Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

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alicewonderland
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Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon alicewonderland » Mo 4. Jul 2016, 00:40

Hallo liebes Forum,

ich habe mich hier angemeldet, da ich für einen Kollegen /einer Kollegin aus einer unserer Landespolizeien Informationen einholen möchte. Dies ist selbstredend mit dem Kollegen (ich bleibe jetzt einfach bei der männlichen Form, da einfacher zu schreiben im weiteren Text), abgesprochen. Der Kollege selbst möchte sich nicht hier anmelden sondern das ganze über eine andere Person laufen lassen.

Folgende Problematik:

Der Kollege hat sein Studium an der Akademie abgeschlossen und ist nun im gehobenen Dienst im ESD und auch in der Einzeldiensthundertschaft. Der Kollege ist plötzlich ganz überraschend an Diabetes erkrankt. Es ist der Diabetes Typ 1. Er muss also mindestens 3 x mal am Tag Insulin spritzen. Jegliche Form des Diabetes ist ein Ausschlussgrund für die Bewerbung bei der Polizei was die Einstellung angeht.

Der Personalrat den der Kollege sofort informiert hat konnte herausfinden, dass der Kollege nun neu untersucht werden muss seitens des medizinischen Dienstes. Es gibt 4 Optionen:

1. Der Kollege wird diensttauglich geschrieben (darf ganz normal ESD versehen, auch Nachtdienste)
2. Der Kollege wird diensttauglich mit Einschränkungen geschrieben ( keine Nachtdienste mehr, Innendienst, kein direkter Dienst an der Waffe ...)
3. Der Kollege wird nicht polizeidiensttauglich geschrieben.

Für Variante 3 wird dann meist versucht ein Weg in die Verbeamtung über die Verwaltung zu eröffnen. 4. Sollte der Behördenleiter das alles nicht wollen und den Kollegen ganz "rauswerfen" bleibt dem Kollegen der Klageweg. Der Personalrat soll dem Kollegen aber Mut gemacht haben. Eine Klage "minimum" in die Verwaltung soll bis jetzt wohl immer funktioniert haben. Zudem sei er ja in der Gewerkschaft und die würde ihn auch noch unterstützen auf diesem Weg.

Gemeinsam hat der Kollege mit dem Personalrat im Rahmen der vertrauensvollen Zusammenarbeit den Leiter ESD informiert. Dort wird es demnächst ein Gespräch geben inwieweit nun jetzt weiter verfahren wird. Der Kollege ist krank geschrieben und muss nun vorerst auf Insulin eingestellt werden. Dies kann eine Zeit lang dauern bis die Werte wieder im Normalbereich sind.

Aktuelle Verfügungslage ist, dass grds. nicht mehr nach 3 Jahren nach Ablauf der Probezeit untersucht wird. Es sei denn, dass eine herausragende Erkrankung eingetreten ist. Hier ist dies leider der Fall.

In seinem Bundesland gibt es wohl keinen "Präzedenzfall". Eine Recherche im Internet auf ähnliche Fälle verlief negativ. Deswegen die dringende Frage an das gesamte Forum:

1. Gibt es Kollegen die mit Diabetes im Dienst sind?

2. Gibt es vielleicht Kollegen aus anderen Bundesländern die genau das gleiche Problem hatten wie er?

3. Gibt es hier jemanden der nützliche Informationen für ihn hat.

-> Falls ja bitte dringend melden. Ich würde dann den Kontakt mit der Person vermitteln.


Des weiteren hat der Kollege Fragen zu der generellen Einstufung:

Code: Alles auswählen

polizeidiensttauglich, eingeschränkt tauglich und nicht tauglich.

-> Die Frage hierzu: Wie lauten die Definitionen zu diesen 3 Stufen. Was muss erfüllt sein damit der Kollege tauglich, eingeschränkt tauglich oder nicht tauglich ist. 

Ich danke euch schon mal im Voraus für eure Bemühungen und ich hoffe ihr wünscht ihm nur das Beste  :zustimm: 
Als letzte Frage: Wie seht ihr die Chancen auf einen Verbleib bei der Polizei? Dadurch, dass der Kollege erst in der Probezeit ist und eine gewisse Summe Geld vom Land in ihn investiert worden ist hat doch eigentlich keiner was davon wenn er wegen Diabetes rausgekantet wird.

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon rekruter » Di 5. Jul 2016, 11:01

Na wenn das nicht sowas von eindeutig Niedersachsen ist... :polizei1:

Ohne auf Deine Thematik (das mit "der Kollege möchte sich nicht selbst anmelden" ist echt albern) allzu konkret eingehen zu wollen kann ich Dir als Personaler versprechen, dass man mit einer gesundheitlichen Einschränkung nicht über den Tisch gezogen wird. In solchen Fällen steht die Fürsorge absolut im Vordergrund, d.h. das Wohl des Betroffenen. Natürlich werden auch allgemeine dienstliche Belange berücksichtigt, vor allem wird man zur Gefahrenminimierung das Tragen von Schusswaffen ausschließen, dazu zumindest vorübergehend das Führen von Dienst-Kfz.

Dass am Ende allen Interessen angemessen Rechnung getragen wird überwacht der zuständige Personalrat im Zweifelsfall. Nach meiner Erfahrung darf man den Vorgesetzten und der handelnden Personalstelle aber durchaus vertrauen.

Zu den zu erwartenden beamtenrechtlichen Konsequenzen:

Während der Probezeit ist das Angebot eines Laufbahnwechsels sicher nicht der Regelfall, mag aber im Einzelfall schon vorgekommen sein. Eine Weiterbeschäftigung im Vollzugsdienst trotz der (unzweifelhaft vorliegenden) Dienstunfähigkeit kommt nach geltender Rechtslage eigentlich nicht in Betracht. So bitter das ist: Mit hoher Wahrscheinlichkeit läuft diese Geschichte auf eine Entlassung hinaus. Ich würde mich aber sehr freuen wenn man da einen anderen Weg findet.

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon miskotty » Di 5. Jul 2016, 20:39

Schade, dass man scheinbar beim Umgang mit dieser Krankheit 30 Jahre hinter den heutigen Behandlungsmöglichkeiten rumverwaltet.
Es gibt bei den Möglichkeiten die man heute hat an sich keinen Grund den Mann auszusortieren.

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon rekruter » Di 5. Jul 2016, 21:37

Sagst Du als Facharzt?

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Di 5. Jul 2016, 21:57

Und wer trägt die Kosten?
:lah:

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon Manni31 » Di 5. Jul 2016, 23:07

Ich hab dir eine Nachricht geschickt alicewonderland

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon coco_loco » Di 5. Jul 2016, 23:10

@miskotty: Mir fallen einige Szenarien ein, die deiner These widersprechen. Wenn ich allein schon an die BePo denke und die dortige Verpflegung... wenn man spezielle Diäten halten muss, geht das nicht. Auch kann man nicht im Dienst einfach mal ne Spritze setzen.
"Every fairy tale needs a good old-fashioned villain" - Moriarty.

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon springer » Di 5. Jul 2016, 23:37

Insbesondere nicht, wenn so ein Einsatz für mehrere Tage in ein anderes Bundesland führt und der Einsatz an sich dann 15 oder 17 Stunden (oder länger) am Stück läuft.

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon miskotty » Mi 6. Jul 2016, 13:04

coco_loco hat geschrieben:@miskotty: Mir fallen einige Szenarien ein, die deiner These widersprechen. Wenn ich allein schon an die BePo denke und die dortige Verpflegung... wenn man spezielle Diäten halten muss, geht das nicht. Auch kann man nicht im Dienst einfach mal ne Spritze setzen.
Das meine ich mit wissen vor 20 Jahren. Es muss keiner mehr spezielle Diät halten. Brauchst nicht mal mit spritzen hantieren, es gibt Pumpeneimstellung, kontinuierliche Messsysteme, Messsysteme die mit der Pumpe kommunizieren.
In anderen Ländern funktioniert das auch.
Und natürlich gibt es Fälle wo es nicht für den Dienst reicht. Mich stört nur die Verallgemeinerung

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon miskotty » Mi 6. Jul 2016, 13:13

http://m.badische-zeitung.de/#

Die wenigsten hätten auch gedacht dass ein beinamputierter Dienst machen kann...
Scheinbar geht's manchmal schon. Mit der richtigen Technik und entsprechenden Willen aller beteiligten Personen

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 6. Jul 2016, 13:18

Erschließt sich aus dem link nicht.

Und es wird nicht bestritten, dass man Dienst versehen kann, sondern ob man PDT ist und der Dienstherr bei Probezeitbeamten zwingend Alternativen suchen wird.
:lah:

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon coco_loco » Mi 6. Jul 2016, 13:28

miskotty hat geschrieben:
coco_loco hat geschrieben:@miskotty: Mir fallen einige Szenarien ein, die deiner These widersprechen. Wenn ich allein schon an die BePo denke und die dortige Verpflegung... wenn man spezielle Diäten halten muss, geht das nicht. Auch kann man nicht im Dienst einfach mal ne Spritze setzen.
Das meine ich mit wissen vor 20 Jahren. Es muss keiner mehr spezielle Diät halten. Brauchst nicht mal mit spritzen hantieren, es gibt Pumpeneimstellung, kontinuierliche Messsysteme, Messsysteme die mit der Pumpe kommunizieren.
In anderen Ländern funktioniert das auch.
Und natürlich gibt es Fälle wo es nicht für den Dienst reicht. Mich stört nur die Verallgemeinerung
Du machst es dir aber auch einfach. Wie sitzt die Pumpe denn? Wie verhält es sich mit Koppel und KSA? Wo soll da noch eine Pumpe hin?
"Every fairy tale needs a good old-fashioned villain" - Moriarty.

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon miskotty » Mi 6. Jul 2016, 14:01

coco_loco hat geschrieben:
miskotty hat geschrieben:
coco_loco hat geschrieben:@miskotty: Mir fallen einige Szenarien ein, die deiner These widersprechen. Wenn ich allein schon an die BePo denke und die dortige Verpflegung... wenn man spezielle Diäten halten muss, geht das nicht. Auch kann man nicht im Dienst einfach mal ne Spritze setzen.
Das meine ich mit wissen vor 20 Jahren. Es muss keiner mehr spezielle Diät halten. Brauchst nicht mal mit spritzen hantieren, es gibt Pumpeneimstellung, kontinuierliche Messsysteme, Messsysteme die mit der Pumpe kommunizieren.
In anderen Ländern funktioniert das auch.
Und natürlich gibt es Fälle wo es nicht für den Dienst reicht. Mich stört nur die Verallgemeinerung
Du machst es dir aber auch einfach. Wie sitzt die Pumpe denn? Wie verhält es sich mit Koppel und KSA? Wo soll da noch eine Pumpe hin?
die Pumpen sind kleiner als ne Schachtel Kippen. Mit etwas Kreativität müsste das machbar sein

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon miskotty » Mi 6. Jul 2016, 14:05

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:Erschließt sich aus dem link nicht.

Und es wird nicht bestritten, dass man Dienst versehen kann, sondern ob man PDT ist und der Dienstherr bei Probezeitbeamten zwingend Alternativen suchen wird.
Es gab nen recht ausführlichen Artikel in unserem lokalteil. Der Beamte macht ganz normal Dienst, auch sonderdienste,Demos etc.
Und natürlich muss der Dienstherr gar nichts.aber es ist halt nicht so dass es nicht möglich wäre

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Re: Mit Diabetes im Dienst / in der Probezeit erkrankt

Beitragvon Brot » Mi 6. Jul 2016, 14:59

miskotty hat geschrieben:Es gab nen recht ausführlichen Artikel in unserem lokalteil. Der Beamte macht ganz normal Dienst, auch sonderdienste,Demos etc.
Vermutlich geht es um ihn:
Alexander Butz ist Polizist - obwohl sein Unterschenkel amputiert ist

Aber da steht auch:
Letztlich einigten sie sich darauf: Butz solle ein Jahr Dienst auf Probe auf seiner alten Stelle beim Zugriffstrupp machen. Nach einem Jahr erklärte ihn der zuständige Polizeiarzt für "uneingeschränkt polizeidienstfähig". Der Leitende Polizeiarzt des Landes, Werner Wurster, sieht die positive Beurteilung kritisch."Das ist ein Einzelfall", sagt er. Schließlich seien die Vorschriften auch zum Schutz der Bediensteten da.
Zudem gehe ich davon aus, dass der Kollege bereits BaL war. Als Beamter auf Widerruf oder Probe wäre er bestimmt nicht übernommen worden.


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