Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Hier könnt Ihr Vor-und Nachteile von Ausrüstung diskutieren, Neuanschaffungen ankündigen oder Verbesserungsvorschläge einbringen

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Challenger
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Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon Challenger » So 19. Apr 2015, 21:53

Da es ein viel zu interessantes Thema ist, als daß es undiskutiert bleiben sollte, hier der Folgethread zu einer angestoßenen Diskussion: Sollten die Vorschriften zur Trageform der Uniform eingehalten werden oder ist es legitim privat beschaffte Bekleidungsteile zu tragen?

Die Initialbeiträge dazu aus dem Thread Kleiderordnung Polizei BW:
CMW hat geschrieben:Gerade für Hessen muss ich mal eine Lanze für die Azubis brechen. Sie sehen es größtenteils nicht anders. Das geht im 3-Tages-Praktikum los und spätestens im 8 Wochen Praktikum ist es mit den Vorsätzen dahin.
Und dann würde ich mich auch fragen, mit welchem Recht wird da so ein Trara gemacht während die meisten Beamten auf den Revieren dagegen verstoßen.

Das geht mit der simplen Strickjacke unter der Schutzweste los, geht mit diversen Aufnähern (Patches) an den Schutzwesten weiter, Langarmhemd und Schutzweste etc. und gipfelt dann in privaten Jacken und Hosen.

Und das mit Recht. Die Kleidungsvorschriften sind von Stubenhockern und Goldsternen gemacht, die jeglichen Bezug zu den Leuten verloren haben, die die Uniformen tagtäglich tragen. Ich will es weder rechtfertigen noch kleinreden, aber solange die Uniform nicht wirklich funktionell wird und man sie als wirkliche Arbeitskleidung ansehen kann, wird es Kollegen geben, die improvisieren. Genauso wie ich.

Und manche Verstöße gegen die Kleiderordnung sind mittlerweile so "salonfähig", dass sie offiziell geduldet werden. (Strickjacke und z.B. Wappen auf der Schutzweste(so auch nicht vorgesehen in der Kleiderordnung))
springer hat geschrieben:Wenn für eine so große Gruppe wie eine Landespolizei Uniformen gekauft werden, dann wird immer jemand meckern - insofern ist das Gejammere ganz normal.

Kann man die Uniform verbessern - ja. Kann man gut mit ihr Leben / Arbeiten? Auf jeden Fall. Ich komme mit der Uniform gut klar, auch mit den Tragevorschriften, und ich trage sie seit es sie gibt. Es gibt keine Notwendigkeit, da mit privaten Klamotten rumzurennen. Es gibt eine deutliche Verbesserung zur alten Uniform.

Sollte ich wieder einmal Bärenführer sein, dann hält sich mein Praktikant an die Vorschriften, und darüber werde ich mit ihm nicht diskutieren. Im Grundlagentraining ist es genauso. Und auch bei sämtlichen DGLs, die ich bisher erlebt habe.

Mir geht dieses Geheule sowas von auf die Nerven ...

edit:
bezieht sich bei mir auf Hessen
CMW hat geschrieben:Wenn eine größere Gruppe "heult", sprich selbstständig und bewusst sich über (interne) Vorschriften hinwegsetzt sollte man offen in beide Richtungen sein und denken. Das als "Heulen" oder "Möchtergerns" hinzustellen ist da wenig bis gar nicht hilfreich. Natürlich ist es kritisch, wenn Kollegen herumlaufen bei denen kein Kleidungsstück Teil der Uniform ist, zum anderen sollte man mal die Wirksamkeit und Tauglichkeit der Verordnung überprüfen wenn dem so ist. Denn scheinbar ist die Notwendigkeit dar.

Zumal das Argument "Alte Uniform" nach 8 Jahren Austausch und dementsprechend über 3000 neuen Kollegen hinfällig ist.

Ich für meinen Teil bin froh, dass über die DGL bis hin zum Dst-L. eben kein Wert auf die korrekte Anwendung der Kleidungsvorschrift gelegt wird, sondern im Rahmen das geduldet wird, was die Kollegen fit und gesund hält.

//Ansonsten sollte man das Thema vielleicht in einem anderen Thread oder an anderer Stelle fortführen.
springer hat geschrieben:Ja, wäre mal interessant zu wissen, wie es vor Gericht ausgeht, wenn ein Polizist, der eigentlich Uniform tragen müsste, nur Privatklamotten an hat und ein Bürger die Klamotten als Uniform nicht anerkennt oder zB von einem falschen Polizeibeamten ausgeht und es eskaliert.

Und gerade bei dem "falschen Polizeibeamten" seh ich da ein ordentliches Problem für den Kollegen. Egal ob er sich nachher ausweist oder nicht.
Zu dem Einwand von Springer kann ich auf jeden Fall beitragen, daß es vor Gericht nach Widerständen teilweise minutiös erörtert wird, wenn es um das Thema der Erkennbarkeit der einschreitenden Beamten geht! Da wird vom Verteidiger nämlich gerne auch mal behauptet, sein Mandant hätte sich gar nicht gegen die polizeilichen Maßnahmen gewehrt, wenn er die Polizei als solche auch erkannt hätte... :!:

Auf der anderen Seite bin ich aber auch voll bei CMW, da sich die Tragevorschriften oft nicht mit der Praxis vereinbaren lassen bzw. die Kleidungsstücke nicht praxisgerecht konstruiert sind. Leider ist die Behörde hier meist so dermaßen unflexibel, daß es dann eben zu massenhaften Verstößen gegen die Kleidervorschriften kommt, man das von "oben" aber unsinnigerweise eher duldet, anstatt das Grundproblem in Angriff zu nehmen und Verbesserungen auf den Weg zu bringen.

Allgemeiner Fakt dürfte aber sein und bleiben: wenn sich jeder anzieht wie er will, dann haben wir keine Uniform mehr!
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Re: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon Brot » So 19. Apr 2015, 23:26

Also in BW sehe ich keinen Grund, private Kleidungsstücke (zumindest als Uniformteile) zu tragen. Wir haben noch nicht so lange eine blaue Uniform, die meiner Meinung nach gut für die Praxis ausgelegt ist und ich wüsste jetzt nicht, was ich dazu privat tragen sollte, um es zu optimieren.

Bzgl. Kleiderordnung kann ich mich auch an das Thema "Erscheinungsbild" erinnern. Meiner Meinung nach leidet das Erscheinungsbild, wenn jeder mit privaten Kleidungsstücken herumläuft bzw. die Uniform nicht korrekt getragen wird. Und es gibt Studien, dass die Gewaltbereitschaft gegen Kollegen mit einem schlechten Erscheinungsbild steigt. Das alles wurde allerdings schon hier diskutiert:
Gepflegten Polizisten droht weniger Gewalt

Mein Fazit:
Von mir aus können gerne private Dinge getragen werden, sofern man sie nicht sieht nach außen. Ich erwarte z.B. nicht, dass man nur dienstlich gelieferte Socken trägt. So lange die Socken dunkel sind und es sich nicht um weiße Tennissocken handelt, ist mir das egal. Weiterhin sollte das, was getragen wird bzw. vom Dienstherrn zur Verfügung gestellt wird, auch ordentlich getragen werden.

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Re: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon Holger73 » Mo 20. Apr 2015, 08:14

Hmm... aus meinem Bereich kann ich sagen, dass das Tragen von privat beschafften Kleidungsteilen abgenommen hat mit der Einführung der Strickjacke... auch für die operative Ebene.
Sicherlich ist die Uniform besser geworden in den letzten Jahren, sie wird ja auch sukzessive immer weiter verbessert und "gestylt"... die Softshelljacken der BPOL sehen schon "chic" aus.
Andererseits ist in vielen Bereichen immer noch massiv Luft nach oben und solange diese Mängel nicht abgestellt werden wird auch weiterhin private Ausrüstung getragen. Hierbei handelt es sich aber weniger um Kleidungsstücke die der Erkennbarkeit dienen sondern vielmehr um bequeme Schuhe mit sicheren Stand (auch auf nassen Fliesen), Handschuhe mit einer annehmbaren Mischung aus Tastgefühl und Schnitthemmung, verlängertem Handschellenschlüssel der sich auch OHNE Fummelei mit Handschuhen benutzen lässt, Keyholder... usw.
In meinen Augen lässt sich gegen die Masse davon auch nichts sagen, klein, unscheinbar aber eben zweckmäßig. Lediglich bei den Schuhen wird bei einem Unfall mit dem Dienstwagen gerne mal geschaut ob Regress möglich ist... Risiko des Fahrens dann.

btw. Ich selber habe in der kalten Jahreszeit von den niedersächsischen Kollegen das Outerjacket und bin damit hochauf zufrieden. :polizei1:
Im Gegensatz zu unserem Anorak (Länge bis Mitte Oberschenkel) komme ich mit der Jacke (kurzes Einschlagen noch nötig) bequem an mein Geraffel ohne durch irgendwelche Reißverschlüsse greifen zu müssen.
Statt Pferdchen ist der Adler jetzt auf dem Arm, beides blau mit silbernen Applikationen und Polizei steht auch bei beidem drauf... passt, wackelt hat Luft.
Für den müBü gibt es keinen Unterschied, nur der Polizist selber sieht einen.

Grüße
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Re: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon Inspektor_GER » Mo 20. Apr 2015, 08:29

Es wird nie möglich sein, eine Uniform zu finden, mit der alle zufriden sind. Die Lösung kann dann aber nicht sein, dass sich die Unzufriedenen ihre eigene "Uniform" schneidern und jeder eine andere Kleidung trägt. Das führt den Begriff der "Uniform" ad absurdum.

Gerade in Hessen ist zu beobachten, dass die Tragedisziplin in den letzten zehn bis 20 Jahren stark abgenommen hat. Es fing damit an, dass Mütze und Binder nicht getragen werden, ging damit weiter, dass auf ein einheitliches Erscheinungsbild im Streifenteam nicht mehr geachtet wird, dass Uniformteile unzulässig kombiniert werden und gipfelt nun darin, dass das Beschaffen und Tragen privater Uniformteile Hochkonjunktur hat.

Es wurde seitens der Vorgesetzten einfach versäumt, auf die Einhaltung der Regeln zu achten, sodass sich die Tragedisziplin schleichend aber kontinuierlich verschlechterte. Jetzt ist der Zug abgefahren.

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Re: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon SirJames » Mo 20. Apr 2015, 08:57

Moin,

für meinen Bereich kann ich sagen, dass privat beschaffte Kleidung (ausgenommen Schuhe/Stiefel; Taktische Hülle) nicht äußerlich sichtbar getragen wird.

Was man jedoch feststellen kann und da nehme ich mich persönlich nicht aus ist, dass die dienstlich gelieferten Sachen in sehr verschiedenen Kombinationen getragen werden, vor allem hinsichtlich der Oberbekleidung: Polohemd, Hemd kurz, Hemd lang, Einsatzhemd, Strickjacke, Fleecejacke, Softshelljacke, Lederjacke; jeweils mit Weste drunter oder drüber. Dann kommen noch verschiedene taktische Hüllen dazu, deren Aufmachung nicht geregelt ist.

Insgesamt ist die Dienstbekleidung inkl. Thermo-Unterwäsche funktionaler geworden, aber es gibt noch Luft nach oben. Ich persönlich trage privat beschaffte: Stiefel (dienstlich gelieferte Haix durchaus hochwertig aber zu klobig); Handschuhe, taktische Hülle (Batex), Quicklite, Handfesselschlüssel lang, Keyholder. Taktische Hülle aufgrund Bequemlichkeit bevorzugt über der Fleecejacke oder dem Einsatzhemd.

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Re: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon Challenger » Mo 20. Apr 2015, 10:48

Inspektor_GER hat geschrieben:Gerade in Hessen ist zu beobachten, dass die Tragedisziplin in den letzten zehn bis 20 Jahren stark abgenommen hat.
Was die blaue Uniform leider äußerst negativ unterstützt hat, da sich alleine schon die Auswahlmöglichkeiten von den dienstlich gelieferten Sachen stark erhöht haben (Einheitlichkeit adé...). Während man früher im Sommer allgemein mit dem Kurzarmhemd unterwegs war, gibt es jetzt noch das knitterige Polo und die Unart des Einsatzshirts unter der Schutzweste und auf der Weste mit Klett das Wappen. Das geht gar nicht! Und von diesem Punkt aus ist der Weg nun mal auch nicht mehr weit von selbstgestrickten Klamotten entfernt (einem dunkelblauen Polo- oder T-Shirt unter der Weste). :help:

In Hessen existiert zudem, wie bereits angedeutet, das Problem daß die Kleidung nicht dem Außendienst angepasst ist. Beispiel Strickjacke: Was soll dieses Teil in dieser Variante (draußen nur als Unterbekleidung erlaubt)? Dazu kommt jetzt noch eine Fleecejacke, bei der das Spiel offenbar ganz genauso läuft. Ersetzt die Fleecejacke jetzt eigentlich die Strickjacke? Laufen beide nebenher? Die Fleecejacke vielleicht nur zum Einsatzanzug?
Das Chaos wird absehbar wieder mal perfekt, weil letztlich jeder dann doch wieder (sogar mit dienstlich geliefertem Zeug, da sind Eigenkeationen noch nicht mal inklusive!) so rumläuft, wie es ihm genehm ist. Und eine genaue Reglementierung führt irgendwann auch ins Uferlose, weil wie lang soll die Dienstbekleidungsvorschrift denn noch werden? 100 Seiten?

Das braucht man in der Praxis so halt einfach nicht. :nein:
Inspektor_GER hat geschrieben:Es wurde seitens der Vorgesetzten einfach versäumt, auf die Einhaltung der Regeln zu achten, sodass sich die Tragedisziplin schleichend aber kontinuierlich verschlechterte.
Naja, das sehe ich nur bedingt so. Ein Vorgesetzter blickt irgendwann halt auch nicht mehr durch bzw. ihm gehen die Argumente bei den derzeit teilweise widersprüchlich bestehenden Regelungen aus. Hessisches Beispiel: Unterziehrolli unter Langarm-Poloshirt ist erlaubt, unter Langarmhemd nicht. Beides sieht scheiße aus, als ob man zu doof wäre sich anzuziehen. Jetzt hast du beide Varianten vor dir stehen und einem soll man es dann verbieten? Humbug!

Wie oben schon geschrieben: wir haben mittlerweile so viel und so unnutzes Zeug, da sollte man echt mal ausmisten. Das sind defintiv keine Anzeichen für eine moderne und funktionale Uniform. :nein:
Inspektor_GER hat geschrieben:Jetzt ist der Zug abgefahren.
Das sehe ich auf keinen Fall so! Ich stelle immer wieder fest, daß ich mich offenbar auf einem Wölkchen der Glückseligkeit befinde, da das auf meiner Dienststelle bzgl. eines ordentlichen Dienstanzuges grundsätzlich super läuft! Hier hat der Chef allerdings auch ein Auge drauf und delegiert die Aufsichtspflicht wiederum auch an die DGL, die es auch umsetzen. Es geht also. :!:
Daß es aber leider nur Insellösungen sind liegt daran, daß der Rückhalt aus den oberen Führungsetagen fehlt. Nicht nur was die Kontrolle angeht, sondern eben auch ganz speziell in dem Punkt, die Uniform an den Träger anzupassen und nicht umgekehrt.
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Re: AW: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon vladdi » Mo 20. Apr 2015, 11:14

Es kommt drauf an.... nur erkennen einige leider nicht die Grenzen.

Früher gab es dienstlich gelieferte Unterwäsche... naja, zum Glück sind die Zeiten eigentlich vorbei (wobei die BPOL gerade in den Medien das Thema 'Neue Bekleidungsdienstvorschrift' hat und dort soll weiße Unterwäsche vorgeschrieben sein)

In meiner Behörde gibt es noch dienstlich Socken. Ich trage die jedoch nicht (weiß ehrlich gesagt gar nicht wo die sind). Ich trage Funktionssocken. Jedoch sind die schwarz und fallen nicht auf. Mit Schrecken erinne ich mich an die Zeit als weiße Tennissocken Mode waren und zur Uniform getragen wurden; mit Recht gab es dann von den Vorgesetzten Mecker.

Es mag auch sinnig sein sich seine eigenen Stiefel / Halbschuhe zu beschaffen. Man trägt die den ganzen Tag, hat hohe Ansprüche an die Schuhe und die dienstlichen erfüllen die Ansprüche nicht vollumfänglich. Tatsächlich beweisen die meisten Polizisten beim privaten Schuhkauf auch das notwendige Geschick. Jedoch gibt es auch Polizisten, deren Schuhwahl ungünstig war und einer Korrektur bedarf.

Wenn dann muss es im Gesamtbild schon passend sein.

Dass sich zur Zeiten der senffarbenen Stoffhosen Jeans gekauft wurden, mag passend gewesen sein. Jetzt mit der blauen Uniform habe ich noch keinen mit dunkel blauer Jeans gesehen - ich bin mir jedoch sicher, dass das passieren wird. Ich weiß schon von Polizisten, denen die dienstliche Hose nicht gefällt, die sich eine Hose beim Ausrüster der Feuerwehr gekauft haben. Bei der senffarbenen Jeans hatte ich noch Verständnis, das mit der Feuerwehrhose finde ich unpassend.

Zu Zeiten der Ledergürtel und Lederholster wurden sich schon Funktionsgürtel und Sicherheitsholster beschafft. Auf der einen Seite nachvollziehbar, auf der anderen Seite sollte bei Waffen und Zubehör das dienstlich beschaffte verwendet werden.

So sehr ich Funktions-shirts beim Sport schätze, weiß ich auf der anderen Seite um deren Verhalten bei Zusammentreffen mit Feuer. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die meisten Schutzleute die Funktions-shirts anziehen darüber nicht nachgedacht haben.

Und damit komme ich zum Fazit: Nachdenken! Und bei der Ergänzung der Dienstkleidung Fingerspitzengefühl beweisen. Nicht alles macht Sinn und was der eine macht muss nicht automatisch bei dem anderen passen.

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Re: AW: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon Challenger » Mo 20. Apr 2015, 13:39

vladdi hat geschrieben:Wenn dann muss es im Gesamtbild schon passend sein.

Dass sich zur Zeiten der senffarbenen Stoffhosen Jeans gekauft wurden, mag passend gewesen sein. Jetzt mit der blauen Uniform habe ich noch keinen mit dunkel blauer Jeans gesehen - ich bin mir jedoch sicher, dass das passieren wird. Ich weiß schon von Polizisten, denen die dienstliche Hose nicht gefällt, die sich eine Hose beim Ausrüster der Feuerwehr gekauft haben. Bei der senffarbenen Jeans hatte ich noch Verständnis, das mit der Feuerwehrhose finde ich unpassend.
Zumindest in Hessen kann ich so eine Aktion eigentlich ganz gut verstehen: Die Streifendienthosen sind hier optisch 08/15 (einfach nur blau und kein Indiz oder Erkennungswert dafür vorhanden, daß es sich im eine Diensthose der Polizei handelt) und mies in der Qualität. Wenn man da mal schaut, daß selbst die freiwilligen Feuerwehren an ihrer Ausgehuniform stabilere und farbechtere Hosen namhafter Hersteller haben, ist es doch ehrlich gesagt kein Wunder und fällt zudem noch nicht einmal groß auf!
Die Bayern sind uns da mit ihren derzeitigen Überlegungen in Bezug auf ihre neue Uniform jedenfalls weit voraus.

In Hessen wurde jetzt zwar knapp 8 Jahre nach Einführung der blauen Uniform dann doch endlich mal der Schnitt der Streifendiensthose überarbeitet (u.a. außenliegende Beintaschen), aber Qualität und Optik sind immernoch grottig und einer Uniformhose unwürdig. Also dürfte sich auch in naher Zukunft nichts daran ändern, daß man hier und da Kollegen in selbst angeschafften Hosen sehen wird. Und aus gegebenem Anlass ist das für mich mit selbst angeschafften Schuhen vergleichbar, da selbst 5 nebeneinanderstehende Kollegen in der dienstlichen Streifendiensthose oft einfach auch mit fünf verschiedenen Farben glänzen können (von verschiedenen Blautönen bis hin zu leicht lila). :help:

Hier wäre dann halt das Land gefragt. Die Verantwortlichen steuern dem aber nicht entgegen, weil man offensichtlich meint, sie hätten ja schon das beste Zeug angeschafft. Traurig aber wahr: die meisten Probleme sind und bleiben einfach hausgemacht.
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Re: AW: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon zulu » Mo 20. Apr 2015, 14:22

vladdi hat geschrieben: So sehr ich Funktions-shirts beim Sport schätze, weiß ich auf der anderen Seite um deren Verhalten bei Zusammentreffen mit Feuer. Ich bin mir auch ziemlich sicher, dass die meisten Schutzleute die Funktions-shirts anziehen darüber nicht nachgedacht haben.
Abgesehen von der Einsatzoberbekleidung ist bei unserer Uniform kein einziges Teil flammhemmend (BW). Warum sollte ich also dann auf das Funktionsshirt verzichten? Wohl wissend um die Gefahren. Mit dem tropfnassen Shirt-Lappen aus Baumwolle verhindere ich im Sommer nicht, dass der Rest den ich trage abbrennt. Die Gefahr auf Streife dann durch eine IED einer Explosion ausgesetzt zu sein, die mir mit großer Hitze das Shirt auf die Haut schmilzt sehe ich derweil noch nicht.

Im Einsatz trage ich es nicht, da schützt mich aber auch der Rest der Uniform.

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Re: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon tyrant » Mo 20. Apr 2015, 15:40

SirJames hat geschrieben:Moin,

für meinen Bereich kann ich sagen, dass privat beschaffte Kleidung (ausgenommen Schuhe/Stiefel; Taktische Hülle) nicht äußerlich sichtbar getragen wird.
Wie ich das verstanden habe, ist dein Bereich Kreuzberg. Sorry, aber viele der Beamten da sehen aus wie bei Hempel unterm Sofa. Das fängt damit an, dass ich in diesem Bereich NIEMALS auch nur eine Kopfbedeckung (Ausnahme: Helm) gesehen habe. Ich hatte dort mit Polizisten zu tun, die keine Dienstgradabzeichen trugen. Auch Hosen wurden andere getragen. Häufig sind mir Unterziehschutzwesten aufgefallen, die über der Kleidung getragen wurden. Alternativ auch Plate-Carrier billigster Machart. Handschuhe scheinen auch nie dienstlich geliefert zu werden.

Soweit ich mich erinnere wurden auch keine Lederjacken mehr ausgegeben. Sieht man trotzdem hin und wieder:

http://www.tagesspiegel.de/images/gorli ... rmat43.JPG
Ich bin KEIN PVB!

An allem Unrecht, das geschieht,
ist nicht nur der Schuld, der es begeht, sondern auch der,
der es nicht verhindert.

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Re: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon SirJames » Mo 20. Apr 2015, 16:27

tyrant hat geschrieben:
SirJames hat geschrieben:Moin,

für meinen Bereich kann ich sagen, dass privat beschaffte Kleidung (ausgenommen Schuhe/Stiefel; Taktische Hülle) nicht äußerlich sichtbar getragen wird.
Wie ich das verstanden habe, ist dein Bereich Kreuzberg. Sorry, aber viele der Beamten da sehen aus wie bei Hempel unterm Sofa. Das fängt damit an, dass ich in diesem Bereich NIEMALS auch nur eine Kopfbedeckung (Ausnahme: Helm) gesehen habe. Ich hatte dort mit Polizisten zu tun, die keine Dienstgradabzeichen trugen. Auch Hosen wurden andere getragen. Häufig sind mir Unterziehschutzwesten aufgefallen, die über der Kleidung getragen wurden. Alternativ auch Plate-Carrier billigster Machart. Handschuhe scheinen auch nie dienstlich geliefert zu werden.

Soweit ich mich erinnere wurden auch keine Lederjacken mehr ausgegeben. Sieht man trotzdem hin und wieder:

http://www.tagesspiegel.de/images/gorli ... rmat43.JPG
Moin,

die Kopfbedeckung wirst Du auch in keinem anderen Bereich entdecken, Ausnahmen bestätigen natürlich die Regel. Die Diskussion über die Außenwirkung fehlender Kopfbedeckung habe ich in meinem Dienstleben seltenst führen müssen, wenn dann im Rahmen geschlossener Einsätze. Hierbei war die Zielrichtung vermutlich weniger die Außenwirkung als solche, sondern mehr der Versuch mir auf den Nerv zu gehen. Ich persönlich halte die Dienstmütze außerhalb besonderer Anlässe und VP Maßnahmen für unnütz, hinderlich und unkomfortabel.

Fehlende Dienstgradabzeichen kommen zugegebenermaßen vor, insbesondere dann, wenn die tatsächlich sehr beliebte Fleecejacke getragen wird und an der meißt darüber getragenen Weste kein Dienstgradabzeichen angebracht ist. Ist aber nicht die Regel.

Dass Unterziehwesten drüber getragen werden, ist inzwischen eher die Regel denn die Ausnahme und wird seitens der Behörde geduldet. Es werden behördlich auch ausschließlich schwarze Hüllen beschaft.

Die dienstlich gelieferten Handschuhe sind schlicht für Durchsuchungen oder Tätigkeiten bei denen Gefühl gefragt ist ungeeignet. Mehr will ich dazu nicht schreiben, sonst rege ich mich künstlich auf. Ich denke der Bürger hätte Verständnis, dass wir uns selbst welche kaufen. In dem Zusammenhang wundert es mich natürlich, dass Du dienstlich gelieferte und privat beschaffte Handschuhe unterscheiden kannst bzw. welche Problematik daraus für dich resultiert?

Die Lederjacke sehe ich nur noch äußerst selten. Hierbei dürfte es sich um 'Altbestände' einzelner Kollegen handeln. Da diese lange Zeit auch behördlich angeschafft wurde, kann ich auch hier kein Problem erkennen.

Gruß
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Re: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon tyrant » Mo 20. Apr 2015, 17:19

Hi James,

es geht mir hier nur um die Aussage, dass privat Beschafftes nicht öffentlich getragen wird. Problematiken ergeben sich daraus für mich nicht, wohl aber mit Sicherheit für den Beamten, kann mir aber wurscht sein.

Der Sinn der Uniform ist doch, dass jeder Uniformträger gleich aussieht. Wenn nun Hinz und Kunz die Ausrüstung so verfälschen, dass das eben nicht mehr gegeben ist, dann ist der Zweck der Uniform, vor allem im Bezug auf die Erkennbarkeit, ad absurdum geführt. Gleiches gilt bei der dienstlich gelieferten Kopfbedeckung. Ob die nun stört oder hässlich ist ist erstmal vollkommen egal. Sie trägt dazu bei, dass du als Polizist erkannt wirst.

Die Uniformen sind ziviler geworden. Man erkennt Polizisten in ihrer blauen Bekleidung so teilweise schon nicht mehr. Trag die Softshell, keine Mütze und du siehst je nach Perspektive aus wie ein normaler Bürger oder der nächstbeste Sicherheitsmitarbeiter.

Bei Ausrüstung sag ich da nix, da muss jeder das nehmen, womit er am besten klar kommt. Bei Bekleidung hingegen sollte jeder das tragen, was geliefert wird, auch wenns nicht schön ist oder der Komfort leidet.
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ist nicht nur der Schuld, der es begeht, sondern auch der,
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Re: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon malfragen » Mo 20. Apr 2015, 17:27

Der meinung bin ich auch.
Die aussen sichtbaren Uniformteile sollten bei allen gleich sein.
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Re: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon Diag » Mo 20. Apr 2015, 17:31

Und genau das ist schwer bei der Vielfalt der Kombinationen...

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Re: Einhaltung der Kleiderordnung bei der Polizei

Beitragvon Controller » Mo 20. Apr 2015, 17:38

Mir würde es reichen, wenn nach außen hin die eindeutige Erkennbarkeit zum Verein gegeben ist :gruebel:
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)


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