Als Jurist zur Polizei?!

Auswahlverfahren und Ausbildung
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Als Jurist zur Polizei?!

Beitragvon Xerxes1 » Fr 2. Mai 2008, 06:57

Hallo zusammen!

Ich werde demnächst mein zweites juristisches Staatsexamen machen und möchte danach in den Polizeidienst. Als ich in Eutin anrief und fragte welche Möglichkeiten ich da hätte, hieß es, es gäbe keinen höheren Dienst in S-H, man käme nur über den gehobenen Dienst rein. Auch würde sich mein Studium/Referendariat nicht positiv auf meine Aufstiegschancen auswirken, da nur die Leistungen im Beruf selbst zählten.

Daher meine Fragen:
- Gibt es tatsächlich keinen höheren Dienst?

- Falls doch kann man sich direkt bewerben?

- Wird beim Aufstieg gD -> hD das berufliche Vorleben/Kenntnisse berücksichtigt (also in meinem Fall eben der Volljurist) oder zählt nur die polizeinterne Leistung?



Jetzt bitte nicht falsch verstehen! Natürlich wird die Frau Ahnung haben wovon sie redet. Allerdings kenne ich den Verwaltungsaufbau nur mit mD/gD/hD und kann es mir ehrlich gesagt auch nicht anders vorstellen.

Gerne würde ich mich auch beim gD bewerben. Allerdings sollten dann die letzten sieben Jahre in der späteren Laufbahn nicht vollkommen unberücksichtigt bleiben. Zumal ich mit meinen 27 Lenzen nun auch nicht mehr zu den Jüngsten gehöre :mrgreen:

Schimanski
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Beitragvon Schimanski » Fr 2. Mai 2008, 07:17

Moin!

Doch, natürlich gibt es auch einen höheren Dienst in S-H. Allerdings ist es hier wie z.B. in Niedersachsen nicht möglich, dort direkt einzusteigen.

Deine Qualifikation als Jurist wird Dir aber sicher während des Studiums in Bezug auf die Rechtsfächer hilfreich sein.

Allerdings habe ich keine Ahnung, inwieweit persönliche Qualifikationen außerhalb der polizeilichen zu größeren Chancen für den Einstieg in den höheren Dienst von Nutzen sind.

Generell wirst Du auch dafür ein Einstellungsverfahren durchlaufen, bei dem eben die (Noten-)Besten genommen werden. Da sind die Chancen also für jeden gleich.

Ich meine, man kann sich nach drei Jahren im gehobenen Dienst für den höheren Dienst bewerben.

chst
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Beitragvon chst » Fr 2. Mai 2008, 07:19

Hi Xerxes1

1)klar kann man sich für den höheren Dienst bewerben jedoch nur wenn es dazu explizit eine Stellenausschreibung gibt

2)bei Bewerbung guckst du hier http://www.polizei-studium.de/index.php ... taticID=46 :ja:

Gruß

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Beitragvon 66251 » Fr 2. Mai 2008, 11:25

In Schleswig-Holstein gibt es die Möglichkeit einer Direktbewerbung im LA III (höherer Dienst) definitiv nicht. Im Internet findet man auf der Seite der Landespolizei S-H auch recht viele Informationen:

https://www.polizei.schleswig-holstein. ... _node.html

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Beitragvon Trooper » Fr 2. Mai 2008, 12:27

Es gibt einige wenige Bundesländer (welche das genau sind, kann ich dir aus dem Kopf auch gerade nicht sagen), in denen ab und zu einige ganz wenige Stellen für Direkteinsteiger in den hD ausgeschrieben werden. Die überwiegende Mehrheit des hD rekrutiert sich aber aus Aufsteiger, die vorher im gD und davor tw. auch im mD waren.

Hintergrund ist, daß Polizei nunmal ein Erfahrungsberuf ist und einem Direkteinsteiger in den hD einfach bestimmte fundamental wichtige Diensterfahrungen fehlen, die sich auch nicht durch das eine oder andere Praktikum mal eben so ausgleichen lassen. Das ist auch der Grund dafür, daß die besagten Direkteinsteiger von den Kollegen im Regelfall sehr skeptisch betrachtet werden. Ich selber halte diese Variante auch nicht für gut, sondern vertrete die Ansicht, daß jeder erstmal an der Basis anfangen und den Beruf von der Pike auf lernen sollte.

Wenn du dir selber und den Kollegen also einen Gefallen tun und ein "richtiger" Polizist werden willst, bewirb dich für den gD. Die Kollegin, mit der du gesprochen hast, hat übrigens dahingehend recht, daß für das Fortkommen in der Polizei tatsächlich nicht irgendwelche vorher erworbenen Qualifikationen ausschlaggebend sind, sondern die dienstlichen Leistungen (Ausnahmen gibts manchmal für bestimmte exotische Spezialqualis z.B. auf technischem Gebiet).

Dies gilt auch für den Aufstieg in den hD. Grob gesagt sind die Voraussetzungen dafür wie folgt:

- Laufbahnausbildung gD mit "gut" abgeschlossen
- erstes Beförderungsamt (POK/A10) erreicht
- entsprechend gute dienstliche Beurteilungen
- Verwendungsbreite
- Bestehen eines Auswahlverfahrens

Ob du irgendwann mal Jura studiert hast, ist dafür also relativ unerheblich; dein Studium könnte dir allenfalls wie gesagt die Ausbildung erleichtern. Da der Anteil des hD an den Gesamtbeschäftigten recht klein ist (wenige Prozent), ist die Chance auf einen Aufstieg generell eher klein.

Ich weiß, daß immer gerne gesagt wird, mit einem Jurastudium könnte man alles machen, aber Tatsache ist nunmal, daß es nicht der optimale, einfachste oder erfolgversprechendste Weg ist, etwas bei der Polizei zu werden. Hierfür ist der Königsweg nach wie vor der polizeiinterne Ausbildungsgang. Was du vorher gemacht hast. ist relativ unerheblich. Auf deutsch gesagt: wenn du nicht einen der wenigen Direkteinstiegsplätze bekommst, kannst du mit deinem Studium bei der Polizei genau das anfangen, was du auch mit deinem Abi vor sieben Jahren hättest machen können.

In meinem Kollegenkreis sind auch etliche Vollakademiker, die mit einem abgeschlossenen Hochschulstudium aus den verschiedensten Fachrichtungen zur Polizei gekommen sind und bei uns jetzt einen Streifenwagen fahren. Such is life ;) Die einzigen beiden Fälle in meinem persönlichen Bekanntenkreis, in denen das Studium den Betreffenden polizeiintern genützt hat, betreffen einen Maschinenbauer und einen BWL'er. Beide bekamen irgendwann den Zuschlag für eine Spezialverwendung, der eine als Sachgebietsleiter W/T/ABC, der andere als Ermittler für Wirtschaftskriminalität.

Im übrigen bist du mit 27 Jahren auch noch nicht sonderlich alt. Die Masse der Neueinsteiger ist zwar jünger, aber wir hatten seinerzeit auch etliche Kollegen, die noch gerade so unterhalb der Altersgrenze lagen.
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Beitragvon Xerxes1 » Fr 2. Mai 2008, 12:58

:) Vielen Dank für eure Antworten! :)

Ich habe etwas im Forum gestöbert und werde mich jetzt auf jeden Fall bewerben.

Wenn die Teamarbeit und Zusammenhalt bei der Polizei tatsächlich so ist, wie es hier im Forum rüberkommt, dann ist das genau mein Ding. Bei den Rechtsanwälten, Richtern, Verwaltungsleuten etc. hat mir nämlich genau das gefehlt.
Was nützt einem ein uU besseres Gehalt, wenn die Arbeit keinen Spaß macht?!

Drückt mir die Daumen für das Auswahlverfahren und nochmal danke!

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Beitragvon RGSpH » Fr 2. Mai 2008, 14:12

Hallo,

vielleicht ziehst Du als Alternative auch die anderen Behörden in Betracht. Bei uns (Zoll) gibt es den Direkteinstieg im höheren Dienst. Theoretisch gibt es auch den Aufstieg gD --> hD aber in sehr geringen Umfang. Behördenleiter z. B. bei Zollfahndungsämtern können nur "Voll"-juristen werden, sprich abgeschlossenes Jurastudium, da werden Aufsteiger nicht zugelassen. Die können max. Vetreter werden. Um Sinn und Unsinn mag ich aber nicht streiten, zumindest nicht in diesem Fred :)

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Beitragvon Biene1227 » Fr 2. Mai 2008, 14:14

[quote=""Xerxes1""](...) Teamarbeit und Zusammenhalt bei der Polizei (...)

Bei den Rechtsanwälten, Richtern, Verwaltungsleuten etc. hat mir nämlich genau das gefehlt. [/quote]


Du hast mein größtes Verständnis - du hast leider Recht, was die fehlende Kollegialität unter (den meisten) Juristen betrifft.
Ich wünsch dir viel Erfolg bei deiner Bewerbung!!!! :kleeblatt:
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Beitragvon Xerxes1 » Fr 2. Mai 2008, 21:58

@ RGSpH: Danke für den Tipp! Ich wohne z. Zt. in Kiel und werde und werde gleich mal eine Bewerbung gen Nord-Ost-See Kanal schicken ;)

@ Biene1227: Hast du Erfahrung in dieser Richtung? Danke für deine Glückwünsche! Ich habe am 06.05. den 2. Teil meines Bewerbungsverfahrens. Zumindest im Referat hoffe ich etwas aus meiner "Berufserfahrung" schöpfen zu könne. Ansonsten hat mal eine guter Freund gesagt "s´kütt wie´s kütt" und recht hat er! Wird schon schiefgehen! :)

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Beitragvon Biene1227 » Sa 3. Mai 2008, 01:39

Du hast ne pn :wink:
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