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Beitragvon Terence » Mo 20. Feb 2006, 08:54

Seit geraumer zeit gibt es bei uns in Hessen einen Erlass zu AMOK-Lagen. In diesem Steht auch drin, dass Polizisten eine besondere Gefahrenhinnahmeverpflichtung haben und auch bereit sein müssen, ein kalkulierbares Risiko für ihr eigen Leib und Leben eingehen müssen um anderes Menschenleben zu schützen.

Bei uns wurden auch deshalb jetzt Seminare durchgeführt. Diese gehen 3 Tage und man lernt wirklich viel dazu.

Natürlich bleiben wir im Gegensatz zum SEK nur Amateure auf diesem Sektor, aber wie Schutzleute sind halt mal wieder das einzige was da ist.

In der Polizei und vor allem in den entsprechenden Lehrgängen wurde immer wieder darüber diskutiert in wie weit ein Beamter sich überhaupt in Gefahr begeben muss und viele haben in diesem Zusammenhang gesagt, dass sie niemals in so eine Schule wie Erfurt gehen würden, andere haben es wiederum von der Ausrüstung abgemacht.


Wie denkt ihr darüber?

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Beitragvon milka-gelöscht » Mo 20. Feb 2006, 09:25

wie soll man sowas theoretisch beamtworten?

wenn man in eine solche situation gekommen ist, weiß man wie man reagiert...
"Wir leben alle unter demselben Himmel, aber wir haben nicht alle denselben Horizont."

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Beitragvon Terence » Mo 20. Feb 2006, 09:30

na das is ja sowieso klar. wenn einen der schiss überwältigt und man sowieso handlungsunfähig wird is das eh klar ( was jedem blühen kann, wie du schon gesagt hat, keiner hats je erlebt) . aber mir geht es jetzt mehr zur grundeinstellung gegenüber diesem thema.

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Beitragvon milka-gelöscht » Mo 20. Feb 2006, 10:04

grds sind polizten die, die diese situation bewältigen... sonst wären es ja keine polizisten..
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Beitragvon NashBridges » Mo 20. Feb 2006, 11:59

Das mit der Grundeinstellung jedes Kollegen / Kollegin ist natürlich eine ganz schön heikle Frage. Der / Die eine oder andere kann ein Einschreiten in solch einer Situation mit sich selbst aus den unterschiedlichsten Gründen vielleicht gut oder schlecht heissen! Die Grundeinstellung zum Beruf sollte aber auch miteinbeziehen, dass ich mich auch mal in gefährliche Situationen begeben muss. Dies kann von der "alltäglichen Gefahr" bei Kontrollen bis hin zur erhöhten Gefahr bei Sonderlagen der Fall sein. Aber das sollte jedem von vorne herein bewusst werden, dass ich im Beruf des Polizeibeamten / der Polizeibeamtin mit mehr oder weniger gefährlichen Situationen im täglichen Dienst konfrontiert werden kann.

Man sollte sich aber dessen bewußt sein / werden, dass gerade nach dem Vorfall in Erfurt seitens der Bürger und der Führung der Polizei ein ganz anderes Licht auf die vor Ort anwesenden Einsatzkräfte geworfen wird. Der Bürger verlangt nun mal die sog. "Eierlegendewollmilchsau" im Hinblick auf den Polizisten. Hier darf / soll es kein Warten auf eventuell besser ausgebildetet Einsatzkräfte geben, sondern die Lage soll so schnell wie möglich "bereinigt" werden, ohne dass noch mehr unschuldige Personen zu schaden kommen. Wie das die Polizei im Endeffekt regelt, ist dem Bürger egal, hauptsache schnell!!!

Eines ist aber auf jeden Fall sicher (was dir auch sicherlich auf dem LG so vermittelt wurde): Jede(r) Beamte / Beamtin ist zum Einschreiten verpflichtet! "Eine erhöhte, aber kalkulierbare Gefahr für die eigene Unversehrtheit muss jedoch in Kauf genommen werden." ("Berufsrisiko")
Es muss also jedem klar werden, in solch einer Situation auch zum Handlen verpflichtet zu sein.
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Beitragvon DonCorleone » Mo 20. Feb 2006, 12:07

Grundsätzlich kann man natürich nie wissen, wie man am Ende regiert. Aber man kann sich mit der Situation befassen und sich zumindest über seine Einstellung dazu klar werden.

Ich persönlich bin der Meinung, dass wir als Polizisten tatsächlich auch mal Risiken eingehen müssen, die uns evtl in Lebensgefahr bringen. Unsere oberste Aufgabe ist halt, die Bevölkerung zu schützen und dass heißt, dass in Fällen wie Erfurt sofort zu handeln ist.

Ich kenne auch einige Kollegen die schon theoretisch ausschließen, dass sie hier handeln würden. Ich kann die Gründe dafür zwar nachvollziehen aber nicht verstehen. Diese Kollegen sollten imho mal über ihr Berufsverständnis nachdenken.
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Beitragvon Terence » Mo 20. Feb 2006, 12:07

Jep die Gesetzeslage ist sowieso klar.

Ich glaub auch mal dass viele beamte garnicht so recht wissen auf was sie sich einalssen, wenn sie zur polizei gehen. das sieht man ja auch oft hier in den foren bei den berufsanfängern. da stehen ganz andere sachen im vordergrund.

und viele beamte denken auch sehr egositisch.

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Beitragvon NashBridges » Mo 20. Feb 2006, 12:13

Finde es auf jeden Fall interessant, dass sich gerade über den Bereich "AMOK" so viele Gedanken gemacht werden. Viele Kolleginnen und Kollegen treten hier mit, von vorne herein, sehr ablehnender Haltung gegenüber auf.
Sich aber mal Gedanken darüber zu machen, wie hoch eigentlich die Wahrscheinlichkeit ist, bei einer Amoklage eingesetzt zu sein und handeln zu müssen, wird hier völlig ausser acht gelassen.

Die Gefahren die der tägliche Dienst, wie bereits oben schon angesprochen, mit sich bringt, wird eher billigend in Kauf genommen und gehört halt eben dazu :?: :!: :?:
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Beitragvon Terence » Mo 20. Feb 2006, 12:23

jep das is auch wahr. kommt eigentlich nie vor. allerdings nach offizieller definition is fast alles eine amok-lage.

"eine Amoklage im polizeitaktischen sinne leigt vor, wenn ein täter mittels Waffen, Sprengmitteln, gefährlichen werkzeugen oder außergewöhnlicher körperlicher gewalt, scheinbar wahllos oder gezielt eine in der regel zunächst nicht bestimmbare anzahl von personen verletzt oder getötet hat bzw dies beabsichtigt und auf weitere personen einwirken kann."

und bei so nem erfurt-massaker hat man noch den vorteil, dass man weiß, dass es knallen wird. nicht so wie im täglichen dienst auf der straße, wo man oft garnix vorher weiß.


gibt natürlich auch kollegen im einzedienst, die gerne so schnell fahren, dass sie nie die ersten am einsatzort sind.

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Beitragvon Challenger » Mo 20. Feb 2006, 15:38

[quote=""Terence""]gibt natürlich auch kollegen im einzedienst, die gerne so schnell fahren, dass sie nie die ersten am einsatzort sind.[/quote]
Leider, leider... :help: Aber das ist eine Grundeinstellung von meist älteren Kollegen, die sowieso schon mit allem ("Juhu, bald gehe ich in Pension...") abgeschlossen haben. :(
Challenger


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Beitragvon Terence » Mo 20. Feb 2006, 15:45

und angsthasen jüngeren alters...

das sind auch die die bei so manchen situationen gerne im hintergrund bleiben oder den funkkontakt zur station aus dem auto heraus halten. :lol:

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Beitragvon Challenger » Mo 20. Feb 2006, 15:48

Hey, nichts gegen Kolleginnen! :lol:

:wink: :wink: :wink:
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Beitragvon Terence » Mo 20. Feb 2006, 15:51

Ich bleib immer geschlechtsneutr :male: :female: al

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Ich denke schon, dass ein Polizist einschreiten muß...

Beitragvon Deftorius » Mo 20. Feb 2006, 18:12

In der BPOL gibt es noch keinen Amok-Erlass. Der eine oder andere Vorgesetzte hat sich mit dem Thema zwar schon auseinandergesetzt, aber richtig angehen will die BPOL das Thema scheinbar nicht :cry:

Man bekommt dann zu hören, na ja, behandelt das Thema doch mal beim EBF. Wie gesonderte Ausrüstung? Braucht man die dafür überhaupt? Ihr in Hessen seid glaube ich ganz weit vorne mit dem Thema Amok :)

Fakt ist, dass der normale Streifendienst die ersten sind, die am Einsatzort ankommen und auch die ersten sein müssen, die Handeln :!: Und wir haben die Pflicht einem laufenden Tötungsprozess ein Ende zu bereiten, sonst Unterlassen wir die notwendige Hilfe, den Betroffenen zu helfen und die Gefahr abzuwenden (Volksläufig auch als "Unterlassene Hilfeleistung" bekannt).

Wer sich dessen nicht bewußt ist, sollte ernsthaft über sein Berufsbild nachdenken. Der Dienstherr gibt nicht umsonst eine Menge Geld für seine Beamten, deren Waffen und deren Schießausbildung aus.

Wer als Waffenträger Dienst auf der Strasse schiebt, muß sich irgendwann doch mal mit der Frage beschäftigt haben: Bin ich in der Lage einem anderen das Leben zu nehmen, sollte es dazu kommen? Kommt man für sich zu dem Entschluss, dies nicht zu können, sollte man den Beruf wechseln. Sagt man ja, ich kann dies, heißt dass zwar noch nicht, dass man es letztlich auch tun wird, aber man hat sich psychisch darauf eingestellt und zögert womöglich nicht wenn es darauf ankommt :/

Diese Diskussion habe ich im Dienstunterricht auch schon oft mit Kollegen gehabt, die meinten, in einer Situation wie in Erfurt, nicht hineinzugehen. Viele wurden jedoch nachdenklich bei der Frage, was macht ihr, wenn Eure Kinder betroffen sind, wenn sie diejenigen sind, die sich in der Schule aufhalten? Und noch betroffener wurden sie, als ich Teile aus "Bowling for Columbine" ablaufen lies. Manch einer änderte seine Meinung.

Und Angst, hätte ich in dieser Situation auf jeden Fall auch :pale:

Und ich bete, niemals in solch eine Situation zu kommen :nein:

Deftorius :polizei7:
Bemessen werden wir nach unseren Taten, nicht nach unseren Worten, denn geredet wird immer viel und gehandelt wird noch weniger!

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Beitragvon Terence » Mo 20. Feb 2006, 18:18

getan wird schon was. dieses jahr werden im bereich des PP Südhessen auch noch titanhelme und sprechgarnituren besorgt. zusätzlich taschenlampen für an die mp. schwere westen sind natürlich schon vorhanden und doppelmagazine sind auch schon ausgegeben (für die mp)


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