Verhältnis Polizei-Anwaltschaft

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Verhältnis Polizei-Anwaltschaft

Beitragvon justitia38 » Mi 13. Jan 2021, 21:13

Hallo zusammen,

ich bin Rechtsanwältin und habe zwischenzeitlich auch Strafverteidigung gemacht. Dabei konnte ich immer gut mit den ermittelnden Polizeibeamten kooperieren, da gab es nie Probleme. Ich habe aber von beiden Seiten-Anwälten und Polizisten- gehört, dass es sehr oft Schwierigkeiten im gegenseitigen Verhältnis gibt.
Wie seht ihr das ? Wie ist euer Verhältnis zur Anwaltschaft? Was wünscht ihr euch von den Verteidigern?

VG

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Re: Verhältnis Polizei-Anwaltschaft

Beitragvon Schnulpe » Mi 13. Jan 2021, 21:50

Ich wage einmal zu behaupten dass es kaum einen (vernunftbegabten) Polizeibeamten gibt, der die Funktion eines Strafverteidigers in seiner Rolle für einen funktionierenden Rechtsstaat nicht respektiert. Schwierig wird es in meinem persönlichen Empfinden, wenn die Frage nach Schuld oder Unschuld schon keine Rolle mehr spielt und sich die Strategie der Verteidigung auf reine Behinderung des Verfahrens beschränkt. Formell vermutlich legitim und auch insofern nachvollziehbar, weil der Anwalt eine Art "Arbeitsnachweis" erbringen oder sich selbst präsentieren/verkaufen möchte. Aber für die übrigen Beteiligten, sei es der zuständige Beamte oder in erster Linie natürlich das Opfer, manchmal nur schwer erträglich.

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Re: Verhältnis Polizei-Anwaltschaft

Beitragvon Controller » Mi 13. Jan 2021, 22:12

nun, Schnulpe, an dieser Stelle müsstest du dann vlt. mal skizzieren,
welche Rolle der RA in deinem Verständnis denn in einem funktionierenden Rechtsstaat zu spielen hat. :polizei10:
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)

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Re: Verhältnis Polizei-Anwaltschaft

Beitragvon Schnulpe » Do 14. Jan 2021, 00:50

Vielleicht muss ich meine Erwartungen auch runterschrauben....

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Re: Verhältnis Polizei-Anwaltschaft

Beitragvon springer » Mi 20. Jan 2021, 20:42

@Controller
Ein Rechtsanwalt kann auch einfach irgendwelche Anträge stellen, von denen er selbst weiß, dass sie Mist sind, er aber damit bezweckt, dem Gericht die Arbeit schwer zu machen. Und zwar so lange, bis das Gericht das Verfahren einstellt. Das kann vorkommen, ist aber nicht Aufgabe eines Rechtsanwaltes - und auch nicht der rechtliche Sinn solcher Anträge. Es gibt auch Rechtsanwälte, die sofort mit Vorwürfen anfangen und persönlich werden, um zu provozieren. Das ist nicht Sinn der Sache.

Der Rechtsanwalt ist ein unabhängiges Organ der Rechtspflege - kein Angestellter seines Mandanten. Da gibt es Rechtsanwälte, die sachlich bleiben, und auch mal solch, die provozieren.

Auf eine Kontrolle übertragen wäre das ein Polizist, der den Gegenüber zu einem Widerstand provoziert. Ist auch nicht Sinn der Sache und braucht kein Mensch.

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Re: Verhältnis Polizei-Anwaltschaft

Beitragvon Controller » Mi 20. Jan 2021, 21:17

joh, alles schön und gut und nichts Neues.

wenn die Frage nach Schuld oder Unschuld schon keine Rolle mehr spielt
Die Frage nach Schuld oder Unschuld soll doch erst durch das Gericht geklärt werden, oder sehe ich das falsch ?
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)

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Re: Verhältnis Polizei-Anwaltschaft

Beitragvon springer » Do 21. Jan 2021, 19:10

Sie wird durch die Hauptverhandlung geklärt - und das Gericht erklärt dann im Urteil, was seiner Ansicht das Ergebnis der Hauptverhandlung bzw. der Beweisaufnahme ist.

Solche Anwälte sind sehr selten, aber es gibt sie.

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Re: Verhältnis Polizei-Anwaltschaft

Beitragvon DocSnuggles » Mi 3. Feb 2021, 15:48

Moin!

In meinem Bereich (hauptsächliche Befassung mit einer bestimmten Personengruppe, die allg.der OK zugeordnet werden) ist das Verhältnis zu den Anwälten bei den ersten Kontakten zumeist schwierig. VIele Anwälte aus dem Bereich versuchen sich aktiv in Festnahmen, Durchsuchungen etc. einzumischen. Da brauchst es meist ein starkes Kreuz und auch die Fähigkeit einem Anwalt die Meinung zu geigen. Mittlerweile kennt man die meisten Anwälte und hat ihre Handynummern für den Bedarfsfall im Handy abgespeichert. So kann man sie selber direkt verständigen und das Meiste bereits am Telefon klären. Aber wie gesagt: Man muss sich häufig erstmal beweisen; dann akzeptieren sie einen.

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Re: Verhältnis Polizei-Anwaltschaft

Beitragvon zoellner » So 28. Feb 2021, 18:39

In einem sehr guten Lehrgang "Zeuge vor Gericht" waren damals eine Richter eine Staatsanwalt und ein Rechtsanwalt die Doznten udn wir spielten eine Woche lang eine Gerichtsverhandlung, mit alle Facetten durch. Im Anschluss blieb der Anwat noch ne Stunde länger und bot an, dass wir ihm mal die Fragen stellen konnten die wir uns sonst nicht getrauten zu fragen. Da kamen auch die Fragen, warum man uns Beamte vor Gericht immer so angehen muss. Da meinte er nur, dass er schließlich Anwalt sei. Richter und Staatsanwalt bekommen immer zum Monantsanfang ihr Geld. Egal welche Leistung sie erbringen. Er brauch Mandanten. Und wenn wer dem Mandanten aufzeigt wie toll er doch den BEamten vor Gericht vorgeführt hätte, und er somit NUR 5 statt 6 Jahre Haft bekommen hat, dann freut sich der Mandant und empfiehlt ihn im Knast seinen Kollegen weiter und schon hat er wieder einen neuen Kunden.

Seit dem regt mich vor Gericht gar nichts mehr auf. Ich weiß, dass der Anwalt sein Schauspiel spielen muss und wenn er genau weiß, dass nichts mehr zu holen ist, dann sucht man sich eben Nebenkriegsschauplätze, die für das Verfahren zwar völlig irrelewant sind, aber nen guten Eindruck beim Mandanten machen. Wenn man das als Zeuge weiß, dass ist man da viel entspannter.

Ich muss sagen, dass unsere Stammpflichtverteiger hier keine Konfliktanwälte sind und man i.d.R. gut miteinander auskommt. Ich habe aber auch schon Milleuanwälte gehabt, bei denen man nicht so genau weiß, ob sie nicht auch zum Clan gehören. Genauso Anwälte die von der Haupttäterseite engagiert werden um den inhaftatierten Mittäter zwar zu vertreten, aber auch einzuschüchtern, damit der ja nicht auspackt.

Schöner wäre es wenn Anwälte ihre persönliche Ideologie abschalten und wirklich sinnvoll versuchen ihren Mandanten zu verteidigen. Selbst wenn die eindeutig schuldig sind, weil ihnen das Koks ja aus dem Hintern kam und sie den Schmuggel nicht leugnen können, so gibt es immer noch ein paar Argumente um das Beste für den Täter herauszuholen, ohne dass es unverschämt oder rechtswidrig wird.

Wenn ich aber mal rechtl. Probleme hätte, würde ich mir auch genauso einen A....lochanwalt suchen denn ganz so schlecht sind sie oft ja nicht und dann gehts um meinen Arsch. :polizei2:


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