Probezeitbeamter und Depressionen

Informationen zur Einstellung und Ausbildung des Zolls

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Officer André
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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon Officer André » Sa 13. Jan 2018, 17:43

Skorpion69 hat geschrieben:
@ alle: Es ist offen, ob es sich hier um eine Dame oder einen Herrn handelt. Insofern bitte keine Mutmaßungen anstellen... ]
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vanymo
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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon vanymo » Sa 13. Jan 2018, 18:01

Skorpion69 hat geschrieben:
Sa 13. Jan 2018, 16:45
Das ist Unsinn. Niemand muss die Art der Erkrankung irgendjemandem bekannt machen - außer dem Amtsarzt. Und selbst da nur auf Nachfrage.
Der Ernennung auf Lebenszeit steht eine Erkrankung ebenfalls nicht im Weg, außer es besteht der Verdacht, dass jemand tatsächlich vorzeitig dauerhaft dienstunfähig ist/wird - und da gilt grundsätzlich die erwähnte 6-Monats-Frist (es gibt bei Probezeitbeamten gewisse "Ausnahmen", aber die sind hier nicht ersichtlich).
Zum Unsinn:
Wenn sich die Verbeamtung auf Lebenszeit beim Zoll nach dem BBG richtet, ist § 11 BBG maßgeblich. Danach darf keine Ernennung erfolgen, wenn man sich nicht in vollem Umfang bewährt hat (einschließlich gesundheitlicher Eignung). Für den anzulegenden Maßstab lies bitte selber § 11 Abs. 1 Satz 2 BBG. Für die Kriterien, wann jemand gesundheitlich geeignet ist, oder nicht, empfehle ich das diesbezügliche Grundsatzurteil des BVerwG.

Wo du recht hast, ist, dass nur die Erkrankung beim Amtsarzt angegeben werden müssen, nach denen gefragt wird. Mir ist abr kein einziger Fall bekannt, in dem der Amtsarzt bei der Untersuchung zur Verbeamtung auf Lebenszeit nicht explizit nach Erkrankungen in der Probezeit gefragt hätte.

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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon Skorpion69 » Sa 13. Jan 2018, 18:25

vanymo hat geschrieben:
Sa 13. Jan 2018, 18:01
Skorpion69 hat geschrieben:
Sa 13. Jan 2018, 16:45
Das ist Unsinn. Niemand muss die Art der Erkrankung irgendjemandem bekannt machen - außer dem Amtsarzt. Und selbst da nur auf Nachfrage.
Der Ernennung auf Lebenszeit steht eine Erkrankung ebenfalls nicht im Weg, außer es besteht der Verdacht, dass jemand tatsächlich vorzeitig dauerhaft dienstunfähig ist/wird - und da gilt grundsätzlich die erwähnte 6-Monats-Frist (es gibt bei Probezeitbeamten gewisse "Ausnahmen", aber die sind hier nicht ersichtlich).
Zum Unsinn:
Wenn sich die Verbeamtung auf Lebenszeit beim Zoll nach dem BBG richtet, ist § 11 BBG maßgeblich. Danach darf keine Ernennung erfolgen, wenn man sich nicht in vollem Umfang bewährt hat (einschließlich gesundheitlicher Eignung). Für den anzulegenden Maßstab lies bitte selber § 11 Abs. 1 Satz 2 BBG. Für die Kriterien, wann jemand gesundheitlich geeignet ist, oder nicht, empfehle ich das diesbezügliche Grundsatzurteil des BVerwG.

Wo du recht hast, ist, dass nur die Erkrankung beim Amtsarzt angegeben werden müssen, nach denen gefragt wird. Mir ist abr kein einziger Fall bekannt, in dem der Amtsarzt bei der Untersuchung zur Verbeamtung auf Lebenszeit nicht explizit nach Erkrankungen in der Probezeit gefragt hätte.
Danke, aber die Rechtslage einschl. Urteil ist mir durchaus bekannt (der "Unsinn" bezog sich ausschließlich auf die "arglistige Täuschung").
Zum jetzigen Zeitpunkt steht für den Kollegen aber keine amtsärztliche Untersuchung um Raum. Regelmäßig gibt es in der Zollverwaltung keine amtsärztliche Untersuchung in Hinblick auf eine Lebenszeitverbeamtung. Vielmehr wird eine amtsärztliche Untersuchung nur dann angeordnet, wenn eine Dienstunfähigkeit von mehr als 6 Monaten besteht oder absehbar bestehen wird. Das ist hier aber nicht ersichtlich. Eine Untersuchung könnte auch in Hinblick auf die Vollzugsdiensttauglichkeit erfolgen, da der Kollege aber kein Waffenträger ist, besteht dafür kein Anlass.
Auch ist nicht ersichtlich, dass der Kollege sich (fachlich) nicht bewährt haben wird. Schlimmstenfalls wird dann, wenn aufgrund längerer Dienstunfähigkeit eine fachliche Beurteilung nicht möglich sein sollte, die Probezeit zunächst verlängert, die Verbeamtung auf Lebenszeit also aufgeschoben.

Nochmals die Bitte: macht dem Kollegen nicht unnötig Angst. Die Polizeien der Länder und des Bundes gehen mit solchen und anderen Erkrankungen aus guten Gründen anders um als die Zollverwaltung.
Zum jetzigen Zeitpunkt sehe ich keine Gefährdung des Berufs oder der Lebenszeitverbeamtung, sondern höchstens (vorübergehende) Verwendungseinschränkungen innerhalb der Verwaltung.

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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon vanymo » Sa 13. Jan 2018, 18:36

Die Besonderheit mit der amtsärztlichen Untersuchung beim Zoll war mir nicht bekannt. Sorry.

Ich wollte auch keine Angst schüren, sondern nur zur Vorsicht raten, dass man sich nicht unbedachterweise eine Depression bescheinigen lässt und dann möglicherweise Probleme deswegen auftauchen.

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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon Cologne » Sa 13. Jan 2018, 22:40

nuuk hat geschrieben:
Sa 13. Jan 2018, 12:00
Hallo liebe Kollegen,

..... Ich brauche Hilfe.

...Kann mir jemand helfen?
Auf deiner Dienststelle/im HZA sollte es Kolleginnen oder Kollegen vom "NETZ" geben. Die können erste Kontakte herstellen und unterliegen gleichfalls der Schweigepflicht wenn du dich ihnen anvertraust.
LG

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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon Kulinka » Mo 15. Jan 2018, 13:35

Hallo Nuuk,

zu dienstrechtlichen Themen kann ich Dir als Zivilist nichts sagen, möchte mich aber unbedingt den Ratschlägen an Dich hier anschließen, schnell zum Arzt/zur Ärztin zu gehen, wobei ich diese Empfehlung sehr ausdrücklich eben in Richtung Arzt spezifizieren möchte (Facharzt für Psychiatrie, viele psychiatrische Praxen haben Notfallsprechzeiten/eine Notfallambulanz zu festen Zeiten, und ja: Du bist ein Notfall und wirst volles Verständnis für Dein Erscheinen zu dieser Gelegenheit erleben). Ein rein therapeutisch ausgebildeter Mensch (etwa Psychotherapeut etc.) kann Dir nur evtl. helfen, ein Facharzt kann das ganz sicher (und die zusätzlichen psychotherapeutischen Befähigungen bringt er noch obendrauf mit, wenn es um die Planung eines Therapieansatzes geht), und er kann zudem eine korrekte Diagnose stellen. Ich persönlich würde mir einen Arzt/eine Ärztin unter 50 Lebensjahren aussuchen, wenn es in Deinem Umfeld mehrere Angebote gibt.

Wie bei allen schweren Erkrankungen bringt der Besuch beim Arzt auch bei der Depression zunächst eine große Erleichterung mit sich, wird einem doch - endlich - geholfen. Natürlich ist damit nicht alles ausgestanden, aber man ist in kompetenter Behandlung. Und das ist für einen Menschen mit einer schweren Erkrankung immer das Beste!

Alles Gute und viele Grüße
Kulinka

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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon frodo_beutlin » Mo 15. Jan 2018, 15:13

Vor einer (Selbst)-Diagnose Depression durch den Besuch irgendwelcher Internetseiten sollte aber der Besuch eines Arztes stehen. Die geschilderten Symptome könnten nämlich durchaus auch andere (körperliche) Ursachen haben - zum Beispiel Fehlfunktionen der Schilddrüse - das sollte man doch erstmal abklären lassen ...

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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon Kulinka » Mo 15. Jan 2018, 15:59

Hallo frodo_beutlin,

ja, das checkt natürlich der geeignete Facharzt immer ab, ob evtl. körperliche Fehlfunktionen ursächlich sind. Aber wenn man einen guten Hausarzt hat, bei dem man langjährig in Behandlung ist, wäre mein erster Weg auch immer zuerst der zu dem :zustimm:

Viele Grüße
Kulinka

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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon nuuk » Mi 17. Jan 2018, 11:40

Ich danke euch sehr für die vielen Ratschläge. Es tut gut, ernstgenommen zu werden.

Meine fachlichen Probezeitbeurteilungen sind bisher durchweg gut. Es ist vielleicht noch erwähnenswert, dass meine Probezeit nur noch 6 Monate andauert. Aber ich weiß nicht, ob ich noch solange warten sollte mit dem Arztbesuch.

Ich wünsche mir einfach jeden Tag, dass ich aufstehe und alles wieder so ist wie vorher. Aber so ist es nicht.

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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon Skorpion69 » Mi 17. Jan 2018, 17:44

Warte nicht!
Bei einem Beinbruch oder Magenschmerzen würdest Du auch nicht warten, warum also in dieser Situation?!
Ob Probezeit oder nicht - Du hast eine Pflicht zur Gesunderhaltung, der Dienstherr eine Fürsorgepflicht. Und nur der Arzt kann feststellen, ob Du tatsächlich eine Depression hast und ob diese ggf. organische Ursachen hat. Und er wird Dir auch sagen können, in welchem Umfang Du derzeit dienstfähig bist. So mancher ist dank Medikamenten und Therapie schon nach zwei, drei Monaten wieder auf einem guten Weg und voll dienstfähig.
Und selbst, wenn Du länger dienstunfähig sein solltest, wird höchstens (wenn überhaupt) die Probezeit verlängert, um die "versäumte" Zeit nachzuholen (was eher ungewöhnlich ist).
Sprich auch mit einem sozialen Ansprechpartner (bei vielen Hauptzollämtern inzwischen vorhanden) oder der Schwerbehindertenvertretung, wenn Du Sorgen oder gar Angst vor dienstlichen Folgen haben solltest. Man wird Dich auch dort beruhigen und unterstützen.

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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon Officer André » Mi 17. Jan 2018, 18:06

Es ist noch nicht mal gesagt, dass Nuuk länger ausfällt.
Vllt. nur eine kleine Auszeit von zwei Wochen. Es gibt viele Medikamente zur Behandlung einer Depression. Auch ganz „Sanfte“. Eventuelle Einnahme von Medikamenten oder weiteren Schritten, wird dann alles mit dem Arzt geklärt. Das ist ganz individuell.
Ich würde mal umgehend zum Arzt gehen.
Du musst dir danach nicht gleich ganz harte Pillen reinpfeifen.
Erstmal ab zum Arzt. Das wird alles.
Eine Depression ist kein Weltuntergang.

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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon frodo_beutlin » Do 18. Jan 2018, 06:28

Officer André hat geschrieben:
Mi 17. Jan 2018, 18:06
Es ist noch nicht mal gesagt, dass Nuuk länger ausfällt.
Vllt. nur eine kleine Auszeit von zwei Wochen. Es gibt viele Medikamente zur Behandlung einer Depression. Auch ganz „Sanfte“. Eventuelle Einnahme von Medikamenten oder weiteren Schritten, wird dann alles mit dem Arzt geklärt. Das ist ganz individuell.
Ich würde mal umgehend zum Arzt gehen.
Du musst dir danach nicht gleich ganz harte Pillen reinpfeifen.
Erstmal ab zum Arzt. Das wird alles.
Eine Depression ist kein Weltuntergang.
es ist auch noch nicht einmal gesagt, dass es tatsächlich eine Depression ist ...

FS sollte sofort zum Arzt gehen und das Abklären lassen ... dann weiß man wenigstens was es ist und kann gegensteuern ...

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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon henrymuc » Di 30. Jan 2018, 15:18

Hallo Nuuk,

erst einmal vielen Dank das du so offen über deine Situation und dein Anliegen berichtest.

Über die beamtenrechtlichen Aspekte kann ich leider nichts berichten, da ich bei der Sicherheitswacht bin. Ich habe allerdings langjährige Erfahrungen mit Depressionen gesammelt.

Ich finde das du bereits den wichtigsten Schritt gegangen bist, und dir selbst eingestanden hast das du eventuell erkrankt bist. Wichtig wäre es jetzt eine gesicherte Diagnose zu erhalten. Das sollte durch einen Psychiater oder einen Psychotherapeuten erfolgen. Wobei die Abklärung von eventuellen organischen Erkrankungen und die medikamentöse Behandlung nur durch einen Mediziner stattfinden kann. Das kann durchaus auch ambulant stattfinden. Ansprechpartner sind niedergelassene Ärzte und Therapeuten oder auch Institutsambulanzen. Solltest du dich in einer akuten Krise befinden, wende dich bitte umgehend an einen Krisendienst. Vor allem dann wenn du Gedanken an Suizid hegst.

Je nach Schwere der Erkrankung empfiehlt die Leitlinie verschiedene Vorgehensweisen. Siehe:

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http://www.patienten-information.de/patientenleitlinien/patientenleitlinien-nvl/html/depression
Weitere Informationen:

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https://www.deutsche-depressionshilfe.de/start

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https://www.deutsche-depressionshilfe.de/depression-infos-und-hilfe/wo-finde-ich-hilfe/krisendienste-und-beratungsstellen
Ich wünsche dir gute Besserung!

Wenn du noch Fragen hast, kannst du mir gerne eine PN schicken.

VG
Es kommt nicht darauf an, die Zukunft vorauszusagen, sondern darauf, auf die Zukunft vorbereitet zu sein.

Perikles

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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon Mercatix » Mi 6. Jun 2018, 11:04

Aus eigener Erfahrung kann ich (leider) nur von einem allzu offenen Umgang mit Depressionen abraten, da man sich damit leicht die erträumte Karriere verbaut und einen lebenslangen (Psycho-)Stempel aufgedrückt bekommt. Bitte auch nicht vergessen, dass die wenigsten Amtsärzte ausgewiesene Fachleute für psychische Erkrankungen sind!

Ich war Polizeibeamter mit Leidenschaft (in einem Bundesland) und habe in der Probezeit leichtsinnigerweise freiwillig meine Waffe abgegeben. Die Konsequenz war, dass ich in den Innendienst wechseln musste. Als es mir wieder besser ging, habe ich den Antrag gestellt, wieder zurück in den Wechsel- und Schichtdienst zurückzukehren. Die Konsequenz war, dass meine zwischenzeitliche Stabilisierung niemanden interessiert hat, weder Vorgesetzte noch den zuständigen Polizeiarzt. Meinem behandelnden Therapeuten, der eine positive Diagnose und Prognose gestellt hat, wurde sogar unterstellt, ein Gefälligkeitsgutachten erstattet zu haben ...

Der Frust und innere Leidensdruck nach meinem "Outing" waren das gute Gewissen, damals brav alle Dienstvorschriften befolgt zu haben, bei weitem nicht wert. Ich kenne genügend Kolleg/innen, die bei ihrer Einstellungs- bzw. Lebzeituntersuchung geschummelt haben und damit durchgekommen sind (kann ja nur die Spitze des Eisbergs sein). Der Ehrliche ist halt der Dumme.

Das Ergebnis ist übrigens, dass ich jetzt gekündigt habe.

HawkeyePierce
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Re: Probezeitbeamter und Depressionen

Beitragvon HawkeyePierce » Do 7. Jun 2018, 01:25

Hey,

zunächst ein wenig Zuspruch und ein paar Fakten. Depressionen gelten generell als gut behandelbare Krankheit. Leider quasi *Volkskrankheit* (laut WHO 2017 ca. 4,1 Millionen Menschen in Deutschland). Es gibt viele Menschen, die nur eine depressive Episode in ihrem Leben durchmachen müssen. Die Rückfallquote ist natürlich groß, wenn die Ursachen nicht beseitigt wurden. Darum sollte man sich schon kümmern auf Anraten des Arztes.
Auch wenn man in der Gesellschaft schnell den *Psycho-Stempel* aufgedrückt bekommt und man Sätze hört wie "Du musst dich nur zusammen reißen", sollte man sich selbst vor Augen halten, dass Depressionen durch einen Serotonin-Mangel im Gehirn verursacht werden.
Parkinson wird durch einen Dopamin-Mangel im Gehirn ausgelöst und diese Patienten können sich auch nicht "zusammen reißen". Beides Botenstoffe, die zu knapp ausfallen. Und bei ihrem Fehlen fiese Symptome und Einschränkungen machen.

Generell gilt bei depressiven Verstimmungen: In kleinen Schritten denken. Ich schließe mich meinen Vorrednern an: Der erste Weg geht zum Arzt. Alles weitere kommt danach. Am besten ist hier der Neurologe/Psychiater. Der muss deine Symptome einschätzen und den Therapieplan erstellen.
Die Wartelisten bei Psychiatern sind oft lang (teilweise bis zu 6 Monaten). Kleiner Tipp: Beim Gesundheitsamt anrufen nach verfügbaren Ärzten. Dann bekommt man innerhalb von 4 Wochen einen Termin. Leider nicht beim Arzt seiner Wahl, aber das sollte zweitrangig bleiben in der Akut-Phase. Je schneller behandelt, desto besser.

Medikamente sind nur ein Teil der Behandlung und sind kein Muss. Es gibt durchaus Patienten, die von einer Therapie besser profitieren als von Medikamenten. Meistens geht es einem nach 2-3 Therapiestunden schon wesentlich besser.
Bei sehr schweren Depressionen sind Medikamente häufig sinnvoll, um den Patienten überhaupt erst *therapiefähig* zu machen. Aber in der Regel dürfen sie nie alleiniger Teil der Therapie sein.
Eine Depression hat immer einen psycho-sozialen Grund (auf deutsch: Was stimmt in meinem Leben nicht?). Ist dieser Grund nicht beseitigt, kann es zu Rückfällen kommen (90%). Wenn der Arzt eine Tagesklinik oder Verhaltenstherapie vorschlägt, hab auch den Arsch in der Hose sie wahrzunehmen. Du wirst davon mehr profitieren als von Medikamenten.

(Und persönliche Anmerkung als Arzt: *Harte* und *sanfte* psychiatrische Medikamente gibt es nicht mehr. *Harte* Medikamente waren beispielsweise alte Psychopharmaka, die fette Nebenwirkungen gemacht haben wie beispielsweise Lithium gegen Psychosen. Diese Medikamente sind größtenteils vom Markt und werden nur noch bei Patienten verwendet, die sie seit Jahrzehnten gewöhnt sind.)

Ob du offensiv mit deiner psychischen Erkrankung umgehst, bleibt dir ganz alleine überlassen. Deinen Arbeitgeber hat es nicht zu interessieren womit du krank bist oder therapiert wirst. Eventuell wird der Psychiater eine Krankschreibung ausstellen, auf der sein Stempel steht. Auch da gibt es die Möglichkeit sich stattdessen beim Hausarzt krank schreiben zu lassen. Das Problem kennen Psychiater und sind deswegen nicht beleidigt.
Die Kunst der Medizin besteht darin, den Kranken solange bei Stimmung zu halten, bis die Natur die Krankheit geheilt hat. - Voltaire


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