Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Auswahlverfahren und Ausbildung

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Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon LfK95 » Mi 23. Nov 2022, 20:08

Moin Leute! Hab mal eine etwas speziellere Frage.. Ich würde nächstes Jahr meinen BaL kriegen. Habe mich im Laufe des letzten Jahres aber nebenbei selbstständig gemacht und das läuft jetzt so überraschend gut, dass ich dort mehr verdiene als bei der Polizei und das mit nur ca. 2 Stunden Aufwand am Tag.

Jetzt frage ich mich natürlich was möglich wäre, wenn ich mehr Zeit in meine Selbstständigkeit stecken könnte und ich bin gewillt dem nachzugehen.

Ich habe mal recherchiert, um zu schauen was da so meine Möglichkeiten wären.

Zum einen wäre da wohl die voraussetzungslose Teilezeit mit der ich auf 20,5 Stunden in der Woche reduzieren könnte. Das darf aber den dienstlichen Belangen nicht im Weg stehen und da bin ich mir unsicher, wie der Vorgesetzte das sieht.

Eine andere Alternative wäre wohl der unbezahlte Sonderurlaub aber dafür muss ein wichtiger Grund vorliegen. Wichtiger Grund ist nicht klar definiert und muss im Einzelfall geprüft werden, ich kann mir aber nur schwer vorstellen, dass meine Selbstständigkeit darunter fällt.

Bleibt noch die Kündigung. Ich habe jetzt von mehreren Kollegen gehört, dass wenn man die Entlassung aus dem Beamtenverhältnis beanträgt, dass es durchaus für einen gewissen Zeitraum die Möglichkeit gibt wieder in den Dienst einzutreten. Soll heißen, wenn ich kündige und die Selbstständigkeit läuft doch nicht so optimal, dass sehr wohl eine Chance bestünde wieder den Dienst anzutreten. Ich dachte bisher immer, dass das ausgeschlossen sei.

Ich habe irgendwie keine richtige Frage aber würde mich sehr über Input freuen und vielleicht weiß der eine oder andere ja auch ein paar mehr Details zu den angesprochenen Alternativen. Oder kennt vielleicht noch eine vierte Alternative.

Würde mich sehr freuen, machts gut!

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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 23. Nov 2022, 21:15

Grundsätzlich haben alle Behörden ein Personalfehl, welches voraussetzungslose Teilzeit und sabbaticals aktuell verbietet. Da reicht auch abstrakt das Behördenfehl, nicht die konkrete Situation auf der Dienststelle.

Weiß ja nicht, wie sehr es pressiert, aber beschäftige dich doch mal mit dem neuen Modell der Langzeitarbeitskonten. Klar, du musst auf dem Papier erst erhöhen und 'einzahlen', bist dann aber in der Entnahmephase relativ frei - sofern dein Chef mitmacht und in deiner BOE nicht alle gleichzeitig weg sind.

Kündigen wäre ultima ratio. Ich kenne keinen, der in NRW kündigte und wieder eingestellt wurde, politische Betätigung ausgeklammert.
:lah:

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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon LfK95 » Mi 23. Nov 2022, 22:04

Das ist ja... interessant. Wusste ich garnicht, wo finde ich diese Infos?

Also ist der Behörde die gänzliche Kündigung lieber als Teilzeit, weil Personal fehlt. Alles klar :stupid:

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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 23. Nov 2022, 22:34

Ja. Wer kündigt, wird nachersetzt. Wer TZ beantragt, nicht.

Zur Recherche empfehle ich das Intranet oder deinen PR.
:lah:

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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon Old Bill » Mi 23. Nov 2022, 23:47

Habe aus meinem Bundesland ähnliche Erkenntnisse wie Käptn Chaos. Hat nichts mit :stupid: zu tun.
Wiedereinstellung nach einem Jahr habe ich persönlich schon erlebt, aber wenn medizinisch etwas verrutscht, dann ist nichts mehr mit Einstellung.
Irgendwann sollte man sich bezüglich seines Berufswunsches entscheiden ob man Polizeibeamter sein möchte oder Selbstständig.
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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon jacko94 » Fr 25. Nov 2022, 23:10

Was ich mich in dem Fall schon immer gefragt habe ist, was passiert, wenn man der Behörde quasi die Pistole auf die Brust setzt:
"Entweder ich bekomme die Möglichkeit in Teilzeit zu arbeiten oder ich kündige"

Nach meiner Auffassung bin ich als TZ-Kraft immer noch besser als weg vom Fenster.
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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Fr 25. Nov 2022, 23:42

Entscheider in der Behörde sind in der Regel PVB.
Ich kenne wenig PVB, die sich erpressen lassen.
Ich weiß nicht, wo du Dienst versiehst, aber weder meine vier Direktionsleiter*innen, der Behördenleiter, der Personaldezernent oder mein PR erscheinen mir erpressbar.

Nochmal: Die Kündigung kriegst du nachersetzt. Die TZK nicht. Relativ einfach zu entscheiden, woll? :polizei13:
:lah:

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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon Criss_mitchel » Sa 26. Nov 2022, 00:41

Hier kommen Leute auf Ideen 😂

Selbständig ist geil aber falls doch mal was schief läuft will ich wieder zurück weich im Staatsdienst landen 👍

Klasse Einstellung

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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon 1957 » Sa 26. Nov 2022, 14:18

:zustimm:


Jack, ich kann dir versichern: Das klappt keinesfalls.

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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon jacko94 » Sa 26. Nov 2022, 15:57

Ich verstehe nicht wieso.
Ich kenne genau das Beispiel, dass eine Kollegin aufgrund von Geldüberschuss nicht wirklich auf die Arbeit angewiesen ist.
Dennoch liebt sie den Job und wollte niemals kündigen sondern gern in die TZ. Sie musste erst Mutter werden, damit das klappte.


Wir wollen ein moderner Arbeitgeber sein. Dann müssen wir auch anfangen das zu bieten, was moderne Arbeitnehmer verlangen.
Darunter zählen Teilzeit, Telearbeit (natürlich nur da, wo es geht) und eine gesunde Work-Life-Balance.

In meinem Umfeld möchten wenige mit mir tauschen.

Mir ist völlig klar, dass das "draußen" auch nur bei einigen wenigen großen Unternehmen so rosig läuft. Und auch da nur in gewissen Funktionen die meistens ein Studium voraussetzen.
Aber die Besten suchen sich halt die besten Arbeitgeber.

Und wir als Polizei wollen da doch eigentlich mithalten.
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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon Old Bill » Sa 26. Nov 2022, 16:55

Wir haben ziemlich viele Vorzüge gegenüber „normalen“ Arbeitnehmern. Klar, Work-Life-Balance klingt recht chic, aber wir haben eben mal 24/7 unseren Mann oder unsere Frau zu stehen, für Sicherheit und Ordnung einzutreten und Schäden von der Bevölkerung abzuwenden.
Wir dürfen in Grundrechte eingreifen und das erfordert den ganzen Mann oder die ganze Frau. Wenn jemand wegen Betreuung von Kindern oder Angehörigen (damit meine ich nicht die Oma, die jeder hat wenn er heimatnah verwendet werden will) Teilzeit arbeiten muss, dann ist das nicht mehr als recht. Wenn es um paar Euro fuffzig mehr im Monat geht, dann sollte man auch in Vollzeit sein Glück versuchen. Wenn es in die Hosen geht kann man es mit Wiedereinstellung versuchen. Habe von verschiedenen Fällen innerhalb einer Ein-Jahres-Frist gehört, gibt aber keine Garantie dafür.
So manche Beamte sollten sich frühzeitig klar darüber werden, welch eine Verantwortung gegenüber der Gesellschaft sie übernehmen, wenn sie den Amtseid schwören.
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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Sa 26. Nov 2022, 17:07

Wir sind eben in diesem Punkt nicht mit der freien Wirtschaft vergleichbar, weil wir die durch TZ entstehenden Vakanzen nicht mal eben durch Neueinstellung abfedern dürfen und können und wir, gerne wiederhole ich mich, eh schon ein Personalfehl haben.

Abgesehen davon wird in der freien Wirtschaft auch nicht mit voraussetzungsloser TZ um sich geschmissen, im Mittelstand und Handwerk wirst du da auch ausgelacht. Großkonzerne ok, aber da muss man auch liefern.

Dafür bieten wir andere geile Sachen, um attraktiv zu sein. Ich habe mich während der Finanzkrise und Beginn der Coronapandemie ganz wohl mit meinem Arbeitgeber gefühlt.
:lah:

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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon jacko94 » Sa 26. Nov 2022, 22:32

Ich bin ja grundsätzlich auch mehr als zufrieden und nehme die Unannehmlichkeiten gerne in Kauf, für die Sicherheit des Beamtentums und einen sehr geilen Job, den ich seit mehr als drei Jahren liebe.

Aber ich kann auch verstehen wenn man das nicht möchte und "draußen" durchstarten will. Klar, da muss man auch liefern.
Aber wenn man liefert, wird man auch entsprechend honoriert.

Ich drücke dem TE auf jeden fall die Daumen und hoffe, dass er die für sich beste Entscheidung trifft.
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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon DerLima » So 27. Nov 2022, 14:11

Wenn man das so liest, da weiß man so recht gar nicht, wo man anfangen soll mit antworten.
Ich fasse mal die Idee des TE zusammen:
"Ich verdiene in der freien Wirtschaft mehr Geld mit weniger Arbeit, weiß aber nicht, ob das auch auch dauerhaft so sein wird, daher möchte ich auf die Sicherheit des Berufsbeamten nicht verzichten. Ich verzichte gerne auf Geld und gehe weniger arbeiten dafür."

Diese Botschaft kommt bei mir an.
Sowohl der Käpt'n als auch Old Bill sind bereits auf so manches eingegangen.
Ich möchte das nochmal vertiefen. Warum der Dienstherr als moderner Arbeitgeber nicht handelt wie ein moderner Arbeitgeber:
Mit der Ernennung zum Beamten auf Lebenszeit gehen sowohl der Arbeitgeber (Dienstherr) als auch der Arbeitnehmer (Beamter) eine gegenseitige Verpflichtung ein. Der Arbeitgeber verspricht hier: "Bis zum Ende deines Lebens werde ich dir Geld geben. Hast du Kinder, bekommst du Geld. Hast du Familie, bekommst du Geld. Ich unterstütze deine Genesung (Heilfürsorge oder Beihilfe) und lasse dich nicht fallen, wenn die Zeiten schlechter sind. Dafür erwarte ich, dass du deine gesamte Arbeitskraft zur Verfügung stellst (§ 34 (1) BeamStG)."
Dessen sollte man sich mal bewusst werden. An erster Stelle steht die Pflicht seinen Dienst zu leisten.

Warum TZ dem Dienstherrn schwerer fällt als eine Kündigung?
Der zivile Arbeitgeber kann 2 TZ-Kräfte auf eine Stelle setzen. Das kann der Dienstherr nicht. Denn wenn man nicht mehr in TZ arbeiten will, muss der Dienstherr eine volle Stelle zur Verfügung stellen. Außerdem ist da noch die Alimentation bis zum Lebensende.
Bei der Einstellung geht der Dienstherr davon aus, dass man seine Ausbildung durchläuft und danach sein Arbeitsleben dem Dienstherrn zur Verfügung stellt. Dafür bietet der Dienstherr auch a bissel was auf. Alimentation des Studiums zum Beispiel. Kündigungsschutz in den meisten Fällen. Und so einiges mehr.

Ich gönne es jedem, wenn er solch eine Option hat und ergreift, in der zivilen Wirtschaft was zu werden. Ich habe solche Kollegen auf negative und positive Arten erlebt. Aber bitte erwartet nicht, dass der Dienstherr euch als Sicherheitsnetz zur Verfügung steht. Es ist schon schwer genug mit Kolleginnen und Kollegen zu arbeiten, die "nur" 30 Stunden da sind. Ich finde die Option zwar gut, aber im Wachdienst geht das eben zu Lasten der anderen Kollegen. Denn der Dienstposten ist besetzt. Und das ist das was auf dem Papier zählt. 300 Stellen - 300 Beamte. Ob davon 30 nur für 25 oder 30 Stunden da sind, interessiert nicht.
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Re: Voraussetzungslose Teilzeit, Sonderurlaub oder direkt Kündigung?

Beitragvon LfK95 » Di 29. Nov 2022, 20:05

Haltet ihr eine Wiedereinstellung für unwahrscheinlich, wenn man sich im guten von PVD trennt? Wenn ich den aktuellen Erlass erwischt habe (und richtig deute), dann muss sich die alte Behörde positiv aussprechen, es dürfen nicht mehr als 3 Jahre vergangen sein und die ärztlichen Anforderungen müssen logischerweise erfüllt werden. Für mich klingen diese Ansprüche garnicht sooo hoch oder?


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