Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Hier könnt Ihr Vor-und Nachteile von Ausrüstung diskutieren, Neuanschaffungen ankündigen oder Verbesserungsvorschläge einbringen

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Kaeptn_Chaos
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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon Kaeptn_Chaos » Do 1. Sep 2016, 05:44

Arrogante Trainer sind schlechte Trainer.

In meiner Lebensrealität war bislang lediglich bei einem abgerissenen Finger sofortige Aktion lebensnotwendig. Bei drei, vier Kopfplatzwunden waren Verbände sicherlich hilfreich, aber vielleicht nicht erforderlich. Jedes Mal erfolgreich mit Bordmitteln. Jedes Mal war zwei, drei Minuten später der RTW da, der als erstes was macht? Unter Umständen koste ich dem also Zeit.

Damit bin ich raus, damit die Interessierten weiter sachlich diskutieren können.
:lah:

vladdi
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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon vladdi » Do 1. Sep 2016, 07:11

Ich hatte bisher immer noch nicht das verlangen TQ zu googeln

Bezüglich verlassen der FoBi könnte das auch bei uns passieren.

Mein Dienstherr gibt mir 15 Schuss, weil er eine bestimmte Vorstellung hat, wie ich Terroristen bekämpfe.
Warum habe ich kein TQ (immer noch nicht ergoogelt), Pflaster, EH-Pack, Schere, Pfaster, etc erhalten?

Was wird in Erste Hilfe vermittelt? Und wie oft?

Ich habe eine Aufgabe.
Andere Polizisten haben auch Aufgaben.
Wir sollten uns auf unsere Aufgaben konzentrieren.
Die Anforderungen sind schon hoch.
Die Fortbildungen decken das kaum ab, was wir leisten sollen.
Das Personal und die Ausstattung erst Recht nicht.

Wenn ich mein Geld in Ausstattung stecke, dann sind das Schuhe, Handschuhe, T-Shirts, Socken, Funktionsunterwäsche (Sommer / Winter)

Ich denke der eine oder andere würde sich eine vernünftige Waffe (Langwaffe) beschaffen.

Ich habe nicht das Gefühl, dass ich meine Aufgabe ohne Verbandspack nicht erfüllen kann.
Verletztenveesorgung ist Hauptaufgabe von Sanitätern.
Meine Versorgung ist stark reduziert.

So ist das eben.
Ich stecke nicht so ein Ding in den Hals zum Beatmen. Ich kann bestimmte Blutungen nicht stoppen. Ich kann bestimmte Zusammenbrüche nicht heilen.
Außerdem kann ich bestimmte Verletzungen nicht sehen.
Nach der letzten Leiche hatte ich eine Woche schlecht geschlafen (und dabei war ich nicht dichter als 5 Meter dran).

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Holger73
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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon Holger73 » Do 1. Sep 2016, 10:44

vladdi hat geschrieben:Ich hatte bisher immer noch nicht das verlangen TQ zu googeln
Seite 1, ein Beitrag unter deinem... googeln somit nicht nötig.

Ich kann beide Seiten nachvollziehen.
Letzter Stand BPOL, TQ ist vorläufig nicht vorgesehen und ansonsten hat man in naher Zukunft die "Israeli-Binde" bzw. das BW- Format davon, 2 Handschuhe und das Ambu-LiveKey als Mannausstattung dabei.

Grüße
"Das Problem, ob Denken ohne Sprache möglich sei, ist immer noch umstritten. Dagegen wird die Tatsache, daß Sprache ohne Denken durchaus möglich ist, täglich tausendfach bewiesen."

(Kohlmayer)

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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon vladdi » Do 1. Sep 2016, 17:03

Nö. Da ist (im Moment) nichts von als Mannausstattung dabei.

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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon nano » So 4. Sep 2016, 14:38

Das Thema ist ja jetzt ein wenig abgekühlt, aber da es mit am Herzen liegt, verliere ich auch ein paar Worte:

Das IFAK ist zur Selbsthilfe gedacht (wer beim Bund war, im PersPack waren 1x Verbandspäckchen groß und klein, dass ist jetzt eine aktuellere Version, wenn man so möchte). Selbsthilfe bedeutete aber nicht zwangsweise, dass man dieses Material selbst benutzen muss. Beispielsweise wird mit einem Chest Seal Ein- und Austrittswunde verschlossen, alleine auf der Brust wird das je nach Verletzung schon schwierig.

Wer glaubt, dass ein IFAK zuviel oder übertrieben ist: Es gibt soviele Lagen, die schnelle Versorgung durch Rettungskräfte verhindern. Sei es im 7. Stockwerk oder höher, wenn nach einem schnellen Schusswaffengebrauch nachgefordert werden muss (bpsw. nach Passnachschau, Täter greift zu einem Messer, verletzt den Kollegen, man schießt), oder wenn die Lage und Kommunikation einfach mal wieder vollkommen undurchsichtig ist.

Wer meint, dass der angeschossene Kollege liegen bleibt, der hat Recht. Nach und nach werden sich auch bei den Polizeien die TCCC-Guidlines durchsetzen und diese fordern erst die Bekämpfung der direkten Bedrohung. Aber, wenn der Täter sich zurückgezogen hat und die eigene Munition nach einem Schusswechsel auch knapp geworden ist, ist es nicht sinnvoll hinterherzusetzen. Sinnvoll ist es sich in eine taktisch günstige Lage zu bringen und dort kann man nach einer Lagemeldung auch die Erstversorgung starten.

Wer der Meinung ist, dass man nicht alles können kann, hat auch Recht. Wenn es die eigene Behörde nicht schafft uns auszubilden, bleibt einem immernoch die Möglichkeit sich privat weiterzubilden, ähnlich wie wir bei Wissenslücken im Recht verfahren sollen. Ja, 1. Hilfe und alles darüber hinaus kosten Geld, aber man sollte seine Prioritäten immer wieder überprüfen und an ihnen arbeiten.
Wir schießen nicht jeden Tag und werden auch nicht jeden Tag beschossen. Trotzdem haben irgendwann Kollegen beschlossen sich privat Schutzwesten zuzulegen, weil der Dienstherr das nicht vorsah.

Allgemein finde ich die Situation in meiner Behörde suboptimal, weil an vielen einzelnen Komponenten gearbeitet wird, aber ein Gesamtkonzept und damit eine stimmige Ausbildung und Ausrüstung nahezu unmöglich wird. Bspw. sollte jeder die Erstversorgung von Amputationen und Schussverletzungen vornehmen können, gleichzeitig sollten aber schnellstmöglich Teams verfügbar sein, die erweiterte Kompetenzen (Schmerzmittel-, Infusionsgabe, etc.) mitbringen und in roten/gelben Zonen arbeiten können, verfügbar sein (Hunderschaften wären hierfür prädestiniert).

Wer Rückenprobleme hat, dem unterstelle ich mal frech, dass er mehr Bauch und Rücken trainieren sollte. Nehmts nicht persönlich, ich kenne euch nicht und ihr mich nicht... ich habe aber viele Kollgen, die nicht trainieren und solche Probleme haben. Da helfen auch 4 Wochen Physiotherapie nicht, Muskeln müssen regelmäßig ein Leben lang trainiert werden.

Zur Ausrüstung selbst:
In der Beintasche
- 1x CAT TQ
- 1x compressed gauze (Mull/Kerlixersatz zum packing/Wundstopfen oder zur Erweiterung des Druckverbandes)
- 1x Israeli (klein)
- 4x EKG-Patches (als Minimalersatz für ein Chestseal)
- 2x Paar Einmalhandschuhe
- 1x Beatmungstuch (nicht originär Teil des Ifak, aber thematisch passend hinzugefügt)

Zusätzlich habe ich auch ein IFAK am Einsatzrucksack, allerdings darf ich das nur zu Großlagen mitnehmen, da sonst zu auffällig. Darin befindet sich dann der gleiche Inhalt, sowie zusätzlich:
- 1x Israeli (mittel)
- 1x Kleiderschere
- 1x Brandwundenverbandtuch
- 1x SAM Chest Seal (anstatt EKG-Patches)
- 1x Braunüle zur Entlastungspunktion
- 1x Wendl-Tubus
- 1x Bubu-Ausstattung (weil aus einer "Großlage" auch mal eine kleine Lage mit weinendem Kind werden kann)

Allgemein ist die Sinnhaftigkeit von Patches bereits angesprochen worden.

Das SWAT-TQ ist insofern gefährlich, als dass eine einarmige Anwendung nahezu unmöglich ist... ich habs auch schon anders gesehen, allerdings waren das nur Übungen ohne echte Verletzung.

TQ-Anwendungen sind sinnvollerweise am Patienten (Stirn mit Edding in NICHT-rot) zu vermerken.

Zur Anwendung von Quikclot und Hämostyptika ist bereits alles gesagt.

Ich bin selbst CFR-A und halte mein Wissen nach Möglichkeit aufrecht und frisch. Auch von mir der Rat, sich nicht mir irgendwas einzudecken, was man nicht braucht. Abgelaufenes Quikclot ist auch keine gute Idee. Auch wenn es meist noch länger nutzbar ist, sollte man nicht, nachdem man für eventuell mehrere hundert Euro sich hat ausbilden lassen am Material sparen.

Wer unauffällig ein IFAK tragen will/muss kann sich mal am PHOKUS SONS Trauma Kit orientieren.

Klaus M.
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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon Klaus M. » So 4. Sep 2016, 20:16

nano hat geschrieben: Das SWAT-TQ ist insofern gefährlich, als dass eine einarmige Anwendung nahezu unmöglich ist... ich habs auch schon anders gesehen, allerdings waren das nur Übungen ohne echte Verletzung.
CAT (und SOF-T) sind in der Eigenanwendung definitiv einfacher, insbesondere wenn die Verletzung am Arm ist und/bzw. man nur einen Arm zur Verfügung hat.

In Übungsszenarien incl. Kunstblut (die Funktion im nassen Zustand war mein Hauptbedenken) funktioniert das SWAT-T aber auch meistens. Bevor ich aus Platzgründen also gar keins einpacken kann, dann als Notlösung lieber so eins. Wenn der Platz da ist, dann selbstverständlich lieber ein "richtiges" TQ.
nano hat geschrieben: Wenn es die eigene Behörde nicht schafft uns auszubilden, bleibt einem immernoch die Möglichkeit sich privat weiterzubilden, ähnlich wie wir bei Wissenslücken im Recht verfahren sollen. Ja, 1. Hilfe und alles darüber hinaus kosten Geld, aber man sollte seine Prioritäten immer wieder überprüfen und an ihnen arbeiten.
Wir haben sogar die charmante Möglichkeit, Behördenangehörigen kostenfrei die Teilnahme an Combat Lifesaver (CLS) Lehrgängen der US Army zu ermöglichen. Wenn die Leiter des Lehrgangs genügend Material zur Verfügung haben, kommen die Teilnehmer von da sogar manchmal mit einem vollausgestatteten IFAK incl. TQ zurück.

Das nutzen neben Kameraden von der Bundeswehr nicht nur SE-Angehörige zum Blick über den Tellerrand (die haben ja meist eigene Ausbildungen auf ausreichendem Niveau), da waren jetzt auch schon eine ganze Reihe anderer Kollegen der Polizei mit dabei, für die das die Erstausbildung auf so einem Niveau war.

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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon zulu » Sa 24. Sep 2016, 11:35

Länder rüsten Krankenwagen für Terroranschläge aus
Einige deutsche Rettungsdienste bereiten ihre Fahrzeuge zur Behandlung von Terroropfern vor. Ihre Mitarbeiter schicken sie zur Fortbildung in den Nahen Osten.

http://www.spiegel.de/panorama/rettungs ... 13770.html
Äußerst amüsant. Noch vor 1-2 Jahren wurde das als "absoluter Schwachsinn" abgetan. Gerade für Leute die sagen, dass beispielsweise TQs im Inland unnötig sind. So unnötig, dass selbst die Rettungsdienste sie nun einsetzen wollen.

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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon CoralSnake » Di 25. Apr 2017, 10:59

Wie führt ihr euer TQ mit?
Beintasche? Am Gürtel? Gibts es passende Taschen mit Klettrücken für die Schutzweste?

Mit beiden Händen notfalls rankommen zu können, würde ich zumindest ganz gut finden.

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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon matzeman » Di 25. Apr 2017, 11:25

Ich habe mein TQ an meinem Bleeder Pouch mittels Gummiband befestigt.
Wenns schnell gehen muss ist das ein Ruck und ich habe es in der Hand.
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Mein anderes TQ habe ich in meinem M3T Taco. Da hat man eine Lasche an der man ziehen muss und es ist frei.
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Kommt halt jeweils auf die Lage an bzw. was ich anziehe (ggf. in meiner Beintasche).
Ansonsten gibts ne Menge TQ Halter auf dem Markt die man in die Molleschlaufen einer Weste einfädeln kann.
Bild

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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon Teetrinker » Di 25. Apr 2017, 14:31

Ich hab's zusammen mit der Israeli Bandage zusammen in der Beintasche. Je nach Hose entweder unten am Unterschenkel oder Seitentasche am Oberschenkel. Ersteres lässt sich nicht ganz so gut erreichen, ist für mich aber der beste Kompromiss aus Ereichbarkeit und Tragekomfort.

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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon matzeman » Di 25. Apr 2017, 14:36

In meinem Overall trage ich auch eine Israelib., Kerlix sowie ein TQ in meiner rechten Unterschenkeltasche.
In einer Situation in der ich es brauche bin ich wahrscheinlich eh nicht aufrecht stehend...

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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon function » Di 25. Apr 2017, 14:42

CAT Tourniquet in einem Holster am Gürtel:

http://blackliongear.de/produkt/tourniquet-pouch/

Alternativ, etwas günstiger:
http://www.tacwrk.com/tasmanian-tiger-t ... yote-28910

Vorteil einer Gürteltasche ist, dass es auch Ersthelfer finden können.

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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon zulu » Di 25. Apr 2017, 17:09

Leider ist die Befestigung von Molle an normalen Koppeln zwar möglich, aber stellt mich nicht zufrieden.

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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon matzeman » Di 25. Apr 2017, 17:24

zulu hat geschrieben:Leider ist die Befestigung von Molle an normalen Koppeln zwar möglich, aber stellt mich nicht zufrieden.
Hol dir ein Pouch in den du alles reinpackst.
Wie geschrieben hab ich div.
Am praktischsten find ich den BleederPouch von HSG
http://www.highspeedgear.com/hsgi/bleed ... 2BP00.html
Da kannste das TQ an der Seite befestigen (wie ich) oder mit reinpacken (abhängig davon was du sonst noch reinpackst).
Oder den M3T von HSG
http://www.highspeedgear.com/hsgi/m3t-12M3T0.html
Da kannst alles reinpacken.

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Re: Persönliche Erste Hilfe Ausrüstung?

Beitragvon function » Di 25. Apr 2017, 21:12

zulu hat geschrieben:Leider ist die Befestigung von Molle an normalen Koppeln zwar möglich, aber stellt mich nicht zufrieden.
Die TQ Pouch von black lion gear ist handgefertigt. D.h. ich wurde gefragt, ob ich einr Gürtelschlaufe in individueller Breite, abnehmbare Gürtelschlaufe oder Molle möchte.


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