Erfahrungsbericht EAV mittlerer Dienst BPOL

Informationen zur Einstellung und Ausbildung der Bundespolizei!

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Iliri1403
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Erfahrungsbericht EAV mittlerer Dienst BPOL

Beitragvon Iliri1403 » Mo 7. Okt 2019, 23:42

Da ich treuer und dankbarer Leser dieses Formats bin, sehe ich es als meine Pflicht durch einen frischen Erfahrungsbericht Einblicke in das EAV zu gewähren und Ängste zu nehmen.

Los ging es mit dem Diktat. Und ich muss ehrlich sagen, wer das nicht auf die Kette bekommt hat bei der Polizei nichts verloren.
Wie das Diktat geprüft wird ist mehr als kullant. Einfacher geht es schon garnicht mehr. Es ist ein Fließtext mit etwa 170-180 Wörtern auf den man sage und schreibe 24 Fehler verbuchen darf, wobei so wie ich es verstanden habe, Zeichensetzungsfehler sogar nur mit einem halben Fehlerpunkt gewertet werden.
Das Diktat wird einmal im Ganzen vorgelesen. (Es wird noch nicht geschrieben!)
Dann wird der erste Satz vorgelesen. (Es wird noch nicht geschrieben!)
Und dann wird der erste Satz stückweise vorgelesen. (Erst jetzt darf geschrieben werden)
Jeder Satz und sogar jeder Bruchteil des Satzes wird mehrmals wiederholt und es wird sich an den Langsamen orientiert.
Wenn man mit dem Satz fertig ist, wird der Stift hingelegt und nach vorne geschaut (So weiß der Prüfer wer fertig ist und wer noch Zeit braucht).
Und dann das gleiche mit Satz 2. Er wird ganz vorgelesen, dann stückweise und erst dann darf geschrieben werden.
Sollte jemand auf die Idee kommen an einem Zeitpunkt zu schreiben wo ausdrücklich nicht geschrieben werden darf wird man ermahnt. Kommt das öfter vor fliegt man raus.
Wenn man trotz des unglaublich langsamen Tempos und der unzähligen Wiederholungen nicht mitkommt, einfach eine Zeile frei lassen und wieder Anschluss finden. :zustimm:
Das Diktat dauert circa 30 Minuten und dann geht es zur Auswertung zurück in den Warteraum wo dann das große diskutieren anfängt wie das und das Wort geschrieben wird.
Ich konnte es kaum glauben, aber es gab tatsächlich Spezialisten die das Wort Polizeihund getrennt und klein geschrieben haben.
Das Diktat ist etwa auf dem Niveau der 7-8 Klasse...höchstens.
Es ist ein Diktat mit leichtem Bezug zur Polizei aber es kommen auf keinen Fall Wörter dran die man noch nie gehört hat.
Sollte ein Fremdwort enthalten sein, z.B. aus dem französischem, wird dieses sogar an die Tafel geschrieben.
Kommas und Satzendungen wie Fragezeichen müssen eigenständig aufgeschrieben werden.
Es war sogar jemand mit einer Leserechtschreibschwäche dabei und der hat es gechafft.
Wie gesagt, einfacher geht es wirklich nicht mehr. Und trotzdem sind von Anfangs 13 Leuten 6 oder 7 aussortiert worden.
Eure Diktate bekommt ihr nicht zurück also wisst ihr auch nicht wieviele Fehler ihr hattet.
Ihr bekommt lediglich gesagt bestanden oder nicht bestanden. :banned:

Wer jetzt schon weiß, das er mit seiner Rechtschreibung nicht glänzen kann sollte sich ganz dringend mit den wichtigsten Punkten der deutschen Sprache (Groß-und Kleinschreibung, Kommasetzung, etc.) auseinandersetzen.
Das ist alles Fleißsache.


Ich habe mich für eine Einstellung zum März 2020 beworben und durfte somit den neuen Sporttest absolvieren.
Diesen möchte ich garnicht großartig thematisieren, da dies mittlerweile eigentlich allseits bekannt sein sollte.

https://www.youtube.com/watch?v=wbJ5IAHsYpQ


Nun ging es zum Interview, welches wie die beiden anderen Testtage in Swisttal stattfand.
Ganz wichtig: Immer so anreisen, das ihr rechtzeitig da seid! Bedeutet, das ihr einen Stau und und und einplanen müsst.
Wenn ihr zu spät kommt sieht das direkt schonmal 1a aus. :nein:
Wie auch beim ersten Testtag geht es erstmal in den Warteraum. Hier saß schon mein Vorgänger der auf sein Ergebniss wartete und mir erstmal erzählt hat wie schlimm es da drin war. Er wurde reingerufen und hat mitgeteilt bekommen, dass er durchgefallen ist. Dementsprechend ging mein Puls so langsam ein bisschen hoch.
Nun wurde ich abgeholt und in den Raum gebracht, in dem schon 5 Prüfer auf mich gewartet haben.
Ich kann jetzt schon vorweg sagen: Es ist alles halb so schlimm.
Ihr setzt euch hin und alle 5 Stellen sich mit 2-3 Sätzen kurz vor, erzählen wer sie sind und welche Tätigkeit sie momentan ausüben.
Dann wurde ich gebeten mich ebenfalls kurz vorzustellen und meine Schullaufbahn zu erläutern.
Versucht hier nicht einfach nur den Lebenslauf trocken runter zu rattern.
Von diesen 5 Prüfern hat einer kein einziges Wort mit mir gesprochen und saß nur still da. Eine Prüferin war ebenfalls mit schreiben beschäftigt.
Somit waren 3 Prüfer übrig von denen jeder jeweils ein Thema vertretten hat.
1 Allgemeinbildung, 2 Berufsmotivation, 3 Aktuelles Zeitgeschehen
(Nach erfolgreichem ersten Testtag wird man euch am Ende aufschreiben lassen, worauf ihr euch vorbereiten müsst. Ich habe mir in aufwändiger Arbeit eine Lernmappe erstellt und dies hat sich voll und ganz ausgezahlt)
Die Prüfer fragen nicht einer nach dem anderen sondern durcheinander.
Selbstverständlich werde ich keine Testinhalte veröffentlichen, aber zu wissen das Angela Merkel Bundeskanzlerin ist reicht nicht aus.

Ihr solltet euch mit der deutschen Geschichte beschäftigen.
-Erster und zweiter Weltkrieg
-Berliner Mauer
-Tag der deutschen Einheit
-Weimarer Republik
- und und und..das ist das absolute Minimum (Bekommt ihr aber alles nochmal in sehr ausgeführter Form am Ende des ersten Testtages zum notieren genannt.)

Ihr solltet das aktuelle Zeitgeschehen verfolgen. Hier hilft jeden Abend Nachrichten gucken und diverse Nachrichtenapps herunterladen und ab und zu mal reinschauen.
Ihr müsst nicht detailliert beschreiben was gerade mit dem Brexit los ist. Ihr solltet aber in der Lage sein, ein bisschen von dem was gerade in der Welt passiert neutral wiederzugeben.

Und das Wichtigste zum Schluss: ihr solltet die Prüfer davon überzeugen, dass ihr es wert seid eine Chance zu bekommen.
Und das schafft man nicht indem man so gut wie nichts über seinen potentiellen Arbeitgeber weiß.
Die Bundespolizei ist in vielen sozialen Medien (Facebook, Instagram, Youtube) vertreten. Wenn man hier ein Abo da lässt, wird man zwangsläufig mit Informationen versorgt.

Die Herrschaften, die wie ich ebenfalls bei der Landespolizei aktenkundig sind, sollten damit rechnen gefragt zu werden wo die Unterschiede liegen und wenn beide zu sagen würden, wo das Herz einen hinverschlagen würde. (Erfahrungsbericht zum Auswahlverfahren in NRW wird in Kürze folgen, wenn es die Zeit zulässt)
Dann war nach unglaublich schnellen 45 Minuten mein Interview zu Ende und ich wurde gebeten, wieder im Wartebereich Platz zu nehmen.
Nach nicht einmal 5 Minuten wurde ich wieder abgeholt und gefragt wie ich mich selber einschätze.
Anschließend wurde mir mitgeteilt, das ich bestanden habe und man mit mir mehr als zufrieden war.(Nachdem ich 3 Wochen später beim Arzt war und am Ende mein Abschlussgespräch hatte, wurde mir ein Punktewert von 7,33 Punkten genannt. Diesen Wert könnt ihr direkt nach dem Interview erfragen).

Circa 3 Wochen später ging es zum Arzt.
Davor hatte ich, auch in NRW, am meisten Angst. Aber auch hier gilt: Alles halb so wild. :polizei7: #
Auf euch warten die wirklich super netten Damen vom polizeiärztlichen Dienst.
Anders als in NRW müsst ihr jetzt schon zum Zahnarzt und ein Formular ausfüllen lassen.
Dieses wird dann anfangs mit den anderen ärztlichen Unterlagen die man mitgebracht hat (OP-Berichte, Brillenformular,...)eingesammelt.
Dann bekommt ihr ein paar Seiten Papier auszufüllen auf denen diverse Vorerkrankungen aufgelistet sind (1zu1 die selben Blätter die man in NRW bereits bei der Bewerbung abgeben muss).
Dann wird zuerst mit der Urinprobe angefangen. Anschließend geht der eine zum Sehtest, der andere zum Hörtest.
Dann der Lungenvolumentest wo ganz tief ein und ausgeatmet werden muss. Keine große Sache.
Beim Sehtest sind es die bekannten Kringel mit Öffnungen. Anschließend müsst ihr Farbtafeln vorlesen.
Beim Hörtest bekommt ihr Kopfhörer aufgesetzt und müsst ganz leise tiefe und höhe Töne erkennen und auf das Knöpfchen drücken.
Dann geht es zur Voruntersuchung.
Hier geht es auf die Waage und eure Maße von Brust und Hals werden gemessen.
Es wurde kurz der auszufüllende Krankheitsbogen besprochen, der bei mir bis auf einen Daumenbruch so gut wie leer war.
Dann ging es zum EKG.
Zuerst legt ihr euch hin und bekommt Saugnäpfe auf die Brust. Das ist das Ruhe-EKG.
Hier gilt es einfach nur still da zu liegen und nichts zu machen. Am besten Augen zu und ganz ruhig atmen. :pfeif:
Natürlich weiß man da das ihr aufgeregt seid und deswegen ist es normal einen leicht erhöhten Puls und Blutdruck zu haben.
Das Ruhe-EKG dauert 2-3 Minuten und wenn das ausgedruckt ist, geht die Arzthelferin damit zur Polizeiärztin die dann entscheidet, ob es aus medizinischer Sicht zu verantworten ist, euch auf das Fahrrad zu setzen.
Dann ging es für mich aufs Fahrrad und mir wurde der Ablauf erklärt.
Das Fahrrad-EKG war nicht ansatzweise mit dem in NRW zu vergleichen.
Hier hat sich deutlich gemacht, das die PDV300 nicht überall gleich ist und die Mindestgröße nicht der einzige Punkt ist, der lascher ist.
In NRW war das Fahrrad-EKG wirklich eine Hürde und ich musste bis 250 Watt pumpen.
Danach war der Boden nass durch meinen Schweiß und ich war danach erstmal für nichts mehr zu gebrauchen.
In Swisttal bin ich schätzungsweise höchstens 6-7 Minuten gefahren und dann war Sense.
Ich bin abgestiegen ohne einen einzigen Tropfen Schweis verloren zu haben. Das Fahrrad-EKG der Bundespolizei war im Vergleich zur Landespolizei ein Kindergeburtstag.
Und dennoch hat gefühlt fast jeder außer ich am Ende die Auflage bekommen zum Kardiologen zu gehen und sich nochmal checken zu lassen.(Die meisten weil der Blutdruck und der Puls durch die Decke schossen).
Dann ging es zu guterletzt zum Raum der Polizeiärztin. Hier wird die Hauptuntersuchung durchgeführt.
Die hat bei jedem höchstens 10 Minuten gedauert und auch die Ärztin ist sehr lieb gewesen und hat wirklich versucht einem die Angst zu nehmen.
Dort will euch keiner rauskegeln. Im Gegenteil.
Es fing an indem ich gefragt wurde ob und welchen Sport ich betreibe.
Dann musste ich auf Zehenspitzen den Raum entlang laufen und zurück auf den Versen. Dann erneut im normalen Gang.
Ich bekam gesagt, das ich einen Senk-Spreizfuß habe. War überhaupt kein Problem.
Danach stellte sie sich hinter mich und guckte nach der Wirbelsäule. Dann das Bekannte mit den Fingerspitzen zum Boden und langsam hoch kommen.
Als mein Rücken begutachtet wurde, fiel ihr ein Muttermal auf das komisch aussah. Somit war die erste Auflage zum Hautarzt zu gehen und das abklären zu lassen.
Dann musste ich einmal den Mund aufmachen und mit dem Holzstäbchen im Mund AAAAA sagen. :lah:
Jetzt wollte man mir ins Ohr leuchten um das Trommelfell zu sehen. (Bei ALLEN wurde das Trommelfell nicht gefunden und alle bekamen somit die Auflage zum HNO zu gehen).
Fand ich sehr komisch da der Arzt in NRW das innerhalb von 3 Sekunden gefunden hatte. Somit bekam ich die zweite Auflage zum HNO zu gehen.
Ich hatte am 24.07. meine ärztliche Untersuchung in NRW und da kam raus das ich eine Brille brauche. Das Augenarztformular von der LaPo habe ich mitgenommen aber die Bundespolizei bestand darauf ihr eigenes Formular ausgefüllt zu bekommen und somit ist Auflage 3 zum Augenarzt zu gehen und den gleichen Wisch mit den gleichen Werten in das Blatt der BPOL eintragen zu lassen.
Als letztes musste ich mich noch einmal hinlegen und der Bauchbereich wurde abgetastet. Die Boxershorts wurde ganz minimal, nicht ganz!!!, nach unten gezogen und ich musste einmal husten. Ich gehe davon aus das hier getestet wurde ob ein Leistenbruch vorhanden ist. Die Hose runterlassen und mich hintenrum begutachten lassen war bei mir und bei keinem anderen der Fall. In NRW genau so wenig.
Ich habe aber 2 Bekannte die bei der Bundespolizei angefangen haben und die mussten die Boxershorts komplett ausziehen und sich einmal nach vorne beugen.
Aber selbst da wurde nur geguckt. :lupe:

Das war es dann auch schon gewesen und ich bekam erneut gesagt, welche Auflagen ich zu erfüllen habe.
Dann ging es zurück ins Hauptgebäude und mir wurde offenbart, das man beabsichtigt mich einzustellen inklusive Direktzusage sobald die Auflagen erfüllt sind.
Glücklich und zufrieden tratt ich die Heimreise an und warte nun auf meine Überweisungen.

Abschließend möchte ich noch einmal sagen, dass das EAV kein Hexenwerk ist. Aber mit einen Tag vorher im HauRuck-Verfahren für Diktat, Sporttest und Interview zu lernen wird definitv schief gehen.
Ich hoffe ich konnte meinen Teil dazu beitragen, das ihr nun etwas lockerer auf eure Testtage hinblickt.

Bald kommt wie gesagt der Erfahrungsbericht vom Auswahlverfahren aus NRW, welches um Längen knackiger war.

Ich wünsche allen eine erfolgreiche Teilnahme und gutes Gelingen. :zustimm: :)

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