Nebenbei Jura studieren als Polizist

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traumwirdwahr
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Nebenbei Jura studieren als Polizist

Beitragvon traumwirdwahr » Mo 25. Mär 2019, 23:41

Hallo,

endlich hat für mich das Studium an der PA Oldenburg ab dem 01.04.19 ein Ende. Super tolle Zeit und hat echt Spaß gemacht. Ich würde mich gerne noch im rechtlichen Bereich weiterbilden und denke an, Rechtswissenschaften in OL zu studieren. Ich frage mich, inwiefern das Polizeistudium angerechnet wird bzw. ob es überhaupt angerechnet wird? Wahrscheinlich kann mich die Uni besser darüber informieren, jedoch kann evtl. ja mal einer erzählen, wenn er was über so eine "Konstellation" weiß.

Vielen Dank!
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Re: Nebenbei Jura studieren als Polizist

Beitragvon PotionMaster » Di 26. Mär 2019, 05:43

Mir wurden damals zwei Fachsemester angerechnet. Mit anderen Worten musste ich im dritten FS einsteigen. Was erstmal nett klingt, dann aber je nach Studienbeginn und Aufbau der Semester bedeuten kann, dass du nicht mit BGB-AT einsteigen kannst sondern gleich Schuldrecht machen musst. Insofern wäre hier mein Rat, dass du dich frühzeitig bei der Uni deiner Wahl informierst und deinen Studienbeginn so legst, dass du mit den Grundlagen des Zivilrechts anfangen kannst. Anders herum geht es natürlich auch, wird aber schwieriger.

Anerkannt wurden soweit ich mich erinnere ein kleiner Schein im Strafrecht und ein kleiner Schein im allgemeinen Verwaltungsrecht.

Ob der Einstieg in ein höheres Fachsemester jetzt gut oder schlecht ist mag jeder für sich beurteilen. Ich wäre gerne bei Null eingestiegen, das ging aber leider nicht. Aber ob das bundesweit so ist oder eben nur in diesem Bundesland so war kann ich dir leider nicht sagen. Um eine Fachstudienberatung kommst du wohl nicht rum.

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Re: Nebenbei Jura studieren als Polizist

Beitragvon schutzmann_schneidig » Di 26. Mär 2019, 08:17

Du solltest dabei auch beachten, dass das "nebenbei" nur bis zum Abschluss der "Ersten Prüfung" funktionieren wird. Eine Freistellung vom Dienst wirst du für das Referendariat nicht erhalten.
Möchtest du das Studium komplett abschließen, dann musst du dich spätestens nach der Ersten Prüfung auch komplett dafür entscheiden und aus dem Polizeidienst ausscheiden. Möchtest du dich hingegen, so wie du schreibst, einfach nur aus Interesse im rechtlichen Bereich etwas weiterbilden, dann ist das natürlich eine Option. Bis zum Abschluss der Ersten Prüfung nimmst du ja auch schon Einiges mit.
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Re: Nebenbei Jura studieren als Polizist

Beitragvon PotionMaster » Di 26. Mär 2019, 08:22

Das Studium ist mit dem ersten Examen komplett beendet . Danach hat man mit einer Universität nichts mehr zu tun.

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Re: Nebenbei Jura studieren als Polizist

Beitragvon schutzmann_schneidig » Di 26. Mär 2019, 08:39

Ok, war unsauber von mir formuliert. :polizei2:

Also, sollte auch der Abschluss der zweiten juristischen Staatsprüfung, und damit die Befähigung zum Richteramt (Volljurist), angestrebt werden, dann ist das nebenbei oder durch eine Freistellung vom Dienst* nicht möglich.
Gerade in der jüngeren Vergangenheit hatten wir wieder einige Kollegen, die sich das ursprünglich so vorgestellt hatten, und bei denen dann die Ernüchterung einsetzte, als sie die Ablehnung der Behörde hinsichtlich einer Freistellung erhielten.


*"Früher" ist so etwas im Einzelfall noch genehmigt worden, daher rührte bei einigen Kollegen offenbar die Annahme, dass es auch aktuell noch möglich sei.
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Re: Nebenbei Jura studieren als Polizist

Beitragvon PotionMaster » Di 26. Mär 2019, 09:04

Das kann ich dann so bestätigen. Wobei ich das Problem bereits früher verorten würde. Eine Examensvorbereitung parallel zum Job mit Aussicht auf ein gutes Examen dürfte schon kaum möglich sein. Und mit einem schlechten Abschluss kann man es sich eigentlich eh fast schenken.

Macht man das alles nur aus Gründen der Wissenserweiterung...nun, muss jeder selbst entscheiden. Mir persönlich wäre das zu viel Quälerei gewesen. Zumal auch dann gefragt werden kann, wie ernsthaft man diese Wissenserweiterung angeht. Ob man wirklich viel mitnimmt wenn man irgendwie zehn Lernstunden die Woche in den Schichtplan quetscht ist schon fraglich.

In der Examensvorbereitung werden üblicherweise Repetitorien / Examinatorien besucht. Mehrfach die Woche für einige Stunden pro Termin. Oft auch Wochenendkurse. Das Lernpensum erreicht leicht ein Tagespensum. Aus gutem Grund sollte man schauen, dass man im letzten Jahr vor dem Examen soweit durch ist mit seinen Scheinen und möglichst auch mit dem Schwerpunkt.

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Re: Nebenbei Jura studieren als Polizist

Beitragvon Kulinka » Di 26. Mär 2019, 20:10

Hallo traumwirdwahr,

"nebenbei Jura studieren" (Potion Master hat dazu ja schon einiges gesagt), sorry, aber das hört sich als Plan in meinen Augen genauso realistisch an wie "mal schnell Arzt werden".

Meine Leute an der Uni und die ich aus der Schulzeit kannte, die Jura studiert haben, waren die mit den dunkelblauen Rändern unter den Augen, dem leicht irren Flackern im von chronischem Schlafdefizit gezeichneten Blick und dem den Charakter zumindest temporär ziemlich prägenden schlechten Gewissen, trotz enormen Zeiteinsatzes zuungunsten freizeitlicher Aktivitäten immer noch nicht annähernd genug gelernt zu haben. Ein Kumpel hat das mal so auf den Punkt gebracht: "Man verwaltet einen beständigen Mangel an Wissen und Zeit." Und der hat monatlich einen Scheck von seinen Eltern bekommen.

Wie sieht es eigentlich grundsätzlich mit Aufstiegschancen aus dem Gehobenen Dienst in den Höheren Dienst aus? Gibt es für Polizeibeamte im Gehobenen Dienst bei entsprechenden Ambitionen keine institutionalisierten Möglichkeiten, ein dienstliches Studium an der Verwaltungsakademie zu absolvieren (eventuell auch mit einem verwaltungsjuristischen Schwerpunkt), um sich für die Verwendung im Höheren Dienst zu qualifizieren? Analog zur heutigen akademischen Landschaft wäre es ja nur folgerichtig, auf den Bachelor einen Master aufsatteln zu können.

Viele Grüße
Kulinka

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Re: Nebenbei Jura studieren als Polizist

Beitragvon §§Reiter » Mi 27. Mär 2019, 06:33

Darüber hinaus ist noch darauf hinzuweisen, dass die angesprochene Universität Oldenburg zwar Bachelor- und Masterstudiengänge im Bereich Recht anbietet, aber keinen rechtswissenschaftlichen Studiengang, der mit der 1. Prüfung im Sinne von § 5a DRiG abschliesst. Das wäre dann an der Universität Bremen möglich, worauf die Uni Oldenburg auch etwas versteckt hinweist.

Alles andere, was die Vorschreiber erläutert haben, sehe ich auch so. Insbesondere ist der Vorbereitungsdienst für das 2. Staatsexamen nicht mit einer parallelen Tätigkeit im Beamtenverhältnis bei der Polizei vereinbar. Auch besteht keinerlei Automatismus, nach Bestehen der 1. Prüfung oder des 2. Stastsexamens unter Umgehung der üblichen Aufstiegswege in den Höheren Polizeidienst aufzusteigen.

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Re: Nebenbei Jura studieren als Polizist

Beitragvon schutzmann_schneidig » Mi 27. Mär 2019, 08:04

Kulinka hat geschrieben:
Di 26. Mär 2019, 20:10
Wie sieht es eigentlich grundsätzlich mit Aufstiegschancen aus dem Gehobenen Dienst in den Höheren Dienst aus? Gibt es für Polizeibeamte im Gehobenen Dienst bei entsprechenden Ambitionen keine institutionalisierten Möglichkeiten, ein dienstliches Studium an der Verwaltungsakademie zu absolvieren (eventuell auch mit einem verwaltungsjuristischen Schwerpunkt), um sich für die Verwendung im Höheren Dienst zu qualifizieren?
Es besteht für Beamte des gD die Möglichkeit, nach Durchlauf eines (in den BL und beim Bund unterschiedlichen) Auswahlverfahrens, zum Studium an der DHPol zugelassen zu werden. Dort wird in einem zweijährigen Studium (Vollzeit) unter Fortzahlung der Bezüge ein Masterabschluss erworben (öffentliche Verwaltung - Polizeimanagement) und die Beamten werden im Anschluss in die Laufbahn des hD überführt.

Einige BL und der Bund stellen zudem "Seiteneinsteiger" mit abgeschlossenem Masterstudium (vorwiegend Juristen, z.T. aber auch andere Fachrichtungen) direkt in den hD ein. Rein theoretisch könnte sich ein Beamter des gD, der anderweitig einen Masterabschluss erworben hat, der grds. für eine direkte Einstellung in den hD geeignet ist, auch auf eine solche Ausschreibung hin bewerben.
In der Praxis macht dies jedoch kaum Sinn, da für eine direkte Einstellung in den hD aufgrund der extrem wenigen Stellen, die dafür ausgeschrieben werden, i.d.R. Bestnoten im Abschluss des Masterstudiums erforderlich sind, die bei einem berufsbegleitenden Studium "nebenher" in aller Regel nicht zu erzielen sind. Und außerdem besteht ja ohnehin die oben beschriebene Möglichkeit des Aufstiegs aus dem gD, für die zwar auch nicht üppig viele, aber dennoch mehr Stellen zur Verfügung stehen.
Nur zur Einordnung: Die Quote an hD in den Ländern liegt zwischen ca. knapp 2 % und 2,5 %.
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Re: Nebenbei Jura studieren als Polizist

Beitragvon Kulinka » Do 28. Mär 2019, 13:06

Hallo Schutzmann,

vielen Dank für die Erläuterungen. :)

Viele Grüße
Kulinka


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