Der richtige Weg?

Auswahlverfahren und Ausbildung
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powle
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Re: Der richtige Weg?

Beitragvon powle » Di 18. Sep 2012, 20:08

Ist ja komisch, da es mal hieß, dass durch das PC-gestützte Verfahren alle Bewerber getestet werden können und somit ein NC zur Vorauswahl nicht mehr erforderlich ist. Was ja auch irgendwie logisch ist. Zudem kommt das fehlen des NC ja allen Bewerben zu gute. Aber wenn die Dame das sagt muss ich ihr wohl glauben, sie ist schließlich die Expertin. Heißt ja dann, dass Migranten immer einen schlechten NC haben, aber besser sind im Einstellungstest ;).

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Re: Der richtige Weg?

Beitragvon mistam » Mi 19. Sep 2012, 12:07

powle hat geschrieben:Ist ja komisch, da es mal hieß, dass durch das PC-gestützte Verfahren alle Bewerber getestet werden können und somit ein NC zur Vorauswahl nicht mehr erforderlich ist. Was ja auch irgendwie logisch ist. Zudem kommt das fehlen des NC ja allen Bewerben zu gute.
So ist ja auch - die Dinge haben eben häufig mehr als eine Dimension, von denen - je nach Fragestellung - mal die eine und mal die andere in den Vordergrund gerückt wird ...
powle hat geschrieben:Aber wenn die Dame das sagt muss ich ihr wohl glauben, sie ist schließlich die Expertin. Heißt ja dann, dass Migranten immer einen schlechten NC haben, aber besser sind im Einstellungstest ;).
Es ist letztlich so, dass Migranten natürlich nicht generell besser im Einstellungstest sind als andere, aber sie sind häufig besser als ihre Schulnoten (NC) es vermuten lassen. Die im Vergleich zu Nicht-Migranten durchschnittlich schlechteren Schulnoten basieren hier häufig auf der schlechteren Unterstützung aus dem Elternhaus (schlechte (deutsch-)sprachliche Kompetenz der Eltern), die insbesondere bereits in der Grundschulzeit dazu führt, dass nur eine weiterführende Schule besucht werden kann, die unter dem intellektuellen Potenzial liegt.

Kurz gesagt - Bewerber mit Migrationshintergrund haben häufig schlechtere Schulnoten, sind aber keineswegs dümmer bzw. unintelligenter als die deutschstämmigen Bewerber ...

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Re: Der richtige Weg?

Beitragvon Trooper » Mi 19. Sep 2012, 12:44

Mystix hat geschrieben:In wieviel Prozent aller Polizeifälle ist denn eine PVBin "hinderlich"?

Und in wievielen "förderlich"?

Und in wievielen spielt es keine Rolle?

Eure (ehrliche) Einschätzung (hängt sicherlich auch vom Bezirk ab...)?
Etliche Kolleginnen in meinem direkten Umfeld (allesamt diensterfahrene Mitarbeiterinnen mit längerer Dienstzeit auf dem Streifenwagen, die sich durchaus nicht zu schade sind, herzhaft zuzupacken, Dienststelle mittelgroße Stadt, regionaler sozialer Brennpunkt) bevorzugen aus Eigensicherungsgründen eine deutliche Männermehrheit in diesem Tätigkeitsfeld. Sie gehen davon aus, daß bei gewaltsamen körperlichen Auseinandersetzungen die größere Körperkraft und Körpergröße von männlichen Beamten einen erheblichen taktischen Vorteil darstellen.

Insofern sind "förderlich" und "hinderlich" in diesem Zusammenhang irreführende (weil pauschale) Begriffe, die den unterschiedlichen Facetten des Polizeiberufs nicht wirklich gerecht werden. Vielmehr sollte man sich womöglich eher Gedanken darüber machen, ab welchem Frauenanteil die sichere Bewältigung von massiven Widerstandshandlungen u.U. gefährdet sein könnte bzw. bis zu welchem Grad man bereit ist, bei der Abarbeitung derartiger Lagen Abstriche zugunsten des Gewinns von anderen Vorteilen hinzunehmen, die die Verwendung weiblicher Beamter bietet.

Ich setze mich jetzt mal in die Nesseln und bekunde, daß ich eine gleichmäßige Geschlechterverteilung bei der Polizei für wenig sinnvoll halte. Zum einen aufgrund der o.a. Eigensicherungserwägungen, zum anderen deswegen, weil eine solche Verteilung immer künstlich herbeigeführt sein wird (zum Beispiel durch ungleiche physische Einstellungsvoraussetzungen).

Warum das? Weil ich aufgrund eigener Erfahrungen davon überzeugt bin, daß die allgemein bekannten Unannehmlichkeiten des Polizeidienstes (potentiell gewalttätiges Umfeld, Risiko von physischen Übergriffen, die Notwendigkeit, selber körperliche Gewalt anwenden zu müssen) den Beruf für Frauen weniger attraktiv machen als für Männer, und die Anzahl männlicher Bewerber somit höher sein wird.
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Re: Der richtige Weg?

Beitragvon JackBerlin » Mi 19. Sep 2012, 13:45

@Trooper

Zum Thema Anteil Frauen wollte ich mich nach den 100% positiven Meinungen eigentlich nicht mehr äußern, aber in meinem Umfeld hatte ich da ganz andere Meinungen vernommen. Wenn alles so super ist, warum wird dann z.B.Funkwagenbesatzung Frau/Frau versucht zu vermeiden?

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Beitragvon MICHI » Mi 19. Sep 2012, 13:47

JackBerlin hat geschrieben:@Trooper

Wenn alles so super ist, warum wird dann z.B.Funkwagenbesatzung Frau/Frau versucht zu vermeiden?
Bei uns nicht :-)

Und es lässt sich bei unsere Struktur der DG auch nicht vermeiden.
Gruß
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Re: Der richtige Weg?

Beitragvon JackBerlin » Mi 19. Sep 2012, 14:10

In Berlin ja, wird dann als Hühnchenstreife bezeichnet. Was ich natürlich schlimm finde :nein:

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Re: Der richtige Weg?

Beitragvon Hans_Dampf » Mi 19. Sep 2012, 14:25

MICHI hat geschrieben:Bei uns nicht :-)

Und es lässt sich bei unsere Struktur der DG auch nicht vermeiden.
Dann lässt eure "Struktur" es aber auch zu, daß Kerle unmittelbar nachgeführt werden können. Oder die Art der Einsätze ist stark beschränkt.

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Beitragvon MICHI » Mi 19. Sep 2012, 14:35

Hans_Dampf hat geschrieben:
MICHI hat geschrieben:Bei uns nicht :-)

Und es lässt sich bei unsere Struktur der DG auch nicht vermeiden.
Dann lässt eure "Struktur" es aber auch zu, daß Kerle unmittelbar nachgeführt werden können. Oder die Art der Einsätze ist stark beschränkt.
Das bedarf natürlich ein gewisses Mitdenken und Mithören des Funkverkehrs durch die anderen Besatzungen und der Brücke. Das klappt sehr gut und hat bisher noch nie zu Problemen geführt. Außerdem weiß die EZ über die Zusammensetzung eines jeden Streifenwagens Bescheid, sodass auch von dort schon entsprechend gesteuert werden kann. Das diese Frauenbesatzung aber nun gezielt nur Einsätze bekommt, die auf sie zugeschnitten sind, kommt nicht vor.
Gruß
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Re: Der richtige Weg?

Beitragvon beni » Mi 19. Sep 2012, 14:47

Also bei uns im Beritt sind teilweise beide Funkwagen reine Frauenautos und auch die Wache wird zeitgleich durch zwei Frauen gemanagt.
Probleme dabei? Nö
Bräuchen die Unterstützung? Nö

Dieses ewige Kräftemessen bezüglich einer Frau nervt.

ich nehm da immer wieder gerne als Beispiel den großen,schlaksigen Kollegen,der seinerzeit eine Schlaftablette war und erst bei einer Festnahme mit Widerstand half,als ich ihn anschrie.....
leider hing ich da schon längst auf dem 190 cm Typen drauf ( und wer mich persönlich kennt,weiß was das bedeutet :polizei2: )
Es gibt halt solche und solche auch unter den Männern.

P.S. Für künstlich herbeigeführte Quoten war ich noch nie.

Entweder lebt man den Job und packt an wenn nötig oder man lässt es

Gruß
Nicole

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Re: Der richtige Weg?

Beitragvon tyrant » Mi 19. Sep 2012, 15:05

Ich denke, dass ich hier mitreden kann, da sich der Polizeiliche Bereich mit meinem stark ähnelt.

In der Regel tragen bei uns die Frauen dazu bei, dass eine hochkochende Situation wieder deeskaliert werden kann, da sie doch meist über bessere Kommunikationswege verfügen, als Männer.

Das liegt zum einen natürlich daran, dass zwischen 2 Männern eine Art "Kompetenzgerangel" ausbricht, während die intersexuelle Kommunikation i.d.R. gesittet abläuft. Ich glaube auch, dass es einfach die gewisse Hemmschwelle ist, eine Frau tätlich anzugreifen.

Dafür habe ich im Gegenzug die Erfahrung gemacht, dass viele Frauen vor Gewalt Angst haben und in einer entsprechenden Situation eine Art Schockstarre erleiden, die sie handlungsunfähig macht. Leider gibts bei uns nur vereinzelt Damen, die dieses Phänomen durchbrechen und dann mit anpacken. Wenn ich eine Quote schätzen müsste, würde ich sagen, dass etwa 20% der Frauen überhaupt in der Lage sind, bei Gewalttätigkeiten entsprechend zu reagieren.

Wir Männer haben hingegen oftmals Probleme in der kommunikativen Ebene. Entweder wir quatschen zu viel und werden dadurch nicht ernst genommen oder wir reden nicht empathisch genug, so dass sich der Angesprochene angegriffen fühlt. Als ob man 2 Hähne in einen Käfig sperrt.

Weiterhin haben viele Männer meiner Erfahrung nach Probleme, zwischen den verschiedenen Eskalationsstufen zu wechseln. Nach oben geht es zwar immer, aber einen Gang runter zu schalten fällt anscheinend vielen schwer. Ein mal in Rage und schon ist die Deeskalation bei vielen nicht mehr möglich. Dieses Verhalten habe ich auch bei vielen Beamten der Pol erleben dürfen, da wir ja ständig mit denen zusammenarbeiten.

Wenn man diese Missstände durch Training ausmerzen könnte, wäre die optimale Streife mit je einem Mann und einer Frau besetzt. Da aber Trainings, vor allem Kommunikationstrainings, sehr zeitintensiv sind, dürfte die beste machbare Besetzung Mann/Mann sein. Einfach weil eben viele Frauen bei einer unvermeidlichen Eskalation den Kürzeren ziehen. Selbstverständlich gibt es Ausnahmen von dieser Regel.

Übrigens bin ich Fan der Bestenauslese und halte es mit Robocop.
Ich bin KEIN PVB!

An allem Unrecht, das geschieht,
ist nicht nur der Schuld, der es begeht, sondern auch der,
der es nicht verhindert.

(Erich Kästner)

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Re: Der richtige Weg?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Mi 19. Sep 2012, 15:11

Und alle Italiener essen Spaghetti. :stupid:
:lah:

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Beitragvon MICHI » Mi 19. Sep 2012, 15:12

Ich denke, dass sich alleine die Auswahlkriterien bei uns dermaßen unterscheiden, dass dieses mit deinem Tätigkeitsfeld kaum vergleichbar ist. Da unsere Kolleginnen alle die BePo durchlaufen haben und dadurch auch an heftigen Demos teilnehmen müssen, wird kaum eine in Angststarre verfallen.

Wenn eine Frau deeskalierend eingreifen muss, hat der Mann was falsch gemacht ;-)
Gruß
MICHI


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Re: Der richtige Weg?

Beitragvon tyrant » Mi 19. Sep 2012, 15:20

Hm. Da hat aber wieder einer nur das gelesen, was er lesen wollte :zunge:

Wie oft kommt es denn vor, dass man in eine Situation kommt, die bereits kurz vor einer Eskalation steht? Bei mir jedenfalls recht häufig.

Und Michi, ich muss dir als gestandenen PVB doch nicht den Unterschied zwischen BePo und Einzeldienst erklären. Es ist was anderes, ob ich mit 9 Mann in eine Situation gehen kann, wo ich mich auf meine Leute verlassen kann, als dass man nur zu zweit unterwegs ist und dementsprechend nur einen Kollegen dabei hat, der einem helfen kann. Das kennst du und das kenne ich auch.
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Beitragvon MICHI » Mi 19. Sep 2012, 15:25

Wenn du häufig in Situationen kommst, in denen es kurz vor der Eskalation steht, solltest du eventuell mal dich und dein Handeln hinterfragen.

Eine gewalttätige Demo mit einigen hundert Störern aus dem schwarzen Block beeindruckt, auch wenn man sich in einer Menge von Kollegen befindet, mehr, als der auf Krawall gebürstete Gerüstbauer.
Gruß
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Re: Der richtige Weg?

Beitragvon tyrant » Mi 19. Sep 2012, 15:31

Mich, du hast es immer noch nicht verstanden.

Ich komme häufiger in Situationen, die ohne mein Zutun bereits kurz vor dem Eskalieren sind.

Alarmierung -> Anfahrt -> Überblick verschaffen -> Lage ist kurz vor der Eskalation. Da brauch ich mein Handeln nicht zu hinterfragen.

Übrigens war ich relativ unbeeindruckt, als ich vor Demonstranten stand. Das kann natürlich daran liegen, dass die Lage nicht derart explodiert ist, wie es regelmäßig auf Demonstrationen der Fall ist. Andererseits kann es auch daran liegen, dass ich wusste, dass ich meine Leute dabei habe, die mich unterstützen. Oder es kann auch daran liegen, dass ich wusste, dass ich gut geschützt bin. All das habe ich im Streifendienst aber nicht. Da sind ganz andere Ansprüche an die Eigensicherung zu stellen, als im geschlossenen Einsatz.
Ich bin KEIN PVB!

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