Erfahrungsbericht...Nur keine Panik ;)

Auswahlverfahren und Ausbildung

Moderator: Polli

Tomah
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Erfahrungsbericht...Nur keine Panik ;)

Beitragvon Tomah » So 6. Mai 2012, 23:47

So,

und auch ich möchte mal einen Erfahrungsbericht von meinen Auswahltagen bei der Polizei schreiben
in der Hoffnung, dem ein oder anderen von euch vielleicht ein
wenig die Aufregung nehmen zu können...

Da ich aus dem Kölner Umland komme, bin ich bereits einen Tag früher angereist,
da ich dies für deutlich stressfreier erachtete.
An dieser Stelle sollte ich aber erwähnen, dass ich nicht in der Polizeiunterkunft geschlafen habe,
sondern bei einem Freund gewohnt habe, welcher in Münster studiert.
Zu den Unterkünften kann ich also gar nichts sagen.


1. Tag


Der erste Prüfungstag begann um 8.30 Uhr.
Nach einer kurzen Begrüßung wurden wir auf Vollständigkeit überprüft.
Komischerweise waren relativ viele Leute gar nicht erst erschienen;
es waren etwa knapp unter 30 Bewerber eingeladen, erschienen waren nur 21.

Anschließend wurden wir in zwei Gruppen aufgeteilt und jede Gruppe ging in einen Prüfungsraum mit PC-Arbeitsplätzen.

Dort angelangt wurden wir dann kurz über das Testverfahren aufgeklärt und um 9 Uhr etwa ging es dann los!

Es kamen ziemlich genau die Aufgabentypen dran, die mir der Einstellungsberater Wochen vorher auch genannt hatte.
Ich kann zur Vorbereitung nur das Buch „Testtraining 2000 plus“ von Hesse/Schrader empfehlen.

Wenn man die entsprechenden Kapitel dort bearbeitet hat,
sollte der Test machbar sein.
Das Schwierigkeitsniveau der einzelnen Aufgaben ist meiner Meinung nach
mit dem des Buches in etwa vergleichbar.

Und wenn ich euch noch einen Rat geben darf:
Macht euch nicht verrückt, wenn ihr einzelne Aufgaben nicht in der geforderten Zeit bearbeitet bekommt
oder aber die Antwort raten müsst.

Ich denke, dass der Test durchaus so aufgebaut ist, dass man gar keine 100% richtig haben kann,
um zusätzlich das Stresslevel noch ein wenig zu erhöhen.

Zwischen den einzelnen Aufgaben kann man übrigens auch jederzeit rausgehen und eine Pause einlegen.

Da ich mich geistig „frisch“ fühlte, habe ich aber ohne größere Pausen durchgearbeitet,
sodass ich gegen 10.45 Uhr schon den Testraum verlassen konnte, da ich fertig war.

Bis wann die maximal mögliche Bearbeitungszeit ging, kann ich daher gar nicht genau sagen,
ich denke aber, dass sie lang genug war, dass wirklich jeder fertig werden konnte.
Wie uns bereits vorher mitgeteilt worden war, mussten wir uns um kurz nach 12 Uhr
dann wieder in unserem Testraum einfinden zur Mitteilung der Ergebnisse:
Von zehn oder elf Leuten meiner Gruppe hatten alle bis auf einen bestanden
(in der anderen Gruppe ist meines Wissens nach auch nur einer durchgefallen)!

Dann ging es weiter in ein anderes Gebäude zum Wiener Test, welcher aus mehreren Untertests besteht.

Auch hier wurde vorher natürlich auch wieder alles genau erklärt.
Ich muss gestehen, dass ich diesen etwas schwerer als erwartet empfand,
aber das ist ja wirklich nur eine Sache der subjektiven Wahrnehmung.

Im Ergebnis haben aber auch hier alle bestanden!
Der ganze Test und die dazugehörigen Erklärungen dauerten ca. eine knappe Stunde,
danach ging es dann wieder zurück in ein anderes Gebäude,
wo dann noch kurz mitgeteilt wurde, wann und wo es am nächsten Tag weitergeht
und schon hatten wir dann gegen 14 Uhr Feierabend.


2. Tag


Tag 2 begann sehr zeitig um 7.20 Uhr.
Während man am ersten Tag normale Alltagskleidung tragen konnte,
sollten wir an diesem Tag in Sportbekleidung erscheinen.

Auch dieser Tag begann durch eine Begrüßung eines Mitarbeiters vom polizeiärztlichen Dienst,
gefolgt von einer ganzen Menge von Hinweisen und Fragebögen (zur Gesundheit), die man beantworten musste.

Nachdem diese Formalitäten erledigt waren, wurden wir wieder in zwei Gruppen aufgeteilt.

Nach einer kurzen Voruntersuchung (Größe, Gewicht, Brustumfang, Halsumfang, Vollständigkeit der Zähne...)
ging es dann zum Sehtest, Hörtest, Lungenfunktionstest, Ruhe-EKG und Gesichtsfeldvermessung.

All diese Untersuchungen (auch die Voruntersuchung!) wurden durchgeführt von größtenteils
sehr netten und freundlichen „Arzthelferinnen“ und „Arzthelfern“.

Nachdem dann das Vorgeplänkel erledigt war, ging es zur Hauptuntersuchung zum Arzt.

Also ich kann nur sagen, dass mein Arzt super nett und total sympathisch war!!

Der schaute sich dann die Wirbelsäule an, die Füße, Zähne, tastete einige Stellen am Oberkörper ab,
hörte das Herz und die Lunge ab, stellte ein paar Fragen zu den im medizinischen Fragebogen angegebenen Dingen.

Genau wie bei der Musterung kam dann am Schluss auch noch der Blick unter die Boxershorts.

Insgesamt kam der Arzt bei mir zu dem Ergebnis, dass soweit alles ok sei.
Meine Zähne (etwas Überbiss!) seien grenzwertig,
aber wären noch im Rahmen des Tolerierbaren.

Ich kann nur noch einmal sagen, dass ich mit meinem Arzt riesen Glück hatte.
Er war wirklich total menschlich und man spürte sofort,
dass er einem nichts Böses wollte
– im Gegenteil: Er wollte wirklich, dass man durchkommt!!

Ich betone das so explizit, da man beim Lesen mancher Berichte den Eindruck bekommen könnte,
dass beim PÄD darauf abgezielt wird, einen für untauglich zu erklären.
Klar, ich kenne die anderen Ärzte nicht, aber bei meinem war dies definitiv nicht der Fall.

Als letztes, nachdem der Doc sein Ok gegeben hat, ging es dann zum Belastungs-EKG auf dem Fahrradergometer.

Hier kann ich allen nur den Rat geben:

Trainiert vorher wirklich das Fahrradfahren.
Ich bin einfach immer in dem höchsten Gang einen kleinen Berg hochgestrampelt, und das immer und immer wieder...

So habe ich dann schließlich aus das Belastungs-EKG bestanden, es ist sogar frühzeitig bei mir abgebrochen worden,
da mein Puls so niedrig geblieben ist.

Ich bin von Natur aus sicherlich kein begnadeter Sportler,
aber mit ein wenig Training kann das wirklich jeder schaffen – genauso wie auch ich es geschafft habe!!

Danach musste man dann noch einige Formulare wieder ausfüllen,
es gab noch einige Erklärungen und dann ging es ab nach Hause!


Ich kann leider nicht wirklich viel dazu sagen, wie viele von uns es dann letztendlich an diesem Tag auch geschafft haben,
da ich zu den ersten gehörte, die fertig waren.

Zwei Mitstreiter haben es definitiv auch ohne jegliche Auflagen geschafft,
fünf von uns wurden unter Vorbehalt für tauglich erklärt (d.h. sie mussten noch Facharztbefunde nachreichen)
– zwei vom Hautarzt wegen irgendwelchen Hautproblemen, einer vom Zahnarzt,
weil er evtl. einen Kreuzbiss hat und zwei vom Kardiologen,
da beim Abhören Strömungsgeräusche im Herz zu hören waren –

das war übrigens bei mir auch der Fall, allerdings wurde das zufälligerweise schon drei Monate vorher von meinem Hausarzt entdeckt,
welcher daraufhin ein Herzultraschall machen ließ, wobei sich dann herausstellte, dass alles in Ordnung sei.

Als ich das dann dem Polizeiarzt mitteilte, war er damit schon zufrieden!) und zwei wurden für untauglich erklärt
(bei einem gab es wohl Probleme mit dem Gewicht und der andere ist beim Belastungs-EKG rausgeflogen).
Wie gesagt, von mehr weiß ich es nicht, aber ich denke sicher, dass noch einige andere es auch geschafft haben!!!


3. Tag


Circa drei Wochen war ich dann zum Assessment-Tag eingeladen (in meinem Fall fand das in Bonn statt).

Es ging sehr früh morgens, um 7.30 Uhr, schon los.
An diesem Tag waren wir nur zu viert.

Nach einer kurzen Begrüßung und Erklärung des Ablaufs durch einen sehr netten Beamten
und anschließendem Vorstellen der Auswahlkommission (zwei Polizisten aus dem „alltäglichen“ Dienst, die aber natürlich auch über entsprechende Schulungen verfügten),
ging es dann gleich los.

Auch hier wurden wir in zwei Gruppen à zwei Mann eingeteilt.

Zunächst musste man ein Rollenspiel (ca. 10 Minuten) absolvieren (eine Konfliktsituation unter Kollegen wurde nachgestellt),
anschließend sollten wir einen Kurzvortrag halten (dabei hatten wir zwei Themen zur Auswahl,
15 Minuten Vorbereitungszeit, 5 Minuten Vortragszeit),
zu dem dann danach noch zwei kurze Fragen gestellt wurden.

Es folgte dann sie sogenannte „Postkorbübung“, d.h. es wird eine Bürosituation simuliert,
bei der man dann verschiedene Aufgaben zu erfüllen hat (ca. 20 Minuten).

Zu guter letzt kommt dann ein strukturiertes Auswahlgespräch,
bei dem man sich vorstellen soll und verschiedene Fragen seiner Meinung nach beantworten soll.

Dieses dauerte ca. 45 Minuten.
Nachdem man dann all diese Tests erledigt hat, folgt ein kurzes Feedbackgespräch mit der Auswahlkommission,
bei dem einem dann grob mitgeteilt wird, wie man an diesem Tag (nur an diesem Tag!!!) abgeschnitten hat
und was verbesserungswürdig war bzw. was Kritikpunkte waren.

Bei mir hieß es, dass mein Ergebnis an diesem Tag „im guten Mittelfeld“ läge;
Kritikpunkte waren zum einen, dass ich bei dem ersten Rollenspiel zu wenig
auf die persönliche Situation des Kollegen eingegangen sei (obwohl ich ehrlich gesagt auch im Nachhinein nicht weiß,
was ich genau hätte anders machen müssen)
und zum anderen habe ich mich wohl bei dem abschließenden Auswahlgespräch zu oft wiederholt und hätte zu viel geredet
...Ist ok, bin halt ne Laberbacke ;)


Tja, und was soll ich euch sagen??
Zwei Tage später hatte ich dann schon den sagenumwobenen und heiß ersehnten Weißbescheid im Briefkasten,
in dem mir mitgeteilt wurde, dass ich zum 1.9. anfangen kann!!!

Yipiieh! Offensichtlich muss ich wohl in Münster einen ganz guten Punktwert erzielt haben,
sodass ich im Gesamtergebnis recht gut war, sodass für mich das Warten schon nach zwei Tagen beendet war!!!


So, warum schreibe ich das alles....? ;)

Ich habe mir vor den einzelnen Testtagen zugegebenermaßen echt vor Aufregung in die Hose gemacht und hoffe,
dass ich euch mit meinem Bericht ein wenig die Nervosität nehmen kann...

Klar geht es hier immerhin um die berufliche Zukunft und somit um ne wirklich wichtige Sache,
aber glaubt mir, es will euch wirklich niemand etwas böses!

Die allermeisten Menschen, mit denen ich bei den Testtagen zu tun hatte, waren wirklich total freundlich und hilfsbereit.

Glaubt auch nicht die ganzen Horrormärchen, die rund um das Auswahlverfahren kursieren!
Es ist alles halb so wild!
Bereitet euch vernünftig (sofern möglich) auf die einzelnen Tests vor und ihr werdet sehen,
es ist alles machbar und keine Hexerei!
Ich bin in jeder Hinsicht (geistig und körperlich) ein absoluter Durchschnittstyp und habe es geschafft.

Ihr müsst wirklich kein Superman sein, um es zu bestehen...

Achja, und noch ein Tipp: GEHT ZUM EINSTELLUNGSBERATER!!!

Der kann euch wirklich sehr genau sagen, was bei den einzelnen Tests drankommt
und auf was unter Umständen geachtet wird...Nehmt das Angebot auf jeden Fall wahr!


Ich wünsche allen, die es noch vor sich haben, viel Erfolg und macht euch nicht verrückt, es kochen alle nur mit Wasser!! ;)

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Re: Erfahrungsbericht...Nur keine Panik ;)

Beitragvon beni » Mo 7. Mai 2012, 07:29

Hallo Tomah

danke für deinen ausführlichen Bericht und das du den anderen Bewerbern die Scheu und Angst nehmen möchtest :zustimm:

Lieben Gruß
Nicole

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Re: Erfahrungsbericht...Nur keine Panik ;)

Beitragvon Polli » Mo 7. Mai 2012, 22:32

Hi Tomah,



auch von mir im Namen der zukünftigen Bewerber herzlichen Dank für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. :zustimm:

Als Dankeschön erhälst du von mir die obligatorische Blume. :blume:

Ich schließe den Thread, damit er übersichtlich bleibt
und verlinke ihn in 99 Antworten von A - Z.


Ansonsten sage ich bereits jetzt schon: "Herzlich willkommen am 3.9.2012 lieber Kollege." :tach:



Gruß :polizei2:


Polli (NRW)

--> Hier gibt´s Beratung - bitte mal draufklicken :!:



http://polizeistiftung-nrw.de/


Wählen ist wie zähneputzen, wenn mans nicht macht, wirds braun!


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