Seid ihr glücklich mit der Berufswahl?

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Seid ihr glücklich mit der Berufswahl?

Beitragvon Polarius » Fr 7. Jan 2022, 20:03

Hallöchen,

ich hätte mal eine Frage die sehr persönlich & individuell ausfallen mag, von vielen Faktoren abhängt. Würde mich vor allem freuen wenn sich auch Feedbacks von Personen mit großer Erfahrung finden würden.

Die Frage(n) lautet/n:
1. Seit wie vielen Jahren seid ihr schon dabei?
2. Seid ihr heute im Polizeiberuf glücklich? - und v.a. wieso bzw. wieso nicht
3. und zu welchem Zeitpunkt in eurer Karriere wart ihr am glücklichsten (wieso) / bzw. unglücklichsten?
ggfs. auch gerne die Amtsbezeichnung :)


ein schönes Wochenende

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SirJames
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Re: Seid ihr glücklich mit der Berufswahl?

Beitragvon SirJames » Sa 8. Jan 2022, 13:51

Polarius hat geschrieben:Hallöchen,

ich hätte mal eine Frage die sehr persönlich & individuell ausfallen mag, von vielen Faktoren abhängt. Würde mich vor allem freuen wenn sich auch Feedbacks von Personen mit großer Erfahrung finden würden.

Die Frage(n) lautet/n:
1. Seit wie vielen Jahren seid ihr schon dabei?
2. Seid ihr heute im Polizeiberuf glücklich? - und v.a. wieso bzw. wieso nicht
3. und zu welchem Zeitpunkt in eurer Karriere wart ihr am glücklichsten (wieso) / bzw. unglücklichsten?
ggfs. auch gerne die Amtsbezeichnung :)


ein schönes Wochenende
Moin,

dann will ich mal anfangen:

1. Ich bin seit knapp dreizehn Jahren dabei.

2. Aufgrund eines vor ein paar Monaten erfolgten Dienststellenwechsels bin ich dienstlich wieder sehr glücklich. Die Tätigkeit im Funkwageneinsatzdienst war und ist das was ich tun will. Mir macht das immernoch unheimlich viel Spaß, gerade die Nachtdienste.

3. Es gab zwei Phasen in meiner Dienstzeit, die ich als "unglücklich" bezeichnen würde. Die erste nach ein paar Jahren EHu, weil ich dienstlich wenig Befriedigung in meiner Tätigkeit fand. Ich will das nicht als allg. "EHu ist doof" verstanden wissen. Für mich waren nur einfach die Phasen innerhalb der Dienste, wo ich meine Tätigkeit als sinnvoll empfunden habe, zu kurz. Die zweite Phase fand ihre Ursache in der Führungskultur der Dienststellenleitung. Die Arbeit als solche, die Dienstgruppe und Vorgesetzten waren absolut top. Hat unheimlich viel Spaß gemacht und Herausforderung geboten. Leider war die Dienststellenleitung aus meiner Sicht katastrophal, was mir (und vielen anderen) letztlich die Dienstfreude geraubt hat.

Beide Phasen wurden mittels Dienststellenwechseln dank der Unterstützung meiner unmittelbaren Vorgesetzten überwunden. Der Polizeiberuf ist für mich nach wie vor gleichermaßen Herausforderung und Erfüllung. Ich würde nichts anderes machen wollen, auch wenn es sicherlich mal schwierige Momente gibt. Aber die gibt es in jedem Beruf. Ich habe das Gefühl, dass wir dann und wann etwas bewirken können. Auch wenn zumindest in meiner Behörde der Funkwageneinsatzdienst (gefühlt) manchmal etwas abschätzig betrachtet wird - für mich ist es die spannendste Aufgabe, die ich mir vorstellen kann.

Gruß

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Re: Seid ihr glücklich mit der Berufswahl?

Beitragvon 1957 » Sa 8. Jan 2022, 16:06

Also ich war 46 Jahre dabei. Anfangs wusste ich gar nicht, worum es überhaupt geht. Dann bin ich drin aufgegangen. Mein Beruf war mein größtes Hobby. ALso ich war mit meiner Berufswahl glücklich. Würd ich wieder machen. Es gibt immer mal im Leben Durststrecken und schwierige Momente, vermeintliche Ungerechtigkeiten und Pech. Aber so ist dass. Der Job hat mir immer Spaß gemacht.

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Re: Seid ihr glücklich mit der Berufswahl?

Beitragvon Vollzugsbub » So 9. Jan 2022, 02:38

1957 hat geschrieben:
Sa 8. Jan 2022, 16:06
Es gibt immer mal im Leben Durststrecken und schwierige Momente, vermeintliche Ungerechtigkeiten und Pech. Aber so ist dass. Der Job hat mir immer Spaß gemacht.
:zustimm: :zustimm:
es gibt viele fettnäpfchen, so viele das sie für alle reichen............

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Re: Seid ihr glücklich mit der Berufswahl?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » So 9. Jan 2022, 11:50

Ich bin jetzt ziemlich genau halb solange dabei, wie 1957 dabei war.

Ich habe viel ausprobiert und mich in unterschiedlichen Verwendungen versucht. Zum Teil waren da Sachen dabei, die ich absolut nicht als für mich in Frage kommend einstufte, zum Teil waren das Sachen, die mit meiner Erwartungshaltung nicht übereinstimmten.

Richtig gefrustet war ich in meinem fünften Jahr auf der Wache, als meine lieb gewonnene Dienstgruppe aus vielerlei Ursachen auseinander brach und im neuen Gefüge meine große Schnauze nicht direkt als Gewinn und immer richtig liegend angesehen wurde. :polizei3:

Die anderthalb Jahre danach, die ich als meinen Ausweg sah, waren aber noch bescheidener, also war ich froh, schnell wieder zurück gekehrt zu sein.

Nach der Ausbildung die Versetzung weit weg von der Heimat war auch nicht geeignet, mich glücklich zu stimmen. Dennoch bin ich dieser Behörde mit Ausnahme der o. g. 18 Monate seitdem treu geblieben - was mir auch nicht geschadet hat.

Aktuell bin ich wieder in einer Funktion, zu der ich kam, wie die Jungfrau zum Kind. Die macht aber auch Spaß und das Team ist motiviert und aus vergangenen gemeinsamen Zeiten an mich gewöhnt. :polizei2:

Am Besten rückblickend waren die ersten Jahre auf der Wache, nachdem man einen Plan hatte, worum es geht und den Beruf Streifenbeamter verstanden hat. Und meine zweite Führungsfunktion in einer Dienststelle, die ich mir so auch nicht vorher gesagt hätte, waren super, weil ich da persönlich aus meiner Komfortzone musste, das Team aber noch aus der oft zitierten alten Garde bestand, bei der Schutzmannsehre nicht nur ein Wort war.

Aber was hilft diese individuelle Beurteilung persönlicher Karrierewege?

Spannender ist doch die Frage, wie du aufgestellt bist und ob du es zulassen kannst, glücklich zu sein, auch wenn ein paar Rahmenbedingungen nicht passen?

Es wird immer passieren, dass dir das (Polizei)leben Stöcke zwischen die Beine wirft.

Das geht los, dass es nicht der Erstwunsch des Studienortes wird, dann stimmt vielleicht die Erstverwendungsbehörde nicht, später kommst du nicht auf die Wunschwache, deine Ehu Zeit ist langweilig oder dein lang ersehnter Wunsch, zum SEK zu gehen scheitert an einer bis dahin nicht erkannten Vorverletzung. Oder im Kleinen, dass dein Dienstfreiwunsch an Heiligabend oder an Mamas 70. doch nicht realisiert werden kann und du auf dem Ackerwagen sitzt, statt an der eingedeckten Tafel.

Und das sollte sich jeder Bewerber überlegen:

Kann ich mich damit arrangieren und trotzdem gut gelaunt zum Dienst erscheinen? Oder werde ich einer von den ewig miesepetrigen, die alleine durch ihre Anwesenheit für schlechte Laune sorgen?

Ansonsten kann ich mich nur immer wieder wiederholen. Für mich ist das der geilste Job der Welt. Wenn es ihn nicht gäbe, müsste man ihn für mich erfinden. Und auch das sage ich immer wieder gerne: Die Rahmenbedingungen und auch die finanzielle Situation haben sich in den letzten 20 Jahren enorm verbessert.

Und, das nur am Rande:

Als das Anfang der 2000er unter schwarzgelb in NRW mal anders war, Sonderzahlungen gestrichen, dafür aber die Lebensarbeitszeit hoch gesetzt wurde, habe ich da zwar nicht hurra geschrien. Aber an meiner Motivation und meiner Dienstverrichtung hat das wenig geändert. Meine Wertschätzung, bzw. meinen Hingabewillen kriege ich von anderer Seite. Nicht von der Politik, nicht von den Medien und erst Recht nicht von den Couchexperten aus den sozialen Medien oder mancher ausgewiesener sachkundigen User hier.
:lah:

1957
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Re: Seid ihr glücklich mit der Berufswahl?

Beitragvon 1957 » So 9. Jan 2022, 12:34

:zustimm: :applaus: :applaus:


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