„Wertschätzung“ des mD

Erfahrungsberichte, Probleme und Verbesserungsvorschläge...

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JustanormalGuy
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„Wertschätzung“ des mD

Beitragvon JustanormalGuy » Di 13. Sep 2022, 07:23

Mich würde interessieren, wie eure Erfahrungen im Umgang mD-gD sind. Gibt es Befehlston, Hierarchie oder funktioniert die Zusammenarbeit unabhängig vom Dienstgrad, also mD darf auch eigenständig denken und muss nicht jedes Mal bei gD rückversichern?

Gibt es feste Streifenführer?

(besonders interessant SH, MV, HH)

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DerLima
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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon DerLima » Di 13. Sep 2022, 08:30

Da draußen, in freier Wildbahn, auf dem Wagen, da interessiert es in der Regel Niemanden wer welches Amt hat.

Im absoluten Zweifel hat der gD das letzte Wort und wenn es hart auf hart kommt, ist der gD der Streifenführer und der Verantwortliche. Das dürfte allerdings die Ausnahme darstellen, dass es soweit kommt.
Der Normalfall ist die Zusammenarbeit auf Augenhöhe und der Entscheider ist der, der in dem konkreten Sachverhalt führt. Und das wechselt sich ab, nach Vorlieben, Kenntnissen, Erfahrungen und vorheriger Absprache.

Die Sache mit dem Streifenführer kommt erst zum tragen, wenn es haarig wird.

So ist mein Erleben in 10 Jahren als mD auf dem Wagen. Junge Kommissare folgen oft mir, weil die Erfahrung noch fehlt, aber wären auf dem Papier die Streifenführer.
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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon Feuerfurz » Di 13. Sep 2022, 16:12

Ansonsten auf der geschlossenen Einheit haben natürlich die Gruppenführer (gibt es je nach BL aber auch als mD) und Zugführer die Kappe auf.

Aber so einen richtigen Befehlston habe ich jetzt auch da noch nicht erlebt, außer ein Neuer stellt sich doof an.
Ansonsten gibt es dort die Hierarchie, dass nach den offiziellen Vorgesetzten die erfahreneren Mannschaften natürlich was zu Sagen haben.

Ich glaube Bayern und die BPol sehen das mit den Laufbahnunterschieden noch etwas strenger, kann das sein?

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SirJames
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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon SirJames » Do 15. Sep 2022, 08:12

Moin,

ich habe in meinen dreizehn Jahren (sowohl als Mitarbeiter mD und gD in B) unterschiedliche Erfahrungen gemacht was dieses Thema angeht.

Während meiner Zeit auf der EHu gab es eine klare Hierarchie zwischen Mannschaft (mD), Gruppenführung (mD und gD) und Zugführung (gD). Der Umgang war sehr kollegial, aber jedem war klar wo sein PLatz im Gefüge und vor allem im Einsatz ist. Mein "Spielraum" als PM ohne Funktion war da gering, wenngleich einem im Rahmen kleinerer Einsätze (AAO oder VSK z.B.) durchaus auch Freiraum gegeben wurde Sachverhalte mal abzuarbeiten. Aber immer unter den wachsamen Augen der jeweiligen Funktioner. Natürlich entstand da hier und da auch mal Reibung, insbesondere wenn da mal sehr unterschiedliche Charaktäre aufeinander trafen, aber alles in allem gab es eine klare Struktur, die ich als sehr positiv bewerte.

Als mDler auf dem Abschnitt habe ich unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Das Dienstgruppengefüge habe ich im Allgemeinen als weniger "hierarchisch" erlebt, innerhalb der Mannschaft zw. mD und gD aber auch zwischen Dienstgruppenleitung und Mannschaft. Ich wurde eigentlich nie meines Dienstgrades wegen in irgendeiner Form "herabgesetzt", obwohl ich gerade die ersten Jahre mit Abstand der "Flachste" in meiner Dienstgruppe war. Anfangs noch kurz als PM und dann als POM war es völlig normal, dass ich als Streifenführer und wenn ich der erste Wagen am Ort war, Einsätze geführt habe, obwohl in den nachfolgenden Wagen vielleicht gestandene OKs und HKs saßen.

Wobei ich an der Stelle klar sagen muss, dass es aus meiner Sicht immer eine Frage des Umganges untereinander ist. Ich habe mich immer bei den älteren Kollegen im Einsatz rückversichert, habe mir Rat geholt, habe sie nicht umher "gescheucht" oder sonstiges. Ich habe ihnen grade am Anfang auch oft angeboten (gerade bei größeren Lagen) die Führung zu übernehmen, einfach als Zeichen des Respekts vor Ihrem Stand. Kurz, ich habe versucht sie wissen zu lassen, dass ich mir meiner eigenen Stellung im Gefüge bewusst bin, auch wenn man nie darüber spricht und die im täglichen Dienst erstmal nicht weiter von Belang ist. Und ich glaube dass das die Kunst im Umgang untereinander in jedem Gefüge ist.

In den letzten 2 bis 3 Jahren ist das Gefüge aus meiner Sicht auch in den Dienstgruppen schwieriger geworden. Ursachen sind aus meiner Sicht die massive Verjüngung und der oft fast gänzlich fehlende Mittelbau. Da kommt es dann doch hin und wieder zu Reibereien. Nach meiner pers. Erfahrung dann aber zw. jungen Mitarbeitern mD und jungen Mitarbeitern gD, die alle versuchen ihre Position zu finden. Die Konkurrenz untereinander ist nach meinem Gefühl etwas größer geworden.

Grüße
“No, I don’t wonder Marty. The world needs bad men. We keep the other bad men from the door.”

(true detective)

JustanormalGuy
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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon JustanormalGuy » Sa 17. Sep 2022, 06:26

Danke für euren Input :)

Gibt es denn eigentlich überall Gruppenleiter, also Zwischenebene DGL-Schicht ? Oder bei manchen Ländern nicht vorgesehen?

Admcmuffin
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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon Admcmuffin » Sa 17. Sep 2022, 08:37

:hallo:

Ein Recht interessanter Artikel zur Hierarchie:


https://karrierebibel.de/flache-hierarchie/

:zeitung:

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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon Schandi00 » Mi 21. Sep 2022, 17:57

JustanormalGuy hat geschrieben:
Sa 17. Sep 2022, 06:26
Danke für euren Input :)

Gibt es denn eigentlich überall Gruppenleiter, also Zwischenebene DGL-Schicht ? Oder bei manchen Ländern nicht vorgesehen?
? DienstGRUPPENleiter?

An_dy
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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon An_dy » Do 22. Sep 2022, 01:22

@SirJames: :zustimm:

Es gibt regelmäßig oberschlaue Bürger, die nach Dienstgrad gehen und glauben, sie entscheiden mit wem es ihnen genehm ist zu sprechen. Entweder Klugscheisser oder man hält sich für was Besseres.
Da ist mD einfach unter ihrer Würde :polizei3:
Anstrengend, wenn es wegen Pillepalle klare Ansagen braucht.

Junge Kollegen möglichst schnell einnorden. Dann passt das in der Regel.
Zuletzt geändert von An_dy am Do 22. Sep 2022, 01:38, insgesamt 1-mal geändert.

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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Do 22. Sep 2022, 07:33

Wie oft ist dir das denn passiert?
:lah:

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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon Admcmuffin » Do 22. Sep 2022, 07:57

:lupe:

Die Unterschiede zwischen dem mD und dem gD liegen darin, dass der Polizist / die Polizistin mD sich im laufe seiner / ihrer Karriere nicht auf alle Stellen bzw. Funktionen bewerben kann und in der Besoldung.

Wertschätzung erfährt man nicht aufgrund seines Schulterstücks, sondern aufgrund dessen was / wer man ist, aufgrund seiner Eigenschaften, seiner Qualitäten, seiner Erfahrungen, seiner Menschlichkeit, etc.

:hallo:

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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon 1957 » Do 22. Sep 2022, 11:20

:zustimm:

An_dy
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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon An_dy » Do 22. Sep 2022, 17:20

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:
Do 22. Sep 2022, 07:33
Wie oft ist dir das denn passiert?
Zwei Mal pro Jahr findet sich schon so ein Pappenheimer, dem ein freundlicher Hinweis nicht ausreicht. Man möchte doch „direkt mit dem Entscheider“ sprechen.

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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Do 22. Sep 2022, 17:25

Faszinierend. Mir ist das in 20 Jahren genau einmal passiert. Allerdings umgekehrt, da wollte der Bürger lieber mit dem mit mehr Sternen sprechen - auch wenn die eine andere Farbe als silber oder gold hatten. ;D

Ein Länderwechsler, der aus NRW in ein östliches BL wechselte, wusste mal zu berichten, dass da die Trennung doch noch strikter ist und er als POK auch mal ermahnt wurde, nicht zu leutselig mit dem mD zu verkehren. Ist aber auch schon wieder einige Jahre her.

Ich glaube, Standesdünkel kann es überall geben. Muss aber nicht an den Sternen liegen. Bei uns, wo mittlerweile alle PK sind und der Mittelbauch fehlt, geilt man sich halt an Standzeit, Vorverwendung oder Zusatzquali auf. Liegt halt am Chef, ob und wie weit er das zulässt.
:lah:

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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon An_dy » Do 22. Sep 2022, 17:51

Kaeptn_Chaos hat geschrieben:
Do 22. Sep 2022, 17:25
Faszinierend. Mir ist das in 20 Jahren genau einmal passiert. Allerdings umgekehrt, da wollte der Bürger lieber mit dem mit mehr Sternen sprechen - auch wenn die eine andere Farbe als silber oder gold hatten. ;D

Ein Länderwechsler, der aus NRW in ein östliches BL wechselte, wusste mal zu berichten, dass da die Trennung doch noch strikter ist und er als POK auch mal ermahnt wurde, nicht zu leutselig mit dem mD zu verkehren. Ist aber auch schon wieder einige Jahre her.

Ich glaube, Standesdünkel kann es überall geben. Muss aber nicht an den Sternen liegen. Bei uns, wo mittlerweile alle PK sind und der Mittelbauch fehlt, geilt man sich halt an Standzeit, Vorverwendung oder Zusatzquali auf. Liegt halt am Chef, ob und wie weit er das zulässt.
Kommt wohl aufs Gegenüber an.
Bei meinem Nebenjob, als Hausmeister, gibt es auch Sympathen, die es noch nie für nötig gehalten haben, mich zu grüßen. Solchen begegnet man im Dienst eben auch.
Unter Kollegen erlebt man sowas selten. Der Youngstar, der sich überschätzt bietet schnell die Gelegenheit ihn auf die Nase fallen zu lassen. Blöd, wenn man eben doch noch die Erfahrung des Dienstälteren braucht. Die Lektion ist schnell gelernt.

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Re: „Wertschätzung“ des mD

Beitragvon JustanormalGuy » Do 22. Sep 2022, 19:54

Schandi00 hat geschrieben:
Mi 21. Sep 2022, 17:57
JustanormalGuy hat geschrieben:
Sa 17. Sep 2022, 06:26
Danke für euren Input :)

Gibt es denn eigentlich überall Gruppenleiter, also Zwischenebene DGL-Schicht ? Oder bei manchen Ländern nicht vorgesehen?
? DienstGRUPPENleiter?
Meine ich ja gerade nicht. Eine Zwischenstufe 😅


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