Schichtdienst

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DaioD
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Schichtdienst

Beitragvon DaioD » Mo 21. Nov 2016, 18:06

Moin Leute,

die Frage geht an die Personen, die schon arbeiten. ( Ich habe trotz SuFu nichts ähnliches gefunden )
Auch wenn dies eine sehr subjektive Frage ist: In wie weit belastet euch der Schichtdienst? Arbeitet ihr aktuell überhaupt in einem Schichtdienst?(Wenn ja in welchem?) Meine Einstellungsberaterin hat heute gesagt, dass man versuche alle Beamten, die es natürlich auch wollen, ab 40 aus dem Schichtdienst zu holen, wie ist es bei euch?
Ich glaube kaum, dass es so viele Stellen im Tagesdienst gibt, dass sowas möglich sei, allen zu ermöglichen(die es wollen).
Ich habe schon mehrere Monate am Stück als Ferienarbeiter gearbeitet und finde es nicht all zu schlimm, jedoch sehe ich das Problem in späten Jahre mit Kindern und Familie, da doch vielZeit verloren geht.
Wie seht ihr das?

Grüße
Daio

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Re: Schichtdienst

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mo 21. Nov 2016, 21:15

1.
Das Thema wurde hier zur Genüge behandelt.

2.
Ich sehe es wie du: Wenn man alle ab 40 aus dem Schichtdienst rausholt, wird das nix. Bestenfalls hast du die Tante missverstanden. Schlechtestenfalls hast du eine schlechte EBin.

3.
Mehr Zeit als im Schichtdienst wirst du mit Kindern kaum haben können - vorausgesetzt, du gehst diszipliniert an die Sache ran.
:lah:

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Re: Schichtdienst

Beitragvon Diag » Mo 21. Nov 2016, 21:34

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:Wenn man alle ab 40 aus dem Schichtdienst rausholt, wird das nix.
Du hast die beiden Einschränkungen vergessen: Man VERSUCHT, alle die wollen... ;-)

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Re: Schichtdienst

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mo 21. Nov 2016, 21:46

Bleibt moralisch verwerflich. Ich sage ja auch nicht, ich versuche nett zu Hessen zu sein - wenn ich will.
:lah:

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Re: Schichtdienst

Beitragvon MICHI » Mo 21. Nov 2016, 22:12

Verschoben, ansonsten findet man über die Suchfunktion diverse Threads zum Thema Schichtdienst.
Gruß
MICHI


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Re: Schichtdienst

Beitragvon Brot » Mo 21. Nov 2016, 22:26

DaioD hat geschrieben:Arbeitet ihr aktuell überhaupt in einem Schichtdienst?(Wenn ja in welchem?)
Die meisten Reviere in BW haben folgendes 5-Schichten Modell:
1. Tag: Spätschicht (ca. 13-20 Uhr)
2. Tag: Früh- und Nachtschicht (ca. 6-13 Uhr und 20-6 Uhr)
3. Tag: "Ausschlaftag"
4. Tag: frei
5. Tag: frei
Danach geht es wieder wie oben weiter.

Durch dieses Schichtmodell kommt man nicht auf die erforderlichen 41 Stunden/Woche. Daher muss an dem einen oder anderen "Ausschlaftag" bzw. freien Tag ein Zusatzdienst erbracht werden (z.B. Gurtkontrolle, Alarmhundertschaftseinsatz, Sport, etc.).

Es gibt Kollegen, die arbeiten bis zur Pension im Schichtdienst, teilweise freiwillig, inkl. Dienstzeitverlängerung.

Das mit der Zeit, die verloren geht, beurteilt jeder anders. Es gibt viele Kollegen, die mit dem o.g. Schichtmodell sehr gut zurecht kommen und teilweise unter der Woche Dinge erledigen können, die im Tagesdienst so nicht möglich sind. Gerade beim Thema Hausbau, Urlaub oder ähnlichem ist es praktisch, wenn man sich mit 3 Urlaubstagen eine Schichtrunde freinehmen kann und so ca. 8 Tage am Stück frei hat. Auf der anderen Seite arbeitet man eben auch am Wochenende, wenn der Freundeskreis unter Umständen frei hat. Das muss jeder für sich selbst entscheiden.

Alle ab 40 Jahren in den Tagesdienst zu bringen wird nicht funktionieren. Allerdings gibt es wie gesagt Kollegen, die im Schichtdienst bleiben wollen. Zudem kommt es auf die Personalgröße des Präsidiums an. In größeren Präsidien hat man als "junger" Kollege eher die Möglichkeit, eine Tagesdienststelle zu bekommen, als in kleineren Präsidien.

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Re: Schichtdienst

Beitragvon coco_loco » Di 22. Nov 2016, 00:00

Zwar arbeite ich nicht in BaWü, aber im Schichtdienst.

Mir wurde neulich ein Foto zugeschickt mit ein paar Beißern aus The Walking Dead drauf, mit dem Bilduntertitel “so fühle ich mich nach dem Nachtdienst“. Und eines vom grinsenden Gollum mit dem Titel: “wenn mir jemand sagt, dass man mir den Schichtdienst nicht ansieht“.

Was ich damit sagen will... Schichtdienst ist anstrengend, morgens um 4 Uhr verteufel ich ihn oft. Nach dem Nachtdienst habe ich manchmal richtig Kopfschmerzen und komme den ganzen Tag nicht aus dem Quark. Nach dem Frühdienst bin ich müde.
Aber ich hatte auch nie so viel Zeit, um Dinge zu erledigen, Hobbys nachzugehen und Leute zu treffen. Das mag ich. Derzeit arbeite ich gerne so und es macht mir nicht viel aus.

Man braucht aber auch eine verständnisvolles Umfeld, wenn man schon wieder eine Party absagt oder am Sonntag nicht mit Tatort gucken kann. Oder nicht regelmäßig zum Fußballtraining kommen kann. Mit seinem Partner muss man sich gut absprechen, wenn man eine gemeinsame Verantwortung wie Kinder hat. Ich kenne Paare, da schichten beide und solche, da ist es nur einer. Beide kommen klar, erstere Paare geben sich aber manchmal tagelang nur die Klinke in die Hand.

Alles kann, nichts muss. Ich möchte nicht für immer im Schichtdienst arbeiten, obwohl ich wahnsinnig gerne im Streifendienst arbeite.

Lern es kennen (und vllt. lieben).
"Every fairy tale needs a good old-fashioned villain" - Moriarty.

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Re: Schichtdienst

Beitragvon Trooper » Di 22. Nov 2016, 07:25

Man sollte aber nicht vergessen, daß Schichtdienst neben "praktisch" und "anstrengend" vor allem auch eins ist: tendenziell ungesund. Im Sinne von potentiell lebensverkürzend. Unser Körper ist nunmal für einen regelmäßigen Tag-Nacht-Rhythmus gemacht. Will sagen, es geht bei der Polizei (und diversen anderen Berufen) zwar nunmal nicht anders, aber man sollte sich darüber klar sein.

Ich habe früher auch immer gesagt, daß ich mal irgendwann vom Funkwagen runterpensioniert werde. Aber als ich dann aus anderen Gründen doch deutlich vor Erreichen des Pensionsalters in den Tagesdienst gewechselt bin, steigerte sich meine Lebensqualität in verschiedenen Belangen doch um einiges, nicht zuletzt mein Schlaf und mein allgemeines körperliches Wohlbefinden.

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Re: Schichtdienst

Beitragvon 1957 » Di 22. Nov 2016, 12:07

Ich habe jetzt 36 Jahre Schichtdienst (Vierteldienst) hinter mir. Das mache ich bis zum Ende. Mit Freude.
Die Belastungen des Schichtdienstes sind immer individuell.


Schichtdienst ist grundsätzlich ungesund.

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Re: Schichtdienst

Beitragvon Bike88 » Di 22. Nov 2016, 18:44

Ich arbeite jetzt seit 6 1/2 Jahren im Rettungsdienst (noch). Wir haben folgenden Schichtrythmus:

1. Woche (Montag-Freitag 6-13, Samstag und Sonntag 6-18)
2. Woche (Montag-Freitag 13-20, Wochenende frei)
3. Woche (Montag bis Freitag 20-6, Samstag und Sonntag 18-6)
4. Woche (Montag bis Sonntag frei)

Wie schon erwähnt hat Schichtdienst seine Vor- und Nachteile.
Du kannst Termine flexibler legen (wenn du Disziplin hast nach dem Früh nicht gleich zu schlafen ;)) und die Frei-Tage sind auch ganz angenehm. Das soziale Umfeld leidet aber natürlich etwas.
Allerdings kennt mein soziales Umfeld es nicht anderst, da ich seit ich die Schule beendet habe im Schichtdienst bin.

Bin sehr gespannt drauf, wie ich mit dem Schichtrythmus in Ba-Wü klar komme, erst recht mit dem Tag Früh und Nacht.
Im Moment könnte ich mir aber vorstellen, dass ich nicht bis zur Pension im Schichtdienst bleiben möchte.
Man lernt aber damit umzugehen ;).

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Re: Schichtdienst

Beitragvon ruckizucki » Mi 23. Nov 2016, 03:41

Ich arbeite auch in Ba-Wü im 5-Schichtendienst. Ich bin gerne im Streifendienst, habe die 40 Lenze leicht überschritten und die Nachtdienste machen mir weniger aus als die Frühdienste.

An meiner entlegenen, von der wärmenden Sonne des Präsidiums weit entfernten Dienststelle, bleibt einem schlicht und ergreifend nichts anderes als die Schichterei übrig, da die wenigen Tagesdienststellen im Ermittlungsdienst nur nachbesetzt werden, wenn einer vom Stuhl fällt. Mir ist das z.Z. relativ egal, da ich Streifendienstler mit Leib und Seele bin.

Die Schichterei an sich hat Vor- und Nachteile (ungesund ist sie aber unbestritten). Ich kann zum Beispiel auch während der Woche die Kids zur Schule/KiGa bringen und holen und Termine während der Woche so legen, dass ich auf Ämtern oder bei Ärzten in den schwach frequentierten Zeiten aufschlage und nur geringe Wartezeiten habe. Da meine Frau Teilzeit arbeitet, können wir unter der Woche oftmals freie Zeit genießen, die andere so nicht haben. Andererseits sind die Hälfte der Wochenenden mit der Schichterei zu. Familientechnisch ist das sehr belastend, da die ganzen Highlights für die Kids meist am Wochenende sind, Papa wieder mal nicht dabei und Mama genervt ist, da sie alleine alle Zöglinge an der Backe hat.

Der Schichtumlauf an sich macht sich bei mir erst am Ausschlaftag körperlich bemerkbar (müde, lätschig). Danach passt wieder alles. Wenn es nun so wäre, dass man die (fast) drei Tage zum Erholen hätte, wäre das momentane Schichtmodell für micht eine gute gangbare Möglichkeit. Wie Brot schon schrieb, muss man aber Zusatzdienste machen um auf die 41 Stunden zu kommen. Das hält sich aber in erträglichen Grenzen, wenns vorgeplant ist.

Seit August habe ich aber kein einziges "frei" erlebt, das nicht durch dienstliche Tätigkeiten unterbrochen gewesen wäre. Als da wären: Gerichtsverhandlungen, AH-Einsätze, Sonderdienste wegen lokalen Großfesten, Besprechungen im Präsidium, Aushilfe auf anderen Schichten wegen Krankheit und Personalfehl. DAS ist, was mich am meisten an der Schichterei fertig macht. Ungeplante, plötzliche "Du musst außerplanmäßig kommen weil..." Ich merke mit jedem Lebensjahr, dass ich das "frei" zwischen den Schichten zum Erholen wirklich brauche und mich eine Unterbrechung total durch den Wolf dreht.
"Niemandes Herr, Niemandes Knecht" - H. von Fallersleben

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Re: Schichtdienst

Beitragvon DaioD » Do 24. Nov 2016, 13:58

Danke für eure Antworten und eure Pläne. Lasse mir alles nochmal durch den Kopf gehen, jedoch glaube ich, dass am Ende die Überzeugung oder "Liebe" zum Beruf gewinnen wird :stupid:


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