Erfahrungsbericht 9 Monate BPOL

Informationen zur Einstellung und Ausbildung der Bundespolizei!

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DerGeisti
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Erfahrungsbericht 9 Monate BPOL

Beitragvon DerGeisti » Mo 12. Jun 2017, 23:33

Hallo liebe Leserinnen und Leser,

da der Erfahrungsbericht von supporter (viewtopic.php?f=34&t=66535) schon knapp 6 Jahre her ist, habe ich mich dazu entschieden, euch einmal meine Eindrücke von den ersten 9 Monaten Ausbildung im mittleren Polizeivollzugsdienst zu erzählen. Vielmehr sind das Informationen, die ich euch, vielleicht ja zukünftigen Anwärtern, nahe bringen möchte.

Ich versehe meine Ausbildung derzeit im AFZ Eschwege mit ca. 255 anderen Polizeianwärtern/innen. Anfänglich waren wir ca. 284 Anwärter, die in 11 verschiedenen "Klassen" aufgeteilt waren, doch da viele erst während der Ausbildung merkten, dass die Bundespolizei nicht deren Vorstellungen entspreche, verließen uns auch einige wieder. Weiterhin muss man dazu sagen, dass auch eine Anzahl von Anwärtern nicht freiwillig gegangen ist; ob das an den gesunkenen Einstellungsvoraussetzungen liegt oder ob das in den letzen Jahren auch der Fall war, kann ich nicht beantworten. Fakt ist, dass euch bewusst sein muss, dass es nicht wie Schule ist, wo man sich noch benehmen kann wie man möchte. Denn auch während der Ausbildung steht auf eurem Ärmel das Wort "Polizei" und genau deshalb sollte man im vorhinein wissen, für welche Werte man einsteht.

So kommen wir nun zum Ablauf der Ausbildung im 1. Dienstjahr. Da ich Dienstag mein Zeugnis bekomme und nur noch meine Zwischenprüfung vor mir habe, kann ich, denke ich euch meine Erfahrung ziemlich transparent darlegen.
Am 01.09.2016 hatte ich also meinen ersten Tag. Ich hatte mit meiner Unterkunft ein gutes Los gezogen, da ich in Haus 2 gekommen bin. Das 2er Zimmer hier ist ziemlich groß mit 2 kleinen Kühlschränken, jeweils 2 Schränken, LAN Anschluss, TV Anschluss, W-LAN und Badezimmer mit Dusche. Lediglich Haus 3 ist etwas "altmodischer" von der Einrichtung her, aber auch da gibt es Wlan auf den Gängen. :polizei2:

Bei uns in der Klasse sind 22 Anwärter und 4 Anwärterinnen und von 16-35 Jahre sind so gut wie alle möglichen Altersstufen abgedeckt. Bin mit meinen 20 Jahren dennoch eher im älteren Drittel. Da alle aus verschiedenen Städten und auch Bundesländern kommen und hier echt viele verschiedene Charaktere aufeinander treffen, versteht man sich nicht mit jedem gleich gut, aber man muss mit jedem klar kommen, denn auch später kann man sich nicht aussuchen mit wem man auf Streife geht, dennoch muss man sich aufeinander verlassen können. Nichtsdestotrotz hat man hier sehr viele Freundschaften geknüpft mit denen man auch nach Dienst noch einiges unternimmt. Nach Dienst bleibt einem noch sehr viel Zeit. Man geht Abends mal mit Kollegen ein Bierchen trinken oder auch mal FIFA Abende vor der PS4 sind drin.

Unterricht
Dienst haben wir von 7:00 Uhr bis 16:30 Uhr mit Mittagspause. Es läuft schon sehr ähnlich wie in der Schule ab, der Lehrer, entweder Polizeibeamter oder Fachoberlehrer unterrichtet dann sein Fach. Ich rate es allen von Anfang an am Stoff dran zubleiben, denn es ist schwierig den Stoff wieder nachzuholen, da man immer wieder mit neuen Gesetzen und Paragraphen konfrontiert wird.
Im Dezember 2016 haben wir unserer ersten Klausuren geschrieben, spätestens als da einige unterm Strich geschrieben hatten wussten sie, dass sie mehr machen mussten. Nebenher wird auch viel Sport gemacht, da man auch dort Mindestleistungen erfüllen muss, um die Ausbildung zu schaffen.
Doch auch hier rate ich jedem, in seiner Freizeit laufen zu gehen, denn es sind sehr viele beim Coopertest durchgefallen, bei uns knapp die Hälfte.
Man muss von 4 Sportdisziplinen 3 übern Strich erfüllen und insgesamt auf 20 Punkte kommen; dies haben bei uns nicht alle hinbekommen!
Wir werden in 12 Fächern benotet, darunter sind die 4 Hauptfächer "Einsatzrecht/Verkehrsrecht, Kriminalistik, Staats-Verfassungsrecht, Einsatzlehre/Verkehrslehre". Auch Fächer wie Deutsch oder Englisch werden unterrichtet. In jeder dieser Fächer werden Klausuren geschrieben, die dann genau wie in der Schule benotet werden mit Punkten von 0-15.

Des Weiteren folgen Abnahmen in Schießen und Situationstraining, welche man beide meistern muss, um zum einen die Dienstwaffe tragen zu dürfen und zum anderen um in das 2.Dienstjahr gelassen zu werden. Zudem lernt ihr Techniken beim Einsatztraining, wie ihr euer polizeiliches Gegenüber mit einfacher körperlicher Gewalt zu fassen bekommt oder auch einfach zur Eigensicherung.
Auch hier müsst ihr am Ende des 1.Dienstjahres eine Prüfung ablegen. Alle Prüfungen sei es theoretischer oder praktischer Art sind mit Übung machbar. In erste Linie ist all das was ihr lernt wichtig für das spätere Leben im Polizeialltag, doch nun mal auch für die Zwischenprüfung die ihr am Ende des 1.Dienstjahres in den 4 Hauptfächern schreibt, um die Ausbildung fortsetzen zu können. Solltet ihr die Zwischenprüfung beim zweiten mal nicht bestehen, seid ihr raus und man muss dazu sagen, dass dies auch jedes Jahr der Fall ist, dass einige nicht bestehen.

Ich schreibe in 2 Wochen meine schriftlichen Zwischenprüfungen und werde im 2.Dienstjahr dann in Blumberg (bei Berlin) anfangen und freue mich schon auf meine praktische Zeit. Ich persönlich habe alle Klausuren sehr gut geschrieben und bin in keiner durchgefallen. Setzt euch einfach früh genug ran und passt im Unterricht auf, dann habt ihr den Stress nicht erst kurz vor den Klausuren bzw. der Zwischenprüfung.
Euch muss auch klar sein, dass ihr bei der Bundespolizei sehr viel durch Deutschland reist und nach der Ausbildung auch die meisten zum Flughafen kommen werden. Ich persönlich finde dies gut, damit man dort erst einmal Erfahrung sammeln kann und anschließend steht einem die volle Bandbreite der Verwendungsmöglichkeiten bei der Bundespolizei zur Verfügung. Man muss nur sehr hart kämpfen für sein Ziel, wurde uns gesagt.

So mehr ist mir auch spontan nicht eingefallen, ich weiß ich habe mich kurz gehalten, dennoch hoffe ich, dass ich euch einen kleinen Einblick geben konnte. Vieles hatte auch schon der supporter in dem oben verlinkten Erfahrungsbericht geschrieben und ich wollte nicht nochmal alles wiederholen.
Bei Fragen stehe ich euch jederzeit zur Verfügung.

Gruß
DerGeisti
Bundespolizei EJ2016
1.Dj. Eschwege
2.Dj. Blumberg

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