Erfahrungsbericht nach 3 Monaten Ausbildung mD

Informationen zur Einstellung und Ausbildung der Bundespolizei!

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Erfahrungsbericht nach 3 Monaten Ausbildung mD

Beitragvon supporter » Mo 21. Nov 2011, 15:43

Hallo liebe zukünftigen Anwärterinnen und Anwärter,

im Folgenden möchte ich euch etwas über die ersten Monate der Ausbildung im mittleren Polizeivollzugsdienst der Bundespolizei erzählen. Ich hoffe, dass ich euch damit einen groben Einblick geben kann, in welche Zielrichtung die Ausbildung verläuft und vielleicht auch schon einige Fragen klären kann.

Als erstes möchte ich euch jedoch Folgendes mit auf den Weg geben, da es immer wieder zu Verwirrung und Enttäuschung sorgte. Polizei ist grundsätzlich Ländersache. Das heißt, jedes Bundesland stellt seine eigene Polizeibehörde auf, die Polizeiaufgaben in dessen Aufgabenbereich wahrnimmt. Die Bundespolizei (BPol) dagegen ist eine Sonderpolizei des Bundes. Bis 2005 hieß die BPol auch noch Bundesgrenzschutz, was einen Teil der Aufgaben bereits beschreibt, nämlich den Schutz der Grenze. Weitere Aufgaben sind u. a. Bahn- und Luftsicherheit. Wer erwartet hat, dass er bei der BPol täglich mit dem Streifenwagen unterwegs ist, Verkehrsteilnehmer kontrolliert oder zu Fällen wie Ruhestörung oder häuslicher Gewalt gerufen wird, der wird ziemlich schnell enttäuscht sein. Solche Sachen sind Aufgabe der Landespolizei, nicht der BPol.

Die Anreise
Ich begann meine Ausbildung am 01. September 2011, also vor so ziemlich genau 3 Monaten im Aus- und Fortbildungszentrum Eschwege (AFZ ESW). Um pünktlich da zu sein, nahm ich das Angebot wahr, bereits einen Tag vor Dienstbeginn an zu reisen. Mit dem Pkw vor dem AFZ stehend, wurde ich bereits von der Wache empfangen. Ich erhielt meine Zimmer-Schlüssel und eine kurze Beschreibung zur Unterkunft und den Parkplätzen. In der Unterkunft angekommen, war die richtige Stube schnell gefunden. Bereits auf dem Gang wurden wir von unseren Ausbildern empfangen und begrüßt. Nach einer kurzen Einweisung in die Örtlichkeiten, galt es erst mal die Unterkunft zu erkunden.

Die Unterkunft
Die Stube, eigentlich recht geräumig mit etwa 25-30 m², ist belegt mit 3 Mann. Wer bereits bei der Bundeswehr gedient hat, weiß dies zu schätzen, denn dort hätte man zweifelsfrei eine 6- oder 8-Mann-Sube daraus gemacht. Es ist also jede Menge Platz. In der Stube hat jeder seinen persönlichen Schrank, wo er seine dienstliche und auch zum Teil private Kleidung und Ausrüstung unterbringen kann, einen eigenen Schreibtisch, für Lern- und Arbeitsaufgaben nach Dienst, und ein mehr oder weniger bequemes Bett. Die Möbel sind zwar schon etwas abgewohnt und nicht mehr die modernsten, aber trotzdem ist alles sauber. Wir sind auch so ziemlich die letzten, die in diesem Gebäude wohnen werden, denn irgendwann in naher Zukunft wird das ganze Gebäude umgebaut. Die Toiletten befinden sich auf dem Gang-Ende, die Duschen im Keller. Kein Standard an den man sich gewöhnen möchte, aber für das halbe Jahr, bis wir voraussichtlich umziehen werden, kann man damit leben. Die Kantine befindet sich 2 Gebäude weiter und bietet Mahlzeiten gegen eine Essensmarke für früh, mittags und abends. Dienstags bis donnerstags kann bei dem Mittagsgericht zwischen einer normalen und vegetarischen Speise gewählt werden.

Die Ausbildung
Am ersten Tag wurden wir erst einmal von dem Leiter des AFZ mit einer kurzen Ansprache im „großen Saal“ begrüßt. Auch ein Vertreter der Stadt war zugegen. Im Anschluss fanden wir uns wieder in unserem Unterkunftsgebäude ein. Der Mittlere Dienst, anfänglich 67 Anwärter, ist in 3 Lehrgruppen unterteilt. Aktuell sind wir in unserer Lehrgruppe 21 Anwärter, nachdem noch 2 Anwärter ihren Dienst quittierten.

Als erstes standen jede Menge Belehrungen und Unterweisungen an. Angefangen von Verhaltensvorschriften, über ärztliche Belange, bis hin zu dienstlichen Pflichten. Nach gefühlten tausend Unterschriften hatten wir es auch erst mal geschafft. Nun ging es mit dem Polizeibus zum Röntgen. Jeder benötigte für kommende ärztliche Untersuchung eine Röntgenaufnahme vom Thorax. Dann war der Tag schon vorüber. Nun konnten wir die diversen Freizeitmöglichkeiten ausprobieren z.B. Fitnessraum, Fernsehraum, Kantine oder andere Freizeiträume zum Beisammensein.

Am Tag 2 standen ärztliche Untersuchungen auf dem Programm. Jeder wurde noch einmal gewogen, gemessen und durfte einen Seh- und Hörtest machen. Dann ging es zur Einkleidung. Da wir bereits beim EAV vermessen wurden, ging das ganze recht schnell. Jeder bekam 2 riesige Kartons, in denen sich so ziemlich alles drin befand, was wir für den Dienst benötigen. Nach dem auspacken gingen wir noch zur Personalstelle und gaben diverse Unterlagen ab (Zeugnisse, Urkunden, etc.), die wir zur Einstellung mitbringen sollten. Damit war die erste „kurze“ Woche auch schon geschafft und die Heimreise stand an.

Nach dem viel zu kurzem Wochenende, an das man sich wohl nur schwer gewöhnt, fanden wir uns wieder alle in der Unterkunft ein. In dieser Woche fanden auch schon erste Unterrichte statt. Zum Beispiel in Fächern wie Einsatzrecht, Englisch oder Staats- und Verfassungsrecht. Die ganzen Fächer jetzt bis ins Detail zu erläutern würde den Rahmen sprengen. Was ich jedoch sagen kann, dass es eine ganze Menge Recht und Gesetz ist, mit dem man im Laufe der Ausbildung konfrontiert wird. Schließlich muss man als Polizist jederzeit wissen, aufgrund welcher rechtlichen Grundlage man zuständig ist oder wo meine Befugnisse liegen, also was ich letztlich machen darf und was nicht. Diese Sachen begleiten uns während der gesamten Ausbildung und werden auch danach stets ein Teil unserer Arbeit sein.

Nach weiteren Unterrichten, in denen wir die Aufgaben der BPol und unsere Ausbildungsziele kennenlernten, standen auch mal ein paar lockere Sachen auf dem Programm, wie zum Beispiel eine Führung durch die Stadt.
In den weiteren Wochen kamen weitere praktische Unterrichte hinzu, wie zum Beispiel Sport und Einsatztraining. Im Sport bereiteten wir uns auf die verschiedenen Disziplinen vor, die von uns im Laufe der Ausbildung abverlangt werden. So müssen wir zum beispielsweise jedes Jahr das Deutsche Sportabzeichen ablegen oder zur Prüfung eine Hindernis-Geräte-Bahn überwinden, den Cooper-Test mit gesteigerten Anforderungen oder eine Rettungsübung zu Wasser absolvieren. Im Einsatztraining lernen wir verschiedene Grundlagen zur Selbstverteidigung und Maßnahmen zum gezielten und geschickten Festsetzen des Gegenübers.

Nachdem wir in der 3. Wochen bereits zum Polizeimeisteranwärter und Beamten auf Widerruf ernannt wurden, folgte die feierliche Vereidigung am 3. Oktober, dem Tag der deutschen Einheit. An diesem Tag hatten wir die Möglichkeit unseren Angehörigen die Unterkunft und das gesamte AFZ zu zeigen, bevor wir am Abend dann vereidigt wurden.

In den folgenden Wochen setzte sich unsere Ausbildung fort und wir erweiterten unseren Erkenntnishorizont stetig. In Tests wurde dann dieses Wissen ständig abgefragt und bewertet. Weitere Praktische Unterrichte wie Waffen- und Schießausbildung kamen hinzu. Auch ein kleiner Orientierungs-Marsch gehörte dazu. Natürlich dürfen auch Ausarbeitungs- und Präsentations-Projekte nicht fehlen.

Damit wären wir so ziemlich beim heutigen Tag angekommen. Wir bereiten uns langsam auf die Hauptarbeiten (Klausuren) vor, die wir im Dezember schreiben werden. Die Zwischenprüfung steht dann im Sommer nächsten Jahres an. Danach geht es in die verschiedenen Praktika.

Ich hoffe, ich konnte euch damit einen kleinen Einblick in die Ausbildung verschaffen. Der eine oder andere wird jetzt sagen, „Das ist es!“, anderen gefällt das vielleicht weniger. Ich kann jedoch sagen, dass ich bis jetzt noch keinen Tag bereue, den ich hier verbracht habe. In diesem Sinne wünsche ich allen, die sich noch im EAV befinden viel Erfolg.


Gruß Sacky
Man kann einen Menschen nichts lehren, man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu entdecken. (Galileo Galilei)

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