Umorientierung nach Ausbildungsende

Auswahlverfahren und Ausbildung

Moderator: Polli

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Umorientierung nach Ausbildungsende

Beitragvon heyickebins » Mo 16. Okt 2017, 18:39

Hallo.

Mein Sohn möchte sich bei der Polizei zwecks dualem Studium bewerben.

Was wäre, wenn er nach Beendigung seines Studium nicht in den Beamtendienst als PK auf Probe einsteigen sondern stattdessen ein anderes Uni-Studium aufnimmt.
Und danach feststellt, dass der Polizeiberuf doch der Richtige für ihn war und nicht das angefangene andere Studium?
Hat er dann noch die Möglichkeit als Polizeikommissar eingestellt zu werden oder ist das dann ein für alle mal vorbei?

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Re: Umorientierung nach Ausbildungsende

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mo 16. Okt 2017, 18:49

Dein Kind wird bereits mit Aufnahme des 'dualen' Studiums Beamter. Das läuft etwas anders als andere Studiengänge. Hier sollte mal dringend das Gespräch mit der Einstellungsberatung gesucht werden.
Dein Sohn kassiert auch die ganzen drei Jahre nicht wenig Bezüge - die es ggf zurück zu zahlen gilt, würde man den Dienst vor Ablauf von - ich meine - fünf Jahren quittieren.
Verweigert man dann die Ernennung zum PK, erlischt der Beamtenstatus.
Für eine etwaige Neueinstellung müsste man mindestens nochmal den Arzttest durchlaufen - mit allen Risiken, die das so mit sich bringt.
Grundsätzlich wird für deinen Sohn mit Aufnahme des Studiums bereits eine Planstelle geschaffen, die dieser dann bitte auch besetzen möge. Die Polizei bildet nicht zum Spaß aus und wir brauchen die Leute.
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Re: Umorientierung nach Ausbildungsende

Beitragvon Polli » Mo 16. Okt 2017, 23:22

Hi heyickebins,

sollte dein Sohn nach Beendigung des dreijährigen Studiums kündigen, müsste er ca. 28.000 Euro
an das Land zurückzahlen.

Siehe hier:
viewtopic.php?t=8338

Als Polizeibeamter zahlt man keine Rentenversicherungsbeiträge.
Wenn er ausscheidet, kann er sich u. a. nachträglich für die 3 Jahre rentenversichern lassen.

Sollte er sich allerdings für die 3 Jahre bei der Polizei nachversichern lassen - ja, das macht das Land -
wäre eine Rückkehr zur Polizei (Wiedereinstellung) komplett ausgeschlossen.

Ich möchte deinem Sohn ebenfalls empfehlen, sich gründlich beraten zu lassen, damit er sich so oder so entscheidet.

Siehe hier:
viewtopic.php?f=25&t=19120

In diesem Thread kann er sich gerne vorab etwas informieren:
viewtopic.php?f=25&t=77070

Gruß :polizei2:


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Re: Umorientierung nach Ausbildungsende

Beitragvon Slepner » Di 17. Okt 2017, 09:21

Hallo,

zumindest in Brandenburg wäre das theoretisch durchaus möglich.
Während des Studiums ist man Beamter auf Widerruf, und wird nach dessen erfolgreichen Abschluss zum Beamten auf Probe ernannt. Wenn man das Studium einfach so abbricht, muss man einen Teil der Bezüge zurückzahlen. Wenn man erst Mal Beamter auf Probe ist gilt dies weiterhin, jedoch verringert sich der Rückzahlpflichte Betrag jedes Jahr um 20%, und verschwindet so nach fünf vollendeten Dienstjahren.

Jedoch gibt es einen "Trick", um dies zu umgehen.
Grund ist, dass der Dienstherr eigentlich die Umzugskosten zum ersten Dienstort zahlen müsste. (bzw müsste Trennungsgeld ausgezahlt werden). Um dies zu umgehen, wird man nach Beendigung des Studiums nicht übergangslos zum Beamten auf Probe ernannt, sondern zunächst mit dem Überreichen des Abschlusszeugnisses (oder wie das auch heißt) aus dem Beamtenverhältnis entlassen, und ca. 5 Sekunden später mit einer Ernennungsurkunde zum Beamten auf Probe ernannt.

Man kann nun das Zeugnis annehmen, und die Ernennung ablehnen. Da du regulär entlassen wurdest, musst du keine Rückzahlungen leisten. Das ist der Preis, den der Dienstherr für diesen Geld sparenden "Kniff" bezahlt. Tatsächlich hat dies sogar der Jahrgangsbeste meines Jahrganges so gemacht, um noch was anderes zu studieren. Ich habe gehört, dass o.g. Verfahren in allen Bundesländern angewandt wird, kann dies jedoch nicht mit Sicherheit sagen. Ggf. solltest du dich in dem jeweiligen Bundesland genauer darüber informieren.

Da man das abgeschlossene Studium hat, kann man auch wieder eingestellt werden. Die Frage ist bloß, ob der Dienstherr das auch will. Da ist man mehr oder weniger von dem Willen der Entscheidungsträger abhängig. Wahrscheinlich könnte man sich auch reinklagen, aber das will wohl keiner. Jedenfalls wird dir kein Bundesland eine sichere Zusage geben, jemanden nach ablehnter Ernennungsurkunde später wieder neu zu ernennen.

Grüße
Ab 4.10.2011 PKA in BB =)

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Re: Umorientierung nach Ausbildungsende

Beitragvon kais1994 » Di 17. Okt 2017, 09:45

Kenne einen, der nach der Ausbildung aus der Polizei ausgetreten ist. "War doch nichts" für ihn. Moral der Geschicht, 28000€ Schulden, die er jetzt sein Leben lang abbezahlen darf. Dein Sohn muss es sich wirklich gut überlegen, denn es ist eine Entscheidung fürs Leben. Des Weiteren "nimmt" er anderen den Platz, die evtl nach der Ausbildung dabei bleiben möchten.
Einen Termin beim EB machen und dort mit diesen "Gedanken" vorstellig werden. Die werden einem schon weiterhelfen.
1. Tag: 112/112 :zustimm:
2. Tag: ROW 106,2 :zustimm:
3. Tag: ???

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Re: Umorientierung nach Ausbildungsende

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Di 17. Okt 2017, 13:05

28.000 Euro zahlt man hoffentlich nicht sein Leben lang ab.
Und Slepner, du hast Recht: Zumindest die Ernennung machen wir in NRW auch mit der juristischen Sekunde. In wie weit das die Rückzahlungsforderung hemmt, weiß ich leider nicht.
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Re: Umorientierung nach Ausbildungsende

Beitragvon Polli » Di 17. Okt 2017, 22:48

Hi Käpt´n,

die "20 % - Regelung" - also die Rückzahlungspflicht ("Freikaufen" in den 5 Jahren nach der Ausbildung) gibt es auch in NRW.

Hier ist die gesetzliche Grundlage dafür: § 76 (Fn 7) (Landesbesoldungsgesetz - LBesG NRW)

https://recht.nrw.de/lmi/owa/br_bes_det ... _id=389375

Hi heyickebins,

es wäre schön, wenn du dich auch mal wieder zu Wort melden würdest. :polizei1:

Gruß :polizei2:

Polli (NRW)


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