Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Erfahrungsberichte, Probleme und Verbesserungsvorschläge...

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master2000
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Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon master2000 » Mo 26. Jan 2015, 17:56

Hallo Liebe Kollegen und Kolleginnen,

immer wieder hört man ja in den Medien, dass Bedienstete der Finanzämter, Jobcentern oder Arbeitsagenturen von den Beteiligten angegriffen wurden. Zuletzt kam es zu einem Todesfall, wo ein Hartz IV Empfänger einen Mitarbeiter vom Jobcenter erschossen hat.
Mir ist auch bewusst, dass es in anderen Behörden-Dienststellen zum Todesfall oder schwere Körperverletzung kam.

Da frag ich mir die Sicherheitslage an unseren Zollämtern, insbesondere bei der Postabfertigung. Kann aus eigener Erfahrung sprechen, dass bei der Postabfertigung die Luft manchmal angespannt ist oder schnell die Lage eskalieren kann.

Hat da jemand andere (schlimmere) Erfahrungen gesammelt?
Gibt es Vorkehrungsmaßnahmen vom Dienstherrn? (z.B RSG für die Beamten)

etc etc. :zustimm:

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DonFalcone
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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon DonFalcone » Mo 26. Jan 2015, 19:07

Servus. ;D

Ich denke nicht, dass bei unserem Verein schon einer auf die Idee gekommen ist, dass hier was passieren könnte. Ich vermute, dass das höchste der Gefühle der Gedanke sein könnte, dass versehentlich eine Bombe ausgepackt wird.... :o

Ne, im Ernst. Vermutlich müsste es erst mal knallen, dass hier Bedarf gesehen würde.
Ich kann mir schon vorstellen, dass es da manchmal laut werden kann, wenn sich das vermeintliche Schnäppchen auf einmal als teurer Spaß heraus stellt. Oder es wird dem Empfänger klar gestellt, dass die Einfuhr verboten, bzw. Markenschutz, etc. dagegen stehen.
Da es gefühlt immer mehr Bekloppte gibt, würde es mich nicht wundern, wenn mal einer abdreht.
Ob Du dann mit Pfeffer groß weiter kommst, ist eine andere Frage....

Wenn ich so überlege, wie unsere Vollstrecker oft in kritische Gegenden geschickt werden, wird mir auch ganz anders.

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon master2000 » Mo 26. Jan 2015, 19:33

DonFalcone hat geschrieben: Da es gefühlt immer mehr Bekloppte gibt, würde es mich nicht wundern, wenn mal einer abdreht.
Ob Du dann mit Pfeffer groß weiter kommst, ist eine andere Frage....

Wenn ich so überlege, wie unsere Vollstrecker oft in kritische Gegenden geschickt werden, wird mir auch ganz anders.

Natürlich muss es nicht immer soweit kommen, aber dass man wenigsten was hat, falls was passiert, wäre meins Erachtens ein RSG gar nicht mal so schlecht.

Eine andere Lösung wäre auch, dass die Kollegen von der Post auch Dienstkleidung tragen. Vielleicht könnte man sich dann ein bisschen "Respekt" verschaffen.

Hab großen Respekt vor den Kollegen der Vollstreckung die im Außendienst tätig sind. Wo andere Behörden fast schon mit SEK einstürmen würden, gehen sie ganz normal ohne eine Schutzvorkehrung hin. :zustimm:

Ist natürlich alles eine schwierige Sache.

Gruss

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon DonFalcone » Mo 26. Jan 2015, 19:53

Soweit ich weis, gibt es Postzollämter, bei denen Dienstkleidung getragen wird.
Falls ich mich nicht irre, zählt Zollamt Berlin Schöneberg dazu. (vermutlich aus den von Dir genannten Gründen! ;D )

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon tyrant » Mo 26. Jan 2015, 20:04

Also mein Bearbeiter in Schöneberg trug 2012 keine Dienstkleidung, sondern zivil.
Ich bin KEIN PVB!

An allem Unrecht, das geschieht,
ist nicht nur der Schuld, der es begeht, sondern auch der,
der es nicht verhindert.

(Erich Kästner)

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon master2000 » Mo 26. Jan 2015, 20:14

tyrant hat geschrieben:Also mein Bearbeiter in Schöneberg trug 2012 keine Dienstkleidung, sondern zivil.
soweit ich weiß wird in Berlin Schöneberg seit Ende 2013 Dienstkleidung getragen.

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon turboman » Mo 26. Jan 2015, 21:11

Bei mir war ein Typ am Tresen der Jagdmesser bestellt hatte. Als ich mir die Teile näher ansehen wollte machte er mit den bereits geöffneten Messern in der Hand plötzlich wie ausgewechselt einen Schritt zurück und schrie: "Du fässt mein Messer mit deinen Drecksfingern nicht an! Du nicht!" Geile Situation und ich hatte nichts - außer den zwei Metern Abstand zu ihm und dem halben Meter zur Wand hinter mir. Gott sei Dank haben wird das Ganze nach langem hin und her in den Griff bekommen, aber ganz ehrlich, das kann's nicht sein. Irgendwas sollte man da schon griffbereit haben. Wenn's nach mir ginge - komplette Dienstkleidung mit allem was dazu gehört. Ich hatte echt eine verdammte sch... Angst!

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon wolfi71 » Di 27. Jan 2015, 09:35

In der Postabfertigung durchdrehen, das ist schon herb, aber mancher hofft halt darauf, dass das Päckchen durchkommt. Ob da ein RSG hilft, keine Ahnung. Dienstkelidung würde sicherlich klarer den Unterschied zwischen dem Repräsentanten des Staates und einem normalen Bürger, der wegen irgendwelcher Tarife und Bestimmungen Geld von einem will oder gar die Einfuhr untersagt, sichtbar machen.

Dass der Dienstherr da nicht viele Probleme sieht, das kann ich insofern nachvollziehen, dass den oberen Herren und Damen gar nicht klar ist, was da per Paket verschickt wird. Die gehen davon aus, dass es sich um Sendungen unter Verwandten handelt. Dass es einen globalen Handel gibt, der längst in breiten Kreisen der Bevölkerung angekommen ist und zu direkten Sendungen führt, das haben die noch nicht begriffen. Die gehen davon aus, dass Onkel Otto seine Lokomotiven beim Händler um die Ecke kauft und nicht per Internet irgendwo in den USA, mit der Kreditkarte oder PayPal bezahlt und direkt geliefert bekommt. Ich denke, dass hier das Hauptproblem ist.

Andererseits wenn ich sehe, was da manchmal für Schreiben von den Agenturen kommen (hab da so einen Fall in der Verwandtschaft, Kind lebt beim Hartz IV-Empfänger und der Unterhalt muss bezahlt werden), in was für einem Ton, mit kurzen unerfüllbaren Fristen und oftmals nur, weil die zu faul sind in ihre Akte zu sehen, da wundert es mich echt, dass da nicht viel öfter einer ausrastet. Da geht es oft um die nackte Existenz und um das Essen für den nächsten Tag.

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon DAUER EDA » Di 27. Jan 2015, 09:38

Am ZA Schöneberg wird seit 2014 Dienstkleidung getragen. Dies gilt für alle Beschäftigten im öffentl. Teil der Abfertigung! Darüber hinaus wird diese Dienststelle voraussichtlich am Trageversuch der neuen Dienstkleidung teilnehmen!

Im Laufe der letzten Jahre kam es gelegentlich zu kleineren Reiberein zwischen Abfertigungsbeamten und Beteiligten an dieser Dienststelle. Diese beschränkten sich oftmals auf verbale Entgleisungen. Ob sich daran etwas geändert hat seit die Kollegen dort Dienstkleidung tragen ist mir nicht bekannt. Meiner Erfahrung nach hält eine Dienstkleidung allein nicht von Beschimpfungen ab. Auch stellt sie kein Garant dar, dass sie vor tätlichen Übergriffen schützt.

Ein nachhaltiges Sicherheitskonzept für Zollämter fehlt tatsächlich. Aber wie soll das Aussehen? Die Kollegen zu bewaffnen erscheint mir nicht sinnvoll. Sie mit den täglichen Problemen allein zu lassen ... auch nicht!

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon Kulinka » Di 27. Jan 2015, 10:47

... da wundert es mich echt, dass da nicht viel öfter einer ausrastet. Da geht es oft um die nackte Existenz und um das Essen für den nächsten Tag.
Ein Stück weit sprichst du mir aus der Seele, und es gibt ganz sicher genug Menschen, die unverschuldet in einer Notlage sind und da auch nicht so ohne weiteres rauskönnen. Meistens sind das aber nicht die, die ausrasten, die sind eher noch dankbar und kooperativ. Ich finds schlimm, dass auch in diesen Bereichen die Fronten mittlerweile so verhärtet sind und so viele kaputte/traumatisierte Menschen auf beiden Seiten herumlaufen.

Ich war vor Jahren mal beim Hauptzollamt in Krefeld, um da eine Sendung abzuholen. Der Beamte hinter dem ziemlich gut gesicherten Tresen (Gitter mit Durchreiche) war uniformiert, wenn ich mich richtig entsinne. Hat sich da grundsätzlich was geändert? Oder wird das beim Zoll von Ort zu Ort unterschiedlich gehandhabt?

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon master2000 » Di 27. Jan 2015, 20:00

Es kann schon sein, dass der Kollege denn Zollkittel oder die Schutzkleidung mit Zoll-Aufschrift angezogen hat.
Grundsätzlich sind alle Binnenzollämter zivil nur mit paar Ausnahmen.
Manche Kollegen ziehen die Schutzkleidung an, da sie LKWs beschauen oder bei der Post (da sie Pakete hin und her schleppen) und somit die Verschmutzung der eigenen Kollegen verhindern wollen. Ist natürlich verständlich

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon Amtsdepp » Di 27. Jan 2015, 20:17

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis ein mündiger Bürger durchdreht und zur Waffe greift ! Kein Wunder bei stetig steigenden Postabfertigungen und Kfz-Steuer Sündern...........

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon zoellner » Di 27. Jan 2015, 20:37

Wie schon geschrieben, gibt es beim Zollamt Berlin-Schöneberg sehr oft Probleme mit Bürgern. Daher wünschte man sich Dienstkleidung um nach aussen hin klar zu machen, dass man nicht Kalle von Nebenan ist den mal anpöbeln kann, sondern ein Vertreter des Staates und einer Behörde. Dies schafft eine gewisse Distanz, die den ein oder anderen schon dazu veranlasst zurückhaltender zu sein.
Ob nun unbedingt ein RSG notwendig ist glaube ich nicht. Die Konsequenz wäre ja, dass jeder Beamte ein RSG in der Abfertigung tragen müsste. Wenn man aber bauliche Veränderungen durchführt, kann man Angriffen entgehen.

Ein Schalter mit Durchreiche wäre da eine Idee. Hier würde es aber nicht lange dauern bis irgendwer die Bürgerfreundlichkeit anmahnt. Die Ämter sollen doch freundlich und offen sein.

Als Kompromiss könnte ich mir Alarmschalter und Deeskalatationstraining vorstellen. So dass man den Angreifer zumindest so lange beschäftigt, bis eine Polizeistreife da ist.

Wie so häufig scheint einfach noch nicht genug passiert zu sein, als das eine Statistik nachweisen kann das ein Gefährdungspotenzial da ist. Ein sehr großer Faktor ist aber auch das Auftreten gegenüber dem Zollbeteiligten.

Ich erlebe es immer wieder und spreche mich selbst auch nicht wirklich davon frei, aber man stumpft mit der Zeit ab. Wenn ich hier an der CH-Grenze an diverse große Zollämter komme, wo viele LKW-Fahrer und Spediteure ihre Waren abfertigen müssen muss ich schon sagen, dass der Ton von nicht wenigen Zollbeamten unter aller Sau ist. Man wird ignoriert, nicht angeschaut, angeblafft, bekommt pampige Antworten. Dass da dann ein LKW Fahrer, der des Deutschen vllt nicht so gut mächtig ist und auch nicht so häufig an diesem Zollamt ist mal ausrastet, weil er von Pontius zu Pilatus geschickt wird, ihm nicht erklärt wird was gerade passiert und er wegen Kleinigkeiten stundenlang warten muss, kann ich gut verstehen.

Der Zollbeamte hat möglicherweise an diesem Tag schon hundert Mal die gleichen Antworten und Erklärungen gegeben und ist deswegen genervt. Für den LKW-Fahrer ist das aber das erste Mal das er diese Antwort bekommt. Der versteht nicht warum der Kollege in anblafft und genervt ist.

Da sollte jeder sich mal an die eigene Nase fassen und überlegen, ob der Ton und das Verhalten angemessen ist. :ja:

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon Controller » Di 27. Jan 2015, 21:29

schöner Beitrag @ zoellner

der gilt :polizei10:

natürlich nicht nur für euch. :zustimm:
Wäre es das höchste Ziel eines Kapitäns, sein Schiff in Stand zu halten,
so ließe er es auf immer im Hafen. (Thomas von Aquin)

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Re: Postabfertigung Zollamt - Gefahren

Beitragvon turboman » Di 27. Jan 2015, 23:03

zoellner hat geschrieben: Da sollte jeder sich mal an die eigene Nase fassen und überlegen, ob der Ton und das Verhalten angemessen ist. :ja:
Ja, da kann ich teilweise auch nur den Kopf schütteln. Es gibt nunmal Kollegen die mehr als ungeeignet für den "Dienstleistungsbereich" sind :nein:
und die brauchen sich dann auch nicht wundern, wenn der ein oder andere frei dreht. Aber auch diese Kollegen haben das Recht auf Eigensicherung :polizei3:

Zurück zum Thema: Aus meiner Sicht ist in diesen Bereichen definitiv Handlungsbedarf von Nöten. Wir haben nunmal nicht mehr die 90'er, wo Thorsten oder Ali es sich zweimal überlegt, ob er den Beamten fragt ob er etwas sagen darf und sich dabei entschuldigt. Heute wundert man sich doch teilweise schon über ein SIE. Das sollte man sich mal langsam aber sicher verinnerlichen. Die Läden machen nach und nach dicht, zum Großteil läuft alles nur noch über Online-Plattformen. Wir wissen bis zum tatsächlichen Öffnen der Pakete nicht annähernd welche Gefahren sich darin befinden oder sich daraus noch entwickeln können, noch haben wir irgendeine Ahnung wer da eigentlich gerade vor uns steht. Abgesehen davon ist es ja nicht so, als würden da alle mit EC-Karte zahlen. Ist meines Erachtens nach im heutigen Zeitalter einer Anregung würdig.


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