Erfahrungsbericht 3. Auswahltag

Auswahlverfahren und Ausbildung

Moderator: Polli

Gast

Erfahrungsbericht 3. Auswahltag

Beitragvon Gast » Mo 10. Feb 2014, 13:23

Hallo zusammen :hallo:

Nachdem meine ersten beiden Erfahrungsberichte zu Münster relativ gut ankamen und mich einige User darum baten über den 3. Tag zu berichten, möchte ich das nun hiermit tun. :polizei2: Ganz wichtig ist mir vorher zu sagen, dass ich hier nur meine subjektiven Erlebnisse kundtun kann. Ich trage keine Gewähr dafür, dass der Auswahltag bei euch genauso abläuft wie bei mir. Bitte habt auch Verständnis dafür, dass ich aufgrund der Fairness keine konkreten Szenarien darstelle und das es verschiedene Prüfungskommissionen gibt, die sich aber alle an dem gleichen Bewertungsbogen orientieren. Mit diesem Bericht möchte ich euch vor allem die Angst nehmen, denn ich war auch einer der Kandidaten die sich über jede Kleinigkeit Gedanken gemacht haben.

Viele Grüße, Superpfeife P.S.: Ihr packt das ! :zustimm:

Mein dritter Tag

Mein dritter Tag begann in meiner Einstellungsbehörde schon sehr früh am Morgen. Ich reiste rechtzeitig an (Immer an Stau denken :!: ) und saß gespannt, nachdem ich mich am Empfang angemeldet hatte, im Warteraum. Nach kurzer Zeit wurden meine Mitbewerberin und ich, vom Rollenspieler abgeholt. Der Rollenspieler war bei mir der Einstellungsberater der Behörde. Er ist nicht nur euer Gegenpart in den beiden "Spielen", sondern auch eure Kontaktperson während des Assessment Tages. Er erklärt euch alles in Ruhe und geht jeden Test mit euch vorher genaustens durch, damit Ihr gut vorbereitet in die Aufgaben vor der Prüfungskommission geht. Nutzt diese Möglichkeit. Er ist dafür da euch zu unterstützen und war in meinem Fall auch sehr sehr freundlich und hat uns beide sehr beruhigt. :zustimm:

Nachdem Ihr kurz belehrt werdet, zeigt Ihr noch eure Personalausweise oder Führerscheine vor, damit Ihr euch zweifelsfrei identifizieren könnt. Ihr unterschreibt, dass Ihr belehrt wurdet und schon geht es los. Es kann übrigens sein, dass Ihr alleine sein werdet, zumindest war es bei einem befreundeten Mitbewerber von mir auch so. Die Regel sind 2 Bewerber pro Runde.

Nun geht es zur 1. Vorstellungsrunde mit der Prüfungskommission. Diese besteht aus 2 langjährigen und erfahrenen Mitgliedern der Polizei NRW und aus 2 anderen, unterschiedlichen Behörden. Nachdem man sich begrüßt, setzt man sich kurz und die beiden Personen stellen sich vor. Der Rollenspieler macht das entweder vorher, oder sagt auch noch kurz ein paar Sätze über sich. Als Bewerber sagst du eben nur kurz deinen Namen, Alter, Wohnort und was du gerade machst. Mehr sollten wir zumindest in meinem Falle nicht sagen. Macht euch hier nicht verrückt, die beiden Prüfer schauen zwar neutral und etwas ernster, sind aber nicht gegen euch, sondern wollen euch bewerten. Diese Runde gehört noch nicht zum Prüfverfahren, aber das Ihr nicht popelnd oder gähnend in der 5 minütigen Runde dasitzen solltet, ist klar :polizei7:
Dann zieht ihr eine Nummer aus einem Stapel. Diese Nummer, entscheidet über das Szenario im 1. Rollenspiel.

Im 1. Rollenspiel wird eine Konfliktsituation im polizeilichen Alltag simuliert. Euer Rollenspieler spielt einen Kollegen, der z.B. gerade im Aufenthaltsraum sitzt und mit seinem Handy spielt. Ihr seid ein Kollege oder eine Kollegin, die ein gewisses Problem mit dem Kollegen hat, was Ihr gerne unter 4 Augen klären möchtet. Das sind ganz alltägliche Probleme die auftauchen können. Die Prüfungskommission sitzt etwa 2 Meter entfernt und notiert sich alles. Achtet nicht auf die Prüfer, sondern nur auf den Rollenspieler. Wenn Ihr in den Prüfungsraum reingeht, seid Ihr nicht der Bewerber, sondern der Kollege. Achtet auf eure Körperhaltung. Mimik und Gestik spielen eine entscheidene Rolle. Wendet euch dem Kollegen zu, wendet euch nicht ab, macht keine "bockige" Haltung. Bleibt immer ruhig, freundlich und höflich. Er wird vllt. ablehnend sein oder sich darüber ärgern das Ihr Ihn ansprecht. Er wird die Sache vllt. auch nicht so ernst nehmen. Zeigt Ihm das euch die Sache wichtig ist. Was Ihr genau sagen müsst, weiß ich natürlich auch nicht. Aber hier wird darauf geachtet wie Ihr mit Kollegen umgeht. Die Dauer beträgt circa 5 Minuten. Wenn das Rollenspiel abgebrochen wird, bevor Ihr evtl. eine Lösung gefunden habt, macht euch nicht verrückt. Der Weg ist hier das Ziel :polizei2:

Danach geht Ihr in die Vorbereitung zum Vortrag. Ihr seid in einem Vorbereitungsraum. Ihr bekommt vom Rollenspieler mehrere verdeckte Themenpapiere gezeigt. Zieht euch zwei raus, lest euch die Themen kurz durch und entscheidet euch dann für eines der beiden. Dann gehen eure 15 Minuten los. Ihr habt Schreibzeug, Notizzettel und Karteikarten zur Verfügung. Alles weitere erklärt euch der Rollenspieler. Lest euch die Leitfrage genau durch. Es sind Themen entweder im polizeilichen Zusammenhang oder Themen aus dem Alltag. Weltfremd solltet Ihr nicht sein, aber Ihr braucht kein fachliches Wissen. Inhaltlich solltet Ihr aber wissen worum es geht und keinen Quatsch erzählen. Meine Vorgehensweise war, dass ich zuerst eine Struktur festgelegt habe. Dann habe ich zu 2 Sichtweisen meine Notizen gemacht. Zum Schluss ein Fazit evtl. noch mit eurer eigenen Meinung. Tipp von mir, Ihr habt keine Zeit alles auszuschreiben. Macht euch Stichpunkte / Signalwörter auf die Karten. Macht nichts komplizierter. Wichtig ist, dass Ihr euch Gedanken zu dem Thema macht.

Bei der Präsentation kommt es meines Erachtens darauf an, dass Ihr möglichst frei sprecht. Nehmt eure Karteikarten als Hilfe für eure Hände, aber schaut nicht die ganze Zeit drauf. Wenn die beiden Prüfer die vor euch sitzen, mal nicht schreiben, sondern euch anschauen, dann sucht den Blickkontakt. Begrüßt Sie zuerst, nennt die Leitfrage/das Thema, führt dann eure Struktur aus und legt los, beispielsweise mit einer Einführung in das Thema, bevor Ihr beide Sichtweisen vortragt und dann zum Schluss auf die Leitfrage zurückkommt, evtl. mit eurer eigenen Meinung dazu. Versucht nicht monoton zu klingen, sprecht nicht zu leise und vor allem, achtet auf die Zeit. Bei mir war hinter der Kommission eine Uhr angebracht. Ich habe schätzungsweise etwas mehr als 6 Minuten gesprochen. Versucht mal etwas Mimik und Gestik zu zeigen, bleibt nicht angewurzelt stehen, macht aber auch keinen Hampelmann vorne. Und bringt auch mal ein Lächeln, wenn es passt und Blickkontakt herrscht. Zeigt Ihnen das Ihr euch wohlfühlt und Ihr kein Problem habt frei zu reden, dann klappt das :zustimm:

Danach verlasst Ihr den Raum und bereitet euch auf die Postkorbaufgabevor. Im Endeffekt sieht es so aus: Ihr seid Praktikant in der Leistelle. Ihr sitzt an einem Schreibtisch, der Rollenspieler neben euch. Bei euch steht ein Telefon und beim Rollenspieler. Ihr habt eine DIN A4 Seite als Terminkalender für den "heutigen" Tag, den Ihr führen sollt, mehrere Notizzettel, einen Aufgabenblock mit einigen Aufgaben und ein Lösungsheft mit ein paar Stiften dazu. Immer wieder, simuliert der Rollenspieler einen Anruf, er sagt euch wenn das Telefon klingelt. Geht dann ran. Er wird eine Person spielen, die euch entweder Informationen geben will, etwas von euch wissen will, oder euch was machen lassen will, wie auch immer. Schreibt schnell mit, WER mit euch spricht, WAS er will, um WEN es evtl. geht, um WIE VIEL Uhr es passieren soll usw. alle wichtigen Punkte. Oftmals könnt Ihr am Telefon nicht direkt eine Auskunft geben. Ihr könnt aber dann den Rollenspieler fragen, der zeitgleich einen Kollegen bei euch im Büro spielt und euch dann hilft. (Beispiel: Ein Kollege ruft an und bittet euch, Frau Sowieso anzurufen, dass die Zeugenvernehmung heute ausfällt. Natürlich wisst Ihr nicht, wie Ihr Frau Sowieso erreichen könnt, fragt kurz euren Rollenspielerkollegen wo Ihr anrufen müsst, er sagt es euch dann. Danach sagt Ihr am Telefon Bescheid das Ihr es weitergebt. Dann tut Ihr so als ob Ihr die Kollegin anruft. Diese wird durch den Rollenspieler simuliert. Gebt die Information weiter. Hierbei ist es wichtig, dass Ihr euch alles aus dem Telefonat notiert habt, falls Rückfragen kommen). Ich kann und werde euch hier nicht alle Szenarien auflisten. Aber wichtig ist es hier doch nur, dass Ihr aufmerksam zuhört, euch alles notiert. Bei Zeitangaben den Terminkalender führt, immer Rücksprache mit eurem Kollegen haltet, wenn Ihr euch unsicher seid und das Ihr - wenn Ihr mal etwas Luft habt - die Aufgaben löst. Die könnt Ihr gar nicht schaffen. Sucht euch einfache raus, die man nebenbei erledigen kann. (z.B. ungerade Nummern einkreisen, Rechtschreibfehler finden etc.) Auch hier gibt es sicherlich mehrere Aufgabentypen. Bleibt immer ruhig, lasst euch nicht ablenken, die Kommission sitzt weiter weg und beobachtet euch. Bleibt einfach ruhig und gelassen und macht eure Arbeit. Dann ist auch das kein Problem. :pfeif:

Danach kommt zu guter Letzt das strukturierte Interview. Hier habt Ihr in der ersten Hälfte Zeit, euch als Person vorzustellen. Hobbys, Schulbildung, Beruflicher Werdegang, warum wollt Ihr zur Polizei, was wisst Ihr über das Studium und die anschließende Verwendung, Vor- und Nachteile des Berufes, was macht einen Polizisten aus, usw. Das sind sicherlich nicht die einzigen Fragen aber: Wer sich wirklich für den Beruf interessiert und sich informiert hat, weiß auf alles eine Antwort. :ja: Und euren Lebenslauf werdet Ihr sicherlich (hoffentlich :zunge: ) noch im Kopf haben. Bleibt ehrlich und zeigt euch so wie Ihr seid. Sucht immer Blickkontakt, habt eine offene und selbstsichere Körperhaltung und führt einfach ein Gespräch mit den Prüfern. Ab und an werden Fragen gestellt wenn die Prüfer etwas genau wissen wollen. Auch hier wollen Sie euch keine Fallen stellen, sondern einfach herausfinden wer Ihr seid, ob Ihr es ernst meint mit dem Beruf und ob Ihr charakterlich geeignet seid. Danach kommt der Fragenkatalog. Hier sind mehrere Karteikarten von euch nach und nach umzublättern, auf denen Fragen bzw. Szenarien stehen, auf die Ihr Antworten müsst. Grübelt hier nicht zu lange nach welche Antwort wohl die Beste wäre, sondern antwortet wie Ihr meint. Auch hier gibt es unterschiedliche und viel Karten zur Auswahl. Deswegen bringt es auch hier nichts euch alles zu nennen :polizei2: Aber auch hier gilt, alles machbare Fragen. :zustimm:

Abschließend bekommt Ihr von beiden Prüfern ein Feedback über die 4 Aufgabengebiete. Die Prüfer dürfen euch natürlich nichts rechtsverbindliches und genaues sagen. Aber Sie sagen euch was gut, was weniger gut war und geben euch eine Tendenz vor, wie Ihr an diesem Tag abgeschlossen habt. Die Punktzahl in Münster kennen Sie nicht. Abschließend verabschiedet Ihr euch und werdet vom Rollenspieler hinausbegleitet.

Mein Gesamteindruck war sehr positiv. Alles ist natürlich etwas ernster, aber es geht ja auch um was. Aber die Prüfer wollen euch nichts, Sie wollen euch nicht rauskegeln. Sie wollen euch bewerten und Punkt. Ihr könnt euch auf die Rollenspiele nicht groß vorbereiten, bleibt einfach konzentriert und verstellt euch nicht. Übt das freie Reden und eure Haltung beim Vortragen. Informiert euch nochmal über den Beruf, das Studium, die Anforderungen an einen Polizisten, schaut euch auch die Schattenseiten des Berufes an, falls Ihr das noch nicht gemacht habt. Und dann wird das was :zustimm:

Ich wünsche euch allen ganz viel Glück. Seid aufgeregt, dass hilft bei der Konzentration und ist völlig normal, aber habt keine Angst. Geht mit der Einstellung hin, dass Ihr endlich die Chance bekommt, euch anzubieten und zu beweisen :zustimm:

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Re: Erfahrungsbericht 3. Auswahltag

Beitragvon beni » Mo 10. Feb 2014, 13:39

Danke Superpfeife für deinen Bericht,der mir fast schon zu ausführlich in der Beschreibung der einzelnen Inhalte war.
Ich schließe den Thread für die Übersichtlichkeit und Polli packt ihn dann in seine 99 Antworten
Schenke ein Lächeln und es kommt zu dir zurück

Gruß
beni aus NRW

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Re: Erfahrungsbericht 3. Auswahltag

Beitragvon Polli » Mo 10. Feb 2014, 18:33

Hi Superpfeife,


auch von mir ein herzliches Dankeschön für deinen Erfahrungsbericht. :blume:

Auch dieser Bericht ist nun in 99 Antworten von A - Z verlinkt.

http://www.copzone.de/phpbbforum/viewto ... 820#p13820


Gruß und einen guten Start am Montag, dem 01.09.2014. :gut:


Polli (NRW)

--> Hier gibt´s Beratung - bitte mal draufklicken :!:



http://polizeistiftung-nrw.de/


Wählen ist wie zähneputzen, wenn mans nicht macht, wirds braun!


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