Der tägliche Dienst

Erfahrungsberichte, Probleme und Verbesserungsvorschläge...

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BennyderHund
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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon BennyderHund » Mo 11. Feb 2013, 16:35

Eine weitere Nachtschicht aus dem letzten Sommer :polizei2:

21:15
Häusliche Gewalt: Eine HG mit vollem Programm (Wohnungsverweisung, Rückkehrverbot, Papierkrieg) bindet uns fast zwei Stunden. Danach erstmal Ruhe, aber dann...

23:30
Verfolgungsfahrt: Wir entschließen uns, ein Motorrad, besetzt mit 2 Personen, anzuhalten. Der Fahrer reagiert aber nicht auf die Anhaltesignale. Stattdessen macht er kurzerhand nen U-Turn und versucht davonzukommen. Aufgrund seiner Fahrkünste schließen wir aber sehr schnell auf. Eine Kennzeichenabfrage ergibt, dass dieses nicht mehr gültig ist. Der Fahrer scheint nicht der beste und auch nicht ortskundig zu sein, da er es nicht gebacken bekommt, nen Passat abzuhängen. Zwischenzeitlich gelangen wir auch auf das Gebiet der Nachbarbehörde, immer im Zick Zack. Rote Ampeln halten ihn auch nicht auf. Er muss unzählige Schutzengel bei sich gehabt haben. Nach 10min Katz und Maus brechen wir auf Anordnung der LSt die Verfolgungsfahrt ab, bevor es noch Tote gibt. Nachgeben ist dann manchmal doch der klügere Weg.

00:20
WED: Ein Bürger meldet uns einen Einbruch, Familienmitglieder würden die Täter verfolgen, weil man diese auf frischer Tat ertappt habe. Im Schweinsgalopp zum Einsatzort winken uns im Nahbereich zwei Jugendliche. Wir halten an, weil wir dachten, dass es sich um die Verfolger handelt, aber Pustekuchen: Die haben sich nur einen Scherz erlaubt. Kurz zusammengestutzt und weiter zum Einsatzort. Während der Zeugenaufnahme wird man sogar noch doof von dem Vater des Zeugen angemacht, weil es ihm nicht passt, was wir den Sohnemann fragen. Sachen gibts... Zum Glück konnten wir diese Sache an die K-Wache übergeben. Die Strafanzeige dazu sollten wir aber trotzdem verfassen.

01:05
Ruhestörung:Die erste dieser Nachtschicht. Wieder mal ist eine Gartenparty zu laut. Zur Ruhe ermahnt und Folgemaßnahmen angedroht. Einem Gast passt das nicht und geht uns während des Einsatzes auch ein bisschen auf den Sack. So ist das, wenn man den Bölkstoff nicht verträgt.

Danach ein bisschen Dienst auf der Wache, Präsenzstreifen, Verkehrskontrollen ohne nennenswerte Vorkommnisse.

03:50
Ruhestörung die Zweite. Warum sind es eigentlich immer nur Gartenpartys, die zu laut sind? Zur Ruhe ermahnt, Folgemaßnahmen angedroht.

04:05
Verkehrskontrolle: Uns kommt ein Roller ohne Licht entgegen. Diesmal hält das Zweirad nach unseren Anhaltesignalen an. Der 16-jährige Fahrer muss auch noch einmal pusten und hat ein wenig Drall. Ab zur Wache und noch mal an den großen Dräger dran. Dabei kommt irgendwas um die 0,4 Promille raus. Eine Owi-Anzeige.

04:50
Der Feierabend naht. Aber dann ruft einer aus seinem Auto aus an. Von einer Autobahnbrücke haben Jugendliche Steine geschmissen und somit sein Auto beschädigt. Mit alle Mann raus und fieberhafte Fahndung nach den Steineschmeissern. Aber kein Erfolg. Da wir der Frühwagen sind, übernehmen andere die Anzeigenaufnahme. Danach war Feierabend. :polizei2:

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon cosmic » Di 12. Feb 2013, 13:50

"Helau, helau, helau...wir machen heute blau......."

Ein Nachtdienst mitten im Karneval. Die Leitstelle hat, wie alle Jahre wieder, angeordnet, "karnevalbedingte Einsätze" zu protokollieren. :verweis: Nun denne, dann wollen wir mal:

Ermittlungen nach VU-Flucht stehen an. Der völlig schadensfreie vermeintliche 01-Pkw wird vorgefunden, sein Halter hat entweder keine Lust die Tür zu öffnen, oder geht früh schlafen. Mit Karneval hat das ganze nix zu tun.

Dann mal eine Runde drehen, auf der wir einschlägige Karnevalsfeiern bestreifen. Jeder Ortsteil hat sein eigenes Festzelt aufgebaut, in dem mehrere Tage am Stück die Luzie rockt. Der Dienstfreisperre sei Dank, dass man genug Überkräfte hat, um Karneval-Sonderstreifen zu bilden. Die fischen den größten Teil der Schlagabtausche und besoffenen Kids ab. Am Festzelt Nr. 1 spielt eine AC/DC-Coverband auf, das Publikum ist im mittleren Alter und bleibt wie erwartet friedlich. Während meine Spannfrau und ich uns überlegen, ob AC/DC nun eine Art australische Version von den Höhnern sind, und ob sich Bon Scott nun im Grabe umdreht, teilt uns die Leitstelle mit, dass Herr XY sich auf dem Highway to Aschermittwoch ein Schlagloch ausgesucht hat, um sich das Gummi von der Alufelge seines TT zu radieren.
Der Papierkram geht schnell, der junge TT-Fahrer zieht es vor in der Kälte auf seinen Kumpel zu warten, und die Straßenmeisterei braucht eine geschlagene Dreiviertelstunde, um eine Bake mit Blinkleuchte vorbeizuschicken.
Das Schlagloch war nicht jeck, der TT-Faherer nicht verkleidet, also auch wieder nix für die Karnevalliste.

Es bleibt zunächst ruhig, Smaltalk mit einer Karnevalstreife, die eine Dame des O-Amtes mit an Bord hat. Das O-Amt hat etwas, worum ich sie beneide: Dienstlich gelieferte Wollmützen mit Funktionsbeschreibung auf der Strin. Aber unsere sollen ja kommen, vermutlich im Mai.

Eine Ruhestörung hat sich vor Eintreffen von selber erledigt, sodass nicht mit Sicherheit gesagt werden kann, ob es denn ein jecker Einsatz geworden wäre.

Dann kehrt etwas Ruhe ein, die angehaltenen Autofahrer sind allesamt nüchter. Kontrollberichte gelten nicht als karnevalsbedingt.

Ein Bürger aus einem entlegenden Dorf teilte über 110 mit, dass ein wilder Mob sich vor seiner Haustüre versammelt hat, und ihm nun ans Leder will. Nach längerer Anfahrt mit zwei Wagen treffen wir auf dörfliche Ruhe. Der Melder öffnet zögerlich im hochachtungsvollen Zustand die Tür. Er berichtet von zwei, vier, vieleicht aber auch seches finsteren Gestalten, die ihn auf seinem Nachhauseweg verfolgt hätten, und dann bei ihm geklingelt hätten. Da hat er doch lieber die Polizei gerufen. Wir vergessen noch zu klären, ob er zuvor Karneval gefeiert hat, und sind raus.

Der zweite Sieger einer Auseinandersetzung am Rande einer Karnevalfeier wartet auf uns! Doch bis wir aus dem Dorf zurück sind, hat er es vorgezogen, selbstständig die Wache aufzusuchen. Derweilen pottet der DGL mit UD einen Bürger ein, der dem DGL gegenüber versprochen hat, noch heute nacht einen Kneipenwirt zu vermöbeln.
Ich überlege noch, ob die Kollegen auch artig die Striche auf der Karnevalliste machen, während uns die Leitstelle in den Nachbarwachbereich beordert.

Dort läuft eine Vermisstensuche, und man hat sich nun auf den eiseneren Einsatztaktischen Grundsatz "Reserven bilden" besonnen. Wir sind die Reserve. Als solche geht es zunächst in ein Krankenhaus. Dorthin hat ein RTW den Teilnehmer einer Auseinandersetzung vor einer Assi-Disco verbracht. Kurz vor dem Ziel hält es die Leitstelle für sinnvoller, dass wir zunächste mal ein über die Straße torkelndes Pärchen suchen. Er soll sie beim über die Straße torkeln hauen. Vieleicht hilft er ihr auch nur beim gehen. Der Zeuge war sich nicht sicher, und rief vorsichtshalber mal die 110. Auf der genannten Straße, am anderen Ende der Stadt, und im Umfeld wird nur eine volltrunkende Version von Bob dem Baumeister, einsneunzig groß, angetroffen. Der hat nix gesehen, und jo, er schafft den Heimweg schon.

Nun geht es für uns an eine Adresse, wo der RTW und der NAW auf uns warten. Wir sollen uns dazustellen, und auf die K-Wache warten. Im Klartext: Die Erstgenannten haben bei einem Einsatz nichts mehr für den Patienten machen können, und der Notarzt hat konsequenter Weise das Kreuz bei "ungeklärte Ursache" gesetzt. Die Zeugin lag neben ihrer Bekanntschaft im Bett, als dieser unter lautem Röcheln von dannen schied. Wir befragen die Dame nach dem Verlauf des Abends, und erklären ihr den weiteren Ablauf. Beim gemeinsamen Warten auf die Kollgen der K-Wache ärgert sie sich noch, dass sie am Abend nicht bei ihrem Mann geblieben ist, dann hätte sie jetzt nicht den ganzen Schlamassel.... Die Frage, ob sie gemeinsam Karneval geifert haben, im Hinterkopf immer noch die Liste, verkneife ich mir in dieser Situation lieber.
Die K-Wache erscheint und übernimmt. Hummerl sei dank ist die Vermisste wieder aufgefunden worden, und wir werden gen Heimat entlassen. Dort wartet auch schon der Feierabend. Eine Nachtschicht ohne "karnevalsbedingte Einsätze" geht somit dem Ende zu!

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon MICHI » Mo 18. Feb 2013, 04:43

Eine ganz normale Sonntag Nacht

Gleich zu Dienstbeginn:

Fahrraddieb am Werk!
Kollege beobachtet in seiner Freizeit einen Fahrraddieb, den wir kurz darauf festnehmen können.
Fahrradeigentümer kann nicht ermittelt werden; somit Sicherstellung.
Der Täter, ein Jugendlicher wird ohne weitere Maßnahmen nach Identitätsfeststellung an die Erziehungsberechtigten überstellt.


Kaum mit dem Schreiben fertig...

Verkehrsunfall!

Ein Fahrzeugführer hat beim rückwärts Ausparken den fließenden Verkehr nicht beachtet und ist mit einem anderen Fahrzeug kollidiert.


Zeit, um den Unfall sofort wegzuschreiben.


Dann...

Unterstützung für Kollegen bei einem Einsatz "Häusliche Gewalt"

Die Geschädigte hatte sich bereits aus dem Haus geflüchtet. Die Kollegen vernehmen im Treppenhaus, wie der Beschuldigte offenbar die gemeinsame Wohnung auseinander nimmt.

Als wir gemeinsam an der Wohnung ankommen, finden wir diesen kaum ansprechbar, da volltrunken, auf de Boden liegend vor.
Offenbar hatte er sich bei seinen Aktionen selbst verletzt und wird mit einem RTW ins Krankenhaus verbracht.
Ihm wird die Wegweisung für 10 Tage aus der gemeinsamen Wohnung ausgesprochen und die entsprechndenden Schriftstücke ausgehändigt. Angeblich will er alles verstaden haben.Nur scheibar doch nicht so richtig, denn einige Stunden später steht er vor der Wohnungstür und randaliert.
Ab in Gewarsahm.


Als nächstes...

Verdächtiger Kleinlaster!


Alles eigentlich gar nicht verdächtig.
Der Anrufer muckiert sich eigentich nur darüber, dass dieser seit geraumer Zeit vor seinem Haus steht, und das im "Halteverbot".
Nur handelt es sich um ein Privatgrundstück und deshalb kein Einschreiten.


Gar nicht lange später.......

Raub auf Tankstelle!


Zwei bewaffnete Täter haben eine Tankstelle überfallen und sind anschließend in Richtung eines Waldstückes geflüchtet.
Fahndungsmaßnahmen mit Schwerpunkt des Wäldchens, als auch im Umfeld verlaufen leider negativ.


Nach Abschluss der Fahndung und etwas VF dann...

KV im häuslichen Bereich!

Hier war der Mann das Opfer.
Wurde von seiner Lebensgefährtin mit einem Kleiderbüger verprügelt.
Diverse blutende Wunden, die er sich jedoch nicht sofort versorgen lassen will.

Kein Grund für weitere Maßnahmen, also lediglich Anzeige aufgenommen, ein paar Fotos und danach an der Wache alles zu Papier gebracht.


Nun tritt etwas Ruhe ein bevor dann der nächste Einsatz folgt.....

Einbrecher in Altenheim, Täter mit Flachbildschirm flüchtig!


Keine Täterbeschreibung, keine verdächtigen Personen im Rahmen der Fahndung.

Der Fernseher wird kurz darauf auf einem Parkplatz aufgefunden und an die Eigentümer zurück gebracht.

Unmittelbar nach diesem Einsatz dann.....

Einbruchalarm in Schule!

Am Objekt wird ein offenstehendes Fenster festgestellt, jedoch keine Einbruchspuren.
Durchsuchung des Gebäudes negativ; keine Hinweise auf eine Straftat.
Offensichtlich war das unverschlossene Fenster Grund des Alarms.


Ich denke mal, das war es dann für diese Nacht.

Noch eine Stunde für ein wenig Schreibkram und CZ :polizei2:
Gruß
MICHI


Take care and have fun!

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon cosmic » Mo 25. Feb 2013, 13:01

Mit einem Spätdienst geht das Wochenende los:

Zunächst mal eine Stunde vor Schichtbeginn ein Gerichtstermin. Grund: Gurtverstoß, neun Monate her. In diesem Zeitraum entwickeln sich Kinder im Mutterleib, und Erinnerungen im Polizistenkopf verblassen. Aber Justizia braucht manchmal Zeit. Ein Hoch jedoch auf eine umfangreiche schriftliche Owi-Anzeige, welche die Erinnerung wach hält. Alle Fragen des Richter beantwortet. Der sich selbst verteidigene Betroffene fragt nicht, sondern stellt meine Kompetenz in Frage, und kassiert dafür richterliche Ordnungsrufe. Das Ergebnis warte ich nicht ab, schließlich muss ich zum Dienst.

Gleich zu Beginn:

versuchter Einbruchdiebstahl in eine Gewerbehalle: In den zurückliegenden Tagen/Wochen versuchten Strolche, diverse Außentüren einer Gewerbehalle vergeblich aufzuhebeln. Der Cheffe hat nun keinen Bock mehr, und die Versicherung verlangt doch glatt ein polizeiliches Aktenzeichen, um die Türreperaturen zu begleichen. Also ist nun der Zeitpunkt für eine gesammelte Anzeigenaufnahme gekommen. Manchmal, aber nur manchmal.......


Gerade auf der Wache, um die ED-Versuchungen zu Papier zu bringen, wird es hektisch: Amokankündigung im vorletzten Winkel des Beritt! Flugs eine MP5 nebst zwei Magazinen an Bord genommen. Ich frage mich mal wieder, warum zum Teufel nicht immer zwei von den Dingern plus vier Magazine an Bord sind. Dafür könnte man den Bolzenschneider, Klappspaten und den Gullydeckel-Rauszieh-Pinn weglassen. Dann würde man auch zügiger an die "dicken" Schutzwesten im Kofferraum kommen. Aber egal, wir waren auf der Wache, und konnten die MP5'en an Bord mehmen, und nun scheuchen wir den Berufsverkehr auf und knallen gen Einsatzort. Was war geschehen: Ein junger Mann war des Lebens müde, und tröstete sich mit einer Flasche hochprozentigem. Via eines Web-2.0-Tagesablauf-für-alle-Kommentierdienst kündigte er für die große, weite Welt lesbar unschöne Dinge an. Bis dann mal endlich eine Verwandte erschien, um nach dem Rechten zu sehen, ritzte er sich mit einem Küchenmesser im Körper rum. Die besorgte Verwandte lies er an der Wohnungstür in den Lauf seiner Schreckschusswaffe gucken, verbunden mit der Aufforderung, jetzt besser die Örtlichkeit zu verlassen, da ihr ansonsten nichts gutes widerfahren wird (sinngemäß zitiert). Um seinem Willen Nachdruck zu verleihen, kündigte er dem Kollegen auf der Leitstelle gleich zweimal übelstes Gemetzel an, wodurch wir ins Spiel kamen. Die Funkkommunikation auf der Anfahrt und am Einsatzort klappte fast problemlos, alle in den PDVen geforderten Sofortmaßnahmen liefen fast lehrbuchmäßig an, als der junge Mann sich dazu entschloss, seine Wumme mal aus dem Fenster im Halbpaterre in die Öffentlichkeit zu richten. Der DGL stand ihm draußen weit ab jeder Deckung gegenüber, sprach ihn runter und bewegte ihm zum Ablegen der Waffe. In einer Hand die Digi-Funke, die andere Hand überall, aber nicht an der eigenen P99. Man kann das so machen, im ETM werden einem aber durchaus Handlungsalternativen aufgezeigt....... Der Amokdjango ließ sich widerstandslos einpotten, und Maßnahme nach dem PsychKG wurden eingeleitet. Weiter Erkenntnisse: Das Anlagen der "dicken" Schutzwesten klappt noch immer reibungslos, aber: Ein anderer Wagen konnte die MP5 nicht laden, da irgendein Kollegoid es nach dem letzten Schießtermin/Waffenreinigung fertiggebracht hatte, die Feder falsch herum (!!) einzusetzten. Die Frage, wie dies passieren konnte, und wie die Waffe unkontrolliert in den Tresor wandern konnte, wurde nicht abschließend geklärt. Ach ja: Unserem von einem unsichtbaren Schutzschild umgebenden DGL wurde im Nachhinein die Gefährlichkeit der Situatiuon noch bewußt, und Selbstkritik fand statt.

Auf der Abfahrt: Ruhestörung bei Famile XY, letzter Einsatz im Dezember wegen häuslicher Gewalt. Vor Ort waren die beiden Lebenspartner mal wieder voll (kalter Glüchwein aus dem 1,5 l Tetrapack-Gebinde und Diebels-Alt sei dank!), und mal wieder dabei die Beziehung zu beenden. Man selber habe die Polizei nicht gerufen, und es ist auch nix passiert, aber da diese ja schonmal zufällig da sei, könne sie ja auch gleich mal dafür sorgen, dass er endlich die Wohnung verlässt. Jawohlja!!!! Er verlässt die Wohnung freiwillig, um jetzt ein für alle Mal die Partnerschaft zu beenden, und gut ist. Irgendwie habe ich ein Deja-Vu, und erwarte den nächsten Einsatz aus selben Grund binnen Wochenfrist.

Ein angeblich auf der Durchreise befindelicher Tourist klaut im Supermarkt Kleinkram, und möchte nun die verlangte Sicherheitsleistung mit einer 500,00 €-Note begleichen. (Da sind die Supermärkte auch selber Schuld, dass sie an der Kasse keine Fünfhunderter annehmen, da muss man ja lange Finger bekommen!) Die Bank wechselt den Schein, welcher tatsächlich echt ist. Der Tourist kann sich weiter auf seine Durchreise begeben.

Wir reisen weiter zu einem VU-ohne, dessen Aufnahme jedoch aufgrund der Unfallörtlichkeit, nicht mehr fahrbereiter Pkw und einer durch Öl verschmierten Fahrbahn etwas länger dauert. Der Spannmann schreibt, ich dekoriere mich mit neongelber Jacke, weißer Mütze und Kelle, und leite den Feierabendverkehr um den Schlamassel herum.

Ein Fax einer Schule sorgt für den nächsten Einsatz: Laut dem Text kam es am Vortag (!) zu einer üblen Schulhofprügelei zwischen Kevin-Pascal, Sean-Tyler und Maurice-Prince. Jay, Sami und Rocky waren Zeugen (Namen geändert, Ähnlichkeit mit tatsächlich lebenden Personen sind rein zufällig!) Man bittet jetzt per Fax um Ermittlung. An der Schule ist natürlich keiner mehr erreichbar. Und wieder manchmal, aber nur manchmal....... Die Beteilgigen können entweder bei ihren Patchworkfamilien, bei der alleinerziehenden Mutter oder beim auf dem Caminglatz wohnenden Vater angetroffen werden. Drei unterschiedliche Sachverhaltsschilderungen werden aufgenommen, und Gefährdeansprachen werden gehalten. Ein Blick heute abend in die Lage wird zeigen, ob die Ansprachen gefruchtet haben.

Zwischendurch drängt sich ein Radfahrer ohne Licht auf, seine EC-Karte für das Barvusgerät zu zücken.

Weil es so schön ist, zitiert uns die Leitstelle noch zu einer Gefahrenstelle. Der Baum, welcher die Fahrbahn versperren soll, enbtpuppt sich als 0,5 qm plattgefahrenes Stroh. Ja, nun.......

In der besten Wohnlage (diesmal wortwörtlich gemeint!) eskaliert zeitgleich ein Streit unter Eheleuten. Eifersucht und der Verdacht des Fremdgehens. Da er nicht will, dass sie sich im Streit eine Kippe im Wohnzimmer anzündet, wird sie von ihm kurzerhand mit schlagfertigen Argumenten aus dem Haus befördert. Zurück im Haus fängt er sich von ihr eine mit dem Hochzeitsbild. Welche Symbolik...... Es geht, wer schlägt, hier könnten beide gehen. Wir kommen zum Schluss, dass die Gewalt ursprünglich von Vati ausgegangen ist, und er somit für zehn Tage die sieben Sachen packt. Er findet die Idee überraschenderweise super, da die "zehn Tage uns bestimmt gut tun werden, ich gehe dann in meine Firma schlafen!" Ähm...ja.....warum auch nicht. Irgendwas scheint Vati an den Worten seiner Gattin "Es ist aus!" und dem behördlichen Charakter der Wohnungsverweisung nicht verstanden zu haben, also nochmal erklärt. Und er findet es immer noch "prima".

Jetzt aber mal rein in die Wache zum schreiben, und, oh Überraschung, zwecks Wartungsarbeiten ist das System zu Vorgangsbearbeitung runtergefahren. Manchmal, aber nur manchmal.......

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon DerLima » Mi 6. Mär 2013, 18:07

Ein Wochenende Nachtschicht.
Freitag, Samstag, Sonntag jeweils von 1800-0600.
Theoretisch.
Freitag und Samstag hat das ja auch einigermaßen geklappt.
Sonntag eher nicht...
Der Sonntag beginnt statt um 1800 nach der Einweisung und ´nem Kaffee dann doch schon um 1730 mit der Ankunft.
Ich höre den Einsatzbearbeiter noch sagen: "Ist was für die Nachtschicht... Ah, da seid ihr ja schon. Und los!"
Wohin..?
Natürlich ans andere Bereichsende. Weit weg von dem Kaffee.
Da läuft einer rum, der offensichtlich etwas verwirrt ist...
Wir also hin.
Finden die Person auch, vor dem Haus des Anrufers sitzend.
Er weiß noch, wer er ist und weiß auch, wer wir sind.
Ein Anfang.
Ich frage ihn was er denn hier mache.
Er hätte sich mit dem Anrufer verabredet. Der winkt gleich ab... Er kennt den Mann nicht.
Dann würde er noch sein Auto suchen. Das hatte er genau vor dem Haus des Anrufers geparkt.
Das muss gestohlen worden sein. Ah ja...
Außerdem suche er sein Hotel.
Ich frage ihn, wo er denn ist.
Naja, er macht auf seiner Fahrt von Göttingen nach Wiesbaden eine Pause.
Wir sind in Hohen Neuendorf, das liegt an der Nordnordöstlichen Stadtgrenze von Berlin.
Logische Streckenführung.
Seinen Personalausweis gibt er heraus. Auch die Fahrzeugpapiere.
Er stammt aus Niedersachsen. Nähe Wolfenbüttel.
Ok. da er schon etwas verfroren aussieht und seine Geschichte immer mehr wundersame Wendungen nimmt, nehmen wir ihn mit zum Revier.
Er nimmt das Angebot dankend an.
Dort informieren wir seine "Freundin". Diese wohnt an der Ostseeküste, erklärt sich aber bereit, ihn abzuholen. Kollegen haben zwischenzeitlich das Auto entdeckt. Eine Straße weiter...
In diesem ein Hotelbuchungsbeleg für das WE aus Niendorf. In der Nähe seiner "Freundin". Diese entpuppt sich als Bekanntschaft.
Er selber ist praktizierender Allgemeinmediziner.
Prophylaktisch behalten wir mal den Führerschein, die Fahrzeugschlüssel und den Fahrzeugschein.
Alles drei wird an die zuständigen Stellen in Niedersachsen gesandt. Ebenso ein Fax an die Ärztekammer in Niedersachsen.

Juhuu. Wir sind ihn los.
Dafür dürfen wir unmittelbar danach ins örtliche Asylbewerberheim.
Dort will sich (zum zweiten mal an diesem WE) ein Bewohner das Leben nehmen.
Er konnte grade noch durch uns daran gehindert werden, das Fenster im zweiten Stockwerk zu benutzen.
Fachgerecht verpackt wird er der Rettung übergeben und bekommt einen neuen Schlafplatz.
Einen von der Art, bei dem man nicht aus dem Bett fallen kann. Aber auch nicht auf Toilette gehen kann.

Oh, ist ja schon 20:00. Weiter geht´s (ohne Kaffee). Fahrt mal kurz zu einer Halteranschrift, da müsste mal geprüft werden, ob das Fahrzeug des Halters Unfallschäden aufweist.
Angekommen öffnet uns die Halterin auch promt die Tür.
Baujahr 1940 die Gute. Schwer unter Schock. Sie glaube, sie habe in Berlin einen Unfall gehabt.
Das glauben wir auch. Zumindest wenn man die Riesendelle auf der rechten Seite ihres Ford Puma gesehen hat.
Sie wisse aber nicht wo. Und irgendwie ist auch alles blöd gewesen in Berlin. Sie wollte zum Flughafen Tegel, aber das Navi wollte woanders hin. Oder so...
Und sie sei ganz konfus gewesen. Dann habe es einen Knall gegeben. Aber ob sie und wenn wogegen sie gefahren sei... Keine Ahnung. Sie wollte auf jeden Fall gerade bei uns anrufen. Telefonbuch lag auch schon auf dem Tisch und die richtige Seite aufgeschlagen.
Was sie denn erwarte... Sie brauche doch das Auto, weil sie ihre Mutter doch pflegen würde. Wie gesagt, Baujahr 1940 die Gute.
Foto´s gemacht, Daten erhoben und später irgendwann alles nach Berlin gemeldet.

Wieder auf dem Rückweg zum Revier. Der Kaffee ist bestimmt schon kalt.
Kaum vor dem Tor, quakt das Funkgerät etwas von: "Abdrehen, in Nieder Neuendorf muss noch eine Spur eines BSD gesichert werden. Die Geschädigten haben diese eben entdeckt."
Wir dahin, Bilder gemacht und wieder auf dem Rückweg zum Kaffee... Gedanklich...
"Fahrt mal nach Glienicke. Verdächtiges Fahrzeug mit Nicht-Deutschem Kennzeichen!"
Wir dahin, die Bulgaren entdeckt. Angehalten, geprüft. Die suchten tatsächlich ein Hotel. Weg erklärt und gut ist.
Auf dem Rückweg noch mal einen kurzen Stop bei den Nachbarn der Geschädigten von eben.
Die haben dann doch bemerkt, dass man es bei Ihnen auch versucht hat. Aber die beiden Terrassentüren haben standgehalten.
Alles aufgenommen und dann zum Revier.
Der Kaffee ist nicht nur kalt, sondern bestimmt schon ausgehärtet.
Diesmal schaffen wir es.
Ist ja auch schon 22:00...
Schlürf, schlürf... Einmal ins Brot gebissen und angefangen zu schreiben.

Da ruft doch tatsächlich ein Bürger an, dem es zu laut ist in der Nachbarschaft. Die örtliche Naturbadestelle lädt zum Frühling. Angekommen, Musik und Gäste leiser gemacht. Alles ist gut.

Auf dem Rückweg hören wir via 4 meter, dass in meiner Heimatstadt (die auch zu meinem Revier gehört) ein Unfallflüchtiger den Suizid angekündigt hat.
Er wird gesucht, das Auto wird gesucht. Mit Ortskenntnis zu den eher Ortsfremden Einsatzkräften und unterstützen.
Promt finden wir das Auto. Aber ohne den Insassen.
Der Hubschrauber kommt hinzu. Bahngleise und weite Felder, sowie kleine Wälder machen die Suche nicht leichter. Die Autobahn ist auch fußläufig erreichbar...
Nach einiger Zeit sind wir uns sicher, dass er keinen Suizid begehen wird.
Aber man weiß ja nie.
Die Kollegen werden seiner dann habhaft. In einer Parallelstraße. Er wollte sich tatsächlich nicht umbringen. "NA, habt ihr ja gute Arbeit gemacht, dass ihr mich gefunden habt."
"Ja, Kostenrechnung folgt. Inklusive einer Flugstunde des Helikopters...!"

Da schreit der Funk uns schon wieder an.
Auf der geschlossenen möchte sich der Suizident von Freitag Nacht nicht wieder anbinden lassen.
Lichterspiel und Glockenklang... ab in Richtung.
Bei der Anfahrt dürfen wir dann wieder abdrehen... Sechs Pfleger haben ihn dann doch festgeknotet...

Wir brechen ab. Zurück zum Revier.
Etwas Ruhe kommt rein. Und nicht nur die... Der DGL gleich mit.
Kurzes Gespräch, Auswertung der vergangenen Lagen.
Wir kommen zum Schreiben.
Gegen 0200 dann wieder raus. Ein schon bekanntes, in zwei Haushalten wohnendes, dem Alkohol zugetanes Paar teilt sich wieder gegenseitig Schläge aus.
Hin, da sind beide schon wieder getrennt.
Ihr gesagt, dass sie sich dem Haushalt von Ihm nicht nähern soll. Ihm gesagt, dass er sein Bier nicht grade da trinken muss, wo sie sitzt.

Auch hier wieder Ruhe eingekehrt... für diese Nacht...
Ein wenig Revierrunde fahren. Alles gesittet und ruhig.
Einem Verlader einer Spedition fällt gegen 0330 auf, dass drei der LKW´s etwas wenig... Naja eigentlich gar keinen Diesel mehr da haben, wo er denn sein sollte.
BSD aufgenommen, Spuren gesichert.
Wir wollen zurück zum Revier, da spricht uns die Leitstelle an:
"Ab auf die Autobahn. Zwei gestohlene Transporter wurden festgestellt, fahren die A 10 runter Richtung Frankfurt/Oder. Kommen gleich durch euren Bereich. Hängt euch mit dran. Ein ziviler ist schon dabei, observiert und meldet!"
Und ab geht die Luzi.
190 liegen an Herr Kaleu, dass muss das Boot abkönnen.
Die haben schliesslich knappe 10 Kilometer Vorsprung.
Wir holen auf. Kilometer für Kilometer.
Mit einem mal... Stau. Unmittelbar nach dem Stauende stellen wir einen der Transporter fest. Motor läuft, Fahrer weg.
Der zweite Transporter steht 30 meter weiter vorne. Der Zugriff ist dort bereits erfolgt. Vor 30 Sekunden.
Wir fußläufig dem anderen hinterher...
Hubschrauber aus Berlin kommt auch zum Einsatz. Wärmebildkamera lotst die Kollegen, die von der anderen Seite ankamen. Zweiter Zugriff.
Hervorragend!!! Hut ab, Chapeau!!!
Alle drei Täter gegriffen.
Wir sichern noch die Transporter ab, bis die Sicherstellungsfirma vor Ort ist.
Grandioser Erfolg.

Jetzt noch zurück, ist ja schon fast 07:00 Uhr...
Heute wird nicht mehr geschrieben. Wir freuen uns, dass es endlich mal geklappt hat.
Im Zusammenspiel von drei Polizeidirektionen, den Berliner Kollegen und den zivilen Kräften der BAO Grenze!

Gute Nacht... Äh... Morgen... wie auch immer...
Endlich nach Hause und ab ins Bett.
Was für eine Nacht!
1. Kalenderführer und Nachkoster von Kaept`n´s WtjTBdageuM-Club

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon ruckizucki » Fr 8. Mär 2013, 21:54

Seit einem Jahr bin ich nach einigen Versetzungsanläufen auf meinem Wunsch-Revier an der äußersten Ecke meines BL. Nachtdienst unter der Woche, ich helfe als DGL in einer Schicht wegen krankheitsbedingten Ausfällen aus:

Um 20:00 Uhr löse ich den DGL der Vorgängerschicht ab, der WaHa hat auch nichts zu übergeben.

Die Schicht ist komplett eingetroffen --> Streifeneinteilung, etwas Post verteilen.

Ich habe keine Lust drin zu bleiben und teile mich für die zweite Streife mit ein.

Bis zum Rausfahren forste ich die e-Mails und den VorKo-Ornder durch und schreibe an meinen Vorgängen.

Um 22:00 Uhr fahren wir raus. Erster Einsatz sind pöbelnde Jugendliche in einem 20 km entfernten Dorf. Bei unserem Eintreffen niemand mehr da, auch keine AE. Hier ist der Hund begraben, also zurück in unsere Stadt. Hier kontrollieren wir ein paar Verkehrsteilnehmer und deren Kfz. Außer einem Mängelbericht kbv.

Um 23:00 Uhr Wildunfall mit einer Wildsau. Wieder 15 km raus in die Pampa. Der Pkw hat die Sau frontal erwischt. Pkw nicht mehr fahrbereit, Kühlflüssigkeit läuft aus. Die Sau ist tot und aufgeplatzt. Jagdpächter und Abschlepper verständigt. Nach sage und schreibe einer dreiviertel Stunde können wir wieder abrücken.

Das Umland ist tot, also wieder zurück in die "Hauptstadt" und kontrollieren. Hier fällt mir um 00:30 Uhr ein Pkw auf, dessen Halter als Btmler bekannt ist. Kontrolle und Treffer. Blutentnahme und Anzeige nach § 24a II StVG.

Danach rein ins PRev, einen Kaffee trinken und etwas essen.

Sodann tippe ich das Vorko zum Wildunfall und zum 24a.

Der Rest der Nacht war dann Schreibarbeit --> Meine eigenen Vorgänge und administratives.

Kurz vor 06:00 Uhr dann die Ablösung und heim ins Bett.
"Niemandes Herr, Niemandes Knecht" - H. von Fallersleben

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon MICHI » Di 11. Jun 2013, 23:18

Sonntag-12 Std. Nachtdienst

-gleich zu Dienstbeginn

"KV gewesen"
(Nix dolles. Wechselseitige KV, 2 Anzeigen)

-noch beim Schreiben der Anzeige heißt es abbrechen, denn

"randaliert Frau, wirft ihre Einrichtung aus dem Fenster"
(Alles halb so wild. Alte Bekannte. Waren nur Lebensmittel und sie geht auf unser Anraten ins Bett)

-gleich im Anschluss

"unverschlossener PKW"
(Halter ermittelt, wohnt gleich um die Ecke und verschließt sein Fahrzeug)

-darauf gleich

"Unterstützung im Nachbarrevier bei Kupferdieben am Werk"
(Täter wurden festgenommen, für uns nur Beweismittel sichergestellt und Festnahme transportiert)

-dann folgt im Anschluss

"Ruhestörung"
(Hatte sich bei unserem Eintreffen bereits erledigt)

-nach einer kurzen Pause für VF und nen Kaffee dann

"Raub auf Spielhalle"
(Versuchter Raub, Zeugenbefragung, Spuren gesichert, Fahndungsmaßahmen ohne Erfolg)

-VF zu diesem Einsatz ist durch und schon der nächste Einsatz

"Einbrecher am Werk in Apotheke"
(Nix Einbrecher, nur verd. Geräusch vom Wegwerfen einer Bierdose)

-Kaum Zeit zum Luftholen, denn

"Raub auf Taxifahrer"
(Fahndung anhand der Täterbeschreibung durch den Fahrer....2 Festnahmen, LKA übernimmt)

-VF, Käffchen, kurzer Plausch und

"Unterstützung im Nachbarrevier bei Raub auf Spielhalle"
(Täter schon weg, Fahndung negativ, Täter kann aber ermittelt werden)


Einmal 12 Std. Vollbeschäftigung, die dann pünktlich zum Feierabend und zum Glück ohne Überstunden beendet ist.
Gruß
MICHI


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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon DerLima » Mo 8. Jul 2013, 16:48

Nachtrag zu meiner Schicht-Geschichte weiter oben vom 24.11.2012:
Der Proband, mein Kollege und ich hatten heute ein gemeinsames Treffen vor dem zuständigen Amtsrichter.
Ergebnis der Verhandlung:
10 Monate ohne Bewährung wegen Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte in Tateinheit mit Körperverletzung, versuchter Körperverletzung, Beleidigung und Bedrohung.
Ansehnliches Urteil.
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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 31. Jul 2013, 00:15

Ein fröhlicher Spätdienst Lapperdienst von 18.00 - 02.00 h. Man fängt in seiner eigenen Dienstgruppe parallel zur eigenen Leitstelle an. Die Sonne scheint, es sind milde 20 Grad und die Spannfrau tickt ungefähr so, wie man selbst.

Man rüstet locker auf, Chef erzählt einem bemerkenswerte Sachen...und zack sitzen wir auch schon in der Karre und fliegen mit Blaulicht und Horn zum Volksfest im weit entferntesten Stadtteil. Dort ist angeblich eine Schlägerei im Gang und zwei Beteiligte sollen ein Messer haben. Chef fliegt mit und nach und nach reihen sich andere Funkwagen ein, bzw. melden sich an.

Bei Eintreffen die typische Pulkbildung der Betrunkenen und Erlebnisorientierten. Der gewöhnliche Fußball Asi, der das so kennt, dass er im Pulk alles machen kann, weil die Ehu ihm das notwendigerweise durchgehen lässt, ist überrascht, als die erste Besatzung ihn einfach umschmiert und nach 30 Sekunden Verweilzeit vor Ort mit ihm Richtung Zelle fährt. Nach einigen hysterischen Zeugenanhörungen gibt Wagen 2 eine brauchbare Personenbeschreibung durch...und Haupttäter eins wird, sehr eindrucksvoll, von den beiden Diensthundeführern weggeflext, in dem die Ansage "Bleiben Sie stehen oder wir setzen den Diensthund ein!" drei Mal nicht zum Erfolg geführt hat. Der kleine Mali, den ich immer den hungrigen Haken nenne, weil er so aussieht, als wenn er nicht mal seinen Fressnapf in die Schnauze nehmen könnte und gegen die Wand schlagen könnte, wenn er Hunger hat, fliegt gefühlte 20 m in den Arm des flüchtenden. Herrlich. Den erledigen die DHF alleine.

Spannfrau und ich erkennen den anderen Haupttäter, der immer noch auf Krawall gebürstet ist - und auch noch immer sein Messer trägt. Da meine Spannfrau so tickt wie ich, überrascht es nicht, dass wir beide die Plempfe in der Hand haben und ihn zu Boden schreien. Ich weiß nicht, wer mehr Eindruck gemacht hat, aber er folgt den Kommandos. Die gezückten Handys und die geistreichen Kommentare der schwachbegabten Alkoholisierten ignorierend, gehen wir ran. Spannfrau bedroht weiter, ich fessele...den Weg zum Funkwagen schubsen und boxen wir uns frei. Betrunkene Asis sind anstrengend. Ich kann dem auch mittlerweile nichts mehr abgewinnen und auch keine Geduld mehr aufbringen. Die gehen mir einfach auf den Geist.

Ab Richtung PG...und weil wir ja der Streifenwagen sind und die DHF anderweitig wieder benötigt werden, bringen wir diese umfangreiche Einsatzlage durch hinterher - Telefonie und eigene Feststellungen zu Papier.

Danach kontrollieren wir den lustigen Handynierer. Führerschein liegt zu Hause. Tja...dann. Schauen wir uns den doch bei ihm zu Hause an. An der Wohnanschrift sucht Ette dann fünf Minuten. Meine Spannfrau sagt latent genervt: "Sind sie sicher, dass sie einen Führerschein haben?"

So direkt und charmant gefragt, fällt ihm dann doch wieder ein, dass er nie einen besaß. Traum. Da es das Auto seiner Ex Frau war, wird auch diese mit einer Anzeige bedacht. Natürlich wird die Weiterfahrt untersagt.

Während wir den Beritt bestreifen, schreit Wagen drei nach Unterstützung. Widerstand im Hochhaus. Wir eilen mit Lalülala dort hin und treffen als erste ein. Rein ins Treppenhaus. Die Tür in der ersten Etage steht offen, Opa steht drin. Die klare Frage, ob unsere Kollegen da sind, wird verneint. Während wir uns die Etagen weiter hochkämpfen, trifft der zweite Wagen ein. Dem kann der Opa die Frage aber mit Ja beantworten...also können die zeitnah unterstützen. Als wir wieder runterkommen, frage ich Opa fassunglos, ob meine Frage zu schwer war. Sinnlos. Wir nehmen den Widerständler mit ins PG und begleiten die dort fällige Blutprobe.

Mittlerweile ist Schichtwechsel...und wir haben die - wenn wir es politisch korrekt ausdrücken wollen - mir nicht so sehr liegende Tour mit ihrer mir noch weniger liegenden Leitstelle. Das macht sich damit bemerkbar, dass der andere Lapper und wir die einzigen sind, die auf einmal alle Schreibeinsätze kriegen. Man merkt es auch daran, dass man ewig auf Abfragen warten muss...oder mal einer ans Telefon geht. Ich takte mich intern schon wieder hoch - aber dafür ist meine Spannfrau nun wieder gut: Alles wird gut, wir haben doch uns und scheiß auf die anderen.

Während wir auf die anderen scheißen, kriegen wir eine Ruhestörung. Ausgelagerter Stadtteil, hart an der Bereichsgrenze zur Nachbarbehörde. Die anderen sind natürlich nicht draußen, so sind wir froh, dass sich ein Zivilwagen anmeldet, um uns zu begleiten.

An der Tür eskaliert die Lage bereits. Alleine die Feststellung der Wohnungsinhaberpersonalien kann nicht durchgeführt werden. Da auch unklar ist, wer und wie viele in der Bude sind, rücken wir ein. Dass aus dem Wohnzimmer eine Horde von acht Mann - politisch korrekt ausgedrückt Menschen sehr weit östlich der Elbe stammend - auf Krawall gebürstet direkt auf uns losgeht, war nicht Teil des Plans. Funk funzt nicht...Handy gezückt und den Notruf gewählt. Da es die merkwürdige Leitstelle ist, dauert es seeehr lange, bis sich mal jemand meldet. Meine Durchsage "Ich bin der Wagen vier, ich brauche sofort Unterstützung, gerne auch aus der Nachbarbehörde, weil die näher dran ist!" wird irgendwie nicht ernst genommen. Vielleicht, weil ich mal gelernt habe, nicht hysterisch in den Hörer zu schreien. Vielleicht, weil meine Leitstelle weiß, dass es ernst ist, wenn ich nach Unterstützung rufe...und ich das der fremden Leitstelle nicht gesagt habe...dass ich das ernst meine...

Kollege macht den größten Fehler und setzt im engen Flur Pfeffer ein. Gedanklich höre ich mich noch in Zeitlupenstimme "Neeeeeeiiiiiiin!" schreien. Aber zu spät. Nicht nur, dass wir jetzt alle mehr oder weniger paralysiert sind - ich hatte das schon öfter und halte mich für handlungsfähig - bekommt die Spannfrau den Großteil in die Augen. Sie wird vom zweiten Zivilmann evakuiert...ich bleibe mit dem Sprüher drin. Zweiter Notruf und nun verliere auch ich die Grundgelassenheit. Daraufhin wird reagiert und alles fliegt. Überraschenderweise sind die Kollegen aus der Nachbarbehörde tatsächlich als erste da. Da die noch Landrecht haben, ist die Lage schnell wieder in unserer Hand.

Spannfrau sitzt im RTW und wird behandelt. Die Zivilen verzichten auf die Vorgangsfertigung. Also kann ich den nun umfangreichen Sachverhalt alleine zu Papier bringen. Die Arschlochtour (hups, jetzt habe ich es ja doch gesagt) versucht auch noch, die Einsperrungen, die sie dann mal schweren Herzens vorgenommen hat, auf mich abzuwälzen. Da deren Chef weiß, dass ich meine Waffe immer überlade und nicht der schlechteste Schütze bin, wägt er fix ab, ob er morgen lieber keine Tour mehr hat - oder sich kurzfristig bei seiner Truppe unbeliebt macht, weil er anordnet, dass die zumindest den Papierkram der Einsperrung selber fertigen müssen.

Nach zwei Überstunden bin ich fertig. Das passt, um meine Spannfrau aus der Augenklinik abzuholen und nach Haus zu bringen.

Am nächsten Tag bin ich Funker und verfasse ein Pamphlet, um eine Nachbereitung in Gang zu bringen. Mein Chef gibt mir das zwei Mal zurück, weil da angeblich zuviel unsachliche Schärfe drin ist.

Meine Leitstelle sichert den Notruf und ist sich sicher, dass da wenig missverständlich dran ist.

In der Nachbereitung wird dann festgestellt, dass es Potential nach oben gibt...andererseits hätte ich auch deutlicher machen können, dass das alles ganz, ganz schlimm ist.

Klar. Wenn ein ausgebildeter Schutzmann um Unterstützung ruft...das reicht ja nicht. Meiner Philosophie folgend reicht es auch, wenn ein unausgebildeter Schutzmann den buzzer drückt und um Hilfe ruft...aber was weiß ich schon? Ich bin ja auch zu basisorientiert.

PS: Dieser Sachverhalt ist lang genug her, um Prüfungen jeglicher Art standzuhalten. :polizei2:
:lah:

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon nachtbild » Mo 12. Aug 2013, 02:51

wenn der lang genug ist (ich stimme in dem punkt zu! *g*), dann sei die Absolution einer örtlichen Ausbilderin erteilt. pah, als wenns das bräuchte!!!

ich liebe diesen fred! :-))))))

ich hab den streifenbefehl von letztens, als ich als xx/21 stolze 14 einsätze im we-nachtdienst in unserer ach so beschaulichen wache gefahren bin (und wir hatten volle stärke bei insgesamt 3 fustkw inkl. dgl-wagen und 43 einsätzen die nacht), nun nicht zur Hand. die verfügung, wonach man als dgl sowas eigentlich nur im Ausnahmefall tun sollte, auch nicht.

aber ich weiß genau, das ist, warum ich Polizei und die KollegInnen liebe! niemand hat sich gedrückt. alle haben alles gegeben. und wir haben es geschafft! gegen 08:30 Uhr ca. war für den Nachtdienst, der eigentlich um 06:00 Uhr aufhört, Schluss. und wir hatten trotzdem Spaß bis über beide müden Ohrläppchen.

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon Borsti » Di 10. Sep 2013, 18:10

Freitag, 20 h - Nachtdienst auf einem Revier im schönsten Bundesland der Welt, nördlich von Hamburg

Zu Schichtbeginn zunächst mal das Auto startklar gemacht, Ausrüstung verlastet, Hund ins Auto gesetzt. Dann ein wenig Emails checken und in die Lage schauen. Da wir bis 22 h nur zu viert sind, nutze ich die Zeit und fahre alleine los ein paar dienstliche Besorgungen machen und eine ausgedehnte Gassirunde mit meinem Partner mit der kalten Schnauze.

22:20 h
Die Kollegen wollen gerade raus eine "warme Kontrolle" holen, da werden sie von einer Dame angesprochen, die darum bittet ins Frauenhaus gebracht zu werden. Nach ein, zwei Telefonaten beginnt die Gute davon zu erzählen, dass sie "vom organisierten Verbrechen" und "anderen Mächten" verfolgt wird. Nun denn - Vorstellung beim Amtsarzt.

23:30 h
Wir fahren raus, kontrollieren ein paar Fahrzeuge und Radfahrer. Alles in Ordnung.

23:51 h
Wildunfall - auf der Anfahrt meldet eine andere Besatzung, dass sie die "Überreste" bereits entsorgt haben. Also weiter gehts mit der Streife...

00:10 h
Die andere Streife soll eigentlich zu einer nächtlichen Ruhestörung fahren. Auf der Anfahrt mussten sie zwei alkoholisierte Jugendgruppen trennen, die auf bestem Wege waren, sich zu prügeln.

00:25 h
Bei der vermeintlich bevorstehenden Schlägerei wurde durch die Kollegen ein Fahrrad sichergestellt. Irgendwie konnte der Besitzer nicht sehr glaubhaft erzählen, wie er als männlicher Geschlechtsgenosse in den Besitz des hübschen, pinken Damenfahrrades gekommen ist. Da wir das größere Auto haben, dürfen wir es nun zur Wache transportieren.

00:35 h
Die benachbarte Landstreife bekommt einen Einsatz mit randalierenden Jugendlichen, die gerade eine Bushaltestelle entglast haben. Eine weitere Unterstützungsstreife bekommt den Auftrag dort ebenfalls hinzufahren. Diese entschließen sich aber zunächst doch noch schnell zu einer Kontrolle. Also fahren wir zügig zur Wache, werfen kurz das Fahrrad ab und fahren dann weiter ins Ländle... Nun wird der eigentlich entsandte Wagen doch wieder frei. Ist aber auch gut, denn wir bekommen gleich den nächsten Auftrag:

00:40 h
Ein Jugendlicher aus der Gruppe, die die andere Besatzung getrennt hat, hat die Worte der Kollegen scheinbar nicht verstanden: er wurde nur kurze Zeit später auf seinem Fahrrad fahrend angetroffen. Nun folgt die Mitnahme zur Wache, Blutentnahme etc. Parallel dazu haben sich die noch verbliebenen doch noch gefunden und sich gegenseitig vermöbelt. Kurze Fahndung, Personalienfeststellung und weiter gehts.

01:00 h
Kurze Verschnaufpause auf der Wache. Kollegen vom Nachbarrevier sind zu Besuch. Auch sie haben einen Herren der ein Gespräch mit dem Amtsarzt ausgegeben bekommt. Ist heute schon wieder Vollmond??

02:30 h
Ruhestörung - ein neuer Laden hat in der Innenstadt aufgemacht. Diesmal ist es aber nicht wie üblich die Musik, die zu laut ist, sondern die vor der Tür stehenden Gäste... Kurzes Gespräch, man ist bemüht hier eine brauchbare Lösung zu finden.

Dann war es doch mal kurzzeitig ganz angenehm ruhig. Ein paar Verkehrskontrollen, Verwarnungen ausgestellt, nichts ernstes dabei.

05:10 h
Wieder gehts in den Nachbarrevierbereich - diesmal sind es die Überreste einer alkoholgeschwängerten Party. Er will übern Zaun klettern, sie will das nicht, man diskutiert lautstark, sie zieht an ihm, Passanten sehen das, vermuten das Schlimmste und rufen die Polizei. Alle vier Anwesenden zusammen sprengen locker die 10 o/oo-Grenze. Bericht für die nur am Tage besetzte Nachbarwache und weiter...

05:30 h
Erneut geht es in die Innenstadt. Wieder soll es vor dem neu eröffneten Laden laut geworden sein. Vor Ort können wir keine lärmenden Menschen mehr sehen. Dafür machen zwei andere Partygänger auf sich aufmerksam und weisen uns den Weg die Straße runter, hier soll es gleich ziemlichen Ärger zwischen mehreren nicht-nüchternen Menschen geben. Also den Rest der Strecke so weit das möglich ist mit dem Auto, Rest zu Fuß. Zwischendurch schon mal kurz den Sachstand an die Leitstelle vermeldet, Ruhe ja - Ärger aber auch. Zumindest ein weiterer Wagen ist jetzt schon mal im Anmarsch. Nach einem kurzen Fussmarsch vorbei an den ganzen Verkehrspollern (oder sollte ich Strafvereitelungsbauten sagen?) sehen wir schon den Grund der Aufregung: zwei Betrunkene haben sich in den Haaren. Während wir uns bereits zu erkennen geben, kommt ein dritter dazu und schlägt und tritt munter auf die beiden nun am Boden liegenden ein. Auch die höchstmögliche Lautstärke meines Kollegen und mir scheint ihn nicht wesentlich zu beeindrucken. Also nächste Eskalationsstufe: Diensthund. Und siehe da - das zeigt doch eine wieder mal durchschlagende Wirkung, der Angreifer stellt seine Schläge und Tritte quasi augenblicklich ein. Nach dem der Hund abgelassen hat, ist der Täter nun auch für meine Worte sehr empfänglich - er legt sich sofort und ohne weitere Diskussion auf den Boden und kann von den kurze Zeit später eintreffenden Kollegen festgenommen werden.

06:40 h
Zurück auf der Dienststelle - Fahrzeug abrüsten, Papierkram zumindest schon mal grob in den Rechner hacken und schnell nach Hause.
Gruß,
Borsti

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon dete » So 22. Sep 2013, 17:57

Ich habs wohl überlesen:

Dienstbeginn: So., 18.30 h

Dienstende: Mo., 06.30 h

dete

PS.: Dazwischen tote Hose :ja:

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon ruckizucki » Di 8. Okt 2013, 10:58

Neulich waren wir bei einer Dame, die wegen Sachbeschädigung angezeigt wurde. Sie war sehr kooperativ, hüpfte aber rum und war außerordentlich freundlich. Ich fragte sie frei von der Leber weg, ob sie wohl Medikamente oder Drogen genommen hätte. Eigentlich wollte ich bloß, dass sie mir nicht mehr so sehr auf die Pelle rückt...

Dann sagte sie freudestrahlend, dass sie täglich kiffe und auch noch was da hätte. Sie griff in ihren Rucksack, holte ein kleines Tütchen raus und kommentierte das noch damit, dass sie es in der in der hintersten Tasche im Rucksack versteckt hätte, damit es nicht gleich gefunden wird, wenn sie mal kontrolliert wird.

Dann lud sie und noch auf ein paar frischgebackene Pizzabrötchen ein, was wir dankend ablehnten.

:polizei1:

Habs jetzt mal hier eingestellt, passt aber wahrscheinlich ebenso gut in die "Fun-Ecke".
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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Fr 20. Dez 2013, 01:27

Lapper Spätdienst. Sa auf So. 18.00 - 02.00 h.

Zu Beginn bereitet der Chef einen Einsatz vom Vortag nach. Als ziviles Team bei der Bedrohungslage Zugriff bei günstiger Gelegenheit. Alle wohlauf, alles gut. Chef bemängelt aber, dass man die günstige Gelegenheit nicht selbst herbei führen dürfe. Davon steht in der PDV nix. Wir schütteln die Kritik als Erlebnisneid ab und fahren wacker raus. Meine Spannfrau ist entspannt. Ich habe zwar zuvor nicht geprüft, ob sie Implantate hat, lasse sie aber dennoch fahren. :polizei7:

Zunächst erwartet uns eine häusliche Gewalt. Er vertrimmt sie. Wir fahren mit Blaulicht und Horn an und hasten das Treppenhaus hoch. In der Bude steht er autoaggressiv und schwer atmend mit geballten Fäusten vor uns. Warum er sich dazu entscheidet, meine Spannfrau anzugreifen...keine Ahnung. Gekonnt wird er zu Boden gebracht und fixiert. Der zweite Funkwagen übernimmt ihn und bringt ihn in die Zelle. Besser is.

Sie sitzt im Bad...und hat sich vorsichtshalber angeritzt. Nett. Einem Präventivaufenthalt in der Ballerburg stimmt sie netterweise zu. Der nachgeforderte RTW übernimmt gerne den Transport. So...dann fahren wir doch mal und...oh, verdammt. Drei Kinder, alle unter zehn. Hut ab. Papa im PG, Mama in der Klappse. Die Bereitschaft vom Jugendamt nimmt sich wie immer richtig Zeit und hat auch voll Bock...also bringen wir die drei Bönsel in die Notaufnahme. Der Kleinste wird irgendwie Chaos Fan und fixiert sich während der Fahrt voll auf mich. In der Notaufnahme werden die drei natürlich nicht in einem Zimmer untergebracht. Wäre ja auch Quatsch. Am Ende fühlen die sich noch behaglich oder kennen wen. Meinen Fan bringe ich selber ins Gitterbett. Der Greifreflex an meinen Zeigefinger ist süß. Kenne ich so auch von meiner Nichte. Allerdings kriegt die keinen Nervenzusammenbruch, wenn ich sie verlasse, weil ich weiter arbeiten muss. Mein Fan schon. Schwierig.

(Auch, wenn dieser Einsatz nun schon sieben Jahre her ist, läuft ein Schauer über meinen Rücken, wenn ich mir den Schrei zurück in meine Erinnerung rufe.)

Da ich 2006 aber noch oberflächlich und cool war, geht die wackere Reise weiter und wir kriegen den flüchtigen Ladendieb. Gerne spielen wir da mit...Der Dieb spurtet uns vor die Karre und während die Spannfrau bremst, springe ich raus und renne hinterher. Den ca. 2 m hohen Zaun vom Sportplatz zu überwinden, halte ich für ambitioniert, der Dieb versucht es dennoch. Leider hat er vor Tatbegehung vergessen, seinen Ring abzunehmen. Der Täter fällt runter...das Fleisch des Fingers verbleibt sauber geschält an der Zaunkrone. Zum Glück registriere ich das zwar, begreife es aber nicht. Ette wird wieder zurück geführt (war nicht einfach über den Zaun) und auf der Motorhaube mit abgespreizten Armen durchsucht. Hierbei begreife ich es dann, weil ein skelettierter Finger an einer ansonsten normalen Hand auch schwer zu übersehen ist - und sowas ist leider gar nichts für mich. Naja. Man funktioniert halt - auch, wenn alles Blut aus dem Gesicht laut Augenzeugen entweicht. Spannfrau versucht, den abgeschälten Teil zu bergen, der RTW kommt mit Coolpack...irgendwie konnte der Finger gerettet werden. Megawürg! :buhu:

Mittlerweile Schichtwechsel und die merkwürdige Tour mit der noch merkwürdigeren Leitstelle übernimmt. Deren Funkwagen gibt nahe der BAB Auffahrt Anhaltesignale...der BMW 3er compact hält aber dennoch nicht an. Mehre Funkwagen biedern sich an...und die Leitstelle wird kribbelig. Als der BMW weiterhin nicht anhält, drückt der DGL (Babo) der Leitstelle den hot buzzer...und wir sind in der BAO Verfolgungsfahrt.

Auf der BAB schnüren sich die Funkwagen ähnlich wie im Film "blues brothers" wie auf einer Perlenkette aneinander auf....und auf der Fahrt Richtung einer Millionenmetropole reihen sich immer mehr Funkwagen, die bis zum passieren die Abfahrten sperrten, dahinter ein...natürlich außerhalb der Sichtweite des BMW, der bis dahin denkt, dass er nur von einem Funkwagen verfolgt wird.

Dennoch begeht er einen verhängnisvollen Fahrfehler...und überschlägt sich. Bei der späteren Videoauswertung der Funkwagenkamera stellt sich heraus, dass ich über einen höchst grazilen Sprintstil verfüge - und der Fahrer eine Fahrerin war. Liebeskummer und Medikamente...super. Per RTW ab in die nächste Ballerburg. Da ich nicht so wirklich orientiert bin, in welchem Beritt ich mich befinde, weiß ich zwar nicht, welche das ist - dankbar bin ich aber für die Autobahnpolizei, die den Quatsch aufnehmen will. Oder muss. Wie auch immer. Jedenfalls macht sie es.

Über einen Zwischenstopp bei einem nicht näher bezeichneten Fastfood Restaurant fahren wir zurück. Nun schreiben wir erstmal den ganzen Quatsch, den wir bislang hatten.

Als wir gegen Mitternacht wieder rausrollen, sind wir extrem hoch gespielt und erwarten, dass es so weiter geht. Weit gefehlt. Ab da war dann der Alltag eingekehrt und außer ein paar Verkehrskontrollen passiert nix mehr.

Als wir zwecks Feierabend die Wache anrollen, meldet sich die Leitstelle und freut sich darauf, morgen mit uns die BAO nachzubereiten. Super. Beginnen wir doch jeden Tag mit einer Einsatznachbereitung. :gaga:
:lah:

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Re: Der tägliche Dienst

Beitragvon beni » Fr 20. Dez 2013, 08:02

Bereitschaftsdienst Sommer 2013
- zur Erklärung: in diesem Dienst werden alle anfallenden Festnahmen etc. Von K übernommen und abgearbeitet-

Die letzten Bereitschaftsdienste waren Horror
Täglich waren mindestens drei Festnahmen,teilweise mit Vorführungen beim Haftrichter.
Da man nie weiß, ob man vielleicht doch mal in den Verdruss kommt,hinter jemanden herzurennen, fällt die Wahl des Schuhwerks flach aus. Da beni ein Sitzriese ist ;D kennen mich eigentlich zur normalen Bürozeit alle nur mit Stiefeletten nebst Absatz.
Wackeren Schrittes betrete ich um 6:30 Uhr die Dienststelle und muss feststellen,dass wohl wieder jemand im Pott sitzt -verdammter Mist,nimmt das diesen Monat kein Ende?!-
Ich suche meinen Bereitschaftsspannmann,der sich bereits in den Vorgang einliest

zwei junge Männer ( einer aus sehr gut situiertem Hause ) wurden beim ED auf frischer Tat gefasst.
Erste Vernehmungen wurden nachts bereits getätigt,aber der reiche Bub habe die restliche Nacht im Pott geweint und wolle noch was aussagen.

Da ich die jüngeren Beine vom Gespann habe wackel ich wieder zwei Etagen runter, schnapp mir einen netten Kollegen von der Wache und schließe die Zelle auf.
Bub sitz in Unterhose, eingewickelt in einer Decke auf seiner Liege und schaut mich an.
Gut erzogen stell ich mich vor und erkläre ihm,dass ich heute seine Haftsachen bearbeite. Bei dem Wort " Haftsachen" fällt dem Bub schon alles aus dem Gesicht.
Ich frag ihn also frohen Mutes,was er denn noch erzählen möchte.
Bub erklärt mir, er müsse mit jemandem von der Kripo reden.

Hey das trifft sich gut,bin ich ja und frag ihn,was er denn erzählen wolle.
da sein Kumpel nebenan in der Zelle hockt,flüstert der Bub,er müsse mit jemanden von der Kripo reden.
Der Kollege der Wache grinst schon bis zum Anschlag und bekommt einen unkontrollierten Hustenanfall,als ich dem Bub sage,dass ich nicht die Putzfrau sei,sondern wie schon erwähnt,seine Bearbeiterin von K der Haftsache.

Bums das saß und Bub entschuldigt sich rot werdend tausendmal.
Da er nicht laut reden will,winkt er mich zu sich heran. :polizei4:
Ich erklär ihm,dass ich die Zelle nicht betrete,worauf er unvermittelt die Arme auf den Rücken schmeißt und mir versichert,dass er mich nicht angreifen will.
Der Ärmste ahnt nicht,dass ihm so eine Aktion auch nicht gut bekommen würde.
Das ganze Geplänkel läuft auf eine Nachvernehmung heraus und ich versichere ihm, ich sei gleich wieder da und würde ihn in mein Büro holen.
Zwischenzeitlich überlege ich,ob ich anstatt Tastatur einen Vileda Wischmopp auf meinen Schreibtisch legen soll,damit ich auch mal was zu lachen habe.

So bevor ich seine Kleidung zusammensuche, erstmal ein Lungenerfrischungsstäbchen vor der Tür inhalieren.
Ein Kollege von mir steht auch schon draußen und fragt interessiert was wir haben.
Einträchtig stehen wir zusammen und qualmen vor uns hin,als besagter Kollege auf einmal auf mich runterschaut und fragt,ob ich geschrumpft sei
:motz: ( wollen mich heute alle ärgern?!)
Lachend nimmt er mich in den Arm und erklärt mir,ihm sei noch nie aufgefallen wie klein ich sei......ja ne ist klar,wir arbeiten ja erst seit 2 Jahren zusammen!
Ich baue mich zur vollen Größe von 1,62 auf und erläutere ihm mein Schuhwerk,welches mich zur tatsächlichen Größe schrumpfen ließ.
Besagter Kollege bekommt einen unkontrollierten Hustenanfall
-ah ich bin also heute zur Erheiterung Aller da.....gut zu wissen-

Bub wird aus dem Pott geholt und für mehr als harmlos befunden. Bei einem laut gebrüllten "Buh" fängt der bestimmt an zu heulen,also lass ich das.
Die Vernehmung zeigt,dass der Bub ein verwöhnter reicher Schnösel ist,der versucht mit Geld Freundschaften und eine Beziehung zu bekommen.

Ich kann mir nicht verkneifen ihm zu sagen,dass ich ihm jetzt mal einen Rat fürs weiter Leben mitgebe, immerhin dürfte ich das,da Bub vom Alter her locker mein Sohn sein könnte. Bub sitz mit offenem Mund vor mir und kann das nicht glauben....puh die Faltenrestaurierung heute morgen um 5 Uhr scheint also funktioniert zu haben. :tot:

Nachdem wir fertig sind,hat mein Kollege schon abgeklärt,dass wir beim Bub daheim durchsuchen und ihn dann zu entlassen haben ( Ersttäter,Lebenssituation und so)
Bub bekommt jetzt einen richtigen Herzriss,weil er weiß,dass Mama zu Hause ist und er dann Farbe bekennen muss. Einziger Hoffnungsschimmer für ihn ist,dass Papa geschäftlich noch weg ist.
Tja falsch gedacht ;D
Unten auf der Wache bekommt Bub seine Sachen von mir ausgehändigt und es wird ihm erklär, dass sein sichergestelltes Fahrzeug an ihn wieder übergeben wird,wenn wir auch da reingeschaut haben.
Bub fragt dann allen Ernstes,ob auch die " richtige Polizei" mit zu ihm nach Hause kommt.
Als er mein Gesicht sieht,beginnt wieder hoffnungsloses Gestammel

Auf der Fahrt zu seinem elterlichen Haus nehm ich ihm auf Nachfrage die Hoffnung demnächst einen Jagdschein machen zu können......ohhhhhh also weiterhin nur der Waldhiwi für Papa

An dem großen Tor zum Anwesen des Hauses erwartet den Bub schon Mama und (Tara Überraschung) der Papa
Beide schon im gesetzteren Alter und vollkommen aufgeregt ( vor allem Mama)
Flugs erklärt, warum und wieso und weshalb wir da sind.
Ich bleib bei den Eltern und erklär weiter und erwehre mich der Liebesbekundungen von zwei Ratten,die angeblich Hunde sein sollen.
Meine Hose ( die nach meinen Fußhupen riecht) dient derweil als Schnupperlitfasssäule
Wir fahren nach der Aktion mit Bub zum Sicherstellungsgelände, wo sein Auto steht

ja ne is klar.....dort erwartet uns ein neuer Mini Roadster mit allem drum und dran und ich gewinne an diesem Tag die Erkenntnis, dass ich mit der Wahl meiner Eltern wohl irgendwas falsch gemacht habe...für mich gab es einen Ford Fiesta den ich selber zahlen durfte :polizei10:

Mittlerweile ist es 13:30 Uhr und ich sitz auf heißen Kohlen,da ich langsam Richtung Heimat abrücken müsste.
Also Bub rausgekickt,schönen Tag gewünscht und zurück zur Dienststelle.
Dort wird auf die Schnelle der entsprechende Bericht in Windeseile getippt und ab Richtung Heimat

Was soll ich euch sagen....die Serie von Festnahmen riss nicht ab und da ich mir blöderweise zwei Dienste hintereinander reingelegt hatte,war ich am nächsten morgen wieder auf der Showbühne und meine Vorgänge habe ich nachts bearbeitet

Juche!
Schenke ein Lächeln und es kommt zu dir zurück

Gruß
beni aus NRW


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