Situation NDS

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Situation NDS

Beitragvon Seeemeister » Sa 21. Jan 2012, 11:51

Heyhey,

in dem "Studium"-Thread ging es ja ziemlich heiß her, der wurde aber jetzt geschlossen.

Ich als potentiell angehender Student würde aber ganz gerne mal möglichst viele Stimmen über die Situation dadrüben (in NDS) hören und eventuell der Diskussion weiter folgen, denn abseits der Werbe-Versprechen bekomme ich auch nicht zuletzt wegen meines Wohnortes nicht allzu viel mit von eventuellen Missständen - oder aber auch von deren nicht-Vorhandensein.

Mal schauen, ob das hier funktioniert, ich würd mich über etwas Aufklärung freuen :)

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Re: Situation NDS

Beitragvon Paffi » Sa 21. Jan 2012, 12:40

Hallo Seemeister,

die Beurteilung der Situation im einen oder anderen Bundesland kann immer nur eine Momentaufnahme sein, da (wie schon von mehreren im vorherigen Thread bemerkt) in aller Regel mit jedem Regierungswechsel eine Reform einhergeht.

In Niedersachsen gibt es aktuell weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld und für Neueinsteiger auch "Nur noch" Beihilfe von 50%.

Bis letztes Jahr konnte man in Niedersachsen auch noch theoretisch auf jedem Posten bis A11 befördert werden, da alle Sachbearbeiterposten A9 bis A11 bewertbar waren. Dies ist dank dem vielzitierten 11er-Erlass nun nicht mehr so. Heißt im Klartext: Die "Otto-Normal-Dienstposten" sind nach A9/A10 bewertet und für A11 muss man sich auf eine herausgehobene Funktion bewerben.

Gleichzeitig ist man aber in Niedersachsen auch ein Problem angegangen, dass in vielen Ländern nach wie vor besteht!

Bisher war es vielfach so, dass Kollegen herausgehobene Funktionen im Breich A12 bekleidet haben und teilweise etliche Jahre "nur" aus A10 dafür besoldet wurden, da die Dienstposten nicht mit entsprechenden Stellen hinterlegt waren. A12er auf A13er-Stellen waren eher die Regel denn die Ausnahme. Mittlerweile ist die Schere in diesen Bereichen weitestgehend beschlossen und nun macht man sich daran, das ganze auch im A11er-Bereich umzusetzen. D.h. dass die Dienstposten entsprechend mit Stellen hinterlegt werden um eine zeitnahe Beförderung der Kollegen in diesen Funktionen zu ermöglichen.

Das mag zwar zugegeben für einen Berufseinsteiger nicht als relevant erscheinen aber bedenke, dass Du den Job vermutlich die nächsten 40+ Jahre machen wirst.

Zudem stellt es einen Ansporn für Kollegen dar, die weiter wollen sich entsprechend zu bewerben und Verantwortung wahrzunehmen. Wer allerdings glaubt er bekommt mehr Geld dafür, dass er 40 Jahre in der selben Schicht seinen Dienst versieht, dafür täglich 5 Minuten mit dem Fahrrad von seinem Einfamilienhäuschen (ja, das kann man in weiten teilen von Nds. auch mit A9 finanzieren) zur Dienststelle fährt und auch nicht bereit ist eines dieser Kriterien auch nur befristet aufzugeben ist, wie ich finde zurecht, auf dem Holzweg. Ich scheue eigentlich den vergleich zur freien Wirtschaft aber wer dort nicht flexibel ist kann noch so gut sein - er wird perspektivisch kaum weiterkommen.

Was die "Regelbförderung" nach A10 angeht liegen wir in Niedersachsen momentan bei ca. 11 Jahren im Schnitt. Auch das ist aber von vielen Faktoren abhängig. Die einen (s.o.) erreichen nach dem Studium ihre Enddientstelle wo kaum Stellen vorhanden sind - diese brauchen eben länger. Andere haben das Glück auf einer Dienststelle mit hoher Fluktuation in einer "jungen" Behörde zu landen - da gehts dann teils deutlich schneller.

Mir persönlich ist ein (zugegeben Einzel-)fall bekannt, in dem ein Kollege nach der 3-jährigen Probezeit plus dem einen Jahr Beförderungssperre A10 wurde; und das nicht mit nem Prädikatsexamen... also ist auch das möglich.

Insgesamt kann man sagen, dass die Situation in Niedersachsen rein aus besoldungstechnischer Sicht sicherlich nicht rosig ist. Allerdings muss man sagen, dass vor nicht ganz 2 Monaten nahezu die gesamte Polizeiführung ausgetauscht wurde, was auch bis dato nicht absehbare Effekte bewirken dürfte.

(Vor-)kollegiale Grüße,

Paffi

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Re: Situation NDS

Beitragvon very » Sa 21. Jan 2012, 13:22

Vielleicht sollte man auch nicht unerwähnt lassen, dass es in andern BL nicht unbedingt besser aussieht und das ganz unabhängig davon, welche Couleur die Landesregierung hat.

Vor gar nicht allzulanger Zeit haben wir hier mal zusammengetragen, wie die Besoldungssituation in den einzelnen Ländern so aussieht. Das schöne Nachbarland südlich von Niedersachsen ist Geberland im Länderfinanzausgleich und hat auch keine böse, falschfarbige polizeifeindliche Regierung, stand in unsem kleinen Vergleich aber trotzdem an vorletzter Stelle. Vor Berlin. Die sind aber wenigstens noch sexy in ihrer Armut.....
"In den Krimis wird aber nicht gezeigt, dass man vielen Schutzpolizisten die Arbeit bei der Kripo als Sanktion androhen könnte.
Für weitere Fragen diesbezüglich bitte auch die Suchfunktion nutzen."

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Re: Situation NDS

Beitragvon llllllllllllllll » Sa 21. Jan 2012, 13:30

Very,

wir arbeiten ja 30 Jahre + X in unseren Behörden. Was sagt die Momentaufnahme schon aus ?
Es ändert sich doch eh ständig etwas.
Die Frage ist, ob es sich eher zu unseren Gunsten oder Ungunsten verändert.
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Re: Situation NDS

Beitragvon Seeemeister » Sa 21. Jan 2012, 13:46

Paffi hat geschrieben:Hallo Seemeister,

die Beurteilung der Situation im einen oder anderen Bundesland kann immer nur eine Momentaufnahme sein, da (wie schon von mehreren im vorherigen Thread bemerkt) in aller Regel mit jedem Regierungswechsel eine Reform einhergeht.

In Niedersachsen gibt es aktuell weder Weihnachts- noch Urlaubsgeld und für Neueinsteiger auch "Nur noch" Beihilfe von 50%.

Bis letztes Jahr konnte man in Niedersachsen auch noch theoretisch auf jedem Posten bis A11 befördert werden, da alle Sachbearbeiterposten A9 bis A11 bewertbar waren. Dies ist dank dem vielzitierten 11er-Erlass nun nicht mehr so. Heißt im Klartext: Die "Otto-Normal-Dienstposten" sind nach A9/A10 bewertet und für A11 muss man sich auf eine herausgehobene Funktion bewerben.

Gleichzeitig ist man aber in Niedersachsen auch ein Problem angegangen, dass in vielen Ländern nach wie vor besteht!

Bisher war es vielfach so, dass Kollegen herausgehobene Funktionen im Breich A12 bekleidet haben und teilweise etliche Jahre "nur" aus A10 dafür besoldet wurden, da die Dienstposten nicht mit entsprechenden Stellen hinterlegt waren. A12er auf A13er-Stellen waren eher die Regel denn die Ausnahme. Mittlerweile ist die Schere in diesen Bereichen weitestgehend beschlossen und nun macht man sich daran, das ganze auch im A11er-Bereich umzusetzen. D.h. dass die Dienstposten entsprechend mit Stellen hinterlegt werden um eine zeitnahe Beförderung der Kollegen in diesen Funktionen zu ermöglichen.

Das mag zwar zugegeben für einen Berufseinsteiger nicht als relevant erscheinen aber bedenke, dass Du den Job vermutlich die nächsten 40+ Jahre machen wirst.

Zudem stellt es einen Ansporn für Kollegen dar, die weiter wollen sich entsprechend zu bewerben und Verantwortung wahrzunehmen. Wer allerdings glaubt er bekommt mehr Geld dafür, dass er 40 Jahre in der selben Schicht seinen Dienst versieht, dafür täglich 5 Minuten mit dem Fahrrad von seinem Einfamilienhäuschen (ja, das kann man in weiten teilen von Nds. auch mit A9 finanzieren) zur Dienststelle fährt und auch nicht bereit ist eines dieser Kriterien auch nur befristet aufzugeben ist, wie ich finde zurecht, auf dem Holzweg. Ich scheue eigentlich den vergleich zur freien Wirtschaft aber wer dort nicht flexibel ist kann noch so gut sein - er wird perspektivisch kaum weiterkommen.

Was die "Regelbförderung" nach A10 angeht liegen wir in Niedersachsen momentan bei ca. 11 Jahren im Schnitt. Auch das ist aber von vielen Faktoren abhängig. Die einen (s.o.) erreichen nach dem Studium ihre Enddientstelle wo kaum Stellen vorhanden sind - diese brauchen eben länger. Andere haben das Glück auf einer Dienststelle mit hoher Fluktuation in einer "jungen" Behörde zu landen - da gehts dann teils deutlich schneller.

Mir persönlich ist ein (zugegeben Einzel-)fall bekannt, in dem ein Kollege nach der 3-jährigen Probezeit plus dem einen Jahr Beförderungssperre A10 wurde; und das nicht mit nem Prädikatsexamen... also ist auch das möglich.

Insgesamt kann man sagen, dass die Situation in Niedersachsen rein aus besoldungstechnischer Sicht sicherlich nicht rosig ist. Allerdings muss man sagen, dass vor nicht ganz 2 Monaten nahezu die gesamte Polizeiführung ausgetauscht wurde, was auch bis dato nicht absehbare Effekte bewirken dürfte.

(Vor-)kollegiale Grüße,

Paffi
Vielen, vielen Dank! Du hast mir wirklich sehr geholfen und viel Licht ins Dunkle gebracht. Nach den letzten Kommentaren bin ich echt skeptisch geworden und wollte mir die Entscheidung nochmal ernsthaft durch den Kopf gehen lassen, in Niedersachsen anzufangen. Aber da ich deine Ansicht teile, dass von Nichts nichts kommt und von Wenig eben wenig, haben mich deine Ausführungen sehr beruhigt.
Auch für deine Ausführlichkeit danke, ich hatte nicht zu hoffen gewagt, so gut aufgeklärt zu werden ;)

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Re: Situation NDS

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Sa 21. Jan 2012, 13:50

Wer allerdings glaubt er bekommt mehr Geld dafür, dass er 40 Jahre in der selben Schicht seinen Dienst versieht, dafür täglich 5 Minuten mit dem Fahrrad von seinem Einfamilienhäuschen (ja, das kann man in weiten teilen von Nds. auch mit A9 finanzieren) zur Dienststelle fährt und auch nicht bereit ist eines dieser Kriterien auch nur befristet aufzugeben ist, wie ich finde zurecht, auf dem Holzweg.
Was man in NRW zumindest für die Spitzenfunktionen A12 / A13 auch so sagen kann.

Zudem kann man sich ja mal überlegen, wie teuer das Leben in den meisten Regionen in NI ist - im Vergleich zu anderen Ballungszentren der Republik.
:lah:

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Re: Situation NDS

Beitragvon very » Sa 21. Jan 2012, 14:12

Momentaufnahmen zeigen, wer zu diesem Zeitpunkt wo steht. Und wenn sich einer ganz am Ende wähnt, weil dies, das oder jenes jüngst geändert wurde, dann muss er noch lange nicht am Ende stehen. Wenn also wegen der momentanen Situation davor gewarnt wird, im BL xy anzufangen muss doch der Hinweis darauf gestattet sein, dass es in andern BL nicht besser aussieht. Und wenn hier von "nur noch" 50% Beihilfe geschrieben wird, treibt mir das Pipi in die Augen. Bei uns wird das die nächste Tasche, in die gegriffen werden soll.

Richtig ist aber: Gerade weil wir voraussichtlich noch so lange bei den jeweiligen Dienstherren verbleiben nutzt es aber auch gar nichts, seinen Dienstherrn nach dem derzeitigen Stand auszusuchen (zumindest nicht, wenn noch andere Kriterien wie z.B. Heimatnähe dazukommen). Das wurde ja in dem andern Thread auch schon thematisiert.
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Re: Situation NDS

Beitragvon Brutus14 » Sa 21. Jan 2012, 15:45

[color=red]Paffi[/color] hat geschrieben:Zudem stellt es einen Ansporn für Kollegen dar, die weiter wollen sich entsprechend zu bewerben und Verantwortung wahrzunehmen. Wer allerdings glaubt er bekommt mehr Geld dafür, dass er 40 Jahre in der selben Schicht seinen Dienst versieht, dafür täglich 5 Minuten mit dem Fahrrad von seinem Einfamilienhäuschen (ja, das kann man in weiten teilen von Nds. auch mit A9 finanzieren) zur Dienststelle fährt und auch nicht bereit ist eines dieser Kriterien auch nur befristet aufzugeben ist, wie ich finde zurecht, auf dem Holzweg. Ich scheue eigentlich den vergleich zur freien Wirtschaft aber wer dort nicht flexibel ist kann noch so gut sein - er wird perspektivisch kaum weiterkommen.
Da ist was dran.

1.)
Frage mich dann allerdings, warum überhaupt die zweigeteilte Laufbahn in NI eingeführt wurde, wenn der absolute Großteil nach einer Beförderung (->A10) in Pension gehen wird. Wie ich bereits in dem anderen Thread dargestellt habe, würde sich der Einstieg in den mD eines anderen Bundeslandes (wohlgemerkt mit fr. Heilfürsorge) erstens finanziell und zweitens auch der entsprechenden Bestätigung der geleisteten Arbeit wegen (grds. zum PHM mit Z.) vielleicht eher "lohnen". Dann beginnt man halt nach der mittleren Reife (benötigt kein Abitur o.ä.) und gut ist. Finanziell besteht dann kein Unterschied. Frag' doch mal die älteren Kollegen, was die von der Einführung der zweigeteilten Laufbahn halten! Die meisten wären schon längst beim PHM mit Z. statt nun mit A9 als ernannter PK rumzukrebsen. Und als agiler Mitstreiter im mD stehen einem auch jegliche Türen für den Aufstieg in den gD offen (siehe BuPOL, BaWü...)

Fazit: die Einführung der zweigeteilten Laufbahn in NDS hat für diejenigen, die noch nicht einmal mehr die freie Heilfürsorge bekommen, eigentlich nichts gebracht!

2.)
Vielleicht solltest Du dem potenziellen Bewerber auch erläutern, dass für ihn der Zug nach A11 ff. auch grds. dann abgefahren sein sollte, wenn er sich in bestimmten Bereichen jahrelang spezialisiert hat und nun aber erstmal das sog. "Stellenhopping" betreiben darf:

Bsp.: bei uns erfahrene Kollegen aus dem Ermittlungsbereich (z.B. seit Jahren spezialisiert i.S. Todesermittlungen, MoKo etc. pp.) müssen nun den "Umweg" über die von Dir gemeinten "Personalentwicklungsmaßnahmen" in Form eines DAL's im Streifendienst gehen, um dann evtl. später die Möglichkeit zu bekommen, wieder im Ermittlungsdienst A11 zu werden.

Nicht unerwähnt sollen dabei die damit einhergehenden "Qualifizierungspools I-IV" sein; d.h. also, dass der o.g. Kollege auch erstmal in diesem Pool (wiederum Auswahlverfahren etc. pp.) sein muss, um überhaupt die Möglichkeit für die o.g. "PE-Maßnahme" zu erhalten. Anzumerken ist dabei, dass niemand, der es auch in diese Pool's schafft, die absolute Garantie für die Umsetzung des angestrebten Ziels (A11 ff.) bekommt, was bereits jetzt zu gehöriger Frustration bei Kollegen geführt hat, die sämtliche Stationen mitgemacht haben und letztlich doch mit leeren Händen dastehen.

3.)
Deine Forderung nach mehr Flexibilität ("40 Jahre in der selben Schicht . . .") ist ja völlig in Ordnung. Es kann aber gerade nicht sein, dass es für jeden Kollegen nur noch um das große "Scheine sammeln" in Form des "Stellenhoppings" geht, um dann super breit aufgestellt zu sein. Ich denke, dass gerade dann denjenigen Kollegen (Streifendienst/ Ermittlungsdienst), die jahrelang zuverlässige Arbeit leisten und ohne die manch Dienststelle aufgeschmissen wäre, wirklich Unrecht getan wird. Diesen Kollegen wurde jede Perspektive genommen.

Reicht es dann aus, in dem Metier (Streifendienst pp. whatever) top zu sein und die Arbeit für die Polizei gewissenhaft vertreten zu können ?!

Ich denke nicht.

Das o.g. Modell fördert den Individualisten, nicht jedoch die breite Masse, die die o.g. im Wesentlichen (gerade bei der Absolvierung des "Stellenhoppings") mitträgt.

4.) Hi Käpt'n:
Du hattest im anderen Thread noch das vermehrt aufkommende Wechseln von Kollegen aus NRW nach NDS und HB mit der Konsequenz der Rückstufung auf A10 angesprochen:

Ich habe dafür mögliche Erklärungen:

a) ich denke, dass es bei vielen Kollegen aus NRW in erster Linie um familiäre Gründe geht und sie die Folgen daher nach erfolgter Abwägung in Kauf nehmen

b) diese Kollegen sind sich der hier thematisierten Situation in Nds nicht bewusst

c) es existiert die sog. "Besitzstandswahrungspflicht" (resultierend aus dem BBesG); bedeutet, dass jmd. zwar nach A10 zurückgestuft wird, jedoch nach A11 weiterbezahlt wird (i.F. einer Ausgleichszulage gem. § 13 BBesG)! In unserem Dienststellenbereich sind mehrere Wechsler; bei allen ist es so gelaufen. Finanziell also keine Einbußen, nur halt kein Hauptkommissar mehr.

So, jetzt wird Fußball geschaut ;-)


Zitat berichtigt von schutzmann_schneidig
„Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.“

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Re: Situation NDS

Beitragvon Brutus14 » Sa 21. Jan 2012, 15:56

Für diejenigen, die erst später hinzugekommen sind: (hier der Ausgangsthread)

http://www.copzone.de/phpbbforum/viewto ... 24&t=67363
„Nichts auf der Welt ist so gerecht verteilt wie der Verstand. Denn jedermann ist überzeugt, dass er genug davon habe.“

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Re: Situation NDS

Beitragvon Leenaa » Sa 21. Jan 2012, 16:42

auch ich spiele zurzeit nun mit dem Gedanken meine Bewerbung in Niedersachsen zurück zu ziehen und Bewerbungen in anderen Bundesländern vorzuziehen.
Die Argumente von Brutus sind defintniv aussagekräftig und solllten jeden Bewerber nochmal vor Auge gehalten werden. Danke für die sehr interessanten Informationen :)

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Re: Situation NDS

Beitragvon Seeemeister » Sa 21. Jan 2012, 19:58

Brutus14 hat geschrieben:
very hat geschrieben:Zudem stellt es einen Ansporn für Kollegen dar, die weiter wollen sich entsprechend zu bewerben und Verantwortung wahrzunehmen. Wer allerdings glaubt er bekommt mehr Geld dafür, dass er 40 Jahre in der selben Schicht seinen Dienst versieht, dafür täglich 5 Minuten mit dem Fahrrad von seinem Einfamilienhäuschen (ja, das kann man in weiten teilen von Nds. auch mit A9 finanzieren) zur Dienststelle fährt und auch nicht bereit ist eines dieser Kriterien auch nur befristet aufzugeben ist, wie ich finde zurecht, auf dem Holzweg. Ich scheue eigentlich den vergleich zur freien Wirtschaft aber wer dort nicht flexibel ist kann noch so gut sein - er wird perspektivisch kaum weiterkommen.
Da ist was dran.

1.)
Frage mich dann allerdings, warum überhaupt die zweigeteilte Laufbahn in NI eingeführt wurde, wenn der absolute Großteil nach einer Beförderung (->A10) in Pension gehen wird. Wie ich bereits in dem anderen Thread dargestellt habe, würde sich der Einstieg in den mD eines anderen Bundeslandes (wohlgemerkt mit fr. Heilfürsorge) erstens finanziell und zweitens auch der entsprechenden Bestätigung der geleisteten Arbeit wegen (grds. zum PHM mit Z.) vielleicht eher "lohnen". Dann beginnt man halt nach der mittleren Reife (benötigt kein Abitur o.ä.) und gut ist. Finanziell besteht dann kein Unterschied. Frag' doch mal die älteren Kollegen, was die von der Einführung der zweigeteilten Laufbahn halten! Die meisten wären schon längst beim PHM mit Z. statt nun mit A9 als ernannter PK rumzukrebsen. Und als agiler Mitstreiter im mD stehen einem auch jegliche Türen für den Aufstieg in den gD offen (siehe BuPOL, BaWü...)

Fazit: die Einführung der zweigeteilten Laufbahn in NDS hat für diejenigen, die noch nicht einmal mehr die freie Heilfürsorge bekommen, eigentlich nichts gebracht!

2.)
Vielleicht solltest Du dem potenziellen Bewerber auch erläutern, dass für ihn der Zug nach A11 ff. auch grds. dann abgefahren sein sollte, wenn er sich in bestimmten Bereichen jahrelang spezialisiert hat und nun aber erstmal das sog. "Stellenhopping" betreiben darf:

Bsp.: bei uns erfahrene Kollegen aus dem Ermittlungsbereich (z.B. seit Jahren spezialisiert i.S. Todesermittlungen, MoKo etc. pp.) müssen nun den "Umweg" über die von Dir gemeinten "Personalentwicklungsmaßnahmen" in Form eines DAL's im Streifendienst gehen, um dann evtl. später die Möglichkeit zu bekommen, wieder im Ermittlungsdienst A11 zu werden.

Nicht unerwähnt sollen dabei die damit einhergehenden "Qualifizierungspools I-IV" sein; d.h. also, dass der o.g. Kollege auch erstmal in diesem Pool (wiederum Auswahlverfahren etc. pp.) sein muss, um überhaupt die Möglichkeit für die o.g. "PE-Maßnahme" zu erhalten. Anzumerken ist dabei, dass niemand, der es auch in diese Pool's schafft, die absolute Garantie für die Umsetzung des angestrebten Ziels (A11 ff.) bekommt, was bereits jetzt zu gehöriger Frustration bei Kollegen geführt hat, die sämtliche Stationen mitgemacht haben und letztlich doch mit leeren Händen dastehen.

3.)
Deine Forderung nach mehr Flexibilität ("40 Jahre in der selben Schicht . . .") ist ja völlig in Ordnung. Es kann aber gerade nicht sein, dass es für jeden Kollegen nur noch um das große "Scheine sammeln" in Form des "Stellenhoppings" geht, um dann super breit aufgestellt zu sein. Ich denke, dass gerade dann denjenigen Kollegen (Streifendienst/ Ermittlungsdienst), die jahrelang zuverlässige Arbeit leisten und ohne die manch Dienststelle aufgeschmissen wäre, wirklich Unrecht getan wird. Diesen Kollegen wurde jede Perspektive genommen.

Reicht es dann aus, in dem Metier (Streifendienst pp. whatever) top zu sein und die Arbeit für die Polizei gewissenhaft vertreten zu können ?!

Ich denke nicht.

Das o.g. Modell fördert den Individualisten, nicht jedoch die breite Masse, die die o.g. im Wesentlichen (gerade bei der Absolvierung des "Stellenhoppings") mitträgt.

4.) Hi Käpt'n:
Du hattest im anderen Thread noch das vermehrt aufkommende Wechseln von Kollegen aus NRW nach NDS und HB mit der Konsequenz der Rückstufung auf A10 angesprochen:

Ich habe dafür mögliche Erklärungen:

a) ich denke, dass es bei vielen Kollegen aus NRW in erster Linie um familiäre Gründe geht und sie die Folgen daher nach erfolgter Abwägung in Kauf nehmen

b) diese Kollegen sind sich der hier thematisierten Situation in Nds nicht bewusst

c) es existiert die sog. "Besitzstandswahrungspflicht" (resultierend aus dem BBesG); bedeutet, dass jmd. zwar nach A10 zurückgestuft wird, jedoch nach A11 weiterbezahlt wird (i.F. einer Ausgleichszulage gem. § 13 BBesG)! In unserem Dienststellenbereich sind mehrere Wechsler; bei allen ist es so gelaufen. Finanziell also keine Einbußen, nur halt kein Hauptkommissar mehr.

So, jetzt wird Fußball geschaut ;-)
Auch dir vielen Dank, jetzt sind mir zumindest schonmal 2 relativ gegensätzliche Positionen klar.
Das ganze heißt also, dass man sich weniger durch Leistung, als viel mehr durch Durchlaufen möglichst vieler (Teil-)Bereiche profilieren kann?

Ich werde immer mehr zum Nachdenken gebracht, ob das wirklich das richtige ist. Dabei schien es vor nem halben Jahr noch, als wenn es für mich nichts anderes für gäbe.


Was mich wirklich beschäftigt ist, inwieweit man während des Studiums und danach gefordert (kein Ö! ;) ) wird und wie anspruchsvoll das Ganze ist.
Bitte versteht mir nicht falsch, die Frage kommt jetzt aus purer Unwissenheit und soll nicht arrogant wirken, aber wieweit kann man in dem Job an seine Grenzen gehen und vorallem bei dieser Art der Talentauswahl wirklich seine Leistung zeigen und dafür belohnt werden?

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Re: Situation NDS

Beitragvon Brutus14 » Sa 21. Jan 2012, 22:04

Seeemeister hat geschrieben:Was mich wirklich beschäftigt ist, inwieweit man während des Studiums und danach gefordert (kein Ö! ;) ) wird und wie anspruchsvoll das Ganze ist.
Bitte versteht mir nicht falsch, die Frage kommt jetzt aus purer Unwissenheit und soll nicht arrogant wirken, aber wieweit kann man in dem Job an seine Grenzen gehen und vorallem bei dieser Art der Talentauswahl wirklich seine Leistung zeigen und dafür belohnt werden?
Die genaue Auskunft in Sachen Studium kann ich Dir auf Grund der "Bologna-Reform" und der damit auch bei der Polizei Nds. einhergehenden Umstellung auf den "Bachelor" (hier: Modulsystematik etc.) nur bedingt geben, da ich noch das vorherige Modell (Diplom-Studiengang) absolviert habe. Vielleicht tummelt sich hier noch jemand im Forum, der Dir da aus erster Hand Info's geben kann.

Ich denke, dass auch das neue Modell zu meistern sein wird. Für eine besonders gute Note (damit meine ich auch "gut", da "sehr gut" schon eher selten ist) dürfte man sich schon mehr in's Zeug legen müssen. Liegt aber auch immer im Auge des Betrachters. Da es sich jedoch um einen Studiengang des öffentlichen Dienstes handelt, verläuft die Notenskala in der Gesamtbetrachtung erfahrungsgemäß pyramidenförmig; evtl. am ehesten mit dem Jura-Studium vergleichbar (siehe auch aktuellen Beitrag in der Süddeutschen Zeitung (Rubrik: Beruf und Karriere: "Eins ist nicht gleich Eins") vom heutigen Tage.

Solltest Du die entsprechenden Ansprüche für Deine Person verfolgen, wirst Du also sicherlich genug gefordert sein.

Auch im späteren Job (d.h. nach Abschluss des Studiums) steht und fällt vieles mit dem eigenen Anspruch. Ich behaupte einfach mal, dass der überwiegende Teil der Kollegen auch mit "Leib & Seele" den Beruf ausübt und versucht, das Beste zu geben. Ich denke, dass dieser gewisse "Idealismus" auch von jedem Berufsinteressierten mitgebracht werden sollte.

(siehe insbesondere den Hinweis des Käptn aus dem vorherigen Thread: also sinngemäß "reich werden" usw.)

Diesen Beruf sollte man in der heutigen Zeit tatsächlich nicht wählen, wenn man keinerlei Prinzipien pp. verkörpert, sondern eher damit beschäftigt ist, wann man in die nächste Penthouse-Wohnung einziehen kann . .

Verfolgst Du das Ziel, später in den höheren Dienst aufzusteigen, solltest Du grds. schon mit "gut" abschließen. Für die Beförderung nach A10 spielt die Note allerdings grds. nur als sog. "Hilfskriterium" eine also etwas nebensächlichere Rolle; d.h. in erster Linie zählt die Dir alle drei Jahre vergebene Regelbeurteilung. Weitere "Hilfskriterien" stellen dann die Standzeit im Statusamt, die Gesamtdienstzeit und die Note dar. (ohne Reihenfolge, in den meisten Polizeidirektionen jedoch mit Erstbeachtung der o.g. Standzeit)

Für den Großteil der Kollegen ist die Beförderung daher mehr oder weniger absehbar, da es eben inoffiziell in erster Linie nach Standzeit geht. (Bsp.: X hat das Studium 2011 begonnen und Y 2012, dann ist X als Erster dran) Ausnahmen bestätigen die Regel (siehe Beitrag des Kollegen; "Beförderung nach 3 Jahren" oder Überflieger, die es auch immer wieder gibt), ich denke aber, dass mir da keiner widersprechen wird.

Warum ist das "inoffiziell" ?

Weil es offiziell nach Leistung, Eignung und Befähigung geht (Art. 33 II GG) und eine offiziell vorgegebene Quotierung gerichtlich halt anfechtbar wäre und das bisherige Verfahren ad absurdum führen würde.

Für die Beförderung nach A11 spielt die Note keine Rolle mehr (zumindest in Nds. laut Vergabeverfahren)

Wallander fängt an . . . ;-)
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Re: Situation NDS

Beitragvon Kaeptn_Chaos » So 22. Jan 2012, 09:53

Die zweigeteilte Laufbahn wurde eingeführt, weil ein unabhängiges Wirtschaftsunternehmen namens Kienbaum festgestellt hat, dass Polizeidienst A9 wert ist. Ende. Von A10 und A11 war da nie die Rede.
Das ganze heißt also, dass man sich weniger durch Leistung, als viel mehr durch Durchlaufen möglichst vieler (Teil-)Bereiche profilieren kann?
Falsch. Wenn du in allen Bereichen als Niete wahrgenommen wirst, nützt dir das auch nix.
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Re: Situation NDS

Beitragvon very » So 22. Jan 2012, 10:32

Brutus14 hat geschrieben:
very hat geschrieben:Zudem stellt es einen Ansporn für Kollegen dar, die weiter wollen sich entsprechend zu bewerben und Verantwortung wahrzunehmen. Wer allerdings glaubt er bekommt mehr Geld dafür, dass er 40 Jahre in der selben Schicht seinen Dienst versieht, dafür täglich 5 Minuten mit dem Fahrrad von seinem Einfamilienhäuschen (ja, das kann man in weiten teilen von Nds. auch mit A9 finanzieren) zur Dienststelle fährt und auch nicht bereit ist eines dieser Kriterien auch nur befristet aufzugeben ist, wie ich finde zurecht, auf dem Holzweg. Ich scheue eigentlich den vergleich zur freien Wirtschaft aber wer dort nicht flexibel ist kann noch so gut sein - er wird perspektivisch kaum weiterkommen.
Das Zitat ist nicht von mir, bitte berichtigen!
"In den Krimis wird aber nicht gezeigt, dass man vielen Schutzpolizisten die Arbeit bei der Kripo als Sanktion androhen könnte.
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Re: Situation NDS

Beitragvon Brutus14 » So 22. Jan 2012, 13:51

very hat geschrieben:Brutus14 hat geschrieben:
very hat geschrieben:
Zudem stellt es einen Ansporn für Kollegen dar, die weiter wollen sich entsprechend zu bewerben und Verantwortung wahrzunehmen. Wer allerdings glaubt er bekommt mehr Geld dafür, dass er 40 Jahre in der selben Schicht seinen Dienst versieht, dafür täglich 5 Minuten mit dem Fahrrad von seinem Einfamilienhäuschen (ja, das kann man in weiten teilen von Nds. auch mit A9 finanzieren) zur Dienststelle fährt und auch nicht bereit ist eines dieser Kriterien auch nur befristet aufzugeben ist, wie ich finde zurecht, auf dem Holzweg. Ich scheue eigentlich den vergleich zur freien Wirtschaft aber wer dort nicht flexibel ist kann noch so gut sein - er wird perspektivisch kaum weiterkommen.



Das Zitat ist nicht von mir, bitte berichtigen!

@ very: Entschuldige, da ist was schief gelaufen. Der Beitrag stammt natürlich von "Paffi" (s.o.)
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