höherer Dienst Polizei NRW - EAV und Ausbildungsablauf

Auswahlverfahren und Ausbildung

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Kaeptn_Chaos
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höherer Dienst Polizei NRW - EAV und Ausbildungsablauf

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Do 26. Apr 2012, 14:54

Dieser Fred beschäftigt sich mit dem Aufstieg aus dem gehobenen Dienst in den höheren Dienst der Polizei NRW.

Der Direkteinstieg als Volljurist wird nicht regelmäßig ermöglicht, Informationen hierzu erhalten Bewerber jedoch vom LAFP NRW.

1. Zielgruppe

Bewerben können sich alle Beamten des gehobenen Dienstes mit zweiter Fachprüfung (sprich: Studium), die
1. sich nach der II. Fachprüfung in einer Dienstzeit von mindestens sechs Jahren bewährt haben und die Leiterin oder der Leiter der Behörde eine Teilnahme am Auswahlverfahren befürwortet, weil sie nach ihrer Persönlichkeit für den höheren Polizeivollzugsdienst geeignet erscheinen,

2. das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet und

3. am Auswahlverfahren (§ 20) erfolgreich teilgenommen haben.

Abweichend von § 8a gilt die nach der II. Fachprüfung abgeleistete Probezeit als Dienstzeit nach Satz 1 Nummer 1.
Ausnahmen für Elternzeitler und von der Altershöchstgrenze sind möglich.

vgl: § 19 LVO Pol NW ff.

https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_tex ... #det253954

Inwiefern der Leiter der Polizeibehörde ein entsprechendes Votum abgibt, ist von Behörde zu Behörde unterschiedlich. Manche verlassen sich einfach auf die Einschätzung nachgeordneter Führungskräfte, andere laden tatsächlich zum Vier Augen Gespräch.

2. Bewerbung

Als erstes erfolgt die Stellenausschreibung, meist zum Jahresende. Hier werden alle Beamten, die die Voraussetzungen erfüllen, gebeten, ihre Bewerbung an das LAFP zu richten. Man bewirbt sich allerdings nicht mehr für den Aufstieg, sondern erstmal um die Zulassung zur Förderphase vor dem Aufstieg in den höheren Dienst.

Je nach Behörde werden dann die formellen Voraussetzungen geprüft und das Votum der Behördenleitung eingeholt. Die kann selbstverständlich auch ablehnen, das ist jedoch eher die Seltenheit. Dann wird die Bewerbung von ZA an das LAFP geschickt.

Von dort erhält man dann die Einladung zum ersten Testtag.

3. Auswahlverfahren

Das EAV dauert drei Tage. Um an Tag 2 teilzunehmen, muss man Tag 1 erfolgreich gemeistert haben, um an Tag 3 teilzunehmen, muss man Tag 2 erfolgreich gemeistert haben.

Tag 1:

Tag 1 besteht aus einem "Intelligenztest" (dessen Inhalte sind über das LAFP, Dez. 33 abrufbar), einer Selbsteinschätzung nach BIP (beide am PC zu bearbeiten) sowie einem handgeschriebenen Lebenslauf.

Der erste Tag dauert ca 2,5 Stunden und findet in Münster statt. Man erhält keine sofortige Rückmeldung, das Ergebnis wird zwei - drei Wochen später an die Behörde geschickt. Auch hier handhaben die Behörden das unterschiedlich, wie das dem Bewerber mitgeteilt wird.

Tag 2:

Tag 2 findet ebenfalls in Münster statt und ist ein Assessmentcenter mit den Einzelaufgaben Gruppendiskussion, Rollenspiel (Mitarbeiter-/Konfliktgespräch), Kurzvortrag / Präsentation. Man ist mit fünf bis acht Mitstreitern eingeladen.

Den Tag über wird man von Psychologen und erfahrenen Kollegen des höheren Dienstes (Ratern) beobachtet. Am Ende findet ein "Explorationsgespräch" statt, in denen ein Psychologe und ein Rater dem Bewerber mit Erkenntnissen aus BIP und Lebenslauf von Tag 1 konfrontieren und allgemein mal versuchen zu ergünden, wie dieser wohl so tickt. Hierbei lassen sie sich nicht in die Karten gucken und es ist unmöglich, vorher zu sagen, wie man denn wohl abgeschnitten hat.

Der Tag wird - nicht zuletzt aufgrund der naturgemäß anfallenden Wartezeit zwischen den jeweiligen Stationen - lang und geht schon mal von 08.00 h - 18.00 h.

Tag 3:

Tag drei findet dann - meist - im LPA Hilden statt. Hier darf man vor einer Kommission vor Spitzenbeamten des MIK (und natürlich den obligatorischen Psychologen) ca. 30 - 40 Minuten beweisen, dass man der geeignete Kandidat ist.

Dann erfolgt ein Ranking - und je nach Bedarf erhält man dann eine Zulassung zur zweijährigen Förderphase.

4. Förderphase

In dieser soll man zunächst in dem Kernbereich Erfahrungen sammeln, in dem man nicht eingesetzt war. K geht also zu GE und V, und umgekehrt. Hier erhält man einen Mentor aus dem höheren Dienst, der einen begleitet, aber auch bewertet. Zudem sind eine Hospitation im MIK vorgesehen und man findet sich auch zu Ausbildungseinheiten im LAFP zusammen. Auch Ausflüge zu ausländischen Polizeimissionen sind vorgesehen. In einer ca. fünfmonatigen Führungshospitation begleitet man dauerhaft eine erfahrene Führungskraft des höheren Dienstes.

5. Ausbildung

Sofern man sich im Laufe der Förderphase nicht als ungeeignet präsentiert, darf man dann im dritten Jahr im LAFP, Standort Münster, frontal unterrichtet werden. Im vierten Jahr geht es dann mit den Kollegen aus anderen Bundesländern, die für würdig befunden wurden, an die DH Pol, wo man in Kontakt- und Selbststudium seinen Master erwirbt und nach Abschluss - so Gott und Planstellen wollen - zum Polizeirat ernannt wird.

6. Erstverwendung

Die Kollegen aus NRW dürfen sich dann untereinander einigen, wer wohin kommt. Die Erstverwendung wird meist Führungsstellenleiter einer PI oder der Dir K, Leiter Abteilungsstab einer Landratsbehörde oder Leiter einer (kleineren) Kriminalinspektion sein. NRW ist groß und gerade die fernab liegenden Landratsbehörden haben meist einen Bedarf in den o. g. Funktionen. Da kann der rheinländische Kollege schon mal nach Höxter kommen - oder der Westfale an den Niederrhein. Grundsätzlich wird auf Belange und Erfordernisse eingegangen. Grundsätzlich wird aber auch erwartet, dass man sich "bewegt".

In der Erstverwendung unterliegt man dann einer Sperre von drei Jahren. Danach darf man dann wieder im landesweiten Versetzungsverfahren mitspielen.

danach

auch der hd hat mittlerweile ein PEK:

https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_tex ... n=N&menu=1

Um in die Spitzenfunktionen A15 und A16 kommen zu können, muss man grundsätzlich Verwendungsbreite in Stab und Linie zeigen, bei den LOB gearbeitet haben und am besten auch noch in Lehre und Ausbildung tätig gewesen sein.

Das heißt im Grunde, dass man alle drei - fünf Jahre eine andere Stelle besetzen muss, um alle Bausteine sammeln zu können.
:lah:

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beni
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Re: höherer Dienst Polizei NRW - EAV und Ausbildungsablauf

Beitragvon beni » Do 26. Apr 2012, 15:06

vielen Dank Käpt'n für deine Mühen und die ausführliche Schilderung des Testablaufes :blume:
.Wir werden den Thread gerne in den 99 Fragen von A-Z einpflegen

Vorsorglich schließe ich den Thread

Danke

LG
Nicole


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