NRW schafft 10.000 neue Schutzwesten für Polizisten an

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ChrisC
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Re: NRW schafft 10.000 neue Schutzwesten für Polizisten an

Beitragvon ChrisC » Sa 27. Aug 2016, 03:32

Da wäre es doch interessant zu wissen unter welchen Bedingungen der Beschuß mit 7,62 x 51 stattgefunden hat, denn wie hier

https://www.facebook.com/csconsultgroup ... 19/?type=3

nachzulesen ist hat es in Deutschland nur für ein Zertifikat nach VPAM 3 gereicht.

Klaus M.
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Re: NRW schafft 10.000 neue Schutzwesten für Polizisten an

Beitragvon Klaus M. » So 28. Aug 2016, 23:27

Das Problem dabei sind die Traumawerte.

Die Restenergie bzw. die dynamische (und permanente) Ausbeulung der Helmkalotte darf nur einen bestimmten Wert haben, um die entsprechende VPAM Prüfstufe zu schaffen.

Zwar hält der AS 600 in den Kalibern 7,62x51 und 7,62x39 Vollmantelweichkern-Geschosse* mit den Prüfmerkmalen BmRoL (Beule mit Riss ohne Lichtdurchlass; kein Durchschuss) oder BoR (Beule ohne Riss; kein Durchschuss), schafft aber nicht die geforderten maximalen 30 mm Verformung / 25 Joule Restenergie.

Trotzdem ist (pauschalisiert) auch eine größere Verformung natürlich immer noch besser als ein Durchschuss. Dennoch besteht dann eine höhere Gefahr von CHTBI (Closed Head Traumatic Brain Injury).

* "standardmässige" M43 Surplus-Munition aus dem Ostblock (also das, was bei illegalen Waffen meist genutzt werden dürfte) hat aber kein FMJ-Geschoss sondern einen nicht gehärteten Stahl"kern" (um damals das teurere Blei in der Fertigung zu sparen und das Geschoss für die wundballistische Wirkung instabiler zu machen). Insofern ist so ein Wert eh' für die Bedrohung AK47 relativ zu sehen...

Schuberth vertreibt jetzt den ECH der US Army von 3M/Ceradyne als Modell Combat 2 und will damit auf den deutschen Behördenmarkt und putzt dafür grade die Klinken. Damit kommt man zwar etwas spät zur aktuellen Beschaffungsparty, aber beim einen oder anderen Bundesland ist man ja noch nicht ganz so weit in seinen Überlegungen. Die bieten als Alleinstellungsmerkmal sogar einen gewissen** Schutz gegen das M43-Geschoss, mit VPAM-Zertifizierungen und Traumawerten hält man sich aber auch da dezent zurück. Physik kann man halt nicht bescheissen und irgendwo müssen ein paar tausend Joule Geschossenergie halt auch hin...

** V50 ~450 m/s, die Mündungsgeschwindigkeit einer AK47 liegt bei ca. 700 m/s. D.h. das entspricht etwa einer Schussentfernung von 200-300 m.

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Re: NRW schafft 10.000 neue Schutzwesten für Polizisten an

Beitragvon Klaus M. » So 28. Aug 2016, 23:49

ChrisC hat geschrieben: Ich glaube da verwechselt jemand die Schutzklasse nach der Technischen Richtlinie für Schutzwesten, mit der, bei Helmen üblichen, Angabe der Prüfstufe nach VPAM.
Nö, das ist durchaus ernst gemeint.

Mit modernen UHPPE (Ultra High Performance Polyethylene) Fasern kann man Langwaffengeschosse ohne Hartkern auch ohne Metall- oder Keramik-Anteile bei vergleichsweise ziemlich niedrigem Flächengewicht stoppen. Das Problem dabei ist wie im vorherigen Beitrag schon angedeutet eben die dynamische Verformung.
Bei den VPAM 6 Platten (egal, ob nun icw oder standalone) liegt das Schutzpaket breitflächig auf dem Körper auf und kann sich so "abstützen" und die Restenergie breitflächig auf den Körper abgeben.

Helme liegen naturgemäß nicht am Körper an, sondern werden von einer Innenausstattung (Netz oder mittlerweile Pads) mit Abstand vom Kopf getragen. Damit wirkt die dynamische Verformung punktueller und die maximalen Ausbeulungen können überhalb der zugelassenen Werte gemäß der Schutzklassen gem. TR bzw. Prüfstufen nach VPAM liegen.
renegad7 hat geschrieben:meinen Neid über den SK4 Helm muss ich mal zurück nehmen...

... angeblich ist der beschossen worden mit 7,62x51 und reduzierter Ladung, so dass die Mündungsgeschwindigkeit deutlich unter 700 m/s lag....

.... und der Treffer darf nicht an die äußersten 10-15 mm Rand kommen, da ist nicht genug Material zur Absorption der Aufprallenergie vorhanden....
Die Aussage aus dem vorherigen Beitrag gilt auch hier noch:

Immer noch besser als ein Helm, der das Geschoss gar nicht stoppt oder ggf. sogar überhaupt kein Helm...

Die <700m/s bedeuten halt, dass der Helm keinen aufgesetzten Schuss oder Schuss im Nahbereich aufhält (wobei das schon wieder relativ ist*), aber immerhin aus einer Distanz, die der genannten Geschossgeschwindigkeit entspricht (grob geschätzt 250m, wobei das ja von Lauflänge und anderen Faktoren abhängig ist...).
Trotzdem ist die Werbeaussage, dass diese Helme "Langwaffengeschosse stoppen" durchaus richtig.
Nur halt nicht im Rahmen einer Schutzklasse 3 oder 4 bzw. VPAM 6-9.

Aber es gibt ja nicht nur 90° Beschuss in der richtigen Welt da draussen, insofern ist bei Winkelbeschuss auch entsprechend ein zumindest höherer Schutz als bei normalen SK1 Helmen geboten.

* da Geschosse direkt nach Verlassen der Mündung nicht völlig stabilisiert sind, kann die Durchschlagsleistung im Nahbereich sogar geringer sein als im späteren Verlauf der Flugbahn, wo die Drallstabilisierung das Taumeln bzw. die Präzession reduziert hat und das Geschoss eher mit der Spitze auftrifft.
ChrisC hat geschrieben: Welcher Hersteller bietet Helme an die gegen Langwaffenbeschuß schützen?
Das sind mittlerweile einige. Alle verwenden (U)HPPE und das üblicherweise von Dyneema.
Neben Armorsource mischt jetzt auch 3M/Schuberth auf dem deutschen Markt mit.

Weltweit gibt's aber noch diverse andere Anbieter verschiedener Qualität und Seriosität.
Mal beispielhaft via Google gefunden: https://www.youtube.com/watch?v=BGC4NtyPDUQ
Da sieht man bei 0:34 z.B. auch ganz gut, dass ein reines Verhindern des Durchschlags nicht zwangsläufig das Leben retten muss. Der Traumawert muss eben auch stimmen.

Ich gehe davon aus, dass die nächsten 2-5 Jahre nochmal einiges an Leistungssteigerung im Bereich Helme bringen werden. Bis dahin ist der erste Schwung in D dann aber schon beschafft und ob's nochmal Nachbeschaffungen geben wird, steht wohl in den Sternen und hängt von der weiteren Lageentwicklung ab...

Bis dahin kann man ja auch weiter SK1 Titanhelme beschaffen, weil die nicht so einfach kaputtgespielt werden können und halt 20 Jahre Herstellergarantie bekommen statt nur 5... :polizei10:

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Re: NRW schafft 10.000 neue Schutzwesten für Polizisten an

Beitragvon renegad7 » Mi 31. Aug 2016, 10:47

mal zu den hessischen plattenträgern:

Firma best, vpam 6 standalone vorne wie hinne ....

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Re: NRW schafft 10.000 neue Schutzwesten für Polizisten an

Beitragvon Klaus M. » Mi 31. Aug 2016, 10:54

BSST :polizei2:

Wenn man mal mit den Begriffen "bsst vpam 6 platte" Google bemüht, findet man ein Dokument von vergabe.hessen.de, in der man vermutlich ein paar tiefergehende Infos über den gewünschten ballistischen Schutz findet.


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