"Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

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"Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon Challenger » Di 1. Nov 2016, 22:58

Aus dem Thread: Betreff: Clips mit Polizeibezogenen Inhalten
Kensei hat geschrieben:Weiß nicht obs den schonmal gab? "Die Reportage - Polizei im Dauerstress":

https://www.youtube.com/watch?v=cKtsFyOthko

Etwas seltsam mutet der militärisch Gruß des Oberrates am Anfang an :polizei4:
Warum soll das "seltsam" sein? Und wieso so ein abwertender Smilie dazu?

Kann ich nicht nachvollziehen. :nein:

Weil es nicht mehr so verbreitet ist?
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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon zulu » Mi 2. Nov 2016, 00:07

Jede Form von Einheitsgedanken, militärischer Disziplin oder Anstand ist heutzutage altbacken und unnötig. Die Polizei soll ein Haufen von egozentrischen Freigeistern sein, die machen was sie wollen, kommen wann sie wollen, gehen wann sie wollen und grüßen wen und wann sie wollen. :zeitung:

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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon zoellner » Mi 2. Nov 2016, 00:09

Kann den Diskussionsansatz auch nicht verstehen. Selbst beim Zoll steht in der Dienstkleidungsordnung, dass beim Grüßen die Hand an die Mütze zu nehmen ist. Tut nur keiner mehr. Das liegt aber daran, dass von der Führung darauf keinen Wert mehr gelegt wird.

Traditionell wird in Uniform nunmal die Hand an die Mütze gelegt wenn gegrüßt wird. Das stammt noch als der Zeit der Ritter, die vor dem Kampf das Visier des Helmes öffneten, um dem Gegner in die Augen schauen zu können. Eine Ehr- und Respekterbietung also.

Wer sich über diese Traditionen mukiert, hat auch keine Ahnung!

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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon zulu » Mi 2. Nov 2016, 09:36

Ich meine, der Ansatz ist hier, dass es mittlerweile schon als "befremdlich" aufgefasst wird, wenn man sich bei der Polizei ordentlich verhält und lange gewachsene Höflichkeits- und Grußformen umgesetzt werden.

Mir hat das bei der Einheit aus der Doku sehr gefallen.

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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 2. Nov 2016, 09:44

In NRW ist der militärische Gruß bei der Polizei nicht üblich. 1957 weiß bestimmt, ob und ggf bis wann der Gültigkeit hatte.

Da wäre dann die Frage, ob man das ohne Bw background (den das Gros nun mal nicht hat) nicht doch befremdlich finden könnte, wenn einer die Hand an die Mütze legt, anstatt Hände zu schütteln.

Bei der historischen Herleitung gilt es auch zu bedenken, dass das ja dem herunter klappen des Visiers nachempfunden ist - und ob das dem Anspruch einer kommunikativen und offenen Polizei Rechnung trägt. :polizei2:
:lah:

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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon zulu » Mi 2. Nov 2016, 09:53

Gerade für geschlossene Einheiten finde ich solche Abläufe wichtig. Mittlerweile gibt es Einheiten, die nutzen nichteinmal mehr irgendwelche Formationen. Die kommen einfach als Haufen angedackelt. Das kann auch nicht das Ziel sein. Man braucht sich nämlich nicht fragen wieso der Mob mit Vorliebe angreift, wenn man steht wie eine Partymeute.

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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon Ghostrider1 » Mi 2. Nov 2016, 09:58

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:Bei der historischen Herleitung gilt es auch zu bedenken, dass das ja dem herunter klappen des Visiers nachempfunden ist
Bitte was? Den militärischen Gruß gibt es deutlich länger, als Helme mit Visier.

Polizei war einst militärisch angehaucht oder bestand aus Ex-Militär. Es ist mittlerweile sehr unüblich, da gebe ich dir recht. Ob ein Großteil keinen Bezug zum Militär hat, bezweifel ich doch stark. Die neueren Jahrgänge vielleicht.
Es ist eine Grußart wie Händeschütteln, Verbeugen oder das dezente Kopfnicken.

Beim BGS dürfte das bis Mitte/Ende der 90er noch aktuell gewesen sein.
Gerade für geschlossene Einheiten finde ich solche Abläufe wichtig. Mittlerweile gibt es Einheiten, die nutzen nichteinmal mehr irgendwelche Formationen. Die kommen einfach als Haufen angedackelt. Das kann auch nicht das Ziel sein. Man braucht sich nämlich nicht fragen wieso der Mob mit Vorliebe angreift, wenn man steht wie eine Partymeute.
Ich hatte mal die Ehre, mich in Leipzig mit dem linken Idioten rumzuärgen. Die Antifa von Leipzig hat Erfahrung mit der BePo und ist nicht ängstlich. Dann kam da ein Zug BEF der BuPol.
Foramtion und Gleichschritt. Gänsehaut !!!!!! Da ist selbst der mutige Anifaschistische Kämpfer zur Seite gegangen.
Da sieht man gut die Auswirkung die eine Einheit zeigt, wenn diese wirklich geschlossen agiert.

In geschlossenen Einheiten gehört die Bewegung in Formation dazu. m.M.n. ist ein kurzer knackiger Gruß auch nicht verkehrt.
Zuletzt geändert von Ghostrider1 am Mi 2. Nov 2016, 10:03, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 2. Nov 2016, 10:02

Als der Ritter sein Visier runterklappte, gab es noch keine Polizei.

Dass man Formationen beherrschen sollte, ist von meiner Betrachtungsweise losgelöst.
:lah:

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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon 1957 » Mi 2. Nov 2016, 10:18

Während meiner Ausbildung ( 1974 - 77 ) war der militärische Gruß noch Bestandteil der Formalausbildung. Die Anwendung war jedoch unüblich.Eingefordert wurde er allerdings selten, habe es lediglich einmal persönlich erlebt.

Für mich ist dieser Gruß ein besonderer. Habe nur zweimal richtig "Hand angelegt", nämlich bei der Verabschiedung meines besten Chef's und zum Abschied eines besonderen verstorbenen Kollegen, als das Musikchor "Ich hat einen Kameraden" spielte

Hin und wieder grüße ich Verkehrsteilnehmer durch das Tippen an die meist imaginäre DienstMütze.

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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon Deep Blue » Mi 2. Nov 2016, 10:29

Bei der heutigen deutschen Militärphobie ist es wohl fraglich, ob sowas noch in unserer "wir machen es jedem Recht"- Gesellschaft sinnvoll ist. Ich war 12 Jahre beim Militär und bin damit groß geworden. Und Tradition hin oder her...ich finde sowas bei der Polizei sehr befremdlich. Ebenso wird doch krampfhaft darauf geachtet, nicht zu martialisch auszusehen und aufzutreten (z.B. Tiefziehholster), sowie die strikte Trennung von Militär und Polizei. Dieser Grundsatz widerspricht doch jedweder Form von militärischem Auftreten in Bezug auf so einen Gruß. BePo ist ein ganz anderes Thema, welches man hier nicht einflechten sollte.

Wir rennen ja auch nicht mehr mit einem Offizierstschako mit Hakenkreuz rum, weil traditionell die Gendarmerie diese getragen hat. Mit einer Veränderung des Erscheinungsbildes und Anpassung polizeilicher Aufgaben ist es völlig normal, Traditionen abzulegen, wenn diese nicht mehr zeitgemäß sind. Und das ist nicht nur bei der Polizei so.
Zuletzt geändert von Deep Blue am Mi 2. Nov 2016, 10:56, insgesamt 1-mal geändert.
Das heißt "Thread" und nicht "Fred"!

https://de.m.wikipedia.org/wiki/Fred

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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon 1957 » Mi 2. Nov 2016, 10:53

Befremdlich finde ich das nicht. Aber eben unüblich und längst keine polizeiliche Tradition. Es mag aus dem militärischen kommen, für mich ist es eine besondere "Respekthandlung". Liegt wahrscheinlich an meiner Sozialisation.

Das Tippen an den "Mützenrand" natürlich nicht.

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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon The-Funky-Beast » Mi 2. Nov 2016, 11:38

Auf mich persönlich wirkt es nicht unbedingt befremdlich, allerdings kann ich es mir unter objektiver Betrachtung auf die breite Masse schon befremdlich vorstellen.

Grade seit der Wende wurde die Trennung zwischen Gesellschaft und Bundeswehr immer größer (über Sinn und Unsinn des ganzen kann man sicher streiten), was auch zur Folge hat, das militärisches Gebaren von der Gesellschaft immer weiter losgelöst wird.
Da ist in meinen vollkommen unerheblich ob geschlossener Verband oder nicht, die Polizei gehört, auch vom Stimmungsbild her, nun mal fest zur Gesellschaft. Mit der Bundeswehr/Militär dagegen kommt man als Otto-Normalo so gut wie nie in Berührung.

Von daher ist es schon wichtig, dass die Polizei sich weiterhin nicht in irgendeiner Weise von der Gesellschaft abgrenzt, da das Ansehen nicht noch durch irgendwelche veralteten Grußformen weiter in Schieflage gerät, nur weil man der Meinung ist man müsste "Tradition bewahren" oder sonst was ähnliches.

Natürlich steht das den netten Damen und Herren da in ihrer Einheit in dem Video frei es zu handhaben wie sie es für richtig halten, mich persönlich stört es wie gesagt auch nicht, aber man sollte sich nicht wundern, wenn sowas für die breite Masse dann doch wirklich befremdlich wirken kann.
Das hat dann auch nichts mit links-rechts-Mentalität zu tun, sondern mit der aktuell gelebten Grußform. Und das ist nun mal das Händeschütteln oder aber auch, wenn's mal schnell gehen muss, das Zunicken mit Hallo und Name.^^
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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon Baumi 2 » Mi 2. Nov 2016, 13:17

Ich sehe da auch nichts schlimmes , ich grüße in dieser Form sogar Freunde wenn diese zufällig mit dem Auto an mir vorbeifahren oder bei anderen privaten Anlässen:)

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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 2. Nov 2016, 13:28

Das macht Sinn.
:lah:

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Re: "Grüßen" neuerdings befremdlich oder gar verpönt?

Beitragvon Syzygy » Mi 2. Nov 2016, 13:52

Hm, die einzige Gelegenheit wo ich so grüße ist bei uns in der Sicherheitschleuse, weil mein Gegenüber da hinter zentimeterdickem Panzerglas sitzt und mich eh nicht hören würde, 'ne angebotene Hand nicht annehmen kann und ein Kopfnicken irgendwie nicht so die Grußformel ist die ich benutze. Den kurz angedeuteten "Militärgruß" versteht allerdings jeder und kommt auch so zurück (oder ein Nicken halt).
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