Erfahrungsbericht über den Testablauf Tag 1,2 & 3

Auswahlverfahren und Ausbildung

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Ron_ja
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Erfahrungsbericht über den Testablauf Tag 1,2 & 3

Beitragvon Ron_ja » So 24. Apr 2016, 19:00

Hier also mein Bericht:

Um den Bewerbern unter euch, denen diverse Testteile noch bevorstehen,
eventuell ein bisschen Aufregung nehmen zu können, möchte auch ich über meine
Tage 1,2 und 3 (alle in Münster) erzählen.

Vorweg noch die Info, dass, zum Zeitpunkt der schriftlichen Bewerbung, eine
Schilddrüsenunterfunktion (im Nachfolgenden kurz: SU) im ärztlichen Befund aufgenommen werden musste.

Vorab hatte ich meinen zuständigen Einstellungsberater in Coesfeld kontaktiert, der mir riet, mich zu bewerben,
obwohl ich schlechte Chancen auf eine Einladung zu den Testtagen hatte, wegen der SU.
Außerdem erklärte der EB mir, dass ich, sollte es zu einer Einladung kommen, eine ziemlich große Chance auf eine Einzelfallentscheidung hätte.

Soweit so gut. Ich habe daraufhin ca. zwei Wochen nach Bewerbungstart meine Bewerbung eingereicht und,
ehrlich gesagt, nicht wirklich damit gerechnet, überhaupt eine Einladung zu bekommen.
Jedoch bekam ich nach vier Wochen im Bewerberportal die Nachricht, dass ich im Oktober zum ersten Testag,
dem PC-Test, nach Münster kommen darf!
Natürlich war die Freude groß und so ging es schon einige Tage später wieder zu besagtem EB.

An diesem Punkt muss und möchte ich diesem EB nocheinmal aus ganzem Herzen für seine Unterstützung danken.
Außerdem möchte ich Jedem raten, sich an den zuständigen EB zu wenden,
da diese so gut wie immer auf dem aktuellsten Stand sind und euch jede Menge Tipps
mit auf den Weg geben können.

Ich habe mich, wie so viele andere auch, auf Anraten des EB, mit dem Buch "Testraining 2000" von Hesse&Schrader vorbereitet.

Am ersten Tag musste ich mich, um 9.15 Uhr, mit 19 anderen Bewerberinnen, in Münster einfinden.
Dort folgte, nach der Anwesenheitskontrolle, eine Einteilung in zwei Gruppen, wobei die eine zuerst zum PC-Test ging
und die andere den Wiener Test absolvierte.
Ich gehörte zur letzteren Gruppe und hatte persönlich mit dem Wiener Test kaum Probleme,
habe mich auch nicht darauf vorbereitet, aber schon an dieser Station scheiterte eine der Teilnehmerinnen.

Danach hieß es ersteinmal "warten".
Nachdem die andere Gruppe in ihrer Gesamtheit den PC-Raum verlassen hatte,
durften wir uns auf die Bildschirme stürzen. Da die Maximalzeit mit 3 Stunden doch sehr großzügig geplant ist,
sollte zumindest niemand daran scheitern.

Ich war nach gut einer Stunde fertig und glückkicherweise musste ich nicht auf den Rest der Gruppe warten,
meine Ergebnisse waren ca. 10 min. nach Beendigung ausgedruckt und man kam auf mich zu mit den Worten:
"Wie haben Sie das denn geschafft? Haben Sie etwa gemogelt?".
Mein Ergebnis schien, mit 126/119 wohl deutlich über dem normalerweise Erreichten zu liegen.

Da ich als eine der Ersten fertig war, bekam ich die Möglichkeit, direkt am darauffolgenden Tag zur PÄU zu gehen.
Ich wohne nur 20 Minuten von Münster entfernt, deswegen nahm ich dieses Angebot gerne wahr.

Also hieß es am nächsten Morgen früh aufstehen, um erneut in Münster anzutreten,
diesmal allerdings schon um 7.15 Uhr.

Dann der übliche Ablauf :
+Belehrung durch und Prüfung der Bewerbungsunterlagen mit den zwei Damen vom PÄD
+Aufteilung in Gruppe Blau und Gruppe Gelb (Gruppe Blau muss grundsätzlich auf der rechten Flurseite des Arzttraktes warten,
Gruppe Gelb auf der linken Seite im Wartezimmer)
+Voruntersuchung inkl.
Dokumentation eventuell vorhandener Tatoos, Gewichts-/Größen-/BMI-Bestimmung
+Hörtest/Sehtest/Ruhe-EKG/Lungenfunktionstest in beliebiger Reihenfolge
+Hauptuntersuchung

An diesem Punkt war für mich leider beim ersten Mal Schluss.
Ich kann jetzt nur für mich selbst sprechen, aber in meinen Augen ist die Behandlung meiner Bewerbung doch recht unglücklich gelaufen.

PDU-Grund => Schilddrüsenunterfunktion

Natürlich habe ich erst einmal die Welt nicht verstanden. Ich habe mich gefragt,
welchen Sinn es macht, einen Bewerber einzuladen, der laut PDV300 sowieso als untauglich
eingestuft wird. Hätte man mir nach Eingang der schriftlichen Bewerbung eine Absage erteilt,
hätte ich mich sehr viel besser damit abfinden können.
Aber jemandem erst Hoffnungen machen, um diese dann wieder zu zerschlagen...?

Aber das war nicht der einzige Punkt der mich störte.
Der zuständige Arzt hat mich in der Hauptuntersuchung
erst noch eingehend untersucht, was das Skelett angeht.

Erst nach dieser Untersuchung, die ohne Befund abgeschlossen wurde, bekam ich den Satz:
"Nunja Frau XXX, bei Ihnen ist eigentlich alles in Ordnung, allerdings haben Sie eine SU,
damit sind Sie PDU." ins Gesicht gesagt.
Danach war ich entsprechend aufgelöst, da mit dieser PDU eine erneute Bewerbung in NRW
oder einem anderen Bundesland ausgeschlossen ist. Im Nachhinein habe ich mich gefragt,
warum mir diese Diagnose nicht schon viel früher, spätestens aber in der Voruntersuchung,
mitgeteilt worden ist, da ja schon klar war, dass die SU ein Auschlussgrund ist.
Mit Verlaub gesagt, ich habe mich an diesem Tag sehr vorgeführt gefühlt.

Aufgrund dieses frustrierenden Erlebnisses habe ich mich erstmal wieder fangen müssen,
da die Polizei, mein absoluter Traumberuf ja anscheinend für immer für mich erledigt war.
Darum habe ich erst am letzten Tag der Frist Widerspruch eingelegt.
Ich bekam daraufhin die Nachricht, dass ich meine Schilddrüsenwerte vor Behandlungsbeginn einschicken sollte.
Allerdings wollte ich endlich Gewissheit haben und begab mich bei einer Spezialistin in Münster
in Behandlung, diese setzte meine Medikation ab und machte nach entsprechender Wartezeit ein erneutes Blutbild.

Danach war klar - mein damaliger Hausarzt hatte einen großen Fehler gemacht!

Ich hatte nie eine SU und werde mit hoher Wahrscheinlichkeit auch nie eine bekommen,
da ich zu keiner Risikogruppe gehöre.

Nach diesem Befund war es ein Leichtes, den Bewerberservice um Wiederaufnahme im laufenden Bewerberauswahlverfahren zu bitten.
Nach kurzer Zeit wurde ich dann zum zweiten Mal zum Arzt, Ende Januar, eingeladen.

Dort konnte ich all das, was ich beim ersten Termin durchlaufen hatte, überspringen,
lediglich zur Voruntersuchung musste ich noch einmal.

Dort wieder ein Problem: Da ich zu dem Zeitpunkt erst seit ca. zwei Monaten keine
Schilddrüsenmedikamente mehr einnahm und somit im Prinzip "auf Entzug" war,
ergab sich bei mir ein BMI von 17,9.
Bei einer Größe von 1,73cm und einem Gewicht von ca. 52 kg.

In meiner Familie ist es jedoch normal, zierlich zu sein, ich bin nicht essgestört, falls Einige jetzt auf solche Ideen kommen.
Ich bin auch, im Vergleich zu meiner Figur, unverhältnismäßig stark.
Das weiß der Polizeiarzt natürlich nicht, deswegen wurde ich zum Beslastungs-EKG geschickt,
mit dem Zusatz ->ausbelasten<-.
Das heißt im Klartext, dass ich in jedem Fall so lange treten musste, bis mein Maximalpuls erreicht ist.
Diese Ausbelastung dient dazu, dass überprüft werden kann, ob mein Körper auch hohen Belastungen stand hält.

Zur Erklärung: Die Bestimmung des BMI's erfolgt aus dem Grund, dass jeder Polizist später in der
Hundertschaft eine komplette Montur tragen muss, die, je nach Größe, ein bestimmtes Gewicht
hat. Bei meiner Größe wären das ca. 20 kg, was natürlich bei meinem niedrigen Eigengewicht eine
recht hohe Belastung für den Körper darstellt.

Auch im gegenteiligen Fall (Bewerber mit hohem Gewicht) wäre die Belastung für den Körper
höher, als für Menschen, die im normalen BMI-Bereich liegen,
da der Körper jetzt zu den eigenen Kilos,
die zu viel sind, auch noch viele Fremdkilos tragen muss.

Im konkreten Fall bei mir hieß das: Vergiss alles, was der EB und Polli über das Belastungs-EKG
und die verschieden Stufen gesagt haben, ich muss trampeln, als würde mein Leben (zumindest meine berufliche Zukunft) davon abhängen.
Gesagt getan, in den Raum rein, Puls schon auf 5000 bevor ich mich überhaupt an die Pedale bewegt habe (Nervosität).

Als ich endlich anfabgen durfte, zu fahren, ging mein Puls runter... Adrenalinabbau :D
Dann wurden die Stufen gestartet. Einstieg bei meinem Gewicht 50 Watt.
Bis 125 hatte ich 0 Probleme, bin aber auch sportlich. Bei 150 Watt lief die erste Schweißperle.
Normalerweise wäre ich damit durch gewesen - doch jetzt fing es für mich erst richtig an!
175 Watt kamen und gingen, als es an die 200 Watt ging, wurde es für mich echt happig.
Bei 225 Watt erfolgte dann schließlich der Abbruch, da ich nicht mehr konnte.
Allerdings hatte ich meinen Maximalpuls damit nicht erreicht... Dann hieß es wieder zittern und
warten, bis der Arzt (nachdem alle! ihr EKG gefahren hatten) unsere Ergebnisse brachte.
Glücklicherweise hatte der Arzt mein EKG als besonders positiv angesehen, da mein Herz wohl einen guten Job macht.
Sprich, auch mit meinem niedrigen Gewicht ist mein Körper in der Lage, die hohe Zusatzbelastung,
ausgehend von der Schutzausrüstung, zu stemmen!

Letztendlich hieß es für mich: PDT!!! Allerdings bekam ich die Auflage, zu Einstellungsbeginn mindestens 54 kg zu wiegen.

Jetzt heißt es "Futtern bis der Arzt kommt".
Ohne tägliche Monster-Rationen an Chips, Süßigkeiten und Fettigem gibt es bei mir keine
Gewichtszunahme.

Fazit Tag 2: Es gibt solche und solche Ärzte.
Vielleicht habe ich beim ersten Versuch einfach nur einen besonders schlechten Tag erwischt,
vielleicht habe ich beim zweiten Versuch einfach nur einen besonders guten Tag erwischt.

Allerdings habe ich mich beim zweiten Versuch wirklich gerecht behandelt gefühlt, da der Arzt auf
jede Person einzeln eingegangen ist und versucht hat, jedem gerecht zu werden.
Also wer per se gesund ist, muss sich beim Arzt auch keine Sorgen um eine eventuelle PDU machen!

Zum dritten Tag:

Ich habe meinen letzten Termin Ende Januar zugeschickt bekommen, Mitte April war es jetzt endlich soweit.

Hier fasse ich mich nun etwas kürzer, da es zum dritten Tag schon sehr gute und ausführliche Beschreibungen gibt.

Ich wurde zu 12.30 Uhr eingeladen, eigentlich sollte sich mit mir noch ein Bewerber aus
Niedersachsen einfinden. Der hatte aber so kurzfristig abgesagt, dass keine Einladung für einen
anderen Bewerber mehr möglich war, somit hatte ich das Glück, meinen Testtag alleine zu absolvieren.
"Glück", weil es durch das Fehlen der zweiten Person für mich deutlich schneller ging.

Normalerweise hätte erst der Eine das erste Rollenspiel und in sofortiger Folge den Vortrag
absolvieren müssen, dann der Andere.
Dadurch kommt es natürlich zu Wartezeiten, die für den einen Bewerber Beruhigung bringen,
für den Anderen aber die Aufregung nur noch steigern.

Da jeder Mensch anders mit solchen Situationen umgeht, ist es vielleicht sinnvoll,
im Vorhinein zu wissen, dass beide Fälle eintreten können.

Auch ich habe eine sehr freundliche Auswahlkommission antreffen dürfen, nachdem wir einander
vorgestellt wurden, wurde mir der Konflikt im ersten Rollenspiel erläutert und dann ging es schon
los.
Man sollte sich darauf vorbereiten, hier nicht unbedingt einen Kompromiss mit dem Rollenspieler finden zu können,
wichtig ist jedoch, dass man sich nicht aus der Ruhe bringen lässt und in jedem Fall die Höflichkeitsformen wahrt.
Also rüde Beschimpfungen, Heulkrämpfe bei Überforderung o.ä. ist fehl am Platz.

Nach dem Rollenspiel habe ich sofort meine zwei Vortragsthemen gezogen.
Hier solltet ihr euch genug Zeit dafür lassen, wirklich das Thema zu wählen,
wo ihr mehr zu wisst/für das ihr euch mehr interessiert.
Hinterfragt euch auch selber nocheinmal, wenn ihr euch spontan zum einen Thema hingezogen fühlt, ob es wirklich das passende Thema ist!

Ich bin mit der Bearbeitungszeit sehr gut klar gekommen und konnte glücklicherweise auch einige
konkrete Beispiele mit einfließen lassen,
da ich in näherer Umgebung damit zu tun habe.

Dies kam bei der Kommission übrigens sehr gut an, scheut euch also nicht,
Beispiele mit einzubringen, die aus eurem direkten Lebensumfeld kommen ;)

Ich habe ca. 6 Minuten reden können, habe aber auch bewusst langsam gesprochen, damit das zeitlich hinhaut.

Nach dem Vortrag wurde mir angeboten, eine Pause zu machen, dies habe ich NICHT angenommen, da ich sowieso nervös war und mich das nur noch verrückter gemacht hätte.

Beim zweiten Rollenspiel, der Postkorbübung hatte ich überhaupt keine Probleme, im Gegenteil,
ich fand sie sehr entspannend :D
Das liegt aber auch daran, dass ich mir Dinge gut merken kann und mich auch an
Einzelheiten erinnere.

So konnte ich beispielsweise nach einem Telefonanruf ohne Nachfragen Name, Abteilung, Anrufszweck und meine, daraus resultierende,
Aufgabenstellung ohne Nachfragen aufschreiben.

Allerdings habe ich meist vergessen, auch alle Termine in den Kalender einzutragen,
war im Endeffekt aber halb so wild, da alles andere in der Übung perfekt gelaufen ist.

Dann kam das strukturierte Interview. Die Prüfer haben mich eingehend zu meiner Person befragt,
außerdem wurde mein Hintergrundwissen zum Studium abgeklopft, außerdem kam noch eine
Frage zum aktuellen Geschehen an diesem Tag und wie ich dieses bewerten würde.
Anschließend war ein Fragenkatalog an der Reihe, bei dem ich nur Jedem ans Herz legen möchte,
auf keinen Fall vorschnelle Verurteilungen zu treffen und Vorurteile aus dem Spiel zu lassen.


Am Ende musste ich noch fünf Minuten warten und dann bekam ich mein Ergebnis
===> ROW 112,980


Viel Glück für eure Testtage!
Kommissaranwärterin EJ 2016
1.Tag => 126/119
2.Tag => Im ersten Anlauf PDU, nach Widerspruch PDT
3.Tag => ROW 112,980

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Re: Erfahrungsbericht über den Testablauf Tag 1,2 & 3

Beitragvon Polli » So 24. Apr 2016, 22:18

Hi Ron_ja,

im Namen unserer zukünftigen Polizeibewerber danke ich dir für deinen ausführlichen Erfahrungsbericht. :blume:

Ich habe den Bericht in den 99 Antworten von A - Z verlinkt. :polizei1:

Gruß :polizei2:

Polli (NRW)

--> Hier gibt´s Beratung - bitte mal draufklicken :!:



http://polizeistiftung-nrw.de/


Wählen ist wie zähneputzen, wenn mans nicht macht, wirds braun!


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