Erfahrungsbericht zum gesamten Auswahlverfahren

Auswahlverfahren und Ausbildung

Moderator: Polli

LT1993
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Erfahrungsbericht zum gesamten Auswahlverfahren

Beitragvon LT1993 » Mo 18. Mai 2015, 16:09

Hallöchen :hallo:

Auch ich habe mich jetzt mal dazu entschlossen, euch an meinen Erfahrungen, mit dem gesamten Auswahlverfahren der Polizei NRW, teilhaben zu lassen :zustimm:
Also los gehts:

Tag 1
Etwa 2 Monate nach dem Abschicken meiner Online-Bewerbung und aller erforderlichen Unterlagen, habe ich endlich eine Einladung zum ersten Testtag erhalten (computergestützter Test) :zustimm: Ich denke mir ging es so wie vielen anderen auch: Ich war tierisch aufgeregt und konnte es kaum noch abwarten ;D Vorbereitet habe ich mich auf den ersten Tag mit dem Buch "Testtraining Polizei" von Hesse/Schrader und ich kann wirklich jedem ans Herz legen, mit diesem Buch zu üben. Alternativ haben einige andere Bewerber mit dem Buch "Testtraining 2000+", ebenfalls von Hesse/Schrader, geübt (ich denke hier tut sich nicht viel :lupe:). Da ich alle unnötigen Stressfaktoren, wie z.B. morgendlicher Stau auf der Autobahn, o.Ä., vermeiden wollte, bin ich bereits einen Tag im Voraus angereist und habe das Angebot, mit der Übernachtung im LAFP Münster, dankend angenommen :polizei1:

Morgens hat man dann für wenig Geld ein ausgiebiges Frühstück im "Casino" des LAFP Münster bekommen :zustimm: Ich meine so gegen 08.15 Uhr ging es dann los: Man hat ca. 3 1/2 h - 4 h Zeit um ca. 258 Aufgaben am PC zu lösen. Ich weiß, das klingt erst mal relativ viel ;D Wichtig ist hierbei: Ruhe bewahren und zwischendurch gedankliche Pausen einbauen. Die einzelnen Aufgaben haben alle einen Bearbeitungs-Countdown; zwischen den einzelnen Aufgaben gibt es keinen, sodass man immer kurz entspannen kann und ggf. mal auf die Toilette geht :zustimm: Der Test besteht aus einem IQ-Test mit vielen verschiedenen Aufgabentypen (um welche Aufgaben es sich hier genau handelt, hat der gute Polli bereits in einem seiner Posts erwähnt :polizei2:...mit ein bisschen Stöbern sollte man diesen Post recht schnell finden :zustimm:) und einem großen Deutsch-Teil, wo man verschiedene Texte auf Rechtschreibfehler und Zeichensetzungsfehler hin überprüfen und korrigieren muss (solche Dinge, wie "das" und "dass" unterscheiden können, wann man wo ein Komma setzt und wann und wo nicht....solche Sachen sollte man sich angeschaut haben :polizei1:) Bei uns war es so, dass ca. 4-5 Leute der ca. 30 getesteten Leute (aufgeteilt in zwei 15er Gruppen) es leider nicht geschafft haben :(, um euch hier eine grobe Einschätzung zu geben. Die, die es geschafft haben durften dann weiter zum Wiener-Test. Hier handelt es sich um einen ebenfalls computergestützten Reaktionstest, in dem man 5 verschiedene "Aufgaben" absolvieren muss. Ebenfalls der Tipp: Ruhe bewahren und sich darauf einstellen, dass an einem bestimmten Punkt alle wie wild auf den Tasten rumhämmern ;D
Alles normal :zustimm: Bei uns in der Gruppe haben den Wienertest glücklicher Weise alle geschafft :polizei1: Anschließend folgte noch ein kurzes Formalgespräch, wo man über gewisse Dinge aufgeklärt wird und außerdem (glaube ich) einige Formulare unterschreiben muss :polizei2:

Tag 2
Bei mir war es leider so, dass der erste und zweite Testtag nicht direkt aufeinander folgten, sodass bereits einige Zeit verstrichen war, bevor ich zum zweiten Testtag eingeladen wurde (ich glaube grob 1 - 1 1/2 Monate ca. :polizei13:). Hier geht es etwas früher los, als beim ersten Testtag (ca. 07.15 Uhr), wobei ich wieder einen Tag im Voraus angereist bin :polizei2: Zunächst wird man aus dem Raum von zwei Mitarbeiterinnen des polizeiärztlichen Dienstes abgeholt und läuft in ein anderes Gebäude. Man setzt sich in einen Raum, es werden einige Dinge erklärt und ausgefüllt. Auch bekommt ihr hier nochmals euren Laufbogen, welchen ihr bereits bei eurer Bewerbung ausgefüllt habt, zurück und müsst diesen erneut lesen, ergänzen und anschließend erneut unterschreiben. Danach wird die relativ große Grupper erneut in zwei kleinere Gruppen aufgeteilt. Man bekommt einen neuen Laufbogen mit verschiedenen "Stationen", welche man dann durchlaufen muss (manche in beliebiger Reihenfolge, andere können erst besucht werden, nachdem z.B. die Voruntersuchung oder die Hauptuntersuchung bereits besucht wurden). Es gibt: Die Voruntersuchung (quasi eine kleine Hauptuntersuchung, wobei ich leider nicht mehr ganz genau weiß, was alles hier und was alles in der HU gemacht wird :frown: ...ist aber nicht wild und schnell vorbei :polizei1:), einen Hörtest (man sitzt in einer schalllosen Kammer, kriegt Kopfhörer auf und einen Schalter mit einem Knopf darauf in die Hand und muss immer dann drücken, wenn man einen Ton hört), einen Sehtest (die bekannten Kreisöffnungen müssen aufgesagt werden), einen Lungenfunktionstest (ein paar mal tieeeef Luft holen und in ein Gerät pusten ;D), einen Gesichtsfeldtest (mit einem Auge in einen dreidimensionalen, weißen Halbkreis schauen, vier rote Punkte in der Mitte fixieren und dann ebenfalls, wie beim Hörtest auch schon, immer einen Knopf auf einem Schalter drücken, sobald man irgendwo in dem Halbkreis einen weißen Punkt aufleuchten sieht. Nach einiger Zeit wird das Auge müde und etwas träge...zwischendurch oft blinzen und schnell die Augen schließen und wieder öffnen haben bei mir geholfen :zustimm:), es wird ein Ruhepuls ermittelt, dann folgt noch die Hauptuntersuchung (man wird vermessen, das Gewicht wird ermittelt, Körpergröße, etc.....also nichts, was man nicht vorher "erwarten" würde) und danach wird man, wenn alles in Ordnung ist, zum Belastungs-EKG geschickt.
Bei mir wurde die HU leider ausgesetzt und ich durfte auf Grund meines hohen Ruhepulses von ca. 110 bpm nicht aufs Fahhrad ;D Musste dann erst zu einem Kardiologen und abklären, ob es sich hier um eine Tachykardie (Herzkrankheit) handelt, oder wirklich nur um abnormale Aufregung ;D Letzteres war bei mir glücklicher Weise der Fall, wobei bis zu meiner erneuten Einladung nochmal ca. 1-2 Monate vergangen sind. Bei meinem 2. Besuch musste ich nicht nochmal alles durchlaufen, sondern lediglich die Hauptuntersuchung wurde wiederholt (hier kann es Unterschiede geben, also lässt sich nicht pauschal sagen, dass die einzelnen Stationen nicht wiederholt werden müssen :/). Danach wurde ich zum Trampeln geschickt. Ich musste bei meinem Gewicht bis 225 Watt treten, habe mich vorher schon darauf eingestellt gehabt, dass mein EKG vermutlich nicht vorzeitig abgebrochen wird...und so wars es dann auch ;D Zusammenfassend lässt sich hier sagen: Es gibt die, die es definitiv anstrengend fanden (bei uns die Mehrheit) und wiederum die, die das mal eben locker mit einem 120-130er Puls durchziehen und hinterher aussehen als ob sie gemütlich TV geschaut hätten ;D (definitiv die Minderheit). Ich gehörte klar zu ersten Gruppe, fand es auf jeden Fall anstrengend. Also ist hier Vorbereitung wirklich das A und O :/ Zusätzlich zur Kondition muss bzw. sollte die Beinmuskulatur trainiert werden. Ich war z.B. primär Joggen und habe mich hier immer mehr gesteigert, da ich einfach davon ausgegangen bin, dass Joggen eine gute "Allround"-Sportart ist. Ist auch so, jedoch würde ich im Nachhinein mehr Fahrrad fahren (hätte man ja auch vorher drauf kommen können ;D). Wie gesagt, es ist kein Weltuntergang, aber ich musste gegen Ende die Zähne zusammenbeißen, da meine Beinmuskulatur am Schwächeln war...aber mit guter Vorbereitung sollte das zu schaffen sein :zustimm:

Tag 3
Zum letzten Tag wurde ich bereits ca. eine Woche, nachdem ich als PDT eingestuft worden war, eingeladen. Ging also recht schnell :polizei1: Ich musste wohnortsbedingt nach Dortmund, Asseln und mein Termin war für 12.15 Uhr angesetzt. Bei uns war es so, dass ich, mit einer weiteren Bewerberin, im Wechsel "getestet" wurde. Zunächst lernt man den wirklich netten Rollenspieler kennen, bei uns wurde sich dann aufs "du" geeinigt, was die Situation nochmals ein wenig auflockert :polizei1: Man geht kurz nach oben, stellt sich den zwei Prüfern der Auswahlkommission vor und geht anschließend wieder in den Warteraum.

Zunächst folgt der Kollegenkonflikt:
Man zieht eine Karte und hat danach ca. 1-2 Minuten Zeit sich die Situation durchzulesen. Hier geht es um einen alltäglichen Konflikt, welcher so im Berufsalltag auftreten kann, also nichts weltfremdes :polizei2: Seid einfach ihr selbst...verstellt euch nicht und auch wichtig: Der Rollenspieler ist wirklich euer Partner, also nicht unnötig schüchtern sein und ruhig "auf einer Augenhöhe" miteinander sprechen :zustimm: (fällt zunächst schwer, wird aber kurz darauf einfacher). Nicht verunsichern lassen, wenn der Rollenspieler dagegen hält, das ist alles normal. Man sollte dem Kollegen das Problem natürlich auf eine sachliche und nette Weise schildern. Sofern die beiden Prüfer gesehen haben, was sie sehen wollten, wird das Gespräch abgebrochen und man kehrt in den Warteraum zurück.

Darauf kann man 2 Kärtchen ziehen und man erhält zwei mögliche Vortragsthemen. Eines davon kann man sich aussuchen und man hat dann 15 Minuten Zeit, um seinen 5-minütigen Vortrag vorzubereiten. Hierbei kommt es auf Inhalt und die Struktur an und der Vortrag und die Argumente, welche man verwendet, sollten sich natürlich im besten Falle ergänzen und nicht widersprechen :polizei1: Auch hier gibt es leichtere und schwerere Themen, aber ich denke niemand wird etwas bekommen, was ihm so gar nicht liegt. Vielleicht ein bisschen Nachrichten schauen, sich über berufsnahe Themen informieren, welche möglicher Weise vorkommen könnten und vielleicht vor der Familie oder dem Partner das freie Reden üben. Wichtig ist hier auch die Zeitvorgabe von 5 Minuten. Ich denke nicht, dass +/- 15 Sekunden der Weltuntergang sind, jedoch sollte man weder eine Minute eher, noch eine Minute später aufhören. Auch dies kann man üben, dass man nicht zu viele Infos "verarbeiten möchte" und in seinen Vortrag packt :zustimm:

Zur Postkorbübung kann ich nicht viel sagen ;D Ich fande es wirklich stressig und bin auch aus der Ruhe gekommen. Bleibt ruhig und beantwortet höflich die Telefonanrufe, dann sollte alles klappen :polizei1: Und wenn mal was vergessen wird: Ehrlich sein und dazu stehen, das wurde bei mir als positiv bemerkt :polizei1:

Der wichtigste Teil ist das abschließende Interview. Hier müsst ihr kurz euren Wedergang, eure berufliche Motivation, etc. darstellen. Die Prüfer wollen euch nichts böses, sondern euch einfach ein wenig kennenlernen, stellen ab und zu einige Rückfragen, während ihr erzählt. Informiert euch über den Beruf, es ist ja klar, dass es besser ankommt, wenn man etwas über den Aufbau des Studiums, oder im Allgemeinen die Polizeiarbeit erzählen kann, als wenn man relativ planlos und naiv Polizist werden möchte ;D Nach kurzer Zeit erfolgt dann die Ergebnisverkündung und ihr seid hoffentlich dabei und ebenso glücklich, wie ich es war und immer noch bin :polizei1: :zustimm:

Zu dem Mädchen, welches mit mir dort war: Auch sie hat den Tag gut beendet. Ihr seht also: Alles kein Beinbruch :zustimm: Ich hoffe ich konnte euch einen guten, ausführlichen Einblick in den gesamten Ablauf des Auswahlverfahrens geben und euch ein wenig die Angst nehmen :polizei1: Bei weiteren Fragen könnt ihr gerne hier kommentieren, bzw. mir eine kurze PN schicken und ich werde alle Fragen so gut es geht beantworten.

Ich wünsche euch allen viel Glück :zustimm:

P.S.: Ich hoffe, ein neues Thema zu erstellen war hier der richtige Weg. Vielleicht kann der gute Polli mich ja ins berühmte A-Z einbauen ;D
1. Testtag --> 116/111 Pkt.
2. Testtag --> PDT
3. Testtag --> 129 Pkt.

End-ROW --> 118,773 Pkt.

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Re: Erfahrungsbericht zum gesamten Auswahlverfahren

Beitragvon Ans2710 » Mo 18. Mai 2015, 16:26

Fabelhaft :applaus: Genau so habe ich es auch erlebt (Außer das Tag 1 + Tag 2 aufeinander folgten).
Dein Beitrag sollte definitiv mit aufgenommen werden. :ja:

Und für alle Nicht-Wissenden: LT1993 wird wohl wissen wovon er/sie spricht :) Steht bisher auf Ranglisten Platz 1, also schneidet euch mal eine Scheibe ab! :ja:

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Re: Erfahrungsbericht zum gesamten Auswahlverfahren

Beitragvon MICHI » Mo 18. Mai 2015, 16:28

Um das Ganze jetzt nicht durch unzählige Zustimmungs-und Dankespostings verwässern zu lassen, schließe ich den Thread.
Gruß
MICHI


Take care and have fun!

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Re: Erfahrungsbericht zum gesamten Auswahlverfahren

Beitragvon Polli » Mo 18. Mai 2015, 23:31

Hi MICHI,

danke fürs Schließen des Threads. :zustimm:

..........................................................................................


Hi LT1993,


dir danke ich recht herzlich für deinen Erfahrungsbericht. :blume:

Selbstverständlich wurde dein Beitrag in den Thread 99 Antworten von A - Z integriert. :yau:



Gruß und einen guten Start am 01.09.2015 :polizei14:
Polli (NRW)

--> Hier gibt´s Beratung - bitte mal draufklicken :!:



http://polizeistiftung-nrw.de/


Wählen ist wie zähneputzen, wenn mans nicht macht, wirds braun!


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