Notruf falsch beurteilt

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Notruf falsch beurteilt

Beitragvon springer » Do 16. Feb 2017, 13:18

Polizist schickt trotz Notrufs keine Streife – 6000 Euro Strafe

Da lag er wohl fatal daneben.

Wobei jeder, der mal Dienst auf der Wache macht, das Problem kennt ... ich schick dann im Zweifel lieber mal eine Streife hin, obwohl ich von Unsinn ausgehe (was allerdings bei der einen oder anderen Streife auf Unverständnis stößt).

Wie handhabt ihr das?

SirJames
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Re: RE: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon SirJames » Do 16. Feb 2017, 13:48

springer hat geschrieben:Polizist schickt trotz Notrufs keine Streife – 6000 Euro Strafe

Da lag er wohl fatal daneben.

Wobei jeder, der mal Dienst auf der Wache macht, das Problem kennt ... ich schick dann im Zweifel lieber mal eine Streife hin, obwohl ich von Unsinn ausgehe (was allerdings bei der einen oder anderen Streife auf Unverständnis stößt).

Wie handhabt ihr das?
Moin,

ich bin zwar nicht in der Position Aufträge vergeben zu müssen oder dürfen, aber bei uns läuft es seitens der Leitstelle so, dass grds. alle Aufträge, die eingehen auch beschickt werden. Ursächlich seien wohl genau solche Vorfälle wie der von Dir Verlinkte, auch wenn ich persönlich nicht weiß wie die bei uns konkret aussahen.

Wenn Aufträge über die Wache eingehen, liegt der Ball beim WL, ob er sie hochgibt oder nicht. Nach meiner Erfahrung wird es aber bei uns so gehandhabt wie von Dir - im Zweifel wird lieber einmal mehr ein Wagen geschickt. Eben um sich da nicht in die Nesseln zu setzen.

Kommt aber natürlich auf den Anlass an. Bestimmte Einsätze, z.B. der klassische unzulässige Lärm, bleiben in einsatzstarken Zeiten auch mal liegen, wenn sie nicht beschickt werden können.

Gruß
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Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon springer » Do 16. Feb 2017, 14:08

Die Alternative wäre natürlich ich geb es an den DGL weiter und dann soll der sich in die Nesseln setzen :pfeif: ; wobei bei uns schon erwartet wird, dass jeder auf der Wache eine gewisse Verantwortung übernimmt.

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Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon vladdi » Do 16. Feb 2017, 14:11

Ist schon eine besondere Begründung wert, wenn man auf einen Notruf nicht reagiert. Deswegen , weil reagiert werden muss, ist der Missbrauch ja auch vom Gesetzgeber besonders bedacht.

Auf einen Notruf hin gar nichts zu machen finde ich nicht gelungen.

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Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon springer » Do 16. Feb 2017, 14:32

Naja, wenn man sich mal anschaut, was über Notruf alles rein kommt ... da Bedarf es regelmäßig keiner Begründung, warum man da nichts macht.

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Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon Diag » Do 16. Feb 2017, 14:49

In der Regel habe ich auch immer geschickt, um sich das anzuschauen. Wenn ich mir aber die Begründung im Artikel durchlese (entspannt...), könnte es schon sein, dass ich es auch weit nach hinten geschoben hätte...

Grundsätzlich bin ich Fan davon, eher was zu schicken und zu schauen. Menschen unter Schock reagieren z. B. manchmal deutlich relaxter als man annehmen würde (und manch einer natürlich auch panischer als nötig)...
Zuletzt geändert von Diag am Do 16. Feb 2017, 14:49, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon vladdi » Do 16. Feb 2017, 14:54

springer hat geschrieben:Naja, wenn man sich mal anschaut, was über Notruf alles rein kommt ... da Bedarf es regelmäßig keiner Begründung, warum man da nichts macht.
Doch!

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Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon springer » Do 16. Feb 2017, 15:15

Aus der Zeit am Flughafen:
es ruft einer über Notruf (eine extra Leitung mit extra Telefon) an, und erklärt, dass er auf Grund eines Problems mit seinem Koffer das Gate für den Anschlussflug nicht mehr rechtzeitig erreicht und die Polizei ihn entweder mit Blaulicht zu dem Gate fahren oder das Flugzeug aufhalten soll. Als darauf hingewiesen wird, dass das keine Notfall im polizeilichen Sinne sei, wird er pampig und erklärt, dass das sehr wohl entsprechender Notruf sei und er sich beschweren wird, wenn er nicht rechtzeitig zum Gate transportiert wird. Er war ziemlich pampig.
Ich hab ihm nochmal erklärt, dass das kein polizeilicher Notfall ist und aufgelegt.

Und da soll ich wirklich begründen, warum ich keine Streife geschickt habe? Habe ich nicht, werde ich nicht!

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Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon 1957 » Do 16. Feb 2017, 15:16

Wenn alles das, was über den Notruf reinkommt, auch tatsächlich als Einsatz rausgeht, dann müssten wir die Polizeistärke mindestens verdoppeln. Schaut mal in die Controllingdaten Eurer Behörden, wieviele Notrufe reinkommen und wieviele Einsatze rausgehen.
Das ist so wie es sein soll, Informationen bewerten, Lage beurteilen, im Zweifel Einsatz.

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Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon 1957 » Do 16. Feb 2017, 15:17

Wenn alles das, was über den Notruf reinkommt, auch tatsächlich als Einsatz rausgeht, dann müssten wir die Polizeistärke mindestens verdoppeln. Schaut mal in die Controllingdaten Eurer Behörden, wieviele Notrufe reinkommen und wieviele Einsatze rausgehen.
Das ist so wie es sein soll, Informationen bewerten, Lage beurteilen, im Zweifel Einsatz.

Der Ursprungssachverhalt klingt ganz deutlich nach Einsatz.

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Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon vladdi » Do 16. Feb 2017, 15:23

Springer

Jetzt lies doch noch mal das Thema und was ich schrieb.

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Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon Peppermintpete » Do 16. Feb 2017, 16:56

Wie 1957 schon erwähnte:
Jeder Notruf, der wirklich einer ist, zieht einen Einsatz nach sich.

Nur ist bei weitem nicht alles, das über die 110 rein kommt ein Notruf. Vielleicht wird hier auch nur aneinander vorbei geredet. :)

Wenn über die Notrufleitung oder auch die Amstleitung offensichtliche Hühnerscheiße reinkommt, wird das telefonat (möglichst) freundlich beendet und damit hats sich dann auch.
:keks:

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Re: RE: Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon SirJames » Do 16. Feb 2017, 17:16

Peppermintpete hat geschrieben:Wie 1957 schon erwähnte:
Jeder Notruf, der wirklich einer ist, zieht einen Einsatz nach sich.

Nur ist bei weitem nicht alles, das über die 110 rein kommt ein Notruf. Vielleicht wird hier auch nur aneinander vorbei geredet. :)

Wenn über die Notrufleitung oder auch die Amstleitung offensichtliche Hühnerscheiße reinkommt, wird das telefonat (möglichst) freundlich beendet und damit hats sich dann auch.
Ich habe mich ungenau ausgedrückt. Selbstredend war mit "alles" nicht gemeint, dass jeder Anruf, der OFFENSICHTLICH kein polizeiliches Interesse weckt - trotzdem zu einem Einsatz führt. Aber alle Anrufe, bei denen ein polizeiliches Interesse vorliegen könnte - werden nach meiner Erfahrung im Zweifel oder bei Grenzfällen auch beschickt und nicht weggequatscht.

Hätte ich genauer sein müssen.

Gruß
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Lone Soldier

Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon Lone Soldier » Do 16. Feb 2017, 17:55

Hier wurde ja etwas mehr als nur weg gequatscht. Laut Gericht wurde dem Anrufer eine Unwahrheit über die verfügbaren Streifen aufgetischt, damit er Ruhe gibt. Warum trifft der Notrufsprecher gegenüber dem Anrufer die laut Gericht falsche Aussage, dass keine Streifen verfügbar waren? Das ist vor Gericht natürlich extrem blöd, wenn Ermittlungen später ergeben, dass sehr wohl Wagen recht nahe standen und verfügbar waren. Da sieht die Sache halt anders aus, als in der Halli-Galli-Samstagnacht, wo die Einsatzmittel quasi permanent gebunden sind. Wenn ich jemandem am Notruf schon sage, dass ich keine Wagen für ihn frei habe, sollte ich mich vorher dreimal vergewissert haben, dass dem auch so ist. Eigentlich sollte man das auch so machen, bevor man entscheidet, sollte das ganz normale Handwerkszeug am Notruf sein.

Wenn dann am Ende ein zusammengeschlagener Anrufer steht, obwohl Wagen frei waren, gibt das kein besonders gutes Bild ab und verlang nach einer guten Erklärung.

Dann noch die Punkte mit dem Tonfall und den Beschwerden in der Vergangenheit...

Close1086
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Re: Notruf falsch beurteilt

Beitragvon Close1086 » Do 16. Feb 2017, 21:39

Und wieder ist es so, dass hier keiner den exakten Sachverhalt, bzw. Wortlaut des Anrufers kennt.

Reininterpretieren kann man hier jetzt viel, aber hier wird der Kollege von euch quasi mitverurteilt, obwohl der Wortlaut des Anrufers nicht exakt bekannt ist.

Das einzige was ich hierzu äußern möchte: Egal, was tatsächlich vorgefallen ist, die Strafe ist aus meiner Sicht zu hoch angesetzt. Jeder Widerständler bekommt weniger, völlig egal wie schwerwiegen.


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