Die ersten Tage

Auswahlverfahren und Ausbildung

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aQuila91
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Die ersten Tage

Beitragvon aQuila91 » Sa 3. Sep 2011, 11:46

Auf Wunsch des Forenmoderators Marco73 bzw. als hoffentlich interessante Informationsstelle für angehende Polizeibeamte, verfasse ich hier einen Bericht mit persönlichen Eindrücken über die ersten Tage der Ausbildung bei der Polizei Baden-Württemberg.


Tag 1:

Die Spannung steigt zu Hause ins Unermessliche. Nachdem ich noch kurz vor meiner Ankunft mir etwas Proviant beim heimischen Bäcker besorgt habe, komme ich an der Pforte gut gerüstet und von Nervosität geprägt an. Dort weise ich mich mit meinem Personalausweis aus, sodass mir und ein paar anderen zukünftigen bereits wartenden oder gerade dazustoßenden Polizeimeisteranwärtern anschließend der Weg zur nächsten Station erklärt wird. Bei dieser Station handelt es sich um das Gebäude der Polizeischule. Doch keine Sorge: Wer meint, man könne sich verlaufen, was sicher dem ein oder anderen früher oder später sicherlich noch passieren wird, täuscht sich. Der Weg dorthin ist mit auf Plakaten aufgedruckten Pfeilen ersichtlich gemacht. Also, weiter geht’s.

Kaum dort angekommen, weist man uns und schon zuvor im Gebäude der Polizeischule erschienene Mitstreiter darauf hin, dass wir uns in die obige Etage begeben sollen. Nun beginnt die erste, etwas länger gestaltete, Warterei. Nach und nach werden wir zukünftige Polizeibeamte in das Bureau eines Personalrates gebeten, um dort unsere Bankdaten preiszugeben. Nachdem man seine Bankverbindung weitergegeben hat, wird man aufgefordert, sich in der Sanitätsstelle einzufinden. An diesem Aufenthaltsort findet ein Drogenscreeningtest, Messen der Körpergröße und des Körpergewichtes sowie eine Einweihung und kurze Erklärung der freien Heilfürsorge statt. Nachdem auch dieser weitere Schritt auf dem Weg zum Polizeibeamten erfolgreich bestanden ist, geht es erneut in die Polizeischule.

Dort treffen wir uns alle, genauer gesagt dreiundfünfzig Menschen, welche den Polizeiberuf ausgewählt haben, im Erdgeschoss. Die zwei zukünftigen Klassenlehrer stehen schon bereit, führen die Anwesenheitsliste und teilen Lunchpakete aus, bestehend aus Corny, Wasser und belegtem Brötchen. Dies war keinesfalls eine schlechte Idee, da nun die mit Abstand längste Wartezeit folgt. Dies lag an der Tatsache, dass die ärztliche Untersuchung für über fünfzig Personen seine Zeit braucht und nach meinem Eintreffen und dem Bekanntmachen mit meinem künftigen Klassenlehrer ein Großteil der Anwärter noch nicht vor Ort war. So musste ich letztlich eineinhalb Stunden stehend warten, was sich nach geraumer Zeit als nicht sehr angenehm erwies (Stühle waren im Flur leider nicht vorhanden). Dennoch war man rasch in ein Gespräch mit den zukünftigen Kollegen verwickelt und konnte sich miteinander austauschen, was mir persönlich sehr viel Spaß bereitet hat und den Kennenlernprozess wesentlich förderte. Anschließend fand die Klassenaufteilung statt.

Wir wurden in zwei Klassen halbiert, danach machte uns unser Klassenlehrer mit den ersten Formalitäten bzw. der notwendigen Disziplin als zukünftiger Auszubildender bei der Bereitschaftspolizeidirektion bekannt. Unsere Truppe sollte sich, ,,wie eine Orgel sortiert’’ (Der Klassenlehrer), in Dreiergruppen gestaffelt von groß nach klein formieren. Nachdem uns dies nach einigen Orientierungsschwierigkeiten gelang, waren wir nun bereit für die nächsten Anweisungen. Der Klassenlehrer teilte uns mit, dass nun die Schlüsselausgabe bzw. die jeweilige Zimmerbesetzung beschlossen werden würde, ehe wir uns um exakt 11:45 Uhr hier erneut treffen, da um 11:55 Uhr bereits unser Mittagessen in der Kantine warten sollte. 11:55 Uhr heißt, noch einmal vom Klassenlehrer hervorgehoben, weder zu früh noch zu spät, sondern exakt der vorgegebenen Ankunftszeit entsprechend. Ich persönlich wurde übrigens kurz vor Zimmeraufteilung noch darauf hingewiesen, dass ich meinen Haarschnitt noch heute beim Friseur etwas kürzer gestalten sollte. Nach erfolgreicher Schlüsselverteilung der bereitgestellten Zimmer suchte jeder sein künftiges Schlafgemach, entweder Zweibettzimmer oder Einbettzimmer, auf und machte sich von den dortigen Gegebenheiten ein erstes Bild. Der zweite Zimmerschlüssel für diejenige Person, die noch keinen Schlüssel erhalten hatte, lag griffbereit auf dem Tisch. Nach dieser kurzen Erkundung des baldigen zu Hause fand man sich schon wieder, ,,sortiert wie eine Orgel’’, im Flur des Gebäudes der Polizeischule auf.

Wer nicht pünktlich erschienen war, dem wurde unmissverständlich klar gemacht, dass auf Pünktlichkeit höchsten Wert gelegt und ein nicht der nötigen Disziplin untergeordnetes Verhalten nicht geduldet wird. Der Klassenlehrer gab die Anweisung, um 12:45Uhr im Gebäude der Polizeischule wieder zu erscheinen. Jeder genoss sowohl das Essen in der Kantine als auch die miteinhergehende längere Mittagspause. In der Polizeischule zum x-ten Mal in Startaufstellung gestaffelt, gingen wir anschließend in die gegenüberliegende Aula. Dort erhielt jeder der Nachwuchspolizisten, nachdem der Leiter der Polizeischule, ein Kriminaldirektor, seine Ansprache gehalten hatte, Belehrungen über gewisse Pflichten und Einsichten, welche der Polizeiberuf mit sich bringt. Anschließend wurde jedem einzelnen der Nachwuchspolizisten eine orangene Mappe überreicht, welche sowohl den vorübergehenden Dienstausweis als auch Blätter über die zuvor besprochenen Inhalte des Berufes beinhaltete. Diese musste man mit zahllosen Unterschriften unterzeichnen. Zuletzt bekam jeder seine Urkunde zur Benennung zum ’’Beamten auf Widerruf’’ bzw. zum Polizeimeisteranwärter. Im weiteren Verlaufe des Tages stellte unser Klassenlehrer uns letztendlich unser zukünftiges Klassenzimmer sowie das weiträumige Areal der BPD vor.


Alles in allem ein äußerst gelungener und genauestens koordinierter Tag, welcher mein Eindruck bestätigte, einen sehr professionellen Arbeitgeber ausgewählt zu haben, bei welchem der Mensch im Mittelpunkt steht. Schlussendlich dienen mir all diese Eindrücke dazu, in den nächsten dreißig Monaten und darüber hinaus alles in meinen Möglichkeiten Stehende zu tun, um die mir anvertraute Aufgabe nach bestem Gewissen zu erfüllen.

aQuila91
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Re: Die ersten Tage

Beitragvon aQuila91 » Do 8. Sep 2011, 20:21

Tag 2:

Nachdem nun fast alle unserer Schulklasse, abgesehen von einer Person, welche sich am ersten Einstellungstag nicht blicken ließ und somit raus war, den ersten Tag erfolgreich gemeistert haben, steht nun der zweite Tag unserer Laufbahn an der Polizeischule an. Um 7:25Uhr erscheinen heute alle pünktlich in gestaffelter Größe zum Antreten. Wer sich die am vorigen Tag festgelegte Formation gut gemerkt und eingeprägt hat, ist nun verständlicherweise klar im Vorteil. Der Klassenlehrer freut sich sehr, dass das Sammeln und Aufstellen der Klasse nun weitaus besser zu funktionieren scheint als noch am Vortag. Anschließend teilt er uns mit, dass wir ab sofort vor seinem Bureau antreten werden, da dies für ihn wesentlich praktischer sei. Nach der Überprüfung der Anwesenheitsliste machen wir uns auf den Weg in unser neues Klassenzimmer.

Dort findet jeder für sich ein schönes Plätzchen, an welchem man sich es die nächsten neun Monate gemütlich machen darf. Nach erneuten Belehrungen über diverse Formalitäten wie Anweisung zum stets pünktlichen Erscheinen sowie über die Hausordnung, werden wir nun aufgefordert, einen kurzen Lebenslauf über uns zu erstellen, welchen man auf ein Flipchart-Papier übertragen soll. Doch nun kommt die wohl interessanteste Nachricht des Tages: Die Ankleidung findet heute schon statt. Damit hatte keiner von uns gerechnet, war uns doch bewusst, dass es Schwierigkeiten mit den Lieferungen der blauen Uniformen gab, da die engagierten Zulieferungsfirmen teilweise absprangen und ihre Produktion einstellten. Nach und nach wurden fünf bis sechs Personen zur Einkleidungsstelle geschickt, um neue Dienstuniformteile zu erhalten und diese anschließend auf das heimische Zimmer zu bringen. Währenddessen begannen die restlichen Schüler, welche noch nicht das Glück hatten, sich zur Einkleidungsstelle zu begeben, mit ihren Flipchart-Lebensläufen. Geraume Zeit später war auch ich endlich an der Reihe und war tierisch begeistert, nun nicht nur formell, sondern hoffentlich bald auch optisch und passend gekleidet mit an Bord sein zu dürfen. Die Flipchart-Lebensläufe wurden übrigens gesammelt und sollten erst nach dem Wochenende zur Vorstellung verwendet werden.

Mit drei oder vier anderen Mitstreitern mache ich mich auf den Weg zur Einkleidungsstelle. Dort angekommen, erhalte ich ein Formular, auf welchem alle notwendigen Ausrüstungsgegenstände und Kleidungsstücke notiert sind. Auf dieser Liste wird geprüft, welche Kleidungsstücke der jeweilige Polizeibeamte besitzt und welche Ausrüstungsmaterialien man ihm noch nicht zur Verfügung gestellt hat. Weiterhin ist die entsprechende Stückzahl vermerkt. Nun gut, meine Liste ist verständlicherweise noch vollständig nackt und leer. Doch nach erneuter Zeit bin auch ich an der Reihe, um diverse Anprobeversuche für meine zukünftige Dienstkleidung absolvieren zu dürfen. Zunächst erhalte ich eine leichte Schutzweste. Die Kleidung muss schließlich später einmal über dieser getragen bzw. über diese gestülpt werden. Anschließend probiere ich, zugegebenermaßen zu meiner Überraschung, alle möglichen Variationen von Jacken und Überziehpullover an. Mit solch einem Sortiment hatte ich nicht gerechnet. Nachdem die mir zugeteilte Bekleidungshilfe und ich nun endlich die für mich passende Größen für Regenjacke, Rollpullover, Einsatzjacke sowie der jeweiligen Einsatz- und Anzugshosen gefunden haben, werde ich auch noch mit passendem Polizei-Cap ausgestattet. Diese Größen wurden nun alle auf meinem Formular vermerkt, sodass ich die passenden Kleidungsstücke früher oder später, nach getätigter Bestellung, bei der Bekleidungsstelle abholen darf. Mein Wunsch, sofort etwas an Kleidung mit aufs Zimmer nehmen zu dürfen, war daher vorerst nicht erfüllt.

Nach einer fünfzigminütigen Mittagspause traf ich erneut in der Kleidungsstelle ein. Nun ging es in die zweite Etage. Dort durfte man schwere Einsatzstiefel, Halbschuhe sowie Anzugsschuhe und die jeweils passenden Paar Socken anprobieren. Hinzu kamen noch ein Paar Hallen- sowie Laufschuhe. Dieses Schuh- und Sockensortiment wurde für jeden Polizeischüler in eine eigene Pappschachtel geräumt, welche man anschließend auf sein Zimmer stellen durfte, um jederzeit einsatzbereit und ausgerüstet mit Stiefeln zu sein. Doch der Ankleidungsprozess war vorläufig noch nicht zu Ende. In meine Pappschachtel sollten noch ein paar weitere Stücke aufgenommen werden. Also stattete man mich noch mit Einsatzhandschuhen, Sportbekleidung (Kurzarm- und Langarmshirt, Trainingsanzug), zwei schwarzfarbenen T-Shirt mit dem Aufdruck ’’POLIZEI’’ und letztlich mit einem grünen Einsatzanzug aus, dessen Alter man leider optisch schon deutlich erkannte. Zu guter Letzt gab man mir die typische Schirmmütze, in blauer Variante, mit auf den Weg. Diese Kopfbedeckung stellt wohl eindeutig das Wahrzeichen eines jeden Streifenbeamten dar und ich war mächtig stolz, endlich mit einer eigenen Schirmmütze ausgestattet worden zu sein.

P.S. Der Transport all dieser Teile war übrigens ein wenig unkonventionell. Man schmiss die Kleider und Schuhe allesamt in einen großen Sack, den man anschließend auf einen kleinen Schiebewagen stellte, um somit seine Kleider zum Zimmer zu befördern.

Dieser Ankleidungsprozess nahm den ganzen Tag in Anspruch, sodass wir uns pünktlich, kurz vor Feierabend, nach erfolgter Zimmerkontrolle, zum Antreten versammelten und in unser erstes Wochenende verabschiedet wurden.

polima14
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Re: Die ersten Tage

Beitragvon polima14 » Mo 19. Sep 2011, 18:59

@ aQuila 91... Du beschreibst das sehr gut, bitte bleibe dran und wenn Du Zeit und Lust hast würden sich hier bestimmt einige freuen, um weiter von Dir über die erste Zeit bei der BePo
zu lesen. :applaus:
man kommt auch im Leben mit Freundlichkeit weiter ....

Gast

Re: Die ersten Tage

Beitragvon Gast » Di 20. Sep 2011, 08:39

polima14 hat geschrieben:wenn Du Zeit und Lust hast würden sich hier bestimmt einige freuen, um weiter von Dir über die erste Zeit bei der BePo
zu lesen.
Dem schließe ich mich an. Vielen Dank für den ausführlichen Bericht. In vergangener Zeit kam immer wieder die Frage hier auf, wie die ersten Tage ablaufen...ärztlicher Check, Papierkram, Einkleidung usw.
Super, dass Du Dir die Zeit genommen hast. Wenn es Dich nochmal in den Fingern juckt einfach PN an mich, dann mache ich den Thread nochmal auf.

Gast

Re: Die ersten Tage

Beitragvon Gast » Fr 5. Okt 2012, 20:19

Mit freundlicher Genehmigung von User "blux" habe ich mir den Beitrag aus einem anderen Thread kopiert um ihn hier noch einzufügen:
blux hat geschrieben:Also zu dem ersten Tag:

Ihr kommt alle in der BePo an, werdet in die Klassen eingeteilt, bekommt euren Zimmerschluessel, muesst jede Menge Papierkram ausfuellen, geht zum Arzt und macht den kleinen Gesundheitscheck. Wir mussten noch unsere Zimmer anschauen und abchecken, ob alles da ist und nichts kaputt ist.

Bei uns war dann am Montag Anprobetag, also sassen wir die meiste Zeit nur rum und die darauf folgende Tage gehts dann eig mehr oder weniger los.

Und macht euch keine Sorgen wegen dem Sport...selbst wenn ihr zur einstellung nicht 100% fit seid, habt ihr genug Zeit und Moeglichkeiten des nachzuholen.

Und ihr muesst euch nicht uebertrieben aufmotzen an dem ersten Tag, da ihr eh ne weile in Zivil noch rumlaufen muesst...des heisst keine zerissenen jeans und sowas, sondern einfach ganz normal und ordentlich.

Ihr solltet was zum schreiben mitnehmen und die Unterlagen, die ihr noch abgeben muesst mitbringen, also zeugnis, impfpass, etc.

lg blux


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