Teilzeit ohne Grund

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon claire » So 10. Mär 2019, 15:51

Officer André hat geschrieben:
So 10. Mär 2019, 15:30
Ich glaube, sie will andeuten, dass es grundsätzlich möglich ist. Ob das dann bewilligt wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Hierzu wurde bereits alles gesagt.
Danke.

Sie will sagen, dass sie das seit Jahren macht. Das es geht. Dass sie gute Erfahrung mit der Genehmigung machte. Dass es ihr keine beruflichen Nachteile brachte.
Dass sie es gut findet, dass die Behörde immer flexibler (in Arbeitszeitmodellen) wird und sich in ihren Augen damit auch um die Arbeitszufriedenheit der Mitarbeiter kümmert. ;-)

Zudem sehe ich in der Personalpolitik von Organisationen mit Ausrichtung auf Work-Life-Balance einen Wettbewerbsvorteil auf dem Arbeitsmarkt.
Bestrebungen dahingehend und Aussagen der Organisation habe ich ja schon erwähnt. ;-)

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Officer André
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Teilzeit ohne Grund

Beitragvon Officer André » So 10. Mär 2019, 16:11

Damit wärst du nun der einzige Fall, der mir bekannt ist
Ihr schlittert mit euren Ärschen über verdammt dünnes Eis und wenn es bricht, warte ICH im Wasser auf euch!

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon anschu » So 10. Mär 2019, 18:25

Dem schließe ich mich an.

In meiner Behörde (Nds.) gibt es derzeit genau einen Fall, in dem ein Teilzeitmodell ohne die sozialen Gründe genehmigt wurde. Und bei diesem Fall kann inzwischen auch niemand mehr sagen warum er genehmigt wurde.

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon claire » So 10. Mär 2019, 19:31

Um nochmal auf die Wahrscheinlichkeit einzugehen die der Threadersteller meinte. Es ist wahrscheinlich, dass es möglich ist. Zu mindestens in meinem Umfeld.

§ 61 NBG kann abgelehnt werden wenn dienstliche Gründe dagegen stehen.

§62 wenn zwingende dienstliche Gründe dagegen stehen.

Die Ablehnung als Verwaltungsakt ist nicht ganz so leicht. Insbesondere wenn die Teilzeit relativ gering ist.

Mir ist dies nicht geschehen bei 30-35 Stunden. Zudem bin ich flexibel einsetzbar, da ich sozusagen nach- meinen Stunden- auch bleiben kann wenn was ansteht. Dies ist mein Vorteil zu Menschen die ggf. eng takten mit Familie und das Kind vor der Kita wartet oder morgens hingebracht werden muss.

Insofern gab es keine Gründe es abzulehnen.

Es gibt durchaus Untersuchungen die sich damit beschäftigen wie lange eine Vollzeitkraft faktisch arbeitet und eine Teilzeitkraft. Dies spricht für Teilzeit auch im Sinne des Dienstherrn. Ist natürlich nicht generell. Es mag sein manche können "durchkeulen" andere nehmen sich halt "innerdienstliche Auszeiten".
Ich weiß nicht wie viele Personen in eurer Umgebung beantragten und es wurde abgelehnt. Ich kenne dies so nicht.

Sollte es abgelehnt werden weil zu viele Stunden "fehlen", rate ich dazu, weniger zu reduzieren beim Erstantrag und dann beim Folgeantrag zu erweitern.

Als Teilzeit gilt in Nds. eine Wochenarbeitszeit von 39,8 Stunden. Das kann normalerweise niemand dienstlich ablehnen. Ist zwar etwas albern sich so rein-zu-teilzeiten- ist aber ein Weg wenn es wirklich auf Widerstand trifft. Habe ich so nie erlebt, nur für den Fall der Fälle.

Insbesondere bei flexiblen Arbeitszeitmodellen gibt es immer weniger Möglichkeiten der Ablehnung.
Und mit der Möglichkeit hat die Organisation auch die Aufgabe das "Einzupreisen" beim Personal. D.h. niemand sollte wegen Teilzeit mehr arbeiten müssen, ebenso nicht bei Ausfallzeiten durch Krankheitszeit pp. Natürlich weiß ich, dass dies im Einzelfall vorkommt aber die Aufgabe der Organisation ist vorzuplanen. Arbeitszeiten (inklusive Elternzeiten, Krankeitsphasen, Teilzeit pp.) jeder Art bei Einstellungen zu berücksichtigen.

Wie gesagt, statistisch kann alles berechnet und berücksichtigt werden und sollte es auch in einer Organisation die mit der Zeit geht.

Das - mit der Zeit gehen- auch in Bezug auf veränderte Anforderungen bei der Generation die zur Zeit eingestellt wird.
Es kommt immer auf den Einzelfall an. Allerdings sagt man der Generation Y noch mehr Generation Z nach, dass sie besonders auf Arbeitszeiten achten auch in dem Fall dass der Verdienst weniger wird, Zeit als wertvoll betrachten. Eben wie der Threadersteller von sich sagte.

Ich gehöre zu den Oldies. Habe meine Jahre Vollzeit hinter mich gebracht. Habe genug. Und halte mich aufrecht im Dienst. Habe aber mit den Jahren bemerkt, ich brauche mehr Zeit zum regenerieren. Meine Pflicht als Beamtin ist auch mich gesund zu erhalten. :-)

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon PotionMaster » So 10. Mär 2019, 19:40

claire hat geschrieben:
So 10. Mär 2019, 19:31
Um nochmal auf die Wahrscheinlichkeit einzugehen die der Threadersteller meinte. Es ist wahrscheinlich, dass es möglich ist.
Der Satz ist nicht sehr sinnvoll. Es ist nicht wahrscheinlich, dass es möglich ist. Es ist ganz sicher möglich, siehe § 61 NBG. Das sagt aber absolut nichts über die Wahrscheinlichkeit aus, ob Teilzeit ohne Gründe genehmigt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass das genehmigt wird ist gering.

Die Ablehnung der Teilzeit nach §61 ist gerade nicht so schwierig. Deshalb gibt es die Unterscheidung zu § 62, dessen Ablehnung höhere Hürden hat.

Dabei ist es leider auch egal was sinnvoll wäre oder der Mitarbeiterzufriedenheit förderlich wäre. Wenn die Frage gestellt wird, wie wahrscheinlich es ist, dass man ohne Gründe des 62 etc. Teilzeit genehmigt bekommt, dann ist die ehrliche Antwort, dass es eben nicht sehr wahrscheinlich ist. Was schon daran sichtbar wird, dass du hier die absolute Ausnahme darstellst Claire.

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon claire » So 10. Mär 2019, 19:48

PotionMaster hat geschrieben:
So 10. Mär 2019, 19:40
claire hat geschrieben:
So 10. Mär 2019, 19:31
Um nochmal auf die Wahrscheinlichkeit einzugehen die der Threadersteller meinte. Es ist wahrscheinlich, dass es möglich ist.
Der Satz ist nicht sehr sinnvoll. Es ist nicht wahrscheinlich, dass es möglich ist. Es ist ganz sicher möglich, siehe § 61 NBG. Das sagt aber absolut nichts über die Wahrscheinlichkeit aus, ob Teilzeit ohne Gründe genehmigt wird. Die Wahrscheinlichkeit, dass das genehmigt wird ist gering.
Die Begründung muss Verwaltungsgerichtsfest sein. Wege habe ich beschrieben. Meine Erfahrung. Mein Leben aus dem ich beschreibe.

Da kannst Du jetzt sagen, alles doof und ist so nicht. Ich lebe es.
Aus der Praxis für die Praxis. Mehr kann ich nicht. Aber du auch nicht. :-)

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon Franconia » So 10. Mär 2019, 19:51

Ja du lebst es. Das hat aber keinerlei statistische Aussagekraft. Voraussetzungslose Teilzeit ist und bleibt die absolute Ausnahme.

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon PotionMaster » So 10. Mär 2019, 19:52

Ich kann immerhin sagen, dass die Ablehnungen von Anträgen auf Teilzeit ohne Grund durch die Bank gerichtlich bestätigt werden und sich der Dienstherr bei den Begründungen aus familiären Gründen nennenswert mehr und meist aussichtslos ins Zeug legen muss.

Das Wort "doof" entstammt deiner Feder/Tastatur, nicht meiner. Es ist nur nicht fair jemandem ein falsches Bild darzustellen. Teilzeit ohne Gründe ist nicht die Regel und ist nicht sehr wahrscheinlich. Egal was man sich wünschen mag. Dein einer Fall ist keinesfalls repräsentativ und sagt auch nichts über sattelfeste Ablehnungen aus.

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon claire » So 10. Mär 2019, 20:08

Ich sage, die Behörde muss bei der Ablehnung begründen wieso das nicht geht. Und dies gerichtsfest.

Sie muss begründen wieso sie auf den bestimmten Beamten x nicht stundenweise verzichten kann. Den Einzelfall begründen.

Das ist nicht besonders einfach. Auch nicht wenn einfache Gründe reichen. Durchaus nach Stundenansatz.

Wie wäre es, würden ihr eine Begründung finden? Bezogen auf x? Bei einer geringen Reduzierung und sicher sein ihr gewinnt den Rechtsstreit?

Die Praxis ändert sich. Die Bedingungen ändern sich. Der Anspruch ändert sich.

Was ich glaube, es gibt immer noch wenige Antragsteller. Was ich nicht glaube ist, dass es ungewöhnlich ist es durchzubekommen.

Aber da müssten wir jetzt, ihr und/oder ich Zahlen von Ablehnungen finden.
Die gibt es nicht offen.
Schon gar nicht aktuell.

Ggf. ist ja jemand in der Politik und kann eine kleine Anfrage stellen?

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon PotionMaster » So 10. Mär 2019, 20:14

Richtig. Und diese Begründung ist eben bei Teilzeit ohne Gründe leicht für den Dienstherrn. Was die ständige Rechtsprechung in diesem Bereich eben bestätigt. Anders ist es bei Teilzeit aus familiären Gründen. Schon weil der 61 eine Kann-Regelung ist und einfache dienstliche Belange als Entgegentreten genügen. Diese sind im Schichtdienst mit dünner Personaldecke leicht zu finden. Deshalb geht es auch so oft nicht, wie dir die Leute hier bestätigen :polizei2:

62 ist dann schon keine Kann-Regelung mehr und es sind "zwingende" dienstliche Belange anzuführen. Eben dieser Unterschied macht den Unterschied in der Rechtsprechung.

Was in der Praxis in künftiger Zeit sein wird kann keiner beurteilen. Aber auch das war hier nicht die Frage. Es geht um den Ist-Zustand.

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon claire » So 10. Mär 2019, 20:20

Hast Du Urteile nach 2010?

Hast Du Urteile zu geringer Reduzierung als 5 -10 Stunden.

Das BverfG hat mal gesagt, Teilzeit ist ungünstig, weil es nicht finanziell ausreicht. Ansonsten?

Es gibt Verwaltungsentscheidungen die sich im Einzelfall mit weniger Stunden als 30-35 beschäftigen. Aber gern lese ich neues.

Was ist den die aktuelle Lage?

Ich lerne ich immer gerne.

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon PotionMaster » So 10. Mär 2019, 20:41

Die Lage wurde dir doch hier inzwischen von einigen Usern dargelegt. Als erfahrene Beamtin bist du sicher in der Lage die gängigen Portale nach Urteilen zu durchsuchen. :polizei2: Die eben dargelegte Abgrenzung der Rechtsprechung am Gesetz habe ich mir nicht in einem genialen Moment aus den Fingern gesaugt sondern eben aus Urteilen übernommen.

Möchtest du jetzt 5 Urteile pro und 6 contra um dir eine Meinung zu bilden? Dass das so nicht funktioniert ist dir klar?

Vielleicht öffnest du dich gedanklich mal den Posts anderer User hier wenn meine dich schon nicht erreichen. Niemand hier bestätigt deine Wahrnehmung. Dein Fall ist die absolute Ausnahme. Es ist daher nicht angebracht, dass du die Teilzeit ohne Gründe als wahrscheinlich darstellst und so jemandem falsche Hoffnungen machst. Nocheinmal: Niemand hat gesagt, dass es nicht möglich ist. Die Gesetzeslage sagt hier glasklar etwas anderes. Die Wahrscheinlichkeit ist aber eben eine andere Frage. Egal was man sich wünscht, was in einem Leitbild steht oder theoretisch möglich ist. Die aktuelle Lage ist nun einmal eine andere und die Ablehnung im gerichtlichen Verfahren in der Regel keine große Mühe für den Dienstherrn. Anders bei der Teilzeit aus familiären Gründen die vom Gesetzgeber und der Rechtsprechung kontinuierlich gestärkt wird und deren Ablehnung im Rechtsweg nur dann bestand hat, wenn zwingende Gründe entgegenstehen - die tatsächlich schwierig nachweisbar sind.

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon NoeP » So 10. Mär 2019, 21:14

Ich habe in den letzten Jahren ständig Kontakt zu dem Thema gehabt und selbst damit gekämpft. Es ist alles andere als leicht wenn es keine familienpolitischen Gründe gibt. Die Antragsteilzeit ist in Bayern die absolute und totale Ausnahme. Genug probieren das weil sie sich selbst verwirklichen wollen und scheitern fast alle spätestens an den Gerichten. Die familienpolitische Teilzeit ist inzwischen fast ein Selbstläufer. Altersteilzeit hat Bayern glaube ich sogar noch da hab ich aber selbst nichts mit zu tun gehabt.

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon PotionMaster » So 10. Mär 2019, 21:20

Sie ist nach 91 BayBG möglich. Allerdings hier mit der Hürde der sog. "dringenden" dienstlichen Belange. Zu deren Wahrscheinlichkeit kann ich kaum etwas sagen. Damit habe ich mich nie befasst und es ist auch aktuell kein Thema bei mir :opa:

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Re: Teilzeit ohne Grund

Beitragvon Kaeptn_Chaos » So 10. Mär 2019, 21:23

Altersteilzeit wird von Behörden je nach Modell ja auch zwecks Wissenstransfers genutzt. Da partizipieren beide Parteien im Gegensatz zur LilalaunePause.
:lah:


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