Erfahrungen vom 1. und 2. Testtag in Meiningen/Erfurt

Auswahlverfahren und Ausbildung
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Erfahrungen vom 1. und 2. Testtag in Meiningen/Erfurt

Beitragvon Ucpho » Mi 15. Jan 2014, 18:00

Da ich selbst sehr gerne hier im Forum von den Erfahrungen anderer Bewerber gelesen habe, möchte ich dieses nun gerne auch selbst zurück geben. Folgend könnt ihr meine Erfahrungen des 1. Testtags in Meiningen lesen.
Bei Fragen oder Anmerkungen stehe ich euch gerne per PN zur Verfügung. :zustimm:
Inhalte der Tests gebe ich allerdings nicht raus. Einerseits erinnere ich mich nicht so genau daran und andererseits findet ihr alle Infos auf der Homepage des Landes Thüringen und im Hesse&Schrader.
Mein Bericht vom 2. Testtag in Erfurt habe ich bereits in der Warteschleife. Und nun viel Spaß beim Lesen und viel Erfolg bei euren Tests!



Meinen aller ersten Test hatte in Meiningen, Thüringen. Ich habe mich auf den Testtag so gut es ging, vorbereitet, jedoch habe ich über Weihnachten meinen normalen Sport nicht machen können, sodass Liegestütze jeden Abend mein Gewissen, ob des deftigen Essens über Tage hinweg, beruhigen mussten.

Der Test fand in der zweiten Januarwoche statt, also schon eine Woche nach den Weihnachtsferien.

Vorbereitung

Ich habe mich, so gut es ging, auf Diktat, PC- und Sporttest vorbereitet. Auch Unterkunft in einem Hostel und Bahntickets waren gebucht (dass man auch auf dem Gelände übernachten kann, erfuhr ich leider erst durch einen anderen Bewerber). Auch die Wegbeschreibungen vom Bahnhof zum Hostel und vom Hostel zum Ausbildungszentrum von Google Maps waren ausgedruckt.

Zuletzt habe ich noch die Einladung zum Test sowie die Seite des Landes Thüringen zu Rate gezogen, die sehr hilfreich waren. :zeitung:
Was muss ich mitbringen?

Einladung und Personalausweis zum Vorzeigen an der Wache
die Originale aller als Kopie eingesandter Dokumente der Bewerbung
Sportsachen
helle bzw. abriebfeste (nonmarking) Hallenschuhe
Verpflegung (Erwerb vor Ort nur eingeschränkt möglich)
Mit Sack und Pack ging es also am Vortag zum Bahnhof und mit dem Zug ins schöne, beschauliche Meiningen.

Ankunft in Meiningen

In Meiningen angekommen, die pöbelnden Typen am Bahnhofsausgang ignoriert und kaum zehn Laufminuten später befand ich mich am Hostel.

Um am nächsten Morgen keine Probleme zu haben den Testort zu finden, bin ich direkt nach Ankunft im Hostel den Weg zum Testort mit Hilfe der Wegbeschreibung abgelaufen. Ich brauchte ca. 15 Minuten, die ich dann für den morgigen Tag einplante. Ich prägte mir den Weg genau ein, denn morgen würde ich ihn um halb sieben im Dunkeln laufen müssen.

Den Abend vertrieb ich mir mit dem "Hesse und Schrader"-Buch, das ich mitgenommen hatte und rechnete noch einige Aufgaben durch. Hier habe ich wirklich bereut, mir nicht noch ein normales Buch zum Lesen mitgenommen zu haben. :nein:

Der Testtag

Pünktlich Viertel vor Sieben stand ich am Eingang zum Gelände der Ausbilungsstätte Meiningen. Vor mir wurden gerade zwei Mädchen von ihren Eltern im Auto abgesetzt, eines der beiden Mädchen hatte einen riesigen Koffer zu ziehen.

Die beiden brauchten am Eingang dann auch etwas länger, ihre Personalausweise hervor zu kramen, um sie dem Beamten vorzuzeigen. :pfeif:
Ich hingegen hatte Einladung und Perso griffbereit, zeigte diese vor und bin dann mit den beiden Mädels zum ersten Gebäude, das Gebäude des Polizeiärztlichen Diensts, gegangen.

Im Gebäude gab es einen recht großen Wartebereich mit einigen Couches. Dieser Wartebereich war voller Bewerber, die sowohl saßen als auch standen und Löcher in die Luft starrten. Ich glaube, bei meinem noch recht ruhigen "Guten Morgen" habe ich einige zusammen zucken sehen.

In dieser Gruppe wurde Augenkontakt vermieden, von Gesprächen ganz zu schweigen. Ich glaube, hier spielten Müdigkeit und Prüfungsangst sehr stark zusammen. :sleep:

Ärztliche Sichtung

Wir wurden pünktlich um Sieben von einem Beamten des Polizeiärztlichen Diensts in das Gebäude geführt und nahmen in einem weiteren Raum Platz.

Während die Bewerber einzeln und in alphabetischer Reihenfolge nach nebenan gerufen wurden, bekamen wir zwei Zettel zum Ausfüllen.

Beim ersten Zettel handelte es sich darum, dass wir bestätigten, uns in der Lage zu fühlen, am Sporttest teilnehmen zu können. Der zweite Zettel war eine Umfrage, die sich für Alter, Herkunft, beworbene Bundesländer und Verbesserungsvorschläge am Bewerbungsverfahren interessierte.

Bereits zu diesem Zeitpunkt zahlte sich aus, dass ich genug Kugelschreiber eingepackt hatte, denn so konnte ich nicht nur selbst in Ruhe meine Zettel ausfüllen, sondern noch drei weiteren Personen Kullis ausleihen. :ja:

Bereits beim Aufrufen der Namen fiel auf, dass einige Bewerber fehlten. Insgesamt waren 25 Bewerber für diesen Testtag eingeladen worden und nur 20 erschienen, davon 7 Frauen und 13 Männer.

Endlich wurde ich aufgerufen. Dort musste ich der Ärztin einige Fragen beantworten ("Fühlen Sie sich gut? Haben Sie irgendwelche Krankheiten? Allergien?"). Anschließend musste ich meine Schuhe ausziehen und es wurde meine Größe gemessen. Heute war ich 2 Zentimeter kleiner als mein Perso behauptet, aber allemal groß genug, um die Mindestanforderungen für eine Einstellung von 1,63m zu schaffen.

Anschließend habe ich wohl so schnell wie noch nie meine Schuhe wieder angezogen und bin wieder ins Wartezimmer gegangen.

Im Wartezimmer lockerte sich so langsam die Atmosphäre und ich konnte mit meinen beiden Nachbarn darüber scherzen, wie viel Spaß es macht, unter den zwei Augenpaaren im Nebenzimmer möglichst schnell die eigenen Schuhe aus- und wieder anzuziehen. :applaus:

Vorstellungen und Nummern

Nachdem alle Bewerber vermessen waren, wurden wir über das Gelände zu einem anderen Gebäude geführt. Dieses Gebäude trug bereits die Aufschrift, dass die Verantwortlichen und Testräume der EAVs hier zu finden seien.

Auf dem Weg zum Gebäude konnte ich in einen Unterrichtsraum schauen, einer praktischen Übung in Zivil- und Verfolgungsfahrzeug zu schauen und einigen Anwärtern, die uns entgegen kamen, zunicken. Die Anwärter haben uns mindestens ebenso neugierig gemustert wie wir sie.

Wir wurden in einen Warteraum gebracht, der für uns den ganzen restlichen Tag noch Aufenthaltsraum sein würde. Der Raum war angenehm groß, mit Stühlen und Tischen in der Mitte ausgestattet, hatte Infoflyer über die Polizei an der einen Seite und aktuelle Zeitschriften zu Sport, vom ADAC etc. auf den Tischen ausliegen.

An diesem Tag wurden wir von zwei Beamten betreut. Diese stellten sich vor und erklärten stets den weiteren Verfahrensablauf.

Das begann damit, dass wir der Reihe nach Nummern zugeordnet bekamen. Diese Nummer symbolisierte sowohl meinen Platz im PC-Raum als auch die Nummer meines Spinds, in den wir vor den Tests stets alles (Jacken, Rucksäcke, Handys, Essen) zu packen hatten.

Die beiden Mädchen, denen ich bereits am Eingang begegnet war, wurden von einem der beiden Beamten rausgerufen. Sie verließen kurze Zeit später mit einem Haufen Papier in der Hand samt Gepäck und Allem unsere Runde.
Erst später am Tag erfuhren wir, dass die beiden vermutlich zu klein waren und die Mindestgröße nicht erfüllten. Die vielen Papiere, die sie mitnahmen, waren ihre Bewerbungsunterlagen, die auch im weiteren Verlaufe des Tages alle Bewerber, die bei einem der Tests durchfielen, zurück bekamen. :nein:

Rechtschreibüberprüfung

Das Diktat fand am PC statt. Für das Diktat hatten wir 30 Minuten Zeit, wobei die verbleibende Zeit im Programm angezeigt wurde.

Uns wurde ein Text angezeigt, bei dem einzelne Worte oder Kommas farbig hinterlegt waren. Diese Worte sollten wir korrigieren oder aber, waren sie richtig, so belassen. Insgesamt gab es drei Seiten Text, wobei man, hatte man einmal umgeblättert, nicht wieder zurück konnte.

Ich habe mir sehr viel Zeit für den Text und die Überprüfungen gelassen und war trotzdem schon nach der Hälfte der Zeit fertig.
Wer fertig war, hat den Raum verlassen und ist wieder in den Warteraum zurückgekehrt.

Nachdem die gesamte Gruppe wieder im Warteraum war, mussten wir keine fünf Minuten warten. Einer der beiden Beamten kam rein und rief einen Namen auf. Der Bewerber verließ mit ihm den Raum. Anschließend hat die verbleibende Beamte uns den Ablauf für den weiteren PC-Test erklärt. Damit war klar, wir waren weiter. :ja:

Leistungstest (PC-Test)

Nachdem sich alle vor die PCs gesetzt hatten, wurde uns auch vor diesem Test ausführlich die Funktionsweise des Testprogramms sowie das Vorgehen des Tests erläutert. Wir bekamen einen Stift sowie Schmierpapier zur Verfügung gestellt, die wir für den Test (ausgenommen des Abschnitts zum Gedächtnis) benutzen durften.

Sämtliche Aufgaben, die in diesem Test dran kamen, habe ich so oder so ähnlich bereits im "Hesse und Schrader" üben können. :verweis:

Wir hatten bei diesem Test auch Zeitbeschränkungen, allerdings nicht für den Test insgesamt, sondern jeweils zu den Aufgabentypen (bspw. drei Minuten für 15 Matheaufgaben).

Bei einigen Aufgabentypen hatte ich so viel Zeit, dass ich noch einen kompletten Kontrollgang machen konnte, bei anderen wiederum lief die Zeit ab, als ich gerade das Ergebnis auf dem Schmierpapier vor mir stehen, es eingetippt hatte und auf "Weiter" klicken wollte.

Mit guter Vorbereitung und genügend Ruhe (ärgern darüber, dass man noch nicht fertig war mit dem Aufgabentyp bringt nichts, sondern hält auf) ist dieser Test eigentlich gut machbar.

Nach diesem Test haben wir etwas länger im Aufenthaltsraum warten müssen, bevor es weiter ging. Positiv war, dass nach diesem Test alle Bewerber auftauten und wir gemeinsam über den Test, mögliche Fehler, den Zeitdruck und allgemeinere Dinge sprechen und witzeln konnten.

Von unserer Gruppe wurden drei Bewerber rausgerufen. Einer der drei konnte wohl am Sporttest nicht teilnehmen, die anderen beiden waren beim Leistungstest durchgefallen.
Unsere Gruppe hatte sich damit auf vierzehn Bewerber verkleinert. Wir sprachen ein wenig über das Durchfallen und so erfuhr ich, dass einige der Bewerber das zweite Mal hier in Thüringen dabei waren. Andere konnten von ihren Erfahrungen in anderen Bundesländern berichten, in denen es im Gegenteil gut war, aufgerufen zu werden.

Sporttest

Zur Sporthalle mussten wir einmal die lange Seite des Geländes lang laufen. Die Sporthalle war allerdings auch nicht zu verfehlen.

Von den beiden Sportprüfern wurden uns die drei Aufgaben, der Kasten-Boomerang-Test, Liegestütze und der Coopertest grob skizziert und uns dann etwas Zeit zum Aufwärmen gegeben.

Pro Aufgabe gab es maximal sechs Punkte zu holen. Man musste mindestens einen Punkt pro Aufgabe und insgesamt sechs Punkte im Sporttest erreichen, um ihn zu bestehen.

Die Aufgaben wurden anschließend jeweils vor der entsprechenden Aufgabe nochmal ausführlich erklärt, die erforderlichen Punktegrenzen für Männer und Frauen vorgelesen und beim Kasten-Boomerang-Test konnten wir auch einen kurzen Testdurchlauf (bspw. einmal über die Bank und dann drunter durch) durchführen.

Kasten-Boomerang-Test

Der Kasten-Boomerang-Test wurde alphabetisch, allerdings die Frauen vor den Männern, durchgeführt.

Letztlich habe ich diesen Test in einer guten Zeit abschließen können. Ich habe eine Form von seitlich über die Bank Springen, in seitlicher Haltung Landen und länglich drunter durch Krabbeln, verwendet.

Bei diesem Test ist eine Bewerberin bereits ausgeschieden. Sie war von einer Bank zur nächsten gelaufen statt zunächst noch den Ball zu umrunden. So stand sie, als das Kommando "Zurück! Um den Ball herum!" kam, erst wie erstarrt da, hat dann den Test noch beendet, war jedoch eine knappe Sekunde über der erlaubten Höchstzeit und hatte damit, mit 0 Punkten, den Sporttest nicht bestanden.
Es gab leider keinen zweiten Versuch für den Kasten-Boomerang-Test. :nein:

Alle weiteren Bewerberinnen und Bewerber haben den Kasten-Boomerang-Test, mal knapp, mal mit sehr guten Zeiten, bestanden.

Liegestütze

Die Gruppe wurde anschließend zweigeteilt, um die Liegestütze, jeweils einzeln, zu machen. Wir konnten wählen, ob wir sie im freien Raum oder mit den Füßen an der Wand abgestützt, machen wollten. Zweiteres empfand ich als leichter, ist aber sicher Ansichtssache. Auch konnten wir, solange wir nicht absetzten, kurze Pausen zwischen den Liegestützen einlegen.

Bei diesem Test ist leider ebenfalls eine Bewerberin durchgefallen. Sie konnte zwar Liegestütze machen, jedoch waren diese nicht tief genug. Und jeder kann nachfühlen, dass wenn man eine Liegestütze macht, dann die Aufforderung "Tiefer!" kommt und Liegestütze nicht gezählt werden, dies an der Kraft zerrt. Die Bewerberin schaffte so leider nicht das Mindestmaß von fünf Liegestütze. :nein:

Auch ich habe hin und wieder die Anweisung "Tiefer!" bekommen. Insbesondere bei der Vorbereitung sollte man also nicht unterschätzen, dass beim Üben von Liegestützen daheim niemand daneben steht, der darauf achtet, dass die Liegestütze tief genug gemacht und beim Aufrichten die Arme korrekt gestreckt werden.

Coopertest

Nach einer kurzen Verschnaufpause bekamen wir für den Coopertest Leibchen mit Nummern drauf zugewiesen. Auch vor diesem Test wurden uns die Punkte und damit verbunden zu erreichenden Leistungen erklärt.

Ich habe die Runden ab der dritten Runde nicht mehr mitgezählt. Auch meine Mitbewerber konnten sich irgendwann ihre Rundenzahlen nicht mehr merken. Da es sich um eine 100-Meter-Bahn in der Halle handelte, mussten Frauen mindestens 19 Runden, Männer 21 laufen.

Während dem Laufen wurden wir von einer größeren Gruppe Anwärter, die auf der Balustrade standen, beobachtet. Für diese ist es sicher interessant gewesen, zu sehen, wie sich die Bewerber quälen, wo sie noch ein halbes Jahr zuvor selbst standen (bzw. liefen). :hallo:

Nach dem Coopertest wurden uns unsere erreichten Punkte und damit das Bestehen des Sporttests vorgelesen. Von dieser verbleibenden 12-köpfigen Gruppe haben alle den Sporttest bestanden. :flehan:

Wir hatten etwas Zeit für den Besuch der Mensa oder dem Verzehr mitgebrachter Nahrungsmittel und mussten uns dann, spätestens Viertel vor Eins, wieder im PC-Raum einfinden.

Staatssicherheit

In der Wartezeit zwischen Sporttest und folgenden Erklärungen hatten wir zwei Formulare auszufüllen.

Beim ersten Formular handelte es sich um den Personalbogen zur Einstellung. Für Hessen hatte ich dieses Formular bereits zu Hause im Zuge der Bewerbungsunterlagen ausfüllen müssen, sodass ich dort genug Zeit hatte, Dinge nachzuschlagen, die ich nicht auswendig wusste als auch nachzufragen. Abgefragt wurden Name, Geburtsdatum und -ort, Kinder, Eltern, Schulbildung und Abschlüsse, berufliche Erfahrungen, ehrenamtliche Engagements, Straftaten und -verfahren, Rentenversicherung usw.
Den Luxus des Nachfragens hatten wir hier in Meiningen nicht, sodass wir unserer Runde dem einen oder anderen erklärten, was Stenographie ist, rechneten, von wann bis wann wir welche Schule besucht hatten und über Rentenversicherungen grübelten.

Das zweite Formular war jedoch das deutlich interessantere. Dieses vierseitige Formular erfragte unser Engagement, unsere Mitwirkung, Einwirkung und Einbindung von Regierungsorganisationen, der Staatssicherheit und leitenden Funktionen vor dem 09.11.1989 in der DDR. :verweis:
Leider reichte der Hinweis, dass die allermeisten von uns nach dem 09.11.1989 geboren waren nicht als Ausrede aus, dieses Formular nicht komplett ausfüllen zu müssen. Es handelt sich dabei um ein Formular, das nach Verwaltungsvorschrift bei jeder Einstellung in den öffentlichen Dienst in Thüringen ausgefüllt werden muss.

Erläuterungen, Einweisungen und Erklärungen

Vor dem Abschlussgespräch bekamen wir nun eine ganze Menge Erläuterungen und Erklärungen des nun noch folgenden Verfahrens.

Zehn der zwölf verbleibenden Bewerber bekamen nun einen Zettel ausgeteilt. Diese Zettel enthielten eine Mängelliste über die jeweilige Bewerbung. Manch ein Kandidat hatte keinen handschriftlichen Lebenslauf eingereicht, kein Passbild, keine Unterschrift unter dem Lebenslauf oder aber, die einzig "entschuldbare" Nachreichung, musste das Abiturzeugnis, das erst in einigen Monaten erworben werden würde, nachreichen.
Ich fand interessant, wie viele Bewerber (mit Ausnahme derer mit dem Zeugnis) augenscheinlich Fehler oder fehlende Unterlagen in ihren Bewerbungsunterlagen hatten.

Der PC-Test war mit 100 Punkten bestanden. 110 Punkte wurden benötigt, um sich für die Bewerbung zum gehobenen Dienst qualifiziert zu haben.

Anschließend im Abschlussgespräch würden einige Kanidaten bereits Einladungen zur ärztlichen Tauglichkeitsprüfung in Erfurt bekommen. Alle weiteren Bewerber erhalten diese noch per Post.
Gibt es bei diesem ärztlichen Test Auflagen, so sind nachzureichende Unterlagen direkt nach Erfurt zu schicken. Meiningen wird nur über "nicht tauglich", "tauglich" und "tauglich mit Auflagen" informiert.

Für den gehobenen Dienst werden nicht alle Bewerber mit über 110 Punkten, sondern nur ca. 70 bis 80 der Bewerber mit den besten Punkten im PC-Test für eine der ersten beiden Wochen im März zum Assessment-Center eingeladen.
Zur Einstellung in den gehobenen Dienst werden die Punkte des PC-Tests und Assessment-Centers addiert und durch zwei dividiert, daraus wird dann eine Rangliste erstellt.

Desweiteren wurde erläutert, dass ca. 100 Stellen für den mittleren und ca. 25 Stellen für den gehobenen Dienst vorgesehen sind. Die letztliche Stellenzahl muss jedoch vom Ministerium abgesegnet werden.
Alle Bewerber, die ausreichende Punkte im PC-Test und ein Abitur vorzuweisen haben, können sich zweigleisig für gehobenen und mittleren Dienst bewerben. Wenn es mit dem gehobenen Dienst nichts wird, sei es eine fehlende Einladung zum AC, zu wenig Punkte beim AC oder Ähnliches, werden sie immer noch in der Rangliste für den mittleren Dienst geführt.

Wir wurden anschließend alle noch mal gefragt, ob wir uns nur für den gehobenen, nur den mittleren oder beide Dienste bewerben. Die meisten der Bewerber haben "beides" geantwortet.

Nach diesen recht ausführlichen Erläuterungen, bei denen wohl der Umstand einer Trennung von mittlerem und gehobenen Dienst für einige Bewerber eine Neuigkeit war, ging es für uns zurück in den Warteraum.

Abschlussgespräch

Bereits früher am Tag waren wir informiert worden, dass zum Abschlussgespräch eine kurze, ca. fünf- bis siebenminütige Vorstellung von uns erfolgen sollte. Wir hatten uns viele Gedanken darüber gemacht, was wir sagen sollten, war uns von den Internetseiten der Polizei und den Bewerbungsinformationen her nur bekannt gewesen, dass es ein Abschlussgespräch gab, nicht jedoch, dass wir dort einen Vortrag oder eine Vorstellung abhalten sollten.

Ich habe mir grob überlegt, was ich erzählen würde, tatsächlich hat mich das Abschlussgespräch dann aber doch etwas überrascht.

Die Bewerber wurden immer einzeln aus dem Raum gerufen, allerdings von insgesamt fünf verschiedenen Prüfern.

Der Prüfer, der mich aus dem Raum gerufen hatte, führte mich in den PC-Raum. Die anderen Prüfer hatten auch jeweils einen eigenen Raum, die meisten vermutlich ihr Büro auf diesem Gang. Wir beide waren alleine, entgegen meiner Annahme unter der Ankündigung einer "Selbstpräsentation", eine größere Gruppe Prüfer vorzufinden.

Der Prüfer stieg ein mit der Frage, warum ich mich in Thüringen beworben hatte. Damit war mein Monolog über Geburt über Ausbildung bis zur Bewerbung hinfällig, ich konnte jedoch immer noch grob die Reihenfolge wahren und habe grob meine Hintergründe und Gründe erzählt.
Ich wurde anschließend gefragt, ob ich mir Gedanken über Gefahren im Beruf gemacht habe (Standardfrage Nummer 2, gleich nach "Warum wollen Sie zu uns/hier her?"). Mit einem kurzen Hinweis auf Hamburg und Bereitschaftspolizei war auch dieses Thema abgehakt.

Da der Prüfer nicht einmal groß mitschrieb, vermute ich, dass bei diesem Abschlussgespräch wirklich nur sehr, sehr grob unpassende Kandidaten ausgefiltert werden. Die wirkliche Selbstpräsentation werde ich wohl beim Assessment-Center halten dürfen. :gruebel:

Nachdem der Prüfer hinsichtlich der Fragen zufrieden war, kam er auf meine Fehlerpunkte im Diktat, meine erreichten Punkte im PC-Test und ganz kurz auf die Punkte im Sporttest zu sprechen. Letztere würden für den gehobenen Dienst irrelevant sein.
Er hat mir das weitere Verfahren kurz erläutert, meine Punktzahl gelobt, auch in Hinsicht darauf, dass es mein erster Test war und geäußert, dass ich mit der Punktzahl vermutlich zum Assessment-Center eingeladen würde. Da ich keine weiteren Fragen hatte, hat er mir noch zwei Dinge unterschreiben lassen (dass ich die Punktzahlen mitgeteilt bekommen habe als auch, für welche Dienstlaufbahn ich mich bewerbe), die Einladung zur ärztlichen Tauglichkeitsprüfung gegeben und mich verabschiedet.

Zurück im Warteraum habe ich noch zwei Mitbewerber angetroffen, mit diesen etwas gequatscht und dann schließlich samt Sack und Pack das Gelände verlassen und mich von den beiden verabschiedet.

Ab nach Hause

Das Gelände habe ich damit Viertel vor Vier verlassen. Die Angaben auf der Einladung stimmten also und die meisten Bewerber dürften das Gelände sogar noch früher verlassen haben.

Mit der Einladung für den zweiten Testtag bereits in der dritten Januarwoche in Erfurt, einer guten Punktzahl und der Freude darüber, dass der aller erste Test und der erste Testtag so gut verliefen, habe ich mich auf den Heimweg gemacht.

Ich fand das Verfahren insgesamt sehr angenehm. Die Beamten waren allesamt sehr freundlich, hatten Humor und haben uns den Ablauf als auch Fragen stets gut erklärt bzw. beantwortet. Nach Meiningen komme ich also gerne wieder. :ja:
Zuletzt geändert von Ucpho am Do 16. Jan 2014, 12:17, insgesamt 2-mal geändert.

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Re: Erfahrungen vom 1. Testtag in Meiningen

Beitragvon Ucpho » Do 16. Jan 2014, 12:06

Dies ist der Bericht meines 2. Testtages, der in Erfurt statt fand. Terminlich lag dieser Test bereits eine Woche nach dem 1. Testtag.

Anreise

Die Polizeidiensttauglichkeit in Thüringen wird vom polizeiärztlichen Dienst in Erfurt überprüft. Dieser ist bei der Bereitschaftspolizei in der Kranichfelder Straße 1 zu finden.
Angereist bin ich auch zu diesem Termin mit der Bahn.

Die Bereitschaftspolizei ist vom Bahnhof eine gute halbe Stunde Fußmarsch entfernt, daher bietet sich die Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs, der S-Bahn, an. Ich konnte durch die Aushänge der S-Bahn recht gut erschließen, welche Linien ich nehmen könnte, da jedoch drei Schutzpolizistinnen gerade um die Ecke gingen, nutzte ich die Chance, mir Sicherheit zu verschaffen und eventuell kurz ins Gespräch zu kommen. So erfuhr ich die genaue Haltestelle und sogar eine genaue Wegbeschreibung.

Ein Ticket kostet 1,90 Euro und die Fahrt mit Linie 3 oder 4 dauert sieben Minuten (die richtige Haltestelle ist die nach dem Arbeitsamt). Die richtige S-Bahn fährt gegenüber des Ausgangs vom Bahnhof, also nach "links", ab. Die Bereitschaftspolizei befindet sich gegenüber der Haltestelle und ist nicht zu übersehen. Der Eingang ist dann die Straße einige Meter runter rechterhand von der Kreuzung aus gesehen.

Unterlagen und Papierkram

Pünktlich halb zehn war ich am Eingang. Ich habe die Einladung samt Perso durch die kleine Luke am Pförtnerhaus abgegeben und bekam die Einladung und einen Besucherausweis mit der Mahnung, ihn auf dem Gelände offen zu tragen, zurück.

Der Kollege außerhalb erklärte mir daraufhin den Weg zum ärztlichen Dienst. Dieser ist recht leicht zu finden, er befindet sich derzeit in einem Containerhaus mit Eingang auf der Rückseite.

Beim ärztlichen Dienst angekommen, habe ich am Empfang meine Unterlagen abgegeben (Bescheid des Hausarztes über die letzten fünf Jahre, selbst ausgefüllte zweiseitige Eigenauskunft, unterschriebene Erklärung über die Aufklärung zum EKG).

Dort bekam ich dann zwei Informationen. Nebenan befindet sich das Gäste-WC. In diesem finde ich Becher, einen davon sollte ich für eine Urinprobe benutzen und meinen Namensaufkleber drauf kleben. Neben diesem Raum wiederum befand sich das Wartezimmer. Dort sollte ich mich aufhalten und würde dann von den Ärzten aufgerufen.

Wartezimmer

Das Wartezimmer war ein großer Raum mit diversen Tischen, Stühlen, ausgelegten Zeitschriften, Impfinformationen und -plakaten an den Wänden, einer Garderobe und jeder Menge Bewerber.

Ich habe ca. 12 Bewerber an diesem Tag im Wartezimmer gesehen. Die meisten der Bewerber kannten sich bereits untereinander, im späteren Gespräch habe ich erfahren, dass fast alle letzten Dienstag ihren Test in Meiningen gehabt hatten. Damit verwunderte es mich nicht mehr, dass die Bewerber offen miteinander umgingen.

In diesem Wartezimmer würde ich die nächsten vier Stunden, mit Ausnahme der Untersuchungen, verbringen. Immer wieder wurden einzelne Bewerber aufgerufen, hatten eine Untersuchung, und kehrten daraufhin in das Wartezimmer zurück.

Die Reihenfolge der Untersuchungen variierte, wobei ich beobachten konnte, dass das EKG stets als Letztes erfolgte.

Allgemeine Untersuchung

Meine erste Untersuchung war eine allgemeine Untersuchung. Ich wurde von einer Arzthelferin in einen Raum geführt und gebeten, mich bis auf Unterhose und Socken zu entkleiden. Daraufhin wurde ich gewogen und die Maße von Hals, Brust und Bauch gemessen.

Die anwesende Ärztin befragte mich nach einigen Krankheiten ("Haben Sie Akne?") und meinen Eltern, sie hatte dabei die Selbstauskunft und die Unterlagen meines Hausarztes vorliegen.

Nach den wenigen Fragen hörte sie meinen Herzschlag und Atemgeräusche ab, blickte in meinen Rachen für Mandeln und Zähne, in die Ohren, überprüfte Kniereflexe, Druckpunkte an Kopf und Oberkörper, tastete die Bauchdecke ab und schaute sich meine Füße kurz an. Die Ausdehnung meines Brustkorbs bei Einatmen und Ausatmen wurde gemessen.

Anschließend sollte ich mich auf einen Punkt stellen, die Füße zusammen und die Beine gestreckt, und mit den Händen den Boden berühren. Die Ärztin stellte den Abstand Finger zu Boden fest und tastete meine Wirbelsäule ab.

Nach dieser Übung kamen noch zwei Gleichgewichtsübungen. Bei der ersten musste ich einfach so stehen bleiben und die Augen schließen. Bei der zweiten wurden die Füße dann genau voreinander gestellt und wiederum die Augen geschlossen. Bei der zweiten habe ich kurz gewackelt, stand danach aber ruhig - was wohl vollkommen normal und in Ordnung ist.

Ich durfte mich wieder ankleiden und ins Wartezimmer zurückkehren.

Lungentest und Hörtest

Als nächstes wurde ich von einer Ärztin für den Lungen- und Hörtest abgeholt. Beim Lungentest musste ich in ein Röhrchen an einem Gerät pusten. Die Schwierigkeit bestand nicht nur darin, so lange zu pusten, bis sie nicht mehr "Weiter, weiter, weiter", sondern "Stopp, das reicht" sagt, sondern vor allem am Anfang mit viel Kraft zu pusten, ähnlich einem sehr kräftigen und heftigen Luftstoß. Da ich nicht auf Anhieb kräftig genug ausatmete, konnte ich den Test problemlos wiederholen.

Für den Hörtest begab ich mich in eine kleine Kabine, setzte ein Paar Kopfhörer auf und hatte einen Knopf zum Drücken in der Hand. Sobald ich einen hohen oder tiefen Ton hörte, sollte ich den Knopf so schnell wie möglich drücken.
Anschließend wurden mal nur auf dem linken, mal nur auf dem rechten Ohr sehr hohe bzw. sehr tiefe Töne abgespielt, die sich immer weiter höher bzw. tiefer begaben, bis ich irgendwann nichts mehr hören konnte.

Irritierend fand ich, dass ich irgendwann meinte Töne zu hören, die gar nicht da waren. Insgesamt jedoch war das Testergebnis wohl in Ordnung.

Psychologischer Test

In der oberen Etage des Gebäudes befand sich ein kleiner PC-Raum, in dem insgesamt drei Bewerber gleichzeitig ihren psychologischen Test absolvierten. Dieser fand am PC im gleichen Programm statt, das wir bereits beim ersten Testtag in Meiningen kennengelernt hatten.

Gestellt wurden über hundert Fragen, die wir wahrheitsgemäß, unserem ersten Impuls folgend und unter Einbezug unserer letzten fünf Jahre (also nichts mit Neujahrsvorsätze), beantworten sollten.

Die abgefragten Themen wiederholten sich immer wieder, wurden mal in negativer Form, mal in positiver Form und mit verschiedenen Formulierungen und Begriffen abgefragt.

Ich konnte grob die Themenbereiche Genussmittel, Sexualität, Mut, Gewaltbereitschaft, Ehre, Selbstbild und Ordnungshaltung ausmachen.
Nach Beantwortung aller Fragen kehrte ich ohne Umschweife ins Wartezimmer zurück.

Augentest 1

Eine Zeit lang geschah für mich gar nichts mehr und ich konnte mich in Ruhe meinem Buch widmen. Nach dieser Ruhephase kam einer der Ärzte herein und fragte meinen Mitbewerber und mich, wir waren gerade die einzigen beiden im Raum, wer von uns beiden schneller sei, da er nach dem nächsten Test erstmal Mittagspause machen würde.
Mein Mitbewerber meldete sich und ich witzelte, dass ich beim psychologischen Test aber schneller gewesen sei als er. Der Arzt, mich mit Vornamen anredend, nahm also mich mit zum Test.

Ich wurde vor ein Gerät gesetzt und es wurde Weitsehen, Kurzsehen, Farbsehen und Dämmerungssehen getestet.

Der Test ist vergleichbar mit dem Test zum Führerschein. In vier Reihen, immer kleiner werdend, befanden sich Kreise mit einer Öffnung in eine Richtung. Diese Richtung sollte ich, als Zahl auf einem Ziffernblatt, benennen. Bspw. habe ich also die dritte Zeile diktiert als "Zwölf Uhr, drei Uhr, sieben Uhr, öhm neun Uhr, drei Uhr". Der Test variierte noch etwas.

Für den Farbsehtest wurde der Ishihara Farbsehtest verwendet. Mir wurden also Kreise gezeigt, in deren Mitte sich, in anderer Farbe, Zahlen befanden. Diese Zahlen musste ich dann diktieren. Das war mit einer der schnellsten Tests, insbesondere da ich durch Onlinerecherche und einen Selbsttest wusste, dass ich hier keine Defizite aufzuweisen hatte.

Beim Dämmerungssehen wurden als erstes sehr kontrastarme Bilder gezeigt, bei denen ich wiederum eine Kreisöffnung erkennen und benennen musste. Es gab vier verschiedene Schwierigkeitsstufen, wobei ich bei der letzten einige Schwierigkeiten hatte. Es war jedoch kein Problem, einfach zu sagen, dass ich die Öffnung nicht mehr sehe. Anschließend wurde der Test mit Blendung (ein Auge wird geblendet, das andere hat wieder einen kontrastarmen Kreis vor sich) wiederholt.

Der Arzt hat mir abschließend ein kurzes Feedback zu meiner Sehleistung gegeben. Beim Dämmerungssehen hatte ich bei der vierten Stufe etwas Probleme, es reichte jedoch bereits das Erreichen der zweiten Stufe zum Bestehen.

Er verabschiedete sich in die Mittagspause und teilte mit, dass er in ca. einer halben Stunde wieder verfügbar sei. Diese Information habe ich so meinen Mitbewerbern weiter gegeben und selbst dann auch etwas gegessen.

Augentest 2 / Gesichtsfelduntersuchung

Beim zweiten Augentest, wiederum von einem anderen Arzt betreut, wurde als erstes der Innendruck meiner Augen gemessen. Ich musste mich dazu mit dem Kinn vor bzw. an eine Maschine setzen, ins grüne Licht schauen und nicht blinzeln. Anschließend wurde ein kurzer, aber heftiger Luftstoß gegen das Auge geschickt, worauf ich jedes blinzeln musste und leicht zusammen zuckte. Dies wurde zwei Mal bei jedem Auge gemacht.

Folgend habe ich an einer weiteren Maschine mit beiden Augen einen zwischen vier in der Mitte quadratisch angeordneten Punkten erscheinenden Punkt durch Drücken eines Knopfes signalisiert. Der Punkt war dabei mal gut sichtbar, mal sehr blass.

Anschließend musste ich mit jeweils nur einem Auge, das andere durch eine Augenklappe abgedeckt, bei dem zwischen den vier Punkten erscheinenden Punkt oder außerhalb erscheinenden Punkten den Knopf drücken, das Auge hat dabei die vier Punkte in der Mitte fixiert. Als Nächstes musste ich mit dem Auge einen roten Punkt am linken bzw. rechten Rand des Sichtfeldes fixieren und wiederum durch Drücken des Knopfes erscheinende Punkte melden.

Diesen zweiten Test musste ich für ein Auge wiederholen, da die Testergebnisse wohl unstimmig waren. Das war jedoch kein Problem und der Arzt hat überprüft, dass mein Kopf und Kinn richtig aufliegen und ich gerade sitze.

EKG

Für das EKG hatte ich extra Sportkleidung und -schuhe mitgebracht, diese brauchte ich letztlich jedoch nicht. Den Oberkörper musste ich komplett entkleiden. Es stand mir frei, auch die Hose auszuziehen und nur in Unterhose auf dem Fahrrad zu fahren.

Die Ärztin hat mir ein Blutdruckmessgerät am Arm und die Elektroden des Geräts an Brust und Rücken angebracht.

Anschließend wurde mir kurz die Funktionsweise des Tests erklärt. Ich würde auf dem Rad erst bei leichtem, dann bei jeweils nach einer Zeitspanne steigendem Widerstand insgesamt sieben Minuten lang radeln. Ich sollte grob 65 Umdrehungen halten. Die Anzahl der Umdrehungen und ob diese zu niedrig, in Ordnung oder zu hoch waren, wurde mir vom Fahrrad angezeigt.

Und so bin ich geradelt. Das Treten war die ersten paar Stufen lang noch recht angenehm, gegen Ende wurde es dann schon etwas anstrengender, aber noch lange nicht zu schwer. Immer wieder während dieser Zeitspanne hat sich das Blutdruckmessgerät aufgepumpt und das Gerät insgesamt sehr interessante Geräusche von sich gegeben.

Nach den sieben Minuten habe ich noch einige Zeit auf dem Rad gesessen, sodass nach einer gewissen Zeitspanne mein Ruhepuls gemessen werden konnte. Ein Gespräch mit der Ärztin kam nicht so richtig in Gang. Sie hatte mich kurz nach meiner Sportart gefragt und ich habe ihr ein wenig erzählt, jedoch war ich gerade nach dem Radeln in Gedanken eher damit beschäftigt, einfach ruhig zu atmen.

Nachdem das letzte Mal Blutdruck gemessen worden war, wurde ich vom entsprechenden Messgerät befreit, ein Knopf am Gerät ließ die Elektroden einfach von meinem Oberkörper abfallen. Ich habe mich schnell wieder angezogen und es ging wieder zurück ins Wartezimmer.

Durchgefallene Mitbewerber

Die meisten Bewerber, soweit ich es gesehen habe, gingen mit den Zetteln, auf denen irgendwelche Auflagen standen, raus. Ich war auch an diesem Testtag wieder unter den letzten.

Eine Bewerberin kam von ihrem Abschlussgespräch und berichtete mir, dass sie wegen dem psychologischen Test untauglich sei. Sie konnte sich nicht vorstellen, woran es gelegen haben könnte und führte an, dass in anderen Bundesländern soetwas nicht gemacht werde. Nachdem sie den Raum verlassen hatte, wurde der nächste Bewerber zum Gespräch gebeten, ich verblieb damit alleine.

Dieser kam mit dem Spruch "Ich bin auch ein Psycho" zurück. Auch er war wegen dem psychologischen Test für untauglich erklärt worden und durfte sich frühestens in zwei Jahren wieder bewerben. Im Gegensatz zur Mitbewerberin nahm er das Ergebnis sehr gelassen auf.

Abschlussgespräch

Beim Abschlussgespräch sichtete die Ärztin alle ihr vorliegenden Unterlagen. Den psychologischen Test hatte ich bestanden, auch Augen, Ohren und Lunge waren in Ordnung. Das EKG zeigte, dass ich sehr gut trainiert war, bei den Graphen gab es aber wohl keine "schöne Kurve", weshalb sie mir die Auflage gab, einen Kardiologen aufzusuchen. Ich habe dafür einen Zettel von ihr, auf dem die Auflage und eine Deadline, der 02.02., steht, bekommen und wurde anschließend verabschiedet.

Ab nach Hause

Als letzter Bewerber verließ ich den Warteraum, holte mir am Ausgang meinen Ausweis ab und machte mich über S-Bahn und DB auf den Heimweg.

Ich bin gespannt, ob ich es innerhalb von zwei Wochen schaffe, eine Überweisung vom Hausarzt und einen Termin bei einem Kardiologen zu bekommen und so die mir gegebene Auflage zu erfüllen.

Die Ärzte, Ärztinnen, Helfer und Helferinnen waren allesamt sehr freundlich und respektvoll, einige der jüngeren Ärzte zeigten auch viel Humor. Ich habe mich durchweg gut betreut gefühlt, hoffe natürlich in meinem Sinne, dass ich mit dem ärztlichen Dienst möglichst wenig zu tun haben werde, hätte jedoch bei diesem Team keinerlei Bedenken.

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Ucpho
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Re: Erfahrungen vom 1. und 2. Testtag in Meiningen/Erfurt

Beitragvon Ucpho » Mi 2. Apr 2014, 22:47

Erfahrungsbericht 3. Testtag in Meiningen (Thüringen)

Vorbereitung

Ich wusste nicht so recht, wie ich mich vorbereiten sollte, also habe ich mich einmal quer durch den Internetauftritt der Polizei gelesen, das Modulhandbuch durchgesehen und versucht, das Beamtenrecht zu verstehen. Das ist sicherlich sehr hilfreich und durchaus empfehlenswert, wenn man den Beruf anstrebt, doch nötig für das Assessment-Center war es nicht.

Anreise

Bereits auf dem Weg zur Polizei habe ich einen ersten Kontakt mit einem anderen Bewerber knüpfen können. Ich kann nur dringend empfehlen, möglichst frühzeitig auf andere Bewerber oder Bewerberinnen zuzugehen, ihre Namen zu erfragen und sie ein wenig kennen zu lernen. Dieser erste Kontakt hat im Folgenden die Anspannung und den Stress deutlich abgebaut, wir haben gemeinsam den richtigen Raum gesucht und gefunden und konnten auch im weiteren Verlauf des Tages von dem Kontakt profitieren.

Dieses Mal mussten wir nicht schon kurz nach sieben, sondern erst um acht Uhr dreißig antreten. Die Bewerber und Bewerberinnen sammelten sich im Warteraum, den wir bereits vom ersten Testtag kannten. Insgesamt waren wir dreizehn, davon sechs Frauen.

Wir wurden in die zweite Etage in einen Klassenraum geführt. Dies war im Folgenden unser Aufenthaltsraum, wobei wir uns zeitweise ruhig verhalten mussten, weil im weiteren Verlauf des Tages im hinteren Bereich des Raumes auch Aufgaben durch uns vorbereiten wurden. Wir verhielten uns insgesamt eher ruhig, da dieses Mal die Bewerber nach und nach getestet wurden (verständlich bei Einzelvorträgen) und damit einige unserer Gruppe noch warteten, einige den Vortrag hinter sich hatten und das Thema kannten und einige sich vorbereiteten.

Kurz wurde uns der Ablauf des Testtages erläutert. Wir waren in zwei Gruppen aufgeteilt, einmal sechs und einmal sieben Personen, und würden den restlichen Tag gemeinsam verbringen. Für jede Gruppe gab es jeweils eine Prüfungskommission mit einem Vorsitzenden, zwei Beisitzern und, sofern anwesend, einer Gleichstellungsbeauftragen und einem Vertreter oder einer Vertreterin des Personalrats.

Vorstellung

Als Gruppe von sechs Personen wurden wir in den Prüfungsraum gebeten. Der Vorsitzende hat zunächst den folgenden Stehgreifvortrag erläutert und dann sich selbst vorgestellt. Auch die Beisitzer und Anwesenden Vertreter des Personalrats und der Gleichstellung haben sich vorgestellt.

Anschließend durften wir Bewerber und Bewerberinnen einige Worte zu uns selbst verlieren. Ich bin dabei auf Geburtsort und derzeitiger Lebensraum eingegangen. Ich wurde ergänzend gefragt, warum ich zur Polizei möchte. Alle weiteren Bewerber und Bewerberinnen haben dies als Anlass genommen, auch kurz ihre Gründe für die Bewerbung bei der Polizei zu erläutern.

Die Vorstellung der anderen Bewerber und Bewerberinnen ist der perfekte Zeitpunkt, sich die Namen zu merken. Das ist im Laufe des Tages sehr angenehm und für die Gruppendiskussion hilfreich.

Nach der Vorstellung verließen alle bis auf ein Bewerber bzw. Bewerberin den Raum. Dieser bzw. diese durfte dann mit der ersten Aufgabe beginnen.

Stehgreifvortrag

Die erste Aufgabe bestand darin, einen Vortrag mit der Dauer von drei bis fünf Minuten aus dem Stehgreif heraus zu halten. Ich wurde dazu in den Prüfungsraum gebeten, habe einen DIN-A4-Zettel mit dem Thema bekommen, durfte mir ca. zehn Sekunden lang Gedanken machen und sollte dann loslegen.

Das Thema des Vortrags empfand ich durchaus als machbar und habe gefühlt sehr viel erzählt.
Nachdem ich geendet hatte, wurde ich gebeten einzuschätzen, wie lange ich für den Vortrag gebraucht hatte.

Nach dem Vortrag ging es wieder zurück in den Warteraum. Zwischen den einzelnen Prüfungsleisten nahm sich die Kommission immer einige Minuten Zeit, intern die Leistungen zu besprechen und zu bewerten.

Mit unserem Stehgreifvortrag waren wir alle recht unzufrieden, aber zumindest hat dieser den Damm gebrochen, sodass wir nun deutlich entspannter und redseliger waren.

Rollenspiel

Nach dem Einzelvortrag stand das Rollenspiel an. Wir haben uns jeweils alleine im hinteren Bereich des Warteraums gedanklich vorbereiten und den Zettel mit der Aufgabenstellung lesen können. Notizen sollten bei dieser Prüfung nicht gemacht werden.

Den Rollenspielpartner bzw. die -partnerin spielte eine sehr nette Kollegin des Standorts Meiningen, die hier tatsächlich ihre Ausbildung absolviert. Ich empfand sie als sehr freundlich und offen und sie ist im Rollenspiel stets auf meine Hinweise, Bitten oder Änderungsvorschläge eingegangen.

Gruppendiskussion

Bei der Gruppendiskussion, für die wir zehn Minuten Zeit hatten zur Bearbeitung und anschließend eine Lösung präsentieren sollten, blieb fast alles uns selbst überlassen. Wir durften entscheiden, ob wir sitzen, stehen, an einem Tisch arbeiten, in welcher Form wir das Ergebnis präsentieren, ob einer einzeln oder alle etwas und wie wir an die Problemlösung herangingen.

In meiner Gruppe herrschte eine sehr angenehme Stimmung, sodass wir gut zusammen arbeiten konnten, jeder zu Wort kam aber auch niemand zu viel redete.

Die Aufgabe war durchaus gut in der Gruppe lösbar. Jeder konnte seine Gedanken, Ideen und Meinungen einbringen und wir kamen zur Präsentation am Ende auch zu einer ordentlichen Lösung.

Einzelvortrag

Nach der Gruppendiskussion bekamen wir ca. eine Dreiviertelstunde Pause. Anschließend hieß es, dass sich die erste Person auf den Einzelvortrag vorbereitete. Wir bekamen genau zehn Minuten Vorbereitungszeit, um ein gegebenes Thema vorzubereiten und anschließend einen ca. drei- bis fünfminütigen Vortrag zu halten. Wir durften dabei selbst entscheiden, welche Medien wir verwendeten. Gegeben waren, weiße A4-Zettel, Flipchart-Zettel diverser Formen und Farben sowie große Tafelzettel.

Abschlussgespräch

Die Einzelvorträge haben mit am Längsten gedauert, doch auch diese waren irgendwann vorbei. Wir konnten erst einmal aufatmen, denn die vier Prüfungen hatten wir damit hinter uns und es standen nur noch die Abschlussgespräche an, bei denen wir Feedback zu unseren Leistungen und unsere Noten erfahren würden.

Da unsere Gruppe bzw. Kommission wohl etwas langsamer war als die der anderen Gruppe, konnten wir beobachten, dass dort erst Bewerber und Bewerberinnen einzeln raus gerufen wurden und schließlich die letzten vier als Gruppe zur Kommission gerufen wurden. Wie sich später herausstellte, waren diejenigen, die einzeln gerufen worden waren, durchgefallen. Jene, die dann als Gruppe vor die Kommission traten, hatten bestanden und bekamen, sofern nicht anders gewünscht, in der Gruppe ihre Ergebnisse mitgeteilt.

Meine Gruppe wurde als Ganzes zur Kommission gebeten. Das war ein gutes Zeichen, auch wenn wir das zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen konnten.

Der Vorsitzende der Kommission sprach erst noch ein paar allgemeine Worte. Es sollen voraussichtlich 25 Personen in den gehobenen Dienst eingestellt werden. Nach dem Ärztlichen Dienst waren noch 67 übrig, die am Assessment-Center teilnahmen. Wie viele nun beim AC bestanden, wusste er nicht.

Zu jedem Bewerber bzw. jeder Bewerberin wurde die Note genannt als auch von jedem der drei Prüfer die Leistungen im einzelnen nochmal gelobt oder kritisiert. Unsere Noten lagen alle recht nah beieinander zwischen 1,7 und 2,2.

Jeder bekam Lob und Kritik und damit auch etwas mitgegeben, woran er oder sie noch an sich arbeiten konnte.
Mit einem Händedruck wurden wir nun verabschiedet.

Fazit

Trotz Nervosität haben wir gute Ergebnisse abgeliefert. Wichtig ist tatsächlich, einfach seine Nervosität abzustellen oder zumindest nicht zu offen zu zeigen und Dinge zu präsentieren. Etwas Wissen über Thüringen und die Polizeiarbeit im Allgemeinen schadet nicht, viel wichtiger war es jedoch, dass wir frei und ordentlich vor der Kommission Vorträge halten konnten.

Der eigene Lebenslauf liegt der Kommission überhaupt nicht vor. Sie konnte daher auch nur auf das eingehen, was wir während unserer Vorträge oder bei unserer Kurzvorstellung am Anfang selbst gesagt hatten. Auch die Punkte des ersten Testtages kennt die Kommission nicht, sodass keinerlei Aussagen darüber getroffen werden konnten, wie „gut“ wir insgesamt abgeschnitten hatten und wie wahrscheinlich wir einen Studienplatz bekommen würden.


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