaus überwachen. Doofer Auftrag um die Zeit. Wobei: Eigentlich ist das immer ein doofer Auftrag, egal, wie spät es ist. Bei Eintreffen sieht er eigentlich ganz munter aus. Angeblich Atemnot und Herzstechen. Übergeben haben will er sich auch, das hat nur niemand gesehen. Also die Symptome, die ich auch hätte, wenn ich eine gemütlichere Unterkunft als das PG haben wollte. NAW ist auch nur mäßig aufgeregt, kann aber natürlich auch nichts ausschließen. Also Kollege in den RTW und in Dreierkolonne ins Krankenhaus. Die aufnehmende Ärztin mokiert sich zunächst mal über die Fußfesseln. Warum die denn wohl dran wären. Meine Antwort, dass ich mir dachte, dass sie bestimmt an die Arme müsste und ich die deswegen nicht gefesselt habe, scheint ihr irgendwie nicht zu gefallen. Die Schwestern sind enstpannt und ziehen erstmal ihr Programm durch. Blut, EKG...alles super. Die Ärztin macht vorsichtshalber noch ein Ultraschall. Kann nichts feststellen. Ja...dann...zurück ins PG, noch schaffe ich es bis zum Feierabend.

Da der Beschuldigte in Abwesenheit vom Krankenhauspersonal mit mir normal spricht und mich auch beschimpfen kann, nur bei Anwesenheit von Schwestern und insbesondere der Ärztin redet, als wenn er nur noch einen Lungenflügel hätte, hält sich mein Mitleid mittlerweile auch in äußerst eng gesteckten Grenzen. Aber ich bin ja kein Arzt. Also kann ich auch nur müde lächeln, als Frau Dr. die Magenspielung anordnet. Also runter in die Sono. Natürlich wird er dafür kurz sediert. Also noch mal eine Stunde extra für den Aufwachraum. Kollegen angeguckt, ob wir uns vom Spätdienst auslösen lassen wollen. Nee, soviel Ehre haben wir noch, dass wir das jetzt selbst zu Ende bringen. Kurz den Sachbearbeiter K angerufen und den Zwischenstand mitgeteilt. Rege an, im Krankenhaus den HB verkünden zu lassen - dann wäre die Justiz am Zug und müsste die Überwachung regeln. Aber so schnell ist man natürlich nicht. Schade. ;D

Irgendwann ist er dann wach. Er kann natürlich nicht mehr selbständig gehen. Komisch, zwei Fachärzte konnten keinen Befund feststellen. Also wacker im Rollstuhl zum Funkwagen. Ich will gar nicht wissen, was sich die anderen Menschen denken, als wir den Beschuldigten (natürlich noch immer in Fußfesseln) relativ einsilbig in den Funkwagen kommunizieren. Auf der Fahrt ist er wieder obenauf. Meine Frage, ob er sich nicht schämt, jetzt zwei Ärzte und mindestens vier Krankenschwestern für seine Show beansprucht zu haben, bleibt unbeantwortet.

Naja...14.30 h...geht ja noch. Ich musste schon mehr Überstunden machen. Zwar noch nie für so eine sinnlose performance, aber was soll's.

Heute bestell ich mir erstmal Oscarimitationen, damit ich dann im PG eine zeremonielle Verleihung starten kann. Die Melodie hat der smarte Schutzmann ja ohnehin schon auf dem Handy.
:lah:

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon Habakuk » Mi 14. Nov 2012, 18:48

Tagdienst

Während in den letzten Tagen genüsslich Sport, Ausschlafen und der Pflege sozialer Kontakte gefrönt werden konnte, muss ausgerechnet am Samstag wieder etwas für den fürstlichen Lohn getan werden.
Zu Uhrzeiten, an denen einige Menschen meines Alters gerade in den Club stolbern, darf das Bett verlassen und sich Richtung Bepo aufgemacht werden. Selbst die Sonne muss noch nicht arbeiten. Aufstehen, wenn andere noch nicht mal ans Einschlafen denken – Polizistenleben ist kein Wunschkonzert... Auf dem Weg zur U-Bahn werden neidisch SMS von Freunden gelesen, die immer noch am feiern sind..

Der Dienst beginnt entspannt mit Sport zur freien Verfügung, also wird im Kraftraum erstmal die Hantel geschwungen. Darauf lernt der emsige Praktikant einen der wichtigsten Grundsätze der Bereitschaftspolizei : Du wirst lange nichts zu tun haben Gegen 9:30 Uhr informiert der Häuptling über den heutigen Tagesablauf : Als erstes soll eine Demo für mehr Bildung begleitet werden, bevor man sich eine Demonstration gegen vermeintliche Überwachung in den neuen Medien widmen soll, beides eigentlich unterstützbare Themenkomplexe, wenn ein paar Beklaschte unter dem Deckmantel der grundgesetzlich geschützten Versammlungsfreiheit nicht ihrer Krawalllust fröhnen würden. Dazu wird in linksextremen Kreisen noch eine Stadtrallye angepriesen, bei welcher einige Geschäfte des Klassenfeinds entglast werden sollen.

Nachdem die Einsatzmittel wie jeden Tag auf den Gru gepackt worden sind, gehts auch schon raus.
Am xplatz bin ich über die große Anzahl von Schülern und Lehrern verwundert, die an einem Samstag zu so früher Stunde bereits auf den Beinen sind. Gegen 11:30 Uhr setzt sich der Demozug in Bewegung, er umfasst ungefähr 3000 Menschen meist Lehrer. Eigentlich würde als Begleitung ein Streifenwagen reichen, wären da nicht 50 Antifaknaben, welche mit eigenem Lautsprecherwagen zeigen müssen , dass sie überall am Start sind, wo gegen irgendetwas demonstriert wird. Als bei diesen Gesellen Bezugszeichen und andere nicht gerne gesehene Demo-Utensilien gesichtet werden, wird es hektisch auf dem Funk und wir verlegen mit Musik und Licht.

Es wird nie so heiß gegessen, wie gekocht: Die pösen Schurken verhalten sich ruhig und darum werden wir zum Objektschutz auf einer großen Einkaufsstraße verdonnert. So stehen wir 2 Stunden vor einem Kulturkaufhaus und müssen verschreckte Bürger beruhigen:”Nein hier ist keine Attentatsgefahr, ja sie können da lang laufen”. Ich stelle mir langsam die Frage, wieso die Leute sich immer unsicher fühlen, wenn sie Polizei sehen, sollte es nicht anders rum sein ?!

Nach einer Stunde lässt sich ein Scout der anderen Mannschaft blicken und checkt aus, ob das Kaufhaus wie das Jahr zuvor von ihm und seinen Freunden einer kleinen Umgestaltung unterzogen werden kann. Probieren könnte er es, wir drei und die 20 Meter davor parkenden 30 Polizisten würden uns das dann aus der Nähe ansehen, leider ist ihm spontan die Lust vergangen und er verduftet, na sowas.. Kurz darauf wird mit ca. 20 vernunftbegabten Wesen in schwarzen Antifakostümen noch Fangen gespielt, als sie von der Schülerdemo zur sich gerade formierenden Überwachungs- Demo laufen und dabei auf der von uns behüteten Straße etwas Bambule machen wollen. Wir machen kurz dududu und auch diese Spaßgesellschaft trollt sich.

Die darauffolgenden Stunden erinnern mich an das heute Gelernte : Du wirst viel Warten. Zwei geschlagene Stunden wird auf dem Gru gesessen, selbstverständlich in voller Montur ( der Oberkörperschlagschutz lässt langsam aber sicher das T-Shirt nass werden) und dem Funk gelauscht, der zwar ständig irgendwelche Aufklärungsergebnisse kund tut, aber uns leider keinen Auftrag zuschanzt. Dann erscheint der Versorger.

Die Freude des Amtsanwärter wandelt sich in ungläubiges Staunen, als er realisiert, dass nicht wie beim Bund Suppe kostenlos verteilt wird, sondern man sich wie im guten alten Jugendherbergskiosk Twix und co. zu kapitalistischen Preisen erwerben kann.
Mit einer Gummischlange und einem Twix für 1 Euro wird fürstlich zu Mittag gespeist, entsorgt und verlegt. Es wird mal wieder hektisch, also mit lalülala durch Mitte geheizt, um kurz vorm x-Platz ein Abdriften des Demozuges in eine falsche Straße zu verhindern. Der gewaltinteressierte Teil der Demo soll wohl Vermummung anlegen und vereinzelt Steine etc. aufnehmen. Hierzu sitzt man ab, stellt sich schön in Formation auf. Die Straßenkreuzung mittlerweile ein Grün-Blaues Farbenmeer. Teile des Demozug glänzen kurzzeitig durch geistreiche und neuartigste Lyrik mit Polizeibezug, man will uns aber dann doch nicht in die Arme laufen und bleibt auf der ursprünglichen Route.Vereinzelte Flaschen fliegen noch in unsere Richtung, für mich was neues- wie leise das unter dem Helm klingt… Dann ist auch hier Ruhe. Darauf wird wieder .. gewartet, Warten oder besser Nachaufsicht bedeutet wiederum 120 minütiges Sitzen auf dem Gruppenwagen. So langsam lassen Müdigkeit, Hunger und die stickige Luft im Verbund mit dem besonderen Tragekomfort der Schutzausstattung die Moral in den Keller sinken, besonders, da man eigentlich Feierabend hat,aber dann doch noch warten muss. Ein vorbeiradelnder Opa versucht uns auf seine Weise zu ermuntern “ Nicht so viel gähnen”, na denn.. Wir verharren in Lethargie, als wir plötzlich über Funk angerufen werden. Innerlicher Beifall und Jubel, wir werden endlich entlassen .
Bevor der Gru entrümpelt werden kann, lerne ich noch die zweite Regel der Bereitschaftspolizei: Nichts ist so beständig wieder Wandel. Auch wenn ich mich als Praktikant über mehr Abwechslung und weniger Warten gefreut hätte, ist es doch auch schön, dass es weder Ausschreitungen, noch Verletzte gab.
Der Dienst am Montag wird einfachmal 2 Stunden vorgezogen und Dienstag gibts statt Tagdienst ne Nachtschicht wieso nicht....
Trotzdem herrlicher Beruf und ein Praktikum ist ja immer willkommen.

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon b04lev » Sa 24. Nov 2012, 16:17

Samstag Nachtschicht:

21:45h Raub; mit drei weiteren Fahrzeugen ->doch nur normaler Diebstahl unter besoffenen Jugendlichen

23:30h Randalierer; mehrere Personen versuchen in ein Gebäude zu gelangen, in dem eine private Party stattfindet -> Platzverweise

00:05h Aufklärung

00:10h Aufklärung

00:16h Randalierer; mehrere Personen verwüsten auf dem Heimweg Vorgärten; vermutlich die Personen, die die Platzverweise bekommen haben; vor Ort niemanden angetroffen

02:00h Ruhestörung

02:40h Raub; mit zwei weiteren Fahrzeugen -> Streitigkeiten auf dem Heimweg

03:17h Körperverletzung; mit einem weiteren Fahrzeug -> erneut Streitigkeiten von immer noch denselben, wie eben; Platzverweis, Ankündigung Ingewahrsamnahme

03:53h Einbruch; mit zwei weiteren Fahrzeugen; Bewohner werden von Geräuschen an ihrer Haustür wach und schalten das Licht an; Täter flüchten mit PKW; Fahndung negativ

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon DerLima » Sa 24. Nov 2012, 18:09

Eine wunderschöne und lauschige Herbstnacht sollte uns den Dienst versüßen...

Eine Sonntagnacht. Normal nicht viel los im Bereich. Weswegen wir auch erstmal fröhlich die Freitag- und Samstagsvorgänge runtergeschrieben haben.
Gegen 22:00 eröffne ich meinem Streifenpartner:
Eine kleine Runde durch den nahen Bereich, ab zu BK zum Mitternachtsimbiss und dann Täter fangen?

Er ist begeistert.
Wir fahren in unserem 1600 km alten FustKw los, überall Totentanz. Während wir über den Sinn des Lebens sinnieren, uns ärgern, dass so richtig gar keiner zu sehen ist, kreuzt ein Radfahrer unseren Weg und fährt auf der falschen Straßenseite weiter.
Ohne Licht. Da es aber auf dem Radweg ist, welcher baulich zumindest etwas von der Straße getrennt ist, will ich ihn nur darauf hinweisen, dass es etwas ungünstig ist, sein Unterfangen.

So steige ich aus, mein Kollege tut es mir gleich und ich spreche ihn an.
Der Radfahrer ignoriert uns geflissentlich und fährt fröhlich weiter.
Eine zweite Aufforderung und er bleibt stehen.
Ich stelle mich fachmännisch vor und erläutere ihm unser Anliegen.
Als Antwort erhalte ich etwas, was vermutlich ähnlich klingt, wie Kaeptn´s Version von "Ai Se Eu Te Pego".
Was auch immer es war... ich habe es nicht verstanden.
Dies und der geheimnisvolle Geruch der in der Luft lag brachte mich zu der nächsten Frage:
Haben sie Alkohol getrunken?
Drei Bier... ich denke er wollte noch den Zeitansatz von 10 Minuten hinzufügen, vergaß dies aber.
Mein Angebot doch mal den Alkoholtester zu nutzen, um drei Bier genauer zu beziffern lehnte er dankend ab.
Seine bisher lediglich patzige Art wich einer unfreundlich-aggressiven Grundstimmung.
So erklärte ich den weiteren Werdegang und das ich bestimmt einen StA finde, der mir die Blutprobe anordnet.
Naja, einmal pusten könne nicht schaden. Wie er heisst? Mr. Smith. So sagt er. Lesen konnten wir es bis dato nicht, da er seine Papiere nicht dabeihabe...
Während ich das Dräger vorbereite, bereitet er sich auch vor und packt seinen mitgeführten Döner aus.
Mund auf und will gerade hineinbeissen, als ich ihn laut rufend von seinem Vorhaben abbringen kann.
Erst den Test, dann den Döner...
Nönö, ersma wat fressen, dann pusten.
Meine Erklärung, das die auf Milch/Sahne basierenden Soßen das Testergebnis auch für ihn negativ verfälschen können... Sinnlos, konnte er eh nicht folgen. Aber ich hab´s gesagt.
Mit seinem türkischen Schnellimbiss torkelt er Richtung Straße.
Ich zupfe an seinem linken Jackenärmel und ziehe ihn wieder von der geteerten Rennfläche herunter, da dreht er sich um und parkt seine Faust mit hoher Geschwindigkeit auf meinem Brustkorb.
Weste sei dank war hier nichts zu verspüren.
Mittels eingängig bekannter Technik wurde er durch uns beruhigt auf der Motorhaube des FustKw abgelegt.
Ärgerlich war nur der Verlust seines Fast Fonds, welches nun den Radweg verzierte.
Sichtlich wieder beruhigt wollte er jetzt pusten und dann nach Hause.
Wir entschlossen uns, den Abend nicht durch solchen Blödsinn schreibend auf der Wache zu verbringen, die interessanten Zeiten in unserer Sonntagsnachtschicht kommen ja erst noch.
Also das Dräger vor´s Gesicht gehalten, er fängt an zu pusten und, was soll ich sagen...
Mittendrin fällt ihm der Döner ein. Und den müsse ich ja jetzt bezahlen...
Leider war der Test noch nicht durch, also auf zum nächsten Versuch.
Gleiches Ende vom Lied, der dritte und letzte Versuch brachte eine wundersame Wendung.
In den Körper des Herrn Smith. Dieser drehte sich zu mir und ein Teil seines Körpers, präziser seine Faust startete den kläglichen Versuch mein Gesicht zu erreichen.

Die Bewegungsenergie nutzend schob ich den Probanden in die Beifahrertür unseres FustKw welche ganz schön dolle lädiert wurde (Riesen-Delle, Knick in der Falz...) Glücklicherweise war das Fenster unten, so dass Herr Smith im Wagen steckte.
Fix gefesselt und auf dem Rücksitz quasi mit dem Fahrzeug verschweisst fuhren wir zur Wache.
Begleitet von diversen Beleidigungen, Flüchen und Bedrohungen...
Auf der Wache angekommen, durchsuchten wir den Smith und siehe da... ein BPA.
Ähnlich heisst er... Im InPol gegoogelt den Menschen... Und herzhaft gelacht:
Anfang 2012 bekam er eine Bewährungsstrafe bis 2015.
- Trunkenheit im Verkehr
- Widerstand
- KV
- Beleidigung
- Bedrohung...
Übrigens war der damalige Tatort etwa dreissig Meter weiter von der Stelle, wo jetzt ein Döner liegt...

Ach ja... um die Nacht dann abzurunden, sind wir nach erfolgter Anzeigenschreiberei und so weiter gegen 03:00 Uhr wieder rausgefahren. Wir hatten ja noch keen Futter.
Eigentlich wollten wir nur schnell zur Tanke... da gibbet Snickers und Knacker..
Diese ist zwei Kilometer von der Wache entfernt.
Nach 150m Fahrtweg...
Zwei Täter auf frischer Tat entdeckt, diesen gefolgt. Leider war der Vorsprung zu groß und die weiteren Kräfte zu weit weg um die Täter zu stellen.
Dafür hatten wir ein Fahrzeug mit Kurzzeitkennzeichen, offen stehend mit Papieren und Schlüsseln.
Nach Abfrage ergab sich, dass der Halter in Fahndung steht.
Das Fahrzeug kurz durchsucht, Drogen gefunden, alles beschlagnahmt.
Mit allem darauf folgenden Schreibkram und der Bereichsfahndung und so weiter hatten wir dann um 07:30 Dienstschluss...
25 km Fahrtweg in einer 12-Stunden-Schicht (normal etwa 150 km).
Insgesamt 8 Anzeigen und immer noch Hunger...
1. Kalenderführer und Nachkoster von Kaept`n´s WtjTBdageuM-Club

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 5. Dez 2012, 02:38

Heute: Chef.

Nachtdienst in der Woche.

Zunächst fängt man mal wacker eine halbe Stunde eher an, als man müsste. Aber der Spätdienst wird

a) dankbar sein

und

b) eine Menge zu erzählen haben

Nachdem der Spätdienst eine Menge erzählt hat (und seine Dankbarkeit für die frühe Ablöse bekundet hat), liest man die Lagebilder und den K-Wachenbericht in der Gewissheit, dass 80 % der Meute das ohnehin nicht tun.

Streifenführer eins ist Überhangkraft und äußert den Wunsch, zivil fahren zu wollen. Hmmm....na gut, da drei Streifen über bleiben, gar nicht so schlecht. Passt scho. Dadurch verzichte ich auf meinen Beifahrer - aber wer braucht schon Beifahrer? Die müssen bei mir eh immer brechen.

Folglich fahre ich gegen 23.00 h alleine raus. Ist ja nur nachts, ich bin schon groß und rechts P99 und links EMS A werden es schon richten...die eigene Arroganz trägt ihren Teil dazu bei.

Kaum zwei Mal rechts abgebogen, schreit Wagen 1 um Unterstützung: Eigentlich nur den RTW unterstützen wollend, kam es zum Handgemenge mit dem betrunkenen Kernasi. Als vorbildliche Führungskraft denke ich an, die Macht des Wortes zu demonstrieren. Bei Eintreffen registriere ich fix, dass das Perlen vor die Säue wären. Also besinne ich mich auf meine Pöbelbullenstreifenführereinfachqualitäten und flexe Ette schlicht um. Zunächst ist Funkwagen 1 begeistert und fährt Ette zum PG.

Danach kontrolliere ich Nebenwache eins und tausche die Vorgänge. Während sich Wagen 1 am PG frei meldet und ich auch mittels Stausgeber wieder auf "einsatzklar" gehe, teilt die liebe Leitstelle mit, dass sich in der X-Straße vor unserer Haus- und Hofkneipe Menschen ins Gesicht fassen. Wagen 1 und ich treffen zuerst ein. Drei Menschen werden weg gekarpft und in die Acht gelegt. Wagen vier verbleibt zur Funktionssicherung, weil nun aus der Kneipe Menschen strömen. Wagen 1 stellt sich etwas an, den Haupttäter gefahrenabwehrend über Nacht von der Straße zu kriegen...aber da bin ich ja nicht so; ordnen wir das halt an. (Wir, das sind ich und mein übersteigertes Ego)

Ette geht ab ins PG, während mir die Spannfrau von Wagen 1 über 2 m mitteilt, dass sie mit mir keine Einsätze mehr wahrnehmen will. Gut - ich mit ihr auch nicht, wenn die sich albern anstellt, Menschen einzusperren, die Taxifahrern besoffen eine Flasche in die Fresse zu hauen - aber wie ein schlauer FüFo Trainer mal bemerkte: Ich kann nur mit dem Personal arbeiten, das ich habe. :polizei3:

Anschließend kontrolliere ich Wache zwei und drei. Danach fertige ich die Vermerke zu meinen beiden Einsätzen...in der sicheren Gewissheit, dass mein Wachleiter wieder unzufrieden sein wird, dass sein DGL so oft Hand anlegt und schreibt. Der soll doch führen und lenken - und mit gutem Beispiel voran gehen. Da ich weiß, dass mein PI Leiter das total tacker findet, wenn ich besoffene Gewalttäter desnächstens von der Straße hole, kann ich aber damit leben.

Ironischerweise fahre ich erneut mit Wagen 1 zu einer hässlichen Gewalt. (Offiziell heißt die häusliche Gewalt, aber aufgrund des Papierkrams - passt scho.)

Der Täter ist völlig asi und schubst den Newbie als einschreitenden Beamten beiseite. Hat er wohl im Praktikum nicht erlebt. Naja, die Spannfrau karpft den Onkel wacker zu Boden. Während ich darüber nachdenke, ob sie wohl einen Migrationshintergrund hat oder tättowiert ist, unterstütze ich sie bei der Fesselung. Scheinbar ist sie nun stolz auf sich, dass sie den Typen relativ lässig umgegrätscht hat und zudem die Bedürfnisse ihres Aushilfchefs befriedigt hat. Aber es sind ja nicht meine Bedürfnisse. Wer schlägt, der geht. Sagt das Land. :ja:

Danach warten wir eigentlich auf Feierabend. Irgendein Typ fällt trotzdem vom Dach. Da ich mir sowas nicht unbedingt gerne anschaue, würde ich auch noch die 10 Minuten warten, bis die Ablöse da ist.

Da aber mehrere Funkwagen und die Feuerwehr eingesetzt werden, legt die Leitstelle Wert auf meine sofortige Anwesenheit. Also koordinieren wir mal fröhlich die Anfahrt und natürlich muss darauf hingewiesen werden, dass die Fw auch noch kommt und ganz evtl. vor dem Haus parken können sollte.

Ette liegt in einer Blutlache mit einem Kranz Erbrochenem auf der Brust. Nett. Aber noch ist er ansprechbar. Er sagt, dass er so und so heißt und oben wohnt. Schlüssel vergessen, also klettern wir doch mal besoffen in die vierte Etage. Klar, das ist doch eine klasse Idee.

K-Wache angerufen - neee, keinen Bock. Ist ja auch nix. Aber bitte einen ausführlichen (!) Bericht. :polizei10: Die Frage, für wen, wenn das nichts ist, kann ich dem Funkwagen auch nicht beantworten. Gott sei Dank nimmt es der engagierte Streifenführer mit einer der besseren Neuen auf. Ich fühle mich verstanden und muss nicht viel vorgeben. Die Blutlache und der Typ im stiff neck, von dem noch nicht feststeht, was an Verletzungen übrig bleibt, bleiben trotzdem in meinem Gedächtnis.

Auf der Wache schreibe ich den Gesamteinsatzverlaufsbericht, während die beiden Kollegen eine Art Tatortbefundbericht schreiben. Für was ist nach wie vor unklar. Dass ich eine, die beiden anderen zwei Überstunden sammeln, ist ja eher Alltag.

Das zivile Einsatzteam hätte übrigens kein Mensch gebraucht - alleine gefunden haben sie auch nichts.

Da wäre mir ein Beifahrer dienlicher gewesen.
:lah:

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon BennyderHund » Mo 11. Feb 2013, 15:38

Grad mal meine Notizen aus dem Praktikum des letzten Sommers beim Ausmisten wiedergefunden :polizei1: :

Dienst in einer, ich sag mal, mittelgroßen Ruhrgebietsstadt: etwa 215.000 Einwohner, im "ruhigen Norden" der Stadt :polizei2:

August-Wochenende, Nachtschicht:

21:15
Familienstreitigkeit: Vater und Sohn haben Unstimmigkeiten untereinander verbal ausgetragen. Mutter und Tochter am flennen. Streit geschlichtet. Sohnemann hat sich für die Nacht zu einem Kumpel begeben.

22:05
HE/Hilo: Auf der LSt hat jemand eine Hilo gemeldet. RTW und NEF waren weit vor uns am Einsatzort. Von uns waren keine Maßnahmen mehr erforderlich.

22:15
Ruhestörung: Anwohner, die über einer Kneipe wohnen, beschweren sich darüber, dass zu viel Lärm aus der Kneipe kommt. Dort angekommen stellen wir fest, dass nicht in der Kneipe ,sondern an der Haltestelle davor gefeiert wird. Die Fenster sind sperrangelweit aufgerissen, die Musik bis zum Anschlag aufgedreht. Alle reingeschickt, Fenster geschlossen, Musik leiser gedreht und Folgemaßnahmen angedroht. Damit war die Ruhestörung fürs Erste beseitigt.

22:40
WED: Versuch des Wohnungseinbruchdiebstahls. Ein Nachbar hatte die Täter aber bemerkt und nicht nur uns gerufen, sondern auch diese verscheucht. An K-Wache übergeben.

23:30
Ruhestörung: Nachbarn beschweren sich über zu viel Lärm, der von einem angrenzenden Sportplatz in unmittelbarer Nähe zur PW kommt. Etwa 50 Mann Party auf dem Sportplatz gesprengt und somit Ruhestörung beseitigt.

23:50
Überwachungsauftrag an einer Schule. In letzter Zeit wurden dort entweder Partys gefeiert oder volksverhetzende Dinge auf die Wände geschmiert. Keine Feststellungen.

00:35
Ruhestörung: Und wieder ein mal haben sich Nachbarn beschwert. Von einer Gartenparty kommt zu viel lärm. Zur Ruhe ermahnt und Folgemaßnahmen angedroht.

00:55
Verdächtige Feststellung: Nachbarn melden verdächtiges Treiben aus dem Garten nebenan (Taschenlampen). In Wirklichkeit waren es aber die Hausbesitzer selbst, die bei einer gemütlichen Runde zur späten Stunde mit den Dingern rumgefuchtelt haben.

01:45
Streitigkeit: Einsatzort ist der selbe, wie bei der Ruhestörung durch die Gaststätte. Angeblich wird nun die Fede zwischen Nachbarn und Wirt vor der Kneipe ausgetragen. Dort angekommen ist aber davon nichts zu sehen. Übermäßiger Lärm war auch nicht der Fall. Keine Maßnahmen.

02:05
Ruhestörung: Umliegende Anwohner eines Marktplatzes beschweren sich über zu viel Lärm. Auf dem Marktplatz wird eine Gruppe Jugendlicher von etwa 10 Personen und 3 Autos angetroffen. Bis auf einer machen alle die Personalien- sowie Halterfeststellungen problemlos mit. Bei dem anderen bekommen wir aber flott die Personalien heraus und dass das dritte Auto ihm gehört. Warum er so einen Affentanz versanstaltet hat, fanden selbst seine Kumpels amüsant. An die gesamte Gruppe Platzverweis erteilt, der durch die Gruppe auch sofort und ohne Zickerein umgesetzt wurde.

02:35
Randalierer: Aufmerksame Bürger melden eine volltrunkene Person, die gegen Autos und Laternen tritt sowie über die Straße torkelt. Wir fahren zunächst zur Unterstützung hin. Die Kollegen haben aber die Lage sofort im Griff und wir werden nicht mehr benötigt. Die brachten später auch den Randalierer ins PG und fertigten eine Strafanzeige.

03.45
Hilfeersuch: Ein Krankenhaus meldet sich, weil eine Person sich dort unberechtigt aufhält und die Örtlichkeit nicht verlassen möchte. Vor Eintreffen stellt sich diese Angelegenheit aber als erledigt heraus.

04:00
Ruhestörung: Der Nachbar, der sich zuvor über eine Gartenparty beschwert hat, ruft erneut an. Wir waren wohl beim ersten Mal bei der falschen Gartenparty. ;D Bei der richtigen haben wir dann ebenfalls zur Ruhe ermahnt und Folgemaßnahmen angedroht. Einen Kollegen aus der Ausbildung haben wir dort auch angetroffen. Er hat sich dann darum gekümmert, dass es auch ruhig bleibt. :polizei2:

04:25
Verdächtige Personen:
Ein aufmerksamer Bürger meldet verdächtige Personen, die sich an dem Mercedes des Nachbarn zu schaffen machen. Dort angekommen stellt man dann fest, dass das Auto aufgebrochen und das gesamte Navigationssystem entwendet wurde. Täter über alle Berge. Eine Fahndung im Nahbereich bringt ebenfalls keine Erkenntnisse. K-Wache hat keine Zeit. Also werden kurzerhand selber Spuren gesichert und Aussagen aufgenommen. Zwei Häuser weiter steht das gleiche Modell und wir entschließen uns, dort uns auch mal umzusehen. Zu Recht, denn dort haben die Täter auch gewerkelt. Hier dann auch das gleiche Prozedere, auf der Wache dann noch die Anzeige.

Danach war bis zum Feierabend nichts mehr. Zwischen den Einsätzen natürlich noch ab und an Dienst auf der Wache :polizei3: oder Präsenzstreife/ Bekämpfung HUU. :polizei2:


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