Karriereweg im m.D.

Erfahrungsberichte, Probleme und Verbesserungsvorschläge...

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Ameise1223
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Karriereweg im m.D.

Beitragvon Ameise1223 » Sa 19. Dez 2020, 17:39

Guten Abend zusammen,

kurz vor Abschluss der Ausbildung frage ich mich, was einem bei der Polizei Karriere-, aber auch Erfahrungstechnisch am meisten bringt.
Uns wird von unseren Ausbildern eingetrichtert, dass wir möglichst zur Bereitschaftspolizei sollen. Dort sammelt man Erfahrungen und hat die besten Chancen auf eine Beförderung vom Polizeimeister zum Obermeister.
Ich bin etwas verunsichert, da mich die BePo im Prinzip nicht unbedingt interessiert und ich lieber direkt auf ein Revier meiner Wahl gehen würde.
Auf der anderen Seite habe ich die Befürchtung, dass ich mir dadurch den Karriereweg verbaue, weil mir eben dieser Abschnitt ,,Bepo" im Lebenslauf fehlt und man dort eben die besten Chancen auf die Beförderung haben soll. Zumindest wenn es nach unseren Ausbildern geht, aber ist dem wirklich so? Uns wird gesagt, dass die Zeit dort sehr eindrücklich sein soll, man viel lernt und eine gute Zeit hat. Sie würden es jedem empfehlen.

Ich bin echt zwiegespalten, muss aber bald eine Entscheidung treffen ob ich eine Interessenbekundung für die Bepo oder ein Revier abgebe. Erfahrungsberichte finde ich nur spärlich und die SuFu hat mir speziell dazu auch nichts ausgespuckt. Vielleicht könnt ihr mir ein par Informationen geben.
Ich denke die BePo bringt einen schon weiter von seinem Erfahrungsschatz, seinem Selbstbewusstsein und seiner Routine. Auf der Straße ist man schließlich auf sich gestellt und um ,,reinzukommen", wäre die BePo vielleicht nicht allzu schlecht.
Was ich mich weiterhin gefragt habe ist, wie ein typischer Tag bei der BePo aussieht? Was macht man, wenn keine Einsätze stattfinden? Klar, Sport und Übungen. Aber 8h Sport wird dort ja wohl auch kaum betrieben? Ich habe gehört, dass man dort sehr viel frei hat, aber eben dafür die Einsätze ziemlich schlauchen.

Ich danke euch bereits für eure Hilfe und wünsche euch schöne Weihnachtsfeiertage!

Viele Grüße!

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Habakuk2
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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon Habakuk2 » Sa 19. Dez 2020, 18:58

In welchem Bundesland versiehst du denn deinen Dienst ?

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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon Proud » Sa 19. Dez 2020, 22:58

Habakuk2 hat geschrieben:
Sa 19. Dez 2020, 18:58
In welchem Bundesland versiehst du denn deinen Dienst ?
Deine Erfahrung für unser Bundesland fände ich interessant :zustimm:

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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon Kaeptn_Chaos » So 20. Dez 2020, 09:42

TE: Deine bisherigen Posts lassen auf eine gewisse Karrierefixierung schließen. Da sei mir die Frage gestattet, warum du überhaupt bei uns - und in dieser Laufbahn - gelandet bist?

Es kann doch nicht zielführend sein, x Jahre einer ungeliebten Verwendung mit Bauchschmerzen nachzugehe, damit man ein halbes Jahr eher Obermeister wird?

Prinzipiell geht es darum, eine gute Beurteilung zu bekommen. Wo kriegt man die wohl eher - da, wo man motiviert arbeitet oder da, wo man sich quält?
Sollte in deinem BL auch mit quotierten Beurteilungen gearbeitet werden, würde ich mir die Vergleichsgruppe anschauen. Da, wo wenige PM arbeiten, kann man auch eher auffallen als da, wo 300 PM mit einem dienen.

Und die Belastbarkeit von Ausbilderaussagen, die eine gewisse Zeit nicht mehr am Realbehördenbetrieb teilnehmen, ist auch fraglich.
:lah:

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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon SirJames » So 20. Dez 2020, 11:50

Moin,

ich schließe mich dem Käptn an. Deine Frage ist nicht eindeutig zu beantworten, da hier viele Aspekte zusammenkommen. Aber ich will Dir was allgemeines sagen: Kollegen, welche schon in der Ausbildung intensiv über ihre weitere Karriere nachdenken & (allein) davon ihre Entscheidungen abhängig machen, sind mir suspekt. Polizei ist für mich zuallererst Integrität, Pflichterfüllung, Berufung und Teamarbeit. Wenn Du Deinen Beruf mit Überzeugung und Hingabe ausübst, dann wird man das merken. Deine Vorgesetzten werden das merken & es werden sich Türen öffnen, egal ob Du nun bei der BePo bist oder im Einzeldienst. Ich wollte nie zur BePo, musste gegen meinen Willen hin & es hat mir gut getan. Meiner Persönlichkeit. Ich habe gelernt mich einzuordnen. Danach Einzeldienst, meine persönliche Erfüllung. Bei beiden Dienststellen haben sich automatisch Türen geöffnet, obwohl ich gar nicht wollte. Du wirst Deine Ziele evtl. auch erreichen, indem Du alle Entscheidungen von Deiner Karriereplanung abhängig machst. Dafür gibt es zumindest in meiner Behörde ausreichend Beispiele, aber so stelle ich persönlich mir keinen Polizeibeamten und schon gar keinen Vorgesetzten vor.

Gruß

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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon 1957 » So 20. Dez 2020, 13:42

:zustimm: :zustimm: :zustimm:

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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon Habakuk2 » Mo 21. Dez 2020, 13:18

Wenn du kurz vor dem Ende deiner Ausbildung bist, hast du doch sicher Praktika auf EHu und Revier absolviert. Somit solltest du schon einen Einblick bekommen haben, wie es in deiner Behörde aussieht bzw. was dir liegt.

Wie oben geschrieben , ist die Frage einer "Karriere " im mD etwas eigenartig. Für meine Behörde gesprochen würde ich wieder den Weg über die EHu gehen, weil man langsam und im relativ geschützten Rahmen herangeführt wird. Auch der Weg in den gD ist - zumindest bei uns in Berlin- über die EHu leichter.

Zum Alltag der geschlossenen Einheiten kann man einerseits ohne Wissen über dein BL nichts sagen, andererseits ist dir nach ca. zwei Jahren Ausbildung zuzutrauen, dass du das für deinen Arbeitgeber selbst weisst.

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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon 1957 » Mo 21. Dez 2020, 14:20

Bepo -erfahrungen sind bereichernd , sollte jeder mal machen. Die Königsdisziplin ist der Wachdienst, der weitgehend freies Arbeiten ermöglichen kann.
Es gibt viele Möglichkeiten Polizei. Fast für jeden was dabei.
Fachkarrieren sind auch im mittleren Dienst möglich, allerdings meist erst dann, wenn man sein "Ding" gefunden hat.

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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon maxi117 » Mi 23. Dez 2020, 13:14

In BW bekommt man mittlerweile den POM mit der Lebzeit hinterhergeschmissen.

BePo fand ich persönlich absolut langweilig und häufig komplett sinnbefreit. Liegt aber auch daran, dass es in BW in den letzten Jahren so gut wie keine Lagen gab, die eine BePo erforderten. Man lernt zwar ein bisschen sich einzuordnen, aber geholfen hat die BePo mir auf keinen Fall. Dienstlich entwickelt man sich auch überhaupt nicht weiter, man stagniert eher oder macht sogar einen Rückschritt. Man ist da absolut fremdbestimmt, selbstständiges Arbeiten existiert nur selten. Wem das nicht gefällt, sollte da nicht hin (falls er denn die Wahl hat).

Geschadet hat es jetzt direkt auch nicht, man weiß immerhin wie Großeinsätze funktionieren und geschlossene Einheiten agieren. Das merkt man auch im Einzeldienst immer wieder an den Kollegen, die das nicht mitgemacht haben. Ob das aber jetzt die 2-Jahre-mit-dem-Beruf-unglücklich-Sein aufwiegt, wage ich zu bezweifeln. Können viele nicht verstehen, war bei mir aber so.

Für die karrierefixierten verlorenen Seelen: wenn du nach der BePo auf das gleiche Revier kommst wie dein Zimmernachbar, kennt dein Chef diesen schon 2 Jahre und weiß was er kann (oder auch nicht). Du bist hingegen ein komplett unbeschriebenes Blatt.

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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon SirJames » Mi 23. Dez 2020, 14:08


maxi117 hat geschrieben:In BW bekommt man mittlerweile den POM mit der Lebzeit hinterhergeschmissen.

BePo fand ich persönlich absolut langweilig und häufig komplett sinnbefreit. Liegt aber auch daran, dass es in BW in den letzten Jahren so gut wie keine Lagen gab, die eine BePo erforderten. Man lernt zwar ein bisschen sich einzuordnen, aber geholfen hat die BePo mir auf keinen Fall. Dienstlich entwickelt man sich auch überhaupt nicht weiter, man stagniert eher oder macht sogar einen Rückschritt. Man ist da absolut fremdbestimmt, selbstständiges Arbeiten existiert nur selten. Wem das nicht gefällt, sollte da nicht hin (falls er denn die Wahl hat).

Geschadet hat es jetzt direkt auch nicht, man weiß immerhin wie Großeinsätze funktionieren und geschlossene Einheiten agieren. Das merkt man auch im Einzeldienst immer wieder an den Kollegen, die das nicht mitgemacht haben. Ob das aber jetzt die 2-Jahre-mit-dem-Beruf-unglücklich-Sein aufwiegt, wage ich zu bezweifeln. Können viele nicht verstehen, war bei mir aber so.

Für die karrierefixierten verlorenen Seelen: wenn du nach der BePo auf das gleiche Revier kommst wie dein Zimmernachbar, kennt dein Chef diesen schon 2 Jahre und weiß was er kann (oder auch nicht). Du bist hingegen ein komplett unbeschriebenes Blatt.
Moin,

auch wenn ich diverse Einsätze bei der BePo erlebt habe, welche ich zu diesem Zeitpunkt ebenfalls für wenig sinnvoll erachtet habe - so finde ich dennoch, dass man deinen Beitrag so nicht stehen lassen kann. Du sprichst es ja selbst an. Man lernt bei der BePo bestimmte Dinge, die der Einzeldienst nach meiner Erfahrung in der Form bzw. Konsequenz nicht vermitteln kann. Z.B. das Einordnen in eine Hierarchie, Funkdisziplin, einsatztaktisches Verständnis, Verständnis der eigenen Rolle in einem Gefüge usw. Und wie Du schon richtig sagst. Man merkt im Funkwageneinsatzdienst in der Regel sofort, wer mal längere Zeit bei einer geschlossenen Einheit war. Und zwar im positiven Sinne. Gerade bei größeren Lagen. Ich will gar kein Loblied auf Einsatzhundertschaften singen, aber sie vermitteln unheimlich viel aus meiner Sicht. Auch wenn man das oft erst im Nachgang realisiert. Und was sind denn ein paar Jahre von 40 Jahren Dienstzeit? Kurzum, auch wenn es nicht für jeden die Erfüllung ist - sind es aus meiner Sicht sinnvolle Jahre.

Gruß


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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon 1957 » Mi 23. Dez 2020, 16:16

So ist es.

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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon Roachmin » So 27. Dez 2020, 01:46

Hallo!
Lass dich nicht verunsichern:

1.Es ist ganz normal,sich als Berufsanfänger Gedanken über seine Karriere zu machen und sich Ziele zu setzen. Sehr gut!

2. Wie die Vorredner sagen, kannst Du nur in dem gut sein, das Dir auch Spaß macht. Das hört sich bei Dir eher nicht nach BePo an.

3. Diese Denke,man muss alles mal durchlaufen haben ist von vorgestern. Es ist eine Philosophie-Frage. Bei der Bereitschaftspolizei trägst Du kaum Verantwortung und hast kaum Möglichkeiten dich zu entfalten. Die Arbeitsbelastung am Wochenende ist hoch,die tatsächliche Arbeitsbelastung (Was machst Du effektiv, Vorgangsbearbeitung etc.)hingegen gering. Du bewirkst kaum etwas und bist ohne Weiteres austauschbar. Oftmals kommt es nur auf deine Anwesenheit an. Im Streifendienst hast Du daher tendenziell mehr Stress und verdienst dein Geld nicht so locker. Zudem ist der Altersschnitt höher und der Berufsalltag ernsthafter. Aber auch wenn der Streifendienst Nachteile hat, ist er vielfältiger und Du wirst rechtlich,taktische und zwischenmenschlichen deutlich mehr gefordert und lernst auch mehr. Von daher mein Votum, lass die BePo sein :-)

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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon zulu » Di 29. Dez 2020, 22:09

Ja...die geborenen Revier Meister direkt nach der Ausbildung. Weil BePo "sinnbefreit" und "nutzlos" ist. Wehe es stehen aber mal 15 Störer da, dann riecht es aus dem Funkkarren schon leicht nach Angstschiss. Ein halbes Jahr BePo (und viel länger muss da in BW eh keiner mehr bleiben) mit frischen 20-23 Jahren hat noch keinem geschadet und niemandem die Karriere versaut. Obermeister wird man im ganzen Land schnell und es liegen noch ~ 40 Jahre vor einem.

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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Di 29. Dez 2020, 22:48

Ich spare mir den Kommentar, das Kämpfen in Unterzahl des Funkwagens täglich Brot ist und mancher BPler zurück im Einzeldienst eher ohne gewohnten Gruppen- oder Zugrahmen im Rücken die Kontrolle über die Peikertaste verlor....und verweise darauf, dass der TE kein Interesse mehr an diesem Fred zeigt. :polizei3:
:lah:

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Re: Karriereweg im m.D.

Beitragvon DieterK » Fr 1. Jan 2021, 23:37

Du hast große Ziele und machst Dir Gedanken über Dein Fortkommen.
Legitim.
Damit werden ja auch "die Neuen" geworben.

Dennoch..., mein Rat:
Lerne jetzt den Polizeiberuf, ein Schutzman(frau) mit Herz und Verstand und dem rechtlichen Hintergrund.
Setze Dich für Deine Aufgabe und den Bürger ein.
Seie hilfsbereit und lasse Dir von "älteren Kollegen" was sagen.
Lerne jeden Tag.

Dann ergibt sich alles weitere von selbst.

Alles Gute.
Gr.
D.


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